Pfund-Noten der Bank von England mit Überdrucken aus der Zeit der deutschen Besetzung Guernseys

Die kroneigenenen Kanalinseln Jersey, Guernsey und Sark vor der französischen Normandie-Küste waren das einzige britische Territorium, das im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt war. Da der von deutscher Seite eingeführten Mark-Währung seitens der Bevölkerung misstraut wurde und schon bald allgemeiner Kleingeldmangel herrschte – die einheimischen wie auch die englischen Pfund-Noten wurden von der Bevölkerung gehortet und die Münzen waren schon lange aus dem Umlauf verschwunden –, setzte man mit deutschem Einverständnis bereits kurze Zeit nach der Besetzung 1941 neue Geldscheine für Guernsey wie auch für Jersey mit englischer Währungsbezeichnung in Umlauf und erklärte diese zu offiziellen Zahlungsmitteln. Sie liefen neben den britischen Pfund-Noten um. Im Gegenzug verlangte die deutsche Besatzung Guernseys, dass im selben Nennwert von 5000 Britischen Pfund 1-Pfund-Noten der Inselwährung (States of Guernsey) aus dem Verkehr zu ziehen und für die Vernichtung zurückzuhalten wären. Diese Noten wurden jedoch zuvor von der lokalen Inselverwaltung mit Handstempeln „Withdrawn from circulation (Zurückgezogen aus dem Umlauf)“ auf Vorder- und Rückseiten sowie mit einem Datum versehen.


1-Pfund-Note von Guernsey aus der Zeit der deutschen Besatzung von 1943. Vs. Küste mit Schiffen.

1-Pfund-Note von Guernsey von 1943. Rs. Ornamente mit Wappen von Guernsey.

Als die neuen Kleingeldscheine der Inseln ebenfalls knapp wurden, erteilte die deutsche Besatzung Guernseys eine neuerliche Genehmigung zur Ausgabe weiterer Scheine mit niedrigen Nominalen über die Gesamtsumme von 5000 Pfund. Diesmal forderte die deutsche Seite jedoch die Übergabe von 5000 britischen 1-Pfund-Noten der Bank von England aus dem Zahlungsmittel-Umlauf. Auch diese Noten wurden aber zuvor vom Government mit entsprechenden Überdrucken versehen und sind heute sehr rar.

Nach der Befreiung der Inseln 1945 wurden 2000 Scheine davon auf Jersey gefunden und an die Bank von England zurückgeführt. Die noch vorhandenen etwa 3000 Stücke wurden in den frühen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch die Bank an Sammler, vorwiegend aus den USA, verkauft. Es handelt sich dabei um die grünen Pfund-Noten mit Unterschriften von Mahon, Catterns oder Peppiatt ohne Datum

(aus den Jahren 1928 bis 1939) sowie um die blauen sog. Kriegs-Pfund mit Unterschrift Peppiatt, die ab 1940 in den Umlauf gelangten. Die Scheine kommen mit zwei verschiedenen Überdrucken „Withdrawn from Circulation – September 18th 1941.“ und „Withdrawn from Circulation – November 10th 1941.“ vor. Mit diesen Überdrucken waren die Pfund-Noten für den Umlauf unbrauchbar gemacht und für die deutsche Seite nicht mehr zu verwerten, da leicht zu erkennen war, dass es sich um die Pfund-Noten handelte, welche der deutschen Besatzungsmacht übergeben werden mussten.



1-Pfund-Note der Bank of England o.D. mit Überdruck. Vorder- und Rückseite.

Zwischenzeitlich befinden sich nur noch etwa 300 Stück am Markt, von denen alle Kontrollnummern aufgezeichnet sind. Dabei dürfte es sich um den Restbestand dieser interessanten Zeugnisse im Zusammenhang mit der deutschen Besatzungspolitik im Zweiten Weltkrieg handeln.


Die von deutscher Seite genehmigten Kleingeldschein-Ausgaben für Guernsey und Jersey sind schon seit langer Zeit auch von Sammlern deutscher Nebengebiete gesucht und sind im Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" aufgeführt und aktuell bewertet.


Hans L. Grabowski


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