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Wie lassen sich die notwendigen Devisen beschaffen?

Anmerkungen zu den Wertscheinen der (Inter-)hotels

Der DDR-Außenhandel beschränkte sich in den 1950er und 1960er Jahren zu 95 Prozent auf die im „Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) zusammengeschlossenen Staaten.[1] Zwischen ihnen wurde seit 1963 der Handel ausschließlich in Transferrubel abgewickelt.[2] Diese konnten bei Zahlungen außerhalb des RWG nicht verwendet werden.

Die rohstoffarme DDR musste jedoch für ihre Industrieproduktion zunehmend Waren auf dem Weltmarkt gegen harte Währung einkaufen. Die Devisenknappheit des Arbeiter- und Bauernstaats war sprichwörtlich. Daher entstand 1964 im Ost-Berliner Ministerium für Außenhandel der Bereich „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo) unter der Leitung von Staatssekretär Alexander Schalk-Golodkowski mit dem obersten Ziel der Devisen-Beschaffung. Um diese zu erwirtschaften, waren Exporte ins nichtsozialistische Ausland notwendig. Das führte dazu, dass Waren (z. B. Kleidung, Möbel) zum Teil unter den Herstellungskosten an Versandhäuser und Kaufhäuser in Westdeutschland verkauft wurden.


Anfang der 1970er Jahre bemühte sich die DDR-Führung, die Akzeptanz der Bevölkerung für den Sozialismus durch eine spürbare Verbesserung des Lebensstandards zu steigern.

Die notwendigen Güter (z. B. Kaffee, Kakao, Südfrüchte usw.) waren auf dem Weltmarkt ebenfalls nur gegen harte Valuta erhältlich. Um die benötigten Devisen zu erhalten, war die DDR-Führung auch bereit, fragwürdige Wege zu gehen. Zwischen Ende 1962 bis 1989 zahlte die Bundesregierung über 3,44 Milliarden DM an die DDR, um etwa 33.000 politische Gefangene und 250.000 Ausreisewillige freizukaufen. Außerdem erhielt die DDR aufgrund des Transitabkommens seit 1971 jährlich DM-Zahlungen. So flossen z. B. 1974: 234 Millionen DM, 1978: 400 Millionen DM und 1989: 525 Millionen DM in die Staatskasse der DDR.


Da die Mark der DDR eine reine Binnenwährung[3] war, spielte sie im internationalen Zahlungsverkehr keine Rolle. In der DDR betrug der offizielle Umtauschkurs zur D-Mark 1:1.

Er galt auch beim Mindestumtausch (sog. „Zwangsumtausch“)[4] für Bürger der Bundesrepublik und West-Berlins bei DDR-Besuchen oder bei der Bereitstellung des Reisegelds von 15 DM für DDR-Bürger, die ins westliche Ausland fahren durften. Der übliche Schwarzmarkt-Kurs lag meist bei 1:4, d. h. für eine DM erhielt man vier Mark der DDR, zeitweise auch mehr.


Im Besitz der Bevölkerung der DDR befanden sich beträchtliche Mengen an Devisen, insbesondere DM-Zahlungsmittel waren vorhanden, obwohl der Besitz und Handel mit "Westgeld" offiziell stark reglementiert war. Das Geld stammte aus Sendungen von Verwandten aus der Bundesrepublik, Einnahmen aus Reisen in den Westen, Verkauf von Antiquitäten oder Kunst an westliche Käufer und natürlich Schwarzmarkt-Geschäften.

Über den Umfang der begehrten DM-Zahlungsmitteln liegen natürlich keine konkreten Zahlen vor, Schätzungen aus den 1980er Jahren gehen aber davon aus, dass private Haushalte in der DDR über mehrere Milliarden DM verfügten.


Seit 1962 verkauften Intershop-Läden Westprodukte und sonst nicht zu erhaltende hochwertige Waren aus DDR-Produktion gegen Zahlung in Devisen. Um schneller an die gehorteten Westzahlungsmittel der Bevölkerung zu kommen, regelte man die Zahlung in den Intershops neu. Mit Einführung der Forumschecks am 16. April 1979, durften DDR-Bürger dort nicht mehr mit frei konvertierbaren Währungen zahlen. Diese mussten zuvor bei den Bankinstituten der DDR oder den Filialen der Staatsbank der DDR gegen sog. Forumschecks umgetauscht werden. Die Intershops waren mit einer Rendite von bis zu 70 Prozent enorm gewinnträchtig. Zwischen 1971 und 1989 trugen allein sie mit 14,3 Milliarden DM zur Staatssanierung bei.


Weitere Devisen sollten von Touristen und Geschäftsreisenden aus dem westlichen Ausland und der BRD generiert werden. 1963 setzte Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Heinz Siegert ein, die zu diesem Zweck ein Netz gehobener Hotels schaffen sollten. Nach zweijähriger Vorbereitungszeit war es am 1. Januar 1965 so weit. Zwölf Hotels in Berlin, Erfurt, Jena, Magdeburg, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Leipzig öffneten unter dem Markenzeichen „Interhotel“ die Pforten, zu ihnen gehörten in Ost-Berlin das Hotel Stadt Berlin, das Hotel Berolina und das Hotel Unter den Linden, in Erfurt der Erfurter Hof, in Weimar das Hotel Elephant, in Leipzig das Hotel Astoria und in Karl-Marx-Stadt der Chemnitzer Hof. Bis 1989 wuchs die Hotelkette auf 34 Häuser mit rund 20.000 Betten an.[5]


Die Interhotels[6]  wandten sich mit ihrer gehobenen Ausstattung und einer gepflegten, internationalen Küche an ausländische Gäste. Die sogenannten „Devisenhotels“, Fünf-Sterne-Häuser, standen nahezu ausschließlich Besuchern aus dem „nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ (NSW) offen.[7] Bezahlt wurde hier in frei konvertierbaren Währungen, also DM, US-Dollar usw. Die Hotels waren zentral organisiert und unterhielten auch Intershops.


Als Folge der neuen wirtschaftspolitischen Ausrichtung nach dem VIII. Parteitag der SED (15. – 19. Juni 1971) wurden einige Luxusherbergen auch den DDR-Bürgern geöffnet.

„1971/72 waren in sechs von der Vereinigung Interhotel sowie der HO und der Mitropa betriebenen Hotels (in Oberhof, Dresden, Warnemünde, Potsdam, Schwerin und Saßnitz) insgesamt 2.000 Betten dem FDGB[-Feriendienst] zugeteilt worden, sodass wohl jährlich 30.000 bis 40.000 Urlauber diesen Luxus zum Spottpreis von 310 Ostmark für zwei Wochen genießen konnten.“[8]

Zu Beginn lag der Übernachtungspreis für ein Zweibettzimmer ohne Frühstück in Vier-Sterne-Hotels bei 40 bis 60 Mark, in Fünf-Sterne-Hotels bei 45 bis 75 Mark. Ein DDR-Ehepaar mit Ferienscheck zahlte inklusive Verpflegung nur 52 Mark pro Tag. Bei ausländischen Gästen lag der Preis höher, allerdings wurde nicht mehr verlangt als in vergleichbaren westlichen Hotels.


Das Flaggschiff der Interhotelkette – das „Grand Hotel“ in der Friedrichstraße – wurde 1987 im Beisein Honeckers eröffnet. Die Übernachtungspreise reichten von 275 DM für ein Einzelzimmer bis mindestens 3.600 DM für eine Suite.[9] Das war „Weltniveau“.


Warnemünde, HO-Hotel "Neptun", Strandkörbe ADN-ZB Junge 21.4.1972 Bez. Rostock: Neue gastronomische Perle des Ostseebeirkes. Das neue unmittelbar hinter den Dünen der Ostsee gelegene HO-Hotel "Neptun" in Rostock - Warnemünde eröffnete am 7.6.1971 seine Pforten. Abb. Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Bundesarchiv Bild 183-L0424-306.
Warnemünde, HO-Hotel "Neptun", Strandkörbe ADN-ZB Junge 21.4.1972 Bez. Rostock: Neue gastronomische Perle des Ostseebeirkes. Das neue unmittelbar hinter den Dünen der Ostsee gelegene HO-Hotel "Neptun" in Rostock - Warnemünde eröffnete am 7.6.1971 seine Pforten. Abb. Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Bundesarchiv Bild 183-L0424-306.

Es ist kein Geheimnis, dass die Interhotels von der Stasi überwacht wurden. Hinter den Kulissen werkelten Abhörspezialisten. Im Hotel „Neptun“ in Warnemünde kam in den Zimmern ausgefeilte Mikrofon- und Videotechnik zum Einsatz – und selbst die Restauranttische waren verwanzt. Obwohl laut § 249 Strafgesetzbuch Prostitution als „asoziales Verhalten“ verboten war, boten manche Häuser auch den diskreten Service, ein Call-Girl zu bestellen, an.


Die DDR unternahm große Anstrengungen, den Gästen aus dem westlichen Ausland einen Aufenthalt auf internationalem Niveau zu bieten. Dazu gehörten besondere, exklusive Speisen und Getränke im Hotelrestaurant, die allerdings mit harter Währung bezahlt werden mussten.


In einigen Häusern, die auch für DDR-Bürger zugänglich waren, begegnete man nicht nur ausländischen Gästen, sondern auch besonderen Wertscheinen zu 50 Pf(ennig), 1, 2, 5, 10, 20 und 50 M(ark), wobei nicht alle Werte für jeden Emittenten hergestellt wurden.

Die Scheine haben die Größe 140 mm x 75 mm und unterscheiden sich bei der Farbgebung bei den einzelnen Hotels, sind aber sonst weitgehend gleich gestaltet.


Auf der Vorderseite wird in einem Schmuckrahmen im mittleren Teil auf einer Guilloche die Bezeichnung „Wertschein“ oder „Storeticket“ und darüber das ausgebende Hotel (z. B. Hotel Neptun Warnemünde; Interhotel Panorama Oberhof) genannt. Unten am Rand heißt es dann „hat nur Gültigkeit im Hotel …“ oder auch in Englisch „only for payment in the hotel …“.

Rechts von diesen Angaben in einer Guilloche eine große Wertzahl und darunter kleiner ein „M“ für Mark, darüber eine sechsstellige Kennziffer mit vorgesetzter „Nr“ bzw. „No“.

Der rechte weiße Schaurand ist bedruckt mit „Wertschein / über / Wertzahl (groß) / M / Name des ausgebenden Hotels mit einem entsprechenden Logo“.


Die Rückseiten sind bei den Ausgaben der verschiedenen Emittenten individueller gestaltet: Firmensignet oder Abbildung des Hotelgebäudes im Unterdruck sowie Angabe des Hotelnamens. Am unteren Rand „Nur gültig zur Bezahlung von Speisen und Getränken“, manchmal auch zusätzlich am oberen Rand „As payment only for meals and drinks“.

Da die Scheine undatiert sind, kann das Druckjahr nur am Druckvermerk in der unteren linken Scheinecke abgelesen werden, z. B. „C 439 75 III 18 185“; die 75 gibt dabei das Druckjahr (1975) an. Die Wertscheine dürften in Leipzig bei „VEB Wertpapierdruckerei der DDR“ gedruckt worden sein. Es wurden mehrere Wasserzeichenpapiere verwendet.


Die Wertscheine mussten von den Reisenden aus dem kapitalistischen Ausland gegen Devisen erworben werden, um damit exklusive Waren (z. B. hochwertige Speisen, Alkohol, Importprodukte) im Hotel zu bezahlen. Somit war der Zugang zu diesen Waren nur bestimmten Gästegruppen möglich und verhinderte einen „Ausverkauf“ an DDR-Bürger.

Die Verwendung der Wertscheine hatten ferner den Vorteil, dass Hotelangestellte nicht in den Besitz der begehrten Valuta gelangten. Damit auch verdiente Werktätige der DDR die Vorzüge einer Unterkunft und Verpflegung in den Luxushäusern in Anspruch nehmen konnten, erhielten Sie vom FDGB-Feriendienst einen gewissen Tagessatz in Form der Wertscheine.


Abb. 1.1: Ahrenshoop, Ostseehotel, o. D. (1982), 10 M, Vorderseite.
Abb. 1.1: Ahrenshoop, Ostseehotel, o. D. (1982), 10 M, Vorderseite.
Abb. 1.2: Ahrenshoop, Ostseehotel, o. D. (1982), 10 M, Rückseite.
Abb. 1.2: Ahrenshoop, Ostseehotel, o. D. (1982), 10 M, Rückseite.
Abb. 2.1: Dresden, Hotel Bastei, o. D. (1986), 10 M, Vorderseite.
Abb. 2.1: Dresden, Hotel Bastei, o. D. (1986), 10 M, Vorderseite.
Abb. 2.2: Dresden, Hotel Bastei, o. D. (1986), 10 M, Rückseite.
Abb. 2.2: Dresden, Hotel Bastei, o. D. (1986), 10 M, Rückseite.
Abb. 3.1: Oberhof, Interhotel Panorama, o. D. (1984), 2 M, Vorderseite.
Abb. 3.1: Oberhof, Interhotel Panorama, o. D. (1984), 2 M, Vorderseite.
Abb. 3.2: Oberhof, Interhotel Panorama, o. D. (1984), 2 M, Rückseite.
Abb. 3.2: Oberhof, Interhotel Panorama, o. D. (1984), 2 M, Rückseite.
Abb. 4.1: Oberhof, Hotel Panorama, o. D. (1986), 5 M, Vorderseite.
Abb. 4.1: Oberhof, Hotel Panorama, o. D. (1986), 5 M, Vorderseite.
Abb. 4.2: Oberhof, Hotel Panorama, o. D. (1986), 5 M, Rückseite.
Abb. 4.2: Oberhof, Hotel Panorama, o. D. (1986), 5 M, Rückseite.

Abb. 5.1: Saßnitz, MITROPA Rügen-Hotel, o. d. (1987), 20 M, Vorderseite.
Abb. 5.1: Saßnitz, MITROPA Rügen-Hotel, o. d. (1987), 20 M, Vorderseite.
Abb. 5.2: Saßnitz, MITROPA Rügen-Hotel, o. d. (1987), 20 M, Rückseite.
Abb. 5.2: Saßnitz, MITROPA Rügen-Hotel, o. d. (1987), 20 M, Rückseite.
Abb. 6.1: Warnemünde, Hotel Neptun, o. d. (1975), 1 M, Vorderseite.
Abb. 6.1: Warnemünde, Hotel Neptun, o. d. (1975), 1 M, Vorderseite.
Abb. 6.2: Warnemünde, Hotel Neptun, o. d. (1975), 1 M, Rückseite.
Abb. 6.2: Warnemünde, Hotel Neptun, o. d. (1975), 1 M, Rückseite.

Von den einheitlichen Wertscheinen sind die Verzehrbons des Interhotels „International“

in Magdeburg zu unterscheiden.


Abb. 7: Magdeburg, Interhotel International, Café Wien, o. d, (1979), 10 M. Vorderseite.
Abb. 7: Magdeburg, Interhotel International, Café Wien, o. d, (1979), 10 M. Vorderseite.

Außerdem sind von den beschriebenen Wertzeichen die undatierten Wertscheine des Frankfurter Hofs in Frankfurt (Oder), des Schloss- und Parkhotels Reinhardsbrunn in Friedrichroda, des Hotels Ernst Thälmann in Oberhof und des Ringberghauses in Suhl zu unterscheiden. Die Storetickets des Frankfurter Hofs fallen dabei vollkommen aus dem Rahmen, lauten sie doch auf DM. Somit dürfte ihre Ausgabe erst für die Zeit nach der Währungsumstellung geplant gewesen sein. Da sich für ihre Nutzung kein plausibler Grund mehr fand, wurde sie wohl nie ausgegeben.


Abb. 8.1: Frankfurt (Oder), Hotel Stadt Frankfurt, o. D. (1990), 5 DM, Vorderseite.
Abb. 8.1: Frankfurt (Oder), Hotel Stadt Frankfurt, o. D. (1990), 5 DM, Vorderseite.
Abb. 8.2: Frankfurt (Oder), Hotel Stadt Frankfurt, o. D. (1990), 5 DM, Rückseite.
Abb. 8.2: Frankfurt (Oder), Hotel Stadt Frankfurt, o. D. (1990), 5 DM, Rückseite.

Die Scheine des Schloss- und Parkhotels Reinhardsbrunn dürften am ehesten vergleichbar mit den Einheitsausgaben gewesen sein, denn das Hotel wurde sowohl von DDR-Bürgern wie Touristen aus der Bundesrepublik besucht.


Abb. 9.1: Friedrichroda, Schloss- und Parkhotel Reinhardsbrunn, o. D., 50 Pfennig, Vorderseite.
Abb. 9.1: Friedrichroda, Schloss- und Parkhotel Reinhardsbrunn, o. D., 50 Pfennig, Vorderseite.
Abb. 9.2: Friedrichroda, Schloss- und Parkhotel Reinhardsbrunn, o. D., 50 Pfennig, Rückseite.
Abb. 9.2: Friedrichroda, Schloss- und Parkhotel Reinhardsbrunn, o. D., 50 Pfennig, Rückseite.

Das Hotel Ernst Thälmann in Oberhof war ein Konsum-Erholungsheim und Haus des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund), in dem wahrscheinlich nur DDR-Bürger Urlaub machten.


Abb. 10.1: Oberhof, Hotel Ernst Thälmann, o. D., 50 Mark, Vorderseite.
Abb. 10.1: Oberhof, Hotel Ernst Thälmann, o. D., 50 Mark, Vorderseite.
Abb. 10.2: Oberhof, Hotel Ernst Thälmann, o. D., 50 Mark, Rückseite.
Abb. 10.2: Oberhof, Hotel Ernst Thälmann, o. D., 50 Mark, Rückseite.

Abb. 11.1: Suhl, Ringberghaus, o. D., 5 Mark, Vorderseite.
Abb. 11.1: Suhl, Ringberghaus, o. D., 5 Mark, Vorderseite.
Abb. 11.2: Suhl, Ringberghaus, o. D., 5 Mark, Rückseite.
Abb. 11.2: Suhl, Ringberghaus, o. D., 5 Mark, Rückseite.

Das "Ringberghaus" in Suhl gehörte dem Bauernverband der DDR (VdgB = Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe), wo Landwirte aus der gesamten Republik ihren Urlaub verbrachten. Die Scheine dürften als internes Verrechnungsgeld gegolten haben, wie wir es z. B. von den Speisetalons des Reisebüros der DDR in Zinnowitz auf Usedom kennen.

Sie wurden aber auch von verschiedenen Geschäften in der Stadt Suhl angenommen, so z.B. von dem auf der Rückseite abgebildeten CENTRUM-Warenhaus Suhl.


Suhl blickt auf eine jahrhundertelange Tradition in der Waffenherstellung zurück. Heute produzieren vor allem zwei traditionsreiche Unternehmen hier: Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH sowie C. G. Haenel. In der DDR-Zeit kamen die Waffen vom VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ Suhl, wo auch Sportwaffen hergestellt wurden. 

Suhl war als international anerkanntes Schießsportzentrum regelmäßig Gastgeber internationaler Trainingslager und Vergleichswettkämpfe. 1986 fand hier die

44. Weltmeisterschaft im Sportschießen statt. Teilnehmer sowie Vertreter der internationale Presse waren u. a. in dem zu diesem Anlass neu erbauten Hotel Stadt Suhl untergebracht, das zur WM auch eigenes Hotelgeld ausgab.


Abb. 12.1: Zinnowitz, Hotel Zinnowitz (Reisebüro der DDR), 1985, 1 Mark, Vorderseite.
Abb. 12.1: Zinnowitz, Hotel Zinnowitz (Reisebüro der DDR), 1985, 1 Mark, Vorderseite.
Abb. 12.2: Zinnowitz, Hotel Zinnowitz (Reisebüro der DDR), 1985, 1 Mark, Rückseite.
Abb. 12.2: Zinnowitz, Hotel Zinnowitz (Reisebüro der DDR), 1985, 1 Mark, Rückseite.

Nach der Wiedervereinigung wurden zahlreiche Häuser des Reisebüros der DDR sowie die Interhotels von der Treuhandanstalt verwaltet.  1991 übernahm die Klingbeil-Gruppe fast alle Häuser und im Dezember 2006 wurden die verbliebenen Hotels der Deutschen Interhotel AG an die Blackstone Group für ca. 750 Mio. € verkauft.


Uwe Bronnert


Anmerkungen

[1] Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) war eine internationale Organisation sozialistischer Staaten. Er wurde am 25. Januar 1949 als Antwort auf den US-amerikanischen "Marshall-Plan" gegründet und sollte die wirtschaftliche Planung der Mitgliedstaaten koordinieren, um eine unabhängige sozialistische Wirtschaft zu schaffen, ferner den Handel zwischen den Mitgliedstaaten und der Bereitstellung gegenseitiger Kredite fördern. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die Sowjetunion, Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und die Tschechoslowakei. Am 23. Februar 1949 trat Albanien (ab 1961 ruhte die Mitgliedschaft) dem Bündnis bei und am 29. September 1950 folgte die DDR. Ab 1962 wurde der RGW für nicht-europäische Staaten geöffnet und international ausgebaut. Neue Mitglieder wurden die Mongolei (1962), Kuba (1972) und Vietnam (1978). Am 17. September 1964 trat Jugoslawien einigen Organen des RGW bei. China (bis 1961) und Nordkorea erhielten Beobachterstatus. Am 16. Mai 1973 unterzeichnete Finnland ein Kooperationsabkommen mit dem RGW, 1975 folgten dann der Irak und Mexiko, Angola 1976, Nicaragua 1984, Mosambik 1985.

Im November 1986 nahmen Delegierte aus der Demokratischen Republik Afghanistan, Äthiopien, der Demokratischen Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Laos als Beobachter an einem Treffen teil. Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa und den politischen Veränderungen ab 1989 wurde der RGW am 28. Juni 1991 offiziell aufgelöst.

[2] Dabei galt 1 Transferrubel 4,67 Ost-Mark.

[3] Zahlungsmittel der DDR durften weder ein- noch ausgeführt werden.

[4] Der Mindestumtausch wurde am 2. Dezember 1964 eingeführt und nach der "Wende" am 24. Dezember 1989 abgeschafft. Insgesamt erzielte die DDR-Regierung mit dieser Maßnahme Einnahmen in Höhe von 4,5 Milliarden DM.

[5] Hasso Spode, Urlaub macht Geschichte, Reisen und Tourismus in der DDR, Bonn 2023, S. 148.

[6] Nahezu alle Hotels der gehobenen Klasse in der DDR waren Interhotels; bekannte Ausnahmen stellten das HO-Hotel Neptun in Warnemünde und das dem Reisebüro der DDR gehörende Hotel Cecilienhof in Potsdam dar.

[7] 1978 waren es etwa 9,5 Millionen Gäste aus dem kapitalistischen Ausland.

[8] Hasso Spode, S. 149.

[9] Ebenda, S. 156.

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