Zur Geschichte des Geldes: "Fliegendes Geld" der Chinesen

Aktualisiert: 23. Juli 2018


China, Staatspapiergeld des Reichsschatzamts der großen Ming-Dynastie nach 1375 zu 1 Kuan (= 1000 Käsch in Kupfermünzen oder 1 Tael in Silber), Originalgröße 215 x 335 mm (ältester Geldschein aus der Sammlung der Deutschen Bundesbank)

Bevor wir uns der Papiergeld-Geschichte Europas zuwenden, machen wir einen kleinen Ausflug in das Reich der Mitte, wo schon Anfang des 7. Jahrhunderts „Papiergeld“ kursierte. Zu diesen frühen Geldscheinen gehören die während der Tang-Dynastie in China (618 – 906) ausgestellten Depositenscheine. Im Tausch gegen diese Scheine konnten die Kaufleute an verschiedenen Orten ihr Metallgeld wieder abheben.

Das erste echte Papiergeld entstand ebenfalls in China. Zu Beginn der Sung-Dynastie (960 – 1279) veranlasste der Gouverneur der Provinz Szetchuan 16 angesehene Handelshäuser zum Zusammenschluss als eine Art Gilde und zur Ausgabe von sogenannten Kiao-tsu (Umlaufmitteln). Diese Scheine lösten das wegen seines hohen Gewichts sehr unpraktische Eisengeld der Provinz ab. Bereits um das 10. Jahrhundert hatten die Chinesen damit ein hervorragendes Geldsystem geschaffen, in dem das Papiergeld schon eine wichtige Rolle spielte.

Die sogenannten „Ming-Scheine“ aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368 – 1398) sind interessant gestaltet, weil z.B. auf einem 1000-Käsch-Schein sogar der Wert in Form von Münzzeichnungen abgebildet ist. Auch wer nicht lesen konnte, verstand damit, welchen Wert dieser Schein repräsentierte.

Diese frühe Entwicklung blieb jedoch für den Rest der Welt ohne Einfluss. Als Marco Polo, der im 13. Jahrhundert über 20 Jahre am Hof des Kublai Khan in Peking weilte, nach Europa zurückgekehrt über seine Abenteuer und Reisen berichtete und dabei auch die Herstellung und den Gebrauch von Papiergeld in China erläuterte, schenkte man ihm keinen Glauben, da zu dieser Zeit die Nutzung von „wertlosem Papier“ als Geld in der westlichen Welt unvorstellbar war. Er erinnerte sich später: „All dieses Geld aus Papier wird mit großem Gepränge und Aufsehen gemacht, als wenn es lauter lötig Silber oder reines Gold wäre“.

Über die Herstellung des frühen chinesischen Papiergelds schreibt Marco Polo: „Von Zweigen der Maulbeerbäume … lässt er (der große Khan) die Rinde abstreifen, das Innere, den Bast, aber einweichen und im Mörser zu Brei zerquetschen. Daraus wird dann Papier gemacht, das bis auf die kohlenschwarze Farbe dem aus Baumwolle hergestellten völlig gleicht. Es wird nun in rechteckige Stücke verschiedener Größen zerschnitten, je nach dem Wert, den es haben soll … Auf jedes Stück schreiben einige besonders dafür angestellte Beamte nicht nur ihren Namen, sondern drücken auch noch ihr Siegel drauf. Dann kommt das Geld zum obersten Münzmeister, und dieser taucht nun das ihm anvertraute Siegel in Zinnober und stempelt alle Scheine damit.“

Die Chinesen selbst nannten diese naturgemäß leichten Papierscheine „Fliegendes Geld“.

Übrigens geht der heute noch gebräuchliche englischsprachige Begriff "Cash" für Bargeld auf den chinesischen Käsch zurück.


Hans-Ludwig Grabowski

Abb. Deutsche Bundesbank, Geldmuseum

Handbuch Geldscheinsammeln

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