Zwei aktuelle Veröffentlichungen der Oesterreichischen Nationalbank
- Dr. Sven Gerhard

- vor 1 Stunde
- 3 Min. Lesezeit

Die Oesterreichische Nationalbank 1925 – Aufbruch in eine neue Zeit
64 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Format 21 x 25 cm, Broschur. Oesterreichische Nationalbank, Wien, 2025.
Zu bestellen über die Kunstsammlung der OeNB,
Frau Dott.ssa.mag. Chiara Galbusera: Chiara.Galbusera@oenb.at

Es war einmal … DER SCHILLING
80 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Format 21 x 25 cm, Broschur. Oesterreichische Nationalbank, Wien, 2025.
Zu bestellen über das Geldmuseum der OeNB: geldmuseum@oenb.at
Die Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) pflegt ihre Geschichte. Am Hauptsitz
Otto-Wagner-Platz in Wien unterhält die Bank neben dem Bankhistorischen Archiv das Geldmuseum mit zahlreichen Ausstellungsstücken aus der hauseigenen Sammlung.
Der Eintritt ist frei, ein Besuch lohnt sich. Daneben veranstaltet die Bank dort, sowie in ihrer letzten noch verbliebenen Zweiganstalt in Innsbruck regelmäßig wechselnde Sonderausstellung, zu denen auch Publikationen herausgegeben werden.
2025 war man aus Anlass des 100jährigen Jubiläums sowohl der Einführung der Schillingwährung in Österreich als auch des Bezugs des neuen Bankgebäudes am Otto-Wagner-Platz besonders rege: Im Oktober 2025 fand im historischen Kassensaal der Bank, leider nur für wenige Tage, die Sonderausstellung „1925 – Aufbruch in eine neue Zeit“ statt. Bereits im August war in den Räumen des Geldmuseums die Sonderausstellung „Es war einmal … DER SCHILLING“ eröffnet worden, die bis Anfang Juli 2026 lief. Anlässlich beider Ausstellungen erschien jeweils eine gedruckte Publikation, die hier kurz vorgestellt werden sollen.
Das im März 1925 eröffnete neue Bankgebäude markierte einen Wendepunkt in der österreichischen Architektur. Ursprünglich war es als Nebengebäude eines monumentalen Palastes der Oesterreichisch-ungarischen Bank geplant worden und sollte lediglich die Wertpapierdruckerei der Bank aufnehmen. Die Arbeiten am Bankpalast wurden infolge des Kriegsbeginns nicht mehr realisiert und waren nach dem Ersten Weltkrieg infolge der Auflösung der Bank obsolet geworden. Das teilweise bereits fertig gestellte Nebengebäude wurde von 1923 bis 1925 nach den Plänen der Architekten Rudolf Eisler und Ferdinand Glaser zum Hauptsitz der neugegründeten OeNB umgebaut. Es markiert durch seine nüchterne und funktionale Gestaltung mit zurückhaltenden geometrischen Dekorationselementen den Höhepunkt der Kunstrichtung der „Neuen Sachlichkeit“, die als Bau- und Kunststil nach dem Ersten Weltkrieg auch in Österreich Einzug hielt. Auch die Erstausgabe der neuen Schillingnoten war von dieser Kunstrichtung geprägt. Sie zog viel Kritik auf sich, insbesondere hinsichtlich der Porträtabbildungen auf der Vorderseite, so dass schon 1925 ein Künstlerwettbewerb für eine zweite Banknotenserie ausgerufen wurde.
Überhaupt war die Einführung der Schillingwährung in Österreich von zahllosen wirtschaftlichen Herausforderungen begleitet. Dennoch etablierte sich die Währung, die ab 1927 in den Umlauf gegebene Banknotenserie fand in der Öffentlichkeit Akzeptanz.
Im Dezember 1945 erlebte der Schilling seine Wiedergeburt, und erst 2002 verabschiedete er sich im Zuge der Euroeinführung auch in Österreich – nicht vollständig, da die Münzen und Banknoten der letzten Ausgabe unbegrenzt umtauschbar bleiben.
Beide Publikationen ergänzen sich und überzeugen durch sehr fundiert recherchierte und interessant geschriebene Texte sowie zahlreiche Abbildungen. In der Broschüre „1925 – Aufbruch in eine neue Zeit“ erhält der Leser neben vielen wertvollen Informationen rund um die Ausgabe der ersten Schillingnoten sowie der Folgeserie Einblicke in die künstlerische Gestaltung des Bankgebäudes zum Zeitpunkt seiner Eröffnung, und lernt ausgewählte Bilder österreichischer Künstler aus der Kunstsammlung der Bank kennen, die einen umfassenden Eindruck vermitteln, wie die Gestaltungen des Gebäudes zum Zeitpunkt seiner Eröffnung künstlerisch einzuordnen ist. Den Banknotensammler erfreuen neben den Abbildungen der Geldscheine der ersten Schillingserie von 1925 unter anderem bisher unveröffentlichte Entwürfe für die Banknoten der zweiten Serie aus dem Künstlerwettbewerb von 1925.
Die Publikation „Es war einmal … DER SCHILLING“ enthält darüber hinaus zahlreiche weitere Informationen über die durch die OeNB seit 1925 ausgegebenen Banknoten sowie Abbildungen, Fotos und Dokumente aus 70 Jahren Schillingwährung. Auch einige Fälschungen von Schillingnoten sind darunter. Wer sich für österreichisches Papiergeld interessiert, wird beide Publikationen mit viel Freude lesen. Sie werden durch die OeNB kostenfrei abgegeben, solange verfügbar.
Dr. Sven Gerhard




Kommentare