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Österreich-Ungarn – Geschichte einer Währungstrennung, Teil 2

Autorenbild: Uwe Bronnert
Uwe Bronnert
vor 1 Stunde
5 Min. Lesezeit

Die Abstempelung der Noten der Oesterreichisch-ungarischen Bank im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen


Aus dem früheren Königreich Serbien, dem Fürstentum Montenegro und den ehemaligen österreichischen Gebieten Kroatien, Slovenien, Dalmatien, Krain und Teilen der Steiermark, Bosnien, der Herzegovina, sowie weiteren Teilen Ungarns (die Komitate Bács-Bodrog, Torontál, Teile von Baranya, Temes, Krassó Szöreny und Zala) sowie einem bulgarischen Grenzstreifen entstand am 1. Dezember 1918 das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen.


Auf dem Territorium des neuen Staates liefen die verschiedensten Zahlungsmittel um: serbische Dinara, montenegrinische Perper, österreichisch-ungarische Kronen, bulgarische Leva, deutsche Mark – etwa einhundert verschiedene Noten und Münzen. Daher war eine der ersten Aufgaben, das Zahlungsmittel-Wirrwarr zu beseitigen und eine einheitliche Währung zu schaffen. Als ersten Schritt ordnete der Finanzminister am 12. Dezember 1918 die Abstempelung der umlaufenden Kronen-, Leva- und Mark-Scheine an.[1]


Gemäß der Anordnung musste das Papiergeld von den Besitzern bei näher bezeichneten Stellen, vorgelegt werden. Hier wurde der Notenbetrag im Ausweis des Einreichers eingetragen und die Geldscheine mit einem Stempelabdruck versehen. Die 10- bis 1000-Kronen-Noten erhielten zusätzlich eine laufende Nummer, die mit Tinte vermerkt wurde. Damit sollte nicht etwa die Note neu nummeriert, sondern nur der eingelieferte Posten gekennzeichnet werden.[2] Schließlich wurde die Summe der vorgelegten Scheine in einem Register festgehalten. Von der Kennzeichnung ausgeschlossen waren die Noten zu 20 Kronen – II. Auflage – sowie die Noten zu 25, 200 und 10.000 Kronen. Sie wurden nicht als Zahlungsmittel anerkannt. Auch die Einfuhr österreichisch-ungarischer Kronen-Noten wurde strengstens verboten.


Abb. 1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 2 Kronen, 1. März 1917, Vorderseite mit Stempel von „Lubljana“ (Laibach).
Abb. 1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 2 Kronen, 1. März 1917, Vorderseite mit Stempel von „Lubljana“ (Laibach).
Abb. 2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 2 Kronen, 1. März 1917, Vorderseite mit Stempel.
Abb. 2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 2 Kronen, 1. März 1917, Vorderseite mit Stempel.
Abb. 3: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 20 Kronen, 2. Januar 1913, Vorderseite mit Stempel.
Abb. 3: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 20 Kronen, 2. Januar 1913, Vorderseite mit Stempel.
Abb.  4: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 20 Kronen, 2. Januar 1913, Vorderseite mit Stempel, zusätzlich mit Zählstempel und Jahreszahl 1919.
Abb.  4: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 20 Kronen, 2. Januar 1913, Vorderseite mit Stempel, zusätzlich mit Zählstempel und Jahreszahl 1919.

Abb. 5: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 100 Kronen, 1. Januar 1912, Rückseite mit Stempel und Zählstempel.
Abb. 5: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 100 Kronen, 1. Januar 1912, Rückseite mit Stempel und Zählstempel.
Abb. 6: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 100 Kronen, 1. Januar 1912, Vorderseite mit Stempel.
Abb. 6: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 100 Kronen, 1. Januar 1912, Vorderseite mit Stempel.

Aufgrund der Vielzahl von Stellen, die bei der Aktion aktiv mitwirkten, sind verschiedene Arten von Stempeln zu unterscheiden:[3]


  1. (A) Runder Stempel (Durchmesser 33 mm); mit dem Wappen des Königreichs und Aufschrift des Finanzministeriums:  MИНСTAРСTВO ФИНAНСИJA KRAЉEВСTВA [SHS] СРБA, XРВATA И СЛOВEНAЦA   (MINISTARSTVO FINANSIJA KRALJEVSTVA SHS, SRBA, HRVATA I SLOVENACA); Stempelfarbe schwarz, maschinell angebracht.  Keller merkt zu diesem Stempel an: „Dieser Aufdruck ist offenbar in Wien für Südslavien hergestellt worden, denn … [sie] tragen .. den Druckfehler KRAЉEВСTВA statt KPAЉEВСTВA, der wohl nur auf nichtserbischem Sprachgebiet entstehen konnte. Er findet sich genau gleichmäßig auf allen bekannten Werten dieser Reihe. Ein Datum ist auf den Scheinen nicht angegeben, aber wir können sie doch auf das Jahr 1919 bestimmen. … Die Aufdrucknoten finden wir nirgends amtlich erwähnt. Sie hätten eigentlich die Abstempelung unnötig gemacht. Ob der Druckfehler verhindert hat, dass man sie allgemein in Umlauf setzte?“[4]

  2. (B) Runder Stempel (Durchmesser 42 mm), mit kleinem Wappen des Königreichs in der Mitte und Aufschrift: MинисTaрсTвo финaнсиja Бр. … Жигoсaњe нeприjaTeљсKoг нoвцa (MINISTARSTVO FINANSIJA BR … ŽIGOSANJE NEPRIJATELJSKOG NOVCA = Finanzministerium Nr. … Bestempelung von feindlichem Geld). Stempelfarbe schwarz, violett oder rot; von Hand angebracht.

  3. (C) Runder Stempel (Durchmesser 42 mm); mit kleinem Wappen des Königreichs in der Mitte und Aufschrift: KOMISIJA ZA SPROVODENJE VALUTNE REFORME KRALJEVSTVA S.K.S. BEOGRAD (Kommission zur Durchführung der Währungsreform des Königreichs S.K.S. Belgrad) bzw. mit ähnlichen Aufschriften. Stempelfarbe violett; von Hand angebracht. 

  4. (D) Andere Stempel von Banken, Postämtern, Militärbehörden, Kirchengemeinden Gerichtsstellen, Gemeinden, Bezirken usw. Verschiedene Formen, Größen und Stempelfarben.


Laut offiziellem Bericht vom 31. Januar 1919 wurden Scheine im Wert von insgesamt 5.323 Millionen Kronen, etwa 50 Millionen bulgarische Leva und eine geringe Menge deutscher Mark bestempelt.[5]


Abb. 7.1: Bulgarische Notenbank, o. D. (1916), 1 Leva, Vorderseite.
Abb. 7.1: Bulgarische Notenbank, o. D. (1916), 1 Leva, Vorderseite.
Abb. 7.2: Bulgarische Notenbank, o. D. (1916), 1 Leva, Rückseite mit Stempel.
Abb. 7.2: Bulgarische Notenbank, o. D. (1916), 1 Leva, Rückseite mit Stempel.
Abb. 8.1: Darlehenskassenschein, 12. August 1914, 1 Mark, Vorderseite.
Abb. 8.1: Darlehenskassenschein, 12. August 1914, 1 Mark, Vorderseite.
Abb. 8.2: Darlehenskassenschein, 12. August 1914, 1 Mark, Rückseite mit Stempel Zagubinja.
Abb. 8.2: Darlehenskassenschein, 12. August 1914, 1 Mark, Rückseite mit Stempel Zagubinja.

Der Artikel 206 des Friedensvertrags von St. Germain forderte die Abstempelung der Banknoten der Oesterreichisch-ungarischen Bank durch die Nachfolgerstaaten. So kam es, dass die jugoslawische Regierung die erste Abstempelung nur als statistische Maßnahme ansah und als nicht verbindlich erklärte. Am 5. November 1919 wurde daher eine neue, zweite Abstempelung für die Kronen-Noten angeordnet. Begründet wurde dies auch damit, dass „ein grosser Teil der ersten Stempel .. gefälscht gewesen [seien]. Fast die Hälfte war unlesbar! Viele Städte benutzten mehrere Stempel, was auch die Übersicht erschwerte. Schwach ausgefallene Stempel waren mit Kopierstift nachgezogen worden. Auch Münzabdrucke waren als Stempel angebracht worden – nämlich auf ungestempelt gebliebenen Scheinen, deren Ungültigkeit man dadurch verhindern wollte.“[6]


Abb. 9.1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 10 Kronen, 2. Januar 1904, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung.
Abb. 9.1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 10 Kronen, 2. Januar 1904, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung.
Abb. 9.2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 10 Kronen, 2. Januar 1904, Rückseite mit Stempel der ersten Stempelung.
Abb. 9.2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 10 Kronen, 2. Januar 1904, Rückseite mit Stempel der ersten Stempelung.
Abb. 10: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 100 Kronen, 2. Januar 1912, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung, sowie Stempel A der ersten Stempelung.
Abb. 10: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 100 Kronen, 2. Januar 1912, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung, sowie Stempel A der ersten Stempelung.
Abb. 11.1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung.
Abb. 11.1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung.
Abb. 11.2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Rückseite mit Stempel der ersten Stempelung.
Abb. 11.2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Rückseite mit Stempel der ersten Stempelung.
Abb. 12.1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung, sowie Stempel „Falsum" (Fälschung).
Abb. 12.1: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Vorderseite mit Marke und Stempelentwertung, sowie Stempel „Falsum" (Fälschung).
Abb. 12.2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Rückseite mit Stempel der ersten Stempelung.
Abb. 12.2: Oesterreichisch-Ungarische Bank, 1000 Kronen, 2. Januar 1902, Rückseite mit Stempel der ersten Stempelung.

Die zweite Abstempelung sollte in der Zeit vom 13. November bis 15. Dezember 1919 stattfinden. Scheine zu 10, 20, 50, 100 und 1000 Kronen mit als echt anerkannten Stempeln sollten nochmals gestempelt werden. Nicht gestempelte, falsch gestempelte Noten, sowie

1 -und 2-Kronen-Scheine sollten nicht nochmals gestempelt werden. Die neue Abstempelung sollte durch die Filialen der Oesterreichisch-ungarischen Bank und einer Anzahl anderer Banken erfolgen. Die neue Stempelung begann am 25. November, in Bosnien am

3. Dezember 1919 und bestand nun darin, dass auf die Noten eine Marke aufgeklebt wurde, die durch einen Stempel der ausführenden Kasse entwertet wurde.


Von den eingereichten Noten wurden 20 Prozent gegen Quittung einbehalten.

Die Quittungen sollten bis 1930 in Dinara ausgezahlt und mit 3 Prozent verzinst werden.


Nach einer Anordnung des Finanzministers begann ab 30. Januar 1920 der Umtausch der Noten zu 20, 50, 100 und 1000 Kronen auf dem Gebiet Serbiens und Montenegros und ab

7. Februar 1920 in den übrigen Gebieten. Nach mehreren Verlängerungen wurde der Umtausch gegen das neue Staatspapiergeld zu ½, 1, 5, 10, 20, 100 und 1000 Dinara

am 3. Juni 1920 beendet. Durch Beschluss des Ministerrates vom 20. Dezember 1919 war die Parität der Krone zum Dinar im Verhältnis 4:1 festgesetzt worden. Derselbe Beschluss sah einen zusätzlichen Aufdruck des Kronenwertes auf den neuen Dinar-Noten vor.


Abb. 13.1: SHS, 1. Februar 1919, ½ Dinara = 2 Kronen, Vorderseite.
Abb. 13.1: SHS, 1. Februar 1919, ½ Dinara = 2 Kronen, Vorderseite.
Abb. 13.2: SHS, 1. Februar 1919, ½ Dinara = 2 Kronen, Rückseite.
Abb. 13.2: SHS, 1. Februar 1919, ½ Dinara = 2 Kronen, Rückseite.
Abb. 14.1: SHS, o. D., 10 Dinara = 40 Kronen, Vorderseite.
Abb. 14.1: SHS, o. D., 10 Dinara = 40 Kronen, Vorderseite.
Abb. 14.2: SHS, o. D., 10 Dinara = 40 Kronen, Rückseite.
Abb. 14.2: SHS, o. D., 10 Dinara = 40 Kronen, Rückseite.
Abb. 15.1: SHS, o. D., 20 Dinara = 80 Kronen, Vorderseite.
Abb. 15.1: SHS, o. D., 20 Dinara = 80 Kronen, Vorderseite.
Abb. 15.2: SHS, o. D., 20 Dinara = 80 Kronen, Rückseite.
Abb. 15.2: SHS, o. D., 20 Dinara = 80 Kronen, Rückseite.

Die in Zagreb, Paris und Prag gedruckten Geldscheine erhielten ab 2. Januar 1920 den entsprechenden Aufdruck in Belgrad. Hier geschah beim kyrillischen Aufdruck ein Fehler. Obwohl es auf ihnen „4 KURNE“ statt „4 KRUNE“ hieß, wurden sie am 21. Februar 1920 in Umlauf gesetzt. Die kleineren Nennwerte zu einer, zwei und zehn Kronen blieben noch bis Ende des ersten Quartals 1922 im Umlauf und wurden dann in Scheine zu ¼ Dinar umgetauscht. Insgesamt 5.121,6 Millionen Kronen wurden so aus dem Verkehr gezogen.[7]


Uwe Bronnert


Fortsetzung folgt!


Anmerkungen

  1. Željko Stojanvoč, Papirni Novac Srbije i Jugoslavije – Das Papiergeld Serbiens und Jugoslawiens – Paper Money of Serbia and Yugoslavia, Belgrad 1996, S. 82.  Andere Autoren nennen andere Termine.

  2. Dr. Arnold Keller, Die Abstempelung der österreichisch-ungarischen Banknoten 1918 – 1920, Berlin-Wittenau 1962, S. 22.

  3. Željko Stojanvoč, S. 83.

  4. Dr. Arnold Keller, S. 21.

  5. Željko Stojanvoč,  S. 82.

  6. Dr. Arnold Keller, S. 50.

  7. Željko Stojanvoč,  S. 87.

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