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- Ein Fingerabdruck als Sicherheitsmerkmal – Notgeld aus dem ostpreußischen Mohrungen
Auf einer Halbinsel am Schertingsee hatte 1280 der Deutsche Orden eine sog. "Prußenburg" aus Holz errichtet, die später durch einen Steinbau ersetzt wurde. Das hier gegründete Mohrungen erhielt seinen Namen wahrscheinlich nach dem Ort Morungen bei Sangerhausen, von wo aus sich Siedler hier im ostpreußischen Oberland niedergelassen haben, die durch den Lokator Peter von Sumpf aus Thüringen an den Schertingsee geholt wurden. Im Südharz gab es eine Burg, wo der zu seiner Zeit bekannte Minnesänger Heinrich von Morungen gelebt hatte. Abb. 1: Alte Reklamemarke mit dem Stadtwappen von Mohrungen / Provinz Ostpreußen / Regierungsbezirk Königsberg. 1327 erhielt Mohrungen durch den Komtur von Elbing, Hermann von Oettingen, das Stadtrecht verliehen, war ab 1525 Sitz eines Hauptamtes und ab 1752 Kreisstadt. Bereits 1595 hatte die berühmte Familie zu Dohna mit dem sog. "Schlösschen" in Mohrungen eine eigene Residenz erbauen lassen. Im Januar 1807 kam es bei Mohrungen zu einem Gefecht zwischen Russen unter Führung des deutschstämmigen Generals Levin August von Bennigsen und den Truppen des französischen Marschalls Bernadotte, der sich nach seiner Niederlage im Dohna-Schlösschen versteckt haben soll. Bekannt wurde Mohrungen aber vor allem als Geburtsort des berühmten deutschen Dichters, Theologen und Philosophen Johann Gottfried Herder (1744–1803), dessen Geburtshaus noch heute erhalten ist. Abb. 2: Mohrungen, Teilansicht der Stadt mit den Türmen der Evangelischen Kirche St. Peter und Paul links und des Rathauses rechts. Abb. 3: Mohrungen, Marktplatz mit Rathaus. Abb. 4: Mohrungen, Marktplatz mit einer von zwei vor dem Rathaus stehenden erbeuteten Geschützen aus dem Abwehrkampf gegen die 1914 in Ostpreußen eingefallenen Russen und links mit der Zweigstelle der Bank der Ostpreussischen Landschaft. Abb. 5: Mohrungen, Das sog. "Schlösschen" derer zu Dohna. Mit dem Bau von Straßen und Eisenbahnlinien war Mohrungen zu einem wirtschaftlichen Zentrum im Oberland geworden. Es existierten u. a. eine Maschinenfabrik, eine Fassfabrik, eine Eisenbahn-Reparaturwerkstätte, eine Haus- und Küchengeräte-Fabrik, ein Sägewerk, eine Färberei, ein Verlag, eine Brauerei und eine Likörfabrik. Ende des Ersten Weltkriegs hatte die Stadt rund 5.000 Einwohner. Abb. 6: Der ostpreußische Landkreis Mohrungen im preußischen Regierungsbezirk Königsberg i. Pr. im Jahr 1910. Abb. 7: Die sog. "Kreishäuser" waren Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Mohrungen. Hier hatte auch die Kreiskommunalkasse ihren Sitz, die 1918 und 1923 Notgeld ausgab. Abb. 8: Gebäude der Kreissparkasse in Mohrungen, wo die 1918 ausgegebenen Gutscheine des Kreises eingelöst werden konnten. Notgeld der Kreiskommunalkasse in Mohrungen Wie viele andere deutsche Städte und Kommunalverbände, gab die Kreiskommunalkasse Mohrungen am Ende des Ersten Weltkriegs eigenes Notgeld aus. Zum Kreis Mohrungen gehörten 1905 drei Städte (Mohrungen, Liebstadt und Saalfeld), 110 Landgemeinden sowie 103 Gutsbezirke mit insgesamt 1.265 qkm und über 52.000 Einwohnern. Am 9. November 1918 hatte man in Berlin die Republik ausgerufen, das Notgeld für den Kreis Mohrungen war auf den 10. November datiert und am 11. November folgte der folgenreiche Waffenstillstand von Compiègne. Abb. 9: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 50 Pfennig vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Grabowski. Abb. 10: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 5 Mark vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Grabowski. Abb. 11: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 10 Mark vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Abb. 12: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 20 Mark vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, ohne Prägestempel, Sammlung Grabowski. Ausgegeben wurden einheitlich gestaltete, einseitig bedruckte Gutscheine in Nennwerten zu 50 Pfennig sowie 5, 10 und 20 Mark. Damit wollte man sowohl dem Kleingeldmangel, wie auch dem Mangel an Zahlungsmitteln in Mark-Beträgen – damals Großnotgeld genannt – begegnen. Die Scheine wurden auf Papier mit Fabrik-Wasserzeichen "NORMAL 3b MARGGRAFF WOLFSWINKEL" gedruckt, oft sind aber kein oder nur Teile des Wasserzeichens sichtbar, weil es sich um kein Flächen-Wasserzeichen handelt, sondern der Schriftzug nur in größeren Abständen im Papier verteilt ist. Als wichtigstes Sicherheitsmerkmal fungieren Präge- oder Trockenstempel. Es wurden zwei verschiedene benutzt: "KREISAUSSCHUSS DES KREISES * MOHRUNGEN *" mit 22,5 mm sowie "KGL. PREUSSISCHES LANDRATSAMT * MOHRUNGEN *" (Adler mit Krone und Zepter) mit 34,5 mm Durchmesser. Der Druck erfolgte bei der Firma Reinhold Kühn in Elbing. Scheine ohne Prägestempel und/oder Kontrollnummer sind wahrscheinlich Reststücke, die an Sammler abgegeben worden sind. Die Gutscheine kommen heute noch recht häufig vor. Notgeld des Magistrats der Stadt Mohrungen Abb. 13: Arthur Weyde (1889–1936) war 1916 im Alter von erst 27 Jahren Bürgermeister von Mohrungen geworden. Seine Handunterschrift findet sich auf städtischen Notgeldscheinen. Als Bürgermeister machte er sich sehr verdient um die Stadt, ließ u. a. das Herderhaus restaurieren und gründete eine Landwirtschaftsschule. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde er 1933 wegen "politischer Unzuverlässigkeit" aus dem Amt entfernt. Seine Frau war Halbjüdin und er selbst Mitglied einer Loge. Arthur Weyde starb 1936 bei einem tödlichen Unfall. Ab Herbst 1922 musste auch die Stadt Mohrungen mit voranschreitender Inflation eigenes Notgeld emittieren. Wie in dieser Zeit üblich, waren die Scheine nun deutlich einfacher gestaltet. Es wurden Werte zu 200 und 500 Mark mit Datum vom 29. September 1922 ausgegeben. Da die Einlösung durch die Stadtsparkasse Mohrungen erfolgen sollte, wurden die Scheine als Schecks bezeichnet. Abb. 14: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 200 Mark vom 29. September 1922, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Abb. 15: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 500 Mark vom 29. September 1922, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Da der Druck einseitig auf Papier ohne Wasserzeichen erfolgte, waren die einzigen Sicherheitsmerkmale Prägestempel mit dem Motiv des Stadtwappens und der Umschrift "Siegel der Stadt Mohrungen" im Durchmesser von 32 mm sowie zwei Handunterschriften. Auch hier kommen wieder Reststücke ohne Kontrollnummer und/oder Siegel vor. Diese Scheine sind aber deutlich seltener als die Ausgaben von 1918. Abb. 14: Mohrungen, Südseite des Marktes, rechts Rathaus, mittig (rechts von der Kirche) das Gebäude der Stadtsparkasse mit dunkler Hausfassade. Abb. 15: Ausflug der Mitarbeiter der Stadtsparkasse Mohrungen. Ein Jahr später schlitterte das Land in die sog. "Hochinflation", die nicht zuletzt durch die enormen Reparationsforderungen der Alliierten und die Rheinlandbesetzung durch französische und belgische Truppen befeuert worden war. Jegliches Vertrauen in die deutsche Währung ging verloren und es kamen immer mehr Nullen auf den deutschen Reichsbanknoten hinzu. Weil die Reichsbank trotz Unterstützung durch zahlreiche private Druckereien den stetig steigenden Bedarf an Zahlungsmitteln bei gleichzeitigem Währungsverfall nicht mehr decken konnte, mussten Länder, Provinzen, Bezirke, Kreise, Städte, Gemeinden und sogar Firmen eigenes Notgeld ausgeben, um den Zahlungsverkehr aufrecht erhalten zu können. Der Magistrat der Stadt Mohrungen gab im August und September 1923 erneut Schecks auf die Stadtsparkasse aus, nun aber auf Beträge zu 100.000, 500.000 sowie 1, 2, 5 und 20 Millionen Mark. Die Gestaltung wurde – sicher wegen der vermeintlich hohen Nominale – aufwendiger ausgeführt. Der Druck erfolgte aber wieder einseitig auf Papier ohne Wasserzeichen. Hergestellt wurden die Scheine beim Verlag mit Druckerei C. L. Rautenberg in Mohrungen. Auch hier blieb es bei den Prägestempeln und Handunterschriften als einzige Sicherheitsmerkmale. Abb. 16: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 500.000 Mark vom 14. August 1923, Vorderseite mit Stadtwappen im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Abb. 17: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 1 Million Mark vom 14. August 1923, Vorderseite mit Schlachtszene und Stadtwappen im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel und Handunterschriften, Sammlung Karpinski. Abb. 18: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 5 Million Mark vom 22. August 1923, Vorderseite mit historischer Szene im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel und Handunterschriften, Sammlung Karpinski. Abb. 19: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 2 Million Mark vom 25. August 1923, Vorderseite mit historischer Szene im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel und Handunterschriften, Sammlung Karpinski. Das besondere Sicherheitsmerkmal Im Oktober 1923 steuerte die Inflation auf ihren Höhepunkt zu. Nun mussten Werte in Milliarden-Beträgen ausgegeben werden. Dem Magistrat der Stadt Mohrungen war sicher nicht wohl bei dem Gedanken, dass seine nun wieder sehr schlicht gestalteten Scheine, was natürlich der Eile geboten war, womöglich hätten leicht gefälscht werden können. Schließlich musste die Stadt für die Einlösung haften. Flächen-Wasserzeichenpapier und aufwendigere Motive konnten sich zu dieser Zeit nur wirklich große und reiche Städte leisten, wenn das Papier überhaupt verfügbar und die Zeit ausreichend war. Die Stadtväter von Mohrungen setzten auf ein Sicherheitsmerkmal, das definitiv einzigartig und kaum zu fälschen war: Fingerabdrücke! Die machten schließlich schon seit Beginn des Jahrhunderts von sich reden, weil eine immer moderner werdende Kriminalistik mit ihrer Hilfe zahlreiche Verbrechen aufklären konnte, deren Täter zuvor nie entdeckt worden wären. Wer letztlich auf die Idee kam, die städtischen Notgeldscheine Mohrungens vom Oktober 1923 mit Fingerabdrücken gegen Fälschungen zu sicher, ist nicht bekannt. Die Idee könnte sowohl aus dem Rathaus, als auch aus der Druckerei gestammt haben. Verblüffend ist aber, dass die Stadt dadurch mit einfachsten Mitteln einen kaum zu knackenden Fälschungsschutz erzeugte und man muss sich fragen, warum nicht auch viel mehr andere Notgeld ausgebende Kommunen in Deutschland auf die gleiche Idee gekommen sind. Bekannt sind nur noch wenige andere Ausgabestellen (Aurich, Haßlinghausen, Hildburghausen/Thür., Münster in Westfalen und Olpe). Das sichert den Mohrunger Notgeldscheinen der Hochinflation eine Sonderstellung, weshalb ich hier auch gern etwas ausführlicher darüber berichte. Abb. 20: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Geldersatzschein über 5 Milliarden Mark vom 25. Oktober 1923 mit Fingerabdruck in Druckfarbe, Druck einseitig, Sammlung Karpinski. Abb. 21: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Geldersatzschein über 50 Milliarden Mark vom 25. Oktober 1923 mit Fingerabdruck in Druckfarbe, Druck einseitig, Sammlung Karpinski. Abb. 22: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Geldersatzschein über 100 Milliarden Mark vom 27. Oktober 1923 mit Fingerabdruck in Druckfarbe, Druck einseitig, Sammlung Karpinski. Ausgegeben wurden Nominale zu 5, 20 und 50 Milliarden Mark mit Datum vom 25. Oktober sowie 100 Milliarden Mark vom 27. Oktober 1923 auf einseitig bedrucktem Papier ohne Wasserzeichen. Interessant ist, dass die gedruckten Namen für den Magistrat der Stadt bei jedem Wert abweichen. Bei 5 Milliarden finden wir "Günttert" und "Lembke". Die Handunterschrift Günttert sehen wir auch auf Abb. 14/16/17 rechts und die von Lembke auf Abb. 18/19 rechts. Bei dem 20-Milliarden-Schein haben wir die Namen "Seiffart" und "Grunau" für den Magistrat (vgl. Abb. 15 rechts), beim 50-Milliarden-Schein die Namen des Bürgermeisters Weyde (Abb. 14–19 links) und "Grunau" und schließlich bei Schein über 100 Milliarden Mark die Namen "Weyde" und "Szillat". Das ist neben den Fingerabdrücken schon ungewöhnlich genug. Hinzu kommt, dass die Fingerabdrücke unterschiedlich aussehen, und zwar nicht nur unterschiedlich auf den vier verschiedenen Nennwerten, sondern auch unterschiedlich bei Scheinen des gleichen Werts. Wurden die Fingerabdrücke mit gedruckt? Handelt es sich um immer unterschiedliche Fingerabdrücke von Angestellten der Druckerei? Tatsächlich wurden die Fingerabdrücke nicht mit gedruckt, sondern erst nach dem Druck als Echtheitsmerkmal aufgebracht. Dazu nutzte man das, was die Polizei auch nutzte, um Fingerabdrücke von Verdächtigen zu nehmen: Eine Art Stempelkissen. Das ging schneller als eine Handunterschrift, die man im Zweifelsfall sogar hätte fälschen können. Die Namen der Vertreter des Magistrats der Stadt sind deshalb hier auch lediglich gedruckt, ohne aufwendige Faksimile zu benutzen. Die Fingerabdrücke sehen unterschiedlich aus, und tatsächlich stammen sie auch von verschiedenen Personen. Doch auch dahinter verbirgt sich wieder ein System. Jeder Nennwert zeigt unterschiedliche Namens-Kombinationen und jedes Nominal trägt immer einen Fingerabdruck der selben Person. Auch wenn diese Abdrücke bei gleichen Werten auf den ersten Blick ebenfalls unterschiedlich aussehen können, es handelt sich immer um Abdrücke einer Person. Es versteht sich von selbst, dass das Resultat allein von der Art des Aufbringens abhängt. So können waagerechte und senkrechte sowie breitere und schmalere Abdrücke vorkommen. Im Zweifelsfall hätte aber eine polizeiliche Überprüfung schnell jede Fälschung entlarven können, da je Nominal immer nur eine Person die Fingerabdrücke anbrachte, insgesamt also nur vier Personen mit ihrem Fingerabdruck die Echtheit eines Scheins bestätigten. Klaus-Jürgen Karpinski hat in seinem Katalog über das Papiergeld Ostpreußens hierzu Vergleichsabbildungen aufgenommen. Notgeld des Kreisausschusses von 1923 Auch für den Kreis Mohrungen musste auf dem Höhepunkt der Inflation wieder Notgeld ausgegeben werden. Hier behalf man sich einer Möglichkeit, die auch andere Ausgabestellen zu dieser Zeit nutzten. Man hat Notgeld, das durch die Inflation bereits wertlos geworden war, mit zusätzlichen Überdrucken zu einem höheren Nennwert versehen und wieder in Umlauf gegeben. Einige Städte ließen sogar Serienscheine überdrucken, die nie für den Umlauf, sondern lediglich für den Verkauf an Sammler bestimmt waren, und so als Notgeld kursieren. Der Kreis Mohrungen konnte lediglich auf die Notgeldscheine der Kreiskommunalkasse vom November 1918 zurückgreifen, von denen noch reichlich Bestände vorhanden waren. Aus 5 Mark wurden so durch diagonale Überdrucke und zusätzlichen Faksimile-Unterschrifts-Stempel in Rot 5 Milliarden Mark, aus 10 Mark 10 Milliarden in Rot, aus 20 Mark 20 Milliarden in Rot und aus 5 Mark durch grünen Überdruck 50 Milliarden Mark. Ein neues Datum erhielten die Scheine nicht. Abb. 23: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 5 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift rot, Sammlung Karpinski. Abb. 24: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 10 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift rot, Sammlung Karpinski. Abb. 25: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 20 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift rot, Sammlung Karpinski. Abb. 26: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 50 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift grün, Sammlung Karpinski. Serienscheine hat die Stadt Mohrungen nicht ausgegeben. Von den damals sog. "Neppscheinen" gab es ohnehin nur wenige Ausgabestellen in Ostpreußen, und die meisten der wirklich abgegebenen Scheine erinnern an die Zerstörungen durch die sog. "Russeneinfälle" zu Beginn des Ersten Weltkriegs oder an die Volksabstimmungen zur staatlichen Zugehörigkeit in den sog. Abstimmungsgebieten (Regierungsbezirk Allenstein) nach dem Krieg. Auch Notmünzen wurden in Mohrungen nicht ausgegeben. Die Notgeldgeschichte Mohrungens war 1923 vorbei. Nur 22 Jahre später mussten die Deutschen östlich von Oder und Neiße sowie aus dem Sudetenland ihre Heimat verlassen. Zwei Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben. Damit endeten auch Jahrhunderte deutscher Geschichte und Kultur Ostpreußens und Mohrungens. Heute gehört die Stadt, die einst Mohrungen war, zu Polen und wird von den neuen Bewohnern Morąg genannt. Hans-Ludwig Grabowski Der Erinnerung an die Heimatstadt meines Vaters gewidmet! Literatur: Karpinski, Klaus-Jürgen: Ostpreussisches Papiergeld vom 19. Jahrhundert bis 1923, Gietl Verlag, Regenstauf 2009 Kreisgemeinschaft Mohrungen: Zwischen Narien und Geserich – Bilder aus dem Kreis Mohrungen, Kommissionsverlag G. Rautenberg, Leer (Ostfriesland) 1982 Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe, Handel und Landwirtschaft – Sonderband II – Provinzen Pommern, Posen, Ostpreussen, Westpreussen, Schlesien, Verlag Rudolf Mosse, Berlin 1919
- Lexikon: Gold Certificates
Gold Certificates (Goldzertifikate) sind mit Gesetz vom 3. März 1863 ausgegebenes Papiergeld der USA, das in Gold einlösbar war. Man wollte mit diesen Scheinen den Verkehr mit Gold erleichtern. USA-261: USA, Goldzertifikat zu 100 Dollars vom 12. Juli 1882, Vorder- und Rückseite. Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de. Vorübergehend wurde die Ausgabe der Scheine eingestellt (am 1. Dezember 1878), doch wurden durch Gesetz vom 12. Juli 1882 neue Scheine emittiert. Es gab 10-, 20-, 50, 100-, 500-, 1000-, 5000- und 10.000-Dollars-Scheine mit den Daten 3. März 1863, 1875, 1882, 1888, 1900, 1905, 1906, 1907, 1922, 1928 und 1934. Nur die Ausgaben 1928 und 1934 (die nicht mehr für den Umlauf bestimmt waren) sind in kleinem Format (Small Size Notes) erschienen, alle anderen Ausgaben sind großformatige Scheine (Large Size Notes). Gold Certificates sind seit 1933 nicht mehr einlösbar. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Nördlingen 1923: Goldmark und Hocker-Steuer
In einer bayerischen Stadt gab es 1923 wertbeständiges Notgeld in Goldmark verbunden mit einer eigenartigen Sondersteuer: Der Hocker-Steuer. Die bayerische Stadt Nördlingen gab am 26. November 1923 gemeinsam mit der Fürstlich Öttingen-Wallerstein'schen Standesherrschaft in Wallerstein eine Serie von wertbeständigen Notgeldscheinen über 0,42 Goldpfennige sowie 1,05, 2,10 und 4,20 Goldmark (= 1/10, ¼, ½, 1 Dollar) aus. Die Scheine waren nicht nummeriert. Stadtrat Nördlingen und Fürstlich Öttingen-Wallerstein'sche Standesherrschaft, Wertbeständiger Notgeldschein über 2,10 Goldmark = ½ Dollar, ausgegeben in Wallerstein und Nördlingen am 26. November 1923, Abbildung: Wappen der Stadt Nördlingen und das Wappen der Fürsten von Öttingen-Wallerstein (Vorderseite). Diese Notgeldscheine waren voll gedeckt nach Maßgabe der Bestimmungen der Reichsregierung (Verordnung vom 26. Oktober 1923) durch wertbeständige 6-prozentige Schatzanweisungen des Deutschen Reiches von 1923. Sie sollten binnen Monatsfrist nach Aufruf der städtischen Sparkasse Nördlingen an deren Schaltern nach Wahl entweder gegen Goldanleihe gleichen Nennwerts oder gegen einen entsprechenden Betrag in Rentenmark oder auch gegen einen dem Kurse der hinterlegten Wertpapiere am Tag der Zahlung entsprechenden Betrag in Papiermark umgetauscht werden. Der Aufruf sollte aufgrund Gesetzes oder Verordnung des Reichsfinanzministers erfolgen. Auf einigen der Nördlinger Notgeldscheine war auf der leeren Rückseite eine Quittung über die sogenannte Hocker-Steuer (auch Nacht-Steuer genannt) aufgedruckt: Stadtrat Nördlingen und Fürstlich Öttingen- Wallerstein'sche Standesherrschaft, Wertbeständiger Notgeldschein über 2,10 Goldmark, ausgegeben in Wallerstein und Nördlingen am 26. November 1923 (Rückseite mit Quittung Nummer 1872 über Hocker-Steuer für die 2. Stunde über 40 Pfennig vom 12. Dezember 1923). Rückseite des Notgeldscheins: Aufschrift „So, G'sell so! Mein lieber Zecher, wenn du weiter aus dem Becher schlürfen willst, dann zahle bitte - dieses ist bei uns so Sitte - für dein Hocken eine Steuer! Loben wird dich Wirt und Bräuer, auch der Stadtrat - glaube mir - bleibt alsdann gewogen Dir. Für die Steuer sei zum Trost Dir ein wertbeständig Prost dargebracht: Ersatz p. p. für den Notgeldschein a. D.“, Oben Abbildung Nachtwächter vor Pfarrkirche St. Georg in Nördlingen, unten Quittung für gezahlte Hocker-Steuer. Zum Hintergrund: Nach dem Umsturz des Jahres 1918 standen die Kommunen im Deutschen Reich steuerrechtlich gesehen deutlich schlechter da. Allerdings wurden daraufhin die Möglichkeiten für die Städte und Gemeinden, eigene Abgaben zu erheben, stark verbessert. Denn die Gemeinden hatten die Freiheit erhalten, auf viele Vorgänge des kommunalen Lebens Abgaben zu erheben, so lange die Reichssteuer dadurch nicht tangiert wurde. Die eigenartige Nacht- oder Hockersteuer ist erstmals aus Stuttgart bekannt, um in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs der Stadt zusätzliche Einnahmen zu ermöglichen. In Gastwirtschaften mussten Gäste, die nach 23:00 Uhr noch im Lokal blieben, eine Steuer zahlen, für die sie eine Nachtsteuer-Marke als Quittung erhielten. Nachdem die Städte Nürnberg, Augsburg und Würzburg die Nachtsteuer eingeführt hatten, beschloss auch der Schweinfurter Stadtrat im August 1922 diese „Steuer“ einzuführen. Im Zusammenhang mit der Einführung der Steuer wurden örtlich polizeiliche Verordnungen erlassen, z. B. die „Ortspolizeiliche Vorschrift zur Sicherung der Nachtsteuer in der Stadt Schweinfurt.“ Die Steuerpflicht bestand in der Regel ab 23 Uhr bzw. Mitternacht. Jeder Gastronomiebesucher, der mit Genehmigung über diesen Zeitpunkt hinaus in der Gaststätte blieb, hatte für jede Stunde die „Steuer“ zu bezahlen. Die Höhe richtete sich oft nach der Kategorie des besuchten Lokals, z. B. a) Einfache bürgerliche Gast-, Speise- und Schankwirtschaften, b) Hotels, Cafés, Weinlokale, Gesellschaftsräume usw. und c) Bars, Dielen und ähnliche Luxuslokalitäten. Die so erzielten Steuereinnahmen waren für soziale Zwecke bestimmt. Es kamen teilweise erhebliche Summen durch diese „Hocker-Steuer“ zusammen, in Schweinfurt waren es beispielsweise (inflationsbedingt) 1923: 4.221 Billionen Mark, 1924: 22.388,00 Reichsmark. Im Laufe der Jahre nahm jedoch die Akzeptanz dieser Steuer immer mehr ab, sodass sie zum 1. April 1929 abgeschafft wurde. Auch die Städte Dinkelsbühl oder Nördlingen griffen um 1923 diese Art der Besteuerung auf, schafften sie jedoch 1924 schon wieder ab. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: KENOM - Virtuelles Münzkabinett (7/2023) Anmerkung der Redaktion: Alle Nominale der wertbeständigen Notgeldscheine von Nördlingen kommen ein- oder zweiseitig bedruckt vor. Ganz offensichtlich hat man die nur einseitig bedruckten Notgeldscheine nach deren Einzug weiter benutzt, indem man die Rückseiten mit einem Aufdruck zur Nutzung als Quittung für die Hocker-Steuer versah. Darauf bezieht sich auch die Text-Passage "Für die Steuer sei zum Trost Dir ein wertbeständig Prost dargebracht: Ersatz p. p. für den Notgeldschein a. D." Bei der Verwendung als Hockersteuerquittung hatten die Scheine also bereits ihre Eigenschaft als Notgeld verloren. Die so bedruckten Steuer-Quittungen kommen heute sogar häufiger vor als die ursprünglich einseitig bedruckten wertbeständigen Notgeldscheine. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Das besondere Motiv: Traktoren
Weltweit zeigen nur ca. fünfzehn Prozent der Geldscheine Bildnisse prominenter Frauen. Erwartungsgemäß unangefochten an der Spitze ist die im letzten Jahr nach über siebzig Jahren auf dem Thron verstorbene englische Königin Elisabeth II. (1926 – 2022), deren Porträts ab 1960 auf zahllosen Banknoten im gesamten Commonwealth verbreitet wurde. Eigentlich sorgen Porträts auf Geldscheinen wegen der höheren Komplexität der Darstellung und einer vermuteten höheren Aufmerksamkeit bei der Betrachtung für eine höhere Fälschungssicherheit. Besonders lange Haare bei Frauen steigern die Herausforderung an den Fälscher. In sozialistischen bzw. kommunistischen Staaten stets gern gewählte Motive für Vorder – oder Rückseiten von Banknoten betreffen landwirtschaftliche Darstellungen. Dabei werden sowohl traditionelle Handarbeit als auch die Moderne dargestellt, z. B. in Form von Arbeit mit Erntemaschinen und Traktoren. Volksrepublik China, Chinesische Volksbank: Banknote zu 1 Yuan von 1960 (CHN-874a, SCWPM), Vorderseite mit Traktoristin und Rückseite berittener Hirte mit Schafherde vor Berglandschaft. Wer aber war nun die junge Traktoristin auf einem der bekanntesten rot-chinesischen Geldscheine, der auch aktuell immer wieder angeboten wird, z. B. auf der Teutoburger Auktion 160 im September diesen Jahres? Die inzwischen verstorbene Bauerntochter und Traktoristin Liang Jun (1930 – 2020) aus der Provinz Heilongjiang reklamierte in hohem Alter, das Model für die Frau auf dem Traktor gewesen zu sein. Ein Gestalter der 1960 gedruckten und 1962 ausgegeben Serie mit einzelnen Werktätigen auf 1-, 2- und 5-Yuan-Scheinen bestritt dies jedoch. Gleichwohl war Liang Jun ein Paradebeispiel für weibliche Aufstiegsmöglichkeiten im kommunistischen China. 1948 nahm sie als einzige Frau an einem der ersten Lehrgänge für Traktorführung in der Volksrepublik teil und wurde eines der Vorbilder im Rahmen der Heldenverehrung des neuen Menschen im Kommunismus. Nach dem Sieg der Rotchinesen auf dem Festland erhielt sie 1950 den Titel einer Nationalen Modell-Arbeiterin und durfte den „Großen Führer“ Mao Zedong (1893 – 1976) persönlich kennenlernen. Sie posierte oft auf Propaganda-Plakaten, weshalb sie wohl dachte, sie könne auch die Traktoristin auf der 1-Yuan-Note von 1960 sein, neben dem Arbeiter an der Drehbank auf dem 2-Yuan-Schein und dem Stahlarbeiter beim Abstich auf dem 5-Yuan-Schein. Ausschnitt eines Propaganda-Plakats mit Liang Jun auf einem Traktor, Schanghai 1953. Die Darstellung von Traktoren finden wir des Öfteren auf Geldscheinen kommunistischer Staaten im asiatischen Raum. Allerdings befinden sich diese traditionellen Modelle ohne Überrollbügel oder Kabine auch versteckt im Bildhintergrund der Rückseiten. Kambodscha, Republik der Roten Khmer, Banque Nationale du Cambodge: Note zu 500 Riels ohne Datum (1975, CAM-16b, SCWPM), Vorderseite: junge Frau mit Wasserkrug, Rückseite: Feldwirtschaft mit zwei Traktoren. Der kambodschanische Schein aus den 1970er-Jahren zeigt auf seiner Rückseite oberhalb des Tempelfrieses rechts und in der Mitte Frauen beim Reispflanzen, während im hinteren Teil zwei Traktoren von Männern gelenkt ein Feld vorbereiten. Das Motiv scheint in der Nationalbank von Kambodscha so gefallen zu haben, dass es 1998 noch einmal auf einem Fünfhunderter Verwendung fand, dieses Mal allerdings in Rot. Nicht nur in Asien fanden Traktoren und landwirtschaftliche Gefährte den Weg auf Geldscheine. Aus Europa können wir einen albanischen und einen bulgarischen Schein als Beispiele aufführen. Also jeweils aus einem damals kommunistischen Land und einem Arbeiter- und Bauernstaat der 1950er-Jahre, in denen mit heute archaisch anmutenden Ungetümen sogenannte „Ernteschlachten“ geschlagen wurden. Beide verfügen statt über Luft- oder Vollgummireifen über Eisenräder mit Ackerkrallen. Albanien, ALB-31a: 500 Lekë von 1957, Vorderseite. Bulgarien, BGR-83a: 10 Leva von 1951, Rückseite. In Südamerika finden wir in Bolivien einen Schein mit Propaganda-Aussage für eine Agrarreform (Inschrift unten rechts Reforma Agraria). Ein Traktor zieht eine Erntemaschine, daneben wird ein traditionelles Ochsengespann beim Pflügen von einem Bauern geführt. Auf dem afrikanischen Kontinent pflügt sogar ein kleiner moderner Traktor mit Kabine und Rückspiegeln den äthiopische Boden. Bolivien, BOL-171a: 100.000 Pesos von 1984, Rückseite, Druck De La Rue. Äthiopien, ETH-56: 50 Birr von 2020, Vorderseite. Auf dem tunesischen Schein über einen halben Dinar von 1973 wacht Langzeit-Präsident Habib Bourguiba (1903 – 2000) auf der Vorderseite über einen Fellachen, der mit einem Kamel pflügt, wohingegen die Rückseite – versteckt hinter Schafen in der Bildmitte neben einem Baum, am Ufer eines Gewässers – einen Traktor zeigt. Tunesien, TUN-69a: 1/2 Dinar von 1973, Vorder- und Rückseite. Immer wieder finden wir Traktoren auf Banknoten der Nachfolgestaaten des ehemaligen französischen Kolonialreichs Indochina, wie auf dem vietnamesischen Zweihunderter von 1987 mit einem schon moderneren Traktor auf der Rück- und mit Onkel Ho ( Ho Chi Minh 1890 – 1969, Revolutionär und vietnamesischer Präsident) auf der Vorderseite. Vietnam, VNM-100a: 200 Dong von 1987, Vorder- und Rückseite. Mein Lieblingsmotiv befindet sich allerdings auf einem afrikanischen Geldschein der Zentralbank Westafrikanischer Staaten: Banque Central des Etats de l´Afrique de l´Ouest (BCEAO). Der abgebildete Einachsschlepper sieht mit seiner typischen Drehgrifflenkung aus wie ein Produkte der Firma Holder aus dem schwäbischen Metzingen, die z. B. ihr Modell ED 2 ab 1953 mit 14.243 Exemplaren gebaut hat. Vielleicht sind auch einige davon in Afrika "gelandet"? Westafrikanische Staaten, WAS-110Ag: 500 Francs ohne Datum (1997), Rückseite. Christian Merker Abb. der Banknoten: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
- Leserpost: 100.000 Mark mit schwarzgrüner Kontrollnummer
Lieber Herr Grabowski, ich habe Ihnen heute mal wieder eine kleine Besonderheit ausgegraben. Sie sehen DEU-93, den 100.000-Mark-Schein vom 01.02.1923 (KN 093287), in Ihrer aktuellen Auflage von "Die deutschen Banknoten ab 1871" S. 84/85. Eigentlich müsste beim Firmendruck die KN grün sein (s. Vergleichsbild, KN 262406). Wie Sie aber feststellen können, ist die KN SCHWARZGRÜN, entspricht also am ehesten der Variante DEU-93e. Es scheint neben dem FZ: V also auch ein FZ: K zu existieren. Und der hier ist in absolut kassenfrischer Erhaltung. Was halten Sie davon? Leider bekomme ich aufgrund der Lichtverhältnisse keine bessere Darstellung hin, ich hoffe der Unterschied ist sichtbar. Viele Grüße aus dem heute enorm verregneten Thüringer Wald. S. Siegel Antwort der Redaktion Hallo Herr Siegel, aufgrund der Vielzahl der am Druck von Reichsbanknoten in der Zeit der Inflation beteiligten privaten Firmen gibt es immer wieder auch farbliche Unterschiede bei den Kontrollnummern. Sicher beinhaltet die Beschreibung „Grün“ eine ganze Bandbreite von Hell- bis Dunkelgrün. Die Variante DEU-93e mit der schwarzgrünen KN unterscheidet sich dabei am deutlichsten von den „normalen“ grünen KN. Letztendlich ist sie aber auch nur eine Druckzufälligkeit und kein bewusst herbeigeführter Unterschied. Dennoch kommen solche Scheine selten vor, was die hohe Bewertung ausmacht, die zwar in Relation zu den Scheinen mit „normal“ grünen KN steht, über deren Berechtigung man allerdings streiten könnte. Ich werde das FZ K noch mit unter der Variante DEU-93e aufführen. Die neue Auflage meines Katalogs "Die deutschen Banknoten ab 1871" wird in diesem Herbst erscheinen! Beste Grüße in meine alte Heimat … Hans-Ludwig Grabowski
- Lexikon: Girobanken und Giroverkehr
Girobanken sind im 16. und 17. Jahrhundert entstandene Institutionen (1587 Venedig, Banco di Rialto, 1609 Amsterdam, 1619 Hamburg, 1621 Nürnberg, Banco Publico), die den bargeldlosen Zahlungsverkehr förderten. "Die alte Bank in Hamburg", Abbilund aus "Die Gartenlaube" 1875. Sie führten die Bezeichnung "Giro" (ital. "Kreislauf"), da das Geld im Kreise lief, ohne dass es die Bank verließ. Reine Girobanken gibt es heute nicht mehr. Giroverkehr ist der bargeldlose Zahlungsverkehr durch Übertragung von Konto zu Konto. Voraussetzung ist, dass sowohl der Zahlungsleistende als auch der Zahlungsempfänger über ein Girokonto verfügen. Lesen Sie auch den Beitrag "Hamburgs großer Geldschrank" von Gustav Kopal aus der Zeitschrift "Die Gartenlaube", Heft 51 von 1875. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Leserpost: Luxemburgische Banknoten unter deutscher Besatzung
Der Artikel "Wie die DNB den Banknotendruck für Syrien verhinderte" hier im Geldschein-Blog sowie in der Juli/August-Ausgabe von Münzen & Sammeln enthält einen Fehler: unter Punkt 8 steht, dass die luxemburgischen 10 F- und 1000 F-Noten unter deutscher Besatzung ausgegeben wurden. Dies stimmt nicht, da sie unter deutscher Besatzung in den Hochöfen der ARBED-Werke verbrannt wurden. Mit freundlichen Grüssen P. Melchior (Luxemburg) Antwort des Autors Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Ob die von Giesecke & Devrient für Luxemburg gedruckten Scheine tatsächlich ausgegeben wurden, hatte ich im Zusammenhang mit meinem Artikel nicht gesondert recherchiert, daher vielen Dank für die wertvolle Information hierzu. Von den 10-Frankennoten der Ausgabe 20. April 1940 (LUX-41) kommen im Sammlermarkt gelegentlich gebrauchte Exemplare vor. Waren diese Scheine daher doch kurzfristig im Umlauf, da die Reichsmark als Währung in Luxemburg erst ab Ende Januar 1941 eingeführt wurde und die luxemburgischen Banknoten bis dahin im Umlauf waren? Sven Gerhard Antwort des Lesers Die Scheine wurden nie in Umlauf gebracht (am 10. Mai 1940, dem Beginn des deutschen Westfeldzugs, waren sie noch nicht ausgegeben), sie wurden in den Hochöfen der ARBED-Werke in Schifflingen verbrannt. Durch den Sog im Kamin flogen einige Scheine nur zum Teil verbrannt hinaus, wurden in den umliegenden Feldern verstreut und nachträglich von Leuten eingesammelt. Daher gibt es nur sehr wenige dieser Scheine, die keine Brandspuren aufweisen. Die eingesammelten Scheine blieben bis Kriegsende versteckt, denn wie man sich vorstellen kann, war es nicht ratsam, sich von der deutschen Besatzungsmacht damit erwischen zu lassen. Die Zehner und Tausender wurden am gleichen Tag im gleichen Werk verbrannt. Ich habe nur einen teils verbrannten Tausender in meiner Sammlung (siehe Abbildungen). P. Melchior
- Franklinia: Land ohne eigene Geldscheine
Ein paar Jahre nach Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika durch die Vertreter von 13 vormals englischen Kolonien wollte ein Gebiet an der Westgrenze vom Gründerstaat North Carolina der 14. Bundesstaat der USA werden: der State of Franklin im heutigen Tennessee. Fünf Countys bildeten am 23. August 1784 die Freie Republik Frankland, auch bekannt als Franklinia. Abb. 1: Lage von Franklinia an der Westgrenze von North Carolina und späterer Teil von Tennessee (hier noch Tennassee, nach der früheren indianischen Ansiedlung Tanasi). Das Gebiet der Cherokee, westlich des Appalachen-Gebirges, wurde entgegen der Abmachungen zwischen den Ureinwohnern und den USA von weißen Siedlern bevölkert und danach als South West Territory organisiert. Der Ort Jonesboro/Jonesborough wurde Hauptstadt, die man 1786 nach Greeneville verlegte. Abb. 2: Capitol State of Franklin in Greeneville, erster Tagungsort der Regierung, Zeichnung eines Nachbaus (Bernhardt Wall 1937). 1784 verzichtete der Kongress von North Carolina auf Gebiete außerhalb der Westgrenze – aus finanzieller Not. Diese waren von der US-Regierung zur Verwaltung übergeben worden. Später machte North Carolina allerdings diesen Handel wieder rückgängig. Die Bevölkerung der Countys im heutigen Nordosten von Tennessee waren schon längere Zeit nicht mehr mit der Herrschaft North Carolinas über ihr Gebiet zufrieden und erklärten im August 1784 ihr „Frankland“ in Jonesborough mit 28:15 Stimmen als unabhängig. Sie wählten John Sevier, Kongressabgeordneter von North Carolina, im März 1785 zum Gouverneur. Abb. 3: John Sevier (1745–1815) einziger Gouverneur von Franklinia; Oberstleutnant im Unabhängigkeitskrieg und Oberst der Miliz von North Carolina (Gemälde von Charles W. Peale 1792, Tennessee State Museum). Am 16. Mai 1785 stellten die nunmehr acht Countys den offiziellen Antrag, als neuer Staat in die amerikanische Union aufgenommen zu werden. Abb. 4: Verfassung des State of Frankland von 1785, Deckblatt A mit dem Punkt 1 ≈ „die gesamte politische Macht geht nur vom Volk aus“. Alexander Martin, der damalige Gouverneur von North Carolina, war über die Separatisten empört und drohte mit Gewalt. Der Konföderationskongress, das damalige Bundesgremium in Philadelphia, weigerte sich, den neuen Staat anzuerkennen. Die nötige erforderliche Zweidrittelmehrheit wurde nicht erreicht. Nur sieben der dreizehn Bundesstaaten stimmten für den neuen State of Franklin. So nannten die Bewohner ihr Gebiet fortan „Republik Franklin“. Dennoch gab man sich eine Verfassung, die u. a. vorsah, keine Anwälte, Mediziner oder Prediger für die Regierung zuzulassen. Die Einwohner von Franklin machten Geschäfte mit Indianern, die Regierung ließ neue Landkreise (= Countys) entstehen, richteten Gerichte und ein Grundbuchamt ein, bildeten eine Miliz, verkündeten Steuergesetze ... aber ließ kein eigenes Geld drucken oder prägen. Man verwendete die Geldscheine aus North Carolina und den anderen Gründerstaaten der USA. In der Kolonialzeit galt 1 Pound = 20 Shillings = 240 Pence – nicht vergleichbar mit dem Pound Sterling. Nach Gründung der USA druckten alle Staaten eigenes Papiergeld – die sog. Continental Dollars. Diese hatten aber sehr unterschiedliche Verrechnungskurse zum Schilling: 5 Schilling (Georgia), 6 Schilling (Connecticut, Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island, Virginia), 7½ Schilling (Delaware, Maryland, New Jersey, Pennsylvania), 8 Schilling (New York, North Carolina) und sogar 32½ Schilling (South Carolina). Aber um 1780 hatten die Scheine nur noch den Wert eines Bruchteils ihres Nennwerts. Schon 1781 waren die Kontinentalmünzen wertlos geworden; so kursierten hauptsächlich Dollar-Scheine aus North Carolina und die üblichen Münzen, wie der spanische Dollar, der bis zum Coinage Act von 1857 gesetzliches Zahlungsmittel in den Vereinigten Staaten war. Seit 1737 galt 1 Dollar = 20 Reales de Vellón. Abb. 5: 20 Dollars 10. Mai 1775 Philadelphia, Pennsylvania. Abb. 6: 10 Shillings 17. Mai 1783 Hillsborough, North Carolina. Abb. 7: 40 Shillings 29. Dezember 1785 Hillsborough (= 2 Pounds/5 Crowns/5 Dollars), Vs., North Carolina. Die Bank of North America wurde am 26. Mai 1781 als erste zugelassene Bank in den Vereinigten Staaten gegründet, dann am 7. Januar 1782 in Philadelphia eröffnet und war für viele Jahre die Zentralbank des jungen Staates. Das Münzgesetz von 1792 legte fest, den künftigen US-Dollar mit 24 Gramm Feinsilber zu prägen. Die wertlos gewordenen Continental Dollars tauschte man im Verhältnis 1000:1 in US-Dollar um. Abb. 8: 3 Pence Spec. 6. August 1789 – es galten 3 Pence = drei neunzigstel Dollar; es wurden auch Scheine zu 1 Penny = ein neunzigstel Dollar mit demselben Datum bei Benjamin F. Bache in Philadelphia gedruckt. Der State of Franklin hatte mit seinen gerade einmal reichlich 5.000 Bewohnern keine politische Zukunft; wirtschaftliche Gründe zwangen zur Aufgabe. Man schloss sich dem Gebiet des entstehenden Staates Tennessee an; zwischen 1785 und 1788 wurde versucht, Tennessee als Bundesstaat der USA zu etablieren – das gelang erst am 1. Juni 1796, als Tennessee als Teil vom South West Territory nach Vermont und Kentucky als 16. Bundesstaat zu den USA kam. Die frühesten Geldscheine auf dem Territorium des gescheiterten Staates Franklin waren die Noten der Bank of East Tennessee und anderer regionalen Banken aus den 1830er- bis 1850er-Jahren. Von einigen Nationalbanken in diesem Gebiet sind z. T. sehr seltene Scheine bekannt: East Tennessee National Bank, First National Bank of Greeneville, First National Bank of Jonesboro, First National Bank of Jefferson City/TN. Auch von den kleinformatigen National Bank-Noten der Ausgaben von 1929 sind einige Ausgaben dieser Banken nachweisbar. Abb. 9: 5 Dollars 1. November 1834 Murfreesboro, Exchange Bank of Tennessee. Abb. 10: 5 Dollars 1. Januar 1838 Jonesboro, Bank of East Tennessee, Knoxville. Abb. 11: 5 Dollars 1. Mai 1854, Dandridge Bank. Abb. 12: 1 Dollar 1. Januar 1855 Jonesboro, Bank of East Tennessee, Knoxville. Abb. 13: 3 Dollars 1. Januar 1855 Jonesboro, Bank of East Tennessee, im Juli 1872 in Knoxville gegründet. Abb. 14: 20 Dollars 1. Januar 1855 Chattanooga, Bank of East Tennessee, Knoxville. Abb. 15: 20 Dollars 24. August 1892, East Tennessee National Bank of Knoxville. Abb. 16: 20 Dollars 24. November 1909, First National Bank of Greeneville, im November 1889 gegründet. Abb. 17: 10 Dollars 1929, ausgegeben 1933, Park National Bank of Knoxville, Aufgabe der Geschäftstätigkeit im November 1983. Außer der missglückten Aufnahme des State of Frankland (später State of Franklin) in die USA, versuchten andere Gebiete in der Folgezeit mit z. T. skurrilen Vorstellungen ebenfalls als eigenständige, unabhängige Gebiete oder Staaten in die USA aufgenommen zu werden. Über weitere wurde immer diskutiert. Seit 1776 gab es vielfältige Abspaltungs-Bemühungen aus unterschiedlichen Gründen. Von den ernsthaftesten Bemühungen für eine Eigenstaatlichkeit sind folgende Gebiete zu nennen: Deseret, Superior, Nickajack, Lincoln, Sequoyah, Jefferson, Texlahoma und Absaroka. Einzelne Städte, wie New York City, Chicago und Boston, wollten ebenfalls souverän sein. Über zwei Dutzend andere Möchtegernstaaten wie z. B. ein „Mount Rushmore State“ oder in sechs neue Staaten zu teilendes California sind bekannt und werden im Internet beschrieben. Abb. 18: Landkarte der USA mit geplanten Bundesstaaten, unvollständig, © 2010, Michael J. Trinklein. Viele davon ernannten eigene Gouverneure, entwarfen Flaggen und fertigten sogar Auto-Nummernschilder ... eigenes Geld hatten sie alle nicht. Michael H. Schöne Quellen: http://eh.net/encyclopedia/money-in-the-american-colonies http://loststates.blogspot.com https://de.wikipedia.org https://en.wikipedia.org https://jonesborough.com https://caseantiques.com/obsolete-currency https://tnsoshistory.com https://www.amazon.de/-/en/Michael-J-Trinklein https://www.coinsandstamps.com/united_states_currency https://www.ncdcr.gov Walter Durham: https://tennesseeencyclopedia.net, 2017 Evan Andrews: https://www.history.com, 2012
- Geldscheinporträts: Hannibal – Roms gefährlichster Feind
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Abbildung 1: Hannibal-Porträtbüste, Datierung nicht gesichert, Museo Nazionale Archeologico, Neapel, Abbildung aus: Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Gekürzte Ausgabe, Phaidon Verlag, Wien-Leipzig, 1932, S. 265. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Marmorbüste ein authentisches Porträt Hannibals darstellt. Nur wenige Gestalten der antiken Geschichte haben so viel erreicht und mussten zugleich so fatale Niederlagen erleben wie der karthagische Feldherr Hannibal. Der Schreckensruf „Hannibal ante portas“ ist bis heute geradezu sprichwörtlich, sein Marsch über die Alpen mit Heer und Elefanten legendär. Geschichtlich gesicherte Kenntnisse über den Mann Hannibal gibt es sehr wenige. Der Charakter und die Beweggründe, die Hannibal zugesprochen werden, beruhen fast ausschließlich auf Vermutungen. Auch über seine frühe Kindheit wissen wir nahezu nichts. Er wuchs im Schatten der Niederlage des Ersten Punischen Krieges auf. Die Ereignisse und insbesondere die von den Römern diktierten erniedrigenden Friedensbedingungen dürften auf Hannibal einen prägenden Eindruck hinterlassen haben. Sein Vater Hamilkar Barkas wurde kurz nach seiner Geburt zum Oberbefehlshaber der karthagischen Truppen im Nordwesten Spaniens. Bereits im Alter von neun Jahren wurde Hannibal von seinem Vater in das Heerlager nach Spanien gerufen. Im selben Alter soll Hannibal auch den berühmten Schwur geleistet haben, Rom auf ewig feindlich gestimmt zu sein. Er war darin wesentlich von seinem Vater beeinflusst: Laut Überlieferung sagte Hamilkar über Hannibal und dessen jüngere Brüder Hasdrubal und Mago: „Diese drei Löwen ziehe ich zur Zerstörung Roms auf.“ Beides ist wahrscheinlich nachträglich von romtreuen Autoren verbreitet worden, um den Karthagern die alleinige Schuld am späteren Ausbruch des zweiten römisch-karthagischen Krieges zuzuweisen. Das Vorbild seines Vaters hat ihn dennoch tief geprägt. Abbildung 2/3: Banque Centrale de Tunisie, 5 Dinars, 2013. Vorderseite: Büste Hannibals, Ansicht Karthagos. Rückseite: Karthagische Schiffe. Die Ausweitung des karthagischen Einflusses in Spanien rief die Römer auf den Plan. Ein Zankapfel war die Stadt Sagunt. Sie befand sich im karthagischen Einflussgebiet, war aber dennoch eng mit Rom verbündet. Im Schutz der Römer fühlte man sich in Sagunt sicher und überzog die benachbarten Turboleten, Verbündete Karthagos, mit Krieg. 219 v. u. Z. traf Hannibal, mittlerweile Oberbefehlshaber der Truppen in Spanien, eine folgenschwere Entscheidung: Ein Überraschungsangriff auf Sagunt. Er duldete es nicht länger, sich von den Römern die Hispanienpolitik diktieren zu lassen. Der direkte Weg zum erneuten Ausbruch des Krieges war gewählt. Statt auf einen römischen Angriff auf Spanien zu warten, fasste Hannibal einen der kühnsten und brilliantesten Feldzugspläne der antiken Militärgeschichte: Die Entscheidung sollte in Italien gesucht werden. Ein beispielloser Siegeszug begann. Mit zehntausenden Fußsoldaten und Reitern sowie dutzenden Kriegselefanten überquerte er die Alpen, in nur etwa fünf Wochen bewältigte er die Strecke von der Rhône bis zur Poebene. Hier hatten sich bereits Roms Truppen gesammelt und es kam zu einer ersten Schlacht. Die Römer mussten trotz Überlegenheit eine deutliche Niederlage hinnehmen. Hannibals erster Plan war geglückt: Rom, das zur Ablenkung mittlerweile eine Gegenoffensive nach Nordafrika plante, musste seine Truppen von dort wieder Richtung Norden abziehen. Entgegen dem Rat einiger ihrer Feldherren ließen die Römer sich vorschnell zu einem erneuten Kampf hinreißen. Eine weitere vernichtende Niederlage folgte. Die Aufregung auf römischer Seite war groß. Hannibal rückte unaufhaltsam weiter Richtung Süden vor, gewann Schlacht um Schlacht. Er war ein herausragender Heeresführer: Für die gesamte Dauer seines Italienfeldzugs finden sich keine Mitteilungen über Meutereien der Truppen, wenngleich ihm vor seinem Alpenübergang Tausende die Gefolgschaft versagten. Auch die römischen Geschichtsschreiber bewunderten – trotz aller Feindseligkeit – Hannibals Willenskraft und seine „punische Cleverness“. Karthagos Truppen bewegten sich nun ungehindert durch Apulien und Kampanien. Die Entscheidung fiel schließlich in Cannae. Hannibal überlistete die Römer, indem er sie durch ein taktisch geschicktes Rückzugsmanöver einkesselte und von der numidischen Reiterei die Flanken der römischen Formation attackieren ließ. Die Verluste der Römer waren immens, über 70.000 Mann sollen umgekommen sein. Der Tag von Cannae war einer der schwärzesten Tage der römischen Geschichte. Überraschenderweise folgte auf diesen entscheidenden Sieg nicht die Belagerung Roms. „Zu siegen verstehst du, Hannibal, den Sieg zu nutzen verstehst du nicht!“, soll sein Reiterführer Marhabal nach der Schlacht gerufen haben. Häufig wird sogar angenommen, dass Hannibal Rom gar nicht stürmen und vernichten wollte: Er habe in den Kategorien der alten Welt gedacht, in denen der Unterlegene Verstand annimmt und Kompromisse schließt. Rom war am Boden, das Gesicht des Krieges veränderte sich jedoch. Rom regenerierte sich und begann, kleinere Siege einzufahren. Als sie ihre Kräfte bündelten und Capua erfolgreich belagerten, kippte das Kriegsgeschehen endgültig. Rom war wieder auf dem Vormarsch und begab sich, angeführt vom jungen Konsul P. Cornelius Scipio, wieder nach Spanien. Scipio war ein herausragender Taktiker, ging Allianzen mit umliegenden spanischen Stämmen ein, ließ die karthagischen Truppen ausspionieren und entdeckte eine Schwäche, die er zugleich nutzte: Er ordnete einen Überraschungsangriff auf den Hauptstützpunkt der Karthager, Karthago Nova, an. Das Vorhaben glückte. Die Verbindung zwischen Karthagos Mutterland und Spanien war getrennt. Rom rückte indes auch im Süden Italiens wieder vor. Scipio wurde nun mit einem Afrikafeldzug betraut. Ein Frieden zwischen Rom und Karthago stand bereits im Raum, als es in Zama zur letzten Schlacht des Zweiten Punischen Krieges kam. Scipio besiegte Hannibal und bekam seinen Beinamen „Africanus“. Hannibal entkam. Karthago musste kapitulieren. Vom Ergebnis erholte sich Karthago nie wieder, die römische Hegemonie im Mittelmeerraum war ungefährdet. Hannibal versuchte, in der Innenpolitik Karthagos Fuß zu fassen, hatte durch seine jahrzehntelange Abwesenheit allerdings nur wenige Verbündete. Von den Römern bedroht verließ er 195 v. u. Z. Karthago. In Ephesos beteiligte sich Hannibal als Feldherr für König Antiochos ein letztes Mal am Krieg gegen Rom, bevor er von römischen Gesandten aufgespürt wurde. Um der Gefangenschaft zu entgehen, beging Hannibal 183, fernab seiner Heimat, Suizid. Elias Heindl Literatur/Quellen: Barceló, Pedro: Hannibal. 2. Auflage, Verlag C.H. Beck, München, 2003 Garland, Robert: Hannibal: Das gescheiterte Genie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2012 Huß, Werner: Geschichte der Karthager, Verlag C.H. Beck, München, 1985 Bagnall, Nigel: Rom und Karthago: der Kampf ums Mittelmeer. 1. Auflage, Siedler, Berlin, 1995 Käppner, Joachim: Hannibal, ein Dirigent des Todes: Der Sieger, der verlieren musste. Süddeutsche Zeitung vom 13.5.2006. (aufgerufen über www.sueddeutsche.de/kultur/hannibal-ein-dirigent-des-todes-der-sieger-der-verlieren-musste-1.895071-0) Abbildungen Banknote: Sammlung Grabowski.
- DGW-Themenheft: 100 Jahre Inflation 1923 – 2023
DGW (verschiedene Autoren): Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2023-2 124 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, Format 21 cm x 29,7 cm, Broschur, Berlin 2023. Preis: 19,60 Euro. Jährlich gibt der Verein Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler (DGW) zwei Informationshefte heraus. Diese sind für Vereinsmitglieder kostenlos, können aber darüber hinaus auch von Sammlern und Interessenten bezogen werden. In diesem Jahr wurde aus dem sonst üblichen zweiten DGW-Heft mit rund 40 Seiten ein dreimal so umfangreiches Sonderheft zum Thema 100 Jahre Inflation von 1923. Folgende Beiträge sind enthalten: Dr. Matthias Wühle: 1923 – 1973 – 2023: Wiederholt sich die Geschichte? Dr. Matthias Wühle: Die deutsche Inflation 1914 – 1923 – eine Wirtschaftskrise? Politische und ökonomische Fragen zur Geldentwertung nach dem 1. Weltkrieg Hans-Georg Glasemann: Mit wertbeständigen Anleihen und wertbeständigem Notgeld gegen den Geldwertverfall Hans-Georg Glasemann: Goldmarkanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Roggenwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Roggenscheine 1923 Hans-Georg Glasemann: Kohlenwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Holzwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Sonstige Sachwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Inländische Fremdwährungsanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Festwertbanken 1922/23 Hans-Georg Glasemann: Reichsgoldanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Wertbeständiges Notgeld 1923 Prof. Dr. Rainer Geike: 1000 Mark von 1910 – wieviel wert war der Schein im Laufe seines Lebens? Thomas Krause: Billionenscheine Siegfried Seipold: Banderolen aus der Inflationszeit (1914 – 1923) – ein Sammel-Nebengebiet Christina Bach: Propaganda auf modefizierten Geldscheinen Hans-Jürg Alfred Dießner: Die Sittengeschichte der Inflation Thomas Krause: Die Kleinbahn Casekow-Penkun-Oder, das Notgeld der Odergau G.m.b.H. und der Radweg C-P-O Eberhard Wühle: Kriegsgeld, Werksgeld, Dollarnoten: Die Inflation in Eberswalde – Regionale Auswirkungen der Geldentwertung Thomas Krause: Besonderheiten zum Notgeld Prenzlau Prof. Dr. Rainer Geike: Buchbesprechung zu Frederick Taylor: Inflation – Der Untergang des Geldes in der Weimarer Republik und die Geburt des deutschen Traumas Abgeschlossen wird das Heft durch Übersichten zur Entwicklung des Dollarkurses von 1919 bis Ende 1923. Das Themenheft des DGW gibt einen empfehlenswerten Überblick über die deutsche Inflation vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zu deren Ende. Ganz besonders möchte ich den Beitrag von Matthias Wühle am Anfang des Heftes hervorheben, der auf die Phasen der Inflation eingeht sowie die zahlreichen Beiträge des bekannten Wertpapier-Spezialisten Hans-Georg Glasemann. 2021 hatte das Deutsche Historische Museum (DHM) die Sammlung von Wolfgang Haney gekauft. Teile dieser Sammlung fanden dann ihren Weg in die Sammlung für Finanz- und Wirtschaftsgeschichte, deren Sammlungsleiterin Christina Bach im vorliegenden Heft einen Beitrag zu Propagandascheinen veröffentlicht hat, der von meinem Buch "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" (Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs) inspiriert wurde. Wie wir wissen, wurden insbesondere wertlos gewordene Geldscheine der Inflation – versehen mit entsprechenden Überdrucken oder Überstempelungen – als Propaganda in den Wahlkämpfen der "Weimarer Republik" eingesetzt. Verwendet werden in dem Artikel Abbildungen von Scheinen, die auch schon in meinem Buch zu finden sind. Wenn man aber schon einen Schein ohne Rücksprache direkt aus dem Buch scannt, weil er in der Sammlung Haney nicht vorliegt, dann wäre es nett gewesen, wenn man die Quelle auch richtig benennt. In meinem Buch steht zu dem Propagandaschein (Kriegsschein Einhundert Markige Deutsche Hiebe) aus dem Ersten Weltkrieg "Sammlung des Autors" und nicht "Sammlung Wolfgang Haney, Berlin". Autor des Buches bin ich, Herr Haney war der Herausgeber! Gratulation an den DGW, für dieses bemerkens- und lesenswerte Sonderheft, das allen Sammlern deutscher Geldscheine und Wertpapiere empfohlen wird. DGW-Mitglieder haben das neue Heft sofort nach Erscheinen kostenfrei erhalten. Alle Nichtmitglieder können es über folgenden Kontakt bestellen: Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler e. V., Internet: www.dgwev.de, E-mail: info@dgwev.de. Hans-Ludwig Grabowski
- Handelskammer-Goldmark von Baden 1923
In einem Notgelderlass vom 23. Oktober 1923 auf Basis des Ermächtigungsgesetzes vom 13. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, wenn es auf Teile der Reichsgoldanleihe vom 14. August 1923 lautete und durch diese Anleihe gedeckt war. Das Notgeld musste nominal auf 4,20 Mark Gold oder kleiner lauten. Die Scheine mussten neben der Bezeichnung „Notgeldschein“ den Vermerk „Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen“ tragen. Die höheren Nennwerte der Reichsgoldanleihe wurden daraufhin in beträchtlichem Umfang auch von Handelskammern bei der Reichsbank hinterlegt und so zur Deckung ihrer eigenen wertbeständigen Notgeldausgaben verwendet (1.141 Ausgabestellen). Die Handelskammern im Deutschen Reich erschienen 1923 besonders geeignet, einheitliches wertbeständiges Notgeld zur Vermeidung zahlreicher einzelner Firmenausgaben in den Verkehr zu bringen. Sie fungierten quasi als Treuhänderinnen der ihnen angeschlossenen Mitgliedsfirmen. Solch ein wertbeständiges Handelskammer-Goldmarknotgeld (Goldmark mit Dollar-Valutaklausel) ist auch im Rheinland, in Hannover, Hessen, Westfalen, Sachsen, Württemberg und in Baden, wo es besonders hohe Auflagen gab, ausgegeben worden. Dagegen fehlt es in Gänze in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Thüringen, Mecklenburg und Bayern. Gutschein über Reichsgoldanleihe der Handelskammer für die Kreise Karlsruhe und Baden in Karlsruhe über 2.10 Mark Gold = 1/2 Dollar, ausgegeben Karlsruhe am 3. November 1923. Trotz kurzer Laufzeit: Schön sichtbar – die Gebrauchsspuren bei einem Schein zu 0.21 Mark Gold! Die badische Handelskammer für die Kreise Karlsruhe und Baden in Karlsruhe brachte am 3. November 1923 eigene Goldmark-Gutscheine über Reichsgoldanleihe in den Nennwerten 0.21, 0.42, 1.05, 2.10 und 4.20 Mark Gold (= 1/20, 1/10, ¼, ½, und 1 Dollar Nordamerika) in den Verkehr. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Battenberg-Gietl Verlag, Privat Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Wieder mehr Falschgeld im Umlauf
Wie die Deutsche Bundesbank in einer Pressenotiz vom 28. Juli 2023 bekannt gab, wurden im ersten Halbjahr 2023 in Deutschland rund 26.700 falsche Banknoten im Nominalwert von knapp 2,9 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen. Das waren rund 35 Prozent mehr Fälschungen als im ersten Halbjahr 2022 und zehn Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2022. Besonders stark ist der Anteil an falschen 200- und 500-Euro-Scheinen gestiegen. Das Falschgeldaufkommen ist trotzdem immer noch sehr gering. Rein rechnerisch entfallen nur sechs falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner. Dennoch überstieg der Schaden mit 2,9 Millionen Euro wegen der vermehrt gefälschten hohen Nennwerten bereits den des gesamten Vorjahrs 2022, in dem Falschgeld im Wert von 2,7 Millionen Euro angehalten wurde. Die Qualität der falschen 200- und 500-Euro-Scheine sei dabei nicht einmal besonders gut. Die Bundesbank verglich sie mit einfachen "Blüten", die im Internet als "Movie Money" oder "Prop copy" angeboten werden. Trotzdem konnten Kriminelle damit mehrfach Schmuck, Gold, Luxusuhren und sogar teure Autos in fünf- bis sechsstelligen Beträgen "bezahlen". Laut Polizei waren bei den 26.690 "Blüten" im ersten Halbjahr 2023 prozentual folgende Stückelungen vertreten: 5 Euro mit 1,2 % 10 Euro mit 6,4 % 20 Euro mit 19,9 % (5.305 Stück) 50 Euro mit 37 % (9.862 Stück) 100 Euro mit 12,1 % 200 Euro mit 15,4 % (4.111 Stück) 500 Euro mit 8,2 % (2.178 Stück) Die Anzahl der angehaltenen falschen Fünfhunderter vervierfachte sich dabei fast von zuvor 554 auf nun 2.178 Stück. Vergleicht man das Falschgeldaufkommen im ersten Halbjahr 2023 mit den Vergleichszeiträumen von Vorjahren ergibt sich folgendes Bild: 1. Halbjahr 2015: 50.400 Fälschungen 1. Halbjahr 2019: 27.600 Fälschungen 1. Halbjahr 2021: 34.100 Fälschungen 1. Halbjahr 2022: 19.800 Fälschungen 1. Halbjahr 2023: 26.700 Fälschungen Lesen Sie auch unseren Beitrag "Ein falscher Fünfziger". Hans-Ludwig Grabowski












