Search this site
3671 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Lexikon: Giesecke & Devrient
Die Firma Giesecke & Devrient, München und Leipzig ist die bedeutendste private deutsche Banknoten- und Wertpapierdruckerei. Sie wurde 1852 von Hermann F. Giesecke und Alphonse Devrient als typografisches Institut in Leipzig gegründet; pflegte von Beginn an den Qualitätsdruck in Buch-, Stein- und vor allem in Kupfer- und Stahldruck. Bereits 1857 wurde eine eigene Fabrik gebaut. Die Kupfer- und Stahlstichdruckerei wurde zur Grundlage des Banknotendrucks, der im Laufe der weiteren Entwicklung eine immer größere Bedeutung für die Firma gewann. Das Stammhaus von Giesecke & Devrient in Leipzig. Die ersten G+D-Noten dürften die für die Weimarische Bank von 1854 gewesen sein. Darüber hinaus druckte Giesecke & Devrient zahlreiche Noten altdeutscher Staaten und für deutsche Privatnotenbanken. Schon früh bemühte sich die Firma, durch besondere Methoden und Erfindungen den Notenfälschern ihre Arbeit zu erschweren. So wurde zum Beispiel die Glyphotopie entwickelt. Besonders Dr. Bruno Giesecke, der Sohn des Firmengründers, widmete sich der Entwicklung des Banknotendrucks. Druck- und Sicherheitstechniken von G + D fanden auch internationale Anerkennung und Wertschätzung, was viele Aufträge zum Druck von ausländischen Banknoten beweisen. Deutsch-Ostafrikanische Bank: 50 Rupien vom 15. Juni 1905 mit Porträt des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Uniform der Garde du Corps, Vorderseite. Durch Vermittlung einer inzwischen gegründeten Zweigniederlassung in Berlin wurden auch die Noten für die Deutsch-Ostafrikanische Bank (teilweise mit dem Porträt von Kaiser Wilhelm II.) und für die Deutsch-Asiatische Bank (deutsches Pachtgebiet Kiautschou und China) gedruckt. Während des Ersten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit bestand in Deutschland ein großer Bedarf an Notgeldscheinen, an deren Druck sich jedoch G + D wenig beteiligte, da diese Scheine ihren wertpapiermäßigen Charakter immer mehr verloren. Dagegen beteiligte man sich am Druck von Reichsbanknoten, da die Reichsdruckerei in der Inflationszeit nicht mehr in der Lage war, die benötigten Zahlungsmittel allein herzustellen. In der Zeit von 1914 bis 1945 stellte G + D auch wieder ausländische Banknoten her, so u. a. für Bulgarien, Kroatien, Luxemburg und Spanien. Bayerische Notenbank: 100 Mark vom 1. Januar 1900, Vorderseite. Mitte oben (gewölbtes Spruchband) und unten über dem Wappen freigelassene Bereiche für die bessere Ansicht des Wasserzeichens. Wie die Produkte aller großen Banknotendruckereien, so zeigen auch die von G + D gedruckten Noten einen eigenen Stil, der sich jedoch im Laufe der Zeit mehrfach wandelte. Die Produkte bis 1945 kann man leicht an den im eigenen Schnitt hergestellten Ziffern für die Nummerierung erkennen. Seit 1900 zeigen viele G + D-Drucke einen sog. Schaurand. Das ist ein über dem Wasserzeichen unbedruckt gebliebener Bereich, der ein leichteres Erkennen des Wasserzeichens ermöglicht. Dieser druckfreie Bereich wurde später an den Rand verlegt. Der erste Schein dieser Art war der 100-Mark-Schein der Bayerischen Notenbank von 1900. Kroatien: Note zu 1000 Kuna vom 26. Mai 1941, Papier mit eingelegten und bedruckten Seidenpapierstreifen, Vorderseite. Ein anderes Merkmal für einige G + D-Noten sind die ins Papier eingelegte bedruckten Seidenpapierstreifen. Es bestand jedoch die Gefahr, dass sich die Papierstreifchen bei stärkerer Benutzung der Scheine aus der übrigen Papiermasse herauslösten. Auch wurde ein eigenes Wasserzeichen, das G + D-Muster (auch Hakensterne) geschaffen. 1943 wurde der Betrieb in Leipzig durch alliierte Bomben zerstört und 1946 wurde die Firma, die nun in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands lag, zum "Volkseigenen Betrieb" (VEB) erklärt. In Leipzig wurde aus dem Stammsitz die VEB Wertpapierdruckerei der DDR, während 1948 in München unter der Leitung von Siegfried Otto ein neuer Betrieb entstand. Nach schweren Jahren des Wiederaufbaues hat die Firma Giesecke & Devrient die während des Zweiten Weltkriegs verlorenen Auslandskontakte wieder hergestellt. G + D stellte wieder Banknoten für Kunden aus aller Welt her, aber auch Banknoten für die Deutsche Bundesbank. Das Bemühen, richtungweisende Techniken für die Banknotenherstellung zu entwickeln und modernste Produktionsmittel und -methoden einzusetzen, verschaffte G + D rasch wieder Weltgeltung. In den Jahren 1964 bis 1966 dehnte G + D seine Aktivitäten auf die Herstellung von Banknotenpapieren aus. In einer Tochtergesellschaft, der Papierfabrik Louisenthal, errichtete G + D eine neue Produktionsanlage für Banknotenpapier, die von Fachleuten als eine der modernsten der ganzen Welt bezeichnet wurde. Dort wurde schon bald Banknotenpapier für zahlreiche Länder sowie das gesamte Papier für die Banknoten der Deutschen Bundesbank hergestellt. 1970 gründete G + D eine Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft, deren Hauptaufgabe die Entwicklung von Systemen und Maschinen zur automatisierten Bearbeitung von Banknoten in Zentralbanken (z. B. zur Echtheitsprüfung) ist. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Stammsitz von G + D in Leipzig wieder Teil des Gesamtunternehmens. Heute ist G+ D auch ein führendes Unternehmen für bargeldlose Zahlungsmethoden. Banknoten werden heute ausschließlich nur noch in Leipzig hergestellt. Lesen Sie auch unseren Beitrag zur aktuellen "Green Banknote" von Giesecke + Devrient. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Leserpost: 100 Millionen Rentenmark, kann das sein?
Sehr geehrter Herr Grabowski, ich wurde von Herrn Dießner an Sie als Experte verwiesen. Ich bin eigentlich Notgeldsammler und nebenbei bemerkt, ohne Ihre Kataloge wäre dieses Hobby ungleich schwieriger. Ich habe einen Reichsgeldschein, vermutlich eine Fälschung?! 100 Millionen aber mit Unterdruck Rentenmark, von der Sache her eigentlich nicht möglich. Wäre nett, wenn Sie die Zeit fänden, da was dazu zu sagen. Mit freundlichen Grüßen P. Brückmann Antwort der Redaktion Sie haben das schon richtig erkannt. Geldgeschichtlich macht es überhaupt keinen Sinn. Da hat jemand eine Reichsbanknote der Inflation manipuliert, indem er einen zusätzlichen Überdruck „Rentenmark“ angebracht hat. Ein Unterdruck kann es nicht sein, weil der fertige Schein nur überdruckt worden sein kann. Ob es tatsächlich ein Überdruck oder eine Überstempelung ist, kann ich anhand der Farbkopie nicht bestimmen. Vielleicht hatte jemand die Hoffnung, damit seine Zeitgenossen täuschen zu können. Aber so dumm dürfte dann wohl doch kaum jemand gewesen sein, einen solchen Schein als 100 Millionen Rentenmark anzunehmen, wenn der offizielle Umtausch bei 1 Billionen Papier-Mark für 1 Rentenmark lag! 100 Millionen Papier-Mark wären demnach gerade einmal 0,01 Rentenmark gewesen. Es handelt sich auf alle Fälle um einen interessanten Zeitbeleg, der es wert ist in einer Sammlung aufbewahrt zu werden. Vielen Dank für Ihr Interesse und noch viel Spaß beim Sammeln. Hans-Ludwig Grabowski
- Ein falscher Fünfziger
„Wer mich macht, der sagt es nicht. Wer mich nimmt, der kennt mich nicht. Wer mich kennt, der will mich nicht.“ Nimmt man im normalen Alltag Papiergeld entgegen, geht man normalerweise nicht davon aus, Falschgeld zu erhalten. Andererseits ist uns natürlich bewusst, dass auch unsere neuesten Eurobanknoten gefälscht und in Umlauf gebracht werden, besonders die am häufigsten zirkulierenden bläulichen Zwanziger und die orangefarbenen Fünfziger. Wie aber kann das sein, wenn doch die Banknoten von den ca. zwölf beauftragten Druckereien aus dem Euroraum mit den vielfältigsten Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sind? Damit die Euro-Banknoten in landeseigenen Druckereien hergestellt werden können, musste man sich aufgrund der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der Betriebe auf eine niedrigere gemeinsame Sicherheitsstufe einigen, wodurch die Euroscheine eben leider nicht mit der höchstmöglichen verfügbaren Sicherheitstechnologie auf dem Markt gedruckt werden können. Bei Einführung der Eurobanknoten und noch einmal beim Austausch durch die zweite Serie, der Europa-Serie, wurde viel Zeit und Information darauf verwendet, die Bevölkerung im Euroraum zu schulen und über die vielfältigsten Sicherheitsmerkmale aufzuklären: Fühlen – Sehen – Kippen hieß die Devise! Für einen Selbsttest verwenden wir eine "echte" falsche 50-Euro-Banknote, wie sie mit 41% in Deutschland 2022 am häufigsten beim eingezogenen Falschgeld vorkam. Abb. 1/2, gefälschter Fünfziger der 2. Euroserie, Vorder- und Rückseite. Der falsche Geldschein fühlt sich mehr nach Papier an, nicht ganz so wie eine echte Banknote. Die Oberfläche lässt gewisse Erhebungen vermissen. Die Riffelung an beiden Seiten lässt sich nicht ertasten, der Stichtiefdruck scheint zu fehlen und der Sicherheitsstreifen hebt sich nicht ab. Dafür erscheint der Folienstreifen rechts etwas erhöht. Der gefälschte Schein sieht auf den ersten Blick aus wie jeder andere Fünfziger. Die Farben stimmen und die Größe ebenso wie der Bildinhalt von Vorder- und Rückseite auch. Die Unterschrift von Mario Draghi, dem italienischen EZB-Präsidenten in Frankfurt/M. von 2011 bis 2019, sieht absolut authentisch aus und passt zum angegebenen Druckjahr 2017. Die Kontrollnummer befindet sich einmal in der zwölfstelligen Langform mit zwei Buchstaben am Beginn und dann zehn Ziffern rechts oben auf der Rückseite an gewohnter Stelle, dazu in der sechsstelligen Kurzform um 90 Grad gedreht mittig unten in roter Druckfarbe. Die Druckplattennummer befindet sich an der richtigen Stelle, selbst die Anzahl der Inseln im Atlantik stimmt. Man muss den Schein schon gegen das Licht halten, um festzustellen, er verfügt weder über ein Wasserzeichen noch über ein Durchsichtsfenster. Abb. 2, Mikroschrift in einem Stern des Fünfers der zweiten Euroserie (Detailvergrößereung). Man braucht allerdings besonders scharfe Augen, eine Lupe oder besser noch ein Mikroskop, um festzustellen, dass die Mikroschrift in den Sternen nicht aus vielen kleinen Euro Schriftzeichen besteht sondern nur aus Gekräusel. Unter einer UV Lampe wird unser falscher Fünfziger auch sehr rot. Abb. 3, Mikroskopaufnahme eines Sterns der falschen Fünfzigernote. Abb. 4, falscher Fünfziger unter UV Licht. Abb. 5, Nachahmung des Wasserzeichens durch seitenverkehrten Druck auf der Rückseite der Fälschung. Wir betrachten nun besonders die linke Seite und haben doch irgendwie den Eindruck, wir könnten ein Wasserzeichen sehen und das Grün in der Ziffer 50 chargiert ein wenig und verändere sich beim Kippen. Erst im Vergleich z. B. mit einem richtigen Bundesdruckerei-Fünfziger fällt der kolossale Unterschied beim Folienstreifen und der Smaragdzahl auf. Wasserzeichen und Sicherheitsfaden sind nur aufgedruckt, was aber wohl für einen flüchtigen Echtheitseindruck reicht. Überhaupt erscheinen die Unterschiede erst im direkten Vergleich mit einem offiziell gedruckten Schein wirklich augenscheinlich. Wer hat schon immer einen Fadenzähler für die Mikroschrift dabei, wenn er als Privatperson einen oder mehrere Fünfziger entgegennimmt. Überhaupt besteht nur eine geringe Gefahr, Falschgeld aufzusitzen. Wer meistens unbar bezahlt, minimiert diese Gefahr noch mehr. Wer allerdings häufig mit Schwarzgeld zu tun hat, der muss aufpassen. Der Handwerker mit Schwielen an den Händen wird kaum merken, wenn die Papierfeinheiten nicht vorhanden sind. Er wird sich über ein Bündel Bargeld freuen und wird nicht jeden Schein gegen das Licht halten. Erst falls ihm auffällt, das viele Scheine die gleiche Kontrollnummer haben und einige der Scheine beim Einkaufen oder in der Bank abgelehnt werden, wird ihm klar, dass er gar nicht zur Polizei gehen kann, ohne sich selber zu belasten. Dann kauft er sich vielleicht einen Geldzählapparat, wie ihn die Bundesbank empfiehlt? Abb. 6, Ausschnitt mit der Kontrollnummer des falschen Fünfzigers. Unsere Geldscheine verfügen übrigens über ein weiteres, größtenteils unbekanntes Sicherheitsmerkmal, nämlich die Kontrollnummer. VB4592785429 12 Stellen: Druckereibuchstabe + Neuner-Restzahlbuchstabe + 9 Stellen + Prüfzahl. Wie man z. B. im Euro- Katalog Münzen und Banknoten 2023 des Leuchtturm Verlags im Schlusskapitel EURO-Banknoten nachlesen kann, soll deren 2. Quersumme der zweiten Euroserie stets die Zahl 7 ergeben. Den Buchstaben am Anfang wird eine fortlaufende Zahl zugeordnet, also A = 1 usw. Z = 26. Zu der Quersumme beider Buchstabenzählungen werden die einzelnen Zahlen der Kontrollnummer der Reihe nach addiert und ergeben dann als erneut die Quersumme die 7. Im vorliegenden Fall des falschen Fünfzigers rechnen wir nach: VB4592785429. Das V steht für die Königlich Spanische Münze (Fábrica Nacional de Moneda y Timbre), der Schein soll also in Burgos gedruckt worden sein. V steht an Position 22 im Alphabet, B an Position 2. Wir rechnen zusammen 22 + 2 = 24. Dazu 4 + 5 + 9 + 2 + 7 + 8 + 5 + 4 + 2 + 9 = 55, ergibt zusammen 79, davon die Quersumme 7 + 9 = 16. Das ist aber noch nicht die erwartete 7. Erst die Quersumme von 16, also 1 + 6 = 7 ergibt die gewünschte Kontrollzahl 7. Hat der Fälscher hier einen Fehler gemacht? Meine Stichproben bei anderen 50-Euro-Scheinen ergaben besonders bei Exemplaren mit Lagarde-Unterschriften tatsächlich öfter die 16 als zweite und erst als dritte Quersumme die 7. Eine Nachfrage von mir beim Leuchtturm-Verlag blieb leider unbeantwortet. Allerdings bestätigten mir das Bundesbank-Analysezentrum Mainz und die EZB die Plausibilität von Kontrollnummern, die erst eine Quersumme 16 und dann in einem weiteren Schritt die 7 ergeben. Die Serien – bzw. Kontrollnummer von Scheinen der zweiten Eurogeneration bestehen aus zwölf Stellen. Der erste Buchstabe gibt die Druckerei an und taucht auch im Druckcode an erster Stelle auf. In unserem Fall ein V für die Königlich Spanische Münze. Der zweite Buchstabe kann in einer Tabelle mit dem Neunerrest verglichen werden. Wir finden für VA die 2, für VB eine 1, VC die 0 und VH eine 4. Die folgenden zehn Ziffern enden mit der Prüfziffer, einer 9. Unsere erste Quersumme betrifft die beiden Buchstaben: 24. Dann addieren wir die folgenden neun Ziffern auf und erhalten 46. Beider Quersumme lautet 70 und wird durch 9 dividiert, ergibt 7, Rest 7 abzüglich 7 gleich 0, das bedeutet als Ergebnis eine Prüfziffer 9 und die haben wir als zehnte und letzte Ziffer. Jetzt können wir noch die zwölfstellige Kontrollnummer überprüfen. Dazu bilden wir wieder Quersummen, bis sie kleiner 9 sind.: Neunstellige Nummer plus Prüfzahl = 46 + 9 = 55, Quersumme 5 + 5 = 10, ultimative Quersumme 1 + 0 = 1 . Neunerrest mit Buchstabenkombination VB laut Tabelle = 1, die Kontrollnummer ist gültig! Abb. 7, Bildausschnitt dreier falscher Fünfziger mit der gleichen Kontrollnummer. Fazit: Der Fälscher hat sich mit der Kontrollnummer erstaunlich viel Mühe gegeben oder einfach eine bestehende kopiert. Sie hält einer Überprüfung stand, im Gegensatz zu anderen nur anscheinend essentiellen Sicherheitsmerkmalen. Falschgeld, das dennoch als echt akzeptiert wird, wenn es ansonsten nur handwerklich gut gemacht ist. Es hat zwar keine solchen Sicherheitsmerkmale, die aber sowieso in der Kürze einer Übergabesituation nicht überprüft werden, selbst wenn die eigentlich typische Haptik einer knisternden Banknote nicht reproduziert werden konnte und fehlt. Auch in unserem vorliegenden Beispiel fällt die Fälschung eigentlich erst dann auf, wenn man jeweils einen gefälschten mit einem echten Schein gegen das Licht hält oder wenn einem auffällt, dass ja alle Scheine die gleiche Nummer eingedruckt haben. Die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Banknote ins Portemonnaie zu bekommen ist weiterhin gering: pro 2000 Personen einmal im Jahr, von 1 Million pro Jahr in Umlauf gebrachten Banknoten sind 2022 nur vier gefälscht gewesen. Christian Merker
- BASF 1923: Der "Anilin-Dollar"
In Industrie und Handel gab es inflationsbedingt 1923 einige Maßnahmen zur Erhaltung des wertbeständigen Sparens. In erster Linie waren dies Vorkehrungen einzelner Betriebe zur Erhaltung der Wertbeständigkeit bei Löhnen und Gehältern. Die Badische Anilin & Soda-Fabrik (BASF) in Ludwigshafen am Rhein (Pfalz) führte zur wertbeständigen Entlohnung ab Ende August 1923 die sogenannte „Grundmark- bzw. Festmarkrechnung“ ein. Jeder Lohn- und Gehaltsempfänger erhielt ein auf seinen Namen lautendes Stammblatt, dem sogenannte Festmarkgutscheine über 1, 5, 10, 20 und 30 Festmark in voller Höhe seines Verdienstes angehängt waren. Es konnten bis zu 33⅓% des auf dem Stammblatt vermerkten Monatseinkommens mittels der Gutscheine gespart werden; die restlichen Scheine wurden jede Woche nach der in Ludwigshafen veröffentlichten Indexziffer umgerechnet und zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten in Papiermark ausgezahlt. Nach den Bedingungen sollte die Sparsumme den Betrag von zwei Monatseinkommen nicht übersteigen. Die Scheine sind heute nur aus einem im Archiv der BASF befindlichen Blanko-Bogen zu 10x21, 2x5, 4x10, 6x20 und 4x30 Festmark bekannt. Die BASF hatte mit diesem relativ komplexen Verfahren zwar gute Erfahrungen gemacht, wandte sich jedoch im Oktober 1923 vom Festmark-System ab und gab ab 25. Oktober 1923 zur Kaufkrafterhaltung der Löhne und Gehälter in mehreren Reihen eigenes Goldmarknotgeld als wertbeständiges Zahlungsmittel auf Dollarbasis aus. Die in einer ersten Reihe ohne Datum über 1, 2, 5, 10 Pfennig Gold und 1 Mark Gold lautenden Gutscheine wurden – wie auch die folgenden vier Reihen – mit Genehmigung des Bayerischen Finanzministers, des Reichsministers der Finanzen und der französischen Besatzungsbehörde in der Werkdruckerei der BASF hergestellt. Die Gutscheine der ersten Reihe dienten dem Wechselverkehr in der Fabrik. Eine Weitergabe in den freien Verkehr war unzulässig. Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 5 Pfennig Gold, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein, erste Reihe ohne Datum. In einer zweiten Reihe vom 25. Oktober 1923 (Rückzahlung: 1. April 1924) wurden Gutscheine über 1,05 Goldmark verausgabt. Mit Herausgabe am 31. Oktober 1923, am 3. November 1923 und am 5. November 1923 (Rückzahlung: 1. April 1924) erfolgten drei weiteren Emissionen, die als Zusatzwerte in den Verkehr gebracht wurden (31. Oktober 1923: 2,10 Goldmark; 3. November 1923: 1,05 Goldmark; 5. November 1923: 0,42 und 4,20 Goldmark). Diese Gutscheine (Reihen 2 bis 5) wurden von der Gesellschaftskasse sowie von den nachstehenden Banken in Mannheim bzw. Ludwigshafen eingelöst: Rheinische Creditbank, Darmstädter & Nationalbank, Dresdner Bank, Süddeutsche Disconto- Gesellschaft A.-G. und Bayerische Hypotheken- und Wechsel- Bank Filiale Ludwigshafen. Die Einlösung der Gutscheine erfolgte in Mark deutscher Reichswährung (Papiermark), wobei der US-Dollar zum Mittelkurs der amtlichen Berliner Notierung des der Einlösung vorhergehenden Börsentages umgerechnet wurde. Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 1,05 Mark Gold = ¼ Dollar, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein am 3. November 1923 (Vorderseite). Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 1,05 Mark Gold = ¼ Dollar, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein am 3. November 1923 (Rückseite mit Einlösungskonditionen). An alle Banken, Handels- und Gewerbekammern, Oberpostdirektionen, Stadtverwaltungen, Einzelhandels- und Gewerbeverbände ergingen Rundschreiben, in denen die Herausgabe des wertbeständigen Notgelds angezeigt und um Annahme als Zahlungsmittel ersucht wurde. Es wurde in der Rheinpfalz und weit darüber hinaus bis nach Nordbaden und Württemberg ein von der Geschäftswelt sehr begehrtes Zahlungsmittel, für das sich der Name „Anilin-Dollar“ einbürgerte. Der „Anilin-Dollar“ entwickelte sich seinerzeit vorübergehend zum beliebtesten Zahlungsmittel der Pfalz. Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 4,20 Mark Gold = 1 Dollar, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein am 5. November 1923. Mit der Goldmark- Einführung wurden bei der BASF Löhne und Gehälter seinerzeit voll wertbeständig ausgezahlt. Im November 1923 wurden für die in einer Gesamtauflage von 6,5 Mio. Goldmark ausgegebenen Gutscheine 1,2 Mio. und am 5. Dezember 1923 weitere 1,5 Mio. niederländische Gulden als Sicherheit bei der „Rotterdamsche- Bankvereeniging N.V.“, Rotterdam, deponiert. Vom 27. November 1923 an erfolgte die Wiedereinlösung, die sich über mehrere Monate erstreckte. Gutscheine ohne Datum über 1, 2, 5 und 10 Pfennig Gold des Konsum-Vereins Ludwigshafen e.G.m.b.H und der Eier-, Butter- und Käsegroßhandlung Wilhelm Gerbig, Ludwigshafen, hatten den Vermerk, dass sie in den beiden Geschäften nur dem Wechselverkehr dienten und die Weitergabe in den freien Verkehr unzulässig war. Für die Mitarbeiter der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik spielten diese Gutscheine eine Rolle als Wechselgeld für den "Anilin-Dollar". Wilhelm Gerbig, Eier-, Butter- und Käsegroßhandlung, Gutscheine über 1, 2, 5 und 10 Pfennig Gold, ausgestellt in Ludwigshafen, ohne Datum. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Sience History Institute und BASF (7/2023) Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Lexikon: Gesetzliche Zahlungsmittel
Gesetzliche Zahlungsmittel sind solche Geldzeichen, die über eine vom Staat verliehene Eigenschaft verfügen, nach der sie von jedem zur Tilgung von in Geld ausgedrückten Zahlungsverpflichtungen in Zahlung genommen werden müssen, die also über einen sog. Annahmezwang verfügen. Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Bundesbank: Banknote zu 100 Deutschen Mark vom 2. Januar 1980 (gesetzliches Zahlungsmittel bis 30. Juni 1995), Vorder- und Rückseite. Dabei kann es sich um Banknoten einer konzessionierten Notenbank (z. B. Deutsche Bundesbank) handeln, aber auch um Staatspapiergeld (z. B. staatliche Kassenscheine). In Ausnahmefällen können auch andere Zahlungsmittel (z. B. Notgeld) oder sogar Wertpapiere von einem Staat vorübergehend zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt werden (z. B. Zinskupons der deutschen Kriegsanleihen 1918/19). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Geldscheinporträts: Gustave Eiffel – Der „Eisenzauberer“
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen: Gustave Eiffel auf einer 200-Francs-Note der Banque de France von 1996. Abbildung 1: Gustave Eiffel, von François Touranchet, in L'Illustration 1893 (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/ce/Gustave_Eiffel.jpg). Eiffel wurde am 15. Dezember 1832 als Gustave Bönickhausen in Dijon geboren. Seine Vorfahren stammen – daher der Name – aus der Eifel. Die Familie wanderte Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem kleinen Ort Marmagen nach Frankreich aus. Seine Eltern lassen sich wohl als „Neureiche“ bezeichnen. Sein Vater war Offizier und seine Mutter wusste die industrielle Revolution zu nutzen und erlangte im Kohlehandel beachtlichen Reichtum. Nach dem Abitur zog Gustave nach Paris. Er genoss das neue Leben, besuchte die Oper, ging schwimmen und fechten, begeisterte sich für die Weltausstellung von 1855. In der Großstadt bereitete er sich auf die Aufnahmeprüfung für die „Ecole Polytechnique“ vor. An der mündlichen Prüfung der Elitehochschule scheiterte er jedoch. Eiffel wurde stattdessen an der "Ecole Centrale" aufgenommen, einer industriell ausgerichteten Ingenieur-Hochschule. Dort studierte er zunächst Chemie, bevor er auf Metallbau umsattelte. Die richtige Entscheidung: Es begann die Zeit der Eisenbahnen. Überall wurden Trassen gebaut, Gleise, Lokomotiven, Brücken und Gebäude mit großen Dachstrukturen. Die Metallbranche erschien sehr zukunftsträchtig. Eiffel arbeitete in verschiedenen Konstruktionsbüros, bis er 1856 eine Anstellung als Brückenbauingenieur fand. 1858 ernannte man ihn zum leitenden Ingenieur beim Bau einer 500 Meter langen Eisenbahnbrücke über die Garonne in Bordeaux. Die „Passerelle Eiffel“ war sein erstes Bauwerk und wurde 1860 eröffnet. Fortan genoss der junge Konstrukteur einen ausgezeichneten Ruf. Als sich die Lage in der Firma verschlechterte, stieg Eiffel aus und machte sich selbstständig. Eiffel war nun mit gerade einmal 33 Jahren Chef seines eigenen Unternehmens. Durch seine soliden Erfahrungen und seine guten Beziehungen gelang es ihm, eine Vielzahl von geeigneten Ingenieuren für anspruchsvolle Bauvorhaben zu gewinnen. In den Folgejahren florierte sein Geschäft. Er arbeitete unermüdlich, konstruierte das Metalldach einer Pariser Synagoge, baute Viadukte und Gasometer. Die Entwürfe und Innovationen von Eiffel ermöglichten schnelle und günstige Brücken- und Gebäudekonstruktionen in noch nie dagewesenen Größenordnungen. Ein Beispiel ist das Garabit-Viadukt im Zentralmassiv: Zur Bauzeit war es die höchste Brücke mit der größten Spannweite der Welt: 565 Meter lang, 122 Meter über dem Wasser. Eiffels Stahlkonstruktionen sind weltweit zu sehen, außer in Deutschland: Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 exportieren französische Metallbauunternehmen nicht mehr ins Nachbarland. In die Folgezeit fallen Gustave Eiffels wichtigste Arbeiten: Die Freiheitsstatue und der Eiffelturm. Für die Freiheitsstatue entwickelten Eiffel und seine Mitarbeiter ein ausgeklügeltes Trägersystem für die Tragwerke des inneren Stützgerüsts. Die von Frédéric-Auguste Bartholdi entworfene Statue wurde 1886 in New York City eingeweiht. Mit deutlich weniger Euphorie wurde zunächst die Planung des Eiffelturms begleitet. Der skelettartige Bau widersprach dem damaligen Geschmack. Unter anderem der Sohn von Alexandre Dumas verfasste ein flammendes Pamphlet gegen den Bau des Turms und bezeichnete ihn als „Turm zu Babel“. Gustave beharrte auf den Plänen seines Konstrukteurs Maurice Koechlin. Der Eiffelturm wurde in nur 26 Monaten fertiggestellt. Ähnlich wie bei einem Puzzle ließ Eiffel die einzelnen Stahlelemente in Fabriken vorfertigen und mit genauen Zahlen und Anleitungen versehen, damit sie anschließend einfach und schnell zusammengebaut werden konnten. Mit der Eröffnung des Turms im Rahmen der Pariser Weltausstellung 1889 verstummten die kritischen Stimmen und das zur damaligen Zeit höchste Bauwerk der Welt wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Abbildung 2/3: Banque de France, 200 Francs von 1996. Vorderseite: Porträt von Gustave Eiffel, Trägerstrukturen des Eiffelturms. Rückseite: Blick durch den unteren Teil des Eiffelturms auf die Ausstellungsflächen des Marsfelds zur Pariser Weltausstellung von 1896. Bald darauf endete die ruhmreiche Phase im Leben des Ingenieurs jedoch wieder. Er unterschrieb einen Vertrag zur Lieferung von Schleusen für den geplanten Panama-Kanal. Das Mammutprojekt sollte den Atlantik mit dem Pazifik verbinden. 85.000 Kleinanleger hofften auf eine gute Rendite. Die Kanalbau-Firma ging jedoch in einem Korruptionsskandal unter. Auch Eiffel wurde hineingezogen. Es gelang ihm nicht, seinen Ruf zu retten. Er wurde als „ruchloser Profitmacher“ bezeichnet und saß sogar eine Woche lang im Gefängnis. Daraufhin übertrug er sein Unternehmen an Maurice Koechlin. Gustave Eiffel war nun 61 Jahre alt und ohne Firma. An Ruhestand dachte er aber nicht. Er begann eine zweite Karriere als Wissenschaftler und leistete Pionierarbeit im Bereich Aerodynamik, wobei ihm der Eiffelturm als Versuchsstation diente. Zuerst stellte er dort Wetterstationen auf, dann entwickelte er ein Fallgerät für aerodynamische Messungen. Eiffel konstruierte einen Windkanal, zuerst neben dem Eiffelturm, dann in seinem „Aerodynamischen Labor“. Noch als alter Mann ging er regelmäßig in sein Labor und wirkte an wissenschaftlichen Publikationen mit. Mit 88 Jahren schenkte er den Windkanal der französischen Armee. Gustave Eiffel starb drei Jahre später, am 27. Dezember 1923. Besonders in Jahr der Ausgabe der 200-Francs-Banknote feierte Paris den berühmten Konstrukteur: Sein Todestag jährte sich zum 100. Mal. Elias Heindl Literatur/Quellen Ralph Erdenberger, Matti Hesse: Gustave Eiffel, Ingenieur (geboren am 15.12.1832). WDR ZeitZeichen, Sendung vom 15.12.2022, WDR 5, aufgerufen über www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-gustave-eiffel-100.html Bettina Kaps, Dirk Asendorpf, Günter Maurer: Gustave Eiffel und seine kühnen Bauten. SWR2 Wissen, Sendung vom 15. Mai 2023, SWR 2023, aufgerufen über www.swr.de/swr2/wissen/gustave-eiffel-und-seine-kuehnen-metallbauten-swr2-wissen-2023-05-15-100.html de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Eiffel Abbildungen Banknote: Sammlung Schilde.
- Auftragsmuster, Farbproben, Musterdrucke und Werbescheine von Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd.
Als im Jahr 1856 Henry Riley Bradbury und Robert Wilmot Wilkinson ihre Firma in der Fetter Lane in Holborn/London gründeten, ahnten beide nicht, dass sie später zu den vier bekanntesten englischen Wertpapierdruckereien aufsteigen sollten. Henry Bradbury war der älteste Sohn von William Bradbury – der Vater betrieb ab 1824 eine eigene Druckerei. Dort war ab 1847 Robert Wilkinson als Graveur und Kupferdrucker beschäftigt. Henry Bradbury starb 1860 mit 31 Jahren und ein Jahr später wurde die Druckerei mit gleicher Firmierung in der Londoner Farringdon Road neu gegründet. Abb. 1: Firmengründer Henry Riley Bradbury (1829–1860). Bradburys Nachfolger zog sich 1890 aus dem Geschäft zurück – Wilkinson wandelte den Betrieb in eine Aktiengesellschaft um, verließ jedoch 1903 die Firma. In diesem Jahr kaufte die New Yorker American Bank Note Company die Londoner Bradbury, Wilkinson & Co., Ltd. auf. Seit 1890 hatte die ABNC schon Geschäftsanteile an der Firma und seit 1917 war sie 100%-iger Eigner. Percy Wilmot Wilkinson, Sohn vom Mitbegründer Robert Wilkinson, wurde mit 35 Jahren neuer Geschäftsführer des europäischen Ablegers der ABNC. R. W. Wilkinson verstarb 83-jährig im Jahr 1910, sein Sohn Percy zehn Jahre später im Alter von 52 Jahren. 1922 schließlich bezog man auf der Burlington Road im Londoner Vorort New Malden neue Geschäftsräume; auf dem Gelände steht heute der Supermarkt Tesco. In den 1960er Jahren bestand noch ein Büro von BWCo. in der Londoner Coleman Street/Moorgate. Das letzte Betriebsgebäude wurde 1990 geschlossen. Abb. 2: Firmenanlage von Bradbury, Wilkinson & Co., Ltd. an der Burlington Road in New Malden, auf der Rückseite einer Werbenote von 1965 und auf einer Werbe-Briefmarke wurden das Gebäude abgebildet. Im März 1986 übernahm dann der frühere Konkurrent De La Rue die Traditionsfirma von der American Bank Note Company. In der Folgezeit wurde auch das Archiv von BWC freigegeben. Schon 1961 hatte Thomas De La Rue die 1810 als Familienunternehmen gegründete Druckerei Waterlow & Sons Ltd. und im Februar 1997 die Druckerei Harrison & Sons Ltd. übernommen, die 2003 geschlossen wurde. So sind die drei bekannten Wertpapierdruckereien in dem heute als DeLaRue plc firmierenden Konzern aufgegangen. Im übrigen existiert außerdem das 1965 gebildete Gemeinschaftsunternehmen De La Rue Giori AS, das ebenfalls Werbe- und Testnoten druck(t)e. Alle genannten vier englischen Druckereien prägten das Aussehen zahlreicher Banknoten des 20. Jahrhunderts weltweit. Die bei Bradbury, Wilkinson & Co. gedruckten Geldscheine zeichnen sich meist durch grafisch sehr gelungene Gestaltungen aus; bspw. für die Nationalbanken von Albanien (1926), Bulgarien (1925), Island (1928), Griechenland (1923), Lettland (1929), Rumänien (1933) oder Spanien (1906). Eine typische Besonderheit sind die verwendeten Kontrollnummern mit einem Komma aller drei Ziffern. Außer den bekannten Banknoten sind die verschiedenen Musterdrucke etc. interessant. Abb. 3: 10 Gulden vom 10. Januar 1924, Vs., Auftragsmuster (für die Nachauflage über 600.000 Exemplare der Serie A/A von 1928) für die Bank von Danzig, mit Auftragsnummer O/13467 und Datum 25.8.28 sowie mit CANCELLED perforiert. Abb. 4: 5000 Pesetas vom 11. Juni 1938, Vs., Auftragsmuster für die Bank von Spanien, mit Auftragsnummer O/36387 und Datum 28.5.38 sowie mit CANCELLED perforiert. Auftragsmuster Abb. 5: 20 Pounds o. D., Vs., gelochte Farbprobe für die britische Kronkolonie Fidschi, mit Aufdruck SPECIMEN OF NO VALUE; es sind Auftragsmuster der Serie B/1 (10.000 Exemplare) mit O/26273 und Datum 27.10.33 und mit Perforation CANCELLED in Violett statt Grün bekannt. Abb. 6: 10 Shillings o. D., Vs., gelochte Farbprobe für das britische Überseegebiet Bermuda, mit Aufdruck SPECIMEN OF NO VALUE; in Grünbraungelb statt in Rot der ausgegebenen Scheine. Abb. 7: 100 Escudos o. D. (1946), Vs., gelochte Farbprobe Nr. 58 für die Banco Nacional Ultramarino, mit Aufdruck SPECIMEN; in Braun statt in Lila der ausgegebenen Scheine der Serie B für die portugiesische Kolonie São Tomé und Príncipe. Farbproben Abb. 8: 10 mexikanische Dollar o. D. (1909), Vs., für die Russisch-Chinesische Bank/Shanghai, in Russisch, Perforation SPECIMEN. Abb. 9: 10 mexikanische Dollar o. D. (1909), Vs., für die Russisch-Chinesische Bank/Shanghai, in Englisch, Perforation SPECIMEN. Musterdrucke Bemerkenswert sind Banknoten, die auf frühere Werbedrucke zurückgehen. Beispiele sind die BWC-Werbenoten, die als Vorlage für die nicht ausgegebenen argentinischen 5-Pesos-Banknote der Banco de Cuyo von 1892 sowie die 100-Pesos-Scheine von 1867 der Provinz Buenos Aires dienten. Abb. 10: 5er, einseitige Werbenote o. D. (1875), Vs., in Französisch; die spätere ähnliche Werbenote wurde zweiseitig und ohne Hausnummer in der Anschrift gedruckt. Abb. 11: 5 Pesos Fuertes o. D. (18__), Vs., für die Banco de Cuyo, diese kommen vorder- oder rückseitig mit der Perforation SPECIMEN / B.W&Co / LONDON vor. Abb. 12: 100 Lire o. D., Vs., Werbenote/La Banca Irlanda mit Perforation SPECIMEN / B.W&Co / LONDON vor, in Italienisch. Abb. 13: 100 Pesos 1. April 1867, Vs., La Provincia de Buenos Ayres. Werbedrucke Im Vergleich der Werbenoten (advertising notes/promotional notes) anderer englischer Wertpapierdruckereien sind die von Bradbury, Wilkinson & Co. herausragend – aufgrund der Vielzahl verschiedener Beispiele aus mehreren Jahrzehnten und der außergewöhnlich gelungenen Gestaltung. Die Aussage des kanadischen Sammlers und Händlers Ian A. Marshall steht hier stellvertretend für viele andere sachkundige Papiergeld-Fachleute. Er befasst sich seit 50 Jahren mit Geldscheinen aus aller Welt und aller Typen: „I have always favoured the artistically beautiful designs of Bradbury notes over all the other Security printers.“ (= Ich habe die künstlerisch schönen Designs der Bradbury-Noten immer gegenüber allen anderen Sicherheitsdruckereien vorgezogen.) Abb. 14: 10 Pounds 1. Mai 1862, einseitige Werbenote, für 240 £ bei Spink verkauft; Henry Bradbury legte schon 1856 eine ebenso interessante Werbenote zu 10 Pfund vor (https://www.spink.com/lot/20009000024). Abb. 15: 10er, o. D., einseitige Werbenote in Italienisch. Abb. 16: 5er, Werbenote o. D. (1860–1870er Jahre), Vs., mit Aufdruck „as adopted by the Austro-Hungarian Government“ – ein öst.-ung. Schein in ähnlicher Ausführung wurde nie realisiert. Beispiele Von vielen Werbenoten sind unterschiedliche Varianten bekannt; die zuvor abgebildete „anti-photographic“-Note gibt es auch in Blau und mit „Comb. No 12“. Auch wurden Gestaltungen übernommen und in mehr oder weniger abgeändertem Design gedruckt – wie die beiden folgenden 1-£-Noten aus den 1870-1890er Jahren und die weiteren Werbenoten mit der Büroanschrift (2 Moorgate/New Malden) aus den 1920-1940er Jahren zeigen. Dieser Verfahrensweise begegnet man häufig bei der Sichtung aller Werbenoten von Bradbury, Wilkinson & Co. Abb. 17: 1 Pound o. D., einseitige Werbenote um 1870. Abb. 18: 1 Pound o. D., einseitige Werbenote ähnlich Abb. 17 (2021 für 210 £ bei Spink verkauft). Abb. 19: 10 Pounds o. D., seltene einseitige Werbenote aus den Jahren zwischen 1873 und 1917, angeblich auf einem mexikanischen Flohmarkt gefunden und für 400 Pesos gekauft. Abb. 20: 10 Pounds o. D. (1st. June 18__), Vs., für die Australisch-Europäische Bank in Melbourne gedruckte, aber nicht ausgegebene Banknote; katalogisiert in „The Catalog of Printers Promotional Sheets & Test Notes“ (Roland Rollins 17. Aufl., unter BW-292) – die Bank wurde 1874 in Melbourne gegründet, 1879 von der Commercial Bank of Australia übernommen, die wiederum 1982 mit der Bank of New South Wales zur Westpac Banking Corporation fusionierte; mit Perforation SPECIMEN / B.W&Co / LONDON; es sind auch 50-Pfund- sowie 20-Pfund-Noten mit Aufdruck SPECIMEN und Lochung bekannt. Interessant ist ein aufwendig gestalteter Zwanziger, der den auf der Weltausstellung 1900 in Paris erhaltenen Grand Prix als Werbeträger würdigt – er stammt aus den 1920er Jahren. Abb. 21: 20er, einseitige Werbenote um 1920 mit der von Jules-Clément Chaplain entworfenen Grand-Prix-Medaille, mit Perforation SPECIMEN. Abb. 22: einseitige Werbenote um 1927, Britannia-Büste links. Abb. 23: einseitige Werbenote um 1940, Britannia-Büste links und rechts, ähnlich Abb. 22. Abb. 24: einseitige Werbenote um 1900, Königin Elisabeth I. links; es sind auch Varianten in Violett bekannt und für 160 £ bei Spink verkauft. Abb. 25: einseitige Werbenote um 1930, König Charles I. Links, ähnlich Abb. 24; es sind Noten mit dem Porträt von König Charles I. in der Mitte bekannt. Abb. 26: einseitige Werbenote aus den 1910-1920er Jahren, Porträt Admiral Horatio Nelson; in fünf verschiedenen Farbkombinationen, außerdem mit gestalterischen Abänderungen bekannt. Abb. 27: 50er, einseitige Werbenote vor 1900, Firmenanschrift: Farringdon Road 25–27, London; ähnliche Ausgaben mit spanischem Text in Grün um 1930 bekannt. Abb. 28: 50er, zweiseitige Werbenote aus den 1950-1960er Jahren, Vs., Büroanschrift: Moorgate 2, London; es gibt frühere Noten aus den 1900–1920er Jahren in Dunkelblau mit der Ansicht des BWC-Fabrikgebäudes in New Malden/London auf der Rückseite. Abb. 29: zweiseitige Werbenote, Vs., o. D., Charles Dickens. Abb. 30: 100er, einseitige Werbenote, o. D. (1970–1980), mit dem Porträt von William Shakespeare, experimenteller Schein aus Tyvek (Polyethylen), im März 2015 für 200 US-Dollars versteigert. Abb. 31: Werbenote, Vs., 1985, mit dem Porträt von Sir Isaac Newton, als Souvenirschein von der IBNS anlässlich des 17. Treffen der europäischen Geldscheinsammler ausgegeben (6-stellig nummeriert); neben früheren Ausführungen in Grün gibt es ähnliche Nachfolgescheine schon 1986 von DeLaRue mit dem Aufdruck BRADBURY WILKINSON a member of the DE LA RUE GROUP of COMPANIES sowie das bekannte Scherenschnitt-Logo. Bekannte Graveure bei BWC waren u. a. Enrique Vaquer (1914 bis 1921) und Philip Goodwyn Hall (1930–1950er Jahre). Hall studierte an der Kingston Art School in Surrey und gravierte neben Banknoten auch Briefmarken für die britischen Postbehörden auf der Insel und für Übersee. Er arbeitete auch bei Thomas De La Rue & Co. und bei Waterlow & Sons. Abb. 32/33: Phil Hall (1905–1979) bei Gravurarbeiten im Februar 1940 zur 8-Pence-Briefmarke „Centennial of New Zealand 1840/1940“ (100 Jahre Kronkolonie) – in den 1950er Jahren kündigte er wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Firmenleitung und war dann bis zum Ende seiner Karriere freiberuflich tätig. Auffallend ist die große Menge an alten und sehr alten Werbenoten. Ursache dafür war der Verdrängungswettbewerb unter den Druckereien, der zu Konsolidierungen in der Branche führte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Wettbewerb zwischen konkurrierenden Druckereien sehr hart, der weltweite Bedarf an Papiergeld war gewaltig – der Markt dafür explodierte. Zeitzeugen berichteten von rivalisierende Druckereien, die sich gegenseitig ausspionierten. Mengenmäßig liegen die "Brads" (Scheine von Bradbury, Wilkinson & Co.) an vorderster Stelle. Die Werbenoten der Mitbewerber waren jedoch nicht weniger attraktiv und ebenso von hoher Qualität. Abb. 34: 1 Pound o. D. (um 1821), frühe einseitige Werbenote; 1819 firmierten Jacob Perkins, Gideon Fairman und Charles Heath ihre Druckerei: Perkins, Fairman, & Heath, die sich 1887 zu Perkins, Bacon & Co. Ltd. umbenannte, Geschäftsaufgabe dann 1935. Abb. 35: einseitige Werbenote aus den Jahren 1910–1920 der Druckerei Waterlow & Sons Ltd. mit dem Porträt des Firmengründers Sir Philip H. Waterlow; auch Variante von 1940/41 in Rot bekannt. Abb. 36: One/1er, Vs., aus den 1930–1950er Jahren stammende zweiseitige Werbenote der Londoner Druckerei Thomas De La Rue & Co. Ltd., mit dem Porträt des Firmengründers Thomas de la Rue; die starke Ähnlichkeit zu US-amerikanischen Silver Certificates wurde bewusst gewählt (für 500 US-Dollars im April 2017 versteigert). Abb. 37: Rückseite von Werbenoten der Druckerei Harrison & Sons Ltd. London, hier von 1989 (schon 1979 wurde das Unternehmen von Lonrho übernommen). Abb. 38: Poster von 1912, ca. 20 × 33 cm, Porträt von König George V., von BWC wurden seit 1867 Jahreskalender mit Vignetten und in verschiedenen Sprachen gedruckt. Michael H. Schöne Quellen https://bm.linkedin.com/posts/ian-marshall https://books.google.de/books/about/Specimens_of_bank_note_engraving https://en.wikipedia.org http://maldensandcoombeheritagesociety.weebly.com/bradbury https://stampengravers.blogspot.com https://web.archive.org https://www.britishmuseum.org https://www.pmgnotes.com/bradbury https://www.stampcommunity.org
- Lexikon: Gesellschaften
Gesellschaften (Vereine), in denen Sammler mit gleichen Interessen zusammengeschlossen sind. Sie wollen die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Sammlern intensivieren und neue Kontakte ermöglichen. Viele Gesellschaften geben außerdem den Sammlern durch Vorträge und eigene Publikationen Gelegenheit, eigenes Wissen und eigene Forschungen mitzuteilen und umgekehrt ihr eigenes Wissen zu vertiefen. Da die Zahl der Geldscheinsammler erst ab den 1980er-Jahren stark angewachsen ist, waren die meisten deutschen Papiergeldsammler Mitglieder in einer der bereits bestehenden numismatischen Gesellschaften, wie z. B. Münzvereine. In der damaligen DDR entstand aber bereits im Oktober 1979 mit dem Arbeitskreis "Geldscheine und Wertpapiere" im Kulturbund der DDR eine Vorläufer-Organisation mit eigenen Publikationen des heuten DGW (Deutscher Geldschein- und Wertpapiersammler e.V), der mit seinen "DGW-Informationen" jährlich zwei eigene Zeitschriften veröffentlicht. Geldscheinsammler, die sich auf internationaler Ebene interessieren und sich im allgemeinen über das Papiergeld, seine Geschichte, Entwicklung und das Sammeln informieren wollen, können auch Mitglied einer internationalen Gesellschaft für Papiergeldsammler werden. Die bekanntesten dieser Gesellschaften sind: International Bank Note Society (IBNS) mit dem IBNS-Journal Society of Paper Money Collectors (SPMC). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Leserpost: Goldmark der Handelskammer Ludwigshafen
Ich habe den Artikel von Herrn Glasemann "Wertbeständiges Handelskammer-Notgeld 1923" mit großem Interesse gelesen, und da ich den Ludwigshafener Schein besitze, kamen mir folgende Gedanken: Sollten tatsächlich nur die 200 verausgabten Scheine – wenigstens teilweise – existieren, wäre der Schein sicherlich nur sehr schwer zu bekommen und entsprechend teuer. Tatsächlich aber liegen die aktuellen Preise ca. zwischen 6 und 20 EURO. Die wenigen mir bekannten Kontrollnummern gehandelter Scheine zwischen 703096 und 935487 legen den Verdacht nahe, dass der Restbestand wohl doch nicht (vollständig) vernichtet wurde und auf den Sammlermarkt gelangt ist. T. Neldner Antwort des Autors Die Informationen zu dieser Emission habe ich der Dissertation von Rudolf Wilhelmy „Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Berlin, 1962“ entnommen. Ich möchte seinen Text hier zur Klarstellung zitieren: "Die Handelskammer Ludwigshafen bemühte sich schon Anfang November 1923, die Genehmigung der I.A.R.K. zur Emission wertbeständigen Notgeldes zu erhalten. Diese Genehmigung wurde nach langwierigen Verhandlungen erst Mitte Dezember 1923 erteilt, nachdem die Kammer den Gegenwert für die mit 4,2 Mio. Goldmark geplante Auflage bei der Elsässischen Bankgesellschaft, Filiale Ludwigshafen, in Dollar hinterlegt hatte. Von der gesamten Auflage wurden ab 18.12.1923 nur noch 200 Scheine ausgegeben, die über ,,1 Dollar U.S.A. = 4,20 Mark Gold = 1 Pfälzischer Handelskammerdollar“ lauteten. Es wurde davon abgesehen, größere Mengen des Notgeldes in Umlauf zu setzen, weil inzwischen Rentenmarkscheine im französisch besetzten Gebiet" von der I.A.R.K. als ordentliches Zahlungsmittel zugelassen." Seine Informationen erhielt Wilhelmy aus einem Schreiben der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz, Ludwigshafen, vom 6.12.1957 Es kann festgehalten werden: Die geplante Auflage belief sich auf 1 Million Scheine Davon wurden nachweislich nur 200 Scheine in den Umlauf gebracht Da die Handelskammer den Gegenwert von 4,20 Mio. Goldmark bankmäßig hinterlegt hatte, ist vermutlich auch ein Druckauftrag für 1 Million Stück rausgegangen. Ihre Kontrollnummern 703096 und 935487 belegen dies. Auch die heutige IHK Pfalz belegt dies und schreibt dazu aktuell unter „Eine Scheinwelt: Der Handelskammerdollar der IHK“: Den Druck der Geldscheine übernahm die Druckerei der BASF. Auch das Papier beschaffte die Anilin. Der Einfachheit halber nahm man das Papier, das das Chemieunternehmen für den Druck seiner eigenen wertbeständigen Gutscheine verwendete. Die BASF sicherte eine tägliche Druckmenge von 250.000 Scheinen zu. Die Druckkosten beliefen sich auf 9.000 Goldmark. Vor der Herausgabe der eigenen Währung standen langwierige Verhandlungen mit der Hohen Alliierten Rheinlands-Kommission in Koblenz. Denn ohne deren Genehmigung ging in der französisch besetzten Pfalz damals gar nichts. Der Notgeldschein der Handelskammer Ludwigshafen wurde am 18. Dezember 1923 herausgegeben und war im ganzen Regierungsbezirk Pfalz als Zahlungsmittel gültig, befristet auf sechs Wochen. Von der Auflage von einer Million Stück kamen jedoch nur 200 Stück in Umlauf, denn der Handelskammerdollar kam erst nach der Hyperinflation heraus. Inzwischen war die Deutsche Rentenmark auch im damals französisch besetzten Gebiet zugelassen. Damit stand ein wertbeständiges Zahlungsmittel zur Verfügung, das am 30. August 1924 von der Reichsmark abgelöst wurde. Die nicht mehr benötigten Scheine wurden in sieben Kisten gepackt und erst einmal bei der Pfälzischen Hypothekenbank in Ludwigshafen im Keller gelagert. Die 50 Reichsmark für die Kisten verrechnete die Pfälzische Hypothekenbank ganz pragmatisch mit ihrem Handelskammerbeitrag. 1935 entschied das Präsidium der IHK schließlich, die Scheine zu vernichten. Die Bank übernahm das kostenfrei, verlangte aber die Überlassung des Altpapiers. Fazit: 1 Million der Papiere haben existiert. Die nicht mehr benötigten, wertlosen Scheine gingen 1935 auf die Pfälzische Hypothekenbank über. Hier haben wohl vor der Vernichtung der Scheine Sammler-affine Mitarbeiter einige Stücke zur Seite gebracht … und dies sind wohl die heute angebotenen Pfälzischen Handelskammerdollars von 1923. Hans-Georg Glasemann
- Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt 1923: Sachwert Feingold
Eine rheinländische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt gab Ende 1923 in Düsseldorf wertbeständiges Notgeld über den Sachwert Feingold aus und verbriefte es als sogenannte Goldwert-Anweisungen. Bei diesen Anweisungen lauteten die Nennwerte zwar auf „Gramm Feingold“ und es bestand Deckung aus Gold bzw. Goldmarkwerten. Die Einlösung war aber nicht in Gold, sondern zum Gegenwert in gesetzlicher Währung vorgesehen. Die Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt Thum & Conrad, Düsseldorf, gab mit Datum 31. Dezember 1923 Goldwert-Anweisungen über 1, 2, 5, 10 Gramm Feingold (Buchstabe A) sowie 20, 50 und 100 Gramm Feingold (Buchstabe B) aus, die in Form von Schuldscheinen zugunsten der Rheinisch-Westfälischen Credit-Bank Dr. Friedrich & Co., Düsseldorf, abgesichert wurden. Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt Thum & Conrad, Goldwert-Anweisung (Buchstabe A) über 2 Gramm Feingold, ausgegeben in Düsseldorf am 31. Dezember 1923. Thum & Conrad übernahmen nach dem Text der Anweisungen die Verpflichtung, „dass eine dem Umlaufsbetrage der Goldwert-Anweisungen entsprechende Menge Gold oder Goldmarkwerte sich stets in ihren Beständen befindet oder durch Verträge mit einwandfreien Scheideanstalten oder anderen Firmen sichergestellt ist“. Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt Thum & Conrad, Goldwert-Anweisung (Buchstabe B) über 50 Gramm Feingold, ausgegeben in Düsseldorf am 31. Dezember 1923. Die Ausgabe und die Einlösung der Goldwert-Anweisungen, deren Umlaufmenge insgesamt dem Wert von 200 Kilogramm Feingold entsprach, erfolgten sowohl bei Thum & Conrad als auch bei Dr. Friedrich & Co. Die Laufzeit war bis zum 31. Dezember 1925 befristet. Laut §3 der Ausgabe- und Einlösungsbedingungen wurden „bei der Ausgabe von Goldwert-Anweisungen dem Erwerber für je 1 Gramm Feingold nur 0,95 berechnet“, außerdem wurde „bei allen Zahlungen vor dem 31. Dezember 1924 ein Diskont von 5 % pro rata temporis in Abzug gebracht“. Entsprechend war dann nach §5 bezüglich der Einlösung vorgesehen: „Bei Rückzahlung vor dem Fälligkeitstermin der Anweisungen (31. Dezember 1925) wird für den Wert eines Gramms Feingold im Jahre 1924 der Wert von 0,90 Gramm, im Jahre 1925 der Wert von 0,95 Gramm bezahlt“. Die Einlösung sollte final in der „jeweils im Rheinland gesetzlichen Währung“ erfolgen. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Dank an HWPH AG (6/1923) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Neue Weltbanknoten-Varianten: Juni 2023, Teil 2
Ägypten 10 Pounds ohne Datum (Polymer) Wie Linzmayer B343b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Abdalla). Dominikanische Republik 50 Pesos von 2022 Wie Linzmayer B727f (nicht im SCWPM), aber mit Datum 2022. 100 Pesos von 2022 Wie Linzmayer B728c (nicht im SCWPM), aber mit Datum 2022 und neuem 3 mm breiten blau-grünen unterbrochenem ColourShift-Sicherheitsstreifen mit entmetallisiertem 100 BCRD. Europäische Währungsgemeinschaft 20 Euro von 2015 (2023) Wie Linzmayer B110 (SCWPM 22), doch mit neuer Unterschrift "Lagarde" und mit Druckereikennung "F002H2" (F = Oberthur Fiduciaire AD, Sofia). 20 Euro von 2015 (2023) Wie Linzmayer B110m3 (SCWPM 22), doch mit neuer Unterschrift "Lagarde" und mit Druckereikennung "M006E5" (M = Valora, Carregado). Ghana 5 Cedis vom 4. März 2022 Wie Linzmayer B156a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum "4th MARCH 2022". Island 10.000 Krónur von 2019 Wie Linzmayer B817a (SCWPM: 61), doch mit Datum vom 1. Juli 2019 und neuer Unterschrift (Jónsson), in Umlauf ab 14. Februar 2023. Mauritius 100 Rupees von 2022 Wie Linzmayer B422h (SCWPM: 51/56), doch mit "2022" und neuen Unterschriften (Yerukunondu/Seegolam/Sewraj-Gopal). Bisher belegt mit Serie EA. Pakistan 500 Rupees von 2023 Wie Linzmayer B237s (SCWPM 49A), doch mit Jahresangabe 2023 und neuer Unterschrift (Ahmed). Philippinen 100 Piso von 2023 Wie Linzmayer B1098a (nicht im SCWPM), doch mit neuer Jahresangabe "2023". Sambia 20 Kwacha von 2022 Wie Linzmayer B168b (SCWPM nicht gelistet), aber mit Datum "2022" und neuer Druckfirma "G+D Giesecke & Devrient". Uganda 20.000 Shillings/Shilingi von 2022 Wie Linzmayer B158f (SCWMP: 53), doch mit Datum "2022" und neuen Unterschriften Atingi-Ego/Kanyemibwa. Vereinigte Staaten von Amerika 5 Dollars von 2021 Wie USA-539 (SCWPM), doch mit Jahresangabe "2021" und neuen Unterschriften (Malerba/Yellen). Westafrikanische Staaten (Elfenbeinküste) 2000 Francs von (20)23 Wie WAS-116A (SCWPM) und Linzmayer B122Av, doch neue Unterschriten (Yaya/Brou) und neue Datierung 2003/(20)23 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Ausgabejahr an). Hans-Ludwig Grabowski (Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com)
- Burundi: Neue Banknoten zu 5.000 und 10.000 Francs
Seit 7. Juni 2023 sind neue Noten der Banque de la Republique du Burundi (Ibanki ya Republika y'Burundi) über 5.000 und 10.000 Francs mit Datum vom 7. November 2022 in Umlauf. Die Gestaltung des Fünftausenders entspricht dem Vorgängertyp von 2015/18, doch hat sich die Farbe von Hellblau auf Hellgrau geändert und der Schein zeigt das Datum 2022 und eine neue Unterschriften-Kombination (Unbekannt/Murengerantwari) auf der Rückseite. Auf der Vorderseite bilden Tänzer mit Trommeln auf ihren Köpfen das Hauptmotiv. Das Format beträgt 138 mm x 69 mm. Auch der Zehntausender ist wie der Vorgängertyp von 2015/18 gestaltet, doch hat sich die Hauptfarbe von Gelb auf Rosa geändert. Auch hier finden wir das neue Datum und die neuen Unterschriften. Das Hauptmotiv der Vorderseite sind Porträts von Präsident Melchior Ndadaye und Prinz Louis Rwagasore. Das Format beträgt 144 mm x 72 mm. Beide Scheine wurden auf Papier bei Oberthur Fiduciaire in Frankreich gedruckt. In der Fortführung der Katalognummern des leider nicht mehr erscheinenden Standard Catalog of World Paper Money, würden die neuen Scheine die Nummern 58 und 59 bei Burundi (BDI) erhalten. Hans-Ludwig Grabowski












