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  • Die Valuta-Mark-Kupons zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949

    Die Leipziger Messe hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter trafen sich in Leipzig Kaufleute regelmäßig zum Austausch von Waren; zu Beginn der 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Leipziger Mustermesse zu einer weltumspannenden Handelsmesse mit großer internationaler Beteiligung. Sondermarken der Deutschen Post in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 zu 30+15 und 50+25 Pfennig (Michel 230/231a), ausgegeben ab 6. März 1949. Im Mai 1946 eröffnete die erste Mustermesse nach dem Krieg, auch wenn viele der Messegebäude in der Leipziger Innenstadt noch beschädigt oder zerstört waren. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) erkannte schnell, welche wirtschaftlichen und propagandistischen Möglichkeiten die regelmäßige Durchführung internationaler Frühjahrs- und Herbstmessen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bot. Diese Möglichkeiten wollte man nutzen – einerseits, um durch Exporte Deviseneinnahmen zu generieren, andererseits um sich ausländischen Gästen als der fortschrittlichere Teil Deutschlands zu präsentieren[1]. Mit Wiederaufnahme sowohl des Interzonen- als auch des grenzüberschreitenden Handels und der damit einhergehenden steigenden Anzahl internationaler Messebesucher stellte sich neben diversen logistischen Problemen auch die Frage, wie sichergestellt werden konnte, dass die von diesen Personen mitgeführten Devisen[2] in die staatlichen Kassen kanalisiert werden konnten, und nicht in den Schwarzmarkt abflossen. Die Erfahrungen der Herbstmesse 1948 (der ersten Messe nach der Währungsreform in der SBZ im Juni 1948) waren insofern gemischt – diverse Geschäftsleute hatten DM-Ost illegal eingeführt oder zum Schwarzmarkt-Kurs gewechselt und damit ihre Ausgaben während der Messe bestritten[3]. Das galt es zukünftig zu verhindern. Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür waren jedoch noch nicht vorhanden, da es noch keine gesetzlichen Regelungen im Hinblick auf die Ein- und Ausfuhr sowie den Umtausch von Devisen durch Ausländer gab[4]. Außerdem wollte man während der Frühjahrsmesse 1949[5] erstmals darauf verzichten, ausländische Besucher mit Lebensmittelkarten für den Zeitraum ihres Aufenthalts in Leipzig auszustatten, und ihnen zugleich bevorzugte Einkaufsmöglichkeiten in speziellen Geschäften ermöglichen. Gleichzeitig sollte aus propagandistischen Erwägungen unbedingt vermieden werden, dass ausländische Messebesucher ihre Ausgaben unmittelbar in Devisen, insbesondere in USD, beglichen; eine Zahlungsmöglichkeit, die Besuchern aus den neuentstandenen sog. Volksdemokratien Osteuropas zudem gar nicht offen stand. Hinsichtlich der Schaffung von Umtauschmöglichkeiten für ausländische Messebesucher hatte man jedenfalls zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 ausdrücklich auch Gäste aus sozialistischen Ländern im Blick, deren Währungen nicht konvertibel waren. Hinzu kam, dass das sowjetische Reisebüro Intourist in Leipzig mehrere Restaurants und Hotels betrieb[6] (u.a. das bekannte Lokal „Auerbachs Keller“ in der Mädler Passage), in denen nur mit Devisen bezahlt werden konnte, die direkt in die Taschen von Intourist flossen. Im Februar 1949 kam daher die Idee auf zur Schaffung eines Valuta-Mark-Systems für ausländische Messebesucher. Diesen sollten im Zuge des offiziellen Umtauschs von Devisen auf Valuta-Mark (VM) lautende Kupons ausgehändigt werden, mit denen sie ihre Ausgaben in Leipzig während der Messezeit bezahlen konnten. Dadurch war ersichtlich, dass diese Gäste ihre Devisen offiziell umgetauscht hatten. Die Organisation der Ausgabe und Abrechnung der VM sollte in den Händen der Deutschen Notenbank liegen und mit der Durchführung die Emissions- und Girobank in Sachsen sowie die Garantie- und Kreditbank AG[7] betraut werden. Nach einer internen Besprechung am 12. Februar 1949 in Leipzig, an der neben Vertretern der Deutschen Notenbank auch solche des Messeamtes, der HO, der Emissions- und Girobank Sachsen, der Garantie- und Kreditbank AG sowie von Intourist teilnahmen, entschied man sich für die Ausgabe von Kupons in den Nennwerten von 10, 5, 2, 1 und 0,50 VM. Bei der Deutschen Wertpapierdruckerei in Leipzig bestellte die Deutsche Notenbank daraufhin am 18. Februar 1949 Kupons im Wert von insgesamt 1,2 Millionen VM, die am 28. Februar 1949 ausgeliefert wurden. Die Scheine wurden im Offsetdruck auf Wasserzeichenpapier Marke „Gross-Alhambra“ hergestellt und die Farbgebung an die umlaufenden DM-Banknoten der Deutschen Notenbank (DM-DN) angeglichen. Sie sind im Katalog von Henning Huschka[8] unter dem Katalognummernabschnitt MG 2 aufgeführt[9]. Zugleich orderte man Stempel über je eine der für den Umtausch zugelassenen Währungen zu je 12 Exemplaren, sowie 12 Stempel mit der Aufschrift „Clearing“. Gelaufener Kupon zu 1/2 Valuta-Mark zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949, Rückseite mit verschiedenen Abstempelungen. Aufstellung der Stempel, die auf den VM-Kupons rückseitig zur Kennzeichnung der Währung, in der der Kupon erworben wurde, angebracht wurden. Muster zu einem Kupon über 1 Valuta-Mark zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949. Bericht aus der Leipziger Volkszeitung vom 16. Februar 1949 zur Einführung der Valuta-Mark. 20 Tsd. VM wurden der in der HO-Gaststätte „Fürstenhof“[10] in Berlin eingerichteten Messewechselstube Berlin zugewiesen (und sollten dort auch für die Bezahlung von Speisen und Getränke angenommen werden, was misslang), 680 Tsd. VM erhielt die Emissions- und Girobank zur Bestückung der von ihr betriebenen Messe-Wechselstuben in Leipzig-Stadt, 500 Tsd. VM gingen an die Garantie- und Kreditbank AG, die diese teilweise den Intourist-Restaurants zum Verkauf an Messegäste zur Verfügung stellte. Die Scheine wurden in Heften zu 100,- VM zusammengestellt und angeboten. Diese enthielten 4 Scheine zu 10 VM, 6 Scheine zu 5 VM, 5 Scheine zu 2 VM, 16 Scheine zu 1 VM und 8 Scheine zu 0,50 VM, insgesamt also 39 Scheine. Überlegungen, auch Hefte zu 200,- VM auszugeben, wurden verworfen. Die der Garantie- und Kreditbank AG zur Verfügung gestellten Hefte sollten eine abweichende Umschlagfarbe[11] und einen besonderen Aufdruck ausweisen. Der Verkauf als ganzes Kuponheft erwies sich schnell als unpraktisch, weshalb man schon zu Beginn der Messe entschied, neben den Heften „ausnahmsweise“ auch einzelne Scheine abzugeben. Die Scheine wurden ab 5. März 1949 durch die Messe-Wechselstuben ausgeben. Sie waren bis zum 25. März 1949 in den Geschäften und Restaurants im Stadtkreis Leipzig gültig. Nimmt man die Auflage von 1,2 Mio. VM und die geplante Abgabe in Heften zu 100 VM, ergibt sich daraus eine Auflage von 12.000 Heften entsprechend einer Auflage von 48.000 Stück für den Wert von 10 VM, 72.000 Stück zu 5 VM, 60.000 Stück zu 2 VM, 192.000 Stück zu 1 VM und 96.000 Stück zu 0,50 VM. Gewechselt wurde in den Messe-Wechselstuben beflissen, es gingen aber längst nicht so hohe Summen ein wie erhofft. Die bestellte Auflage erwies sich als viel zu hoch[12]. In der Messe-Wechselstube Berlin wurden ganze 96 VM erworben, die Emissions- und Girobank tauschte für rd. 151 Tsd. VM ausländische Banknoten um, die Garantie- und Kreditbank gab Kupons für rd. 117 Tsd. VM aus. Die Leipziger Frühjahrmesse 1949 verzeichnete insgesamt rd. 223 Tsd. Besucher, von denen 2.300 aus dem Ausland[13] und damit prinzipiell als Erwerber von Valuta-Mark in Frage kamen. Besucher konnten nur die Währung ihres Heimatlandes in VM umtauschen, ferner Schweizer Franken und US-Dollars (die beide konvertibel waren), sowie englische Pfund. Diese Währungen wurden auch von westdeutsche Messegästen akzeptiert, während eine Ausgabe von Valuta-Mark gegen Westmark (DM-BdL) ausdrücklich ausgeschlossen blieb. Bei Ausgabe der VM-Kupons wurde auf der Rückseite jedes Kupons ein Stempel mit der Währung angebracht, gegen die die VM erworben wurde. Auch ein Umtausch ausländischer Währungen direkt gegen DM-DN war möglich, blieb aber unattraktiv (zumal derart eingetauschte Beträge nicht rücktauschbar waren), so dass davon wenig Gebrauch gemacht wurde. Angeboten wurden VM sowohl im Umtausch gegen Banknoten als auch im sogenannten Clearingverfahren gegen Vorlage von Kreditbriefen oder Akkreditiven[14]. Hintergrund war, dass diverse Staaten die Ausfuhr von Banknoten ihrer eigenen Landeswährung verboten oder stark beschränkt hatten. Während ein Umtausch von Banknoten gegen VM in diversen Wechselstuben im Leipziger Stadtgebiet und in den Restaurants von Intourist möglich war, wurden VM gegen Vorlage von Akkreditiven oder Kreditbriefen nur durch die Filiale der Garantie- und Kreditbank AG[15] im Parkhotel ausgegeben. Derartig ausgegeben Schecks sollten mit einem Stempel „Clearing“ versehen werden, um einen Rücktausch gegen Banknoten auszuschließen Über die Summe nicht zurückgetauschter VM gibt es unterschiedliche Angaben: In einem Zwischenbericht vom 23. April 1949 spricht die Deutsche Notenbank von lediglich 29 VM. Die Schlussabrechnung der Deutschen Notenbank vom 30. Mai 1949 weist aus, dass Kupons im Nennwert von knapp 169 Tsd. VM gegen Banknoten, und für gut 100 Tsd. VM im Clearing ausgegeben wurden. 950 VM wurden als nicht zurückgeflossen verbucht. Für den Sammler bedeutet das: Gelaufene VM-Kupons zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 sind sehr selten![16] Für die Umrechnung wurde intern der US-Dollar-Kurs zur DM-Ost als Ausgangsbasis genommen und 100 VM mit 30 US-Dollars angesetzt. Alle anderen Währungen wurden mit ihrem offiziellen Kurs gegenüber dem US-Dollar in VM umgerechnet. Den Messe-Wechselstuben stellte man entsprechende Kurstabellen zur Verfügung. Spitzenreiter der zur Frühjahrsmesse 1949 in bar umgetauschten Währungen war – gerechnet in VM - der US-Dollar (14.895,20 USD), gefolgt von der Tschechoslowakischen Krone (insgesamt 543.690 Kc) und dem Britischen Pfund (1231 Pfund). Offiziell akzeptiert wurden die Währungen von Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Ungarn und den USA. Am 1. März 1949 entschied die Deutsche Notenbank, dass auch andere als die genannten Währungen umgetauscht werden konnten. Aus den Abrechnungsunterlagen der Deutschen Notenbank ergibt sich, dass VM in geringen Mengen auch gegen Jugoslawische Dinar abgegeben wurden, wohingegen ein Umtausch von Banknoten aus Albanien und Rumänien nicht stattgefunden hat. Ganz ohne Fehler verlief der Geldwechsel nicht – aus dem Schlussbericht der Deutschen Notenbank ergibt sich, dass man in den Messe-Wechselstuben zwei falschen 20-US-Dollars-Noten aufgesessen war sowie sich hatte 2060 ungültige österreichische Schilling der Ausgabe 1945[17] andrehen lassen, darunter zwei Scheine zu 1000 Schilling[18]. Zwar hatte man die Adressen der umtauschenden Personen notiert; ob man derer tatsächlich habhaft werden konnte, war bei abgereisten Gästen sicher eine andere Sache. In der Leipziger Volkszeitung vom 16. Februar 1949 wurde die Bevölkerung erstmals auf die VM aufmerksam gemacht. Sie musste von jedermann in Zahlung genommen, von Privatpersonen jedoch sofort bei einer Messe-Wechselstube gegen DM-DN eingetauscht werden. Eine Nutzung durch die Bevölkerung etwa in den Intourist-Restaurants war ausdrücklich verboten. Institutionelle Einrichtungen wie die HO und Intourist konnten sich mit der Abrechnung der Kupons bis zum 1. April 1949 Zeit lassen. Insgesamt flossen aus der Bevölkerung rund 30.000 VM zurück, von der HO rd. 53.000 VM. Der restliche – und überwiegende – Betrag kam aus den von Intourist betriebenen Hotels und Gaststätten. Messegästen aus den Westzonen waren nicht mit von der Partie – ihnen wurde nur der Umtausch von DM-BdL gegen DM-DN zum Kurs von 1 DM-BdL zu 0,80 DM-DN angeboten, wobei umgetauschte Beträge in den Messe-Wechselstuben wieder rückgetauscht werden konnten. Immerhin bot man an, gegen DM-BdL Verpflegungsschecks erwerben zu können. Die in den Messe-Wechselstuben umgetauschten Beträge an DM-BdL waren verhalten[19], insbesondere wenn man sie ins Verhältnis zur Anzahl der Messebesucher aus den Westzonen setzt[20]. Westberliner DM nahm man überhaupt nicht an in dem eigenen Verständnis, dass nur die DM-DN allein gültiges Zahlungsmittel in ganz Berlin sei. Schnell kamen von deutscher Seite Überlegungen auf, dass System der Valuta-Mark auf die gesamte SBZ auszudehnen und dadurch eine Kontrolle der Deviseneinnahmen ausländischer Gäste zu erreichen. Dieser Vorschlag wurde schließlich verworfen – Bedenken bestanden u.a. darin, dass die Scheine gehortet und ein Schwarzhandel in wertbeständiger VM entstehen würde. Diese Befürchtungen erwiesen sich angesichts der Erfahrungen auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1949 als berechtigt. In einem Zwischenbericht der Deutschen Notenbank von Ende März 1949 ist von Schwarzhandel mit VM deutlich über den offiziellen Kursen die Rede, wobei die VM zum Erwerb von Kaffee, Tabak und Schokolade in den Restaurants von Intourist verwendet worden sein soll. Überhaupt waren die Reaktionen auf die VM unterschiedlich – während offiziell dargestellt wurde, dass ausländische Besucher die VM sehr gut aufgenommen hätten (denen es vermutlich egal war, wie sie zahlten), sind zahlreiche Berichte über deutlich übersetzte Preise in Hotels und Gastronomie dokumentiert. Die HO war enttäuscht, dass Intourist den großen Reibach hinsichtlich der Einnahmen gemacht hatte[21]. Von dort wiederum kamen Klagen, dass die Stückelung der Schecks zu klein gewesen sei. In Auerbachs Keller etwa hätte man den Verkauf von Messeschecks eingestellt, nachdem dort in den ersten fünf Messetagen Kupons im Wert von 25.000 VM abgegeben worden seien. Die Kellner seien angesichts hoher Zechen[22] mit der Abrechnung der kleinsummigen Schecks überfordert gewesen, verbotenerweise hätte man doch auch ausländische Devisen direkt angenommen. Es muss bei gesalzenen Preisen lustig zugegangen sein für diejenigen, die es sich leisten konnten. Dagegen stehen Klagen, dass Scheine zu 0,10 VM gefehlt hätten und die Abgabe vornehmlich in Heften zu 100,- sparsame ausländische Messegäste finanziell überfordert hätte. Auch wurde die Ausgabe der VM ab dem 5. März 1949 als zu spät angesehen, da zu diesem Zeitpunkt schon viele Messegäste angereist waren und ihr Geld anderweitig (und sicher nicht selten „schwarz“) umgetauscht hatten. Dennoch befanden sowohl die SMAD, als auch die Deutsche Notenbank, dass das System besonderer Zahlungsmittel für ausländische Messebesucher sich grundsätzlich bewährt hätte. Nun galt es, die Erkenntnisse aus der erstmaligen (und im Ergebnis einzigen) Ausgabe von Valuta-Mark-Kupons zur Frühjahrsmesse 1949 für ausländische Messegäste für den Geldumtausch anlässlich der Herbstmesse 1949 umzusetzen. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Grundlage der nachfolgenden Ausführungen sind die Unterlagen der Deutschen Notenbank zu Bankgeschäften bei der Leipziger Messe 1949 und 1950, die sich heute im Bundesarchiv befinden. [2] Die Ein- und Ausfuhr von DM-DNB in die und aus der SBZ war verboten [3] Aus einem Bericht der Deutschen Notenbank zur Herbstmesse 1948 [4] Diese wurden erst in der Anordnung der SMAD vom 23.3.1949 (ZVOBl 1949, S. 211) getroffen. Der Besitz von Devisen war und blieb für Bewohner der SBZ verboten. [5] Die Leipziger Frühjahrmesse dauerte vom 6. bis 13. März 1949 [6] Anfang der 1950er-Jahre wurden die von Intourist in der SBZ/DDR betriebenen Hotels und Restaurants an die Handelsorganisation (HO) abgegeben [7] Die 1920 als Garantie- und Kreditbank für den Osten gegründete Bank diente ursprünglich der Finanzierung von Geschäften mit der Sowjetunion. 1941 geschlossen und 1945 als Garantie und Kreditbank AG reaktiviert, war sie der Form nach eine Niederlassung der sowjetischen Staatsbank und Dienstleister der SMAD in Deutschland, über die u. a. die ostdeutschen Reparationszahlungen abgewickelt wurden. 1956 wurde die Bank nach Übertragung ihrer Aufgaben an die Deutsche Notenbank abgewickelt. Quelle: Wikipdedia. [8] Ersatzzahlungsmittel der DDR, 2. Auflage Regenstauf 2015 [9] Die aufgeführten Werte HM 2.6 bis HM 2.8 – 20, 50, 100 VM - gibt es definitiv nicht. [10] Friedrichstraße. [11] Bekannt ist die Umschlagfarbe Hellblau – aus einem vor einiger Zeit angebotenen Hefte und einem darin befindlichen Scheck, der keinen Aufdruck „Clearing“ trägt, ist zu vermuten, dass die durch die Emissions- und Girobank ausgegeben Scheckhefte einen hellblauen Umschlag hatten. Die Umschlagfarbe der durch die Garantie- und Kreditbank AG ausgegeben Hefte könnte Weiß gewesen sein. [12] Die Auflagenzahlen der Messe-Schecks der Herbstmesse 1949 fiel entsprechend geringer aus. [13] Spitzenreiter war dabei Österreich mit 388 registrierten Besuchern, gefolgt von 307 Besuchern aus den Niederlanden und 261 Besuchern aus der Tschechoslowakei. [14] Zahlungsversprechen einer Bank. [15] Die 1920 als Garantie- und Kreditbank für den Osten gegründete Bank diente ursprünglich der Finanzierung von Geschäften mit der Sowjetunion. 1941 geschlossen und 1945 als Garantie und Kreditbank AG reaktiviert, war sie der Form nach eine Niederlassung der sowjetischen Staatsbank und Dienstleister der SMAD in Deutschland, über die u.a. die ostdeutschen Reparationszahlungen abgewickelt wurden. 1956 wurde die Bank nach Übertragung ihrer Aufgaben an die Deutsche Notenbank abgewickelt. Quelle: Wikipdedia. [16] Gelaufene ½ VM-Kupons sind hauptsächlich aus den Nummernkreisen H 0117X und H0205X bekannt (unsere Abbildung: H09063), solche zu 2 VM aus dem Nummernkreis H0840X. [17] Pick Nummern 114, 116, 118 und 120. Die im Dezember 1945 ausgegebenen 1. Serie der Schillingscheine Ausgabe 1945 wurde am 24.12.1947 ungültig. [18] Die Deutsche Notenbank beklagte, dass ihr keine Referenzwerke zur Verfügung stehen würden, um nicht mehr kursgültige ausländische Banknoten zu identifizieren. Für zukünftige Messen gab man jedenfalls die Anweisung an die Mitarbeiter der Messe-Wechselstuben aus, den Umtausch von österreichischen Banknoten zu 1.000 Schilling möglichst zu vermeiden. [19] Lt. Bericht der Devisen-Abteilung Deutschen Notenbank vom 14. April 1949 nahmen die Messe-Wechselstuben rd. 44.500 DM-BdL ein. [20] Es wurden rd. 17.500 Messebesucher aus den Westzonen registriert. [21] Für die von Intourist eingereichten VM-Kupons erhielt Intourist die entsprechenden Beträge in ausländischer Währung [22] Lt. Intourist-Speisekarte kostete eine Flasche Tischwein „Lauchaer Sylvaner“ in Auerbachs Keller stolze 46,65 DM in Devisen, umgerechnet rd. 14 US-Dollars, ein Kirschlikör kam auf 8,30 DM – wohl bekomm’s!

  • KI und Texte zu Geldscheinen – geht das?

    Die Antwort: derzeit nur sehr bedingt! Die Künstliche Intelligenz (KI) erweckt seit geraumer Zeit bei vielen Menschen neugieriges Interesse. Man kann sich mit Hilfe vorhandener webbasierter Software z. B. Märchen, Gedichte, Grußkartentexte und alles Mögliche „schreiben“, komplexe Fragen stellen oder beantworten lassen und auch chatten. Es gibt eine Vielzahl von Plattformen, die man ausprobieren kann. Dabei greifen die Programme auf vorhandene Veröffentlichungen zurück und fassen das meist sinnwahrend zusammen. Jedoch warnen Wissenschaftler, Forscher und Unternehmer, dass die KI aus dem Ruder laufen könnte und forderten kürzlich in einem Aufruf eine Entwicklungspause für das nächste halbe Jahr. So hatte die Plattform ChatGPT in den vergangenen Monaten Schlagzeilen gemacht. Elon Musk, Mitbegründer von OpenAI, hatte sich wiederholt kritisch geäußert. Auch andere Tech-Fachleute befürchten, dass Informationskanäle in Zukunft mit Propaganda und Unwahrheiten geflutet werden könnten. Zum Thema „Banknoten-Entwürfe“ wurde platform.openai.com/playground getestet. Eingegeben wurde vom Verfasser der Befehl: „Schreibe einen ausführlichen Text über den Grafiker Escher und erwähne seine Entwürfe von Banknoten“. Ein erstes Ergebnis war folgender Text: „Maurits Cornelis Escher, besser bekannt als M. C. Escher, war ein niederländischer Grafiker, der vor allem für seine surrealen und optischen Illusionen bekannt ist. Er wurde 1898 in Leeuwarden, Niederlande geboren und starb 1972 in Laren, Niederlande. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der sich auf die Kunst des Druckens spezialisiert hatte. Er hatte eine Vorliebe für mathematische und geometrische Formen und verwendete sie oft in seinen Arbeiten. Seine berühmtesten Werke sind „Relativity“ (1953), „Metamorphose II“ (1939-1940) und „Sky and Water I“ (1938). Escher hat auch einige Banknoten entworfen. Sein erster Entwurf war eine Banknote für die niederländische Insel Curaçao im Jahr 1960. Diese Banknote zeigte ein Porträt von Escher selbst, das er selbst gemalt hatte. Es folgten weitere Banknotenentwürfe für verschiedene Länder, darunter die Niederlande, Belgien und Surinam. Eschers Banknotenentwürfe waren sehr kreativ und ungewöhnlich. Sie zeigten oft surrealistische Motive und optische Illusionen, die auf seine Liebe zur Mathematik und Geometrie zurückzuführen sind. Seine Banknoten wurden weltweit bekannt und sind heute noch sehr beliebt. Insgesamt hat Escher einen großen Einfluss auf die Kunstwelt gehabt. Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt und sind heute noch sehr beliebt. Seine Banknotenentwürfe haben dazu beigetragen, dass er als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts angesehen wird.“ Hier sind jedoch Wiederholungen und auch Fehler enthalten. Bei mehrmaligen Texteingaben wurden dann unterschiedliche Texte in Länge und Aussage festgestellt. Eine weitere Eingabe war kürzer und genauer: „Maurits Cornelis Escher war ein niederländischer Grafiker, der vor allem für seine surrealen und optischen Illusionen bekannt ist. Er wurde 1898 in Leeuwarden, Niederlande, geboren und starb 1972 in Laren, Niederlande. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der sich auf die Kunst des Druckens spezialisiert hat. Seine Arbeiten sind weltweit bekannt und werden in vielen Museen ausgestellt. Eschers Arbeiten sind vor allem für ihre mathematischen und geometrischen Elemente bekannt. Er hat viele verschiedene Techniken verwendet, um seine Kunstwerke zu schaffen, darunter Holzschnitt, Lithografie und Radierung. Seine Arbeiten sind oft surreal und spielen mit optischen Illusionen. Er hat auch einige sehr berühmte Entwürfe von Banknoten gemacht, darunter die niederländische 10-Gulden-Note und die niederländische 25-Gulden-Note. Eschers Arbeiten haben viele Künstler inspiriert und beeinflusst. Seine Arbeiten wurden in vielen verschiedenen Medien verwendet, darunter Filme, Musikvideos und Computerspiele. Seine Arbeiten sind auch in vielen Büchern über Kunstgeschichte zu finden. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der viele verschiedene Techniken verwendet hat, um seine Kunstwerke zu schaffen. Seine Entwürfe von Banknoten sind weltweit bekannt und werden in vielen Museen ausgestellt. Seine Arbeiten haben viele Künstler inspiriert und beeinflusst und werden in vielen verschiedenen Medien verwendet.“ Auch der eingegebene Text in Niederländisch war dann allgemeingültig und ebenso fehlerhaft. Richtig ist: M. C. Escher wurde am 17. Juni 1898 in Leeuwarden, Provinz Friesland, geboren – als jüngster von fünf Söhnen des Bauingenieurs George Arnold Escher. Seine Jugend verbrachte er größtenteils in Arnheim. Zitat wikipedia: „Allerdings war er ein ziemlich schlechter Schüler, musste zwei Klassen wiederholen und hatte trotz seiner zeichnerischen Begabung sogar im Fach Kunst schlechte Noten.“ Sein lebenslanger Freund Bas Kist ermutigte ihn, seine ersten Linolschnitte zu machen. 1917 besuchten beide Freunde den Künstler Gert Stegeman, der in seinem Atelier eine Druckerpresse besaß – dort entstanden Eschers erste Drucke. Zu seinen frühen Werken gehört ein Porträt seines Vaters. Nach seinem nicht bestandenen Abitur begann Escher im Herbst 1919 ein Architekturstudium in Haarlem, dass er schon eine Woche später wieder abbrach. Er reiste ab 1921 oft nach Italien, lernte dort seine spätere Frau kennen; sie heirateten 1924, zogen nach Rom und wohnten dort in der Via Alessandro Poerio bis 1935. Aus Abscheu gegen den italienischen Faschismus gingen die Eschers mit ihren beiden Söhnen nach Belgien und nach dem dortigen Einmarsch deutscher Truppen schließlich gemeinsam in die Niederlande. Escher galt vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg als bedeutender Maler, Grafiker, Zeichner, Buchillustrator, Tapisseriedesigner, Wandmaler und Grafiker; berühmt wurde er für seine Ornamentdrucke und Arbeiten aus der „unmöglichen Architektur“. Der Siegeszug von Eschers Werken begann Mitte der 1950er-Jahre nach seiner ersten erfolgreichen Ausstellung in den USA. Abb. 1: „Mauk“ Escher bei seinen Druckarbeiten in Baarn (https://www.arte-magazin.de) Escher schuf in seinem künstlerischen Leben an die 448 Lithografien, Holzschnitte und Holzstiche sowie mehr als 2000 Zeichnungen, Skizzen, Briefmarken ... und Banknoten-Entwürfe. 1950 schrieb die Nederlandsche Bank einen Wettbewerb für Banknoten aus. M. C. Escher beteiligte sich und wurde daraufhin von der DNB im Juli 1950 beauftragt, eine neue Banknotenserie zu entwerfen. Die Bank war von Eschers künstlerischer Qualität überzeugt, wie die Briefmarken-Entwürfe zum 75. Jahrestage des Weltpostvereins zeigten. Abb. 2: „Himmel und Wasser I“, Holzschnitt vom Juni 1938 (Original: Sammlung Kunstmuseum Den Haag). Abb. 3/4: realisierte Briefmarken zu 10 und 20 Cent von 1949. Von Escher wurden für drei Wertstufen Vorder- und Rückseiten-Entwürfe sowie eine Wasserzeichen-Ansicht vorgelegt. Dabei wurden die Unterschriften den damaligen Signaturen von Secretaris A. M. De Jong und President Dr. Marius Wilhelm Holtrop (1946–1967) nachempfunden. Auch die Kontrollnummern ähneln denen der DNB. Die Bank fand die eingereichten Arbeiten problematisch und lehnte Eschers umstrittene Entwürfe ab. Nach fast zweijährigem umfangreichen Schriftverkehr zwischen beiden trat die Bank im Juni 1952 von dem Vertrag zurück, da Escher nicht auf seine künstlerischen Freiheiten verzichten wollte und und keine der gewünschten Änderungen akzeptierte. Der Bank waren die Entwürfe „zu kunstvoll“ und außerdem angeblich technisch nicht umsetzbar. Die wahren Gründe dafür sind bis heute im Dunkeln geblieben. Abb. 5: 10 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Naturforschers Antoni van Leeuwenhoek (1632–1723). Abb. 6: Rückseite der 10-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung. Abb. 7: 25 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Mathematikers, Physikers und Ingenieurs Simon Stevin (1548–1620); Stevin schlug schon 1585 ein dezimales Maßsystem vor. Abb. 8: Rückseite der 25-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung. Abb. 9: 100 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens (1629–1695). Abb. 10: Rückseite der 10-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung. Abb. 11: Bleistiftzeichnung eines Wasserzeichens: Vögel, Fische, Planet und Stern. Die nicht zur Ausführung gelangten Entwürfe liegen im Museum der Wertpapierdruckerei Johan Enschedé in Haarlem. Über einen weiteren Entwurf einer 50-Gulden-Banknote wurde spekuliert, aber bis heute von keiner Seite ohne Bestätigung. Die Bank verwarf außer den Escher-Entwürfen auch die Musterzeichnungen von J. B. Schlepper und entschied sich später für die Arbeiten von Joseph Ferdinand „Eppo“ Doeve und Robert D. E. „Ootje“ Oxenaar. Die niederländische Bank organisierte 1988 ein geschlossenes Auswahlverfahren zur Ernennung seines Nachfolgers. Jaap Drupsteen, Jan van Toorn, Walter Nikkels, Gerard Hadders, Hans Kruijt und das Kollektiv „Wild Plakken“ wurden aufgefordert, die Arbeiten von Oxenaar fortzuführen. Drupsteen wurde schließlich mit einer neuen Banknoten-Serie beauftragt. Aus seinem Atelier entstanden die letzen Gulden-Banknoten der Jahre 1987 bis 1997. Er bewarb sich 1996 auch um den Auftrag zur Gestaltung der Euro-Banknoten – jedoch ohne Erfolg. Abb. 12: 10 Gulden 1. Juli 1997, Vs., letzte Banknote der letzten Serie der Niederländischen Bank vor Einführung des Euros (mit einer Hommage an M. C. Escher?). Schließlich Eschers eigene Sicht auf seine Arbeiten: in einem Interview vom April 1968 sagte er über seine Kunstwerke: „Ich finde, was ich selbst mache, ist das Schönste und auch das Hässlichste“ und „Meine Arbeit hat nichts mit Menschen und nichts mit Psychologie zu tun“. In Eschers Atelier in Baarn waren seine Arbeiten nirgendwo ausgestellt, nicht einmal im Wohn- und Esszimmer. Escher konnte sie in seiner Nähe nicht ertragen. Auf einem Schrank lagen nur Kugeln, Würfel, Prismen aus Papier, Holz und Glas. M. C. Escher malte stets mit der linken Hand, schrieb aber immer mit der rechten. Er starb am 27. März 1972 an Krebs in Hilversum. Seit dem 18. Februar 2023 und noch bis zum 10. September 2023 zeigt das Kunstmuseum Den Haag die Ausstellung “Other World” anlässlich des 125. Geburtstags von M. C. Escher. Seine berühmten Drucke, die sich mit optischen Täuschungen, unmöglicher Architektur, Reflexion und Natur beschäftigen, werden mit spektakulären Installationen des belgischen Architekten und Künstlers Gijs Van Vaerenbergh kombiniert. Eschers Werke enthalten bekanntermaßen seltsame, mutierende Kreaturen, Muster und Landschaften; seine Skizzen, Holzschnitte und Lithographien von mathematisch inspirierten Objekten und Formen schufen Polyeder, Mosaike und unmögliche Formen. Zurück zur Ausgangsfrage: auf befriedigende Antworten wird man noch längere Zeit warten müssen – solange die KI bzw. AI nicht recherchieren und Archive nicht nutzen kann und Urheberrechte auf Veröffentlichungen weiterhin blockiert bleiben. Heute und morgen ist die Künstliche Intelligenz noch nicht wirklich hilfreich für Beiträge zu Geldscheinen [Anm. der Redaktion: ebenfalls zu anderen Fachthemen] und auch nicht wünschenswert; ebenso im Allgemeinen (Goethes „Zauberlehrling lässt grüßen). Michael H. Schöne Quellen: https://arthive.com/de/escher https://de.mathigon.org https://de.wikipedia.org https://mcescher.com https://www.dbnl.org https://www.escherinhetpaleis.nl https://www.planet-wissen.de https://www.vn.nl Ernst, Bruno: „Der Zauberspiegel von M. C. Escher“, 1994

  • Neue Varianten: April 2023, Teil 1

    Argentinien 20 Pesos Wie ARG-361 (Linzmayer B417b), aber mit neuen Unterschriften "Guido Martín Sandleris" als PRESIDENTE B.C.R.A. und "Gabriela Michetti" als PRESIDENTE H.C. SENADORES. Bahrain 5 Dinars L.2006, o.D.(2018) Wie BHR-32b (Linzmayer B308c), mit neuer Unterschrift „Salman bin Hamad al Khalifa“. 10 Dinars L.2006, o.D.(2016) Wie BHR-33 (Linzmayer B309b), mit neuer Unterschrift „Salman bin Hamad al Khalifa“. 20 Dinars L.2006, o.D.(2016) Wie BHR-34 (Linzmayer B310b), mit neuer Unterschrift „Salman bin Hamad al Khalifa“. Irak 250 Dinars Wie IRQ-97 (Linzmayer B358b), aber mit neuem Datum 2020 (AH1442) und neuer Unterschrift "Mustafa Ghaleb" 50.000 Dinars Wie IRQ-103 (Linzmayer B357d), mit neuem Datum 2023 (AH 1445). Philippinen 20 Piso Wie PHL-206 (Linzmayer B1084i), aber mit neuem Datum 2022. 1.000 Piso Wie PHL-211 (Linzmayer B1089h), mit neuem Datum 2020. Türkei 100 Lira Wie TUR-226 (Linzmayer B304e), jetzt mit neuen Unterschriften "Prof. Dr. Şahap Kavcıoğlu" und "Mustafa Duman". Westafrikanische Staaten - Elfenbeinküste 500 Francs Wie WAS-119 (Linzmayer B120Al), jetzt mit neuem Datum (20)23 und neuen Unterschriften „Jean-Claude Brou“ und „Sani Yaya“. Falk Quieß (Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com)

  • Lexikon: Geklebte Papierbahn

    Bei der Papierherstellung kann es zum Reißen der Papierbahn kommen, die wieder zusammengeklebt wird, um ein Weiterlaufen durch die Maschine zu ermöglichen. Diese Klebelinie, die durch das Übereinanderliegen der beiden Papierenden dicker ist, befindet sich dann später in einem der geschnittenen Bogen. Geklebte Papierbahn: Notgeldschein der Stadt Fürth zu 1 Million Mark vom 25. August 1923, gedruckt über eine Klebestelle der Papierbahn, Druckformat 178 mm x 84 mm. Meist werden diese Bogen im Papierstapel oder bei der Verarbeitung entdeckt und aussortiert, doch kommt es auch vor, das fertige Scheine eine solche Klebestelle aufweisen. In Wasser gelegt, lösen sie sich in zwei Hälften auf, wovon die eine dann die Überlappung ohne Druck zeigt. Sie bildet eine Abnormität, die von Sammlern gesucht ist. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski

  • "Wildcats" und "Greenbacks" – Der US-Dollar im 19. Jahrhundert

    Seit den 1970er Jahren gehört der Goldstandard der Vergangenheit an: Der damalige US-Präsident Richard Nixon erklärte das Bretton-Woods-System für obsolet. Bis dahin war der US-Dollar an Goldreserven gekoppelt und viele andere Währungen an den US-Dollar. Seitdem regieren die sogenannten "Fiat-Währungen", die nicht an ein Edelmetall gebunden sind. Heute ist eine Rückkehr zum Goldstandard kaum denkbar und hat auch nur noch wenige Unterstützer. [1] Der lange und umkämpfte Weg, der zum modernen Geldsystem führte, wird besonders beim Blick in das Amerika des 19. Jahrhunderts deutlich. Nach dem Unabhängigkeitskrieg stand der US-Kongress vor der Aufgabe, eine nationale Währung zu schaffen. Bislang wurde überwiegend mit spanischen Dollars gehandelt. Zusätzlich wurde basierend auf Gold und Silber eine bimetallische Währung eingeführt. Die Münzen wurden aufgrund ihres hohen Silbergehalts bald in großen Mengen nach Lateinamerika gebracht und eingeschmolzen. Es resultierte ein großer Geldmangel. [2] Je nach Region wurden verschiedene Wege gewählt, um einen Geldersatz zu finden. Händler und Privatpersonen stellten Kreditbriefe und Schecks aus und an manchen Orten wurden „Wampum“ benutzt, das Tauschmittel indigener Stämme im Osten Amerikas aus Perlen, Muscheln und Schnecken. Viele Kolonien gaben eigene Papierwährungen heraus, die als regionale Zahlungsmittel dienten. Das Zahlungssystem war sehr uneinheitlich und die Werte der verschiedenen Zahlungsmittel schwankten stark. [3] Während des Unabhängigkeitskriegs gab der Kontinentalkongress Papiergeld aus, die Continentals. Schnell trat jedoch eine große Entwertung der Kontinental-Dollars ein, die sich im bekannten Sprichwort „not worth a Continental“ zeigte. [4] Ursache dafür war mitunter die Verbreitung von Fälschungen durch die Briten, um die Währung zu schwächen. Abb. 1: 1/3 Dollar, Kontinental-Dollar, 17. Februar 1776, Philadelphia. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Continental_Currency_One-Third-Dollar_17-Feb-76_obv.jpg#/media/File:Continental_Currency_One-Third-Dollar_17-Feb-76_obv.jpg In den Folgejahren setzten sich verschiedene Politiker, wie beispielsweise Alexander Hamilton (1755–1804), für die Gründung einer Nationalbank ein. So sollte eine stabile, einheitliche Währung etabliert werden. Ein zentraler politischer Konflikt dieser Zeit war die Auseinandersetzung zwischen Befürwortern der easy money und den Anhängern der sogenannten sound money, die eine strengere Regulierung von Kreditvergabe und Geldmenge forderten. Privatbanken und Geschäftsleute fürchteten einen zu großen Einfluss einer Zentralbank. Auch Politiker wie Thomas Jefferson (1743–1826), welche eher die Interessen der oftmals verschuldeten Landbevölkerung vertraten, waren einer weniger regulierten Finanzpolitik nicht abgeneigt und machten viele Änderungen, die Hamilton vorgenommen hatte, wieder rückgängig. Unter Präsident Andrew Jackson (1767–1845) wurde die Bank of the United States (Nationalbank) endgültig zerschlagen und privatisiert. [5] Es begann die Free Banking Era. Die Anzahl an Banken wuchs rapide. Die Banknoten, die von vertrauenswürdigen Banken ausgegeben wurden, waren frei in Gold- und Silbermünzen umtauschbar und zirkulierten als Papiergeld. Sogenannte wildcat banks [6] im Westen des Landes vergaben ihre Kredite allerdings sehr großzügig, ohne die jeweilige Menge an Gold und Silber hinterlegt zu haben. Der tatsächliche Wert der Banknoten war häufig deutlich niedriger als der Nennwert. Die Banken waren kurzlebig: Die durchschnittliche Lebensdauer einer Bank betrug nur fünf Jahre. Die Gesetze und Vorschriften waren in jedem Staat unterschiedlich. Auch für Händler wurde das uneinheitliche Geldsystem zum Problem. Es gab mehrere hundert verschiedene Währungen im Land, deren Wert je nach Region stark variierte. [7] Die zahlreichen Pleiten und Fehlspekulationen führten zur Panik von 1857. Die Wirtschaft war überhitzt und die Banken in New York gerieten in Bedrängnis, nachdem die SS Central America während eines Hurricanes sank und somit eine große Goldlieferung ausblieb. Zusätzlich stürzten die Börsenkurse vieler Eisenbahnunternehmen im Westen ab. [8] Die Krise verstärkte das bereits bestehende Misstrauen der Südstaaten gegenüber dem Norden. Abb. 2: The Sinking of the Central America, J. Childs, 1857, National Maritime Museum, London https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/Wreck_of_the_Central_America.jpg?uselang=de-formal Abb. 3: 5-Dollar Banknote, Catskill Bank, 1828, Catskill, New York, Fälschung. Mit vier Porträts und einem Puma in der Mitte. Die Fälschung wird häufig als „wildcat note“ bezeichnet. Stack´s Bowers Galleries, February 2019 Baltimore Auction, Los-Nr. 14093, 27.02.2019 https://www.acsearch.info/search.html?id=5744972 Bis in die 1860er Jahre war der US-Dollar an Gold und Silber gebunden. Die Bürger konnten ihre Dollars zu einem staatlich festgelegten Kurs in die Edelmetalle umtauschen. Dies änderte sich mit dem Sezessionskrieg von 1861–1865. Der Krieg war eine Folge der tiefen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, die vor allem in der Frage der Sklaverei zu Tage trat. Als Reaktion auf die Wahl des gemäßigten Sklavereigegners Abraham Lincoln (1809–1865) zum US-Präsidenten traten im Winter 1860/61 die meisten Südstaaten aus der Union aus. Der Krieg begann am 12. April 1861 mit der Beschießung Fort Sumters durch die Konföderierten. [9] Zur Finanzierung des Kriegs sprach sich Lincolns Finanzminister Salmon P. Chase (1808–1873) für die Einführung einer staatlichen Währung aus, die nicht an Gold- und Silber gebunden war. [10] Im März 1863 unterzeichnete Abraham Lincoln den „Legal Tender Act“, zwei Monate nachdem er mit der „Emancipation Proclamation“ die Befreiung der Sklaven beschlossen hatte. Er hob damit die Gold- und Silberbindung des US-Dollars auf. Er erschuf eine sog. "Fiat-Währung", die nicht mehr durch die freie Eintauschbarkeit in Edelmetalle, sondern durch die Glaubwürdigkeit und Stabilität der Regierung gestützt war. Die Rückseiten der Banknoten wurden mit grüner Tinte bedruckt – daher die ihr Name "Greenbacks". Das grüne Papiergeld wurde zum offiziellen Zahlungsmittel. [11] Abb. 4: 1$ Legal Tender Note, National Banknote Company, 1862/1863. Mit Signaturen von Lucius E. Chittenden (Register of the Treasury) und Francis E. Spinner (Treasurer of the United States) National Numismatic Collection, National Museum of American History https://en.wikipedia.org/wiki/File:US-$1-LT-1862-Fr-16c.jpg#/media/File:US-$1-LT-1862-Fr-16c.jpg Die "Greenbacks" regten einerseits den Handel an, litten allerdings andererseits unter starker Entwertung. So stellte sich im Anschluss an den Bürgerkrieg die Frage, ob eine Rückkehr zum Bimetallismus oder zu einem reinen Silber- oder Goldstandard geboten ist. In den Kriegsjahren wurden viele "Greenbacks" herausgegeben, jedoch nur eine begrenzte Menge an Edelmetallen geschürft, mit denen dieses Papiergeld gedeckt werden könnte. Eine Rückkehr zum Bimetallismus oder die Einführung eines Goldstandards würde daher eine deutliche Reduzierung der Geldmenge erfordern. Eine Verringerung der Geldmenge kann aber zu knappen Krediten, steigenden Zinsen und sinkenden Preisen führen. [12] Konsumenten und Kreditgeber erachteten eine solche Entwicklung als durchaus wünschenswert. Den Schuldnern im Süden hingegen, die den Forderungen von Gläubigern im Norden ausgesetzt waren, missfiel eine derartige Geldpolitik. Sie würden von einer Fortführung der "Greenback-Politik" profitieren. Diese würde auch einen Wiederaufbau des Südens erleichtern. Die „Radicals“ in der Republikanischen Partei waren daher gegen eine Rückkehr zur Geldpolitik vor dem Sezessionskrieg. Sie waren für eine Entschädigung der schwarzen Bevölkerung und für einen schnellen Wiederaufbau der Wirtschaft im Süden. [13] Auch andere politische Bewegungen wie die Greenback Party, die später in der People´s Party aufging, setzten sich für eine staatliche "Fiat-Währung" ein und verknüpften dies mit Forderungen nach einer Einkommenssteuer, Frauenwahlrecht und einem 8-Stunden-Tag. Abb. 5: Politisches Flugblatt der Greenback Party, 1876 Abgebildet ist ein Modell einer One Dollar Legal Tender Note von 1862 mit satirischem Text. Das Porträt zeigt Peter Cooper, den ersten Präsidentschaftskandidaten der Greenback Party, anstelle von Salmon P. Chase. Darunter befinden sich zahlreiche Erklärungen, wie eine Währung, die nicht an ein Edelmetall gebunden ist, die Wirtschaft belebt und wie Anleihegläubiger das System ausnutzen und umgehen, um Gewinne zu erzielen. Stack´s Bowers Galleries, March 2016 Baltimore Auction, 30.03.2016, Los-Nr. 30374 https://www.acsearch.info/search.html?id=3012808 Den Forderungen der Radicals standen andere Interessen gegenüber. Die Akteure an den Finanzmärkten, die dabei geholfen haben, den Krieg zu finanzieren, wollten ihre Ansprüche nicht entwertet sehen. Auch aus wirtschaftspolitischer Sicht schien es einigen Republikanern sinnvoll, zu einem Edelmetallstandard zurückzukehren. Diese Haltung setzte sich schließlich politisch durch: Die „Resumption“ zum Bimetallismus wurde beschlossene Sache. Mit dem Coinage Act von 1873 verschärfte sich diese Politik und es wurde ein reiner Goldstandard eingeführt. Die resultierende Deflation führte zu gravierenden Problemen. [14] Der Preisverfall und die hohen Zinsen trieben Schuldner in die Armut. Besonders die Landwirte im Süden waren betroffen. Sie waren nach dem Wiederaufbau häufig hoch verschuldet und konnten nun nicht mehr die Preise für ihre Waren erzielen, die sie für die Tilgung benötigten. Die Arbeitslosigkeit stieg besonders in Produktion und Minenarbeit stark an. Die Verarmung trieb viele Landwirte und Landarbeiter in die Städte. Die Abschaffung des Bimetallismus ging daher als Crime of ´73 in die Geschichte ein. Obwohl die Depression der 1870er Jahre große Teile der Bevölkerung in Armut gestürzt hatte, rückte die Regierung nicht von ihrem Kurs ab. Sie führte die restriktive Geldpolitik fort und reduzierte die Anzahl an zirkulierenden "Greenbacks", bis 1879 das Gold-Dollar-Verhältnis der Vorkriegszeit wieder erreicht war. [15] Die Diskussion um den Goldstandard wurde zum Zankapfel und zur zentralen Frage der Präsidentschaftswahlen 1896. Der Kandidat der Demokraten, William Jennings Bryan (1860–1925), warnte davor, die arbeitende Bevölkerung unter ein „Kreuz aus Gold“ zu zwingen. Die Rede ging in die Geschichte ein, blieb jedoch erfolglos. Bryan unterlag seinem republikanischen Gegenkandidaten William McKinley (1843–1901) und der Goldstandard blieb bestehen. Elias Heindl Anmerkungen [1] vgl. Nymoen, Ole; Schmitt, Wolfgang M.: Wohlstand für Alle, Ep. 174: Die US-Wahl 1896 und der Goldstandard [Audio-Podcast], 07.12.2022, https://wohlstandfueralle.podigee.io/174-us-wahl-1896 (zul. aufgerufen am 16.03.2023) [2] vgl. Reese, Jim E.; Fite, Gilbert C.: An Economic History of the United States, 3rd Edition, Boston: Houghton Mifflin Company, 1973, S. 153–155 [3] vgl. Brands, H. W.: Greenback planet: How the dollar conquered the world and threatened civilization as we know it (Discovering America), 1st ed, Austin: University of Texas Press, 2011, S. 1–25 [4] vgl. ebd. S. 4–6 [5] vgl. ebd. S. 4–6 [6] Für die Bezeichnung „wildcat banks“ gibt es mehrere Erklärungsansätze (wikipedia.org/wiki/Wildcat_banking, aufgerufen am 20.03.2023): Die Banken waren oft in der abgelegenen Wildnis im Westen angesiedelt, um ein Eintauschen der Banknoten zu erschweren Eine Bank in Michigan druckte Banknoten (die sogenannten „wild cats“), auf denen ein Puma abgebildet war Im Missouri wurde das Jagen von Raubtieren gefördert, indem gegen den Skalp der Tiere sogenannte „Wildcat Certificates“ ausgestellt wurden, mit denen Steuern bezahlt werden konnten. Diese „Wildcat Certificates“ zirkulierten häufig wie gewöhnliche Banknoten, obwohl sie nicht unmittelbar gegen Gold oder Silber eintauschbar waren. Auf einer Fälschung einer 5-Dollar-Note der Catskill Bank wurde ein Puma abgebildet. Diese Geldscheine werden als „wildcat note“ bezeichnet. [7] vgl. Reese/Fite (1973) S. 158–163 [8] vgl. Brands (1973), S. 9 [9] wikipedia.org/wiki/Sezessionskrieg (zul. aufgerufen am 21.03.2023) [10] vgl. Brands (1973), S. 10-14 [11] vgl. ebd. S. 2-25 [12] vgl. Nymoen/Schmitt (2022) [13] vgl. ebd. [14] vgl. ebd. [15] vgl. Martin, Albro: Economy from Reconstruction to 1914, in: Porter, Glenn (Hrsg.): Encyclopedia of American Economic History, Vol. 1, New York: Carl Scribner´s Sons, 1980, S. 91–110

  • Verwirkliche Deine Träume!

    Kreditscheine von Kreditgenossenschaften, Kaufhäusern und Banken in Deutschland Das kennen wir alle. Der Werbeprospekt des Möbelhauses winkt mit einem Super-Spar-Angebot für eine neue Küche – und naja, die eigene ist in die Jahre gekommen. Auch das teure E-Bike steht schon lange auf der Wunschliste … Aber auf dem Konto herrscht gerade wieder einmal Ebbe. Das ist doch kein Grund zu verzweifeln und auf die Anschaffung zu verzichten. Versprechen nicht die Banken, dass sie den Weg freimachen? Schließlich kann man doch sein Bankkonto überziehen, einen Bankkredit sogar Online aufnehmen, und dies ohne Schufa-Auskunft, wie die Werbung suggeriert. Der aufgenommene Konsumentenkredit lässt sich dann hoffentlich bequem in monatlichen Raten zurückzahlen. Zudem locken auch heute noch viele Händler beim Kauf mit der Möglichkeit der Ratenzahlung. Noch Anfang der 1960er Jahren erhielten in der Bundesrepublik viele Arbeitnehmer ihren Lohn bar ausgezahlt und nur die wenigsten von ihnen verfügten über ein Bankkonto, sieht man von dem obligatorischen Sparbuch ab. Auch damals wurden (größere) Anschaffungen durch Kredite finanziert. Jedoch unterscheidet sich das damalige Verfahren in wesentlichen Punkten von der heutigen Kreditabwicklung. Anstatt zu seiner Bank, ging man zu einer Kreditgenossenschaft und ließ sich dort einen Kredit geben, der jedoch nicht bar ausgezahlt wurde, sondern man erhielt ein Heft mit Kreditgutscheinen, die auf unterschiedliche D-Mark-Beträge lauteten. Mit diesen Gutscheinen konnte dann der Kreditnehmer seine Einkäufe in bestimmten Geschäften, die Vertragspartner der Kreditorganisation waren, bezahlen. Die Scheine tragen nur in Ausnahmefällen ein gedrucktes Datum. Häufig wurde das Ausgabedatum gestempelt, handschriftlich eingetragen oder perforiert. Ein Beispiel hierfür ist der Kundenkreditscheck über 5 DM der Pfälzischen Kunden-Kredit-Genossenschaft e.G.m.b.H., der im Dezember 1952 an den Kunden abgegeben wurde. Laut Aufdruck musste er innerhalb von 30 Tagen zum Kauf in den angeschlossenen Geschäften verwendet werden. Das am rechten Rand in Lochschrift – 16 1 1953 – angegebene Datum dürft das Ende der Gültigkeit angeben. Abb. 1.: Pfälzische Kunden-Kredit-Genossenschaft e.G.m.b.H., Dez. 1952, 5 DM Kundenkreditscheck, Vorderseite. Einseitiger Druck; Größe: 159 x 90 mm; weißes Papier mit schwachem Wasserzeichen Y-Muster. Vom Ende der 1950er-Jahre stammen die bei Giesecke & Devrient gedruckten Zahlungsanweisungen der Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg. Nach Ausstellung waren sie 90 Tage gültig. Hier wird das Ausstellungsdatum durch Lochschrift am unteren linken Rand angegeben. Abb. 2: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 26.5.59, 1 DM, Vorderseite. Abb. 3: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 4.4.59, 2 DM, Vorderseite. Abb. 4: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 23.3.59, 5 DM, Vorderseite. Abb. 5: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 12.1.59, 20 DM, Vorderseite. Einseitiger Druck; Größe: 150 x 65 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. „Das Verfahren [dieser Kreditgewährung] scheint sehr erfolgreich angewendet worden zu sein, denn aus der Nachkriegszeit kennen wir eine beträchtliche Anzahl von Kreditorganisationen und Teilzahlungsbanken, die dieses Verfahren praktizierten. Auch große Handelshäuser und Kaufhausketten beteiligten sich an diesem Geschäft, wobei bei diesen die Einkaufsmöglichkeiten natürlich auf Häuser der jeweiligen Kette beschränkt waren.“[1] Weit verbreitet waren die Wertscheine der DeFaKa. Die Deutsche Familien-Kaufhaus GmbH war eine seit den 1920er-Jahren bestehende Warenhauskette mit Schwerpunkt Textilien. Das Unternehmen wurde 1924 vom Hamburger Kaufmann Emil Köster als „Emil Köster Textil AG“ gegründet. Sie übernahm die „Gemeinnützige Beamtenversorgungs-GmbH“. Beide Unternehmen boten Beamten die Möglichkeit, ihre Einkäufe in Raten zu bezahlen. Was war näherliegend, als beide Unternehmen zum „Deutschen Familienkaufhaus“ (DeFaKa) zu verschmelzen. Jakob Michael, dem unter anderem die Berliner „Industrie- und Privatbank“ gehörte, übernahm die Kapitalmehrheit. Er wanderte bereits 1932 in die USA aus. Da er die Kaufhauskette in die von ihm gegründete „New Jersey Industries Co. Inc.“ einbrachte, entgingen die 21 Filialen der DeFaKa als US-Firma der Arisierung. 1954 verkaufte Michael die DeFaKa-Kaufhäuser für 60 Millionen DM an die Helmut Horten GmbH. Durch diesen Zukauf wuchs die Zahl der Horten-Niederlassungen um 19 Häuser. Die DeFaKa wurde als Zweitmarke mit der Marke Köster (nur in Wiesbaden) für Kaufhäuser ohne Vollsortiment weiterverwendet, während die Vollsortiment-Warenhäuser unter der Marke Horten und MERKUR betrieben wurden. In den 1970er Jahren wurden auch die DeFaKa-Filialen in Horten umbenannt. [2] Die DeFaKa machte sich als Pionier eines eigenen Kundenkredit-Systems einen Namen, das sich in der Nachkriegszeit bei der westdeutschen Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute. Abb. 6: DeFaKa, Deutsches Familienkaufhaus, Zweigniederlassung der Helmut Horten GmbH, Düsseldorf, o. D., 1 DM, Vorderseite. Einseitiger Druck; Größe: 105 x 75 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen „DEFAKA“; Druckerei: Giesecke & Devrient. Abb. 7: DeFaKa, Deutsches Familienkaufhaus, Zweigniederlassung der Helmut Horten GmbH, Düsseldorf, o. D., 20 DM, Vorderseite; keine Angabe der Druckerei. Einseitiger Druck; Größe: 107 x 73 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen mit DEFAKA im Rahmen; Trockenstempel. Abb. 8.1/2: Aufbewahrungsmappe für DEFAKA-Wertscheine, Vorder- und Rückseite, Größe: 105 x 75 mm. War die Gestaltung und der Druck der bisher vorgestellten Scheine eher einfach, so sind die Wertscheine der Kaufhauskette „Hertie/KaDeWe/Alsterhaus/Held/KFA“ wertpapiermäßig ausgeführt. Die renommierte Wertpapierdruckerei Giesecke & Devrient lieferte Scheine, die mit den damals neuesten Sicherheitsmerkmalen versehen waren. Zur Ausgabe gelangten mehrere Ausführungen. Abb. 9.1/2: Hertie/KaDeWe – Alsterhaus – Held/KFA, o. D., 5 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 147 x 72 mm; weißes Papier ohne Wasserzeichen. Abb. 10.1/2: Hertie/KaDeWe/Alsterhaus, o. D., 20 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 145 x 72 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. Abb. 11.1/2: Hertie – KaDeWe – Alsterhaus – Wertheim, o. D., 20 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 135 x 73 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. „Die Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH war bis zur Übernahme durch Karstadt 1994 einer der führenden Warenhauskonzerne in Deutschland. Die Konzernzentrale befand sich zuletzt in der Herriotstraße 4, heute Campus Tower, in Frankfurt am Main. Die Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH betrieb rund 115 Warenhäuser unter den Namen Hertie, Wertheim, Alsterhaus und KaDeWe sowie rund 35 Bilka-Warenhäuser. Daneben gehörten zu Hertie die Restaurant-Kette Le Buffet, die Elektronik-Fachmärkte Schaulandt, Schürmann und WOM (World of Music) sowie die Bekleidungs-Märkte Wehmeyer.“[3] Die Anfänge des Unternehmens gehen auf Oskar Tietz zurück, der am 1. März 1882 mit dem Kapital seines Onkels Hermann Tietz ein Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und Wollwarengeschäft in Gera eröffnete. Die Hermann Tietz OHG wuchs schnell und es folgten Filialen in Weimar, Bamberg, München und Hamburg. 1900 wurde der Firmensitz nach Berlin verlegt. Nach und nach eröffnete das Unternehmen in der Reichshauptstadt zehn Warenhäuser. In Hamburg folgte 1912 das „Warenhaus Hermann Tietz“ (seit 1935 Alsterhaus) am Jungfernstieg. Die Hermann Tietz OHG konzentrierte seine Aktivitäten auf den Süden und Osten des Deutschen Reichs, währen Oscars Bruder, Leonard Tietz die gleichnamige Aktiengesellschaft gründete, die Filialen im Westen Deutschlands und in Belgien betrieb und ab 1933/34 als Westdeutsche Kaufhof AG, vorm. Leonhard Tietz firmierte. Ende 1926 übernahm die Hermann Tietz OHG das Berliner Kaufhausunternehmens A. Jandorf & Co., zu der das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) gehörte. Die Weltwirtschafskrise setzte auch den Warenhäusern zu. Vor allem Arbeiter und einfache Angestellte mussten einen massiven Kaufkraftschwund hinnehmen. Bei Tietz ging der Umsatz kontinuierlich zurück. Bankkredite überbrückten die Durststrecke. Bereits kurze Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging man daran, Unternehmen jüdischer Eigentümer zu "arisieren". Ein Bankenkonsortium aus Dresdner Bank, Deutscher Bank und Disconto-Gesellschaft, Bankhaus Hardy und anderen Gläubigern begann in Absprache mit dem Reichswirtschaftsministerium mit der schrittweisen Enteignung der Familie Tietz. Am 24. Juli 1933 gründeten die Gläubigerbanken die Hertie Kaufhaus-Beteiligungs-Gesellschaft m.b.H. [Hertie = Kurzform für Hermann Tietz]. Am 18. August 1934 erzwang das Bankenkonsortium das Ausscheiden aller Gesellschafter der Familie Tietz. Vorausgegangen war die Drohung der Banken, die Kredite zu kündigen. Das Firmenvermögen wurde mit lächerlichen 21,5 Millionen Reichsmark angesetzt, von dem die Familie gerade einmal 1,5 Millionen Reichsmark erhielt. In den folgenden Jahren kaufte Georg Karg – vormals Textil-Abteilungsleiter der Hermann Tietz OHG und Gesellschafter mit einer Einlage von 50.000 Reichsmark – die Anteile der Banken an der Hertie GmbH. 1948 öffnete Hertie in München, Stuttgart und Karlsruhe wieder die Kaufhaustüren. 1950 wurde das KaDeWe in Berlin wiedereröffnet. Beim Tod des Eigentümers Georg Karg 1972 bestand die Warenhausgruppe aus 72 Hertie-Warenhäusern und 29 Bilka-Kaufhäusern. 1993 gingen die Geschäfte in den Besitz von Karstadt über. Auch die folgenden Wertscheine sind aufwendig gedruckt. Die Gebrüder Borst erteilten der Münchner Druckerei R. Oldenbourg den Auftrag zu ihrer Herstellung. Abb.12.1/2: Bieberhaus Gebr. Borst, Frankfurt und Offenbach, o. D., 1 DM, Vorder- und Rückseite. Abb.13.1/2: Bieberhaus Gebr. Borst, Frankfurt und Offenbach, o. D., 10 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 145 x 75 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. Die Borst-Brüder hatten 1961 in Offenbach das Elektro-Kaufhaus in der „Bieberer Straße“ eröffnet. Dies war der Grund, warum sie das Unternehmen Bieberhaus nannten. Bald folgte ein Geschäft am hintersten Ende der Zeil in Frankfurt. Hier lockte der Elektro-Discounter mit aggressiver Preispolitik und neuesten Hifi-Geräten die Kunden an. Das Bieberhaus war in den 1960er Jahren die erste Adresse für weniger betuchte Käufer. In dieser Zeit entstanden auch die Wertscheine. Um auch Rheinhessen und das Mainzer Hinterland bedienen zu können, wurde 1972 eine Filiale in Mainz eingerichtet. Der erwartete Umsatz blieb allerdings aus, sodass das Unternehmen in finanzielle Schieflage geriet und 1976 Konkurs anmelden musste. Wie das letzte Beispiel zeigt, gewährten auch kleinere Unternehmen Kredit an ihre Kunden, indem sie diesen in Form von Wertscheinen einräumten. Das Haushaltswarengeschäft J. G. Reichwald in Siegen gab Kunden einen Warenkredit in Höhe von 100 DM. Der Kunde erhielt eine Waren-Kredit-Karte, die 14 Kredit-Marken-Abschnitte enthielt, und zwar drei zu 20 DM, jeweils zwei zu 10 DM und 5 DM, drei zu 2 DM und vier zu 1 DM. Bei jedem Einkauf trennte die Kassiererin Wertmarken in Höhe des Kaufpreises ab. Pfennigbeträge mussten vom Kunden bar gezahlt werden. Abb. 14.1/2: J. G. Reichwald, Siegen, o. D., 100 DM, Waren-Kredit-Karte, Vorder- und Rückseite, Druck auf rosa Karton. Mit steigender Zahl von Bankkonten-Inhabern und der Rationalisierung der Arbeiten in den Banken durch den Einzug der EDV, änderte sich auch die Kreditabwicklung, sodass das bisherige Verfahren völlig verschwand. In der DDR gab es ein ähnliches Verfahren. Dem Kreditnehmer wurde z. B. von seiner Sparkasse ein Kreditkaufbrief ausgehändigt, in dem auf der Rückseite so lange die Einkäufe eingetragen wurden, bis der Kreditbetrag aufgebraucht war. Abb. 15.1: Unausgefüllter Kreditkaufbrief der Sparkasse der Stadt Berlin, Vorder- und Rückseite. Größe: 147 x 113 mm; bräunliches Papier ohne Wasserzeichen. Die Kreditwertscheine erinnern heute an eine untergegangene Warenhauskultur sowie an ein fast vergessenes Kapitel der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Kai Lindman, Kreditscheine von Banken, Kreditgenossenschaften und Kaufhäusern in Deutschland 1933 – 1975, Sassenburg 2010, S. 3. [2] DeFaKa, (27.03.2023) [3] Hertie Waren- und Kaufhaus, (27.03.2023)

  • Leserpost: Geldscheine mit der Kontrollnummer 1, Teil 13

    Ich habe nach längerer Zeit mal wieder einen Geldschein mit der Kontrollnummer 1 gefunden. Gerne können Sie ihn der gewogenen Leserschaft vorstellen. Mit besten Grüßen Th. Neldner Deutsches Reich, Wolfen (Provinz Sachsen), Aktiengesellschaft für Anilin-Fabrikation (AGFA), Filmfabrik, Greppin-Werke: Gutschein über 43 Pfennig vom 10. November 1915 auf Rechenpapier ohne Wasserzeichen mit der Kontrollnummer 1, Vorderseite. Katalog-Referenz: Tieste 8065.01.43. Anmerkung der Redaktion Wer ebenfalls über Geldscheine mit der Kontrollnummer 1 verfügt und diese gern hier vorstellen möchte, schickt uns einfach Scans per E-Mail an info@geldscheine-online.com. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Hans-Ludwig Grabowski

  • Neue Varianten: März 2023, Teil 2

    Iran 50.000 Rials o.D.(2021-2022) Wie IRN-162 (Linzmayer B300b), aber mit neuen Unterschriften „Ali Salehabadi“ und „Ehsan Khandozi“. 100.000 Rials o.D.(2021-2023) Wie IRN-163 (Linzmayer B301d), aber mit neuen Unterschriften „Mohammad Reza Farzin“ und „Ehsan Khandozi“. Island 10.000 Kronur Wie ISL-61 (Linzmayer B817b), jetzt mit neuem Gesetzestext-Datum 01.07.2019 und neuer Unterschrift "Ásgeir Jónsson". Malediven 10 Rufiyaa MDV-19c (Linzmayer B211c), mit Datum 01.07.2006 (AH1427) und neuer Unterschrift „Qasim Ibrahim“. Mexiko 50 Pesos Wie MEX-W133 (Peter Mosselberger, www.banknote.ws) (Linzmayer B174c), aber neues Datum 07.07.2022 und Unterschriften „Jonathan Heath Constable“ und „Alejandro Alegre Rabiela“. 100 Pesos Wie MEX-W134 (Peter Mosselberger, www.banknote.ws) (Linzmayer B715f), jetzt mit neuem Datum 25.05.2022 und Unterschriften „Victoria Rodríguez Ceja“ und „Alejandro Alegre Rabiela“. Sierra Leone 1.000 Leones Wie SLE-30 (Linzmayer B125f), mit neuem Datum 27.04.2021 und neuem Titel „First Deputy Governor“. Sri Lanka 100 Rupees Wie LKA-125 (Linzmayer B125h), mit neuem Datum 15.09.2021 und neuen Unterschriften „Rajapakse/Cabraal“. 500 Rupees Wie LKA-126 (Linzmayer B126g), mit neuem Datum 15.09.2021 und neuen Unterschriften „Rajapakse/Cabraal“. Uganda 50.000 Shillings / Shilingi Wie UGA-54 (Linzmayer B159f), mit neuen Unterschriften „Michael Atingi-Ego“ und „Susan Kanyemibwa“ und neuem Datum 2022. Westafrikanische Staaten – Guinea-Bissau 1.000 Francs Wie WAS-915S (Linzmayer B121Sv), mit neuem Datum (20)22. 2.000 Francs Wie WAS-916S (Linzmayer B122Sv), mit neuem Datum (20)22. Westafrikanische Staaten – Mali 500 Francs Wie WAS-419D (Linzmayer B120Dk), mit neuem Datum (20)22. 1.000 Francs Wie WAS-415D (Linzmayer B121Dv), mit neuem Datum (20)22. Westafrikanische Staaten – Senegal 2.000 Francs Wie WAS-716K (Linzmayer B122Kw), jetzt mit neuem Datum (20)23 und neuen Unterschriften „Jean-Claude Brou“ und „Sani Yaya“. 5.000 Francs Wie WAS-717K (Linzmayer B123Kw), jetzt mit neuem Datum (20)23 und neuen Unterschriften „Jean-Claude Brou“ und „Sani Yaya“. Zentralafrikanische Staaten – Tschad 1.000 Francs 2002 Wie CAS-607C (Linzmayer B107Cd), aber mit Unterschriften "Abbas Mahamat Tolli“ und „Ambrosio Esono Angue". 2.000 Francs 2002 Wie CAS-608C (Linzmayer B108Ce), aber mit Unterschriften "Abbas Mahamat Tolli“ und „Ambrosio Esono Angue". Falk Quieß (Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com)

  • DGW-Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2023-1

    DGW (verschiedene Autoren): Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2023-1 40 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, Format 21 cm x 29,7 cm, Broschur, Berlin 2023. Preis: 9,80 Euro (für Vereinsmitglieder kostenlos). Jährlich gibt der Verein Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler (DGW) zwei Informationshefte heraus. Diese sind für Vereinsmitglieder kostenlos, können aber darüber hinaus auch von Sammlern und Interessenten bezogen werden. Schwerpunktthema: Schwerpunktthema das neuen Heftes ist ein Beitrag von Christina Bach, M. A., Museologin in der Sammlung Finanz- und Wirtschaftsgeschichte des Deutschen Historischen Museums in Berlin über die chinesischen Staatsanleihen der Deutsch-Asiatischen Bank (1889–1914) und deren Bedeutung und Hintergründe. Weitere Themen sind: Rainer Geike: Unterschriften auf Geldscheinen (VIII) – Notgeldscheine (Kreise Düren, Euskirchen und Jülich und der Industriebezirk Stolberg-Echsweiler; Städte Haslach, Hansach, Schiltach, Wolfach und Gengenbach; Neumünster; Ziegenhain; Jena, Firma Carl Zeiss und Gemeinde Bismarckhütte in Oberschlesien) Matthias Wühle: 250 Jahre Papiergeld mit Nachdruck eines Interviews "Die Jagd nach dem Beutestück" in der Sächsischen Zeitung Siegfried Seipold: Nach dem Befehl Nr. 111 zur "Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (offizielles Material) Thomas Krause: Numismatische Belege aus Zehdenick (Notgeld des Bank-Vereins, Schecks, Lebensmittelkarten, Aktien) Lutz Schubert: Eine Reise mit Serienscheinen durch Bayern, Teil 3 (Tegernsee, Oberammergau, Partenkirchen, München, Pasing, Trostberg an der Alz, Miesbach, Moosburg an der Isar, Mühldorf am Inn, Dillingen an der Donau, Bad Wörishofen, Markt Pöttmes und Nördlingen) Rainer Geike: Obligation der KWV (Kommunale Wohnungsverwaltung) Berlin-Lichtenberg DGW-Mitglieder haben das neue Heft sofort nach Erscheinen kostenfrei erhalten. Alle Nichtmitglieder können es über folgenden Kontakt bestellen: Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler e.V., Internet: www.dgwev.de, E-mail: info@dgwev.de. Hans-Ludwig Grabowski

  • „Ein feindlicher Akt gegen das befreundete Luxemburg ist von uns in keiner Weise beabsichtigt“

    Das Geldwesen Luxemburgs während des Ersten Weltkriegs Am 2. August 1914 marschierten deutsche Militärkolonnen in Luxemburg ein. Die Großherzogin Marie-Adélaïde fuhr, als sie von dem Grenzübertritt hörte, den deutschen Truppen mit dem Kraftwagen entgegen und protestierte persönlich, wobei sie den Wagen vor den Deutschen quer auf die Straße stellen ließ. Man schob ihn einfach auf die Seite.[1] Trotz der Proteste der Großherzogin und der luxemburgischen Regierung besetzten die Deutschen alle strategisch wichtigen Punkte des Landes, darunter das Schienennetz. Auch wenn das deutsche Militär die politischen Institutionen Luxemburgs während des Kriegs unangetastet ließ, war der Einmarsch eine klare Verletzung der Neutralität des Landes, die im Zweiten Londoner Vertrag von 1867 von den europäischen Mächten garantiert worden war. Abb. 1: August 1914: Deutsche Truppen überrollen das Großherzogtum: Hier marschieren Soldaten durch den unteren Teil der Grand-Rue in der Luxemburger Altstadt mit dem Grand-Hotel Brasseur und dem Herrenkonfektionsgeschäft "Old England" (rechts). Nicht näher datiertes Foto: Archiv Luxemburger Tageblatt (07.03.2023) Die deutsche Regierung begründete diesen Schritt in einem Telegramm an die luxemburgische Regierung: „Die militärischen Maßnahmen sind zu unserem größten Bedauern dadurch unvermeidlich geworden, daß wir zuverläßige Nachrichten haben, wonach französische Streitkräfte im Vormarsch auf Luxemburg sind. Wir müssen die Maßnahmen zum Schutz unserer Armee und zur Sicherung der Eisenbahnen treffen. Ein feindlicher Akt gegen das befreundete Luxemburg ist von uns in keiner Weise beabsichtigt. Zur vorherigen Verständigung mit Luxemburgischer Regierung war bei der drohenden Gefahr leider keine Zeit mehr. Die Kaiserliche Regierung sichert Luxemburg vollen Schadenersatz für von uns verursachte Schäden zu.“[2] [3] Am Vorabend des Krieges wurde im Großherzogtum nach Francs und Centimes gerechnet und mit Mark [1 Franc = 80 Pfennig] und Pfennig gezahlt. Luxemburg hatte selbst nur einige wenige Kleingeldmünzen emittiert. Die deutsche Reichsmünzen und Reichsbanknoten dominierten den Geldumlauf. Daneben waren noch Noten der privaten Banque Internationale à Luxembourg (BIL) zu 20 und 50 Mark „Deutscher Reichswährung“ im Umlauf.[4] Im Juli 1914 war auch Luxemburgs Bevölkerung über die politische Entwicklung beunruhigt und die luxemburgischen Banken gerieten in eine schwierige Lage, die sich nach der deutschen Invasion noch weiter verschärfte. Die Kunden stürmten die Schalter, um von ihren Konten so viel Bargeld wie möglich abzuheben. Die von Panik erfassten Banknoteninhaber verlangten von der BIL die Einlösung der Noten. Zwar gelang der Bank diese in Münzen einzulösen, aber die Zahlungsmittel – insbesondere die niedrigen Nominale – wurden knapp. Durch „Gesetz vom 3. August 1914, betreffend Erleichterungen hinsichtlich des Geldumlaufes sowie des Zivil- und Handelskredites“ ergriff das Großherzogtum eine Reihe von währungs- und kreditpolitischen Maßnahmen. Für die Summe von einer Million Franken sollte die IBL Noten in Stückelungen von 1,25, 2,50 und 6,25 Fr. anfertigen und in Umlauf bringen. Dieser Betrag erschien jedoch schon bald als unzureichend und die Regierung musste die Summe verdoppeln und eine weitere Million Franken in kleinen Stückelungen ausgeben. Gleichzeit wurden die Banknoten der IBL zu gesetzlichen Zahlungsmitteln, man beschränkte deren Ausgabe jedoch auf 6.250.000 Franken und verpflichtete die ILB als Sicherheit Wechsel und Wertpapiere in gleicher Höhe wie die umlaufenden Banknoten bei der Recette Générale zu hinterlegen. Darüber hinaus verkündete der Staat ein Moratorium bis zum 5. September, das bis zum 5. Oktober verlängert wurde. Da sich die wirtschaftliche Lage bis zu diesem Zeitpunkt gebessert hatte, wurde es aufgehoben. Das Gesetz vom 28. November 1914 ermächtigte die Regierung, die im Gesetz vom 3. August 1914 festgelegte Zahl für die Ausgabe von Banknoten der Internationalen Bank um zwei Millionen zu erhöhen. Die Noten, die auf den 5. August 1914 datiert sind, zeigen deutlich, unter welchem Zeitdruck sie bei der Druckerei Emil Schroell in Luxemburg hergestellt wurden. Die Noten zu ein und zwei Mark sind 100 x 64 mm groß, der Wert zu 5 Mark 114 x 80 mm. Die Scheine sind ausschließlich in deutscher Sprache abgefasst und weitgehend bildgleich. Während die Vorderseite einen farbigen Unterdruck aufweist, ist die Rückseite nur mit einem einfachen schwarzen Aufdruck versehen. Auf der Vorderseite finden sich vier Unterschriften: zwei gedruckte Unterschriften für das Bankdirektorium, die Unterschrift des "Grossh. Commissars" wurde durch einen Faksimile-Stempel aufgebracht und der "Controllbeamte" unterschieb handschriftlich. Abb. 2.1/2: Internationale Bank in Luxemburg, 5. August 1914, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: Internationale Bank in Luxemburg, 5. August 1914, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Bereits Anfang August 1914 hatte die Regierung dem Staatsrat einen Gesetzentwurf über die Ausgabe von auf Inhabern lautende Kassenscheine vorgelegt, die von öffentlichen Kassen und Privatpersonen als gesetzliches Zahlungsmittel entgegengenommen werden mussten. Bis zu anderslautenden Bestimmung sollten Scheine im Wert von fünf Millionen Franken ausgegeben werden. Nach dem Gesetz vom 28. November 1914 gelangten Kassenscheine des „Großherzoglichen Luxemburgischen Staates“ zu 125, 25, 5, 2 und 1 Franken in Umlauf. Der Generaldirektor für Finanzen, Mongenast, erklärte den Begriff „Kassenbon“ wie folgt: „Der Kassenbon ist die Banknote, die der Staat in Umlauf bringt und deren Betrag durch den Kredit des Staates garantiert wird. Sobald sich unsere Ressourcen wieder normalisiert haben, können wir sie nach und nach aus dem Verkehr ziehen; gemäß Artikel 2 des Gesetzentwurfs haben diese Banknoten Zwangskurse. Das Mittel, das wir anwenden, wie es auch die anderen Regierungen tun, beruht auf einem Recht, das der Staat besitzt, von dem er aber bislang keinen Gebrauch gemacht hat.“ Die Kassenscheine wurden in mehreren Auflagen in Leipzig bei Giesecke & Devrient gedruckt. Statt des Ausgabedatums findet sich auf ihnen der Hinweis „Gesetz vom 28. November 1914“. Die Ausgabe erfolgte in der Zeit zwischen 1915 und 1918 aufgrund verschiedener großherzoglicher Beschlüsse. Vorder- und Rückseite sind bildgleich. Eine Seite ist in deutscher, die andere in französischer Sprache gedruckt. Neben der Angabe in Franken, wird der Wert auch in Mark angegeben. Das Wasserzeichen – wahrscheinlich Hakenkreuzmuster – ist aufgrund dichten Unterdrucks nur schwer zu bestimmen. Abb. 4.1/2: Großherzoglich Luxemburgischer Staat, o. D., 1 Franken = 80 Pfennig vom 28. November 1914, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Großherzoglich Luxemburgischer Staat, o. D., 2 Franken = 1,60 Mark vom 28. November 1914, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: Großherzoglich Luxemburgischer Staat, o. D., 5 Franken = 4 Mark vom 28. November 1914, Vorder- und Rückseite. Vor dem Krieg hatte Luxemburg nur wenige 2 ½-, 5- und 10-Centimes-Münzen ausgegeben. Wie in Deutschland wurde im Krieg das Wechselgeld knapp. Daher ließ die Regierung im Herbst 1915 Zinkmünzen zu 5 Centimes (1.200.000 Stück) und 10 Centimes (1.400.000 Stück) im Gesamtwert von 200.000 Franken in Brüssel prägen. Am 21. Juli 1916 wandte sich die Handelskammer an die Regierung mit der Bitte, weitere Münzen prägen zu lassen, da die derzeitige Situation ähnlich der im Herbst 1915 sei. In dem Bericht heißt es: „Kleinere Transaktionen werden durch die zunehmende Verknappung von Kleingeld extrem behindert. Sehr oft haben die Einzelhändler echte Schwierigkeiten, Wechselgeld auf Ein-Mark-Scheine herauszugeben. Bei kleineren Einkäufen muss man auf alle möglichen Ausweichmöglichkeiten zurückgreifen: Man benutzt Briefmarken, um die zu zahlenden oder zurückzugebenden Beträge auszugleichen, oder man denkt sich andere Verrechnungsmethoden aus, die immer peinlich sind. Die Gründe für diese Situation sind allzu bekannt, als dass sie hier erörtert werden müssten. Aufgrund der unintelligenten und unerklärlichen Hortung, der sich ein Teil der Bevölkerung, insbesondere die Bevölkerung in den Landkreisen, hingibt, werden große Mengen an Geld aus dem Umlauf genommen. Alles, was aus Metall besteht, verschwindet. Die einzige wirklich wirksame Abhilfe wäre es, die Münzen aus seinen zahlreichen Verstecken zu holen und wieder in den Umlauf zu bringen. Leider fehlt es hier an Mitteln. Eine neue Prägung von Zink kann jedoch nicht empfohlen werden: Die neuen Münzen würden ihrerseits gehortet werden.“[5] Dennoch emittiert man weitere 800.00 Zinkmünzen zu 25 Centimes. In die Kriegszeit fallen auch die 5- (1.200.000 Stück) und 10-Centimes-Eisenmünzen (1.603.000 Stück) mit dem ersten Prägejahr 1918. Abb. 7.1/2: Grand Duche de Luxembourg, 1915, 5 Centimes, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Grand Duche de Luxembourg, 1915, 10 Centimes, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Grand Duche de Luxembourg, 1915, 25 Centimes, Vorder- und Rückseite. Die Kriegsereignisse wirkten sich zwangsläufig auch auf die Wirtschaft des Landes aus. Der Handel mit dem Ausland war stark eingeschränkt und die Einfuhr ausländischer Waren fast unmöglich. Daher lösten die Händler ihre Vorkriegsbestände auf, und zwar zu Preisen, die umso höher waren, je knapper die Waren wurden. Da es keine Wiederbeschaffungsmöglichkeiten gab, zahlten sie ihre Barmittel bei Banken oder bei der Caisse d'Epargne ein. Zusätzlich erhöhte sich die Geldmenge durch den Zufluss von Mark infolge der deutschen Besatzung. Belief sich 1914 das Guthaben auf 39,4 Millionen Franken, so stiegen es 1915 auf 63 Millionen und erreichte 1918 schließlich 107,9 Millionen Franken.[6] Die Kampfhandlungen des Erstes Weltkriegs endeten mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands im Wald von Compiègne am 11. November 1918. In Luxemburg war der große Krieg aber erst neun Tage später endgültig vorbei: Am 20. November 1918 nahm der preußische General Georg von der Marwitz die Parade der zurückmarschierenden Truppen in der Stadt Luxemburg ab. In letzten Tagen des Kriegs und der deutschen Besetzung gaben die Union commerciale et professionelle in Bettembourg und in Eich sowie die Association des Commercants in Esch/Alzette undatierte Kleingeldscheine über 25 und 50 Centimes aus, die in französischer Sprache abgefasst sind. Die Übersetzung bei den Scheinen von Bettembourg und Eich lautet: „Dieser Gutschein ist nur in der Gemeinde Eich [Bettembourg] gültig und kann jederzeit von der Union commerciale et professionnelle d'Eich [Bettembourg] eingelöst werden, entweder in deutschen Banknoten, die im Land zirkulieren, oder in Banknoten, die zum Zeitpunkt der Einlösung in den Staatskassen vorhanden sind. Der Kurs wird vierzehn Tage vor dem Termin veröffentlicht.“ Eine weitere Ausgabe in Deutsch, die auf den 1. November 1918 datierte ist, stammt von der Gemeindeverwaltung Fels. Abb. 10.1: Union commerciale et professionelle de la commune d’Eich, o. D., 50 Centimes, KN gedruckt, Vorderseite. Abb. 10.2: Union commerciale et professionelle de la commune d’Eich, o. D., 50 Centimes, KN handschriftlich, Vorderseite. Abb. 10.3: Union commerciale et professionelle de la commune d’Eich, o. D., 50 Centimes, Rückseite. Um ihre Arbeiter löhnen zu können, gaben einige Hüttenwerke [ARBED – Aciéries Réunies Burbach – Eich – Düdelingen; Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft (Eisenindustrie Differdingen); die Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft in Esch/Alzette sowie die Eisen- und Stahlwerke Steinfort, Aktiengesellschaft (Hauts-Fourneaux et Aciéries de Steinfort S. A.)] Großgeldscheine aus, die auf Mark bzw. Franken lauten. Die Luxemburger Zeitung meldete hierzu: „Das Papiernotgeld der Hüttenwerke wird ohne Schwierigkeit in allen Staatskassen zum vollen Nennwert angenommen. Es besteht daher kein Grund, die Annahme dieses Geldes im täglichen Geschäftsverkehr zu verweigern.“[7] Abb. 11.1: Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft (Abt. Esch), o. D., 20 Mark = 25 Franken, Vorder- und Rückseite. Am 1. Januar 1919 schied Luxemburg aus dem deutschen Zollverein aus, dem es seit dem 8. Februar 1842 angehört hatte. Kurz zuvor war durch großherzoglichen Beschluss vom 11. Dezember 1918 die Einfuhr deutschen Papiergelds verboten und deren Einzug angeordnet worden. Eine neue Emission von Kassenscheinen sollte zum Austausch der alten Kassenscheine dienen, und zwar im alten Verhältnis 1,25 Franken = 1 Mark. Die neue Emission war – abgesehen davon, dass der Wert nur noch in Franken angegeben wurde – zwar bildgleich mit der vorherigen Ausgabe, wurde nun jedoch von M. Huss in Luxemburg gedruckt. Der Erlass vom 11. Dezember 1918, der die Einziehung der Mark regelte, ließ sich nicht auf Sicht- oder Terminforderungen gegenüber Deutschland anwenden. In Ermangelung anderer Anlagemöglichkeiten hatten die luxemburgischen Banken einen Großteil der Einlagen in Deutschland investiert, die nun in Franken zurückgezahlt werden mussten. Infolgedessen erlitten sie aufgrund des Wertverlustes der Mark enorme Verluste. Bei der Internationalen Bank beliefen sie sich Ende 1918 auf rund 64 Millionen Franken (Gold) und stiegen bis zum völligen Zusammenbruch der Mark 1923 auf rund 80 Millionen Franken (Gold).[8] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Herbert Rittmann, Deutsche Geldgeschichte seit 1914, München 1986, S. 42 f. [2] Zitiert nach: Paul Margue/Marie-Paule Jungblut, Le Luxembourg et sa Monnaie, Luxembourg 1990, S. 96. [3] Generalfeldmarschall Schlieffens Angriffsplan auf Frankreich sah eine weit ausholende Zangenbewegung auf Paris vor. Dafür war ein „Durchmarsch“ durch die neutralen Länder Belgien und Luxemburg notwendig. [4] Vgl. Herbert Rittmann, S. 43. [5] Freie Übersetzung. Paul Margue/Marie-Paule Jungblut, S. 100. [6] Vgl. Banque Internationale a Luxembourg 1856 – 1956, Luxembourg 1956, S. 44 [7] Paul Margue/Marie-Paule Jungblut, S. 105. [8] Banque Internationale a Luxembourg 1856 – 1956, S. 44.

  • Aus privaten Sammlungen: 20 Livres der Festung Mainz vom Mai 1793

    Objekttyp: Belagerungsgeld Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: Die Französische Revolution wirkte auch auf die übrigen europäischen Staaten. Der geflohene französische Adel wünschte nichts sehnlicher als die Wiederherstellung der alten Ordnung. Unterstützung fand er in Österreich und Preußen. Ihr gemeinsamer Feldzug endete am 20. September 1792 im Dauerregen und Morast der Champagne in einem Fiasko. Die französischen Revolutionsarmeen fielen nach ihrem Sieg in Valmy in die Nachbarstaaten ein. Im Verlauf des Ersten Koalitionskriegs eroberten französische Revolutionstruppen unter General Adam-Philippe de Custine am 30. September 1792 Speyer und zwangen am 21. Oktober 1792 die schwache Garnison der Festung Mainz zur Aufgabe. Am 23. Oktober 1792 erfolgte in Mainz mit Billigung Custines die Gründung der radikaldemokratischen „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ nach dem Vorbild der Pariser und Straßburger Jakobinerklubs. Im französisch besetzten Gebiet, das etwa dem heutigen Rheinhessen und der Pfalz entsprach, ließ Custine auf Anordnung des Pariser Nationalkonvents am 24. Februar 1793 Wahlen zu einer gesetzgebenden Körperschaft abhalten. Die Deputierten des frei gewählten Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents traten erstmals am 17. März 1793 im Mainzer Deutschhaus zusammen und erklärten einen Tag später sämtliche Bande zum Reich als zerrissen und riefen die „Mainzer Republik“ aus. Die staatliche Gewalt übte aber weiter der Kriegsrat der französischen Garnison in Mainz aus. In dessen Hände lag auch die Gestaltung der Währungsverhältnisse. In der Zwischenzeit waren die Koalitionstruppen zum Gegenangriff übergegangen. Am 14. April 1793 schloss sich der Belagerungsring um Mainz. Den 24.000 französischen Soldaten standen 16.000 Soldaten aus Preußen, 10.000 Österreicher, 4.000 aus Kursachsen, 3.000 aus Hessen-Kassel, 3.000 aus Hessen-Darmstadt und 1.000 Kurpfälzer gegenüber. Mit den französischen Truppen gelangten auch die französischen Münzen und Assignaten in die besetzten Gebiete. Die in Mainz dringend benötigten Geldlieferungen blieben nun aus, sodass die Zahlungsmittel knapp wurden. Für Soldzahlungen benötigte man täglich 15.000 bis 22.500 Livres. Bis etwa Dezember 1792 zahlte die Französische Republik den Sold ihrer Soldaten weitgehend mit werthaltigen Münzen. Angesichts des Metallgeldmangels erfolgte später die Löhnung zu einem immer größeren Anteil durch Assignaten und schließlich vollkommen mit Papiergeld. Der Kurs der Assignaten sank von Ende 1792 bis zum Spätsommer 1793 um rund die Hälfte ihres damaligen Wertes auf 22 Livres in Silber für 100 Livres Papier. In ihrer Not beschloss der Kriegsrat, eigenes Papiergeld in Mainz auszugeben. Der Wert der vorhandenen französischen Assignate wurde kurzerhand verdoppelt. Der handschriftliche französische Text der in Belagerungsgeld umgewandelten Scheine lautet der Verordnung vom 9. Mai 1793 entsprechend: „No [lfd. Nummer] Assignat-Monnoye de Siège de [Betrag in Worten (Sous oder Livres)] remboursable en espèces.“ Darunter die sechs eigenhändigen Unterschriften von Regierungskommissar und Konventsmitglied Reubelll, Kriegskommissar Blanchard, Nationalkommissar Simon, General d’Oyre, Brigadegeneral Schaal und Armeezahlmeister Hertzog. Der rote Stempelabdruck „SIÈGE DE MAYENCE MAI 1793 2E [ANNÉE] DE LA RÉP[UBLIQUE] FRANÇ[OISE]“. Angesichts der schweren Beschießung kapitulierte die Festung Mainz am 22. Juli 1793. Gegen das Versprechen, ein Jahr nicht gegen die Preußen zu kämpfen, durfte die Besatzungsarmee ehrenvoll abziehen. Alle Bewohner von Mainz konnte ihre Belagerungsscheine binnen 24 Stunden beim Kriegszahlmeister Hertzog zur Einlösung vorlegen. Land/Region/Ort: Heiliges Römisches Reich deutscher Nation, Festung Mainz Emittent: Armée du Rhin in Mainz Nominal: 20 Livres Datum: Mai 1793 Vorderseite: Handschriftliche Wertangabe und sechs eigenhändige Unterschriften sowie ein roter Rundstempel „SIEGE DE MAYENCE / MAI 1793 / 2E De La REP. / FRANÇ“. Rückseite: Assignat (Domaines-nationaux) über 10 Livres vom 16. Dezember 1791. Material: Weißes Papier mit zwei Trockenstempeln Wasserzeichen: Ohne Druck: Unbekannt Format: 155 mm x 113 mm Nummerierung: Série 401me Authentizität: Original Zitate: GK-730 (Grabowski/Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten, Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Regenstauf 2020, S. 313. Tilman Huber, Belagerungsgeld der Armée du Rhin in Mainz 1793, Ausgabe und Einlösung im Lichte der französischen Währungsgesetzgebung, Selbstverlag, Frankfurt am Main 2014 Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Leserpost: Überdruckprovisorium der Bayerischen Staatsbank zu 50 Billionen Mark?

    Sehr geehrter Herr Grabowski, in einem Posten alter Geldscheine fand ich den im Anhang abgebildeten Schein der Bayerischen Staatsbank. Der Schein zeigt ein paar sehr "anrüchige" Eigenschaften: Die Überdruckschrift zeigt im Vergleich zu Milliardenscheinen deutliche Unterschiede. Der Basisschein zeigt deutliche Umlaufspuren (wahrscheinlich ohne Überdruck?). Den Basisschein kam man auch in kassenfrischer Erhaltung derzeit ohne Probleme kaufen, deshalb müssten bei einer modernen Fälschung schon mehrere Exemplare auf dem Markt aufgetaucht sein, was ja nicht des Fall ist. Mit Interesse sehe ich Ihrer Bewertung entgegen und verbleibe mit freundlichen Grüssen. Dr. Richard Stanek Antwort der Redaktion Es handelt sich ganz offensichtlich um eine zeitgenössische Manipulation eines gelaufenen Scheins der Bayerischen Staatsbank in München über 100 Millionen Mark vom 20. September 1923. Im Herbst 1923, es war die Zeit der sog. "Hochinflation" in Deutschland, fiel der Wert der Mark rasant. Jetzt kamen auch immer mehr Überdruckprovisorien in Umlauf, und zwar nicht nur bei Banknoten, sondern sogar bei städtischen Notgeldscheinen, für die man durch die Inflation wertlos gewordene Scheine nutzte. Bei der wahren Papiergeldflut verloren die meisten Menschen schnell den Überblick. Das machten sich Fälscher zu Nutze, um eigene "Provisorien" herzustellen. Hierzu manipulierten sie Scheine aus dem Umlauf mit provisorischen Überdrucken oder Überstempelungen, um einen höheren Geldwert zu suggerieren. Beim vorliegenden Schein hat der Fälscher einen denkbar einfachen Weg gewählt. Er nutzte Tusche und Schreibfeder, um den höheren Nennwert zu 50 Billionen Mark mit der Hand hinzuzufügen. Man erkennt deutlich die Spuren der handschriftlichen Manipulation. Bei dieser Gelegenheit fallen uns auch die handgezeichneten Fälschungen der Scheine der Bayerischen Staatsbank in Nürnberg aus der revolutionären Zeit der noch jungen "Weimarer Republik" ein. Der Schein ist in dieser Form auf alle Fälle ein interessanter geld- und zeitgeschichtlicher Beleg, auch oder gerade weil es sich um eine Manipulation handelt. Hans-Ludwig Grabowski

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