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KI und Texte zu Geldscheinen – geht das?

Die Antwort: derzeit nur sehr bedingt! Die Künstliche Intelligenz (KI) erweckt seit geraumer Zeit bei vielen Menschen neugieriges Interesse. Man kann sich mit Hilfe vorhandener webbasierter Software z. B. Märchen, Gedichte, Grußkartentexte und alles Mögliche „schreiben“, komplexe Fragen stellen oder beantworten lassen und auch chatten.

Es gibt eine Vielzahl von Plattformen, die man ausprobieren kann. Dabei greifen die Programme auf vorhandene Veröffentlichungen zurück und fassen das meist sinnwahrend zusammen.


Jedoch warnen Wissenschaftler, Forscher und Unternehmer, dass die KI aus dem Ruder laufen könnte und forderten kürzlich in einem Aufruf eine Entwicklungspause für das nächste halbe Jahr. So hatte die Plattform ChatGPT in den vergangenen Monaten Schlagzeilen gemacht. Elon Musk, Mitbegründer von OpenAI, hatte sich wiederholt kritisch geäußert.

Auch andere Tech-Fachleute befürchten, dass Informationskanäle in Zukunft mit Propaganda und Unwahrheiten geflutet werden könnten.


Zum Thema „Banknoten-Entwürfe“ wurde platform.openai.com/playground getestet. Eingegeben wurde vom Verfasser der Befehl: „Schreibe einen ausführlichen Text über den Grafiker Escher und erwähne seine Entwürfe von Banknoten“.


Ein erstes Ergebnis war folgender Text:

„Maurits Cornelis Escher, besser bekannt als M. C. Escher, war ein niederländischer Grafiker, der vor allem für seine surrealen und optischen Illusionen bekannt ist. Er wurde 1898 in Leeuwarden, Niederlande geboren und starb 1972 in Laren, Niederlande. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der sich auf die Kunst des Druckens spezialisiert hatte. Er hatte eine Vorliebe für mathematische und geometrische Formen und verwendete sie oft in seinen Arbeiten. Seine berühmtesten Werke sind „Relativity“ (1953), „Metamorphose II“ (1939-1940) und „Sky and Water I“ (1938). Escher hat auch einige Banknoten entworfen. Sein erster Entwurf war eine Banknote für die niederländische Insel Curaçao im Jahr 1960. Diese Banknote zeigte ein Porträt von Escher selbst, das er selbst gemalt hatte. Es folgten weitere Banknotenentwürfe für verschiedene Länder, darunter die Niederlande, Belgien und Surinam. Eschers Banknotenentwürfe waren sehr kreativ und ungewöhnlich. Sie zeigten oft surrealistische Motive und optische Illusionen, die auf seine Liebe zur Mathematik und Geometrie zurückzuführen sind. Seine Banknoten wurden weltweit bekannt und sind heute noch sehr beliebt. Insgesamt hat Escher einen großen Einfluss auf die Kunstwelt gehabt. Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt und sind heute noch sehr beliebt. Seine Banknotenentwürfe haben dazu beigetragen, dass er als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts angesehen wird.“

Hier sind jedoch Wiederholungen und auch Fehler enthalten. Bei mehrmaligen Texteingaben wurden dann unterschiedliche Texte in Länge und Aussage festgestellt. Eine weitere Eingabe war kürzer und genauer:


„Maurits Cornelis Escher war ein niederländischer Grafiker, der vor allem für seine surrealen und optischen Illusionen bekannt ist. Er wurde 1898 in Leeuwarden, Niederlande, geboren und starb 1972 in Laren, Niederlande. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der sich auf die Kunst des Druckens spezialisiert hat. Seine Arbeiten sind weltweit bekannt und werden in vielen Museen ausgestellt. Eschers Arbeiten sind vor allem für ihre mathematischen und geometrischen Elemente bekannt. Er hat viele verschiedene Techniken verwendet, um seine Kunstwerke zu schaffen, darunter Holzschnitt, Lithografie und Radierung. Seine Arbeiten sind oft surreal und spielen mit optischen Illusionen. Er hat auch einige sehr berühmte Entwürfe von Banknoten gemacht, darunter die niederländische 10-Gulden-Note und die niederländische 25-Gulden-Note. Eschers Arbeiten haben viele Künstler inspiriert und beeinflusst. Seine Arbeiten wurden in vielen verschiedenen Medien verwendet, darunter Filme, Musikvideos und Computerspiele. Seine Arbeiten sind auch in vielen Büchern über Kunstgeschichte zu finden. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der viele verschiedene Techniken verwendet hat, um seine Kunstwerke zu schaffen. Seine Entwürfe von Banknoten sind weltweit bekannt und werden in vielen Museen ausgestellt. Seine Arbeiten haben viele Künstler inspiriert und beeinflusst und werden in vielen verschiedenen Medien verwendet.“

Auch der eingegebene Text in Niederländisch war dann allgemeingültig und ebenso fehlerhaft.

Richtig ist: M. C. Escher wurde am 17. Juni 1898 in Leeuwarden, Provinz Friesland, geboren – als jüngster von fünf Söhnen des Bauingenieurs George Arnold Escher. Seine Jugend verbrachte er größtenteils in Arnheim. Zitat wikipedia: „Allerdings war er ein ziemlich schlechter Schüler, musste zwei Klassen wiederholen und hatte trotz seiner zeichnerischen Begabung sogar im Fach Kunst schlechte Noten.“ Sein lebenslanger Freund Bas Kist ermutigte ihn, seine ersten Linolschnitte zu machen. 1917 besuchten beide Freunde den Künstler Gert Stegeman, der in seinem Atelier eine Druckerpresse besaß – dort entstanden Eschers erste Drucke. Zu seinen frühen Werken gehört ein Porträt seines Vaters.

Nach seinem nicht bestandenen Abitur begann Escher im Herbst 1919 ein Architekturstudium in Haarlem, dass er schon eine Woche später wieder abbrach.

Er reiste ab 1921 oft nach Italien, lernte dort seine spätere Frau kennen; sie heirateten 1924, zogen nach Rom und wohnten dort in der Via Alessandro Poerio bis 1935. Aus Abscheu gegen den italienischen Faschismus gingen die Eschers mit ihren beiden Söhnen nach Belgien und nach dem dortigen Einmarsch deutscher Truppen schließlich gemeinsam in

die Niederlande.

Escher galt vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg als bedeutender Maler, Grafiker, Zeichner, Buchillustrator, Tapisseriedesigner, Wandmaler und Grafiker; berühmt wurde er für seine Ornamentdrucke und Arbeiten aus der „unmöglichen Architektur“. Der Siegeszug von Eschers Werken begann Mitte der 1950er-Jahre nach seiner ersten erfolgreichen Ausstellung in den USA.


Abb. 1: „Mauk“ Escher bei seinen Druckarbeiten in Baarn (https://www.arte-magazin.de)


Escher schuf in seinem künstlerischen Leben an die 448 Lithografien, Holzschnitte und Holzstiche sowie mehr als 2000 Zeichnungen, Skizzen, Briefmarken ... und Banknoten-Entwürfe.

1950 schrieb die Nederlandsche Bank einen Wettbewerb für Banknoten aus.

M. C. Escher beteiligte sich und wurde daraufhin von der DNB im Juli 1950 beauftragt, eine neue Banknotenserie zu entwerfen. Die Bank war von Eschers künstlerischer Qualität überzeugt, wie die Briefmarken-Entwürfe zum 75. Jahrestage des Weltpostvereins zeigten.





Abb. 2: „Himmel und Wasser I“, Holzschnitt vom Juni 1938 (Original: Sammlung Kunstmuseum Den Haag).


Abb. 3/4: realisierte Briefmarken zu 10 und 20 Cent von 1949.


Von Escher wurden für drei Wertstufen Vorder- und Rückseiten-Entwürfe sowie eine Wasserzeichen-Ansicht vorgelegt. Dabei wurden die Unterschriften den damaligen Signaturen von Secretaris A. M. De Jong und President Dr. Marius Wilhelm Holtrop (1946–1967) nachempfunden. Auch die Kontrollnummern ähneln denen der DNB.

Die Bank fand die eingereichten Arbeiten problematisch und lehnte Eschers umstrittene Entwürfe ab. Nach fast zweijährigem umfangreichen Schriftverkehr zwischen beiden trat die Bank im Juni 1952 von dem Vertrag zurück, da Escher nicht auf seine künstlerischen Freiheiten verzichten wollte und und keine der gewünschten Änderungen akzeptierte.

Der Bank waren die Entwürfe „zu kunstvoll“ und außerdem angeblich technisch nicht umsetzbar. Die wahren Gründe dafür sind bis heute im Dunkeln geblieben.


Abb. 5: 10 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Naturforschers Antoni van Leeuwenhoek (1632–1723).


Abb. 6: Rückseite der 10-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung.


Abb. 7: 25 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Mathematikers, Physikers und Ingenieurs Simon Stevin (1548–1620); Stevin schlug schon 1585 ein dezimales Maßsystem vor.


Abb. 8: Rückseite der 25-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung.


Abb. 9: 100 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens (1629–1695).


Abb. 10: Rückseite der 10-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung.


Abb. 11: Bleistiftzeichnung eines Wasserzeichens: Vögel, Fische, Planet und Stern.


Die nicht zur Ausführung gelangten Entwürfe liegen im Museum der Wertpapierdruckerei Johan Enschedé in Haarlem. Über einen weiteren Entwurf einer 50-Gulden-Banknote wurde spekuliert, aber bis heute von keiner Seite ohne Bestätigung. Die Bank verwarf außer den Escher-Entwürfen auch die Musterzeichnungen von J. B. Schlepper und entschied sich später für die Arbeiten von Joseph Ferdinand „Eppo“ Doeve und Robert D. E. „Ootje“ Oxenaar.


Die niederländische Bank organisierte 1988 ein geschlossenes Auswahlverfahren zur Ernennung seines Nachfolgers. Jaap Drupsteen, Jan van Toorn, Walter Nikkels, Gerard Hadders, Hans Kruijt und das Kollektiv „Wild Plakken“ wurden aufgefordert, die Arbeiten von Oxenaar fortzuführen. Drupsteen wurde schließlich mit einer neuen Banknoten-Serie beauftragt. Aus seinem Atelier entstanden die letzen Gulden-Banknoten der Jahre 1987 bis 1997. Er bewarb sich 1996 auch um den Auftrag zur Gestaltung der Euro-Banknoten – jedoch ohne Erfolg.


Abb. 12: 10 Gulden 1. Juli 1997, Vs., letzte Banknote der letzten Serie der Niederländischen Bank vor Einführung des Euros (mit einer Hommage an M. C. Escher?).


Schließlich Eschers eigene Sicht auf seine Arbeiten: in einem Interview vom April 1968 sagte er über seine Kunstwerke: „Ich finde, was ich selbst mache, ist das Schönste und auch das Hässlichste“ und „Meine Arbeit hat nichts mit Menschen und nichts mit Psychologie zu tun“.

In Eschers Atelier in Baarn waren seine Arbeiten nirgendwo ausgestellt, nicht einmal im Wohn- und Esszimmer. Escher konnte sie in seiner Nähe nicht ertragen. Auf einem Schrank lagen nur Kugeln, Würfel, Prismen aus Papier, Holz und Glas.


M. C. Escher malte stets mit der linken Hand, schrieb aber immer mit der rechten. Er starb am 27. März 1972 an Krebs in Hilversum.


Seit dem 18. Februar 2023 und noch bis zum 10. September 2023 zeigt das Kunstmuseum Den Haag die Ausstellung “Other World” anlässlich des 125. Geburtstags von M. C. Escher. Seine berühmten Drucke, die sich mit optischen Täuschungen, unmöglicher Architektur, Reflexion und Natur beschäftigen, werden mit spektakulären Installationen des belgischen Architekten und Künstlers Gijs Van Vaerenbergh kombiniert.


Eschers Werke enthalten bekanntermaßen seltsame, mutierende Kreaturen, Muster und Landschaften; seine Skizzen, Holzschnitte und Lithographien von mathematisch inspirierten Objekten und Formen schufen Polyeder, Mosaike und unmögliche Formen.


Zurück zur Ausgangsfrage: auf befriedigende Antworten wird man noch längere Zeit warten müssen – solange die KI bzw. AI nicht recherchieren und Archive nicht nutzen kann und Urheberrechte auf Veröffentlichungen weiterhin blockiert bleiben. Heute und morgen ist die Künstliche Intelligenz noch nicht wirklich hilfreich für Beiträge zu Geldscheinen [Anm. der Redaktion: ebenfalls zu anderen Fachthemen] und auch nicht wünschenswert; ebenso im Allgemeinen (Goethes „Zauberlehrling lässt grüßen).


Michael H. Schöne


Quellen:

Ernst, Bruno: „Der Zauberspiegel von M. C. Escher“, 1994


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