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- Deutsches Notgeld in Nordwestböhmen 1945
Aus dem ehemaligen Reichsgau Sudetenland sind mindestens drei Orte mit Notgeldausgaben vom April 1945 belegt: aus dem Reichsverteidigungsbezirk Sudetenland (gemeinsam mit dem RVB Niederschlesien vorgesehen), aus dem Landkreis Bischofteinitz und aus der Kleinstadt Postelberg. Landkreise im Reichsgau Sudetenland (ohne den östlichen Regierungsbezirk Troppau); die Ziffern 1–3 entsprechen den Standorten der Druckereien. (Regierungsbezirk Eger: dunkelbraun; Regierungsbezirk Aussig: hellbraun) Geschichtlicher Hintergrund: Die Auflösung der k. k. Monarchie Österreich-Ungarn im Herbst 1918 und die Entstehung neuer Nachfolgestaaten brachte als Ergebnis der Pariser Verträge gegen den Willen Deutsch-Österreichs und der Mehrheit der deutschen Bevölkerung in Böhmen auch die Gründung der Tschechoslowakischen Republik (ČSR), in der neben den Tschechen, Slowaken und Deutschen auch noch andere Volksgruppen (Ungarn, Ukrainer und Polen) lebten. Böhmen und Mähren hatte bis dahin stets zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bzw. zum Deutschen Bund und zur Herrschaft der Habsburger gehört. Seit dem Mittelalter bewohnten Deutsche vorwiegend die Randregionen jenseits des Bayerischen Waldes, des Erzgebirges und des Riesen-/Isergebirges = die Sudeten. So bezeichnete man die Deutschen in Böhmen ab 1902 verstärkt als Sudetendeutsche. In den frühen Jahren der ČSR gab es politische Bestrebungen, die Deutschen, die nach Tschechen und Slowaken mit über 3 Millionen Einwohnern immerhin rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachten, aus dem neuen Vielvölkerstaat zu vertreiben. Üble Aussprüche von Tomáš Masaryk und Edvard Beneš sind bekannt – kaum zu vergleichen ist das jedoch mit den Aussagen von Hitler, seiner geplanten Zerschlagung des Nachbarlands und der folgenden Politik der Nazis ab 1938. Ganz ungenannt sollte man die Ziele der frühen tschechoslowakischen Politik aber nicht lassen, wenn man eine objektive Geschichtsbetrachtung nicht verhindern will. Beneš hatte bereits 1916 die Zerschlagung der Österreichisch-ungarischen Monarchie gefordert und war ein vehementer Gegner einer eigenen slowakischen Nationalität. Masaryk sprach schon vor den Pariser Verträgen von 1919 ganz offen von der "Entgermanisierung" des Landes und bezeichnete die Deutschen als "Landesfremde", während das Gebiet bereits von tschechischem Militär besetzt war. Auch wurde Deutsch entgegen ursprünglicher Zusagen nicht als zusätzliche Amtssprache in dem neuen Staat eingeführt und Deutsche wurden überall im Land aus führenden Positionen gedrängt. Im Münchner Abkommen vom 29. September 1938 wurde das sog. Sudetenland gegen den Willen der Tschechen und Slowaken dem Deutschen Reich zugesprochen. Vom 1. bis zum 10. Oktober 1938 besetzten etwa eine halbe Million Wehrmachtsangehörige hauptsächlich von Deutschen bewohntes tschechisches Gebiet, das sofort unter deutsche Verwaltung gestellt wurde. Eine internationaler Ausschuss legte die Zugehörigkeit von Ortschaften und damit die neue Grenzziehung fest. Nachfolgend einige Fotos eines direkt beteiligten Wehrmachtsangehörigen zur Besetzung des Sudetenlands Anfang Oktober 1938 in der Region Petersdorf bis Dauba Abb. : Fotos der Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München. Hitler trifft vor Beginn der Besetzung des Sudetenlands in der Nähe der deutsch-tschechoslowakischen Grenze in Sachsen ein. Grenzübergang zwischen dem Deutschen Reich und der Tschechoslowakei (Sachsen und Böhmen) nach Petersdorf (Petrovice). Übergabe der Grenzbefestigungsanlagen an die Wehrmacht durch tschechoslowakische Offiziere. Überall entlang der Grenze hatte die Tschechoslowakei starke Grenzbefestigungen mit Bunkeranlagen errichten lassen, sogar bis auf die Höhen des Riesengebirges nahe der Elbequelle. Empfang der deutschen Truppen in der sudentendeutschen Stadt Dauba. Der Reichsgau Sudetenland wurde zum 15. April 1939 durch Gesetz gegründet, das am 1. Mai 1939 in Kraft trat. Die Reichsmark galt jedoch sofort nach dem Einmarsch mit der „Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung in den sudetendeutschen Gebieten“ ab 11. Oktober 1938. Hitler spricht auf einer Kundgebung zum Anschluss des Sudetenlands am 3. Oktober 1938 in Eger. Hinter ihm auf der Tribüne u. a. Konrad Henlein und sein Stellvertreter Dr. Frank (ohne Kopfbedeckung) sowie Heinrich Himmler. In Bad Elster (Sachsen) entwickeltes Erinnerungsfoto eines Teilnehmers. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Die reichsdeutsche Währung war auch noch nach der deutschen Kapitulation bis zum 10. Mai 1945 umlauffähig – mancherorts sogar bis zum 2. Juni 1945. Der Umtausch von Reichs- und Rentenmark in Tschechoslowakische Kronen (im Verhältnis 1:1) wurde per Gesetz bis zum 31. Juli 1945 verlängert und erst am 27. Oktober 1945 abgeschlossen. Durch die Frontlage im März/April 1945 war auch im Sudetenland eine Versorgung der Banken, Verwaltungen, Industrie und aller Menschen mit nötigem Reichsgeld nur noch bedingt gewährleistet. Ähnlich wie in den sächsischen Nachbargebieten hatte man sich um die Ausgabe von regionalem Notgeld bemüht, aber nur drei Ausgabestellen sind nach nunmehr 78 Jahren belegt. Möglicherweise hatten auch andere Landkreise und größere Städte am Ende des Krieges Notgeldausgaben geplant. Es wäre keine große Überraschung, wenn von böhmischen Städten Informationen über geplantes oder schon gedrucktes Notgeld bekannt würden: Aussig, Brüx, Teplitz, Komotau, Karlsbad, Tetschen, Gablonz/Neiße, Böhmisch Leipa, Eger, Leitmeritz oder Asch – nach Zahl der Einwohner. Erst 1994 bspw. wurden Notgeldausgaben für das sächsische Klingenthal und 2021 für die sächsische Großstadt Chemnitz bekannt. Die Reichsgaue Sudetenland und Niederschlesien mit ihren Nachbargebieten. Die interessanteste Ausgabe aus dem Sudetenland ist der 20-Reichsmark-Kassenschein vom 28. April 1945. „Die deutsche Reichsbank“ war mit der Ausgabe dieses umstrittenen Notgelds betraut; das sollte „auf Grund der Anordnung der Reichsverteidigungskommissare der Reichsverteidigungsbezirke Sudetenland und Niederschlesien“ als gesetzliches Zahlungsmittel ausgegeben und in Zahlung genommen werden. 20 Reichsmark vom 28. April 1945, Vs. und Rs., 150 × 80 mm, Wz. diagonales Gitter; Kassenschein für die Reichsverteidigungsbezirke Sudetenland und Niederschlesien; mindestens ein Dutzend Probedrucke mit unterschiedlich farbigen Unter- und Hauptdrucken, jeweils mit SBst. AA und fehlender Kontrollnummer sind bekannt. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. 20 Reichsmark vom 28. April 1945, Rs. mit tschechischem Überdruck anlässlich der 3. Tagung der Papiergeldsammler 1973, Prager Gruppe der Tschechischen Numismatischen Gesellschaft (ČNS). Der Hauptort in Niederschlesien war Breslau; dort residierte seit 1941 der Gauleiter Karl Hanke auch als Reichsverteidigungskommissar bis Anfang Mai 1945. Hanke floh am 6. Mai 1945 vor der Roten Armee aus dem sog. Breslauer Kessel, wurde jedoch von tschechischen Partisanen festgenommen und starb angeblich bei einem erneuten Fluchtversuch; man fand ihn erschlagen im Straßengraben in Nordböhmen. Die Stadt Reichenberg war der Hauptort im Sudetenland; Konrad Henlein wurde im Oktober 1938 zum Gauleiter und im November 1942 zum Reichsverteidigungskommissar ernannt. Henlein setzte sich am 7. Mai 1945 ab, geriet aber in US-amerikanische Gefangenschaft und beging in der Nacht vom 9. auf 10. Mai 1945 in Pilsen (Plzeň) Selbstmord. Inwieweit beide Nazi-Größen tatsächlich für diese Ausgabe federführend waren, kann nicht mehr eindeutig bestimmt werden. Es ist ungeklärt, ob sich die beiden Gauleiter überhaupt über die Ausgabe von Notgeld verständigt hatten. Wer letztlich die Ausgabe in Auftrag gab, ist weiterhin unklar. Vielleicht war es Hermann Neuburg, Stellvertreter Henleins ab Herbst 1943 bis Mai 1945 – in Dokumenten steht hinter seinem Namen m. d. W. d. G. b. (= mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt). Oder lag die Verantwortung bei Dr. Friedrich G. E. Vogeler, der die Übergabe der Stadt Reichenberg an den Tschechoslowakischen Nationalrat unterzeichnete? Vogeler war als Regierungspräsident im Sudetenland befugt, Gesetze und Verordnungen auszufertigen und zu verkünden. Dokument zur Übergabe der gesamten Verwaltung an den ČNV vom 8. Mai 1945 (Entgegennahme durch Josef Čapek). So wurden am 8. Mai 1945 alle Dienststellen in Reichenberg aufgelöst. Zwei Tage zuvor erschien in der Sonntagsausgabe der Gauzeitung »Die Zeit« unter der Überschrift "Ausgabe von Kassenscheinen" folgende Mitteilung: »Die Reichsverteidigungskommissare der Reichsverteidigungsbezirke Sudetenland und Niederschlesien haben am 28. April 1945 beschlossen, Kassenscheine zu 10 und 20 RM auszugeben, um den durch Transportschwierigkeiten entstandenen momentanen Zahlungsmittelmangel zu beheben. Mit der Ausgabe wurde die Deutsche Reichsbank beauftragt. Die Kassenscheine zu 20 RM werden in den nächsten Tagen bereits zur Ausgabe gelangen und sind auf Wasserzeichenpapier gedruckt. Die Ausstattung ist derart, daß der rote Farbton von Vorder- und Rückseite etwas verschieden ist. ...«. Die Druckmenge von 6.894.820 RM (= 344.741 Stück) wurde erstmals von Julius Sém1) genannt und er bemerkte, dass ein Großteil der Scheine beschlagnahmt und danach perforiert und später für Sammlerscheine überdruckt wurde. Anhand des Druckvermerks auf der Rückseite gilt Reichenberg als Ausgabestelle: Gebrüder Stiepel KG. Es wurden folgende Serien gedruckt: AA...AZ, außer Serien AI und AQ; die Nummerierung ging in der Regel von 000001 bis 040000. Wenn alle Serien in dieser Höhe voll ausgedruckt wurden, müsste die Gesamtauflage 960.000 Stück betragen haben. Wir wissen also nicht, ob die erstmals bei Sém genannte Auflage von 344.741 Stück möglicherweise nur die tatsächlich an die Reichsbank-Filiale ausgelieferte Menge ausweist. Im deutschen Banknotenforum sind alle bisher erfassten Kontrollnummern (KN) der Serien AA...AH, AJ...AP sowie AR...AZ aufgelistet; die niedrigste KN ist 000080, die höchste 039201.2) Unter Fachleuten herrscht große Unklarheit über eine tatsächliche Ausgabe der 20-Reichsmark-Kassenscheine. Es sind keine amtlichen Quellen zu Ausgabe- oder Einlösedatum der Scheine bekannt – weder deutsche noch tschechoslowakische Zeitzeugen berichteten, dass am 7. Mai 1945 in den Reichenberger Ämtern die Gehälter für drei Monate im voraus ausgezahlt wurden; ein durch Reichenberg geflüchteter Wehrmachtssoldat zeigte kurz nach Kriegsende einen nicht mehr bankfrischen Schein mit Gebrauchsspuren; glaubhaft versicherte außerdem ein in Nordböhmen in Gefangenschaft geratener Landser, dass er seinen letzten Wehrsold in Reichenberger Kassenscheinen erhalten habe; andere Zeitgenossen berichteten, dass nach der Besetzung die Kassenscheine bündelweise in den Straßen von Reichenberg lagen. Es lässt sich schließlich nicht klären, ob und wie viele dieser Scheine tatsächlich ausgegeben wurden. Feldmarschall Schörner soll laut Aussagen ehemaliger USA-Geheimdienst-Offiziere bei seiner Festnahme am 15. Mai 1945 in Österreich eine große Menge Reichenberger Kassenscheine mitgeführt haben. In einem Bericht der US-Amerikaner wurden im Raum Magdeburg neben Notgeldausgaben von Klagenfurt, Egeln und Dresden auch Reichenberger Scheine erwähnt. Noch im August 1945 rätselten US-Amerikaner und Briten über die Kassenscheine und vermuteten, dass es sich um tschechische Drucke handeln könnte.3) O. E. Schulze wusste angeblich auch von Gemeindestempeln auf Reichenberger Scheinen. Kassenscheine zu 10 Reichsmark wurden bildlich nie belegt. In der Vergangenheit wurden jedoch neben Scheinen mit Druckzufälligkeiten, mit unterschiedlichen Nummeratoren, mit sowjetischen Feldpoststempeln und Fantasiestempeln auch Farbproben4) in verschiedenen Abstufungen bekannt. 20 Reichsmark vom 28. April 1945, Vs., Farbprobe in Blau, für 15.000,00 Tschechische Kronen ( = 612,24 Euro), 2015 bei der 58. Klim-Auktion versteigert. Im Gegensatz zu den recht wenigen Informationen über die Reichenberger Kassenscheine finden sich zu den Notgeldscheinen der Sparkasse der Stadt Postelberg im damaligen Landkreis Saaz überhaupt keine Angaben – außer den technischen Beschreibungen. Der Schein wurde von sudetendeutschen Vertriebenen nach Deutschland mitgebracht, aber erst 1998 bekannt und bei der Kurpfälzischen Münzhandlung Mannheim versteigert; das Unikat befand sich lange Zeit in der Sammlung von Jindřich Holna. 10 Reichsmark vom 25. April 1945, Stadt Postelberg, Regierungsbezirk Eger; 137 × 70 mm, einseitig-einfarbiger Druck; handschriftliche Nummerierung mit SBst. A und Sparkassenstempel. Die Ausgabe der Notgeldscheine wurde der Sparkasse übertragen; sie zeigen keine Unterschrift, waren aber nur mit der handschriftlichen Serienbezeichnung und Nummer sowie dem Stempel der Sparkasse umlauffähig. Es verwundert schon, dass im April 1945 das kleine Städtchen an der Einmündung der Komotau/Chomutovka in die Eger/Ohře mit damals 2.500 Einwohnern Notgeld in Umlauf gab – ausgegeben von der städtischen Sparkasse. Der Einzelschein mit Serienbuchstabe A lässt vermuten, dass es auch eine Ausgabe mit SBst. B oder gar SBst. C gegeben haben könnte (5 RM? 20 RM?). Man weiß es nicht. Ein Aufruf im „Heimatbrief Saazerland“5) brachte leider keine weiterführenden Kenntnisse; es meldeten sich keine Zeitzeugen; Anfragen an das Stadtarchiv Postoloprty (Postelberg) vom 5. Juni 1998 und an das Bezirksarchiv in Louny (Laun) blieben leider unbeantwortet. Was die Aktenlage zu den Notgeldausgaben in Nordwest-Böhmen anbelangt, so verhält es sich ähnlich auch bei den Gutscheinen für den Landkreis Bischofteinitz: es konnten keine amtlichen Daten ermittelt werden und es ist dem tschechischen Sammler Květoslav Domlátil zu verdanken, der in seinem Artikel6) erstmals auf Bischofteinitzer Ausgaben mit dem Fund eines 2-RM-Scheins aufmerksam machte. In seinen Beitrag „Eine unbekannte Notzweimark vom Jahre 1945 aus Horšovský Týn“ (= Bischofteinitz) schrieb er: „Vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 28. 4. 1945, gaben die Nazisten in Horšovský Týn Gutscheine heraus, um Problemen im Zahlungsverkehr nach dem Abtransport sämtlicher Banknoten und Wertzeichen vor der Ankunft der Befreiungstruppen aus dem Wege zu gehen. Das Zahlungsmittel im Werte von zwei Mark, war wahrscheinlich drei bis vier Tage, vom 30.4. bis zum 5.5.1945, als Horšovský Týn befreit wurde, im Umlauf. In einer größeren Anzahl von Exemplaren und in anderen Werten sind keine Gutscheine aus Horšovský Týn bekannt. Sofern sie auf unserem Territorium blieben, wurden sie nach der Befreiung vernichtet.« 50 Reichspfennig, 2 und 10 Reichsmark, alle mit dem selben Datum vom 28. April 1945, Gutscheine des Landkreises Bischofteinitz; 105 × 74 mm (= DIN A7), einseitig-einfarbiger Druck mit Faksimile-Unterschrift des Landrates „H. Schlögl“, kein Wasserzeichen, ohne Nummerierung. Wenn von drei bis vier Tage Umlaufzeit zu lesen ist, dann sind das vom 30. April bis 5. Mai 1945 immerhin sechs Tage und möglicherweise dauerte der Umlauf weitere Tage an, bis die US-Amerikaner die Scheine – stillschweigend oder durch Befehl – verboten oder einziehen ließen und evtl. vernichteten. Zwischen 6 und 7 Uhr abends des 6. Mai 1945 erreichte die 11. US-Panzer-Division Bischofteinitz und Landrat Dr. Heinrich Schlögl übergab zusammen mit Bürgermeister Eduard Hönl kampflos die Stadt. Sie wurden vorerst im Amt belassen, damit sie für Ruhe und Ordnung sorgen konnten. In den folgenden Jahren wurden weitere Wertstufen der Bischofteinitzer Serie gemeldet: 50 Reichspfennig (1992) und 10 Reichsmark (1996). Vom 50-Rpf.- und vom 2-RM-Schein sind jeweils nur ein Exemplar bekannt – vom 10er nur wenige Stücke. Sie wurden von der Volksbank Bischofteinitz in Umlauf gebracht. Das Staatliche Bezirksarchiv Domažlice (Taus) mit Sitz in Horsovský Týn antwortete auf eine Anfrage7) „Hinsichtlich Ihrer Anfrage nach den Bischofteinitzer Notgeldscheinen müssen wir Sie leider enttäuschen. Auf diese Scheine oder auf diesbezügliche Aufzeichnungen sind wir in unserem Archiv noch nicht getroffen ...“. Es ist kein Wunder, dass es nach der Befreiung der Tschechoslowakei durch die Rote Armee und die US-Armee im Verbund mit tschechischen Garden zu Übergriffen vor allem tschechischer Militärs auf Deutsche kam und sog. „wilde Vertreibungen“ nicht die Ausnahme waren. Ein verständlicher und berechtigter Hass auf alles Deutsche und der Wunsch nach Vergeltung waren an der Tagesordnung. Im Juli 1945 hatte die Tschechoslowakei 14,882 Mio. Einwohner, von denen etwa 4 Mio. Deutsche zwangsausgesiedelt wurden. In der Dreimächtekonferenz von Berlin (d. i. die Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis zum 2. August 1945) war vereinbart worden, Angehörige der deutschen Minderheit „in ordnungsgemäßer und humaner Weise“ nach den vier Besatzungszonen in Deutschland zu überführen. Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der samtenen Revolution in der Tschechoslowakei im Herbst 1989 veränderten sich die Sichtweisen beider Länder aufeinander zum Guten. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis sich ein besseres Verständnis für die Befindlichkeiten zwischen den deutschen und tschechischen Nachbarn festigte. Warum scheinbar keine Dokumente für die Planung, den Druck oder die Ausgabe von Notgeld in den drei heutigen böhmischen Städten vorhandenen sind, liegt an den nicht mehr auffindbaren oder vernichteten Akten in den jeweiligen Orten. Wenn man Gründe dafür benennen will, sollte man die Literatur zu den Ereignissen in den ehemals deutsch-besiedelten Gebieten Nordwest-Böhmens bemühen; bspw. belegt in der Veröffentlichung des tschechischen Autors Jiří Padevět.8) Nochmalige Anfragen vom Februar 2023 blieben wieder unbeantwortet; weiterer Forschungsbedarf ist hier nötig. Michael H. Schöne Anmerkungen 1) Sém, Julius: „Papírové Peníze na území Československa 1762–1967“, Liberec 1967 2) https://banknotesworld.com, Beiträge „Ro. 186 – 20 Reichsmark 1945 Reichsverteidigungsbezirke“ ab 1.12.2009 ff. 3) Major M. Roar (Finance Division, British Element) in einem Brief vom 10. August 1945 an Major H. S. Gans (Finance Branch, USFET) 4) Moravec, Jaroslav: „Vzorové nátisky tzv. libereckých poukázek po 20 Reichsmark s datem 28. 4. 1945“ („Musterdrucke der sog. Reichenberg-Scheine zu 20 Reichsmark mit dem Datum 28.4.1945“), Merkur Revue, Nr. 1, S. 19–22, Brno 2001 5) „Heimatbrief Saazerland“ Organ der Heimatvertriebenen aus den Bezirken Saaz, Postelberg und Podersam, Jechnitz, Nr. 902/903, Juni/Juli, Forchheim 2014 6) Domlátil; Květoslav (Domažlice): „Neznámá nouzová dvoumarka z roku 1945 z Horšovského Týna“, in „Numismatické listy“ Nr. 2, S. 49/50, Praha 1989 (Übersetzung von B. Silná) 7) Antwort vom Státní okresní archiv Domažlice, 15. Juni 1998 8) Padevět, Jiří / Heumos, Jana (Übersetzung): „Krvavé léto 1945“, Praha 2016 (deutsch: „Blutiger Sommer 1945: Nachkriegsgewalt in den böhmischen Ländern“, Leipzig 2020)
- Aufruf zur Unterstützung der Geldschein-Forschung
In der Zeit der deutschen Inflation arbeiteten immer mehr private Druckereien für die Reichsbank, da die Reichsdruckerei und die Papierfabriken überlastet waren und die Produktion von Banknoten nicht mehr mit der voranschreitenden Inflation Schritt halten konnte. Unmittelbar arbeiteten 85 Druckereien mit 1060 Druckmaschinen für die Reichsbank und mittelbar 48 Druckereien mit 723 Druckmaschinen für die Reichsdruckerei, insgesamt also 133 private Druckereien. Darüber hinaus stellten 30 Papierfabriken 17,3 Millionen kg Papier her, das einer Ladung von 1700 Eisenbahnwaggons entsprach und 29 galvanoplastische Anstalten lieferten 400.000 Druckplatten für Banknoten. Das führte zu einer Vielzahl von verschiedenen Ausführungen von Reichsbanknoten, sowohl ausgehend vom verwendeten Papier als auch von unterschiedlichen Firmenzeichen, Nummerierungen, Plungern und vielem mehr. Der schlicht gestaltete 1000-Mark-Schein vom 15. September 1922 wurde von vielen Druckereien hergestellt, von denen jede ein eigenes Firmenzeichen erhalten hatte, das auf den von ihr gedruckten Scheinen zu finden ist. Von ihm sollen über 5000 verschiedene Varianten existieren, bezieht man alle Unterschiede mit ein, die vorkommen können, also neben den bereits genannten auch die Farbe und Größe der Kontrollnummer sowie die verwendeten Bogenzeichen. Er ist damit beispiellos in der Papiergeldgeschichte Deutschlands und der gesamten Welt. Wir möchten uns langfristig der Erforschung und Dokumentation möglichst vieler dieser Varianten widmen. Hierzu ist eine entsprechende Veröffentlichung mit Abbildungen hier im Geldschein-Blog vorgesehen, die ständig ergänzt werden kann. Dazu benötigen wir Ihre Unterstützung! Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns Dubletten (Erhaltung egal!) für Forschungszwecke überlassen würden. Der Schein wurde in großen Mengen gedruckt und ist heute noch sog. Massenware. Wenn Sie also solche Tausender übrig haben und unser Anliegen unterstützen möchten, dann helfen Sie mit einer Schenkung auch der Forschung! Hier sind natürlich auch Händler angesprochen, die solche Scheine entbehren können. Alle Unterstützer werden unabhängig vom Umfang ihres Beitrags im Rahmen der Publikation der Ergebnisse genannt. Auch jede andere Geldschein-Spende ist stets willkommen, da wir auch im Rahmen der Nachwuchsförderung Verwendung dafür haben … Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung! Zusendungen bitte an: Battenberg Gietl Verlag GmbH Redaktion "Der Geldscheinsammler" & "Geldscheine-Online" Pfälzer Straße 11 93128 Regenstauf Bisherige Unterstützer: Erwin Dietrich AG, José Truyol, Zürich, Schweiz Horst Ziesenhenne Günter Gränitz Rudolph Werner
- Neuer beeindruckender Katalog zum Papiergeld Luxemburgs ist erschienen
Guy Rosseljong | Romain Thielen: Le Papier-Monnaie Luxembourgeois Catalog illustré 1856–2023 & Evaluations 1856–2023 Katalog: 520 Seiten, Format 14,8 cm x 21 cm, komplett in Farbe, zahlreiche Abb., Broschur, 2023 Bewertungsliste: 30 Seiten, Format 14,8 cm x 21 cm, komplett in Farbe, Klammerheftung ISBN: 978-99959-0-827-0 Preis: 50,00 Euro Der neue Luxemburg-Katalog beeindruckt nicht nur durch seinen Umfang, den man bei der eigentlich überschaubaren Papiergeldgeschichte unseres "kleinen" Nachbarn nicht erwarten würde, sondern auch durch seinen Inhalt. Bei deutscher Bürokratie kaum möglich, erfahren wir gleich zu Beginn, dass der Katalog mit Unterstützung des nationalen luxemburgischen Kulturfonds entstand ist und neben den Autoren keine Geringeren als der luxemburgische Minister der Finanzen und der Erste Ehrenrat der luxemburgischen Zentralbank je ein Vorwort beigesteuert haben. Dann folgt der Katalogteil, beginnend mit den Noten der Internationalen Bank von Luxemburg aus den Jahren 1856 bis 1981. Jeder Schein ist nicht nur sehr ausführlich beschrieben, es gibt auch Angaben zu den Druckereien, Auflagehöhen, Umlaufzeiten, Unterschriften und vielem mehr. Was aber besonders beeindruckt ist die Vielzahl der Abbildungen von Entwürfen, Druckproben und Musterscheinen. Da kann man auf den ersten Blick fast schon den Überblick verlieren, was nun tatsächlich ausgegebene Scheine und was "nur" Vorstufen dazu sind. Dennoch, noch nie wurde die gesamte Papiergeldgeschichte Luxemburgs wohl so aufwendig dokumentiert. Es folgen Ausgaben der Großherzoglich luxemburgischen Bank 1873 bis 1876, des Luxemburgischen Staats 1914 bis 1980, des Institut Monétaire Luxembourgeois 1985 bis 1996, Notausgaben 1918 bis 1919, Ausgaben unter deutscher Besatzung 1940 bis 1944 und zum Abschluss Regionalgeld des Kantons Redingen von 2013 bis 2023. Die Bewertungen findet man in einer gesonderten Beilage in bis zu vier Erhaltungsgraden in Euro, wobei es Bewertungen für jede Serie der ausgegeben Geldscheine gibt. Da auch bei deutschen Sammlern Interesse an luxemburgischen Papiergeld vorhanden ist, kann der neue Katalog nur wärmstens empfohlen werden. Leider ist er durchgängig ausschließlich in französischer Sprache verfasst. Das sollte aber dennoch keine unüberwindliche Hürde darstellen, um damit luxemburgisches Papiergeld korrekt zu bestimmen und zu bewerten. Bezug über: Interessenten wenden sich bitte direkt an E-Mail: info@luxcoins.lu oder Telefon: +352 621 185 786. Hans-Ludwig Grabowski
- Geldscheinporträts: Albrecht Daniel Thaer – Vordenker der modernen Landwirtschaft
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen: Albrecht Daniel Thaer auf einem 10-Reichsmark-Schein von 1929. Abbildung 1: Albrecht Thaer, aus dem Buch "Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen", Leipzig 1854, herausgegeben von Ludwig Bechstein. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d3/Albrecht_thaer.jpg Die moderne Landwirtschaft ist hochkomplex und mit immer weniger Arbeitskraft lassen sich immer größere Erträge erzielen. Alle Vorgänge werden bis ins kleinste Detail durchgeplant: Der Zeitpunkt der Aussaat, die Saatmenge pro Quadratmeter, die Fruchtfolge, die Düngung und die Ernte – Nichts wird dem Zufall überlassen. Der Zweck dieses enormen Effizienzgewinnes ist die Profitmaximierung, der sich jeder landwirtschaftliche Betrieb, der wettbewerbsfähig bleiben will, anzupassen hat. Beide Betrachtungsweisen nahmen in Deutschland ihre Anfänge bereits im 18. Jahrhundert. Ein zentraler Vordenker ist Albrecht Daniel Thaer (1752–1828). Er begründete die „rationelle Landwirtschaft“ als moderne Landwirtschaftslehre, die betriebswirtschaftlich agierende Betriebe mit Anbaumethoden, die auf empirischen Erkenntnissen beruhen, beinhaltete. Thaer wurde 1752 in Celle geboren und studierte in Göttingen Medizin, um wie sein Vater Arzt zu werden. Den Beruf des Arztes übte er, unter anderem in der Praxis seines Vaters, einige Jahre lang aus und wurde durch sein Behandlungstalent zum Hofarzt und Stadtphysikus am kurfürstlich hannoverschen Hof ernannt. Obwohl ihm eine große Karriere als Mediziner bevorstand und er im Gebiet der Neuropathologie seiner Zeit voraus war, wandte er sich allmählich der Landwirtschaft zu und stellte seine ärztlichen Tätigkeiten ab 1796 weitestgehend ein. Bereits 1780 war er in die Celler Landwirtschaftsgesellschaft berufen worden. Er kaufte Grundstücke in der Nähe seines Landsitzes bei Celle, pflegte Gartenkulturen und begann die Landwirtschaft „zuerst als Handwerk, dann als Kunst und Wissenschaft zu betreiben“. Ohne in England gewesen zu sein, veröffentlichte er zwischen 1798 und 1804 das mehrbändige Werk "Einleitung zur Kenntniß der englischen Landwirtschaft". Thaer war der erste deutsche Agrarreformer, der die technischen und strukturellen Veränderungen englischer Landwirtschaft vorbehaltlos rezipierte und damit die folgende Neuorientierung in der deutschen Landwirtschaft maßgeblich in die Wege leitete. Er legte seinen Schwerpunkt nicht nur auf die Innovationen bei Methoden und Maschinen der englischen Landwirtschaft, sondern auch auf deren ökonomischen Nutzen. Beeinflusst durch die Werke von Arthur Young, Adam Smith und Freihandelstheoretikern wie Christian Jakob Kraus und Leopold Krug sah er in der englischen Wirtschaftsweise viele Vorteile und stellte den Grundsatz auf, dass „nicht die möglich höchste Produktion, sondern der höchste reine Gewinn, nach Abzug der Kosten, der Zweck des Landwirts ist”. 1802 gründete Thaer in Celle ein Hochschulseminar und die erste akademische agrarwissenschaftliche Bildungs- und Forschungsanstalt. Er erzielte dort unter anderem mit der Fruchtwechselwirtschaft große Ertragssteigerungen. Zwei Jahre später erreichte ihn ein Ruf nach Preußen. Der spätere Staatskanzler Carl August von Hardenberg warb ihn für den preußischen Staatsdienst an und bot ihm eine Gelegenheit, seine landwirtschaftlichen Studien in größerem Umfang weiterzuführen. Thaer siedelte nach Berlin über und erwarb das Gut Möglin als Ort seines Lehrinstituts, das er nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem Mustergut ausbaute. An der Seite von Alexander von Humboldt war er Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin und verschaffte der neu entstehenden Disziplin der Agrarwissenschaften wichtige Aufmerksamkeit. 1809 wurde Thaer zum preußischen Staatsrat ernannt. In dieser Stellung hatte er bedeutenden Einfluss auf die preußischen Agrarreformen. Inspiriert von den Entwicklungen in England und den Ideen der bürgerlichen englischen Nationalökonomie sah Albrecht Daniel Thaer große volkswirtschaftliche Vorteile im Ende der feudalen Verhältnisse und in Privateigentum an Grund und Boden. „Durch Aufhebung aller Frohnden würde der Staat eine grosse Masse von Kräften gewinnen können, die dann, erweckt und thätig benutzt, eine höhere Production nothwendig hervorbringen müsste." Mit dieser Aussage sollte der Agrarreformer recht behalten. Die Modernisierung der Landwirtschaft und deren Anpassung an die neuen Produktionsverhältnisse durch die preußischen Agrarreformen, die Anfang des 19. Jahrhunderts beschlossen wurden, befreiten zwar einerseits die Bauern aus der Leibeigenschaft, ließen sie jedoch oftmals ohne Eigentum zurück und machten sie zu besitzlosen Landarbeitern. Abb. 2/3: DEU-183c, 10 Reichsmark der Deutschen Reichsbank mit Datum vom 22. Januar 1929, Kriegsdruck mit Wasserzeichen Tulpen, ohne Prägestempel, ausgegeben ab Januar 1945. Vorderseite: rechts Porträt von Albrecht Daniel Thaer (1752–1828), unten Siegel der Reichsbank. Rückseite: links und rechts je eine Putte mit Attributen der Landwirtschaft, in der Mitte weibliche Figur mit Getreideähre und Sense im Medaillon als Personifikation der Landwirtschaft. 1810 wurde Thaer zum außerordentlichen Professor für Kameralwissenschaften (Volks- und Staatswirtschaftslehre) an der neu gegründeten Berliner Universität berufen. Mit zunehmendem Alter widmete er sich wieder vermehrt seinem Landgut, wo er eine erfolgreiche Merino-Schäferei etablieren konnte. Monatlich gab er die Zeitschrift "Annalen des Ackerbaus" heraus. 1828 starb Albrecht Daniel Thaer in Möglin. Elias Heindl Literatur/Quellen Rath, G. (1958). Albrecht Thaer als Neuralpathologe. Sudhoffs Archiv Für Geschichte Der Medizin Und Der Naturwissenschaften, 42(1), 65–70. http://www.jstor.org/stable/20774482 Gudermann, R. (1998). Thaer, Albrecht Daniel. in Killy, W. Vierhaus, R. (Hrsg.) Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), Band 9. Schmidt – Theyer, Saur Verlag, München, 1998, S. 686–687 Vielberg, A (2009). Albrecht Daniel THAER. in ECOCHRON – WebSuite zur Geschichte der Wirtschaftstheorie. Hrsg: Dr. Stefan Kooths, http://www.ecochron.de/?pp_thaer1 (27.02.2023) Schmitt, G. (1989). Eine falsche Theorie der Landwirtschaft und ihre fatalen Konsequenzen. Agrarwirtschaft, Jahrgang 38, Heft 9, S. 261–262 www.lwl.org/aufbruch-in-die-moderne/LWL/Kultur/Aufbruch/themen_start/oekonomie/neue_denkweisen/grundherrschaft/rationelle_landwirtschaft/index2_html.html (27.02.2023) www.preussenchronik.de/person_jsp/key=person_albrecht+daniel_thaer.html (27.02.2023) www.preussenchronik.de/ereignis_jsp/key=chronologie_004710.html (27.02.2023) www.albrecht-daniel-thaer.org/seite/104678/volkswirtschaft.html (27.02.2023) Leisewitz, C. (1894). Thaer, Albrecht Daniel. in Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37, S. 636–641, de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Thaer,_Albrecht_Daniel&oldid=- (27.02.2023) Abbildungen Banknote: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
- Aus privaten Sammlungen: Gutschein der Kriegssammlung der Stadt Cöln von 1914
Objekttyp: Gutschein (Unterstützungsschein) Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: Mit tschingderassabum waren die Soldaten am 2. August 1914 in den Krieg gezogen. Spätestens Weihnachten sei man wieder zu Hause und der Krieg zu Ende, so die gängige Meinung in der Bevölkerung. Doch schon bald wich der ersten Kriegseuphorie die Angst um die im Felde stehenden Männer, Söhne und Brüder und der Sorge um das tägliche Brot. Bei Kriegsende leisteten 20 Prozent der deutschen Bevölkerung oder anders ausgedrückt 13 Millionen deutsche Männer Kriegsdienst. Beinahe alle Männer im wehrpflichtigen Alter, d. h. über 80 Prozent der erwachsenen Männer, wurden zum Militär eingezogen. Weil es sich ausschließlich um erwerbsfähige und zum größten Teil auch um erwerbstätige Personen handelte, hatte die Mobilisierung auch erhebliche finanzielle Folgen für die Familien. Gleich zu Kriegsbeginn traten massive Armutsprobleme auf, da nun bei vielen Familien das Arbeitseinkommen des/der Ernährer/s (Familienväter und/oder Söhne) fehlte. Nur Reichsbahn- und Postbeamtete erhielten nach dem Reichsmilitärgesetz ihr Gehalt weiterhin. Der Masse der Eingezogenen stand nur der karge Wehrsold zur Verfügung, um ihre Familien zu unterstützen. So erhielt beispielsweise der gemeine Soldat monatlich 15,90 M, ein Gefreiter 18,90 M und ein Unteroffizier 40,00 M. Zum Vergleich: Ein Tagelöhner verdiente täglich 3,20 M (= 83,20 M monatlich), ein Maurer täglich 4,00 M (= 104,00 M monatlich), ein Bergmann kam auf monatlich 125,12 M. Das Gros der „Kriegerfamilien“ war daher auf Hilfe angewiesen. Am 4. August 1914 beschloss der Reichstag ein Familien-Unterstützungsgesetz. Danach hatten Familien bei Bedürftigkeit einen Rechtsanspruch auf Kriegsfürsorgeleistungen. Die Unterstützung für Ehefrauen eingezogener Soldaten betrug in den Sommermonaten (Mai bis Oktober) monatlich 9,00 Mark und in den Wintermonaten (November bis April) monatlich 12,00 Mark, für jedes Kind unter 15 Jahren kamen 6,00 Mark hinzu. Wegen der einsetzenden Preissteigerungen erhöhten sich die Sätze ab Januar 1916 auf 15,00 Mark bzw. 7,50 Mark. Im weiteren Kriegsverlauf wurde die Unterscheidung zwischen Winter- und Sommermonaten aufgegeben. Neben der Kriegsfürsorge des Reiches traten häufig Leistungen der „Kriegswohlfahrtspflege“ kommunaler und privater Träger. So auch in Köln. „Am 4. November 1915 beschloss der Rat der Stadt, dass die seit dem 1. September 1915 angesammelten Spenden ‚einem besonderen Fonds für Cölner Kriegswitwen und -waisen zugeführt werden.‘ Ein weiter Spendentopf wurde mit der vom Rat der 1914 begründeten ‚Städtischen Kriegssammlung‘ geöffnet. Dafür wurden am 14. Dezember 1916 zu den bereits bewilligten fünf Millionen Mark noch zwei Millionen zusätzlich zur Verfügung gestellt. Damit konnten neben den Kriegswitwen und Waisen weitere 25000 Kölner Familien mit insgesamt 87000 Personen unterstützt werden.“ (Schäfke, S. 18). Zu diesem Zweck gab die Stadt Köln „Gutscheine der Kriegssammlung 1914“ über 50 Pfennig und 1 Mark aus. Mit ihnen konnte der Inhaber in beliebigen Geschäften der Stadtgemeinde Köln, Brot, Kartoffeln, Gemüse, Mehl, Grießmehl, Fleisch, Fett, Marmelade, Käse, Reis, Hülsenfrüchte, Grütze, Gerstengraupen oder Briketts zu den ortsüblichen Preisen kaufen. Die Geschäftsleute lösten die Gutscheine bei der Stadthauptkasse oder Steuerzahlstelle ein. Am rechten Rand der Scheine befindet sich das Ausgabedatum in Lochschrift. Land/Region/Ort: Deutschland, Preußen, Rheinprovinz, Köln (Cöln) Emittent: Stadt Köln (Cöln) Nominal: 50 Pfennig Datum: 22. Oktober 1917 Vorderseite: Text und Siegel der Stadt Köln (Cöln) Rückseite: Text mit Einlösungsbestimmungen Material: Dünnes rosa Papier Wasserzeichen: Ohne Druck: Unbekannt Format: 216 mm x 165 mm Nummerierung: 2 257576 Authentizität: Original (Blankette) Zitate: Werner Schäfke, Die Große Inflation 1914 bis 1924, Eine Kölner Geldgeschichte, Köln 2022, S. 18 f. Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Zum Geldwesen der von der Wehrmacht besetzten sowjetischen Gebiete, Teil 1
Die Tätigkeit der Reichskreditkassen in Russland Am 22. Juni 1941, auf den Tag genau 129 Jahre nach dem Einmarsch der Grande Armée Napoleons in Russland, überfiel die deutsche Wehrmacht mit rund 75 Prozent ihres Feldheeres ohne vorherige Kriegserklärung die Sowjetunion. Dieser Angriff war umfassend vorbereitet. Bereits „am 29. Juli 1940 gab General Jodl dem Wehrmachtsführungsstab den Entschluss des Führers bekannt, die ständige bolschewistische Drohung in diesem Krieg auszuschalten, da dieser Waffengang doch eines Tages unvermeidlich ... [sei].“[1] Mit Fragen der zukünftigen Währungsordnung beschäftigten sich gleich mehrere Gremien. Am 28. Mai 1941 traten in Berlin unter Vorsitz des Reichswirtschaftsministers und Präsidenten der Reichsbank Walther Funk Vertreter von Reichsbank, Finanz- und Wirtschaftsministerium sowie NSDAP zusammen. Man verständigte sich dahin gehend, in den baltischen Ländern schon bald die Reichsmark einzuführen. In der Ukraine und im Kaukasus dagegen sollte der Rubel beibehalten werden, jedenfalls bis zur Gründung einer ukrainischen bzw. kaukasischen Nationalbank. Bei dem großen Warenmangel und der geringen Kaufkraft der Arbeiter – Monatsverdienst umgerechnet nur ca. 20 bis 30 RM – schien es im Falle der Sowjetunion nicht ratsam, die Reichsmark in Form der Reichskreditkassenscheine auszugeben. Man befürchtete, dass die Bevölkerung die unausbleibliche Verschlechterung der Lebensbedingungen auf die Einführung der deutschen Währung zurückführen würde, zumal man die Reichsmark mit 10 Rubel rechnen wollte. Ferner befürchtete man, dass die russische Bevölkerung nicht in der Lage sei, die Reichskreditkassenscheine zu verstehen, da ihnen sicherlich die lateinischen Buchstaben fremd seien. Ebenso meinte man den Bedarf an Reichskreditkassenscheinen nicht abschätzen zu können. Die versammelten Herren rechneten aber damit, dass die sowjetischen Truppen bei ihrem Rückzug einen großen Teil der Geldbestände bei den Banken vernichten oder abtransportieren würden, bevor die Wehrmacht darauf Zugriff nehmen könnte. Vorrangig stellte sich die Aufgabe, genügend Rubelnoten für die eigene Truppe bereitzustellen. Dr. Max Winkler, Leiter der Treuhandstelle Ost, schlug vor, mit Hilfe der Rotationspresse in Deutschland Neudrucke der Rubelscheine anzufertigen. Dabei käme es auch nicht darauf an, dass das Papier genau dem russischen entspräche, man müsse eben der Bevölkerung beibringen, dass die Russen die Rubelscheine gestohlen hätten, und dass Deutschland in der Eile und Schnelligkeit für neue Scheine hätte sorgen müssen. Reichsbankdirektor Wilhelm verlangte jedoch, dass auf keinen Fall die Reichsbank bei dem Neudruck der Rubelscheine in Erscheinung treten dürfe, um sich nicht dem Vorwurf, dass sie Banknoten fälschen würde, auszusetzen.[2] Abb. 1: Historisches Foto einer Seite mit Musterdrucken der Reichsdruckerei in Berlin, Abt. I. Mustersammlung, mit als "Russische Banknoten" (Buchdruck!) bezeichneten Scheinen der Emissionsbank Kiew in Werten zu 1, 3, und 5 Rubel sowie 1, 3, 5 und 10 Tscherwonzen, hergestellt 1941 im Auftrag des Reichsfinanzministeriums. Der Plan des „einfachen“ Nachdrucks von Sowjetrubeln wurde deshalb wohl schon bald verworfen. Vielmehr beabsichtige man nun eine provisorische Emissionsbank in Kiew zu gründen, die Behelfs-Rubelnoten[3] im Wert von 10 Mrd. Rubel in Stücken zu 1 Rubel bis 10 Tscherwonez (= 100 Rubel) ausgeben sollte. Die Reichsdruckerei veranschlagte Druckkosten in Höhe von 12 Millionen RM. Es war beabsichtigt, die Noten durch die Reichskreditkassen an die Truppenteile abzugeben.[4] Nur wenige Tage später beschäftigte sich auch der Verwaltungsrat der Reichskreditkassen mit den gleichen Fragen.[5] Zunächst ging es darum, einen Wechselkurs für den Rubel festzulegen. Obwohl die letzte amtliche Notierung bei 47 RM für 100 Rubel lag, sprach man sich der Einfachheit halber ebenfalls für einen Wechselkurs von 10 Reichspfennig für den Rubel aus. Dabei merkte man an, dass die deutsche Botschaft in Moskau im Verkehr mit ihren Beamten den Rubel nur mit 8,5 Rpf. bewerten würde. Nach dem Willen der Sitzungsteilnehmer sollte die Reichskreditkassen-Organisation im okkupierten russischen Gebiet als Hilfsnotenbank tätig und die Reichsmark in Form der Reichskreditkassenscheine als Hilfswährung eingeführt werden. Die vorhandenen Banknotenreserven der Kasse schienen ausreichend. Mit den an die Reichsdruckerei erteilten Druckaufträgen in Höhe von 500 Millionen RM standen kurzfristig Reichskreditkassenscheine im Wert von 4 Mrd. RM zur Verfügung, von denen sich allerdings 500 Millionen RM im Umlauf befanden und weitere 0,7 Mrd. RM als Reserve für die besetzten west- und südosteuropäischen Staaten vorgesehen waren. Von den verbleibenden 2,8 Mrd. RM lagerten 1,5 Mrd. RM bei den 500 Reichsbankanstalten und 0,7 Mrd. RM waren für den geplanten sechswöchigen Feldzug im Osten disponiert. Wenn man im Westen den Umlauf der Kassenscheine einschränkte, ständen weitere 1 – 2 Mrd. RM für den Osten zur Verfügung. Dies entsprach nach dem vorgesehenen Kurs etwa 10 – 20 Mrd. Rubel. Um kein Risiko einzugehen, wurde der Druckauftrag um eine weitere Milliarde Reichsmark erhöht. Nach einem Aktenvermerk der Hauptverwaltung der Reichskreditkassen vom 19. Juni 1941 sollte die Reichsdruckerei beschleunigt insgesamt 295 Millionen Noten zu 1, 2, 5 und 20 RM liefern.[6] Nach Einmarsch der Wehrmacht wurden in den besetzten Gebieten sofort Reichskreditkassen errichtet: in Libau, Riga, Reval, Narwa, Dorpat, Pleskau, Schaulen, Kowno (Kauen), Wilna, Dünaburg, Grodno, Bialystok, Minsk, Smolensk, Lemberg, Shitomir, Kischinew (Kischinau), Winniza, Tschernowitz und Nikolajew; ferner waren Kassen in Brest-Litowsk, Gomel, Kriwoi Rog und Krementschug vorgesehen.[7] Die Reichskreditkassenscheine (RKKS) zu 0,50, 1, 2, 5, 20 und 50 Reichsmark sowie die deutschen Münzen zu 1, 2, 5 und 10 Reichspfennig und Rentenpfennig wurden neben dem Rubel zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt, dabei wurde die Reichsmark wie vorgesehen zu 10 Rubel gerechnet.[8] Allerdings wurde schon bald angeordnet, die Reichsmünzen aus Buntmetall einzuziehen und nur die in Zink zu verwenden.[9] Anfang 1942 wurden dann auch die entsprechenden russischen 1, 2, 3, 5, 10, 15 und 20-Kopeken-Münzen eingezogen.[10] Die ebenfalls gültigen russischen Silbermünzen waren schon vorher aus dem Zahlungsverkehr verschwunden. [Beschreibung und Abbildungen der Reichskreditkassenscheine finden sich im 2. Teil der Reihe – Die Notenbank im Ostland.] Beim Vormarsch fielen der Wehrmacht größere Bestände russischer Zahlungsmittel in die Hände, so meldete die Reichskreditkasse Kowno[11] am 4. Juli 1941 einen Kassenbestand von 6 Millionen Rubel und die Reichskreditkasse Wilna[12] am 6. Juli einen Bestand von 40 Millionen Rubel. Da genügend Rubelnoten erbeutet wurden, erging die Anweisung, sie bei Zahlungen bevorzugt wieder in den Verkehr zurückzugeben.[13] Dies stieß nicht immer auf Gegenliebe. Bei der 17. Armee, die im südlichen Frontabschnitt operierte, lehnte man die Verwendung der Rubelnoten ab, da in Gefangenschaft geratene deutsche Soldaten von den Russen kurzerhand erschossen würden, würde man sie im Besitz von Sowjetrubeln antreffen. Die Hauptverwaltung hielt daraufhin zunächst weitere Rubelsendungen an die Ostfront zurück.[14] Leider ist über den Ausgang der Angelegenheit nichts bekannt. Abb. 2: The German Administration in the East 1941 - 1944 Quelle: Karten zur Geschichte Russlands und zur Sowjetunion von Michael Palomino 2006 aus: Sovjet History Atlas; Martin Gilbert 1972 (17.02.2023) Benötigte Güter wurden bei fehlendem Bargeld von den Wehrmachtsdienststellen requiriert. Der „Verkäufer“ erhielt in diesem Fall eine Empfangsbescheinigung, die Auskunft über Art und Wert der gelieferten Güter gab. Diese Requirierungs-Bescheinigungen mussten innerhalb einer Frist von drei Monaten, beginnend mit dem Tag der Ausstellung, zur Einlösung bei der in einem (späteren) Aufruf genannten Stelle zur Zahlung vorgelegt werden. Im Reichskommissariat Ostland wurden beispielsweise die bis zum 31. August 1941 ausgegebenen Scheine bis zum 31. Oktober 1941 eingelöst.[15] Bei den Empfangsbescheinigungen handelt es sich um einfache, einseitige Drucke auf weißem Papier in der Größe von 135 mm x 210 mm. Der Text ist in deutscher und russischer Sprache angegeben. Jede Bescheinigung trägt eine siebenstellige Kontrollnummer und war von der ausgebenden Einheit entsprechend zu vervollständigen und zu unterschreiben; dabei musste unbedingt die Feldpostnummer der jeweiligen Einheit angegeben werden. Abb. 3.1: Empfangsbescheinigung (Muster). Abb- 3.2: Aufruf von Empfangsbescheinigungen. Abgesehen von den baltischen Gebieten spielte der Geldverkehr im täglichen Leben der Landbevölkerung nur eine geringe Rolle. „Man befürchtete eine Entwertung der neuen Besatzungsrubel (sic!) und zog Sachwerte dem Geld vor. Da Kaufkraft und Warenangebot außerordentlich niedrig waren, vollzog sich ein großer Teil der geschäftlichen Transaktionen in der Form von Tauschhandel.“[16] Deshalb überrascht es nicht, dass nur zwei Notgeldausgaben bekannt wurden. Die deutsche Ortskommandantur genehmigte im Herbst 1941 der Zementfabrik in Port Kunda (Estland) eine Notgeldausgabe, die jedoch später verboten wurde. Es gelangten Kreditscheine zu 1, 3, 5, 10 und 25 Rubel im Gesamtbetrag von 68.426 Rubel in den Umlauf.[17] Ferner gab es eine Notgeldausgabe in der Stadt Alexandrija in der Zentralukraine. Hierbei handelt es sich um vervielfältigte Scheine zu 5, 10, 15, 20 und 50 Kopeken.[18] Bereits am 17. Juli 1941 bestimmte Hitler in § 1 des Erlasses über die Verwaltung der neu besetzten Ostgebiete[19], dass nach Beendigung der Kampfhandlungen die Verwaltung von den militärischen auf zivile Dienststellen übergehen sollte. Das unter ziviler Verwaltung stehende Gebiet wurde in Reichskommissariate, diese in Generalbezirke und diese wiederum in Kreisgebiete eingeteilt. An der Spitze der Zivilverwaltung stand Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Alfred Rosenberg. Von dieser Regelung wurden zwei Gebiete ausgenommen. Der Bezirk Bialystok wurde bereits am 15. August 1941 als CdZ[20]-Gebiet dem Reich „angegliedert“. Chef der Zivilverwaltung wurde der Gauleiter von Ostpreußen, Erich Koch. Als gesetzliche Zahlungsmittel galten Rubel und Reichskreditkassenscheine.[21] Mit Verordnung vom 1. November 1941 kamen die innerdeutschen Zahlungsmittel hinzu, die durch Verordnung vom 15. Dezember 1941 am 1. Januar 1942 zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel wurden. Zum gleichen Zeitpunkt wurde die deutsche Devisengesetzgebung eingeführt. Rubel und Reichskreditkassenscheine konnten bis zum 15. Februar 1942 umgetauscht werden.[22] Die Reichskreditkassen in Bialystok, Grodno und Lomscha wurden durch die Reichsbank übernommen. Das ehemalige polnische Ostgalizien um Lemberg wurde am 1. August 1941 als Distrikt Galizien dem Generalgouvernement zugeschlagen. Nach der „Verordnung über die Einführung der Zlotywährung im Distrikt Galizien" vom 25.8.1941 galt dort vom 8. September 1941 an der Zloty als gesetzliches Zahlungsmittel. Die 1- und 2-Kopeken-Stücke blieben als 1 bzw. 2 Groschen gültig. Bis zum November 1941 tauschte die Bank Emisyjny w Polsce Rubel und Kopeken zum Kurs von 5 Rubel für 1 Zloty.[23] Nach Abschluss der Aktion überwies sie ohne Gegenleistung 344 Millionen Rubel an die Reichsbank. Insgesamt wurden auch 6 Millionen Zloty in Noten der Bank Polski für einen möglichen späteren Umtausch hinterlegt, doch scheint es hierzu nicht gekommen zu sein.[24] Bis zum Ausbruch des Deutsch-Sowjetischen Kriegs hatte die Staatsbank der UdSSR auf Grund interner Weisungen verschiedene Serien von Banknoten sowie Staatskassenscheine nach Rückfluss zur Bank zurückgehalten und nicht wieder in den Verkehr gegeben. Die Bevölkerung lehnte daher in vielen Fällen die Annahme dieser Scheine ab, da sie meinte, dass sie nicht mehr kursfähig seien.[25] Hierbei handelte es sich um die folgenden Ausgaben: [26] Banknoten 1 Tscherwonez, Ausgabe 1922 1 Tscherwonez, Ausgabe 1926 2 Tscherwonez, Ausgabe 1928 3 Tscherwonez, Ausgabe 1922 3 Tscherwonez, Ausgabe 1924 3 Tscherwonez, Ausgabe 1932 5 Tscherwonez, Ausgabe 1922 5 Tscherwonez, Ausgabe 1928 10 Tscherwonez, Ausgabe 1922 25 Tscherwonez, Ausgabe 1922 und Staatskassenscheine 1 Rubel, Ausgabe 1924 1 Rubel, Ausgabe 1928 1 Rubel, Ausgabe 1934 3 Rubel, Ausgabe 1924 3 Rubel, Ausgabe 1925 3 Rubel, Ausgabe 1934 5 Rubel, Ausgabe 1924 5 Rubel, Ausgabe 1925 5 Rubel, Ausgabe 1934. Im Umlauf waren vorwiegend: Abb. 4.1/2: Staatskassenschein, 1 Rubel, Ausgabe 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Staatskassenschein, 3 Rubel, Ausgabe 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: Staatskassenschein, 5 Rubel, Ausgabe 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 7.1/2: Staatsbank der UdSSR, 1 Tscherwonez, Ausgabe 1937, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Staatsbank der UdSSR, 3 Tscherwonez, Ausgabe 1937, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Staatsbank der UdSSR, 5 Tscherwonez, Ausgabe 1937, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: Staatsbank der UdSSR, 10 Tscherwonez, Ausgabe 1937, Vorder- und Rückseite. Obwohl man sich auch weiterhin der Rubel-Geldzeichen im Zahlungsverkehr bediente, nahm der Umlauf an Reichskreditkassenscheinen zu. Ende September 1941 befanden sich 1,3 Mrd. RM und Ende November 1941 bereits 1,5 Mrd. RM im Umlauf. Vor allem der Bedarf an größeren Kassenscheinabschnitte zu 20 RM und 50 RM nahm zu, deren Bestände. 600 Mio. RM bzw. 500 Mio. RM betrugen.[27] Nach einer Kassenbestandsanzeige der Reichskreditkassen vom 31. Januar 1942 betrug der Anteil der 100- und 50-Rubel-Noten 27 % und der 30-Rubel-Noten allein 40 %.[28] Anfänglich stand der gesamte besetzte Osten unter Wehrmachtsverwaltung, und selbst nach Errichtung der Zivilverwaltung blieben einige Teile Estlands, Weißrusslands und der Ukraine wie auch alle besetzten Gebiete der Russischen Sowjetrepublik inkl. der Krim sowie des nördlichen Kaukasus den ganzen Krieg über unter deutscher Militärverwaltung, teils wegen der ständig wechselnden Frontlinie, teils wegen dauernder Unruhen in diesen Gebieten. In den Weiten der unter deutscher Militärverwaltung stehenden Gebieten des Ostens behielten die Reichskreditkassen die Aufgabe einer Hilfsnotenbank, während in den Reichskommissariaten Ostland und Ukraine eigene Notenbanken errichtet wurden. Aber auch hier blieben die Reichskreditkassenscheine gesetzliche Zahlungsmittel. Im Operationsgebiet der Wehrmacht blieben die Reichskreditkassen weiterhin für die Geldversorgung zuständig. Über ihre Arbeit berichtet die „Deutsche Zeitung im Ostland“ am 1. August 1943: „Die Durchführung der ihnen hiernach obliegenden Aufgabe, die Versorgung der deutschen Truppen und Verwaltungsbehörden mit Zahlungsmitteln sowie die Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs und der Wirtschaft sicherzustellen, bedienen sich die Reichskreditkassen der ihnen aus dem Zahlungsverkehr zufließenden Rubel und der Reichskreditkassenscheine. … Neben ihrer Wirksamkeit auf dem Gebiet des Barverkehrs, die sich in der Hauptsache auf die Befriedigung des Bargeldbedarfs der deutschen Wehrmacht und der im Wiederaufbau befindlichen Wirtschaftszweige erstreckt, widmen sich die Reichskreditkassen im rückwärtigen Heeresgebiet insbesondere auch der Pflege des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. In einigen Gebieten hat sich bereits ein reger Überweisungsverkehr mit den angrenzenden Reichskommissariaten Ostland und Ukraine entwickelt. Von Bedeutung ist ferner die Bereitstellung von Krediten durch die Reichskreditkassen. Die Kredite werden hier vor allem für das Anlaufen und für die Fortführung der Betriebe in Anspruch genommen, die im Interesse der deutschen Kriegswirtschaft arbeiten. Zum großen Teil werden sie für die Erfassung der Waren benötigt und dienen teilweise auch der Ingangsetzung der Kommunalverwaltungen. Das rückwärtige Heeresgebiet stellte ein eigenes Devisengebiet dar. Die Devisenbewirtschaftung wird von den Wirtschaftsdienststellen in einer auf die besonderen Erfordernisse der deutschen Wehrmacht abgestellten, einfachen und elastischen Form durchgeführt.“ Neben der deutschen Wehrmacht statteten die Reichskreditkassen auch Hitlers verbündete "Hilfstruppen" mit Bargeld aus. So versorgte die deutsche Militärverwaltung die ungarische Wehrmacht in Russland mit Reichskreditkassenscheinen. Zu Beginn des Feldzugs rechnete man mit einem ersten Bedarf von 2,5 Mio. RM zum Kurs von 1 RM gleich 1,642 Pengö.[29] Das finnische Kriegsministerium verpflichtete sich den Geldbedarf der deutschen Truppen in Finnland auf Anforderung des Intendanten beim Militärattaché in Helsinki laufend bereitzustellen. Im Gegenzug sollte die deutsche Wehrmacht im Bedarfsfall die finnischen Truppen in Finnland mit finnischen Zahlungsmittel und auf russischem Gebiet mit Reichskreditkassenscheinen versorgen.[30] Im Juni 1942 wurden die Einsatzgebühren der deutschen Soldaten in Finnland teils in Finnmark, teils in Rubel gezahlt. Dabei galten 100 RM 1.974,33 Finnmark.[31] Der Wehrmachtsintendant in Finnland erhielt im Juni 1943 von den Reichskreditkassen 54,1 Millionen Rubel ausgezahlt.[32] Die rumänische Armee bekam im Sommer 1942 gemäß des Abkommens zur Ausstattung der Truppen in der UdSSR Reichskreditkassenscheine im Wert von 5 Millionen RM.[33] Es ist anzunehmen, dass es ähnliche Regelungen auch für die italienischen und slowakischen Verbände gab. Aus Dank für die deutsche Hilfe während des spanischen Bürgerkriegs entsandte Generalissimo Franco die "Blaue Division" nach Russland. Als die ersten Soldaten 1942 nach Spanien zurückkehrten, stellte sich die Frage, wo sie die mitgeführten „deutschen“ Zahlungsmittel wechseln konnten. Die Reichskreditkasse Bordeaux gab zu bedenken, dass die vorgesehene Regelung des Umwechselns in Madrid unzweckmäßig für die Rückkehrer sei, da die meisten Heimatorte zu weit entfernt lägen.[34] Der Festungskommandant in Biarritz regte eine Wechselstube im Bahnhof von Hendaya an.[35] Ob die folgende Aktennotiz mit dieser Angelegenheit in Verbindung steht, ist leider nicht auszumachen. Durch einen Deutschen in Barcelona sollte der Sonderstab HWK wöchentlich über das besetzte Frankreich 300.000 Pesetas zum Kurs von 8 Francs für 1 Peseta erhalten.[36] Seit Ende 1941 bröckelte der verordnete Rubel-Kurs. Die Bevölkerung versuchte die Rubelscheine abzustoßen. Die Reichskreditkassenscheine wurden in erheblichem Umfang aufgekauft und erzielten Preise von 12 bis 25 Rubel für 1 RM. Der Verwaltungsrat der Reichskreditkassen vermutete, dass die Währungsmissstände planmäßig von Sowjetagenten hinter der deutschen Front gefördert würden, um durch Zerstörung der eigenen Währung die Bevölkerung zu beunruhigen und die Unzufriedenheit in den besetzten Distrikten zu steigern.[37] Trotz Verbot und hoher Strafen beteiligten sich auch deutsche Soldaten an der Währungsspekulation.[38] In einigen Gebieten stand im Sommer 1942 der Kurs der Reichsmark 1:50 bis 1:80 zum Rubel. Arbeitskräfte konnten nur durch Zahlung mit Reichskreditkassenscheinen angeworben werden. Dadurch ergab sich ein monatlicher Mehrbedarf von 50 Millionen RM.[39] Nach Mitteilung der Hauptverwaltung der Reichskreditkassen waren durch Einzug des Rubels 2,8 Mrd. Rubel im Gegenwert von 280 Mill. RM im besetzten russischen Gebiet angefallen, und zwar 1,2 Mrd. in der Ukraine, 1 Mrd. im Ostland, 0,3 Mrd. in Galizien, 0,2 Mrd. im Bezirk Bialystok und 0,1 Mrd. Rubel aus der Hand von Urlaubern. Von den letzten Beträgen waren 75 % = 1,2 Mrd. zu Zahlungszwecken über die Truppenkasse zurückgeflossen.[40] Zu den Aufgaben der Reichskreditkassen als Notenbank gehörte auch die Notenpflege. Anfangs wurden nur Rubelnoten angenommen, die zur Wiederausgabe geeignet waren, also keine Beschädigungen aufwiesen,[41] später verfuhr man analog der Regelung der Staatsbank der UdSSR, d. h. beschädigte Rubelnoten wurden nur umgetauscht, wenn mehr als 3/4 des Scheins und mindestens eine vollständige Kontrollnummer und die Serienbezeichnung vorhanden waren. Ferner musste die Wertbezeichnung (Betrag in Worten) vollständig lesbar sein. Dagegen blieben beschädigte Münzen von der Annahme ausgeschlossen.[42] Diese Regelung wurde auch auf Reichskreditkassenscheine, Behelfszahlungsmittel der Wehrmacht und Karbowanez-Noten ausgedehnt.[43] Da im Osten keine Notwendigkeit für die Verwendung von Wehrmachts-Behelfsgeld bestand, dürfte sich der Hinweis in der Akte nur auf einen evtl. Umtausch bei den Truppenkassen beziehen. Besondere Beachtung erforderte das Papiergeld, das bei gefallenen deutschen Soldaten und bei der Umbettung von Kriegsgräbern anfiel. Da die Geldscheine häufig stark durchblutet, durch Feuer angesengt oder in Folge längeren Liegens zersetzt waren, sollten sie aus hygienischen Gründen im Beisein des Wehrmachtsgräberoffiziers verbrannt werden. Hierüber musste ein Protokoll angefertigt werden, das Auskunft über Art, Stücklung, Kontrollnummern usw. enthielt.[44] Auch den Reichskreditkassen war das Falschgeld-Problem nicht unbekannt. Bei einer festgenommenen russischen „Fallschirmspringeragentengruppe“ wurde ein Posten gefälschter Reichskreditkassenscheine zu 1 RM gefunden. Die fast fehlerlose Ausführung und die Verwendung von natürlichem Wasserzeichenpapier ließen staatliche russische Stellen als Hersteller vermuten.[45] Vielleicht ist hierin der Grund zu suchen, dass die Hauptverwaltung der Reichskreditkassen Ende 1943 im Osten statt der Reichskreditkassenscheine zu 1 RM und 50 Reichspfennig nur noch Rubelnoten zu 10 und 5 Rubel abgab.[46] Ebenso wurden falsche russische 3-Tscherwanez-Noten der Ausgabe von 1937 entdeckt.[47] Zeitungen berichteten bewusst nicht über das Vorkommen des Falschgelds.[48] Wie auch in anderen besetzten Gebieten kam es auch im Osten zu Verlusten durch Diebstähle. In den Akten der Reichskreditkassen findet sich folgender Vorgang:[49] In den Abendstunden des 20. Juli 1942 wurde aus einem Auto, das an der Nordseite des Soldatenheims in Gorlowka (Stadt in der Ostukraine) geparkt war, eine schwarz-braune Dienstaktentasche mit 100.000 RM in zwei Originalpaketen neuer Reichskreditkassenscheine zu 50 RM gestohlen. Die Hauptverwaltung setzte für Hinweise auf die Diebe eine Belohnung in Höhe von 500 RM aus. Bei den Scheinen handelte es sich um Noten mit den Kontrollnummern A 3929000 - 3929500, A 3857500 - 3857999, A 3680400 - 3680500, A 3619500 - 3619999 und A 4161000 – 4161600. Nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad am 2. Februar 1943 begann der unaufhaltbare deutsche Rückzug. Gegen Ende des Jahres behauptete die Wehrmacht nur noch die westliche Ukraine, die Krim, einen beträchtlichen Teil Weißrusslands und das Baltikum. Der größte Teil des von ihr zuvor besetzten Territoriums der UdSSR befand sich wieder in sowjetischer Hand. Im Verlauf des Winters 1943/44 zwang die Rote Armee die deutschen Truppen zum Rückzug von den Zugängen Leningrads sowie aus weiteren ukrainischen Gebieten. Mitte Mai war die Krim vollständig befreit. Anschließend zerschlugen die sowjetischen Truppen im Sommer/Herbst-Feldzug 1944 in großangelegten Offensiven die Hauptkräfte der Heeresgruppen Mitte, Nord- und Südukraine und drangen bis an die Grenzen Polens und Rumäniens vor. Im November 1944 verlief die Ostfront nördlich von Königsberg von Ostpreußen quer durch das Generalgouvernement östlich von Krakau vorbei durch die Slowakei nach Ungarn. Nur in Kurland hielten sich Reste der 16. und 18. Armee der Heeresgruppe Nord (am 26. Januar 1945 umbenannt in Armeegruppe Kurland) bis zur Kapitulation. Die militärischen Ereignisse wirkten sich auch auf den monetären Bereich aus. So durften Reichskreditkassenscheine nicht mehr im Operationsgebiet verwendet werden.[50] Nach einem Erlass des Oberkommandos der Wehrmacht wurden Angehörige des Ostheeres bei Dienst- und Urlaubsreisen nur noch mit Rubel ausgestattet. Diese Regelung sollte auch auf Finnland ausgedehnt werden, da dort der Rubel Behelfszahlungsmittel war.[51] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Alexander Dallin, Deutsche Herrschaft in Rußland 1941 - 1945, Eine Studie über Besatzungspolitik, Düsseldorf 1958, S. 25 f. [2] Vgl. Dokument 1031-PS, in: Trial of the Major War Criminals before the International Military Tribunal, Nuremberg 14.11.1945 - 1.10.1946, Nürnberg 1947, Band XXVI, S. 580-584. [3] Zur Geschichte der Behelfsrubel siehe Uwe Bronnert, Wo sind die Rosenberg-Rubel?, in: Münzen & Sammeln, Oktober 2013, S. 170 ff. [4] BA Berlin, R 29/2, Berichte über die Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 13.8.1941. [5] BA Berlin, R 29/1, Berichte über die Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 9.6.1941. [6] Ebenda. [7] BA Berlin, R 29/223, TAO 113/41 vom 24.9.1941. [8] BA Berlin, R 29/367, TAO 85/41 vom 26.7.1941. [9] BA Berlin, R 29/223, TAO 97/41 vom 22.8.1941. [10] BA Berlin, R 29/425, TAO 37/42 vom 27.2.1942. [11] BA Berlin, R 29/110, Schreiben vom 4.7.1941 der RKK Kowno an die Hauptverwaltung. [12] Ebenda, Fernschreiben vom 6.7.1941 der RKK Wilna an die Hauptverwaltung. [13] BA Berlin, R 29/367, TAO 86/41 vom 30.7.1941. [14] BA Berlin, R 29/2, Berichte über Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 16.10.1941. [15] Aufruf an die Bevölkerung des Ostlandes zur Einlösung von Empfangsbescheinigungen, Riga am 25. September 1941. [16] Alexander Dallin, S. 417. [17] Uwe Bronnert, ..., daß die Herstellung eigenen Geldes absolut unstatthaft ist. Die Kreditscheine der Zementfabrik „Port Kunda (Estland), in: Der Geldscheinsammler, April 1995, S. 12 ff. [18] S. Albert Pick und Carl Siemsen, Das Notgeld des II. Weltkrieges – Emergency Money of World War II, München 1979, S. 104, Kat.-Nr. 1 - 5. [19] Führer-Erlasse 1939 - 1945, zusammengestellt und eingeleitet von Martin Moll, Hamburg 2011, Dokument Nr. 99, S. 186 ff. [20] CdZ = Chef der Zivilverwaltung. [21] BA Berlin, R 29/223, TAO 126/41 vom 23.10.1941. [22] Verwaltungsbericht der Deutschen Reichsbank für das Jahr 1941, Hauptversammlung am 17. März 1942, S. 11. [23] Vgl. Wirtschafts-Handbuch, S. 149. Vom 8. bis 15 September wurde das sowjetische Papiergeld und vom 13. Oktober bis 1. November das sowjetische Münzgeld umgetauscht. [24] S. auch Uwe Bronnert, Das Geldwesen im Generalgouvernement Polen 1939 - 1945, Teil 2: Von der Gründung der Bank Emisyjny w Polsce bis zum Ende des Krieges, in: Münzen & Sammeln, Dezember 2016, S. 123 ff. [25] BA Berlin, R 29/425, TAO 8/42 vom 19.1.1942. [26] Angaben nach Deutsche Reichsbank (Hrsg.), Union der sozialistischen Sowjetrepubliken, Verzeichnis und kurze Beschreibung der im Umlauf befindlichen Noten und Münzen, Berlin o. J. (Stand Mai 1941). [27] BA Berlin, R 29/3, Berichte über die Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 12.12.1941. [28] BA Berlin, R 29/425, TAO 39/42 vom 2.3.1942. [29] BA Berlin, R 29/367, TAO 84/41 vom 24.7.1941. [30] Ebenda. [31] BA Berlin, R 29/260, zu TAO 81/43 vom 7.6.1943, Veröffentlicht im Heeres-Verordnungsblatt, Teil B, Blatt 6 vom 23.3.1943. [32] BA Berlin, R 29/3, HV an Wehrmachtsintendant in Finnland (10.6.1942) Abgabe von Rubel: 3 Mill. zu 100 Rbl., 5 Mill. zu 50 Rbl., 6 Mill. zu 30 Rbl., 20 Mill. zu 10 Rbl., 20 Mill. zu 5 Rbl. und 100.000 zu 1 Rbl. [33] BA Berlin, R 29/4, Schreiben des RFM an Verwaltungsrat der Reichskreditkassen vom 31.8.1942. [34] BA Berlin, R 29/3, Schreiben RRK Bordeaux an HV vom 15.4.1942. [35] Ebenda, Schreiben der Festungskommandantur Biarritz an RKK Bordeaux. [36] BA Berlin, R 29/4, Schreiben der HV an Direktor bei der Deutschen Reichsbank vom 10.8.1942. Anm. 20 ffrs = 1 RM. [37] BA Berlin, R 29/3, Berichte über dieSitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 29.1.1942. [38] BA Berlin, R 29/223, TAO 152/41 vom 4.12.1941. [39] BA Berlin, R 29/4, Berichte über die Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 20.7.1942. [40] Ebenda, Berichte über die Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 31.8.1942. [41] BA Berlin, R 29/223, TAO 125/41 vom 22.10.1941. [42] Ebenda, R 29/223. TAO 167/41 vom 24.12.1941. [43] BA Berlin, R 29/260, TAO 151/43 vom 17.12.1943. [44] Ebenda, R 29/260, Anlage 1 zur TAO 11/43 vom 17.8.1943. [45] BA Berlin, R 29/424, TAO 127/42 vom 7.8.1942. [46] BA Berlin, R 29/260, TAO 139/43 vom 10.11.1943. [47] BA Berlin, R 29/425, TAO 79/42 vom 16.5.1942. [48] BA Berlin, R 29/4, Berichte über die Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 4.11.1942. [49] BA Berlin, R 29/424, TAO 124/42 vom 30.07.1942 und TAO 138/42 vom 26.08.1942. [50] BA Berlin, R 29/260, zu TAO 81/43 vom 7.6.1943, Veröffentlicht im Heeres-Verordnungsblatt, Teil B, Blatt 6 vom 23.3.1943. [51] BA Freiburg - Militärarchiv -, RW 7/v 1711 b, Erlass OKW 59 B 1 Nr. 12811/44 Ag VWn(III a) vom 28.2.1944, genannt im Tätigkeitsbericht der Dienststelle Wehrmachtsintendant in Finnland für die Zeit vom 1.4.1944 bis 30.6.1944, Bl. 226.
- Lexikon: Freiwillige Westarmee
Mitte 1919 stellte der russische Oberst Awalow-Bermondt im lettischen Mitau eine konterrevolutionäre Freiwilligen-Armee, die hauptsächlich aus Deutschen bestand, zum Kampf gegen die Rote Armee auf. Zur Finanzierung der Armee wurden Kassenscheine (in deutscher und russischer Sprache) mit Datum vom 10. Oktober 1919 in den Werten 1, 5, 10 und 50 Mark ausgegeben, deren Gegenwert durch den Staatsbesitz des von der Armee besetzten Gebiets gedeckt sein sollte. Freiwillige Westarmee, Mietau: Kassenschein über 10 Mark vom 10. Oktober 1919, Vorderseite in Russisch und Rückseite in Deutsch. Die Freiwillige Westarmee griff Anfang Oktober 1919 die lettische Hauptstadt Riga an, die jedoch von der Roten Armee heftig verteidigt wurde. Nur einen Monat später war die Freiwillige Westarmee aus Riga und ganz Lettland vertrieben. Nicht fertig gedruckte Bogen der Kassenscheine wurden 1920/21 für die Herstellung von lettischen Briefmarken verwendet. Lesen Sie auch unseren Beitrag: Fürst Awalow-Bermondt und die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Literatur: Die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee findet man jetzt auch im aktuellen Deutschland-Katalog: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 928 Preis: 39,90 Euro
- Österreich: Bereits 1949 war in Wien eine Internationale Gesellschaft für Papiergeldkunde geplant
Als zentrale Anlaufstelle für Banknotensammler aus aller Welt fungiert heutzutage die 1961 gegründete IBNS (International Banknote Society). Wenig bekannt ist, dass es bereits viel früher in Österreich Versuche gab, eine internationale Papiergeldorganisation ins Leben zu rufen. Davon zeugt heute nur mehr die als Titelbild dieses Beitrags gezeigte historische Einladung zum ersten Tauschabend der Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde am 16. September 1949 und ein zeitgenössischer Bericht in der Zeitung „Die Weltpresse“. Einladung zum Papiergeld-Tauschabend der "Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde" am 16. September 1949 in Wien. Zeitungsausschnitt zur Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde, (Weltpresse, 19.09.1949). Die Pläne waren demnach sehr ambitioniert und beinhalteten die erstmalige Erstellung und Herausgabe eines Weltbanknoten-Katalogs, damals existierte noch kein solches Werk. Dazu gab sogar schon eine Abbildung des Titels mit der Katalogbezeichnung „Hugl’s World Catalogue for Paper money and Philassignaty“. Als (geplanter) Autor firmierte vermutlich Fritz Hugl, der als einer der Funktionäre der Gesellschaft genannt wird. Das Wort „Philassignatie“ ist eine eigene Wortschöpfung der Gesellschaft für das Sammeln von Banknoten, Notgeld und Lagergeld. Ihr gehörten zu diesem Zeitpunkt rund 400 Mitglieder an, zum größten Teil allerdings Münzensammler. Die Pläne waren weitreichend, aber zu dem Katalog dürfte es nie gekommen sein und auch die Gesellschaft selbst sowie die laut Einladung geplanten wöchentlichen Sammlertreffen im Cafe Kraus, Wien VII, dürften nicht lange Bestand gehabt haben, denn man findet dann später keinerlei Hinweise mehr auf Aktivitäten einer Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde. Das Ziel, Wien zu einem wichtigen Zentrum des Banknotensammelns zu machen, wurde damit leider verfehlt. Johann Kodnar
- Die Regiefrankenaffäre
Am 9. Mai 1924 verhaftete die badische Polizei in Ludwigshafen einen Dienstmann, der gefälschte "Regiefranken" umzutauschen versuchte.[1] Die Beamten konnten nicht ahnen, dass sie mit ihrer Verhaftung in ein Wespennest stachen und die so genannte "Regiefrankenaffäre" auslösten. Es war klar, dass dieser einfache Arbeiter nicht der Urheber der Fälschungen war. Zu professionell war ihre Ausführung, als dass sie dem normalen Publikum aufgefallen wären. Erst bei genauerer Betrachtung fallen die kleinen Unterschiede auf. Die Farben sind bei der Fälschung weniger leuchtend, die Schrift ein wenig verschwommen. Bei der Dampflokomotive fehlt die Rauchfahne und Vater Rhein blickt grimmiger. Das Papier hat einen leicht anderen Farbton. Abb. 1: Fälschung, 20 Francs, Vorderseite. Abb. 2: Fälschung, 20 Francs, Rückseite. Abb. 3: Original, 20 Francs, Vorderseite. Abb. 4: Original, 20 Francs, Rückseite. Bei den Ermittlungen stieß man auf den Zahnarzt Dr. Hermann Eberlein. Gleichzeitig gelangte die „Pfalzzentrale“ in den Fokus der Untersuchungen.[2] Sie unterstützte nicht nur den passiven Widerstand gegen die französische Besatzung, sondern schmuggelte wiederholt Waffen, Munition und Sprengstoff in die Pfalz, mit denen Sabotageakte durchgeführt und im Kampf gegen die Separatisten eingesetzt wurden. Leiter der Organisation war der Vater des Zahnarztes, Hauptmann d. R. Dr. August Ritter von Eberlein (1877–1949), ehemals Direktor der höheren Mädchenschule Pirmasens. Die Organisation ging aus der „Bayerische Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten“ hervor. Ihr Gründer war der am 31. Mai 1919 wegen seines Widerstands gegen die französische Pfalzpolitik ausgewiesen Speyerer Regierungspräsident Theodor von Winterstein (1861–1945). Die Zentralstelle hatte ihren Sitz in Mannheim und verfügte als Propaganda-, Nachrichten- und Auskunftsdienst über ein dichtes Netz von Informanten in den pfälzischen Behörden sowie über einen geheimen Kurierdienst in der Pfalz. Die Arbeit der Zentralstelle wurde parteiübergreifend durch einen Aktionsausschuss aus Vertretern der SPD, BVP, DVP und DDP sowie Repräsentanten der pfälzischen Wirtschaft unterstützt. Die notwendigen finanziellen Mittel stellten das Reich und die bayerische Staatsregierung zur Verfügung. Der Sitz wurde im März 1921 nach Heidelberg verlegt und der Name in „Zentralfürsorgestelle für das besetzte Gebiet“ umbenannt. Auf Betreiben der Alliierten wurde die Organisation am 1. Oktober 1921 offizielle aufgelöst. Insgeheim bestand sie jedoch in der Firma „August Müller Nachf., Kommissionshandlung für Lebensmittel, insbesondere Kartoffeln“ in Mannheim weiter und arbeitete später als „Haupthilfsstelle für die Pfalz“, kurz „Pfalzzentrale“ genannt, in Heidelberg. Nach der Aufdeckung ihrer fragwürdigen Aktivitäten und der Verwicklung in die Falschgeldaffäre schloss der badische Innenminister Adam Remmele (1877–1951), gestützt auf einen Kabinettsbeschluss, in den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1924 die Pfalzzentrale. Dr. Hermann Eberlein, der in Reutlingen als Assistenzarzt tätig war, fand milde Richter. Ein Heidelberger Schöffengericht verurteilte ihn wegen Urkundenfälschung und Gebrauchs gefälschter Urkunden lediglich zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Helmut Gembries, Regiefranken, 1923/24, publiziert am 16.04.2007; in: Historische Lexikon Bayerns. URL: (11.05.2020). [2] S. Helmut Gembries, Bayerische Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten, 1919–1924, publiziert am 3.7.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: (12.5.2020).
- Falschgeldbericht 2022
Foto: Dedert, dpa. Die Deutsche Bundesbank hat im Jahr 2022 insgesamt 44.100 falsche Euro-Banknoten registriert. Das ist ein geringer Anstieg um gut 5 % im Vergleich zu den 2021 aus dem Verkehr gezogenen 41.950 "Blüten". 2021 war das Falschgeld-Aufkommen im Vergleich zu 2020 sogar um 29 % zurückgegangen, weil die Corona-Pandemie den Absatz von falschen Banknoten deutlich erschwert hatte. Damit war 2021 der durch Falschgeld verursachte Schaden mit 1,9 Millionen Euro auf dem niedrigsten Stand seit der Euro-Bargeldeinführung 2002 überhaupt. Der leichte Anstieg im letzten Jahr ist wohl nicht nur auf die Lockerung der Corona-Einschränkungen zurückzuführen, sondern womöglich auch auf die Inflation und deutlich gestiegene Verbraucherpreise, ganz besonders bei Lebensmitteln, Kraftstoffen sowie für Heizung und Strom. Es würde nicht weiter verwundern, wenn da auch der eine oder andere ehrliche Bürger trotz staatlicher Hilfspakete in der Not zum unfreiwilligen Fälscher wird. Neben einer Vielzahl gut gemachter Fälschungen, die der organisierten Kriminalität zuzuschreiben sind, tauchen jedenfalls auch immer wieder einfache Farbkopien auf. Die Bundesbank weist deshalb erneut auf die Prüfung der Sicherheitsmerkmale (Stichworte: kippen, fühlen, sehen) hin und bittet selbst erkannte Fälschungen bei der Polizei zu melden, auch wenn man dafür keinen Ersatz erhält. Die Weitergabe von Fälschungen im Zahlungsverkehr ist dagegen natürlich strafbar, wie wir Sammler alle auch schon sehr gut von Straftexten auf historischen Banknoten wissen. Hans-Ludwig Grabowski
- Geldscheine auf und am Ende des „Baltischen Wegs“
Am 23. August 1989, gegen 19 Uhr, hatten es die fast zwei Millionen Esten, Letten und Litauer geschafft, eine 675 km lange Menschenketten durch die damals drei baltischen Sowjetrepubliken zu schließen. Die Frauen, Männer und Kinder hatten sich auf den Autobahnen und Landstraßen, in Städten und Gemeinden zwischen Tallinn, Riga und Vilnius versammelt, hielten sich an den Händen, sangen und tanzten, teilweise in historischen Trachten. Zehntausende Ladas, Wolgas und Polski Fiats säumten die Straßenränder und die Menschen zeigten allerorts die früheren baltischen Nationalflaggen. Abb. 1: Der „Baltische Weg“; Estnisch: Balti kett; Lettisch: Baltijas ceļš; Litauisch: Baltijos kelias; organisiert von Dissidenten und Helsinki-Gruppen der estnischen Rahvarinne, der lettischen Tautas Fronte und der litauischen Sajūdis. Anlass des friedlichen Protests war die Forderung nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit der drei früheren Republiken Estland, Lettland und Litauen. In der von baltischen Oppositionellen aufgerufenen Demonstration hieß es in ihrem Appell „Lasst uns einander die Hände reichen und auf dem gemeinsamen Weg voranschreiten. Der baltische Weg – das ist der Weg Europas, der baltische Weg – das ist der Weg der Befreiung, der baltische Weg – das ist der Weg zur Errichtung unseres gemeinsamen Hauses! Wir gehen voran!“ Abb. 2: Momentaufnahme vom „Baltischen Weg“ in Lettland, Foto: Imants Prēdelis. Abb. 3: Luftaufnahme vom „Baltischen Weg“ in Litauen (auf einschlägigen Internetseiten werden tausende Fotos und Videos gezeigt). Man forderte vor allem die Annullierung des sog. Hitler-Stalins-Pakts (Nichtangriffsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR) – insbesondere die Ächtung der damit verfassten vier Punkte im Geheimen Zusatzprotokoll vom 23. August 1939. Abb. 4: mitgeführter Banner mit Forderungen an die UdSSR: „Beseitigung der Folgen des Sowjet-Nazi-Pakts: 1. Abzug der sowjetischen Besatzungsarmee und der Zugewanderten; 2. Entschädigung für Personen- und Materialschäden, die während der Zeit der Besetzung entstanden sind; 3. Verhandlungen zwischen den neutralen baltischen Staaten und der Sowjetunion aufnehmen“. In einer geheimen Abfassung wurden territoriale Interessen und die Aufteilung des Baltikums vereinbart – Originaltext: „Aus Anlaß der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben die unterzeichneten Bevollmächtigten der beiden Teile in streng vertraulicher Aussprache die Frage der Abgrenzung der beiderseitigen Interessenssphären in Osteuropa erörtert. Die Aussprache hat zu folgendem Ergebnis geführt: 1. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung in den zu den baltischen Staaten (Finnland, Estland, Lettland und Litauen) gehörenden Gebieten bildet die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessenssphäre Deutschlands und der UdSSR. Hierbei wird das Interesse Litauens am Wilnaer Gebiet beiderseits anerkannt. ...“ Anmerkung der Redaktion: Im Klartext heißt das, dass Litauen Teil der deutschen Interessensphäre war, was das 1920/22 von Polen annektierte südöstliche litauische Gebiet um die Hauptstadt Wilna (Vilnius) mit einschloss. Das wird leider oft bei Interpretationen des Zusatzprotokolls übersehen. Den kompletten sog. "Hitler-Stalin-Pakt" finden Sie hier: https://www.archiv-fuer-zeitgeschichte.com/post/deutsch-sowjetischer-nichtangriffsvertrag-vom-23-8-1939 Das komplette geheime Zusatzprotokoll finden Sie hier: https://www.archiv-fuer-zeitgeschichte.com/post/geheimes-zusatzprotokoll-zum-deutsch-sowjetischen-nichtangriffsvertrag-vom-23-8-1939 Erst mit dem sog. Deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 mit einer entsprechenden Regelung in einem ebenfalls geheimen Zusatzprotokoll dazu wurde Litauen (ohne das vormals ostpreußische und 1923 von Litauen annektierte Memelgebiet) der Sowjetunion als Interessensphäre überlassen. Den kompletten Deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag inkl. geheimen Zusatzprotokoll und Landkarte finden Sie hier: https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0027_gre&l=de Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs marschierten am 1. September 1939 zuerst deutsche Truppen und am 17. September die Rote Armee in Polen ein. Danach wurden die drei baltischen Republiken von der Sowjetunion annektiert: Litauen wurde am 15. Juni 1940 besetzt und als Litauische SSR am 21. Juli 1940 in die Sowjetunion eingegliedert – ebenso wurde Lettland am 17. Juni 1940 von Sowjettruppen besetzt und am 21. Juli die Lettische Sowjetrepublik gegründet, die am 5. August 1940 der Sowjetunion beitrat; Estland verlor seine Unabhängigkeit nach dem Einmarsch der Roten Armee und nach Scheinwahlen ebenfalls am 21. Juli 1940. Am 6. August 1940 nahm die UdSSR die Estnische Sowjetrepublik als Teilrepublik auf. Mit der sowjetischen Annexion wurden auch die bisherigen Nationalwährungen der baltischen Republiken nach und nach ungültig. Ab dem 23. November 1940 kam in Litauen der sowjetische Rubel in Umlauf. Bis zum 25. März 1941 kursierten zwei Währungen; ein Umtausch des litauischen Litas in sowjetische Rubel war bis zu diesem Tag beim Wechselkurs von 100 Litas = 90 Rubel möglich. Zwischen dem 1. und 30. April 1941 wurden alle in den Tresoren gelagerten Litas-Banknoten verbrannt. Abb. 5: 100 Litų der Lietuvos Bankas, 31. März 1928, Vs.; Hersteller: Wertpapierdruckerei Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd., Großbritannien. Ähnlich wie in Litauen blieb nach der Besetzung Lettlands auch der Lats als Zahlungsmittel vorerst gültig. Entsprechend dem Rat der Volkskommissare der Lettischen SSR vom 25. November 1940 wurde der Sowjetrubel eingeführt. Der Wechselkurs von Lats zum Rubel wurde im Verhältnis 1:1 festgelegt. Ohne Vorwarnung wurde die lettische Währung zum 26. März 1941 für ungültig erklärt und private Einlagen von mehr als 1000 Lats verstaatlicht. Abb. 6: 100 Latu der Latvijas Bankas, 1939, Vs.; Hersteller: Valsts Papīru Spiestuve Un Naudas Kaltuve, Rigaer Staatsdruckerei. Die gleichen Vorgänge wiederholten sich im besetzten Estland: seit dem 25. November 1940 waren Rubel und Krone nebeneinander im Umlauf. Ab dem 26. März 1941 war in Estland nur noch der Sowjetrubel im Umlauf. Der festgelegte Wechselkurs war 100 Krone = 125 Rubel. obwohl der offizielle Wechselkurs höher lag. Abb. 7: 100 Krooni der Eesti Pank, 1935, Vs.; Hersteller: Riigi Trükikoda, estnische Landesdruckerei Tallinn. Ganz anders war es in Finnland, das nach dem geheimen Zusatzprotokoll ebenfalls der sowjetischen Interessensphäre überlassen wurde. Im sog. sowjetisch-finnischen Winterkrieg vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 versuchte die UdSSR das neutrale Nachbarland zu okkupieren, scheiterte aber am Widerstand der Finnen. Um weitere Opfer zu vermeiden, wurde der Krieg im „Frieden von Moskau“ beendet und die Ergebnisse am 21. März 1940 von beiden Seiten akzeptiert. Finnland musste erhebliche Gebietsverluste hinnehmen, blieb aber so von einer Besetzung verschont. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion erfolgte auch der Einmarsch der Wehrmacht ins Baltikum. Am 25. Juli 1941 wurde das Reichskommissariat Ostland gebildet und Reichskreditkassenscheine (1 RM = 10 Rubel) eingeführt. Sie galten von 1941 bis 1945 und wurden nach Wiedereinführung des Sowjetrubels ungültig. Bis zur Unabhängigkeit der drei Baltenstaaten von der UdSSR gingen nach dem „Baltischen Weg“ noch zwei lange Jahre zwischen Hoffen und Bangen ins Land. Die Sowjets fuhren Panzer auf, um die Unabhängigkeitsbewegungen zu stoppen. Es gab mindestens 15 Tote in Litauen; in Riga demonstrierten 700.000 Letten und errichteten Barrikaden gegen die Sowjetarmee; es gab sechs Tote. Doch letztlich waren es die friedlichen Proteste der „singenden Revolution“, durch die sich Esten, Letten und Litauer ihre Zukunft eroberten. Am 11. März 1990 erklärte Litauen seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion, setzte im Februar 1990 die sowjetische Verfassung außer Kraft und rief die eigenständige „Republik Litauen“ aus. Am 4. Mai 1990 folgten Lettland und am 8. Mai 1990 Estland. Doch erst am 6. September 1991 erkannte die Sowjetunion die Unabhängigkeit der baltischen Staaten an. Dort mussten sich die neuen Verwaltungen um die Schaffung nationaler Währungen kümmern. Der Ausstieg aus dem sowjetischen Zahlungssystem war für alle drei Länder zwingend, zumal sich die Inflation in der UdSSR verschärfte. Im September 1990 beschloss die estnische Regierung die Bildung einer Währungsreformkommission, die eine Druckerei für die neue Währung suchte. Man vergab an De La Rue die ersten Druckaufträge und bestellte für 1,62 Mio. Rubel die ersten Banknoten der Eesti Pank. Vom 20. bis 22. Juni 1992 konnten/mussten die Menschen Rubel in Krooni umtauschen – im Verhältnis 10:1. Aus 1.500 Rubel wurden 150 estnische Kronen und das war gleichzeitig auch der Höchstbetrag, der umgetauscht werden konnte. Die estnische Krone war an die Deutschen Mark gekoppelt: 100 Kronen = 12,50 DM/100 DM = 800 Kronen. Abb. 8: 100 Krooni der Eesti Pank, 1991, Vs.; Hersteller: De La Rue. Anders in Lettland: Anfang der 1990er Jahre waren die Probleme mit dem Rubel ähnlich. Um diese zu lösen, verabschiedete die Währungsreformkommission der Republik Lettland am 4. Mai 1992 eine Entschließung „Über die Einführung des lettischen Rubels“ als Zwischenwährung. Die als „Repšes Rublis“ oder auch „reps“, „repsīs“ oder „repsīks“ genannten Scheine (nach dem lettischen Finanzminister Einārs Repše) wurden ab dem 7. Mai 1992 parallel zu den sowjetischen Rubelnoten als gesetzliches Zahlungsmittel in Umlauf gebracht. Es liefen neun Wertstufen um: 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 LR (Latvijas rublis ). Der Umrechnungskurs war 1:1 zum Sowjetrubel. Am 18. Oktober 1993 wurden diese schlichten Scheine aus dem Verkehr gezogen Der letzte Schritt zur neuen Nationalwährung Lettlands war die folgende Einführung der Lats-Banknoten durch die Latvijas Banka. Bis zum 1. Juli 1994 konnten die LR-Scheine gegen Lats eingetauscht werden, im Verhältnis von 200 LR für 1 lettischen Lats. Abb. 9: 200 Latvijas Rubļu der Latvijas Bankas, 1992, Vs.; Hersteller; Rīgas Paraugtipografija, Staatsdruckerei Lettlands Riga. Abb. 10: 100 Latu der Latvijas Bankas, 1992, Vs.; Hersteller: Giesecke & Devrient. Auch in Litauen stand man unter dem Druck, hochwertige Banknoten einer neuen Währung schnellstmöglich herzustellen. Damals kamen Gerüchte von einer Währungsreform in der UdSSR auf. Danach hätte sich die Moskauer Gosbank mit Sicherheit nicht um die Belange der abtrünnigen baltischen Länder gekümmert. Die Gründung des Finanzministeriums in Litauen erfolgte schon am 17. Januar 1990 und am 5. August 1991 wurde ebenfalls als eine Übergangswährung der „Talonas“ neben den umlaufenden Sowjetrubeln eingeführt. Die auch als „Tiergeld“ oder auch als „Vagnorkes“ (nach dem damaligen litauischen Ministerpräsidenten Gediminas Vagnorius) benannten Geldscheine sollten eine Inflation vermeiden. In Umlauf gegeben ab dem 5. August 1991 wurden Löhne und Gehälter zu 20 Prozent in Talonas ausbezahlt – Waren waren nur zu 50 Prozent in Talonas erhältlich. Man rechnete den Sowjetrubel 1:1 zum Talon. Die Talonas waren mit dem Verlassen der sog. Rubelzone dann ab 1. Oktober 1992 die alleinige gesetzliche Währung in Litauen und bis zum 24. Juli 1993 gültig – in der Zwischenzeit war eine zweite Serie Talonas im Umlauf. Mit der Einführung des Litas erhielt Litauen am 25. Juni 1993 eine neue Währung. Die Talonas konnten/mussten im Verhältnis 100:1 in die neuen Litas getauscht werden. Der Litas war von 1993 fest an den US-Dollar gekoppelt. Abb. 11: 100 Talonų der Republik Litauen, 1991, Vs., Hersteller: Radius-Druckerei Kaunas. Abb. 12: 100 Litu der Lietuvos Bankas, 1991, Vs.; Hersteller: United States Banknote Co. Im Jahr 1994 hatten dann die baltischen Republiken ihre Nationalwährungen wieder, wie sie sie bis 1940 besaßen. Mit dem Erreichen der sog. "Maastrichter Kriterien" gelangten die drei Staaten in die Euro-Zone. Als erstes baltisches Land führte Estland zum 1. Januar 2011 den Euro ein und wurde damit das 17. Land in der Euro-Gemeinschaft. Die estnischen Kronen waren bis zum 15. Januar 2011 umlauffähig und bis zum 30. Juni 2011 bei Banken umtauschbar. Lettland wurde am 1. Januar 2014 Mitglied des Euroraums. Nach Ablauf eines zweiwöchigen Zeitraums, in dem beide Währungen parallel verwendet werden konnten, verlor der Lats am 15. Januar 2014 seine Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel, konnte aber noch bis zum 31. März 2014 bei den Postämtern und bis zum 30. Juni 2014 bei den Banken umgetauscht werden. Abb. 13: 100 Euro 2002, Vs., Estland 2011: 100 Euro = 1.564,66 Kronen, 100 Kronen = 6,39 Euro; Lettland 2014: 100 Euro= 70,28 Lats, 100 Lats = 142,28 Euro; Litauen 2015: 100 Euro = 345,28 Litas 100 Litas = 28,96 Euro. Der Litas war bis zum 31. Dezember 2014 die litauische Währung und wurde dem ab 1. Januar 2015 durch den Euro ersetzt und war noch bis zum 15. Januar 2015 bei den Postämtern eintauschbar; die meisten Banken wechselten die Litas-Banknoten noch bis zum 30. Juni 2015 und manche Geldinstitute sogar bis zum 31. Dezember 2015 um. Die Bank von Litauen tauscht Litas-Banknoten und -Münzen zu einem festen Wechselkurs, ohne Begrenzung der Beträge und für unbegrenzte Zeit. Abb. 14: der „West-Express“, die Karikatur von Jocius Gintaras aus dem Jahr 2014 zeigt den früheren Finanzminister Romualdas Sikorskis, der 1991 den Waggon mit den Sowjetrubel abkoppelte – danach koppelte Finanzminister Eduardas Vilkelis die Talonas-Waggons ab – und schließlich sieht man Finanzminister Rimantas Šadžius, der die Litas-Waggons abkoppelte und sich mit den Euro-Banknoten auf dem richtigen Gleis befindet. Der lettische Karikaturist Jocius Gintaras fand mit seiner aussagekräftigen Bildgeschichte zur litauischen Währung von 1990 bis 2015 allgemeine Anerkennung und Auszeichnungen. Michael H. Schöne Quellen: Ilmar Lepik „Pikk üleminek: Eesti valuutakomitee 1992–2010“, Eesti Pank, Tallinn 2014 Vidmantas Laurinavičius „Pinigai Ir Pinigų Sistemos Pokyčiai Lietuvoje“ (1988–2016), Lietuvos bankas, Vilnius 2017 Villu Zirnask „Eesti Pangalugu“, Eesti Pank, Tallinn 2019 https://de.wikipedia.org https://enciklopedija.lv https://geschichte-wissen.de https://www.caricatura.lt https://www.delfi.ee
- Russland: Neue 1000- und 5000-Rubel-Noten sollen im Sommer erscheinen
Der stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank der Russischen Föderation Sergej Below gab bekannt, dass die geplante Einführung neuer Banknoten über 1000 und 5000 Rubel im Sommer dieses Jahres erfolgen werde. Die beiden Nominale sollen im Zuge der Aktualisierung der Umlaufnoten bis 2025 erneuert werden; außerdem sollen 2024 neue 500-Rubel-Noten folgen und 2025 Scheine über 10 und 50 Rubel. Der Grund für die Einführung neuer Noten liegt in der Notwendigkeit, die Fälschungssicherheit wiederherzustellen – die derzeit im Umlauf befindliche Banknotenserie stammt nämlich noch aus dem Jahr 1997. Daher können neben Änderungen in der Gestaltung auch viele neue Sicherheitsmerkmale erwartet werden. Jedes Nominal der neuen Banknotenserie hat jeweils einen Kreis der Russischen Föderation und deren Hauptstadt zum Thema: Mit dem 1000er soll Wolga mit der Hauptstadt Nischni Nowgorod und mit dem 5000er Ural mit Jekaterinburg vorgestellt werden. Zwar wurde die Gestaltung der beiden Nominale noch nicht präsentiert, jedoch wird vermutet, dass die Scheine jeweils entweder den Kreml, das Staatsbankgebäude oder das Maxim-Gorki-Denkmal von Nischni Nowgorod sowie eine Panoramaansicht der Stadt Jekaterinburg zeigen könnten. Die aktuelle 1000-Rubel-Banknote, die im Sommer durch neue ersetzt werden wird. Die aktuelle 5000-Rubel-Banknote, die im Sommer durch neue ersetzt werden wird. Kana Totsuka Abb. Hartmut Fraunhoffer (www.banknoten.de)












