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- Lexikon: Deutsche Ueberseeische Bank
Die 1886 als Tochtergesellschaft der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft gegründete Deutsche Uebersee-Bank (ab 1893 Deutsche Ueberseeische Bank) hatte als Banco Alemán Transátlantico Niederlassungen in Argentinien, Chile, Peru, Uruguay und Spanien sowie als Banco Alemão Transatlantico in Brasilien. DAB-1E: Banco Aleman Transátlantico, Banknote zu 200 Pesos vom 1. Januar 1888 mit Lochentwertung, Vorder- und Rückseite. Als das argentinische Bankgesetz von 1887 den Banken in Argentinien das Recht einräumte, gegen Hinterlegung einer 4,5%igen inneren Goldanleihe beim staatlichen Aufsichtsamt die gleiche Summe in Banknoten auszugeben, nutzte dies die Bank und gab mit Datum vom 1. Januar 1888 eine 200-Pesos-Note in Umlauf. Ein neues Bankgesetz vom 3. Oktober 1890 zwang die Bank jedoch, auf ihr Notenrecht zu verzichten. Es blieb bei nur diesem einen Wert, der heute eine absolute Rarität ist. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Sämtliche Ausgaben der Deutschen Reichsbank und der Deutschen Rentenbank finden Sie hier: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 928 Preis: 39,90 EUR
- Gedrehtes Porträt auf dem blauen Hunderter der Gemäldeserie
Für den Entwurf von Geldscheinen mit Porträts bedarf es der Verwendung bereits vorhandener Darstellungen, eine Banalität sollte man meinen. Doch oft genügten die greifbaren Vorlagen nicht den idealen Vorstellungen der Banknoten-Entwerfer. Mitunter entstanden dann Scheine mit Kopfbildnissen, die zwar nicht exakt den Originalvorlagen wie z. B. einem Ölgemälde entsprachen, aber dennoch bekannter werden konnten, als diese. BRD-28a (SCWPM: FRG-34c): 100 DM der Deutschen Bundesbank vom 2. Januar 1980 mit Porträt von Sebastian Münster, Vorder- und Rückseite, Sammlung Grabowski. So staunte schon mancher Museumsbesucher in Berlin, zuerst noch im Bezirk Dahlem, vor dem Werk des Augsburger Porträtmalers Christoph Amberger (ca. 1505–1561/62) mit dem Porträt[1] des Kosmographen, Humanisten und Hebraisten Sebastian Münster (1488–1552) und fragte sich, sofern er noch im 20. Jahrhundert aufwuchs, weshalb ihm der Abgebildete so seltsam vertraut vorkam. Er kannte ihn vom blauen Hunderter[2] der ersten Gemäldeserie der Deutschen Bundesbank (BBk I) in Frankfurt am Main, zuerst ausgegeben am 26. Februar 1962, außer Kurs gesetzt 1995, drei Jahre nach der Einführung der sog. Persönlichkeitsserie BBk III. Aber der elegant gekleidete ältere Herr auf dem Originalölgemälde aus Lindenholz in den Abmessungen 54 cm x 42 cm schaut nach rechts aus dem Bild heraus. Auf dem Geldschein in dem für deutsche Hunderter traditionellem Blau dagegen schaut er nach links zur Bildmitte und auf die Wertangabe. Ein Kennzeichen auch der anderen Wertstufen dieser Serie. Nur der „bärtige Mann“ auf dem Tausender schaut den Betrachter direkt an. Der Grafiker Hermann Eidenbenz (1902–1993) hatte sich also viel Mühe gegeben, das Kunstwerk nach den Vorgaben der Bundesbank und einer Lithographie aus dem 19. Jahrhundert (Abb. links)[3] in gedrehter Form zu erarbeiten. Die Kupferstecher Egon Falz (1932–2010) und der 1950 bis 1992 bei der Bundesdruckerei in Berlin beschäftigte Hans Joachim Fuchs setzten seinen Entwurf beeindruckend würdevoll um. Dies umso mehr, wenn man zeitgenössische Stiche des Gelehrten betrachtet, die auch schon in gedrehter Form veröffentlicht wurden. Im Vergleich zu diesen, wie der abgebildete Kupferstich aus Basel (Abb. 5)[4], erscheint der Sebastian Münster auf dem Hunderter schmeichelhaft getroffen. Rückseite des Cosmographia-Titels von 1544 (Sebastian Münster als Sechzigjähriger). In der nachfolgenden Persönlichkeitsserie BBk III schaut nur noch Annette von Droste-Hülshoff aus ihrem grünen Zwanziger nach links. Die anderen Damen und Herren blicken zumeist leicht rechts am Betrachter vorbei, bis auf Frau Merian, die schaut ebenfalls halb nach links. Die Gebrüder Grimm auf ihrem Tausender schauen in unterschiedliche Richtungen. Aber auf all diesen Scheinen sind die Namen und Lebensdaten der abgebildeten Berühmtheiten angegeben. Das war bei den Scheinen der ersten Gemäldeserie von 1960 bis 1980 noch nicht der Fall. Man war sich dabei wohl noch nicht so ganz sicher gewesen, welche historisch belegbare deutsche Persönlichkeit man da eigentlich mit Geldscheinen massenhaft unters Volk brachte. Der blaue Hunderter mit Sebastian Münster wurde 1962 erstmals ausgegeben und dann noch viermal neu aufgelegt. Die Buchstaben I und O wurden nicht verwendet, aus Gründen der Verwechslungsgefahr mit einer Eins bzw. einer Null. Der Buchstabe Z blieb den Ersatznoten vorbehalten, die bei Giesecke & Devrient in München gedruckt wurden und nicht in der Berliner Bundesdruckerei. Die ersten Unterschriften stammen vom Präsidenten der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main Karl Blessing (1958–1969) und seinem Stellvertreter Dr. Heinrich Troeger. Für Blessing wahrscheinlich eine späte Genugtuung, da er 1939 seinen Posten in der Reichsbankdirektion hatte aufgeben müssen. 1970 gab es andere Unterschriften vom neuen Bundesbankpräsidenten Karl Klasen (1970–1977) und seinem Vize Otmar Emminger. Man kam nicht mehr ins Zuchthaus, sondern erhielt eine Freiheitsstrafe bei Geldfälscherei und es gab Scheine mit gleichen und unterschiedlich großen Buchstaben und Kontrollnummern. 1977–1979 war Otmar Emminger an die Spitze der Bundesbank aufgerückt und 1980–1991 von seinem Stellvertreter Karl Otto Pöhl abgelöst worden. Das Staatstragende an diesem Hunderter sollte die Rückseite sein, mit seinem beeindruckenden Adler mit ausgebreiteten Schwingen, scharfen Fängen und leicht geöffnetem Schnabel ohne Zungenspiel. Auch dieser Greifvogel schaut nach links zur Zahl Einhundert. 1980 kam es dann auch zu einer zweiten Auflage mit den Unterschriften Pöhl – Schlesinger wegen der Einführung eines © Deutsche Bundesbank 1962 auf der Rückseite links unten. Helmut Schlesinger folgte Pöhl plötzlich 1991 nach und vollendete damit eine Laufbahn, die 1952 noch bei der Bank Deutscher Länder begonnen hatte. Für 1980 existieren also – für ungeübte Anbieter und Sammler verwirrend – zwei Ausgaben von 1980, mit und ohne Copyright 1962. Dafür ist dies aber auch die letzte Ausgabe vor der Serie BBk III im Jahr 1989. Christian Merker Anmerkungen [1] Berlin, Staatliche Galerien [2] BRD 10, Rosenberg 266, Pick 22. Abmessung 160 mm x 80 mm [3] Heidelberg, Universitätsarchiv [4] Heidelberg, Universitätsarchiv Kupferstich Theodor de Bry (1528–1593)
- Klein gegen Gross – Am 12. März 2022 mit einem Spiel rund um Banknoten aus aller Welt
Hier geht es zum Banknoten-Duell !!! Die von Kai Pflaume moderierte bekannte ARD-Samstag-Abend-Show startet in einer neuen Ausgabe am 12. März um 20.15 Uhr u. a. mit einem Spiel rund um Banknoten aus aller Welt. Der allseits bekannte Sammler Josef Gerber hat für die Redaktion Geldscheine aus 164 Ländern der Welt mit eigenen Währungen ausgesucht und der Sendung als Scans zur Verfügung gestellt. Auch unsere Redaktion wurde von den Machern der Sendung kontaktiert und über die Machbarkeit des Spiels befragt. Beim Banknotenspiel geht es darum, dass die Kandidaten Banknoten gezeigt bekommen, bei denen die Ländernamen und Währungsbezeichnungen abgedeckt und damit unkenntlich gemacht wurden, wenn es sich um eine lateinische Schreibweise handelt. Die Spieler haben dann 90 Sekunden Zeit, um Land und Währung zu benennen, also z. B. Japan und Yen. Für jedes richtige Antwortpaar gibt es einen Punkt. Wie bei diesem Spiel üblich, treten die Kleinen gegen die Großen an, bei denen es sich z. B. um Prominente wie Jan Josef Liefers handelt, der vielen Zuschauern als Professor Börne aus dem Münsteraner Tatort bekannt ist. Wir wünschen allen Geldscheinsammlern viel Spaß beim Mitraten! Mehr Infos: https://www.daserste.de/unterhaltung/show/klein-gegen-gross/index.html Hans-Ludwig Grabowski
- Leserpost: Schuldschein (?) von 1779
Sehr geehrter Herr Grabowski, ich schätze Ihren Blog und dessen fachliche Kompetenz sehr. Daher wende ich mich mit einer speziellen Frage zu einem Archivfund an Sie. Folgendes Stück stammt aus einer Aktenmappe diverser Geschäftspapiere des 18., 19. und frühen 20. Jh. Leider reicht mein finanzhistorisches Wissen nicht zu einer eindeutigen Zuordnung dieses Belegs. So viel scheint nur klar: nach der Seitenbezeichnung ("Fol. 358b.") findet sich das "fl" als Kürzel für Gulden gefolgt von einem Namen (?), im folgenden ein gedruckter Satz, der das Dokument auf den 1.6.1779 datiert. Darunter ist handschriftlich in einem dafür vorgesehenen Feld eine Tilgung (?) vermerkt. Rückseitig findet sich ein Vordruck mit einer Terminangabe sowie dem Vermerk, dass keine weiteren Zahlungen ausstehen(?). Am oberen Rand meine ich Wasserzeichen zu erkennen. Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich um eine Form eines Schuldscheines oder einer Anleihe zur Unterstützung der Stadt Stuttgart handelt? Maße: 20 cm x 15cm. Könnten Sie mir sagen, worum es sich hierbei genau handelt? Selbstverständlich können Sie diese Anfrage samt Bilder bei Interesse in Ihrem Blog veröffentlichen. Herzlichen Dank und viele Grüße aus Stuttgart Til Horna Antwort der Redaktion Hallo Herr Horna, Sie haben da einen sehr interessanten Beleg der Stadt Stuttgart gefunden. Bei der im Text genannten "Sommer-Anlage“ handelt es sich um eine seit 1681 im Sommer erhobene Sondersteuer zur Deckung der Kreisanlage für Militärausgaben. Die sog. „Kreisanlage“ wiederum ist der Betrag, den die einzelnen Mitglieder der Reichskreise (u. a. zu Verteidigungszwecken waren die Territorien des frühneuzeitlichen Reichs in zehn sog. Reichskreise eingeteilt, wobei Württemberg zum Schwäbischen Reichskreis gehörte) für die gemeinsamen Aufgaben entrichten mussten. Betrachtet man den Zweck der Kreisanlage, wird der damals gewaltige Betrag in Höhe von 50.000 Gulden nachvollziehbar. Als Steuerbeleg für eine einzelne Person wäre diese Summe viel zu hoch. Ich hoffe, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten. Hans-Ludwig Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: 10 Yuan der Bank of China von 1934
Objekttyp: Banknote Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Kaiserreich China Bestrebungen die ab 1644 herrschende Mandschu-Dynastie zu stürzen. Im Herbst 1911 brach die Xinhai-Revolution aus, an deren Ende der Thronverzicht des erst sechsjährigen Kaisers Puyi am 12. Februar 1912 stand. Bereits am 1. Januar 1912 war die erste chinesische Republik gegründet worden, mit der die über 2100 Jahre andauernde Geschichte des chinesischen Kaiserreichs endete. Ebenfalls 1912 wurde die Bank of China gegründet, die die älteste Bank Chinas, die Ta Ching Government Bank, ablöste. Von 1912 bis 1942 gab sie eigene Banknoten im Rahmen der Bankengruppe der "Big Four" (Bank of China, Central Bank of China, Agricultural Bank of China und Bank of Communications) aus. Die Bank of China fungierte Anfangs für die chinesische Regierung als Zentralbank, wurde aber 1928 in dieser Funktion durch die Central Bank of China abgelöst und so mit der Zeit zu einer kommerziellen Bank. Land/Region/Ort: China, Republik, Tientsin Emittent: Bank of China Nominal: 10 Yuan Datierung: Oktober 1934 Vorderseite: Auf einem Stein an einem See sitzender Schafhirte mit seiner Herde vor einer Gebirgslandschaft. Rückseite: Mitte Ansicht der Großen Chinesischen Mauer im Gebirge, rechts Frühlings-Pavillon des Neuen Sommer-Palastes in Peking. Wasserzeichen: Himmelstempel in Peking Unterschriften: Sung (General Manager) / Bian (Manager) Format: 176 mm x 91 mm Material: Papier mit Wilcox-Fasereinlagen Druck: Thomas De La Rue, London, Großbritannien Nummerierung: F677346 Authentizität: Original Zitate: CHN-73a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) B1149a (Linzmayer: The Banknote Book: China I National) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Lexikon: Deutsche Rentenbank
Durch die chaotischen währungspolitischen Ereignisse des Jahres 1923 und den Verfall der Papiermark war das Vertrauen der Bevölkerung in die von der Reichsbank ausgegebenen Reichsbanknoten verloren gegangen. Eine Stabilisierung der Währung durch durch die Ausgabe neuer Zahlungsmittel durch die Reichsbank hätte daher vermutlich keinen Erfolg gehabt. Die auf Grund der Verordnung vom 15. Oktober und der Durchführungs-bestimmungen vom 17. November und 17. Dezember 1923 geschaffene Deutsche Rentenbank sollte als ein Provisorium durch die Stabilisierung der Währung der Reichsbank die Wiederaufnahme ihrer alten Funktion als Zentralnotenbank ermöglichen. DEU-204: Deutsche Rentenbank, 100 Rentenmark vom 1. November 1923, Vorder- und Rückseite. Die Rentenmarkscheine waren daher nur "gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel", während die auch 1923/24 weiter ausgegebenen Billionen-Scheine der Reichsbank "gesetzliche Zahlungsmittel" blieben. Nach einem Entwurf des Staatsministers a. D. Karl Helfferich (1872–1924) sollte der jeweils geltende Roggenpreis als Währungsgrundlage genutzt werden. Er schlug daher ohne Erfolg die Währungsbezeichnungen "Roggenmark" und "Neumark" vor. Auch die vom zweimaligen Finanzminister der "Weimarer Republik" Rudolf Hilferding (1877–1941) vorgeschlagene Bezeichnung "Bodenmark" wurde nicht akzeptiert, wohl, weil sie zu sehr an die "mandats territoriaux" der Französischen Revolution erinnert hätte. Vom amtierenden Finanzminister Hans Luther (1879–1962) kam dann der Vorschlag zur "Rentenmark". DEU-208: Deutsche Rentenbank, 10 Rentenmark vom 3. Juli 1925, Vorder- und Rückseite. DEU-221: Deutsche Rentenbank, 50 Rentenmark vom 6. Juli 1934, Vorder- und Rückseite. Nach der Wiedereinsetzung der Reichsbank als Zentralnotenbank durch das Bankgesetz vom 30. August 1924 sollte eine planmäßige Tilgung und Vernichtung der Rentenbankscheine durchgeführt werden. Die in diesem Zusammenhang notwendige Abwicklung der Rentenmarkkredite und die gleichzeitig angestrebte Golddeckung der Reichsmark bei steigendem Zahlungsmittelumlauf verzögerten die Umwandlung der Noten. Als letzten Abwicklungstermin hatte man schließlich 1942 vorgesehen. DEU-222c: Deutsche Rentenbank, 1 Rentenmark vom 30. Januar 1937, Vorder- und Rückseite. Eine letzte Funktion als Kleingeld übten die Rentenmarkscheine während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit bis zu den Währungsreformen von 1948 aus. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Sämtliche Ausgaben der Deutschen Reichsbank und der Deutschen Rentenbank finden Sie hier: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 928 Preis: 39,90 EUR
- Leserpost: Geldscheine mit der Kontrollnummer 1, Teil 4
Sehr geehrter Herr Grabowski, anbei Bilder Scheine Serien-Nummer 1 (ein Schein Nr. 2) aus meiner Sammlung . Mit freundlichen Grüßen Jürgen Schäfer Klingenberg am Main (Bayern) : Gutschein über 50 Milliarden Mark vom 29. Oktober 1923 mit der Kontrollnummer "0001", Vorderseite, Sammlung Jürgen Schäfer. Nordenham (Oldenburg): Gutschein über 2 Mark vom 27. August 1914 mit der Kontrollnummer "1", Vorderseite, Sammlung Jürgen Schäfer. Oberlustadt (Pfalz): Gutschein über 2 Millionen Mark vom 20. September 1923 mit der Kontrollnummer "0002", Vorderseite, Sammlung Jürgen Schäfer. Schmiegel (Oberschlesien): Gutschein über 1 Mark vom 14. August 1914 mit der Kontrollnummer "1", Vorderseite, Sammlung Jürgen Schäfer. Sopronnyék (Ungarn, Burgenland): Oberpullendorf: Gutschein des K.u.K. Kriegsgefangenenlagers über 1 Krone vom 16. Juni 1916 mit der Kontrollnummer "0001", Vorderseite, Sammlung Jürgen Schäfer. Windhaag bei Perg (Oberösterreich): Sonderserie zu 10, 20 und 50 Heller ohne Datum (Auflage 25 Serien) je mit Kontrollnummer "1", Vorder- und Rückseiten, Sammlung Jürgen Schäfer. Antwort der Redaktion Sehr geehrter Herr Schäfer, vielen herzlichen Dank für die Bilder von Scheinen aus Ihrer Sammlung zum Thema „Kontrollnummer 1“. Es ist beeindruckend, dass Sie gleich mehrere Scheine mit dieser seltenen Nummer besitzen. Gerne veröffentliche Ihre Abbildungen im Geldschein-Blog. Für Sie noch alles Gute im neuen Jahr und vor allem Gesundheit und noch viel Spaß beim Sammeln. Hans-Ludwig Grabowski
- Die Banknote des Jahres 2021
Liebe Leser, in der Februar-Ausgabe von „Münzen & Sammeln“ sowie in unserem Online-Magazin www.geldscheine-online.com mit seinen kostenlosen Newslettern rief die Redaktion zur Wahl der Banknote des Jahres 2021 auf. Vielen Dank für die zahlreich abgegebenen Stimmen mit Postkarten und E-mails. Sieger wurde die sehr schöne Gedenkbanknote der Philippinen zum 500. Jahrestag der Schlacht von Mactan. Platz 1: Vorschlag 7, Philippinen, mit 19,7 % aller Stimmen 1. Platz und damit Banknote des Jahres 2021: Vorschlag Nr. 7 – Philippinen: Gedenkbanknote der Republika ng Pilipinas zu 5000 Piso von 2021, 500 Jahre Schlacht von Mactan, ausgegeben ab 28. Januar 2021. Platz 2: Vorschlag 2, Australien, mit 18,0 % aller Stimmen. 2. Platz: Vorschlag Nr. 2 – Australien: 100 Dollars der Reserve Bank of Australia ohne Datum, Polymer-Kunststoff, in Umlauf ab Ende 2020. Platz 3: Vorschlag 3, Bahamas, mit 14,8 % aller Stimmen 3. Platz: 3. Vorschlag Nr. 3 – Bahamas: 100 Dollars der Central Bank of The Bahamas der Serie 2021, in Umlauf ab 6. Oktober 2021. Die verbleibenden 47,5 % der Stimmen teilten sich die restlichen neun Vorschläge. Platz 4 belegte Vorschlag 9 (Sao Tomé und Príncipe) 13,1 %. Gleich auf lagen die Vorschläge 6 (Peru), 8 (Rumänien), 10 (Schottland) und 12 (Trinidad und Tobago) mit je 6,6 %. Vorschlag 5 (Mexiko) erhielt 5 % und die Vorschläge 1 (Aserbaidschan) und 4 (Libyen) je 1,5 % der Stimmen. Keine Stimme wurde für Vorschlag 11 (Simbabwe) abgegeben. Die Gewinner Folgende Gewinner wurden gezogen: 1. Preis: Olaf T. aus Jever Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 75 Euro 2. Preis: Klaus G. aus Hofheim Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 50 Euro 3. Preis: Hartmut B. aus Stralsund Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 25 Euro Zusätzlich wurden weitere sieben Gewinner gezogen! Diese erhalten je zwei Geldschein-Notizblöcke mit Motiven aus den ehemaligen deutschen Kolonien. Lina S. aus Mühlenbeck Jürgen P. aus Konzell Uschi E. aus Kaisersesch Jan Erik H. aus Wendeburg Daniel L. aus Stuttgart Pascal M. aus Noertzange Joe K. aus Köln Herzlichen Glückwunsch! Hans-Ludwig Grabowski
- Porträt eines Notgeldkünstlers: Erwin Nöbbe 1882–1948
Erwin Nöbbe: Maler, Archäologe und Numismatiker in Flensburg. Geboren am 29. März 1882 in Flensburg, gestorben am 3. März 1948 ebendort. Porträt von Erwin Nöbbe als Knabe im Schaukelstuhl 1887, gemalt von seinem Vater, dem Kunstmaler Jakob Nöbbe. Erwin Nöbbe stammte aus einer alten Flensburger Malerfamilie. Schon sein Großvater Jakob Nöbbe war Malermeister in Flensburg. Dessen Sohn, ebenfalls Jakob mit Namen, war Porträtist und Landschaftsmaler. Getreu der Familientradition erlernte auch Erwin Nöbbe das Malerhandwerk. Mitglieder der Ekensunder Künstlerkolonie 1885, Foto von Wilhelm Dreesen. Jacob Nöbbe: Am Ufer von Ekensund, Gemälde 1885. Nach seiner Schulausbildung in Flensburg ging er im Jahre 1901 an die Berliner Akademie, wechselte aber 1903 an die Kunstschule Weimar, wo er bei L. v. Hofmann studierte. Seine erste Anstellung fand er in seiner Heimatstadt Flensburg, wo er von 1907 bis 1909 am Flensburger Museum als Assistent tätig war. Von 1909 bis 1913 arbeitete er noch als Konservator am Museum für Vaterländische Altertümer in Kiel, beschloss aber anschließend ausschließlich als freier Künstler tätig zu sein. Zusammen mit seinem Vater arbeitete er in der Ekensunder Künstlerkolonie an der Flensburger Förde und auf der dänischen Insel Fanö. Zahlreiche Landschaftsgemälde, aber auch Porträts, z. B. von seiner eigenen Familie, sind bekannt und in den Museen in Flensburg und Schleswig zu sehen. Erwin Nöbbe: Die Nöbbes, Gemälde vor 1919. Erwin Nöbbe: Dünen auf Fanö, Pastell 1931. Erwin Nöbbe: Küstenlandschaft, Pastell 1946. In den Jahren 1919 bis 1921 fand er ein reiches Betätigungsfeld in der Erschaffung von Notgeldscheinen von Flensburg und dessen näherer Umgebung: Aventoft, Gemeinde Flensburg, Bäckerei Brodersen Flensburg, Stadt Glücksburg, Stadt Lutzhöft, Gemeinde Wyk auf Föhr, Stadt Die Münzenfreunde kennen ihn als Numismatiker. Es gibt eine Reihe von Publikationen aus seiner Feder: Der Brakteatenfund von Eutin. Goldbrakteaten in Schleswig-Holstein und Norddeutschland. Münzfund von Westerland auf Sylt. Münzfunde aus dem 8. - 10. Jahrhundert in Schleswig-Holstein Flensburg als Münzstätte. u. a. m. Axel Ernst: Porträt von Erwin Nöbbe 1926. Ein ausführlicher Nachruf findet sich im Nordisk Numismatisk Unions Medlemsblad 1948, S. 58-63, geschrieben von Axel Ernst. Aventoft, Gemeinde Aventhoft, Kirchspiel: 50 Pfennig vom 31.10.1921, Vorder- und Rückseite. Aventhoft, Kirchspiel: 75 Pfennig vom 31.10.1921, Vorder- und Rückseite. Aventhoft, Kirchspiel: 1 Mark vom 31.10.1921, Vorder- und Rückseite. 50, 75 Pfennig, 1 Mark 31. 10.1921 – 01. 05.1922 Entwurf: Erwin Nöbbe Druck: Aug. Westphalen, Flensburg Alle drei Scheine zeigen auf der Vorderseite bis auf die Wertziffer dasselbe Bild: Das Schleswig-Holsteinische Wappen, beiderseits eingerahmt von einem „Elker“, einem Gerät zum winterlichen Aalstechen. Auf der Rückseite befindet sich bei 50 Pfennig die Dorfschule, bei 75 Pfennig die Kirche und bei 1 Mark das Pastorat mit den Hofgebäuden und einem Fahnenmast mit blau-weiß-roter Fahne. Die Geschichte der Entstehung dieser Ausgabe ist von besonderer Art: Als das Kirchenkollegium beschloss, für die als Kriegsmetall hingegebene Glocke eine Ersatzglocke anzuschaffen, kam Pastor Münchmeyer auf den glorreichen Gedanken, einen Teil der Kosten durch Herausgabe einer Notgeldserie aufzubringen. Maler und Drucker wurden schnell gefunden und, als schließlich auch die in Hamburg ansässige Notgeldhandlung Pape & Lammers gewonnen werden konnte, den Vertrieb zu übernehmen, wurde gedruckt. Je Nominal wurden 12.400 Exemplare hergestellt, wovon 400 Serien in der Gemeinde verblieben, und der Rest für 20.250 Mark in mehreren Lieferungen an Pape & Lammers verkauft wurde (19.06., 07.07., 19.07., 29.09.1922, Rest am 22.01.1923). Nach Abzug der Druckkosten und des Honorars von 2.500 Mark an Erwin Nöbbe für die Entwürfe verblieb dem Kirchspiel ein Reingewinn von 8.437,50 Mark, eine Summe, die im Vergleich zu den tatsächlichen Kosten der neuen Glocke von 105.000 Mark nur 8 % aus- machte. Flensburg, Bäckerei und Zwiebackfabrik A. T. Brodersen Flensburg, A. T. Brodersen: 15 Pfennig von 1920, Vorder- und Rückseite. Flensburg, A. T. Brodersen: 30 Pfennig von 1920, Vorder- und Rückseite. 15, 30 Pfennig 1920 Entwurf: Erwin Nöbbe Ausführung: J. M. Feddersen, Flensburg Die Vorderseiten zeigen (verschieden gestaltet) im wesentlichen die Wertziffern und den Firmennamen. Auf der Rückseite befinden sich bei 15 Pfennig zwei eine Brezel haltende Löwen über dem Stadtwappen und bei 30 Pfennig die Stadtansicht von Flensburg, darunter das Stadtwappen. Auflage: jeweils 10.000 Stück Kosten der Entwürfe: 300 Mark je Schein Kosten des Druckes einschließlich Papier und Nummerierung: zusammen 1.100 Mark. Flensburg, Stadt (Magistrat, Stadtverordneten-Kollegium) Flensburg, Stadt: Entwurf zu 50 Mark ohne Datum (1918), Vorder- und Rückseite. Entwürfe 1918 und 1919 von Erwin Nöbbe (nicht in den Druck gegangen), entnommen aus Herbert Bakowsky, Das Notgeld der Stadt Flensburg 1914-1923, Band 49 der Schriftenreihe „DIE MÜNZE“ Berlin 1975, S. 11-12. 50 Mark o. D. (1918) Wasserfarbe Vs. hellgrün, dunkelgrün Rs. dunkelgrün 25 Pfennig 1. Dezember 1919 zwei Entwürfe Wasserfarbe Fünfundzwanzig Pfennig Vs. Schwarze Schrift auf braunem Untergrund Rs. Wappen und Nordertor dunkelbraun Fiefundtwintig Penn Vs. Schwarze Schrift auf braunem Untergrund Rs. Wappen und Nordertor hellgrau 25 Pfennig 1919 Wasserfarbe Fünfundzwanzig Pfennig Vs. Schwarze Schrift auf braunem Untergrund Rs. Schwarzhellblau, rot, Untergrund braun Flensburg, Stadt: 10 Milliarden Mark vom 24. Oktober 1923, Druck einseitig, unfertiges Stück ohne KN.. Flensburg, Stadt: 50 Milliarden Mark vom 24. Oktober 1923, Druck einseitig, unfertiges Stück ohne KN.. Flensburg, Stadt: 100 Milliarden Mark vom 24. Oktober 1923, Druck einseitig, unfertiges Stück ohne KN. 10, 50, 100 Milliarden Mark 24. 10. 1923 Entwurf: Erwin Nöbbe (das Flensburger Wappen signiert mit NÖBBE) Druck: Aug. Westphalen, Flensburg Auflage: 10 Milliarden 25.000 Stück 50 Milliarden 140.000 Stück 100 Milliarden 47.500 Stück Im Stadtarchiv Flensburg (St. A. - II C 332) liegt das Originalschreiben Nöbbes zu seinem 10 Milliarden-Schein. Glücksburg, Stadt Glücksburg, Stadt: 25 Pfennig von 1920, Vorder- und Rückseite. 25 Pfennig 1920 Entwurf: Erwin Nöbbe Druck: Gebh & Kunze, Flensburg Vs. Wertziffer, Schrifttafel, darunter das Stadtwappen Rs. Schloß Glücksburg Auflage: 40.000 oder 60.000 Stück Kosten des Entwurfs: 500 Mark Kosten des Drucks einschließlich Papier und Nummerierung bei einer Auflage von 40.000 Stück 2.250 Mark Auflage von 60.000 Stück 2.750 Mark Glücksburg, Stadt: 50 Pfennig vom 17. Juni 1920, Vorder- und Rückseite. 50 Pfennig 17. 6. 1920 Entwurf: Erwin Nöbbe Druck: Gebh & Kunze, Flensburg Vs. Wertziffer, Stadtwappen, Schrift Rs. Blick auf die Flensburger Förde Kosten des Entwurfs: 500 Mark Kosten des Drucks einschließlich Papier und Nummerierung: 5.000 Mark Glücksburg, Stadt: 1 Mark von 1920, Vorder- und Rückseite. 1 Mark 1920 Entwurf: Erwin Nöbbe Druck: Aug. Westphalen, Flensburg Vs. Stadtwappen Rs. Schloß Glücksburg Auflage: 60.000 Stück Kosten des Entwurfs: 500 Mark Kosten des Drucks einschließlich Papier und Nummerierung: 3.780 Mark (Das verwendete Papier war zu dünn und durchsichtig. Bei Verwendung besseren Papiers hätten sich die Druckkosten um etwa 50 Mark erhöht). Lutzhöft, Gemeinde Lutzhöft, Gemeinde: 1 Mark vom 1. Juli 1920, Vorder- und Rückseite. 1 Mark 1. Juli 1920 Entwurf: Gemeindevorsteher Diederichsen und Erwin Nöbbe Druck: Gebh & Kunze, Flensburg Vs. Bismarckgedenkstein unter der Eiche, die der Sage nach von König Waldemar III., 1340–1375, gepflanzt worden sein soll. Darunter der Text: Bismarckgedenkstein und Eiche / gepflanzt von König Waldemar / verkünden dem Wanderer, daß alles auf Erden ist wandelbar. Rs. Blick von der Höhe des Angelner Landes über die Flensburger Förde hinüber auf die Halbinsel Broager. In die Förde hinein ist die deutsch-dänische Grenze gezeichnet. Im Vordergrund stehen zwei Männer, zwischen ihnen eine Bauersfrau von ansehnlicher Breite und zwei Kinder, die nach den abgetretenen Gebieten hinüberschauen. Darunter der Text: Wir bleiben dennoch ungeschieden. Die Bauersfrau hat verschiedene Deutungen gefunden: Es soll damit das Dorforiginal Kathrin gemeint sein, das sich Nöbbe zum Vorbild genommen hat. Nach Fertigstellung der Scheine soll der Gemeindevorsteher zu Kathrin gesagt haben: „Na Kathrin, nu schast Du ja mit op unse Notgeld“, worauf diese geantwortet haben soll: „Ja de Tiden hebbt sich ännert. Fröher wär de Kaiser jo op unse Geld - nun lat mi mal“ Herbert Bakowsky, der bekannte Notgeldforscher Nordschleswigs, fand heraus, daß der Name der Frau gar nicht Kathrin war, sondern Maria Gmelok, im Dorf stets „Mutter Melok“ genannt. Es sei auch nicht Nöbbe gewesen, der sie zum Modell ausgesucht hätte, sondern der Gemeindevorsteher Diederichsen, der auch die Entwürfe angefertigt habe. Es sei gar nicht sicher, ob Nöbbe „Mutter Melok“ überhaupt gekannt habe. Geklärt werden kann diese Frage heute sicher nicht mehr. Auflage: 1. Auflage 25.000 Stück, geliefert am 04.08.1920 2. Auflage 30.000 Stück, geliefert am 28.05.1921 3. Auflage 27.500 Stück, geliefert am 09.11.1921 Der Entwurf eines zu dieser Ausgabe gehörigen Scheins über 50 Pfennig soll laut Bakowskys Mitteilung von Gemeindevorsteher Diederichsen stammen. Wyk auf Föhr, Stadt Wyk auf Föhr, Stadt: 1 Mark vom Juni 1920, Vorder- und Rückseite. 1 Mark Juni 1920 Entwurf: Erwin Nöbbe Druck: Gebh & Kunze, Flensburg Vorderseite: Stadtwappen und Girlande Rückseite: Promenade und Strand Auflage: 40.000 Stück Kosten des Entwurfs: 500 Mark Kosten des Drucks einschließlich Papier und Nummerierung: 5000 Mark Wyk auf Föhr, Stadt: 5 Mark vom Juni 1920, Vorder- und Rückseite ohne Spruch. Wyk auf Föhr, Stadt: 5 Mark vom Juni 1920, Rückseite mit Spruch. 5 Mark 1920 Entwurf: Erwin Nöbbe Druck: Gebh & Kunze, Flensburg Vorderseite: Stadtwappen Rückseite: Strandleben Bekannt sind vier Varianten dieses Scheins: a. ohne Spruch auf der Rückseite b. auf der Vorderseite links und rechts zusätzlich eine große Wertziffer „5“ c. mit zweizeiligem Spruch auf der Rückseite: „Un quesen jem....“ d. mit Datum „14. März 1920“ sowie vierzeiligem Spruch: „Un geit uns....“ Angaben zu Auflagenhöhe und Herstellungskosten waren nicht zu ermitteln. Manfred Mehl Literatur: Bakowsky, Herbert: Das Notgeld der Stadt Flensburg 1914-1923. Band 49 der Schriftenreihe „DIE MÜNZE“. Berlin 1975. Feddersen, Berend Harke: Schleswig-Holsteinisches Künstler-Lexikon. Bredstedt 1984. Frahm, Hans: Das Notgeld Nordfrieslands. Einige Betrachtungen über die Ersatzwertzeichen des Kreises Nordfriesland aus den Jahren 1917 bis 1922. Teil I: Das Festland. Teil II b: Föhr, Amrum, Langeneß/Nordmarsch, Oland und Hamburger Hallig. In: Nordfriesisches Jahrbuch, N. F., Band 18/19, 1982/83, S. 109-154, sowie Band 22, 1986, S. 159-196. Kürtz, Hans-Joachim und Jutta: Für Gold und Silber nimm den Schein . . . Aus einem Kapitel norddeutscher Geldgeschichte Lübeck 1981. Aufzeichnungen in Nöbbes Archiv, das vor ca. 30 Jahren von dem dänischen Notgeldforscher Karl Lund (+) ausgewertet worden ist.
- Gutscheine des Winterhilfswerks im Generalgouvernement 1943/44
Die Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) war bereits am 18. April 1932 als eingetragener Verein gegründet worden. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er am 3. März 1933 zur Parteiorganisation und im Zuge der „Gleichschaltung“ mit dem Verbot der Arbeiterwohlfahrt zur Staatsorganisation. In den ersten Jahren unterstützte die NSV hauptsächlich bedürftige Familien im „Altreich“ finanziell über verschiedene Hilfswerke, so dem Winterhilfswerk (WHW) oder dem Hilfswerk Mutter und Kind (MuK). Während des Kriegs übernahm sie mehr und mehr Dienstleistungen wie den Betrieb von Kindergärten und Gemeindepflegestationen, die Haushalts- und Jugendhilfe, den Bahnhofsdienst und die Kinderlandverschickung. 1938 waren rund eine Million ehrenamtliche Mitarbeiter für die NSV tätig und zu Kriegsbeginn zählte die NSV elf Millionen Mitglieder. Die Finanzierung erfolgte ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Eine der ersten Aufgaben der NSV war die Unterstützung sozial bedürftiger Personen in der Zeit hoher Arbeitslosigkeit gewesen. Hierzu sollten Sachwerte und Mittel aus Sammlungen verwendet werden. Zur praktischen Durchführung wurde bereits im September 1933 das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW) gegründet. Zum Reichsbeauftragten des WHW wurde Erich Hilgenfeldt ernannt, dessen gedruckte Unterschrift sich auf den WHW-Gutscheinen für den Gebrauch im Reich findet. Nachdem die Unterstützung Bedürftiger in den Friedensjahren hauptsächlich mit Sachwerten erfolgte und lediglich verschiedene zweckgebundene Gutscheine zum Bezug von Lebensmitteln (1933/ 1934 und 1934/1935), von Brennstoffen (1934/ 1935 und 1938/1939) und von Bekleidung (1938/1939) Verwendung fanden, wurde mit Kriegsbeginn 1939 auf einheitliche Wertscheine des Kriegswinterhilfswerks (KWHW) umgestellt. Grund für deren Einführung war die kriegsbedingte Zwangsbewirt-schaftung von lebenswichtigen Gütern, die nur im Rahmen der Rationierung auf „Karte“ damit bezahlt werden konnten. Die vorherigen Gutscheine entsprachen dagegen einer Zusatzversorgung. Die WHW-Wertscheine waren zwar kein Geld im eigentlichen Sinne, sondern dienten vielmehr als Verrechnungsscheine (der Empfänger bezahlte damit eine Ware oder Leistung; der Kaufmann reichte den Wertschein bei einer Bank wie Bargeld ein; die Bank leitete die Wertscheine zur Verrechnung mit dem WHW an die Reichsbank weiter), sie waren aber im ganzen Reich gültig und konnten zur Bezahlung von Lebensmitteln, Bekleidung und Brennstoffen, ab 1941 auch für Mietzahlungen sowie zur Bezahlung von Gas und Stromverbrauch verwendet werden. Der jeweilige Einlösungsvermerk erfolgte auf der Rückseite. Wertschein des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes im Generalgouvernement 1943 – 1944 über 5 Zloty zur Bezahlung von Lebensmitteln, Bekleidung, Brennstoffen, Gas und Strom sowie Haushaltsgegenständen mit dem Hinweis, dass dieser nicht in jüdischen Geschäften in Zahlung gegeben werden kann. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Es gab auch Wertscheine einzelner Gaue sowie für das Generalgouvernement Polen (WHW des Deutschen Volkes im Generalgouvernement) in Zloty-Währung und in den besetzten Niederlanden (Winterhulp Nederland, WHN) in Gulden-Währung. Die Wertscheine des Winterhilfswerks im Generalgouvernement gab es ausschließlich als Ausgabe 1943/1944 in Nennwerten zu 2, 5 und 20 Zloty. Sie waren für notleidende „Volksdeutsche“ gedacht, zweisprachig ausgeführt und konnten zur Bezahlung von Lebensmitteln, Bekleidung, Brennstoffen, Gas und Strom sowie Haushaltungsgegenständen genutzt werden. Sie waren bis zum 31. März 1944 gültig. Muster eines Wertscheins des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes im Generalgouvernement 1943 – 1944 über 20 Zloty zur Bezahlung von Lebensmitteln, Bekleidung, Brennstoffen, Gas und Strom, Haushaltsgegenständen und Miete mit Perforation „WZÓR“ (MUSTER). (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Auf dieser Seite ist ein Musterschein zu 20 Zloty abgebildet, der schließlich in violettem statt dunkelblauem Druck ausgegeben wurde. Diese Sonderausgabe zum 30. Januar 1944 – dem 11. Jahrestag der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – erlaubte zusätzlich auch die Bezahlung von Mieten und enthielt eine Klausel, die auf den Wertscheinen der normalen Ausgabe fehlt: „In jüdischen Geschäften darf dieser Wertschein nicht in Zahlung gegeben werden“. Zum Zeitpunkt der Gültigkeit der Sonderausgabe im Februar/März 1944 gab es im Generalgouvernement Polen aber längst keine jüdischen Geschäfte mehr. Hier ist ein Musterschein zu 20 Zloty abgebildet, der schließlich in violettem statt dunkelblauem Druck ausgegeben wurde. Diese Sonderausgabe zum 30. Januar 1944 – dem 11. Jahrestag der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – erlaubte zusätzlich auch die Bezahlung von Mieten und enthielt eine Klausel, die auf den Wertscheinen der normalen Ausgabe fehlt: „In jüdischen Geschäften darf dieser Wertschein nicht in Zahlung gegeben werden“. Zum Zeitpunkt der Gültigkeit der Sonderausgabe im Februar/März 1944 gab es im Generalgouvernement Polen aber längst keine jüdischen Geschäfte mehr. Die WHW-Wertscheine für das Generalgouvernement sind äußerst seltene Zeitdokumente. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung Hans-Ludwig Grabowski Wolfgang Haney, (Hrsg.) Kennzeichen Jude Antisemitismus, Entrechtung, Verfolgung, Vernichtung und die Rationierung von Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern für Juden in Großdeutschland und den besetzten Gebieten 1939 bis 1945 Verlag: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-558-9 Auflage: 1. Auflage 2014 Abbildungen: durchgehend farbige Abbildungen Hardcover: 351 Seiten Format: 17 x 24 cm Preis: 19,90 Euro Zum Buch …
- Reiseschecks der Deutschen Aussenhandelsbank AG der DDR
Die ersten Reiseschecks gab in der DDR 1957 die Deutsche Notenbank aus. Laut Unterlagen im Archiv der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), konnten diese von DDR-Bürgern bei Reisen in das sozialistische Ausland genutzt werden, um sie am Reiseziel in die dortige Währung einzulösen. Huschka führt in seinem Katalog "Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR" an, dass die Deutsche Notenbank, geht man von den bisher bekannten Belegen aus, bis 1967 Reiseschecks ausgegeben hat. Ab 1967 finden wir Reiseschecks der Deutschen Aussenhandelsbank der DDR. Identifizieren lassen sich die Ausgabejahre anhand der Druckvermerke auf den Rückseiten der Schecks, die in der DDR für jedes Druckerzeugnis obligatorisch waren. Zum 1. Januar 1968 war aus der Deutschen Notenbank durch Umbenennung die Staatsbank der DDR hervorgegangen. Der Deutschen Aussenhandelsbank oblag die Ausgabe der Reiseschecks von 1967 bis 1977, ab 1978 übernahm das dann die Staatsbank. Deutsche Aussenhandelsbank AG: Reisescheck über 20 Mark der DDR mit Serie A aus dem Jahr 1974 (Druckvermerk auf der Rückseite ganz unten: Ag 122 004 74 III 18 185), ausgestellt am 13. April 1978 durch die Bank für Aussenhandel der Sowjetunion und eingelöst am 18. April 1978 in einer Filiale der Staatsbank der DDR. Sammlung Grabowski. Von den Reiseschecks der Deutschen Aussenhandelsbank sind bislang folgende Ausgaben bekannt geworden: Deutsche Aussenhandelsbank AG: Reisescheck über 100 Mark der DDR aus dem Jahr 1976 mit Serie B (Druckvermerk auf der Rückseite ganz unten: Ag 147 2 76 III 18 185), ausgestellt am 14. April 1978 in der Bank für Aussenhandel der Sowjetunion (Filiale Leningrad) und eingelöst am 17. April 1978 in einer Filiale der Staatsbank der DDR. Angeblich sollen die Reiseschecks der DDR auch von Angehörigen der Sowjetischen Streitkräfte genutzt worden sein, die in der DDR stationiert waren und aus Heimaturlaub zurückkehrten. Man kann getrost davon ausgehen, dass dies nur für Offiziere in Frage kam, da einfache Soldaten und Unteroffizieren ihre gesamte Dienstzeit in den Kasernen blieben und keinen Heimaturlaub bekamen. Man muss in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die Kosten der Stationierung der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland durch die DDR zu tragen waren. Die zwei hier abgebildeten Reiseschecks stammen aus einem Transport, der von sowjetischen Soldaten vor ihrem Abzug aus den wiedervereinten Deutschland zur Vernichtung in einer Papiermühle nördlich von Berlin angeliefert wurde. Hans-Ludwig Grabowski
- Geld als Kommunikationsmittel: Protest gegen "Versailles" und die Folgen
Auf deutschen Geld- und Fantasiescheinen findet man auch Protest gegen die enormen Reparationsforderungen der alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs, die die junge deutsche Republik in Krise und Inflation und viele Menschen ins Elend trieben. Der am 28. Juni 1919 unter Protest der von den Verhandlungen ausgeschlossenen deutschen Vertreter unterzeichnete Frieden von Versailles stellte nicht nur das 14-Punkte-Programm des US-Präsidenten Woodrow Wilson vom Januar 1918 auf den Kopf, das u.a. offene und öffentlich abgeschlossene Friedensverträge gefordert und Deutschland erst zum Abschluss des Waffenstillstands bewogen hatte, hier wurde auch die Alleinschuld Deutschlands und seiner Verbündeten am Ersten Weltkrieg festgelegt, die den Alliierten als Grundlage für die verpflichtende Wiedergutmachung aller Kriegsschäden durch das Deutsche Reich diente. Zwar wurde 1919 noch keine konkrete Summe genannt, doch bis zum 30. April 1921 war ein erster Abschlag in Höhe von 20 Milliarden Goldmark in bar und in Waren zu zahlen. Am 29. Januar 1921 legte schließlich der Oberste Rat der Alliierten im sog. „Pariser Beschluss“ die Gesamthöhe der Wiedergutmachung auf 226 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten, steigend von 2 bis auf 6 Milliarden Goldmark fest. Darüber hinaus hatte Deutschland noch 12 % des Werts seiner sämtlichen Ausfuhren an die Alliierten zu leisten. Die letzten Raten zahlte die Bundesrepublik Deutschland übrigens im Oktober 2010. Der Regierung der jungen „Weimarer Republik“ blieb aufgrund dramatischen Devisenmangels nichts anderes übrig als der Versuch, die Reparationsforderungen durch Verhandlungen abzuschwächen, was sich direkt auf den Devisenkurs auswirkte und die Inflation beschleunigte. Als am 11. Januar 1923 eine französisch-belgische Armee in das deutsche Ruhrgebiet einmarschierte, um „produktive Pfänder“ zu nehmen, weil Deutschland nicht mehr in der Lage war, die Forderungen der Alliierten termingerecht zu erfüllen, brach Panikstimmung aus und die deutsche Währung war nicht mehr zu halten. Lag der Dollar-Kurs am 2. Januar 1923 noch bei 7260 Mark, so hatte er am 14. Juni 1923 schon die 100.000-Mark-Marke überschritten und wurde am 30. Juli 1923 schon mit 1,1 Millionen Mark gehandelt. Im Oktober befand man sich bereits mitten in der Hyperinflation mit Milliarden-Beträgen und am 14. November 1923 kostete der US-Dollar 1,26 Billionen Mark. Für den Protest gegen die Kriegsreparationen, die mit Inflation und internationaler Börsenspekulation einhergingen, in denen die erste deutsche Einheitswährung schließlich unterging, sollen hier nur einige Beispiele gezeigt werden. Neben zahlreichen kommunalen Ausgabestellen emittierten auch Vereine und sogar private Firmen Anfang der 1920er Jahre sog. Serienscheine. In Hannover gab das Restaurant und Café Handelshof mit Datum vom 1. März 1922 Gutscheine für Speisen und Getränke in vier verschiedenen Werten (25, 50 und 75 Pfennig sowie 1 Mark) aus, die für ihre politische Brisanz jener Zeit bekannt sind. Zwei Rückseiten solcher Gutscheine sind auf der vorigen Seite zu sehen. Rückseite eines privaten Gutscheins über 25 Pfennig mit Datum vom 1. März 1922, ausgegeben vom Restaurant und Café Handelshof in Hannover. Karikiert ist der gewaltige Transfer von Vieh, Waren und Geld aus Deutschland in die Siegerländer des Ersten Weltkriegs entsprechend des Friedens von Versailles. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Die Rückseite des 75-Pfennig-Scheins des Hannoverschen Restaurants Handelshof zeigt den hungernden Deutschen umgeben von Friedenspredigern und jüdischen Börsenschiebern vor der Flagge der USA, die in dieser Zeit zur Weltmacht wird. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Etwas ganz besonderes – wenn auch nicht wirklich seltenes – sind die sog. „Ruhrtaler“, die die französisch-belgische Besatzungspolitik anprangern. Hierbei handelt es sich um kein echtes Notgeld, sondern um Protest im Aussehen von Geldscheinen. Nach der alliierten Besetzung an Rhein und Ruhr war die Bevölkerung von der deutschen Regierung zum passiven Widerstand aufgerufen worden. Eine Form dieses Widerstands war sicher auch dieser Protest, der den wahren Charakter der in Versailles von den Siegern beschlossenen Friedensbedingungen und der daraus resultierenden Ungerechtigkeit anprangerte. Die Friedensverhandlungen von Versailles hatten lediglich unter den Alliierten und den mit ihnen assoziierten Mächten stattgefunden. Für den Angeklagten gab es keine Verteidigung, sondern Ausschluss. Die Friedensbedingungen musste Deutschland wie ein Gerichtsurteil über sich ergehen lassen, um nicht sofort besetzt zu werden. Ohne Versailles wäre ein Erstarken nationaler, rechtsextremer und antijüdischer Kreise, die zum Aufstieg des Nationalsozialismus unter Hitler mit allen Konsequenzen, d.h. auch zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust geführt haben, nicht denkbar gewesen. Gerechte Verhandlungen mit Deutschland und Österreich-Ungarn hätten einen dauerhaften Frieden in Europa sichern können, doch Eigennutz, Gier und Rachsucht der vermeintlichen Sieger waren zu groß. Propagandaschein über 10 Millionen Ruhrtaler ohne Datum (1923). Die Vorderseite zeigt die französische Marianne mit dem Fuß auf der Kehle des unterdrückten Deutschen. Weil Deutschland im Januar 1923 keine Kohlen liefern konnte, holen sich auf der Rückseite französische Soldaten die Kohlen von hungernden und frierenden deutschen Kindern. (Sammlung des Autors) Mit dem Waffenstillstand von 1918 endete zwar der Krieg, doch das erst 1871 neu gegründete Reich und die Monarchie zerfielen, Deutschland und Österreich wurden zerstückelt, um weite Gebiete beraubt und an einer deutschen Einheit gehindert. Die Mark hatte schon jetzt die Hälfte ihrer Kaufkraft verloren. Die sozialistischen Berufspolitiker versprachen Frieden, Freiheit und Brot. Doch die immensen Reparationsleistungen, die Deutschland abgefordert wurden für einen Krieg, den es weder begonnen, noch im Felde verloren hatte, trieben das Land in Inflation und Wirtschaftskrise und die Menschen in Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger. Die Politik regierte derweil in ihrer Hilflosigkeit und Zerstrittenheit mittels immer neuer Notverordnungen. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen …












