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- Lagergeld aus russischen Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs
In einem Nachbericht zur 139. Teutoburger Auktion vom 17. September 2021 berichteten wir u.a. über vier Lagergeldscheine aus dem russischen Kriegsgefangenenlager Spasskoje zu 1, 5, 10 und 15 Kopeken ohne Datum (1917), die hier für 200 Euro ausgerufen und mit sensationellen 7.500 Euro zugeschlagen wurden. Dass Scheine aus russischen Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs wirklich selten sind, ist schon länger bekannt. Wir möchten dies zum Anlass nehmen, um einen wahren Schatz aus unserem Archiv zu bergen und Ihnen hier im Blog zu präsentieren. 1930 verfasste Oberst Aug. v. Müller-Wandau unter Verwendung von Abbildungen aus dem Sammelwerk "In Feindeshand" der damaligen Verlagsanstalt Amon Franz Göth aus Wien Beiträge in den "Mitteilungen der Numismatischen Gesellschaft Wien" (Bd. XVI, Nr. 46, 47 und 48 vom Oktober bis Dezember 1930), in denen er über das Lagergeld in russischen Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs berichtete. Ein Reprint erschien 2000 in unserer Zeitschrift "Der Geldscheinsamler". Lesen Sie hier den kompletten Original-Artikel, den wir nun zusätzlich umfangreich bebildert haben. Kriegsgefangenen-Lagergeld im Rahmen russischer und sibirischer Papiergeld-Emissionen 1915 – 1919 Mit dem Worte „Kriegsgefangenen-Lagergeld“ werden uns jene „Lagergeldscheine“ in Erinnerung gerufen, die man in den Kriegsjahren – etwa vom Sommer 1916 angefangen – in den diversen Verschleißstellen des k. u. k. Kriegsfürsorgeamtes in Wien und in den Landeshauptstädten erstehen konnte. Mit Bewilligung des Kriegsministeriums und ausschließlich zum Verkehr innerhalb des Lagers ausgegeben, sollten diese Lagergeldscheine gemäß ihrer ursprünglichen Bestimmung Fluchtversuche der mit dem Lagergeld Beteilten erschweren und das Tesaurieren von kurrentem Geld verhindern. Späterhin dienten sie lediglich nur dazu, um die Ersparnisse der Kriegsgefangenen nicht in kurrentem Gelde, sondern eben in gleichlautenden Lagerscheinen in „Lager-Depositenkassen“ zu hinterlegen, für welches es eigene Depositenverwaltungen gab. Als diese Scheine zu Sammelobjekten vorrückten, erlangte das rührige k. u. k. Kriegsfürsorgeamt das Verkaufsmonopol derselben und erschloss sich damit eine neue günstige Einnahmequelle für seine humanitären Zwecke. Beim Umsturze, November 1918, soll es dort noch für fast 1 Million Kronen Lagerscheine gegeben haben; sie wurden als Makulatur verkauft. Wesentlich anders zeigte sich uns ein Kriegsgefangenenlagergeld, das wohl niemals in Geschäftsauslagen ausgestellt war, um von Sammlern erstanden zu werden, und das dennoch nicht verdient, der Vergessenheit zu verfallen: Entstanden um 1917/18 in mehreren Kriegsgefangenenlagern Sibiriens und Turkestans, wurden diese schlichten Geldscheine nicht von der militärischen Lagerbehörde, sondern – und das gibt ihnen ihr ganz besonderes Gepräge – von österreichisch-ungarischen und reichsdeutschen Kriegsgefangenen selbst geschaffen und in Verkehr gesetzt. Erster Weltkrieg, Kriegsgefangene in zerschlissener Kleidung (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski) Die im Winter 1914/15 und 1915 in den zumeist überfüllten Kriegsgefangenenlagern und auf Arbeitsstätten in Sibirien und Turkestan ausgebrochenen Epidemien forderten ungeheure Opfer unter den Kriegsgefangenen. Durch das Eingreifen der Mittelmächte und der skandinavischen Staaten im Jahre 1915 gelang es im Wege verschiedener Rot-Kreuz-Organisationen und neutraler Delegationen, Hilfsaktionen durchzuführen, die sich – nebst einer Änderung der sanitären Zustände – bis Ende 1916 in einer allgemeinen Besserung der oft trostlosen Lage der Kriegsgefangenen und der Organisation innerhalb der Lager auswirkten. Unter Beibehaltung des militärischen Kommandos und der Bewachung durch russische Organe fungiert nun der rangälteste österreichische, ungarische oder reichsdeutsche Offizier innerhalb des Lagers als Lagerkommandant. Ein sogenanntes Wohlfahrtskommitee, gebildet aus gewählten Vertretern der Offiziere und Mannschaften jeder Nationalitätengruppe (Beschlüsse der Stockholmer Konferenz von 1916) übernimmt die Vertretung der Wünsche und Klagen der Gefangenen und tritt in unmittelbare Verbindung mit den Delegationen, aus deren Händen die von den Mittelmächten und den neutralen Staaten gewidmeten Gelder übernommen werden. – Derart finanziell gestützt entstehen Werkstätten und diverse Betriebe, aber auch Büchereien, Orchester, Theater und dergleichen, unter Leitung von Ausschüssen stehend, die ihrerseits in einer Zentrale vertreten sind, der die Vermittlung von Verkäufen und Einkäufen, und eventuell die oberste finanzielle Gebarung obliegt. In dieser Verfassung erreicht im Frühjahr 1917 unsere Kriegsgefangenen in Sibirien und Turkestan ziemlich überraschend die Nachricht von der russischen Revolution und der Abdankung des Zaren Nikolaus II. Russland, Zarenreich, RUS-9c: Staatlicher Kreditschein zu 3 Rubel von 1905 (1914), Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Als sichtbares Zeichen der geänderten Regierungsform gelangt bald ein neues Papiergeld in die Hände der Kriegsgefangenen: Die von der provisorischen Regierung (Kerensky) emittierten Geldscheine. Bis dahin standen im ganzen Zarenreiche die Reichskreditbillete zu 1, 3, 5, 10, 25, 100 und 500 Rubel im Verkehr, gemeinhin „Zaren-Rubelnoten“ genannt. Russland, Zarenreich, RUS-16/21: Briefmarkengeld zu 1 und 10 Kopeken ohne Datum (1915), Vorder- und Rückseiten, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Russland, Zarenreich, RUS-31c: Kleingeldschein zu 50 Kopeken ohne Datum (1915), Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Das Verschwinden des Metallgeldes, auch der Scheidemünze – die ersten Kriegsfolge – nötigt die russische Regierung, mit 11. Oktober 1915 den Umlauf eines Ersatzgeldes zuzulassen: die aus stärkerem Papier hergestellten Postmarken der sogenannten Romanow-Serie, in Werten zu 1, 2, 3, 10, 15 und 20 Kopeken, bald darauf zur Ausgabe von Münzscheinen zu 1, 2, 3, 5 und 50 Kopeken. Russland, Provisorische Regierung, RUS-37a: Staatlicher Kreditschein zu 1000 Rubel (Duma-Rubel) von 1917, Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Russland, Provisorische Regierung, RUS-35a: Staatlicher Kreditschein zu 5 Rubel mit Serie und Nummer von 1909 (1917), Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Russland, Provisorische Regierung, RUS-38: Staatlicher Schatzschein zu 20 Rubel ohne Datum (1917), Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Die provisorische Regierung (Kerensky) verordnet mit 9. Mai 1917 vorerst die Ausgabe eines Reichskreditbillets zu 1000 Rubel, sogenannte Dumarubel, ferner mit 22. desselben Monats die serienweise Nummerierung der 5-Rubel-Note. Schließlich erscheint mit 14. September ein neuer Typus von Scheinen, die angedeuteten, sogenannten Kerensky-Noten, und zwar, nebst einem Reichskreditbillet zu 250 Rubel, noch „Schatzscheine“ zu 20 und 40 Rubel, zu deren Druck die Klischees für Konsularmarken verwendet werden und die in ganzen Bogen, ungeschnitten, zur Ausgabe und ungeheuren Verbreitung gelangen. Ostfront, April 1917: Verbrüderung von russischen, österreichisch-ungarischen und deutschen Soldaten zu den Osterfeiertagen (15./16.4.1917) zwischen den Stellungen in Galizien. In der Mitte ein russischer Soldat mit weißer Fahne. (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Ostfront, Ende November 1917: Als Erinnerung an die Friedensverhandlungen zwischen Deutschen und Russen von einem deutschen Offizier aufgenommenes Foto der russischen Delegation. (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Wenige Wochen nach der Ausgabe der obgenannten Schatzscheine geht die Regierungsmacht in die Hände der Bolschewiki über. Die nunmehrige Sowjetregierung geht bekanntlich sehr bald mit den Mittelmächten einen Waffenstillstand ein, dem Friedens-verhandlungen in Brest-Litowsk folgen und die am 3. März 1918 zur Unterzeichnung des Friedensschlussprotokolls führen. Nun ist der Weg auch für Übereinkommen betreffend Austausch beziehungsweise Heimbeförderung der beiderseitigen Kriegsgefangenen frei, und es beginnen die von Deutschland und Österreich-Ungarn entsendeten sogenannten Evakuierungskommissionen ihre Tätigkeit in Russland, aus welchem Reiche in der Tat bis zum Herbst 1918 rund 450.000 österreichisch-ungarische Kriegs- und Zivilgefangene in ihre Heimat gelangen. Bevor noch die für Sibirien und Turkestan bestimmten Evakuierungskommissionen ihre Tätigkeit aufnehmen können, werden diese Reiche durch den Aufstand der Tschechen von Russland abgeschnitten. Um diese Zeit befinden sich noch rund 500.000 Kriegsgefangene in Sibirien und Turkestan. Durch den Brest-Litowsker-Frieden sich der Möglichkeit beraubt sehend, auf russischer Seite gegen die Mittelmächte zu kämpfen, trachten die Tschechen vom Frühjahr 1918 an ostwärts über Sibirien nach Wladiwostok und per mare nach Europa zu gelangen. In der Ausnützung der wichtigen transsibirischen Eisenbahnlinie kommt es zu Reibungen zwischen den Tschechen und Sowjets und bald zur gewaltsamen Besitzergreifung von durch Internationalisten verteidigten Bahnhöfen und von an der Bahnlinie gelegenen Örtlichkeiten durch die tschechischen Formationen. Vielfach mitgerissen durch das aufständische Verhalten der Tschechen, wenden sich nun die Bürgerlichen mit diesen – Weiße genannt – gegen Sowjets und Internationalisten – die Roten –, bilden verschiedene antisowjetische Regierungen, die schließlich – seit November 1918 – in der allrussischen Regierung des Admirals Koltschak aufgehen. – Japanische Truppen landen im April, andere Kontingente der Ententemächte (Franzosen, Engländer, Italiener, Amerikaner) im Juli 1918 in Wladiwostok und gelangen in sibirische Städte. Russland, Sibirien, Provisorische Regierung, RUS-S818: Kreditschein zu 10 Rubel von 1918, Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Russland, Sibirien, Provisorische Regierung, RUS-S828: 50 Kopeken ohne Datum (1919), Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Russland, Sibirien, Sibirische Regierung, RUS-S859b: Schatzschein zu 25 Rubel vom 1.6.1919, Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Russland, Sibirien, Sibirisches Revolutions-Komitee, RUS-S901: Losanleihe zu 4,50 Rubel ohne Datum (1920), Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Die sibirische Regierung ermangelt nicht, auch ihr besonderes Papiergeld zu emittieren. – Die allrussisch-sibirische Regierung gibt vorerst (1918) Kreditbillete zu 1, 5 und 10 Rubel (gedruckt in Omsk), dann zierliche Münzscheine zu 50 Kopeken (in orangegelber Farbe, gedruckt von der American Banknote Company), schließlich Kreditbillete zu 3 und 300 Rubel aus. Die unter Leitung Koltschaks stehende Regierung emittiert (1918/19) „Schatzscheine“ in Abschnitten zu 25, 50, 100, 250, 500 und 1000, sowie 5000 Rubel und bringt schließlich die drei ersten Serien der unter der provisorischen Regierung (Kerensky) projektierten, damals nicht zur Ausgabe gelangten, 41⁄2% Losanleihe zu 200 Rubel von 1917 samt Coupons (gedruckt von der American Banknote Company) als Papiergeld in Verkehr. Teils schon nach der Ausgabe des Kerensky-Geldes, teils erst zur Zeit der Koltschak-Emissionen macht sich in vielen Kriegsgefangenenlagern Mangel an Kleingeld, richtiger an niederen Rubelwerten fühlbar. – Die Inflation des Kerensky-Geldes bewirkt örtlich oder vorübergehend ein Zurückhalten des sogenannten Zarengeldes; das schlechtere Geld verdrängt das bessere. Vorwiegend die kriegsgefangenen Offiziere und Gleichgestellten, denen der Monatsgehalt (50 Rubel, Stabsoffiziere 100 Rubel) in Noten in großen Abschnitten ausgefolgt wird (Kerenskysche Schatzscheine zu 20 und 40 Rubel ungeschnitten, in Bogen, oder Koltschaksche zu 25, 50 und mehr Rubel) haben Schwierigkeiten, um in der Offiziersmesse, in Kaffeehäusern, Verkaufsläden (Lafka) und dergleichen Zahlungen und Einkäufe in niederen Rubelnoten zu bewirken; aber auch die Wohlfahrtskommitees (Wohlfahrtsorganisationen) respektive die Zentrale benötigen solche für die von ihnen geleiteten Betriebe. – In einzelnen Lagern angewendete Notbehelfe (Ausgabe von Bons und dergleichen) beheben nicht befriedigend die Widerwärtigkeit des Kleingeldmangels. Ganz unabhängig voneinander, ohne Kenntnis geplanter oder schon bestehender, abhelfenden Einrichtungen in anderen Lagern, somit zeitlich verschieden, wird – nach eingehenden Betrachtungen – in vielen Kriegsgefangenenlagern die Einführung eines eigenen Lagergeldes beschlossen, zu dessen Ausgabe sich die Kasse des Wohlfahrtskommitees am geeignetsten erweist, da sie von auswärts zufließende Unterstützungsgelder für Lagerbetriebe empfängt und zweckdienlich verwaltet. Unter kommissioneller Überwachung wird ein Teil des Geldbestandes der Lagerkasse (mitunter sogar versiegelt) hinterlegt und der gleiche Betrag etwa bei der nächsten Gageauszahlung in Lagergeldscheinen ausgegeben. In der Folge vollzieht sich die Ausgabe derselben unter genauester Buchhaltung und Kontrolle, wobei auf die volle Deckung der Scheine besonders geachtet wird. Mit der Begebung verpflichten sich die Aussteller, in entsprechender Menge präsentierte Lagergeldscheine jederzeit in Noten größerer Abschnitte oder (wenn für Einkäufe auswärts notwendig) auch in sogenannte Zarenrubel einzulösen. Die Lagergeldscheine selbst werden zumeist von kriegsgefangenen Offizieren oder Offiziersaspiranten hergestellt. Aus Ersparungsrücksichten meist in kleinen Ausmaßen gehalten, in Abschnitten zu 1⁄2, 1, 3, 5 und 10 Rubel, selten zu 25 Rubel (in einzelnen Lagern auch Kopekenscheine), sind sie als schwarze oder farbige Holzschnitte oder sogenannte Linoleumschnitte, nach Zeichnungen oft sehr kunstfertiger Männer oder auf hektographischem (lithographischem, autographischem) Wege hergestellt, vervielfältigt mittels einfacher, meist selbst konstruierter Handpresse und auch selbst erzeugten Farbstoffen. – Nebst Wertangabe, Benennung des emittierenden Lagers und der Bezeichnung „Lagergeld“ (dies zumeist auch in ungarischer Sprache) tragen die Scheine mindestens zwei handschriftliche Fertigungen (mitunter in Faksimile), ferner – dies immer handschriftlich – Serienbezeichnung und Nummer. – In späterer Zeit, als bereits in den meisten Lagern sogenannte „Industrien“ bestehen, finden wir auch Papiergeld, das aus regelrechten, vielbeschäftigten Druckereien hervorgegangen ist. Teils gegen die Absicht der Emissionsstelle, teils vorsätzlich gelangen solche Lagerscheine bei Einkäufen und dergleichen in die nächste Stadt oder Örtlichkeit als Zahlungsmittel; sie werden dort angenommen, da den Inkassanten die präsentierten Lagerscheine auf Verlangen stets gegen kurrentes Papiergeld eingelöst wird; man hat Vertrauen zu diesen Scheinen. – Solcherart verkehrt das von unseren Mitbürgern im Feindesland emittierte Lagergeld – mit Stolz und Genugtuung heben dies alle mir zugekommenen Berichte hervor – geraume Zeit bei der Bevölkerung im Umkreis des Lagers und wird angeblich sogar an Bahn- und Schiffahrtsstationen genommen. Zusammenfassend scheint diese Art Lagergeld mit frei übertragbaren Anweisungen vergleichbar, also Anweisung auf x-Rubel, zahlbar gegen Sicht bei Lagerkassa; als solche macht sie selbstredend Schwankungen des Rubelkurses mit, wobei zu bemerken ist, dass, nach der Inflation des Kerensky-Geldes, unter der sibirischen Regierung vorübergehend eine Deflation eintritt. Es scheint fast selbstverständlich, dass sich die Emission des Lagergeldes nicht in allen Lagern in der vollkommen gleichen, in der oben skizzierten Art abwickelte. Örtliche Verschiedenheiten, Standesverhältnisse, Unterschiede in den Lagerorganisationen, wohl auch Zwiespältigkeiten der Nationalitätengruppen und manch anderes wirken hier modifizierend. Hervorzuheben wäre unbedingt, dass die vorhin skizzierten Lagergeldemissionen gewissermaßen ihre Vorläufer in den sogenannten Lafka-Scheinen (auch Kantinen-Gelder) genannt haben, die fast in allen Mannschaftslagern, überdies auch in Offizierslagern, im Verkehr stehen. – Die Lafka (das ist ein Kaufladen für alle Art Lebensmittel und Gebrauchsartikel) – anfangs unter russischer Verwaltung stehend, später in jene gewählter kriegsgefangener Vertrauensmänner übergehend – ist bereits durch das Verschwinden des Hartgeldes in Kleingeldmangel verwickelt, also schon 1915, und behebt diesen durch Ausgabe von „Bons“ (Zahlmarken), die von der Lafka-Verwaltung, sobald die Summe der präsentierten „Bons“ einen festgesetzten Wert in Kopeken (oder Rubel) erreicht, wieder in kurrentes Papiergeld eingelöst werden. – Auch in Lagerbaracken, die Kaffeehäuser oder andere gemeinnützige Betriebe unterhalten, bedienen sich die Verwaltungen dieser „Bons“. So leiten diese ersten „Geldzeichen in Papier“ unschwer zu den Lagergeldemissionen in den Offizierslagern hinüber, als diese ihrerseits später durch Kleingeldmangel in ihren Menagegruppen usw. ins Gedränge kommen. Im Jahre 1919 tritt eine wesentliche Verschlechterung der Verhältnisse in den dortigen Kriegsgefangenenlagern ein. Diese sowie viele andere wirtschaftliche Nöte veranlassen die meisten Offizierslager, sich durch eigene Arbeit Geld und Lebensunterhalt zu schaffen, was zur Gründung von sogenannten „Industrien“ führt. Mit den „Industrien“ entstehen in mehreren Lagern Banken, die teilweise die Funktionen des Wohlfahrtskommitees übernehmen, namentlich dort, wo sie auf gemeinnütziger Grundlage errichtet sind; mit dem Bankbetriebe wird vielfach auf den bargeldlosen Verkehr übergegangen. Im übrigen setzt die fortwährende Geldentwertung die Bedeutung des Lagergeldes herab, da seine niederen Nominale geringe oder fast keine Kaufkraft mehr besitzen. Im Herbst 1919 vollzieht sich mit der über den Winter auf 1920 andauernden Vorrückung der Sowjetarmeen gegen Osten – die demoralisierte „weiße Armee“ vor sich hertreibend – der Sturz der Regierung Koltschak und schließlich die Besitzergreifung Sibiriens durch die Sowjets, mit Ausnahme Ost-Sibiriens, das – es sind dort Ententetruppen angesammelt – vorläufig noch „weiß“ bleibt. In den dortigen Lagern befinden sich noch rund 15.000 Kriegsgefangene. Russland, RUS-82: Staatlicher Geldschein zu 2 Rubel ohne Datum (1919), Vorder- und Rückseite, (Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski). Mit den Sowjets dringt auch das von deren Regierung emittierte Papiergeld ins Land. Mit der Etablierung ihrer Herrschaft in Sibirien erklären die Bolschewiken das von der sibirischen Regierung emittierte Papiergeld für ungültig und lösen gleichzeitig die Kriegsgefangenenlager auf. – Damit ist die Kriegsgefangenenindustrie vernichtet und auch das Kriegsgefangenenlagergeld – wo es noch besteht – hat sein Ende gefunden. Nachstehend folgt eine Anführung jener Kriegsgefangenenlager, in welchen nachweisbar ein eigenes Lagergeld emittiert wurde, nebst einer – des Raummangels wegen – nur kurz gehaltenen Beschreibung dieser „Geldzeichen in Papier“. Die Anführung der Lager – größtenteils bei Städten an der sogenannten transsibirischen Eisenbahn gelegen – reiht sich von Westen nach Osten zu. – Beschreibung und sonstige Angaben stützen sich teils auf die mir vorliegenden Lagerscheine selbst, teils auf schriftliche Berichte, die mir auf Verlangen von in den Lagerverwaltungen tätig gewesenen, österreichischen (auch einzeln ungarischen) ehemaligen Kriegsgefangenen – meistens Nicht-Berufsoffizieren – zugekommen sind und denen an dieser Stelle nochmals der wärmste und kameradschaftliche Dank hierfür ausgedrückt sei. Trotz jahrelanger Bemühungen, bei sicherlich viel Eifer und Liebe zur Sache, kann vorderhand keine lückenlose Übersicht vorgelegt werden. Von den Lagerscheinen selbst sind nur ganz wenige Exemplare, quasi als „Andenken“ über den Tausende von Kilometern langen Land- oder Seeweg in die Heimat unserer Kriegsgefangenen gelangt; waren es doch gut fundierte, korrekt verwaltete Geldscheine, die zeitgerecht einberufen, eingelöst und vernichtet wurden. Mögen sie hier gebührende Beachtung und fachgemäße Erhaltung finden! Lagergeldschein des Kriegsgefangenelagers in Petropawlowsk vom Frühjahr 1919. Petropawlowsk: Frühjahr 1919 – von den Offizieren der Baracke Nr. 11 Lagergeld ausgegeben, in Abschnitten zu 1⁄2, 1, 3 und 5 Rubel. Deckung anfangs 30.000, später 70.000 Rubel. Holzschnitte vom Ingenieur und akademischen Bildhauer Richard Rudrich (Wien), nach Zeichnungen von Emil Langer (Brünn). Klischee aus Buchenholz (Butterfaßboden), Druck mit selbsthergestellter Hebelpresse. Druckfarbe selbst angeriebene Ölfarben mit Seife emulsiert. Signaturen: Dr. Lind, Keil, Krulich und Langer. – Einberufung und Einlösung der Scheine September 1919 bei Abtransport nach Nikolsk-Ussurysk. 5 Rubel 1919, Kriegsgefangenenlager Barnaul. Barnaul: Lagergruppe (rund 1000 Offiziere). April (?) 1918, auf der Heimreise mit gefälschten russischen Dokumenten und von gekauftem russischen Personal geführter Eisenbahnzug gelangt nur bis Samara; zur Umkehr gezwungen (Tschechenaufstand) und wird in Nowo-Nikolajewsk, später Barnaul interniert – gibt dort Ende 1919 Lagergeld aus in Abschnitten zu 1, 3, 5 und 10 Rubel. – Holzschnitte nach Zeichnung des Fähnrichs Heinrich Soukup. – Signaturen: Hauptmann Lechner und Fröhlich (reichsdeutscher Hauptmann und Stellvertreter Lechners). Ende des Lagergeldes mit Einzug der Sowjets: November 1919. 50 Kopeken-Schein 1919 aus dem Kriegsgefangenenlager Atschinsk. Atschinsk: Sommer 1919 emittiert dortige „Verkehrsbank“ Lagergeld. Nominale: 50 Kopeken, 3 und 5 Rubel (im Betrag zu je 5, 20 und 30.000 Rubel), aus parafiniertem Papier. – Holzschnitte von Rübsam, nach Zeichnungen von Architekt Jeney. – Rückseite: Aufdruck (auch in ungarischer und russischer Sprache): „Verkehrs-Bank.“ – Lagergeld eingezogen, eingelöst und vernichtet: Jänner 1920. Kriegsgefangenenlager Kansk, 2 Rubel- Schein der I. Emission vom Sommer 1919. Kansk: Im reichsdeutschen Offizierslager Sommer 1919 I. Emission eines Lagergeldes. Nominale: 10, 15 und 50 Kopeken; 1, 2, 4 und 10 Rubel (2 und besonders 4 Rubel = ungewöhnliche Nominale). – Holzschnitte nach Zeichnungen vom akademischen Maler Gerlach (Berlin). Druck mit selbsthergestellter Druckerschwärze. Signaturen: J. Heimann, von Pusch, Scherling. II. Emission: Nominale: 1, 3, 5, 10 und 25 Rubel, lithographisch (autographisch) hergestellt. Zeichnung von Konrad. Signaturen: Tugendhart und Schröder. Gesamtwert der Emissionen 300.000 Rubel (nicht sicher). Einziehung und Einlösung der Scheine 1920 bei allgemeinen Übergang auf Scheck- und Clearingverkehr, der im österreichischen Offizierslager schon seit 1919 besteht. (Dort Scheckkasse eingerichtet und geleitet von Karl Klein, derzeit österreichische Postsparkassa Wien.) Zairkutny Gorodek bei Irkutsk: 1919 emittiert Offizierslager Lagerscheine zu 1⁄2, 1 und 3 Rubel, hergestellt in der Druckerei von Irkutsk. – Keine Signatur. – Rückseite, nebst Nummer Stampiglienaufdruck: Irkntsk (n = Druckfehler). Nähere Angaben bisher nicht erlangbar gewesen. Lager Baratenaja bei Irkutsk: 3 Rubel-Schein der Wohlfahrts-Organisation vom Herbst 1919. Batarenaja bei Irkutsk: Die „Wohlfahrtsorganisation“ des Lagers gibt Herbst 1919 Lagergeld in Abschnitten zu 50 Kopeken, 1 und 3 Rubel aus; mehrere (3?) verschieden ausgeführte Emissionen, von denen die letzte den Text: „Rubel zahlt hierfür die Wohlfahrts-Organisation“ auch in ungarischer Sprache anführt. Auf lithographischem Wege hergestellt, nach Zeichnungen des akademischen Malers Professor Grube (Wien). Signaturen: Reicht (für Deutschland), Arlt (für Österreich) und Hadfy (für Ungarn). Im Lager auch eine sehr gut organisierte „Zentralbank“ (Leiter: W. v. Arlt und Silbermann). Kriegsgefangenenlager Beresovka, 3 Kopeken, handschriftlich ausgefertigt auf Postkartenpapier vom Winter 1915 auf 1916. Beresovka: Winter 1915/16 wird im Nordlager (vollständige Absperrung der einzelnen Baracken innerhalb des Konzentrationslagers) von Dr. Erich Gross (Wien), ein privates Notgeld (Gutscheine) im Gesamtwert von 30 Rubel ausgegeben; zunächst nur für Insassen der Baracke. Nominale: 1, 3, 10 und 50 Kopeken; aus Postkartenpapier geschnitten, handschriftlich ausgefertigt. Signatur: Dr. Groß, bei 50 Kopeken überdies Vymetal, Hauptmann. Später auch von der russischen Lafka genommen, wird Sommer 1916 offizielles Lager-Notgeld für alle Baracken, bei wiederholter Erhöhung des Gesamtwertes. II. Emission: Nominale nur 10 und 50 Kopeken. Signaturen: Hostinsky-Czeppan. Einberufung, Einlösung und Vernichtung der Scheine 1918 bei Übergang zu Scheckverkehr. Lagergeldschein über 1 Rubel vom Sommer 1918 aus dem Lager Troitzkosawsk. Troitzkosawsk: Sommer 1918 gibt „Zentral-Kassa“ (das ist Geldverwaltung und Buchhaltung aller Menagegruppen und Wohlfahrtsinstitute) „Bons“ zu 1⁄2, 1, 3, 5 und 10 Rubel aus (einseitig bedruckt) und emittiert später (wegen Umständlichkeiten bei deren Einwechslung) Lagergeld. Nominale: 1⁄2, 1, 3, 5 und 10 Rubel. Doppelseitig: Vorderseite: Doppeladler, „Lagergeld“; Rückseite: ungarischer Wappen, „Tabor Pénz“. – Holzschnitte von H. Spitzer, nach Zeichnung von Leutnant Gouda, Signaturen des Lagerkommandanten, Oberstleutnant (Alezeredes) Napoleon (in Faksimile) und handschriftlich Sofer (deutsche Seite) und Limbek (ungarische Seite). Einlösung des Lagergeldes gegen Zaren-Rubel bei Auflösung des Lagers. Pjestschanka: Im Mannschaftslager gibt der „amerikanische Hauptausschuß“ mit Datum 11. Dezember 1917 ein Lagergeld aus. Nominale: 1⁄2, 1, 3 und 5 Rubel. Hektographisch hergestellt. Signaturen: Hupak, Reinhard, Berkovics. – Über Lagergeldemission im Offizierslager bisher nichts erlangbar. Dauria: Die später nach Kansk gelangte Lagergruppe soll hier Lagergeld emittiert haben. Lagergeldschein über 15 Kopeken aus dem Offizierslager Strjetensk von 1916. Strjetensk: Offizierslager (Deutsche und Ungarn) emittiert 1916 Lagergeldserien zu 1, 3, 5, 10, 15, 20 und 50 Kopeken in kleinen Ausmaßen, aus durchscheinendem Papier, hektographisch hergestellt. Zeichnung von Architekt Jeney. (Auf der Rückseite Stempelaufdruck der russischen Lagerkanzlei.) – Infolge rascher Abnützung der Scheine wird später auf Herstellung im sogenannten Blaupausverfahren übergegangen. – Gänzliche Einlösung der Scheine bei Abtransport nach Atschinsk: 1918 (?). Chabarowsk: In einem mir zur Verfügung gestellten Tagebuchauszug wird unter „Chab. 16. Dezember 1917“ vermerkt: „In unserem Lager wird eine Notenbank gegründet. (Rubel 5, 3, 1 und Kopeken 50).“ Lagerscheine oder nähere Angaben bisher nicht erlangbar gewesen. Rubel-Schein des II. Bezirkes des Lagers Krasnaja-Rjetschka aus dem Jahre 1919. Lagerscheine von Krasnaja-Rjetschka aus der Zeit der japanischen Übernahme Ende 1919 über 5 Rin bzw. 1 Sen (Yen). Krasnaja-Rjetschka: 1. I. Bezirk des Lagers; Lagerkommando als Zentralstelle der Verwaltung aller Institutionen emittiert Lagergeld mit Datum „20. I. 1918“ in Abschnitten zu 50 Kopeken, 1, 3, 5 und 10 Rubel (einseitig bedruckt), gleichzeitig als „Notgeld“ (ungarisch „Szükség Pénz“) und als „Lagergeld“ (ungarisch „Tabor Pénz“) bezeichnet. Umsatz angeblich 150.000 Rubel. Holzschnitte von Heinrich Soukup. Signaturen: Lechner, Hauptmann; Glatzl, Hauptmann; Katz, Leutnant, und Benell. Auf der Rückseite Rundstampiglien-Aufdruck: „k. u. k. 4. Feld-Jäger-Bataillons-Commando“ (Schutz gegen Nachahmung). Einberufung, Einlösung und Vernichtung der Lagerscheine bei Abtransport Frühjahr 1918 nach Nowo Nikolajewsk und Barnaul (siehe dort). 2. II. Bezirk (Artilleriekaserne) emittiert 1919 Lagerscheine zu 50 Kopeken, 1, 3 und 5 Rubel. Linoleumschnitte in violetter Farbe. (Ansicht des Lagers.) Signaturen: Cornél Hacker, Dr. Hartmann Skrein, Dr. Prosony (?). 3. Lagergruppe aus Chabarowsk September (?) 1919 hierher verschoben, emittiert „Wirtschaftszentrale“ Lagergeld. Nominale: 50 Kopeken, 1, 5, 10 und 25 Rubel. Holzschnitte nach Zeichnungen von Stefan Czokoly. Signaturen: Posewitz, Glatz, Hinic, Marschalko, Esztergomy, Wagner. – Druck von Joh. Heininger (Wien). – Nach Übernahme des Lagers durch Japaner (vorübergehend auch Amerikaner), Ende 1919, auf japanische Währung übergehend: II. Emission. Nominale: 1, 3 und 5 Rin, 1, 3, 5, 10, 20 und 50 Sen (10 Rin = 1 Sen [Yen]). Deckung Rubel- (später Yen-) Noten. Waren. – Einberufung und Einlösung des Lagergeldes April 1920 bei Verschiebung nach Perwaja Rjetschka. Lagergeldschein über 10 Rubel vom Januar 1919 aus dem Kriegsgefangenenlager Nikolsk Ussurisk. Nikolsk Ussurisk: 1. Jänner 1919 emittiert „Lagerfürsorge-Kommitee“ Lagergeld. Nominale: 20 und 50 Kopeken, 1, 3, 5 und 10 Rubel. – Linoleumschnitte in der gleichen Zeichnung und Ausführung (doppelseitig) wie Lagerscheine in Troitz Kosawsk (siehe dort). – Signaturen (in Faksimile): Neumann, Oberst; handschriftlich: Knape und Wiesner. – Einberufen, eingelöst und vernichtet Ende 1919. 2. 1918 wird vom „Lagerkommando“ ein Lafka- (Kaffeehaus-) Geld ausgegeben. Nominale: 1, 5, 10, 15 und 50 Kopeken, 1, 3, 5 und 10 Rubel. – Linoleumschnitte; Kopekenwerte: aus Pappe, nur die Wertziffer und eine Signatur. Rubelwerte: farbig, mit Signatur (in Faksimile) Burian, Rittmeister, und in russischer Sprache: ne prinimat, Kontr.-Marke auf der Vorderseite; Signaturen: Wenczel, Kocsi, Schmidt, Moser (je zwei) auf der Rückseite. Turkestan, Skobelow: November 1918 wird zur Behebung des Kleingeldmangels im Offizierslager auf Anregung des Oberleutnant Willfort (Wien) und Leutnant Penizek (Wien) ein Lagergeld emittiert. Bezeichnet (in Druck) als „Anweisung auf 1“ (3, 5 usw.) ohne Währungsangabe (handschriftlich) „Utalvány 1 re“, das heißt Anweisung auf x-Rubel in Turkestaner Geld, zahlbar gegen Rückstellung des Scheines. – Nominale: 1⁄2, 1, 3, 5 und 10 Rubel. – I. Ausgabe (4. XI. 1918) im Gesamtwerte von 15.300, II. Ausgabe 1919 von 16.000 Rubel. Signaturen: Hackenberg, Hauptmann; Poka, Leutnant; Kahlhofer, Leutnant; dann der Kontrollore: Ingenieur Willfort, Hauer und Penizek (je eine Signatur oder Paraphe). Einberufung (bei vollständiger Entwertung des Turkestaner Geldes), Einlösung und Vernichtung des Lagergeldes: Frühjahr 1920. Aug. von Müller-Wandau / Einleitung: Hans-Ludwig Grabowski "Der Geldscheinsammler", Heft 5/2000 Abbildungsnachweis: Lagerscheine der Lager Barnaul, Krasnaja-Rjetschka, Nikolsk Ussurisk, Petropawlowsk, Troitzkosawsk, Beresowska, Strjensk, Atschinks und Batarenaja bei Irkutsk aus dem ehemaligen Bestand der Papiergeldsammlung von Oberst von Müller-Wandau. Lagerschein des Kriegsgefangenenlagers Kansk aus dem historischen Bestand des damaligen österreichischen Heeresmuseums Wien. Die Abbildung der Lagerscheine erfolgte nicht maßstabgerecht zueinander! Alle anderen Scheine und Fotos: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
- Gibraltar: Neue 5-Pfund-Note
Am 1. Dezember 2021 gab das Government of Gibraltar neue Noten zu 5 Pfund (Pounds) in Umlauf. Gedruckt von De La Rue, weisen diese Scheine mit 125 x 65 mm ein kleineres Format auf, das den Maßen der aktuellen 5-Pfund-Noten der Bank of England entspricht. Auf der Vorderseite ist das Porträt von Königin Elisabeth II. abgebildet. Die Rückseite zeigt die 2016 eröffnete Wondsor Suspension Bridge im Gibraltar-Naturreservat, die eine Spannweite von 71 m aufweist und 50 m über einer Schlucht hängt. Zu den erneuerten Sicherheitsmerkmalen gehören ein holographischer Sicherheitsfaden mit Durchsichtsfenster mit der Wertzahl "5", die Wertangabe "£5" als Electrotype und Cornerstone-Wasserzeichen. Diese Scheine weisen die Serienangabe B/AA auf; die derzeit im Umlauf befindlichen Noten mit Serie A/AA sollen ab Februar 2022 ihre Gültigkeit verlieren. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Die EZB will neue Euro-Banknoten gestalten
Wie der Spiegel berichtete, sollen die Euro-Banknoten künftig anders aussehen. Hierzu will die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Jahren Ideen sammeln und die Bürger mit einbinden. Trotz der europäischen Einigung identifizieren sich vergleichsweise wenig Bürger mit der Europäischen Union. Im Gegenteil nehmen nationale Tendenzen wieder zu und die Union steht immer wieder vor Zerreißproben. Die EZB hat offensichtlich erkannt, dass die Gestaltung der Euro-Banknoten, auf denen als Kompromiss zu real existierenden Bauwerken verschiedener Nationen, mit denen sich u. U. kleinere EU-Länder nicht repräsentiert gefühlt hätten, nicht real existierende Brücken verschiedener Epochen mit dem Ergebnis dargestellt sind, dass sich nun überhaupt kein Europäer mit diesen Motiven repräsentiert fühlt! Was mögen den Geburtshelfern des Euro da alles für Gedanken durch den Kopf geschwirrt sein? Größter Bevölkerungsanteil = größtes Nominal: Deutschland, Deutschland, über alles? Nur nicht! Deutschland, den Fünfer und Frankreich den Fünfhunderter? Die Franzosen hätte es gefreut! Und was ist mit den übrigen Nominalen? Wer hätte eine Reihenfolge vom wichtigsten zum quasi unbedeutenderen Bauwerk einer europäischen Nation vorgenommen und was wäre mit den kleinen Ländern geworden? Ein gemeinsames Nominal mit ganz vielen Bauwerken für den Rest? Man sieht: wenn man sich einmal versucht, in die Materie zu vertiefen, ist es gar nicht so einfach, es allen recht zu machen. Nun werden also neue Ideen gesucht, und es wird Zeit, dass die Europäer ihr langweiliges "Brückengeld" gegen identitätsstiftende und identitätsbewahrende Motive auf ihrem Geld eintauschen. Die EZB will 20 Jahre nach Einführung des Euro die Bürger in die Ideenbildung einbinden. Zuerst sollen Ideen gesammelt werden. Dann soll ein Expertenrat, dem natürlich auch Expertinnen angehören, Ideen auswerten und eine Auswahl vorschlagen. Die EZB wird dann die Öffentlichkeit um ihre Meinung zu den Vorschlägen bitten. Es folgt ein Gestaltungswettbewerb, nach dessen Ende der EZB-Rat über die Herstellung der neuen Scheine und deren Ausgabetermin entscheiden soll. 2024 soll eine Entscheidung fallen. Na dann: Viel Glück! Man darf gespannt sein, was der nächste Kompromiss zu bieten hat. Hier geht es direkt zur offiziellen Information der EZB! Haben Sie Vorschläge? Diskutieren Sie mit! Schicken Sie uns Ihre Meinung an: info@geldscheine-online.com Hans-Ludwig Grabowski Abb. Donald Ludwig
- Lexikon: Depression Script
Sog. Depression Scripts sind Notgeldscheine, die vor allem während der Wirtschaftskrisen von 1893, 1907 und während der Weltwirtschaftskrise 1931 bis 1934 in den USA umliefen. Es gab sehr unterschiedliche Scheine, die von kommunalen Behörden, Banken, Handelskammern, Firmen und von privater Seite ausgegeben wurden, die verzinslich oder unverzinslich waren, darunter auch zahlreiche Ausgaben von Schwundgeld, Scheine aus Holz (Wooden Nickels), Leder, Fischhaut und Muscheln. Fostoria Industrial Corporation, Fostoria/Ohio: Depression Script über 1 Dollar ohne Datum, einzulösen nicht vor dem 1. Januar 1936, Schwundgeld mit Klebemarken, Vorder- und Rückseite. Washington County/Oregon: Depression Script über 50 Cents vom 15. April 1933, Vorder- und Rückseite. Ihren Höhepunkt erreichte die Ausgabe dieser Scheine im März 1933, als US-Präsident Franklin D. Roosevelt gezwungen war, für vier Tage die Banken zu schließen. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de
- Aus privaten Sammlungen: Volksrepublik China, 2 Yuan von 1953
Objekttyp: Banknote Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Die Volksrepublik China ist am 1. Oktober 1949 gegründet worden. Die ersten Banknoten der Chinesischen Volksbank waren Ausgaben mit Datierungen von 1948, 1949 und 1950 in Nennwerten von 1 bis zu inflationär bedingten 50.000 Yuan mit vielen verschiedenen Motiven. 1953 entstand dann mit einer sog. "Zweiten Ausgabe" die erste wirkliche Banknotenserie der Volksrepublik mit Werten von 1 bis 5 Fen, 1 bis 5 Jiao und 1 bis 10 Yuan. Die Yuan-Werte der Ausgabe von 1953 sind heute durchweg selten und von Sammlern gesucht. Mit der gestiegenen Nachfrage auf dem chinesischen Sammlermarkt stiegen auch die Preise für frühe Banknoten der Volksrepublik China, insbesondere der Ausgaben 1948 bis 1950 sowie 1953 und 1956. Land/Region/Ort: Volksrepublik China, Peking Emittent: 中國人民銀行 (Zhōngguó Rénmín Yínháng), Chinesische Volksbank Nominal: 2 Yuan Datierung: 1953 Umlauf: ab 01.03.1955 Zitate: CHN-867 (SCWPM), B4080 (Linzmayer: The Bank Note Book) Vorderseite: Mitte: Pagode in Yan'an in der Provinz Shaanxi, Endpunkt vom sog. Langen Marsch in den Jahren 1934/35. Rückseite: Mitte: Staatswappen, Beschriftung in Chinesisch, Mongolisch, Tibetanisch und Uigurisch. Links und Rechts: Wertzahlen in Ornamenten. Unterschriften: ohne Wasserzeichen: Stern-Blumenmuster Format: 155 x 70 mm Material: Papier Herstellung: Druck, China Banknote Printing and Minting Nummerierung: II I IV 2261816 Authentizität: Original Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Fälscher & Falschgeld: Teil 56
Geschichten, die Geschichte machten, Teil 10: Die „Andreas“-Angelegenheit und das „Unternehmen Bernhard“ Das Organ „Erkennungszeichen“ von Interpol meldete im Mai 1940 aufgrund einer privaten Information die Ausgabe neuer 10-Shilling- und 1-Pound-Noten, die die Bank of England aus Furcht vor Nazi-Fälschungen mit dem neu entwickelten Sicherheitsfaden ausgestattet hatte. Auf letzteren ging das Info-Blatt aber nicht ein, man wusste darüber wohl noch gar nicht Bescheid. Zudem hatte man übersehen, dass die Mehrzahl der Währungsbezeichnung „Pounds“ natürlich nicht beim 1-Pfund-Schein anzuwenden ist. Als diese Mitteilung veröffentlicht wurde, war man in Berlin schon fleißig bei den Vorbereitungen zur Fälschung englischen Geldes Die „Andreas“-Angelegenheit Naujocks trug die Idee der Pfundnotenfälschung seinem Gönner Heydrich, Chef des RSHA und Himmlers „rechte Hand“, vor. Dieser war sofort besessen von dem Plan und verfasste ein Memorandum, das er über Himmler, der ebenfalls sofort begeistert zustimmte, dem „Führer“ zukommen ließ. Auch dieser war Feuer und Flamme, verbot aber, Dollars zu fälschen, wie Heydrich es zusätzlich vorgeschlagen hatte. Seine Begründung: „(Wir) befinden uns mit den USA nicht im Kriege“. Damit wollte Hitler eventuelle politische Verwicklungen mit den USA vermeiden, sollte der Plan auffliegen. Ein Mann aber hatte schwere Bedenken gegen diesen gewagten Plan: Der Leiter des Amtes VI, ein „Alter Kämpfer“ und Träger des Goldenen Ehrenzeichens der NSDAP, SS-Brigadeführer Heinz Jost. Er war aus dem hessischen Polizeidienst von Reinhard Heydrich persönlich in das Reichssicherheitshauptamt geholt worden, war davor Leiter des SD-Amtes III „Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste“, wurde dann Chef des aus diesem Amt III hervorgegangen Amtes VI des RSHA. In seiner Eigenschaft als Leiter des SD-Amtes III war er auch zuständig für die Beschaffung der polnischen Uniformen gewesen, die für den Überfall des Senders Gleiwitz benötigt worden waren. Ein entsprechender Führerbefehl hatte den Chef der OKW-Amtsgruppe Abwehr II, Admiral Wilhelm Canaris angewiesen, die geheimen Uniformdepots der Wehrmacht für das Himmler-Unternehmen zu öffnen und die benötigten Stücke an Jost zu übergeben, was Canaris nur mit Widerwillen getan hatte. Zwar bei seinen Untergebenen beliebt, doch mit einem gewissen Mangel an Zivilcourage ausgestattet, befürchtete nun Jost, dass bei den führenden Männern des Reiches angesichts der in Aussicht gestellten falschen Pfundnoten große Erwartungen und Begehrlichkeiten geweckt werden würden, die man aufgrund der Schwierigkeiten einer perfekten Nachahmung dann nicht würde befriedigen können, was für alle Beteiligten, gelinde ausgedrückt, großen Ärger bedeuten würde. Doch Reinhard Heydrich räumte energisch alle Bedenken beiseite, das Unternehmen konnte beginnen. In einem Geheimbefehl Heydrichs an die Männer des Referates VI F 4 hieß es: „Es darf sich hier nicht um eine Fälschung oder Nachahmung im üblichen Sinne handeln, sondern um eine nachträgliche, unautorisierte Herstellung, einen Nachdruck. Die Scheine müssen derart originalgetreu hergestellt sein, dass selbst die erfahrensten britischen Pfundnotenspezialisten keine Unterschiede herausfinden können.....“ Alfred Naujocks in seiner Eigenschaft als Leiter der Gruppe VI F wurde die Gesamtleitung der später „Unternehmen Andreas“ genannten Geheimoperation übertragen. Er verfügte nunmehr über etwa 30 Mann, von denen sich acht ausschließlich mit dem Unternehmen Andreas beschäftigten. Wie schon erwähnt waren darunter einige Zivilisten, Leute also, die nicht der SS angehörten und entsprechend auf die Geheimhaltung vereidigt worden waren, unter ihnen Dr. Albert Langer. Aber die Herren Fälscher standen vor einer Aufgabe, die sich zunächst einfacher anhörte, als sie es dann war. Zunächst wollte man mit 10 Shilling- und 1-Pfund-Noten beginnen, bevor man sich an die großen Werte von 5 Pfund an aufwärts, die sogenannten „White Notes“, wagte. Als allererstes brauchten sie jetzt das Papier mit dem entsprechenden Wasserzeichen. Dann musste das Nummernsystem entschlüsselt werden, dessen sich die Bank of England auf ihren Noten bediente, es musste natürlich möglichst originalgetreu gedruckt werden und schließlich war ein Verteilernetz aufzubauen, das die falschen Banknoten in großen Mengen abzusetzen in der Lage war. Doch der Reihe nach. Noch waren die Herren in der Planungsphase für die kleinen Wertstufen zu 10 Shilling und 1 Pound Sterling. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Leserpost: Zuordnung von Belegen aus einer Notgeldsammlung
Sehr geehrte Damen und Herren, bei der Sichtung eines Teils einer Notgeldsammlung sind mir die im Anhang als Bilder beigefügten Belege aus Frankfurt am Main aufgefallen, die in zahlreichen Kriterien die „Anforderungen“ an Notgeld erfüllen, sich in der (mir vorliegenden) einschlägigen Notgeldliteratur aber nicht finden lassen. Auch der Gebrauchszustand spricht dafür, dass die Belege tatsächlich benutzt worden sind. Können Ihre Katalogautoren hier vielleicht weiterhelfen? In jedem Fall sind es interessante zeitgenössische Belege. Aber ist es vielleicht tatsächlich Notgeld, dass in den bisher existierenden/veröffentlichten Katalogen nicht aufgeführt ist? Oder handelt es sich eine andere Art von Bankbelegen? Über eine zeitnahe Antwort würde ich mich freuen. Mit freundlichen Grüßen, M. Urban Spar- und Leihkasse e.G.m.u.H Ginnheim: Gutschein über 5 Mark auf 20 Pfennig ohne Datum, Vorder- und Rückseite. Sparkasse der Gewerbe-Vereinsbank r.G.m.b.H. Frankfurt a. M.-Niederrad: Gutschein über 2 Mark ohne Datum, Vorder- und Rückseite. Sparkasse der Gewerbe-Vereinsbank r.G.m.b.H. Frankfurt a. M.-Niederrad: Gutschein über 10 Mark ohne Datum, Vorder- und Rückseite. Antwort der Redaktion: Hallo Herr Urban, ich habe mit Herrn Gottwald in Frankfurt am Main gesprochen, dem Autor des 1981 erschienenen Buches über das Frankfurter Notgeld, und Ihre Anfrage an ihn weitergeleitet. Die Scheine sind tatsächlich in gewisser Weise Notgeld, das aber bereits seit einiger Zeit bekannt und durchaus selten ist. Noch am gleichen Tag habe ich mit Herrn Gottwald ein weiteres längeres Telefonat geführt, da die Scheine einige Rätsel aufgeben. Beschäftigen wir uns zuerst mit dem Schein über 5 Mark der Spar- und Leihkasse Ginnheim. Der wurde auf einem Grundschein zu 20 Pfennig gedruckt, der auf den ersten Blick eine gelaufene private Verkehrsausgabe eines Kleingeldscheins sein könnte. Diese Ausgabe ist allerdings als solche nicht bei Tieste katalogisiert. Auch den 5-Mark-Schein, der eigentlich zum Großnotgeld gehören sollte, findet man nicht bei Geiger. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man in dem Rundstempel der Spar- und Leihkasse Ginnheim e.G.m.u.H. (eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung), der sich auf Vorder- und Rückseite befindet, das Datum "1./1. 10". Am 1. Januar 1910 gab es aber kein Notgeld, das kam erst mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 in Umlauf. Dieses Datum gibt unserer Meinung nach den entscheidenden Hinweis. Es dürfte sich um einen Geldersatz handeln, der ausschließlich für Zahlungen innerhalb der Genossenschaft gedient haben dürfte, also um ein "Genossenschafts-Geld", das durchaus nicht erst seit den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in der DDR bekannt war. Eine quasi "innerbetriebliche" Zahlungsabwicklung dient durchaus dem genossenschaftlichen Zweck. Hier wäre es sinnvoll, in entsprechenden Archiven über die damalige Genossenschaft in Ginnheim zu forschen. Es handelt sich also höchstwahrscheinlich um kein Notgeld. Selten ist dieser Schein trotzdem und noch dazu ein interessantes Zeitdokument. Um was für Notausgaben aber handelt es sich bei den beiden Scheinen der Sparkasse der Gewerbe-Vereinsbank Frankfurt-Niederrad? Von den Beträgen ( 2 und 10 Mark) würde es sich um Großnotgeld handeln, aber auch diese Ausgaben führt Geiger nicht auf. Ein Datum findet sich leider nicht. Äußerst wichtig ist aber der Hinweis auf den Umrechnungskurs in US-Dollar (eine Mark = 10/42 Dollar). Wie wir wissen betrug am Ende der Inflation der festgelegte Umrechnungskurs 1 US-Dollar = 4,20 Goldmark = 4,2 Billionen Papiermark. Üblich sind deshalb bei sog. wertbeständigem Notgeld Wertangaben wie 0,42 Goldmark = 0,1 US-Dollar, 2,10 Goldmark = 0,5 US-Dollar, 4,20 Goldmark = 1 US-Dollar oder 21 Goldmark = 5 US-Dollars. Hier wird der Spieß umgedreht, man benennt das Nominal nur in Mark (eigentlich sollte es hier Goldmark heißen) und gibt den Kurs in Klammern an. 2 Mark sind demnach rund 0,48 US-Dollar und 10 Mark rund 2,38 US-Dollars. Diese Angaben sind ziemlich ungewöhnlich, aber denkbar. Die Mark war zu dieser Zeit (Ende 1923) immer noch die offizielle Währungsbezeichnung. Die Rentenbank war zwar schon am 15. Oktober 1923 gegründet worden und am 1. November wurde das Umtauschverhältnis zur Mark mit 1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark festgelegt; Zahlungsmittel, die auf Rentenmark lauteten, konnte aber nur die Rentenbank ausgeben. Noch 1924 hatte die Reichsbank Banknoten über Billionen-Beträge ausgegeben. Erst am 30. August 1924 wurde dann die Reichsmark eingeführt (1 Billion Mark = 1 Reichsmark). Die Bezeichnung Goldmark war keine offizielle Währungsbezeichnung, sondern leitete sich lediglich umgangssprachlich aus der Deckung ab. Wäre natürlich immer noch die Frage, ob ein Emittent Ende 1923 Zahlungsmittel über so niedrige Markbeträge ausgegeben hätte, ohne einen eindeutigen Hinweis, dass es sich um sog. wertbeständiges Geld handelt. Der ist, wenn auch nicht sofort erkennbar, durch den Umrechnungskurs zum US-Dollar gegeben. Außerdem dürfte jedem klar gewesen sein, dass derart kleine Mark-Beträge in Zeiten der Hochinflation keinen Sinn gemacht hätten. Nach reiflicher Überlegung und in Abstimmung mit Herrn Gottwald gehen wir deshalb beide davon aus, dass es sich tatsächlich um seltenes wertbeständiges Notgeld handeln muss, das damit in den einschlägigen Katalogen von Müller und Lindman fehlt. Hans-Ludwig Grabowski
- Fälscher & Falschgeld: Teil 55
Geschichten, die Geschichte machten, Teil 9: Die „Andreas“-Angelegenheit und das „Unternehmen Bernhard“ Amt VI des Reichssicherheitshauptamtes war der deutsche Auslandsgeheimdienst. Von hier aus wurden die Fälscheraktionen der Nazis koordiniert. Das Amt VI im RSHA Von besonderem Interesse für die Geschichte der Fälschungen der Noten der Bank von England ist das aus dem ehemaligen Amt III des Sicherheitsdienst-Hauptamtes gebildete Amt VI im neuen Reichssicherheitshauptamt. Das Amt hieß „Geheimer Auslandsnachrichtendienst“ und verkörperte den politischen Auslandsgeheimdienst des SD und damit des Deutschen Reiches, kurz: SD-Ausland genannt. Daneben gab es den militärischen Auslandsgeheimdienst, das Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht. Erst ab dem Frühjahr 1944 wurde die deutsche Geheimdienststruktur insofern gestrafft, als nach der Entmachtung und Hinrichtung von Wilhelm Canaris auch der militärische Auslandsgeheimdienst als eigenständiges Amt MIL in das RSHA eingegliedert wurde. Sämtliche Auslandsgeheimdienste waren ab dann in einer Hand unter der Führung des Chefs des Amtes VI, Walter Schellenberg. Zur besseren Abgrenzung zum Amt MIL nannte man das Amt VI nun offiziell „Politischer Auslandsgeheimdienst“. Schellenberg wurde aber erst 1942 Leiter des Amtes VI. Ab Gründung des RSHA bis zu diesem Zeitpunkt führte Heinz Jost das Amt. Dieses unterteilte sich in neun Gruppen, jeder Gruppe waren verschiedene Referate (diese werden in der Literatur tlw. auch Abteilungen genannt) zugeordnet. Dazu kamen ein großes und ein kleines Gästehaus in Berlin-Wannsee bzw. in Berlin-Westend sowie die Funkschule des SD auf Schloss Grüneberg. Von Interesse im Hinblick auf die Fälschergeschichte ist neben der Gruppe S dieses Amtes VI (Sabotage und Sonderaufträge mit Agentenschule auf Schloss Friedenthal nebst angeschlossener Chemigraphischer Anstalt, Gruppenchef: Obersturmbannführer Dipl.-Ing. Otto Skorzeny) und der Gruppe Wi (Einbau der Wirtschaft in den Nachrichtendienst, Gruppenchef: Standartenführer Prof. Dr. Robert Schmied) insbesondere die Gruppe F (Technische Hilfsmittel für den Auslandsnachrichtendienst) in der Delbrückstraße Nr. 6a in Berlin-Grunewald. Diese Gruppe VI F untergliederte sich in sieben Referate, wobei das Referat 4 (Pässe) in der Beymestraße Nr. 12 besondere Bedeutung hatte. Sein Leiter: Hauptsturmführer Alfred Naujocks, einer seiner wichtigsten Mitarbeiter: Hauptsturmführer Bernhard Krüger. Von beiden Personen wird im Folgenden noch ausführlich zu sprechen sein. Alfred Naujocks, der Mann, der den Krieg begann Man schrieb den 31. August 1939, 20.00 Uhr. Eine von einem gewissen Alfred Naujocks geleitete Gruppe von SS-Männern in polnischen Uniformen (es waren, wie Naujocks, Mitarbeiter des SD) überfielen den deutschen Sender Gleiwitz im Grenzgebiet zu Polen, verlasen einen Aufruf in polnischer Sprache, der mit den Worten „Hoch lebe Polen“ endete, ließen einen an Ort und Stelle erschossenen KZ-Häftling namens Franz Honiok, ebenfalls in polnischer Uniform, als „Beweis“ zurück und verschwanden wieder. Um 16.00 Uhr hatte Naujocks das Codewort „Großmutter gestorben“ erhalten, was für ihn bedeutete, dass er genau vier Stunden später tätig zu werden hatte. Ein von Heinrich Himmler raffiniert eingefädeltes Ganovenstück hatte stattgefunden, ein übler Trick, der Adolf Hitler die Begründung zum Überfall auf Polen lieferte, „um den unerträglichen Übergriffen der Polen gegenüber Deutschland ein Ende zu setzen“, wie die verlogene Rechtfertigung lautete. Die dabei von den Naujocks-Männern verlesene „Hetzrede“ in polnischer Sprache sollte die Volkswut entfachen und die deutsche Öffentlichkeit in die rechte Kriegsrage bringen. Bereits um 17.00 Uhr an diesem 31. August traf bei den Hauptquartieren der Wehrmacht der Befehl zur Auslösung des „Falles Weiß“ ein. Er lautete: Y = 1.9.4.45. Das hieß im Klartext: Der Kriegsbeginn ist auf 1. September, morgens 4.45 Uhr festgesetzt. Die Militärmaschinerie setzte sich unaufhaltsam in Bewegung, mit dem Beschuss der polnischen Enklave Westerplatte durch die am Vorabend im Danziger Hafen eingelaufene „Schleswig-Holstein“ und dem Überschreiten der Grenze durch die Panzer der Generale Guderian, Hoepner und Kleist begann der Zweite Weltkrieg. Alfred Naujocks, der mit seinem Sondertrupp die Drecksarbeit erledigt hatte, war einer der brutalsten Männer innerhalb der SS. Draufgängertum und Rücksichtslosigkeit hatten ihn in den Reihen des Totenkopf-Ordens Karriere machen lassen. Der ehemalige Mechaniker einer Schiffswerft in Kiel war 1931 zur SS gestoßen und 1934 in den SD eingetreten, nebenbei hatte er sich einen zweifelhaften Ruf als Amateurboxer und wüster Schläger erworben. So provozierte er oftmals Schlägereien mit Kommunisten, die ihm unter anderen Verletzungen mehrere Messerstiche einbrachten. Der damalige Befehlshaber der SS in Kiel, kein anderer als Reinhard Heydrich, erkannte sehr bald, was in Naujocks steckte und machte ihn zu einem seiner engsten Vertrauten. Die von Naujocks geführte SS-Gruppe wurde bald zur gefürchteten Mördertruppe der Ostseestadt. Die dreckigsten und gefährlichsten „Sonderaufgaben“ erledigte der zum verlängerten Arm Heydrichs avancierte Naujocks zur vollsten Zufriedenheit seines Chefs, und mit jeder Stufe, die Heydrich die Nazi-Karrieretreppe hinauffiel, fiel er mit. Die Engländer nannten ihn später „The man who started the War“. Anfang 1937 war Naujocks bereits Leiter einer Fälscherwerkstatt des SD in der Delbrückstraße Nr. 6a. Zu diesem Zeitpunkt erhielt Reinhard Heydrich über dunkle Kanäle die Meldung, dass sich in der Sowjetunion eine Opposition zum gewaltsamen Sturz des Diktators Josef Stalin formieren würde, die aus hohen Armeeoffizieren bestehen und an deren Spitze der stellvertretende Kriegskommissar der UdSSR, Marschall Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski stehen würde. Ihm kam eine geniale Idee: Diese Meldung auf dem richtigen Weg Stalin zugespielt, würde mit einem Schlag große Teile der Armeeführung Russlands ausradieren – und das mit Hilfe Stalins und der sowjetischen Geheimpolizei! Ein verführerischer Gedanke – ein gewagter Plan. Doch war diese Mitteilung, die von einem Auslandsspitzel des SD kam, der auch für den NKWD, den sowjetischen Geheimdienst und Vorläuferorganisation des späteren KGB arbeitete, echt?? Wieder half Alfred Naujocks. Seine Fälscherwerkstatt in der Delbrückstraße verfälschte alte, noch aus der Zeit der engen Beziehungen der Reichswehr zur Roten Armee nach Ende des Weltkrieges vorhandene Dokumente und Briefe mit den Unterschriften der Sowjet-Generale, die auch jetzt noch im Amt waren, so geschickt, dass man daraus ablesen konnte, dass die russische Armeeführung mit Hilfe deutscher Offiziere gegen den Kreml-Herrscher intrigierte. Die Daten wurden dabei so geschickt manipuliert, dass die Dokumente aktuell zu sein schienen. Mit dem Wissen und der Genehmigung Hitlers wurden die Dokumente über einen Mittelsmann dem tschechoslowakischen Präsidenten Benesch zugespielt und von diesem einem Moskauer Sonderkurier weitergegeben. Tatsächlich begann im Juni 1937 mit der Verurteilung und der Hinrichtung Tuchatschewskis und sieben weiterer Generale die blutigste Säuberungsaktion in der Geschichte Russlands. Die Nachrichtenagentur TASS meldete, dass die hohen Offiziere wegen staatsfeindlicher Umtriebe und Beziehungen zum Geheimdienst einer fremden Macht verurteilt worden seien. In den folgenden Monaten wurden weitere sage und schreibe 35.000 Offziere hingerichtet, fast die Hälfte des gesamten Offizierskorps. Heydrich triumphierte, doch seine später gerne und häufig erzählte Geschichte, der deutsche Sicherheitsdienst habe der gefürchteten Sowjetarmee den Kopf abgeschlagen, war trotzdem falsch: Als die gefälschten Dokumente in Moskau ankamen, hatte Stalin längst das Ende Tuchatschewskis und vieler führender Militärs beschlossen, da sie dem Roten Zaren zu mächtig und einflussreich geworden waren. Schon seit Ende 1936 hatte er diese Säuberungsaktion akribisch vorbereitet, Heydrichs Papiere waren lediglich ein weiteres winziges Teil, das Stalin in seinen Bestrebungen zwar bestärkte, waren aber niemals das auslösende Moment für diese gewaltige politische Säuberung. Allerdings hatten Alfred Naujocks und seine Fälscher wieder einmal gezeigt, was sie zu leisten im Stande waren. Man würde später darauf zurückkommen.... Im November 1939 wurde ihm eine weitere Aufgabe übertragen, die er ebenfalls mit Bravour löste. Der als Nachfolger von Heinz Jost spätere Chef des Amtes VI im Reichssicherheitshauptamt, der 1910 in Saarbrücken geborene Walter Schellenberg, seines Zeichens Adlatus von Reinhard Heydrich, lud zwei Angehörige des britischen Secret Service, Major R. H. Stevens und Captain S. Payne Best, in das niederländische Venlo zu einem Agententreff ein. Er gab sich dabei als deutscher Offizier aus, der insgeheim dem Widerstand angehört. Die beiden Geheimdienstler wurden von SS-Leuten unter Naujocks’ Kommando überfallen, nach Deutschland entführt und inhaftiert. Sie wurden als Urheber des missglückten Attentats auf Hitler am 8. November 1939 im Münchener Bürgerbräukeller benötigt. Der eigentliche Attentäter, der Deutsche Johann Georg Elser, wurde zwar ermittelt und bei seiner versuchten Flucht in die Schweiz verhaftet, doch war man an ihm als Täter nicht interessiert, zwei Engländer machten sich da weitaus besser. Sowohl die beiden Briten als auch Elser wurden im Zellenbau des K.L. Sachsenhausen inhaftiert. Elser verbrachte man später in das Konzentrationslager Dachau, wo er am 9. April 1945 auf Weisung der Gestapo ermordet wurde. Für das Gangsterstück in Venlo erhielt Naujocks das Eiserne Kreuz I. Klasse, eine zu diesem Zeitpunkt noch seltene Auszeichnung. Außerdem durfte er das Auto der beiden Engländer, eine amerikanische Luxuslimousine, als Privateigentum behalten. Auch ein SS-Mann namens Kurt Werner nahm an dieser Aktion teil, ihm brachte sie das EK II. Er sollte nur wenige Jahre später als Hauptscharführer im Konzentrationslager Sachsenhausen Gefangene beaufsichtigen, die Banknoten fälschten. Es war nun Herbst 1939 und der Zweite Weltkrieg hatte soeben begonnen. Alfred Naujocks war mittlerweile SS-Hauptsturmführer (dies entsprach dem Wehrmachtsdienstgrad Hauptmann)*) und Leiter des Referats 4 der Gruppe F des Amtes VI des soeben ins Leben gerufenen Reichssicherheitshauptamtes (RSHA). Die Amtsgruppe F hatte die Bezeichnung „Technische Hilfsmittel für den Nachrichtendienst im Ausland“. Es kam Naujocks bereits in diesen ersten Kriegstagen zu Ohren, die Engländer würden beabsichtigen, deutsche Lebensmittel- und Kraftstoffkarten in großer Zahl nachzudrucken und über dem Reichsgebiet abzuwerfen, um die Versorgung der deutschen Zivilbevölkerung zum Zusammenbruch zu bringen. Dies geschah dann im Übrigen später auch, so zum Beispiel im Juli 1941 in Münster, als die britische Luftwaffe Fleischzuteilungskarten in großen Mengen abwarf. Ende Juli 1941 wurden in Berlin vier Tankstellen behördlicherseits geschlossen, weil sie gefälschte und von der Royal Air Force abgeworfene Kraftstoffmarken ohne nähere Prüfung angenommen hatten; es wurden mehrere Festnahmen und an allen Tankstellen strenge Kontrollen vorgenommen. In der Nähe von Bremen wurden Mitte Februar 1943 gefälschte Lebensmittelkarten gefunden, in Hamburg lagen tausende von Sonderbekleidungskarten auf der Straße, die alle auf wundersame Weise von Himmel gefallen waren. Viele deutsche Städte gingen dazu über, anzuordnen, die Einlösung von Marken nur unter gleichzeitiger Vorlage des Personalausweises vorzunehmen. In einem Gespräch mit einem seiner Mitarbeiter, Dr. phil. Albert Langer, erörterte nun Naujocks, ob es im Gegenzug nicht möglich sei, ebenfalls englische Ration Cards nachzumachen und über England abzuwerfen. Dr. Langer, etwa 50 Jahre alt, gehörte nicht der SS an. Er war im Ersten Weltkrieg Dechiffrierexperte des österreichischen Generalstabs gewesen, wurde ebenfalls in dieser Eigenschaft kurz vor Kriegsbeginn Mitarbeiter in Naujocks’ Referat 4 und der Kopf einer Gruppe zur absoluten Geheimhaltung verpflichteter ziviler Fachleute. Einige von ihnen sollten später auf Schloss Friedenthal bei Oranienburg arbeiten, das unter anderem eine Chemigraphische Anstalt beherbergte. Intelligent und sehr belesen war Langer bald das „wandelnde Auskunftsbüro“ des Referatsleiters, der in eben diesem Gespräch eine ganz andere Idee entwickelte: Warum den Umweg über die falschen Lebensmittelkarten nehmen? Warum nicht gleich die Währung des Feindstaates Großbritannien fälschen?? Naujocks stimmte begeistert zu und würde sich später immer als derjenige rühmen, der diese Idee geboren habe. Zumindest aber stammte von ihm der Vorschlag, die Pfundnoten anstelle der Lebensmittelkarten von Flugzeugen aus über dem Inselreich abzuwerfen, um so das englische Währungssystem zum Zusammenbruch zu bringen. Kurz darauf war Naujocks zum Sturmbannführer (entsprechender Wehrmachtsdienstgrad: Major) und Leiter der Gruppe F befördert worden, die in der Delbrückstraße 6a in Berlin-Grunewald residierte. Und im Referat 4 mit der Bezeichnung „Pässe“ arbeiteten in der Beymestraße 12 (Berlin-Schmargendorf) die besten Fälscher ihrer Zeit. Sie ahmten alles nach, vom Führerschein bis zum Doktordiplom, von der Geburtsurkunde jedes gewünschten Landes bis zum Personalausweis, vor allem aber Reisepässe. Jeder Stempel und jedes Siegel wurde originalgetreu kopiert. Man fertigte an, was die deutschen Spione im Ausland für ihre Arbeit so alles benötigten, und zwar in meisterhafter Qualität. Kein Dokument war zu schwierig, keine Urkunde, die die Fälscher nicht exzellent nachmachen konnten. Warum also nicht auch die knappen und zum Einkauf von kriegswichtigen Gütern dringend benötigten Devisen selbst herstellen und dabei noch dem Erzfeind England durch Unterminierung seiner Währung Schaden zufügen?! Das englische Pfund war zur damaligen Zeit die Weltleitwährung und noch vor dem US-Dollar die begehrteste Währung überhaupt. Die Pfundnote war die Königin aller Banknoten – „As good as Gold“. Schätzungen der Bank of England zufolge befanden sich im Jahre 1940 Pfundnoten im Gesamtwert von 10 bis 20 Millionen Pfund im Ausland. Um seinen Kriegsgegnern die Möglichkeit zu nehmen, in ihrem Besitz befindliche Pfundnoten zur Einlösung zu präsentieren, verhängten die Engländer am 20. August 1940 einen Devisen-Einfuhrstopp. Vorgelegte Pfunde aus dem Ausland wurden vor Einlösung einer strengen Herkunftskontrolle unterzogen. Einer von Naujocks’ Fälscherexperten, der Hauptsturmführer und gelernte Textilmaschinenbau-Ingenieur Bernhard Krüger, hatte zu diesem Zeitpunkt mit Geldfälschungen noch nichts zu tun, ja er wusste über das Vorhaben noch nicht einmal Bescheid, da der Kreis der Eingeweihten möglichst auf die unmittelbar damit befassten Personen beschränkt bleiben sollte. Erst Ende 1939 hatte auch er gerüchteweise gehört, was da im Keller der Delbrückstraße angeblich vor sich ging, doch zu fragen hatte auch er nicht gewagt. Auskunft hätte er nicht erhalten, denn jeder war verpflichtet, geheim zu halten, was er tat. Im Übrigen war das Verhältnis zwischen Naujocks und Krüger nicht eines der besten. Zu diesem Zeitpunkt war Krüger als Sachbearbeiter des Referates 4 vornehmlich in der Abteilung Fremdenpolizei des Berliner Polizeipräsidiums tätig. Er fotografierte dort ausländische Pässe, um originalgetreue Vorlagen für Fälschungen zu erhalten und versuchte sich nebenbei an kleineren Dokumentenfälschungen, und dies mit viel Geschick. *) Die heute in der einschlägigen Literatur für SS-Angehörige oft verwendeten Wehrmachtsdienstgrade (SS-Hauptmann, SS-Major, SS-General, usw.) hat es nie gegeben, die Bezeichnungen sind somit nicht korrekt und eine Erfindung der Journalisten, die sich mit den SS-Dienstgraden in der Regel nicht auskennen und daher der Einfachheit halber die gebräuchlichen Militärdienstgrade benutzen. Die SS hatte ausschließlich eigene Dienstgradbezeichnungen in Gebrauch. Allerdings hatte sich die Waffen-SS die Wehrmachtsdienstgradabzeichen quasi widerrechtlich angeeignet und verwendete diese neben ihren eigenen Abzeichen, hier nun zum Teil auch in Verbindung mit den entsprechenden militärischen Bezeichnungen. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- 163.000 Euro für Wiener Banco-Zettel zu 50 Gulden von 1800
Die Herbstauktion bei Bankovky brachte eine Reihe erwähnenswerter Ergebnisse und bestätigte abermals den steigenden Preistrend. Herausragendes Resultat der nun mittlerweile dritten Bankovky-Auktion am 19./20. November 2021 waren die über 163.000 Euro für einen 50-Gulden-Schein von 1800 (136.000 Euro Höchstgebot + Käufergebühr). Damit wurde der bisherige Spitzenreiter, ein 500-Gulden-Schein von 1816, von seiner Position als teuerste österreichischen Banknote verdrängt. Der bisherige Höchstpreis betrug knapp 112.000 Euro. Der 50-Gulden-Schein von 1800 ist eher unscheinbar, mit nicht so hohem Nominal, so dass man seine Seltenheit leicht übersehen könnte. Immerhin kann man das Nachfolgestück, die 10 Gulden von 1806, problemlos um 1.000 bis 2.000 Euro erwerben. Es hat diese Note jedoch praktisch niemand in der Sammlung und die arrivierten Sammler wissen über ihre Seltenheit Bescheid. Warum sie so selten ist, ist nicht wirklich bekannt, vermutlich ist sie gar nicht oder nur sehr kurz tatsächlich im Umlauf gewesen. In unserem KK-Banknotenkatalog ist das Vorhandensein in nur vier Sammlungen nachgewiesen, bei dreien davon handelt es sich um Museumssammlungen. Im Zuge meiner im Jahr 2004 gestarteten Aufzeichnungen zu versteigerten österreichischen Banknoten konnte ich bisher noch nie einen Verkauf eines 50-Gulden-Scheins von 1800 verzeichnen. Mit 48.000 Euro einen neuen Höchstwert für diese Note brachte auch ein 1.000-Gulden-Schein von 1800 in Erhaltung III (VF). Der bisherige Höchstwert lag bei 30.400 Euro. Ein 500-Gulden-Schein von 1800 stellte mit 28.800 Euro exakt den im Vorjahr erzielten Rekordpreis ein. Und steil nach oben ging auch ein 25-Kronen-Schein von 1918 in Erhaltung I (UNC) mit 3.360 Euro. Ich hatte zu dieser Note bisher kein Ergebnis über 1.000 Euro in den Aufzeichnungen. Beeindruckend auch wieder, wie die Preise für kleinere Nominale in Besterhaltung sukzessive weiter nach oben klettern: 1 Gulden 1800, Erh. I: 670 Euro (neuer Höchstpreis) 2 Gulden 1800, Erh. I: 1.340 Euro (neuer Höchstpreis) 5 Gulden 1800, Erh. I: 960 Euro (neuer Höchstpreis) 10 Gulden 1800, Erh. I: 1.200 Euro (neuer Höchstpreis) 10 Gulden 1806, Erh. I: 1.150 Euro (neuer Höchstpreis) 1 Gulden 1811, Erh. I, 910 Euro (neuer Höchstpreis) 1 Gulden 1858, Erh. I, 1.050 Euro (neuer Höchstpreis) 1 Gulden 1882, Erh. I, 860 Euro (zweithöchster Preis bisher) 10 Kronen 1904, Erh. I, 570 Euro (neuer Höchstpreis) 20 Kronen 1907, Erh. I, 2.400 Euro (neuer Höchstpreis) 50 Kronen 1914 ohne DÖ, Erh. I, 290 Euro (neuer Höchstpreis) 2 Kronen 1914 Serie C, Erh. I, 180 Euro (neuer Höchstpreis) 10 Kronen 1915 ohne DÖ, Erh. I, 150 Euro (neuer Höchstpreis) Johann Kodnar www.geldschein.at
- Türkische Lira stürzt auf neuen Tiefstand ab!
Erdoğan kann es nicht lassen! Immer wieder mischt sich der türkische Präsident in die Geldpolitik der Notenbank ein, was zur Folge hat, dass die Türkische Lira an Wert verliert und die Wirtschaft des Landes leidet. Viele Notenbanker, die sich mehr oder weniger gegen die Interventionen des Präsidenten stellten, verloren bereits ihre Jobs. Jetzt führte eine Äußerung von Erdoğan zu niedrigen Zinsen bis zu den für 2023 geplanten Wahlen in einem Interview des Fernsehsenders TRT erneut zu einem weiteren Absturz der türkischen Währung. Außerdem sei er nicht daran interessiert mit höheren Leitzinsen kurzfristige Investitionen in die Türkei zu holen. Entgegen jeder Volkswirtschaftslehre vertritt Erdoğan die Ansicht, hohe Zinsen würden die Inflation fördern. Die Lira brach nach diesem Interview gegenüber Dollar und Euro ein. Musste man Mitte November noch 12 Lira für einen Euro zahlen und letzte Woche dann schon 14, sind es jetzt fast 16 Lira für einen Euro. Wachsende Inflationen werden in der Regel mit der Anhebung der Leitzinsen korrigiert. Die Notenbank hatte diese aber erst kürzlich auf 15 Prozent gesenkt, während die Inflationsrate schon bei 20 Prozent liegt. Hans-Ludwig Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: Musterschein zu 100 Pfund der National Bank of Egypt vom 25. April 1907
Die Dynastie des Muhammad Ali führte das Khedivat Ägypten zu einer gewissen Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich; jedoch nahmen bald die Staatsschulden ein derartiges Ausmaß an, dass im praktisch bankrotten Ägypten die Maßnahmen zur Tilgung der Schulden sowie der steigende internationale Einfluss auf die Wirtschaftspolitik Unruhen auslösten. Der für das Motto "Ägypten den Ägyptern" bekannte Kriegsminister Ahmed Urabi stellte schließlich eine eigene Armee auf. Da sich die Briten um den Zugang zum Suezkanal bedroht sahen, der für den Handel von enormer Bedeutung war, kam es am 11. Juli 1882 zu einer ersten Konfrontation: Die Briten beschossen die Stadt Alexandria, die unter der Kontrolle Urabis war. Am 14. Juli nahmen sie die Stadt ein. Nach diesem Vorfall wurden weitere britische Truppen nach Ägypten entsandt und es begann ein Feldzug zur Besetzung des Landes. Am 14. September 1882 erreichten die Briten Kairo; selbst nach der Niederlage der Urabi-Bewegung blieben sie in Ägypten, das 1914 offiziell ein britisches Protektorat wurde. 1898 gründete der Khedive Abbas Himil II. die Nationalbank von Ägypten und stattete die Bank mit exklusivem Notenprivileg aus; die erste Notenemission stammt vom 3. April 1899. Bis 1914 konnten diese Noten in Gold umgetauscht werden. Aus der Sammlung Josef Gerber: Ägypten, National Bank of Egypt: Musterschein zu 100 Egyptian Pounds vom 25. April 1907 Vorderseite: Text in englischer und arabischer Sprache; links der unter Augustus erbaute und von Trajan wiedererrichtete Trajan-Kiosk auf der Insel Philae. Der gesamte Tempelkomplex der heute überfluteten Insel wurde bis 1980 auf die benachbarte Insel Agilkia übersiedelt. SPECIMEN-Lochung. Rückseite: Guillochen. Wasserzeichen: ohne Format: 203 mm x 118 mm Druck: Bradbury, Wilkinson & Compy. Ltd., London Katalogreferenzen: EGY-6s (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues; Datum nicht im Katalog); B107f (Linzmayer: The Banknote Book – Egypt; Var.: Specimen) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Hongkong: Neue Gedenkbankote zu den 24. Olympischen Winterspielen in Peking
Anlässlich der 24. Olympischen Winterspiele in Peking, die vom 4. bis 20. Februar 2022 stattfinden sollen, gab die Bank of China in Hongkong neue Gedenknoten zu 20 Dollars aus. Die 143 x 71,5 mm großen Noten wurden von der Hong Kong Note Printing Ltd. gedruckt und gelten zwar als gesetzliches Zahlungsmittel, sind jedoch nicht für den Umlauf gedacht. Die Vorderseite zeigt das Bankgebäude in Hongkong vor einer Schneeflocke sowie das Logo der Olympischen Winterspiele in Peking. Auf der Rückseite sind zwei Eisschnellläufer über der Chinesischen Mauer abgebildet. Im Hintergrund ist die Skyline von Hongkong mit Mond und Feuerwerk zu sehen; diese Seite wurde nach einem klassischen chinesischen Gedicht gestaltet. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)












