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  • Aus privaten Sammlungen: 100 Mark der Sächsischen Bank zu Dresden von 1874

    Die Sächsische Bank zu Dresden wurde durch königliches Dekret im Juli 1865 errichtet und erhielt das Recht zur unbeschränkten Notenausgabe für vorerst 25 Jahre. Die ersten Noten der Sächsischen Bank kamen im Januar 1874 in Umlauf. Der Notenumlauf wuchs ständig an, da ihre Noten im gesamten Land kursierten und der Geldbedarf durch die wirtschaftliche Entwicklung immer größer wurde. Trotz der Beschränkungen für Notenbanken in der Folge der Reichsgründung, gehörte sie im Jahre 1906 zu den noch verbliebenen vier Länder­notenbanken (Baden, Bayern, Sachsen, Württemberg), deren Banknoten gleichwertig neben den Noten der Reichsbank im gesamten Reichsgebiet kursieren durften. Zum 1.1.1935 wurde ihr Notenrecht durch das Reichswirtschaftsministerium gekündigt. Zum 2.4.1936 wurden die noch in Umlauf befindlichen Banknoten ungültig. Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Reich, Königreich Sachsen, Sächsische Bank zu Dresden: Banknote zu 100 Mark vom 1. Januar 1874 (Archivstück) Vorderseite: Links Frauenkopf mit Kranz als Allegorie der Bank, rechts Merkurkopf als Allegorie für den Handel. Rückseite: Mitte Wertangabe in Ornamenten, je eine Wertzahl in den Ecken. Ohne Fol.-Nr. und Handunterschrift. Wasserzeichen: "Sächsische Bank z D 100" Format: 172 mm x 103 mm Druck: Giesecke & Devrient, Leipzig Nummerierung: Lit. F, Serie XVII, Nr. 803000 Katalogreferenzen: SAX-4b (Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) GER-S950 (SCWPM) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Fälscher & Falschgeld: Teil 49

    Geschichten, die Geschichte machten, Teil 6: Kleinvieh macht auch Mist – „Mister 880“ fälschte nur aus Not 1938 tauchten in der amerikanischen Weltstadt New York gefälschte Ein-Dollar-Noten auf. Das erste Exemplar meldete der Inhaber eines Tabakladens in der Nähe des Broadway dem Secret Service, konnte aber keine Angaben zum Verausgeber machen. Der Schein war ihm beim abendlichen Kassensturz aufgefallen. In der Folgezeit fanden sich, verteilt über fast das gesamte Stadtgebiet, jede Woche zehn, elf der falschen Silver-Certificates. [Exkurs: Ein-Dollar-Scheine als Federal Reserve Noten gibt es erst seit 1963. Ab etwa den 1920er Jahren waren alle im Umlauf befindlichen Einer-Noten Silberzertifikate, die bis zum 25. März 1964 tatsächlich gegen Silberdollars und aufgrund eines eigenen Gesetzes noch einmal vom 24. Juni 1967 bis 24. Juni 1968 gegen ungemünztes Silber eingelöst werden konnten. Entstanden waren die Silver Certificates durch ein entsprechendes Gesetz im Jahre 1878 als Ersatz für die schweren und unhandlichen Silberdollar-Münzen.] Bei den Fälschungen handelte es sich noch nicht einmal um besonders gut gelungene Nachahmungen. Sie waren auf einem billigen Papier gedruckt, das es an jeder Straßenecke zu kaufen gab. Die Guillochierung der Fälschungen wirkte plump und verschwommen, neben dem linken Auge des Washington-Porträts druckte ein kleiner schwarzer Klecks mit, das rechte Auge wirkte im Gegensatz zur echten Ausführung stumpf und leblos. Dem Druck fehlte die plastische Wirkung echter Dollarnoten völlig, das Porträt verschmolz mit den dunklen Kreuzschraffuren des Hintergrundes des Ovals. Der Secret Service stand vor einem Rätsel. Was war das für ein Fälscher, der sich mit Einer-Noten abgab, die in Bezug auf das Risiko die Mühe eigentlich nicht wert waren?? Nichtsdestotrotz – Falschgeld war Falschgeld, auch wenn es geringwertig und von schlechter Qualität war, und es wurde auch in diesem Fall genauso ermittelt, als wenn es größere Wertabschnitte gewesen wären. Die Akte, die der Secret Service angelegt hatte, erhielt die Bezeichnung „Case No. 880“ – Fall Nr. 880. Dem unbekannten Hersteller kam zugute, dass eine Ein-Dollar-Note bei ihrer Annahme kaum einer näheren Prüfung unterzogen wurde, da aufgrund des relativ geringen Nennwerts niemand mit einer Fälschung rechnete. Woche für Woche tauchten neue falsche Einer auf, ohne dass sich an deren bescheidener Qualität etwas geändert hätte und ohne dass man dem Fälscher näher gekommen wäre. Im Dezember 1939 waren bereits mehr als 600 Stück aus dem Zahlungsverkehr gefischt und beschlagnahmt worden. Unzählige rote Stecknadeln kennzeichneten auf einem großen Stadtplan im Büro des ermittelnden Beamten des Secret Service New York das Verbreitungsgebiet. Ein bestimmtes System oder bestimmte Läden, die der Verausgeber bevorzugte, waren dabei nicht zu erkennen. Bäckereien waren ebenso betroffen wie Friseurläden, Drugstores und Lebensmittelgeschäfte oder Imbissbuden. Lediglich in den Kassen der Subway tauchten vergleichsweise viele der falschen Einer auf. Den Fahrpreis von seinerzeit 5 Cent mit einer Ein-Dollar-Note zu bezahlen, brachte dem Fälscher einen Gewinn von immerhin 95 Cent. Diese Silberzertifikate zu 1 Dollar waren 1938 im Umlauf. Sie wurden von Emerich Juettner 10 Jahre lang gefälscht und verbreitet, bis ihm der Secret Service per Zufall auf die Schliche kam. Anfang der 1940er Jahre erschien dann ein neuer Typ dieser Fälschung. Die letzten Exemplare der bisherigen Version, die beim Secret Service gelandet waren, hatten eine wahrlich lausige Qualität aufgewiesen. Da sie sich im Laufe der Zeit abgenutzt hatten, hatte der Fälscher jetzt wohl neue Platten angefertigt. Bei der von Hand ausgeführten Retusche war ihm nun allerdings ein Fehler unterlaufen: Den in einem Schriftband unterhalb des Porträtovals befindlichen Namen des auf der Banknote abgebildeten ersten Präsidenten der USA hatte er versehentlich mit „Wahsington“ angegeben. Noch immer fand sich nicht die geringste Spur. Jahr um Jahr ging ins Land und jede Woche förderte neue Falsifikate zutage. Dann kam der Dezember 1947. Mehr als 5000 falsche Silver Certificates hatte der noch immer unbekannte private Geldhersteller unter die Leute gebracht. Kurz vor Weihnachten brach in einer kleinen, schäbigen Wohnung in der Upper West Side ein Feuer aus. Edward Mueller, der alte Mann, der dort wohnte, konnte sich retten und zog vorübergehend zu seiner Tochter in den Stadtteil Queens. Nachbarn und einige Feuerwehrleute bargen das, was von der Einrichtung und den wenigen Habseligkeiten des Wohnungsinhabers übrig geblieben war und stellten die Gegenstände in einem angrenzenden engen Durchgang unter, wo sie im Laufe des Winters zuschneiten. Im Januar 1948 spielten eben in jener kleinen Gasse einige Jungen aus der Nachbarschaft. Dabei entdeckten sie das zum Teil verkohlte Gerümpel und untersuchten es in ihrer kindlichen Neugierde auf eventuell noch Brauchbares. Einige Dinge waren auch durchaus heil geblieben. So fanden sie zu ihrer großen Überraschung in der Schublade eines kleinen Schränkchens ein schmales Bündel seltsam aussehender Ein-Dollar-Noten und einige Zinkplatten, die das Druckbild der Geldscheine spiegelverkehrt aufwiesen… Einer der Jungen erkannte das Falschgeld und zeigte die Fundstücke seinem Vater. Dieser sah ebenfalls sofort, dass dies Druckplatten zur Herstellung falscher Banknoten sein mussten. Diese und die falschen Silver Certificates brachte er auf das Polizeirevier in der 100. Straße West. Der Beamte dort verständigte den Secret Service. Zwei Agenten begaben sich nach Queens und konfrontierten den ehemaligen Wohnungsinhaber Edward Mueller mit den Gegenständen. Dieser sah ein, dass Leugnen sinnlos war und gab sofort zu, die falschen Dollars hergestellt zu haben. Mit richtigem Namen hieß er im Übrigen Emerich Juettner, warum er sich in seiner nun ausgebrannten Wohnung unter einem Falschnamen eingemietet hatte, bleibt unbekannt. Die Scheine hatte er nur gefälscht, um seine schmale Kasse etwas aufzubessern und ein klein wenig mehr Geld zum Leben zur Verfügung zu haben. Juettner war 74 Jahre alt. 1898 war er aus Österreich in die USA gekommen. In seiner Heimat hatte er den Beruf des Druckers erlernt und sich unter anderem grundlegende Kenntnisse im Fotodruck angeeignet. Zunächst hatte er in New York als Hausverwalter ganz gut verdient. Dann aber hatte er sich mit windigen Geschäften verspekuliert und fast sein gesamtes Vermögen eingebüßt sowie seinen Job verloren. 1937 starb seine Frau, die beiden Kinder des Ehepaares waren erwachsen und aus dem Haus. Da er sich das bisherige Appartement nicht mehr leisten konnte, zog er an die Upper West Side in eben jene kleine, heruntergekommene Wohnung und verdiente sich zu seiner bescheidenen Rente von 25 Dollar noch einige wenige Dollar durch den Handel mit Schrott und Altwaren dazu. Dies aber reichte kaum aus. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig – nahezu mittellos und manchen Tag ohne eine warme Mahlzeit kam der gelernter Drucker auf die Idee, sich mittels selbst gemachter Greenbacks das Leben etwas zu erleichtern. Nach der Arbeit des Tages, wenn er seine Schubkarre weggestellt hatte, mit der er durch die Straßen zog und Altmetalle und alte Autoreifen einsammelte, begann seine geheime Nachtarbeit. Die notwendige Ausrüstung hatte er sich nach und nach besorgt. Die Fotografie einer Dollarnote kopierte er auf eine Zinkplatte und ätzte die Zeichnung mittels eines Säurebads ein. Nach der Retusche verschiedener Details druckte er dann seine eigenen Scheine auf einer kleinen mechanischen Handpresse. In seinem Prozess sagte er aus, dass er nie mehr Fälschungen in Umlauf gebracht habe, als er unbedingt zum Leben benötigte. Seine Erzeugnisse verausgabte er stets in anderen Geschäften in verschiedenen Stadtteilen und immer nur während der späten Nachmittagsstunden, der Rush Hour, wenn die Läden voller Kunden waren und das Personal keine Zeit hatte, die Scheine näher anzuschauen. Als ihn der Richter fragte, warum er keine höheren Nennwerte gefälscht habe, antwortete Juettner: „Euer Ehren, ich wollte doch niemanden um mehr als einen Dollar betrügen!“. Der Richter glaubte ihm und ließ Milde walten. Im Juli 1948 verurteilte er den Fälscher zu einem Jahr und einen Tag Gefängnis sowie zu einer Geldstrafe von – einem Dollar. Nach nur vier Monaten wurde er aufgrund seines fortgeschrittenen Alters vorzeitig entlassen. Emerich Juettner lebte fortan bei der Familie seiner Tochter. In Anlehnung an die Nummer seiner Secret Service-Akte wurde 1950 unter dem Titel „Mister 880“ seine Lebensgeschichte mit Burt Lancaster und Edmund Gwenn in den Hauptrollen verfilmt. Der ehemalige Fälscher erhielt von 20th Century Fox ein großzügiges Honorar für die Verfilmung seiner Story, mit dem er fortan einen bescheidenen Lebensabend finanzieren konnte. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Armenien und Alexander Tamanjan

    Vorstellen möchte ich den Schein zu 500 Dram, Typ 1999 (Abb. 1). Er gehörte zur zweiten, ab 1998 gestarteten Geldscheinserie und wurde von der Zentralbank der Republik Armenien ab 1. September 2000 in den Umlauf gegeben. Er ist dem Architekten Alexander Tamanjan[1] gewidmet. Abb. 1: 500-Dram-Schein 1999, Vorder- und Rückseite. Die Vorderseite zeigt ein Porträt von Alexander Tamanjan mit seinen Lebensdaten (1878–1936) und einen Ausschnitt aus einem Stadtplan, vergrößert in Abb. 2 zu sehen. Dazu kommen die Bank- und Wertangabe, links neben der „500“ die ausgeschriebene Wertangabe "FÜNF HUNDERT DRAM" sowie zwei Unterschriften. Diese stammen vom Bankdirektor Tigran Sargsyan und vom Finanzminister Levon Barkhudarjan. Die Rückseite zeigt das Regierungsgebäude in der Hauptstadt Eriwan (Jerewan)), entworfen von Alexander Tamanjan, daneben die Konstruktionszeichnung für ein repräsentatives Gebäude mit Säulenfront und großer Kuppel. Dazu kommen wiederum Bank- und Wertangabe. Der Geldschein ist ausschließlich in der Landessprache beschriftet, bis auf die klein gedruckte Bankbezeichnung in Englisch. Gestaltet wurde der Schein vom Künstler Ashot Manukjan. Abb. 2: Detail der Vorderseite mit dem Porträt von Tamanjan und dem Stadtplanausschnitt. Das Wasserzeichen, hier von der Vorderseite gesehen (Abb. 3), besteht aus dem Porträt, hier nach links gewendet, und einer hellen „500“. Am rechten Rand der Abbildung bzw. des Scheins ist – ebenso wie am linken Rand der Rückseite – kleingedruckt die englische Bankbezeichnung „CENTRAL BANK OF THE REPUBLIC OF ARMENIA“ zu sehen. Abb. 3: Wasserzeichen und englische Bankbezeichnung (rechts). Unter der großen Textzeile (Vorderseite oben), übersetzt ARMENISCHE REPUBLIKANISCHE ZENTRALE BANK – oder besser eben ZENTRALBANK DER REPUBLIK ARMENIEN – befindet sich eine armenische Textzeile in Mikroschrift, in der Gesamtansicht nur als schwarze Linie erkennbar (vgl. Abb. 4). Die letzten vier Buchstaben der Bankbezeichnung (groß darüber) ergeben bei der Übertragung in unsere Schrift einfach BANK. Das ist offensichtlich ein Begriff, der in vielen Sprachen identisch ist. Der erste Buchstabe der Wörter FÜNF, HUNDERT und ARMENISCHE – das armenische „H“ – sieht (für den Laien) deutlich anders aus als auf den Münzen zu 100 oder 200 Dram 2003. Die drei Schrägbalken sind die Kodierung des Nominals für Menschen mit Sehbehinderung. Abb. 4: Detail der Vorderseite, rechts oben mit Mikroschrift und Blindenkennzeichen. Abb. 5 zeigt die rechte untere Ecke der Rückseite; zu erkennen ist hier die scheinbar endlos wiederholte Wertangabe in lateinischer Schrift in einer Schriftgröße von ca. 0,3 mm: "500 AMD". AMD ist das internationale Kürzel für die armenische Währung. Abb. 5: Detail der Rückseite, rechts unten mit fortlaufender Mikroschrift „AMD500“. Das Durchsichtkennzeichen zeigt zwei Winkel, eingerahmt von zwei Quadraten. Der Rand des auf der Spitze stehenden Quadrates enthält fortlaufend „500 AMD“. Die Abb. 6 zeigt sowohl Drauf- als auch Durchsicht dieses Kennzeichens. Bei der Durchsicht sind die sich überlagernden, auf beiden Seiten des Geldscheins vorhandenen Textzeilen allerdings kaum noch zu erkennen. Abb. 6: Detail der VS mit Durchsichtzeichen von vorn und mit Durchlicht, die einzelnen Elemente ergeben bei Durchsicht zwei Winkel und ein Quadrat, der Text ist durch die Überlagerung beider Seiten nicht mehr zu lesen. Während es von den höheren Wertstufen ab 1000 Dram aufwärts inzwischen mehrere sicherheitstechnisch verbesserte Auflagen gibt, blieb der 500-Dram-Schein unverändert. Seit dem 31. März 2003 werden auch 500-Dram-Münzen – als höchstes Nominal einer Serie von 10 bis 500 Dram – ausgegeben. Entsprechend nahm die Zahl der im Umlauf befindlichen 500-Dram-Scheine stetig ab. Nach Informationen auf der Webseite der Bank[2] lag im Jahr 2008 der Anteil des 500-Dram-Scheins an der umlaufenden Geldmenge bei nur noch 0,06 %, der der Münzen mit gleichem Nominal dagegen bei 1,39 %, also mehr als 20 Mal so viel. Auch im September 2021 erscheint er noch in der Liste der im Umlauf befindlichen Scheine. Der Kurs des Dram betrug in den letzten reichlich zwanzig Jahren etwa 500 Dram = 1 Euro. Der Schein hat also den Gegenwert von etwa 1 Euro. Weitere Informationen zum Geldschein: Maße: 129 x 72 mm Hauptfarben: Grau und Rot Serie: Գ (Standardausgabe) SCWPM: ARM-44; A&G (Airapetian & Gryckiewicz): Ar55 Der Druck des Scheins erfolgte durch Joh. Enschede, NL – im SCWPM wird fälschlicherweise die Firma TDLR genannt. Zu den Sicherheitskennzeichen gehört ein nur im UV-Licht sichtbarer Aufdruck neben dem Porträt, der die „500“ in einem Rechteckblock zeigt. Alexander Tamanjan Alexander Tamanjan (4./16. März 1878 – 20. Februar 1936) studierte in St. Petersburg Architektur und begann seine Karriere mit dem Entwurf von Gebäuden dort und in anderen russischen Städten. Unter anderem restaurierte er die Armenische Kirche in St. Petersburg. 1923 zog er, inzwischen Mitglied der Akademie der Architekten, von Petrograd (russifizierter Name der Stadt seit Kriegsausbruch 1914) nach Armenien. Dort wirkte er bis 1936 als Stadtplaner, Architekt und Chef einer Kommission zur Erhaltung historischer Monumente. 1924 erstellte er den Generalbebauungsplan für die Rekonstruktion der Stadt Eriwan – dieser Plan ist auf der Vorderseite des Geldscheins abgebildet, wie ein Vergleich mit einem aktuellen Stadtplan ergibt. Sein Ziel war, aus dem kleinen Provinzstädtchen eine moderne Hauptstadt zu gestalten. Aus damaliger Sicht erschien der Plan als nahezu unrealisierbar. Die alte, häufig eingeschossige Bebauung musste abgerissen und durch neue Gebäude an einem neuen, großzügig geplanten Straßennetz ersetzt werden. Von 1925 bis 1932 tat er das Gleiche für eine ganze Reihe anderer armenischer Städte, wie Leninakan (heute Gjumri), Etschmiadsin und Nor Bayazit (heute Gawar). Er entwarf ebenso eine Reihe öffentlicher Gebäude, darunter das Regierungsgebäude in Eriwan (dieser Geldschein) und das Eriwaner Opernhaus. Abb. 7: Denkmal für Alexander Tamanjan. Abb. 7 zeigt ein Denkmal in Eriwan, das dem berühmten Architekgen gewidmet ist. Geschaffen wurde es 1974 vom Bildhauer A. Owsepjan. Die Darstellung soll symbolisieren, dass Tamanjan mit seinen Projekten (der große Block in der Mitte) alte Traditionen und neue Stadtarchitektur meisterhaft verbunden hat. Abb. 8 zeigt das von ihm 1926 im Zusammenhang mit der Planung des gesamten Platzes projektierte Gebäude für die Regierung der Sowjetrepublik Armenien. Er kombinierte dabei moderne Baumethoden und Architektur mit armenischen Traditionen. Der erste Teil des Gebäudes wurde bereits 1929 fertiggestellt, endgültig war es 1941 fertig. Das Wappen der Sowjetrepublik über dem großen Tordurchgang (Abb. 9) stammt aus der ersten Bauperiode – wie man an den Details der Wappendarstellung ersehen kann. In der folgenden Abb. 10 zeigen die beiden Schilder mit dem aktuellen Wappen, dass das Gebäude auch heute noch Sitz der Regierung ist. Die Gestaltung des Gebäudes wurde für die weiteren Gebäude am Platz der Republik (zur Erbauungszeit Leninplatz) übernommen. Abb. 8: Regierungsgebäude in Jerewan; der Schein zeigt den rechten Teil des Gebäudes. Abb. 9: Wappentafel mit dem Wappen der Sowjetrepublik oberhalb des Tores. Abb. 10: Tafeln am Gebäudeeingang mit dem aktuellen Wappen und der Beschriftung in Armenisch bzw. in Russisch und Englisch. Nicht weit von diesem Platz entfernt steht das Staatliche Opern- und Ballett-Theater „Alexander Spendiarow“, dessen Bau von Alexander Tamanjan begonnen und von seinem Sohn Georgi zu Ende geführt wurde (Abb. 11); vgl. dazu die Abbildung auf dem Aram Chatschaturjan gewidmeten 50-Dram-Schein von 1998[3]. Abb. 11: Opernhaus von Jerewan. Rainer Geike Quellen: Airapetian, Arutiun und Marcelo Gryckiewicz: Transcaucasian Banknotes, Gietl-Verlag, Regenstauf 2009. Ein umfassender Katalog der Geldscheine der Region seit 1917 und einigen wenigen zusätzlichen Informationen. Abb. in SW. Zum hier vorgestellten Schein S. 295-297. Notes and Coins of the Republic of Armenia, herausgeg. von der Zentralbank der Republik Armenien, Eriwan 2013 (armenisch u. engl.). Eine sehr umfangreiche Darstellung (222 S.). A. G. Grigorjan, M. L. Towmasjan: Architektur des sowjetischen Armeniens. Moskau 1986 (russ.). Rem Ananikjan: Jerewan. Stadtführer, Moskau 1989 (dt.). Jasmine Dum-Tragut: Armenien. Reiseführer, Berlin 2017. Abbildungen: Autor; Abb. 7–11 aufgenommen im Juni 2019. [1] Im Deutschen Tamanjan. Tamanyan ist die ans Englische angelehnte Transkription in armenischen Quellen. Entsprechend wurden auch bei den anderen aus armenischen Quellen übernommenen armenischen Namen die „Y“ durch „J“ ersetzt. [2] Abgerufen am 11.3.2009. [3] Im Newsletter 33/2021 von Geldscheine-Online.com vorgestellt.

  • Banknoten der Welt bei SINCONA AG, Zürich in der Auktion 73 am 22. November 2021

    Es ist Tradition, dass SINCONA AG in Zürich in der Herbstauktion jeweils auch Geldscheine versteigert. Viele Sammler warten gespannt darauf, was angeboten wird und ob sie wieder einmal Banknoten in ihrer Fehlliste abstreichen können, zumal in den vergangenen Monaten viele Messen nicht stattfinden konnten. Der Nachholbedarf ist dementsprechend groß! Beinahe 480 Geldscheine und numismatische Dokumente umfasst die Abteilung Banknoten im Auktionskatalog 73, und wie versprochen kommt auch der 2. Teil der chinesischen Banknotensammlung zur Versteigerung mit den Noten ab 1948 – im vergangenen Mai wurde ja der 1. Teil versteigert. Aber dazu später, denn es gilt, weitere wichtige Kapitel zu erwähnen. Der Übersicht zuliebe gehen wir alphabetisch vor. Bereits bei Afghanistan muss genauer hingeschaut werden, denn es werden sechs Spezimen des Jahres 1936 (SH 1315) angeboten, welche damals bei Orell Füssli in Zürich gedruckt wurden. Sie sind alle mit Erhaltung WBG67 taxiert, also von schönster Erhaltung. Zur Auktion! Los 3008 Afghanistan, Königreich. 100 Afghanis o. J. SPECIMEN. Sehr selten. WBG 67. Taxe CHF 300,– Albanien ist mit 27 Nummern erneut vertreten, da ein "Kunde" des vergangenen Jahres seine ersteigerten Noten nicht mehr abholen konnte, die Gründe dafür verraten wir nicht! Dafür wurden die Nummern wieder so übernommen, wie wir sie damals geschätzt haben. Auf diese Weise haben die Liebhaber der Banknotengeschichte Albaniens erneut Chancen, die Raritäten doch noch ergattern zu können. Anschliessend kommen wir zu China und somit zum 2. Teil der bedeutenden Sammlung des Reiches der Mitte ab 1948. 70 Nummern umfasst dieser Teil, und die Sammler des modernen China finden darin einige große Seltenheiten. Lot 3110 China, Volksrepublik. 500 Yuan 1949. Selten und fast druckfrisch (-I). Taxe CHF 1.500,– Lot 3123 China, Volksrepublik. 50.000 Yuan 1950. Von großer Seltenheit. Fast sehr schön (-III). Taxe CHF 2.000,– Die 59 Nummern zu Italien sind es wert, besonders genau angeschaut zu werden, finden sich doch darunter auch viele alte Banknoten/Kreditscheine der vergangenen italienischen Staaten ab dem 16. Jahrhundert, und sie sind alle moderat geschätzt. Das gleiche gilt auch für die modernen Ausgaben. Lot 3201 Italien, alte Staaten. Banchi trasformati. Banco delle Due Sicilie / Cassa di Corte Argento. Kreditscheine / Fedi di Credito 1806/08. Gavello 10. Gutes sehr schön (III+). Taxe CHF 50,– Lot 3234 Italien, Republik. 500 Lire 1948, 10. Februar. Druckfrisches Exemplar (I). Taxe CHF 200,– Bereits zweimal konnte SINCONA die Banknotensammler des österreichischen Kaiserreichs erfreuen; dieses Mal mit 61 Nummern, erneut mit diversen Raritäten, die auf ihre neuen Besitzer warten. Die Bietergefechte werden dementsprechend spannend werden. Lot 3284 Österreich, Kaiserreich. Wiener Stadtbanco. 500 Gulden 1800, 1. Januar. Sehr selten. Taxe CHF 3.500,– Lot 3323 Österreich, Republik. Österreichisch-Ungarische Nationalbank. 1.000.000 Kronen 1922, 11. September. Sog. Kassenschein «a vista» mit Annahmeverpflichtung für alle öffentlichen Kassen und Ämter. MUSTER in Perforation. Sehr selten und fast druckfrisch (-I). Taxe CHF 2.000,– Dass die Banknoten der Schweiz einen besonderen Stellenwert für SINCONA aufweisen, versteht sich von selbst. Die 56 Nummern zeigen einen interessanten Querschnitt durch die Papiergeldgeschichte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die neueste Zeit. Lot 3375 Schweiz. Banque Cantonale du Valais. 100 Francs 1856, 2. September. Formular ohne Signaturen. Von großer Seltenheit. Schön (IV). Taxe CHF 500,– 1907 wurde die Schweizerische Nationalbank gegründet, welche anschließend das Monopol für die Ausgaben von Schweizer Banknoten erhielt. Die alten kantonalen Papiere verloren ihre Gültigkeit. Eine sehr frühe Ausgabe stellt der folgende Geldschein dar: Lot 3376 Schweizerische Nationalbank. 20 Franken 1911, 1. Dezember. Selten in der Erhaltung. Gutes sehr schön (III+). Taxe CHF 850,– Da kurz darauf der Vorrat der Nationalbank an kleinen Noten-Nominalen beinahe erschöpft war und der Druck neuer Serien nicht mit der Nachfrage Schritt halten konnte, gab das Eidgenössische Finanzdepartement den Auftrag heraus, Staatskassenscheine auszugeben. Die im August 1914 ausgegebenen Scheine der Eidgenössischen Staatskasse zu 5, 10 und 20 Franken wurden in den drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch ausgegeben, und zwar zu 5, 2 und 1 Achtel. Verständlich, dass deshalb die italienischen Versionen immer sehr selten sind. Lot 3410 Cassa Federale (Eidg. Staatskasse). 20 Franken 1914, 10. August. Ausgabe in italienischer Sprache. Von großer Seltenheit. Fehlt in den allermeisten Sammlungen. Sehr schön (III). Taxe CHF 4.500,– Gleich vier Geldscheine, welche die Schweizerische Nationalbank als Reservebanknoten vorbereitet hatte, kommen in dieser SINCONA-Banknotenauktion vor, und da fällt als besonderer Farbtupfer ein Specimen der Reserveserie der 4. Emission auf, welche der bedeutende Schweizer Künstler Hans Erni entworfen hat. Lot 3417 Schweiz. Schweizerische Nationalbank. Reservebanknote 1000 Franken 1950, 1. Januar. SPECIMEN. Von größter Seltenheit. Bankfrisch (I). Taxe 10.000,– Die letzte Nummer des Kapitels Schweiz ist ein US-amerikanischer Dollar-Geldschein aus Whitehaven, heute Memphis, Tennessee, der Geburtsstadt von Elvis Presley. Darauf ist auch der Ortsteil Lausanne erwähnt. Heute erinnert noch eine «Lausanne Street» und die «Lausanne Collegiate School» daran, dass es offenbar Auswanderer von Lausanne am schweizerischen Genfersee nach Tennessee verschlagen hat. Banknotenausgaben mit Lausanne aus anderen Gegenden sind uns nicht bekannt. Lot 3424 Ausländische Banknoten mit Bezug zur Schweiz. Whitehaven & Lausanne Turnpike Road Company. Tennessee, USA. 1 Dollar 1841, 16. September. Selten. Stark zirkuliert, schön (IV). Taxe CHF 75,– Das leitet in die Vereinigten Staaten von Amerika / USA über zu den Noten der Konföderierten Staaten 1861 – 1864. Da viele Fälschungen des Konföderierten Geldes umliefen, bestellten die Behörden der "Abtrünnigen Staaten" bei Straker & Sons in London neue Rückseitendruckplatten für alle bestehenden Nominale. Deren Auslieferung wurde 1864 jedoch durch die Blockade der Unionsflotte verhindert. Die Druckplatten liegen heute im Smithonian Institut in Washington. So sind nur einzelne Probedrucke erhalten geblieben. Lot 3462. Confederate States Notes. 8 einseitige Probedrucke von geplanten Rückseiten. Selten und vorzüglich bis druckfrisch (II – I). Taxe CHF 150,– Unterdessen ist das Reisen aus den meisten Ländern in die Schweiz wieder erlaubt, wenngleich pandemiebedingte Einschränkungen zu berücksichtigen sind, wie etwa ein gültiges Covid-Zertifikat und ein Einreiseformular. Deshalb freut sich SINCONA auf Ihren Besuch in Zürich, falls Sie beabsichtigen, persönlich an der Auktion teilzunehmen. Aber auch sonst sind wir stets für Sie da, am Telefon, per Mail oder online an den Auktionstagen. Unsere Homepage www.sincona.com informiert Sie jederzeit. Zur Auktion!

  • Die Banknoten des Jahres seit 2003

    Anfang 2004 rief die Redaktion der Zeitschrift "Münzen & Papiergeld" (heute "Münzen & Sammeln") erstmals zur Wahl der Banknote des Jahres auf. Die Idee kam von dem bekannten Sammler Josef Gerber. Gewählt wurde durch unsere Leser die Banknote des Jahres 2003. Seither haben sich Tausende Leser an den Wahlen beteiligt, seit 2020 auch über unseren Gelscheine-Online-Blog. Natürlich gab es auch in jedem Jahr Preise zu gewinnen. Zur Auswahl stehen in jedem Jahr zwölf Banknoten aus aller Welt, die von der Redaktion vorgeschlagen werden und im Vorjahr in Umlauf kamen. Nach fast 20 Jahren wird es Zeit einen Überblick über die bislang gewählten Banknoten zu geben und ein kleines Résumé zu ziehen. Stimmanteile Die meisten Stimmanteile überhaupt erhielt mit fast 50 % die zur Banknote des Jahres 2004 gewählte Gedenkbanknote zum 72. Geburtstag der thailändischen Königin Sirikit, dicht gefolgt mit nur einem Prozent Unterschied von einer wunderschönen Banknote aus Samoa, die zur Banknote des Jahres 2008 gewählt wurde. Sieger mit den wenigsten Stammanteilen von nur etwas über 17 % wurde eine Note aus Bolivien bei der Wahl zur Banknote des Jahres 2018. Bei dieser Wahl waren die Stimmen über viele Vorschläge verteilt. Papier oder Polymer? Zu mehr als zwei Dritteln stellten Scheine auf herkömmlichem Banknotenpapier die Sieger, doch Scheine aus Polymer-Kunststoff waren immerhin sechs Mal zur Banknote des Jahres gewählt worden. Gleich je zweimal gewannen Fidschi und Neuseeland mit Polymer-Scheinen. Die Sieger sind übrigens über alle Erdteile verteilt. Drei der Sieger waren Gedenkbanknoten. Die Banknoten des Jahres 2003 – 2020: Banknote des Jahres 2020 – Fidschi Gewählt mit 19,3 % Stimmenanteil. Gedenkbanknote über 50 Dollars (50 Jahre Unabhängigkeit) von 2020, in Umlauf ab 8. Oktober 2020. Banknote des Jahres 2019 – Schweiz Gewählt mit 25,9 % Stimmenanteil. Neue 100-Franken-Note der Schweizerischen Nationalbank ohne Datum, in Umlauf ab 3. September 2019. Banknote des Jahres 2018 – Bolivien Gewählt mit 17,2 % Stimmenanteil. Note zu 50 Bolivianos der neuen Banknotenserie, in Umlauf ab 15. Oktober 2018. Banknote des Jahres 2017 – Schottland Gewählt mit 20,0 % Stimmenanteil. 10 Pfund vom 26. Dezember 2016, in Umlauf ab 4. Oktober 2017, Polymer-Kunststoff, Vorderseite: Porträt der Astronomin und Mathematikerin Mary Somerville, Rückseite: zwei Otter und ein Auszug aus einem Gedicht von Norman MacCraig. Banknote des Jahres 2016 – Neuseeland Gewählt mit 20,6 % Stimmenanteil. 100 Dollars (20)16, ausgegeben ab 16. Mai 2016, Polymer-Kunststoff, Vorderseite: Porträt des Physikers Lord Rutherford of Nelson, Rückseite: Mohua (Geldköpfchen). Banknote des Jahres 2015 – Neuseeland Gewählt mit 21,0 % Stimmenanteil. 5 Dollars ohne Datum, ausgegeben ab Oktober 2015, Polymer-Kunststoff, Vorderseite: Porträt von Sir Edmund Hillary und Mount Cook, Rückseite: Bucht, Pflanzen und Pinguin (Hoiho). Banknote des Jahres 2014 – Französische Überseegebiete Gewählt mit 33,3 % Stimmenanteil. 5000 Francs ohne Datum (in Umlauf ab 20.1.2014). Vorderseite mit Wimpelfischen vor einer Koralle und Nautilus (Perlboot). Rückseite mit Fischen und Koralle sowie Muschel mit Perle. Banknote des Jahres 2013 – Fidschi Gewählt mit 26,2 % Stimmenanteil. 5 Dollars ohne Datum (2013), Polymer-Banknote. Vorderseite: Korb, Papagei und Staatswappen. Rückseite: Leguan, Palme und Blüte des Degeneria-Baums. Banknote des Jahres 2012 – Kasachstan Gewählt mit 23,6 % Stimmenanteil. 5000 Tenge, 2011 (Ausgabe ab 02/2012). Vorderseite: „Kazak-Eli-Monument” in Astana, fliegende Tauben und stilisierte Schneeleoparden. Rückseite: Umrißkarte mit Berglandschaft und Unabhängigkeits-Denkmal vor Hotel „Kasachstan” in Almaty. Banknote des Jahres 2011 – Tansania Gewählt mit 20,8 % Stimmenanteil. 2000 Shillings o.D. (2010), Ausgabe ab: 17.12.2010. Vorderseite: Löwenkopf und Staatswappen. Rückseite: Festung Ngome Kongwe auf Sansibar. Banknote des Jahres 2010 – Gibraltar Gewählt mit 21,6 % Stimmenanteil. 10 Pfund vom 1.1.2010, Vorderseite: Porträt der britischen Königin Elisabeth II. und Wappen, Rückseite: Szene aus dem Krieg gegen französische und spanische Truppen 1779 – 1783 (The Great Siege). Banknote des Jahres 2009 – Armenien Gewählt mit 36,8 % Stimmenanteil. 100.000 Dram 2009, Vorderseite: Abgar V. von Edessa, der erste christliche König Armeniens, links Flagge mit Gesichtsabdruck von Jesus und Schriftrollen, rechts Landkarte und Münze, Rückseite: Übergabe des Leinentuchs an den König. Banknote des Jahres 2008 – Samoa Gewählt mit 48,4 % Stimmenanteil. 20 Tala o.D., Vorderseite: Sopoaga-Wasserfall, Rückseite: Samoa-Taube und Zweige. Banknote des Jahres 2007 – Färöer Gewählt mit 31,9 % Stimmenanteil. 200 Kronen ohne Datum (2003), Vorderseite: Falter, Rückseite: Felsen im Meer. Banknote des Jahres 2006 – Papua-Neuguinea Gewählt mit 35,0 % Stimmenanteil. 100 Kina 2005, Polymer-Kunststoff, Vorderseite: Parlamentsgebäude in Port Moresby, Rückseite: einheimische Früchte und Fische, Transportmittel und Industrie. Banknote des Jahres 2005 – Taiwan Gewählt mit 22,8 % Stimmenanteil. 1000 Neue Taiwan-Dollars ohne Datum (2004), Vorderseite: Kinder vor einem Globus, Rückseite: Fasane vor Berglandschaft. Banknote des Jahres 2004 – Thailand Gewählt mit 49,4 % Stimmenanteil. 100 Baht vom 2.8.2004, Gedenkbanknote zum 72. Geburtstag von Königin Sirikit. Banknote des Jahres 2003 – Komoren Gewählt mit 26,9 % Stimmenanteil. 2500 Francs der Ausgabe 1997 Vorderseite: Frau in Landestracht, Rückseite: Seeschildkröte. Hans-Ludwig Grabowski

  • Der VO-Hunderter

    Gemäß der Moskauer Deklaration von 1943 wurde die Republik Österreich bereits mit dem Verfassungsgesetz vom 1. Mai 1945 wieder errichtet, blieb aber bis 1955 von Streitkräften der vier Alliierten besetzt. Österreich stand während der 10-jährigen Besatzungszeit unter Verwaltung der Alliierten Kommission für Österreich, die mit dem Ersten Kontrollabkommen vom 4. Juli 1945 eingerichtet wurde. Im Zweiten Kontrollabkommen vom 28. Juni 1946 wurde die Kommission umstrukturiert: Sie bestand nun aus dem Alliierten Rat, dem Exekutiv-Komitee und jeweils einem Stab der Besatzungsmächte. Oberstes Verwaltungsorgan der einzelnen Zonen waren die Hochkommissare, die auch den Rat stellten. Ab 1950 wurde die Militärverwaltung sukzessive in eine Zivilverwaltung überführt. Das heißt: Es gab eine österreichische Regierung, Landeshauptmänner und Bundes- und Landestage, eine österreichische Gemeindeverwaltung und geordnete freie Wahlen. Dem Alliierten Rat waren von der Bundesregierung alle vom Parlament beschlossenen Gesetze vor ihrer Kundmachung zur Genehmigung vorzulegen. Wurde die Zustimmung nicht erteilt, konnte das Gesetz nicht in Kraft treten. Am 25. November 1945 fand die erste demokratische Nationalratswahl nach der militärischen Niederlage des Nationalsozialismus und zugleich die fünfte Nationalratswahl in der Geschichte Österreichs statt. Bundesweit hatten die Besatzungsmächte nur ÖVP, SPÖ und KPÖ zur Wahl zugelassen, lediglich in der britischen Besatzungszone wurde in Kärnten auch die Demokratische Partei Österreichs (DPÖ) als wahlwerbende Gruppe zugelassen. Die ÖVP unter Leopold Figl (* 2. Oktober 1902 in Rust im Tullnerfeld, Niederösterreich; † 9. Mai 1965 in Wien) ging als Sieger aus dieser Wahl hervor und erreichte eine absolute Mandats-Mehrheit. Zweiter wurde die SPÖ unter Karl Renner (* 14. Dezember 1870 in Untertannowitz, Mähren; † 31. Dezember 1950 in Wien). Die KPÖ blieb deutlich hinter den Erwartungen und schaffte nur knapp den Einzug in den Nationalrat. Am 20. Dezember 1945 wurde Figl von der Nationalversammlung zum Bundeskanzler gewählt. Damit endete die Amtszeit der Provisorischen Staatsregierung Renner (27. April – 20. Dezember 1945). Die neue Regierung war eine Koalition aus ÖVP, SPÖ und KPÖ.[1] ÖVP und SPÖ stellten auch nach der Nationalratswahl 1949 weiterhin die Regierung. Im Herbst 1952 zeigte sie Risse und während der Budgetverhandlungen machte sich eine angespannte innenpolitischen Atmosphäre bemerkbar. Die Kritik an der Finanzpolitik der Regierung – Herabsetzung des Staatszuschusses zur Rentenversicherung und die Streichung von Bundesmitteln für den sozialen Wohnungsbau – führten schließlich zu deren Rücktritt und zur Ausschreibung von Neuwahlen für den Februar 1953. Der kurze, aber hart geführte Wahlkampf stand ganz im Zeichen wirtschaftspolitischer Kontroversen: Während die ÖVP eine zweite Phase des Stabilisierungskonzeptes propagierte, veröffentlichet die SPÖ ein Zehn-Punkte-Programm zur Sicherung der Vollbeschäftigung. Als dritte Kraft trat die Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, ein Bündnis aus Kommunisten und Linkssozialisten, in die Wahlkampfarena. Sie setzte zwei Flugblätter in Umlauf, die sog. VO-Hunderter, die auf den ersten Blick in Größe und Aufmachung einem 100-Schilling-Schein täuschend ähnlich sehen. Erst bei näherer Betrachtung bemerkt man, dass auf der Vorderseite die Wörter „Oesterreichische Notenbank“ durch „Oesterreichische Nationalratswahlen“ ersetzt wurde, der Engel in der linken unteren Ecke keine Blockflöte bläst, sondern die lange Nase zeigte und anstatt des Frauenkopfes der echten Banknote ein die Große Koalition versinnbildlichender Januskopf Figl-Schärf „zierte“. Adolf Schärf (* 20. April 1890 in Nikolsburg, Südmähren; † 28. Februar 1965 in Wien) war Vizekanzler (SPÖ) und von 1957 bis zu seinem Tod 1965 Bundespräsident der Republik Österreich. Abb. 1: 1. Flugblatt im Stil der 100-Schilling-Note der Oesterreichischen Nationalbank mit „Für 100 Schilling hast du bekommen“, Vorder- und Rückseite. Abb. 2: 2. Flugblatt im Stil der 100-Schilling-Banknote der Oesterreichischen Nationalbank mit „Für 100 Schilling haben wir bekommen“, Vorder- und Rückseite. Zum Vergleich: Abb. 3: 100-Schilling-Banknote der Oesterreichischen Nationalbank vom 3. Jänner 1949, Vorder- und Rückseite; Quelle: ebay. Die Rückseiten beider Imitationen beziehen sich auf den Wertverlust des Schillings. Die Preissteigerungen betrugen 1952 bis zu 40 %. Der Text nennt die Preise aus dem Herbst 1949 für ausgesuchte Waren und stellt sie denen vom Winter 1952/53 gegenüber. Gleichzeitig wird die Frage nach den Lohn- und Rentenerhöhungen gestellt und der Wähler aufgefordert, den Regierungsparteien einen Denkzettel zu verpassen. Beide Druckerzeugnisse lösten bei der Bevölkerung zahlreiche Anzeigen wegen Betruges und Beschwerden aus, da man betrügerische Manipulationen befürchtete. Die Einziehung dieser "Blüten", die in der Druckerei Graphikon, Wien II, Untere Augartenstraße 30, hergestellt wurden, stellte sich als schwierig heraus, weil die sowjetische Besatzungsmacht den österreichischen Behörden die Beschlagnahme untersagte, obwohl in Österreich die Verbreitung sämtlicher banknotenähnlicher Druckwerke verboten war, auch wenn sie nicht in betrügerischer Absicht hergestellt wurden. Als Verantwortlicher für den Inhalt der VO-Hunderter geben die Scheine Wolfgang Hamerschlag, Wien IV, Maderstraße 1/6, an. Richter berichtet, dass die Vorderseite mit der „Banknoten-Darstellung“ und die Rückseite mit der Preistabelle über die Kaufkraft von 100 Schilling wohl separat gedruckt und dann zusammengeklebt wurden.[2] Die Nationalratswahlen am 22. Februar 1953 brachten zwar aufgrund der Wahlarithmetik der ÖVP wieder die Mehrheit der Parlamentssitze, die SPÖ wurde jedoch erstmals mit 42,1 % der abgegebenen Stimmen zur stimmenstärksten Partei. Die KPÖ, die gemeinsam mit den Linkssozialisten und der Demokratischen Union unter dem Namen Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition angetreten war, erreichte nur 5,3 % der Stimmen und 4 Mandate. Die Wahl besiegelte das Ende der Ära Figl; wieder wurde eine Regierung aus ÖVP und SPÖ gebildet und neuer Bundeskanzler wurde Julius Raab (29. November 1891 in St. Pölten, Niederösterreich; † 8. Januar 1964 in Wien). Uwe Bronnert [1] Am 20. November 1947 schied die KPÖ aus der Bundesregierung aus. [2] Rudolf Richter, Papiergeld Spezialkatalog Österreich 1759–2010, Salzburg 2010, S. 140.

  • Fälscher & Falschgeld: Teil 48

    Geschichten, die Geschichte machten, Teil 5: „Für 10 Pfennige Suppengrün“ – Der Meisterfälscher Salaban Der Meisterfälscher, der sich Dr. Cornel Salaban nannte. Beginnend mit dem Jahr 1929 tauchten im Großraum Berlin falsche 2-Reichsmark-Münzen auf und verteilten sich als verschleppte Exemplare praktisch über das gesamte Reichsgebiet. Die Fälschungen hatten zwei Dinge gemeinsam: Es waren außerordentlich gute, wie die Originale im Prägeverfahren hergestellte Stücke, und sie tauchten vornehmlich auf den verschiedenen Wochenmärkten der Reichshauptstadt auf. Zu erkennen waren sie für den Laien nur an einer geringfügigen Wölbung. Dieser kleine Schönheitsfehler aber fiel im täglichen Zahlungsverkehr kaum auf. 1931 waren bereits mehr als 30.000 Stücke dieses Fälschungstyps, der großes technisches Können verriet, angehalten und beim Falschgelddezernat der Berliner Kriminalpolizei registriert worden. So wunderte sich auch Ende 1931 ein aufmerksamer Obst- und Gemüsehändler aus dem Stadtteil Friedenau, der die Märkte im Westen der Stadt auf dem Schöneberger Rudolf-Wilde-Platz, auf dem Lehniner Platz in Halensee, auf dem Emser Platz in Wilmersdorf und auf dem Wochenmarkt in der Rheinstraße regelmäßig mit seinem Verkaufsstand besuchte. Denn er hatte nun schon zum wiederholten Mal falsche 2-Mark-Stücke erhalten, die jeweils bei der Einzahlung auf sein Konto bei seiner Bank beanstandet worden waren. Der zu dieser Zeit der großen Depression ohnehin kärgliche Verdienst wurde so nochmals empfindlich geschmälert und das ärgerte den biederen Mann ungemein. Nach dem Erhalt der dritten Falschmünze hatte er eine gewisse Regelmäßigkeit erkannt: Immer wenn eine ärmlich gekleidete, vollschlanke Frau Mitte dreißig Schnittlauch, Petersilie oder eine andere Kleinigkeit im Wert von wenigen Pfennigen an seinem Stand erworben und mit einem 2-Mark-Stück bezahlt hatte, fand er anschließend eine falsche Münze in seiner Kasse. Diese Beobachtung teilte er den Beamten des Falschgelddezernats mit. Dessen Leiter, Kommissar Liebermann von Sonneberg, und sein Kollege Dr. Schulze überwachten in den folgenden Tagen die genannten Märkte mit einem Großaufgebot an Beamten. Schon lange hatten die Beamten auf eine Gelegenheit gewartet, dem geheimnisvollen Meisterfälscher der 2-Mark-Münzen auf die Schliche zu kommen. Hier nun schien sich eine Möglichkeit zu bieten. Exkurs: Die Bearbeitung und Verfolgung von Falschgelddelikten war zu Zeiten der Reichsbank in Berlin zentralisiert. Die Falschgeldabteilung beim Reichsbankdirektorium begutachtete und registrierte das im gesamten Reich angefallene Falschgeld. Gleichzeitig hatte das Falschgelddezernat der Kriminalpolizei, die so genannte Falschgeld-Zentralstelle, im Haus der Reichsbank in der Jägerstraße seinen Sitz und war dort ständig mit mehreren Beamten vertreten. Dies hatte den Vorteil der kurzen Wege, beide Stellen konnten schnell miteinander in Verbindung treten und reagieren. Auch den Gemüsehändler hatte das Jagdfieber gepackt, sehr genau beobachtete er nun seine Kunden. Anfang Januar 1932 war es dann soweit. Die ihm bereits aufgefallene Frau kaufte an seinem Stand auf dem Markt „Emser Platz“ in Wilmersdorf zwei Apfelsinen (der heute gängige Ausdruck Orangen war damals noch weit weniger verbreitet, d. Verf.) und bezahlte wieder mit einer 2-RM-Münze, die der Händler sofort als falsch erkannte. Er gab einem in der Nähe postierten Beamten der Falschgeld-Zentralstelle das verabredete Zeichen, und nun folgten mehrere Kripoleute unauffällig der unscheinbar gekleideten und harmlos auftretenden Frau. Diese kaufte noch an mehreren Ständen verschiedene Kleinigkeiten, um sich schließlich mit einem Mann in den Vierzigern zu treffen. Zunächst taten die beiden so, als ob sie sich nicht kennen würden. Erst als sie sich unbeobachtet glaubten, konnten die observierenden Beamten mitverfolgen, wie sie kurz miteinander flüsterten. Blitzschnell steckte der Mann der Frau etwas zu – neue Falschmünzen! Die Frau begab sich nun wieder auf Einkaufstour, insgesamt 39 Stück falsche Zweier hatte sie an diesem Tag ausgegeben. So hatte sie zehn Mal für 10 Pfennige Suppengrün gekauft und jeweils 1,90 Mark echtes Wechselgeld eingestrichen. Das Paar wurde jetzt auf Schritt und Tritt von den Kriminalbeamten beobachtet. Es trennte sich und verließ den Markt, um sich einige Straßenzüge weiter wieder zu treffen und zum Erstaunen der Polizisten eine elegante Limousine der Marke Horch zu besteigen und davonzufahren. Doch noch griffen die Beamten nicht zu. Eine Überprüfung des Kennzeichens ergab, dass die Luxuslimousine (sie entsprach in den 1920er und 1930er Jahren in etwa einer heutigen Mercedes S-Klasse, d. Verf.) auf den Namen Dr. Cornelius (Cornel) Salaban zugelassen war. Als Adresse war eine Villa in Berlin-Lichterfelde, Potsdamer Straße 61, angegeben. Der nächste Wochenmarkt auf dem Wilmersdorfer Emser Platz wurde wiederum von Polizisten überwacht, man wollte ganz sicher sein, bei einer Festnahme die richtigen Leute vor sich zu haben. Wieder verlief alles nach dem gleichen Muster: Kauf verschiedener Kleinigkeiten an verschiedenen Ständen durch die einfach angezogene Frau, unauffälliges Treffen mit dem mittelgroßen, schlanken, ebenso bescheiden gekleideten und mit einer Einkaufstasche ausgestatteten Mann, der ihr neue Falschmünzen übergab und auch selbst bei zwei oder drei Händlern einige geringwertige Dinge erwarb. Dies erfolgte jedoch stets in einem entgegengesetzten Teil des Wochenmarktgeländes, in respektabler Entfernung zu seiner Frau. Und an diesem Freitag, den 15. Januar 1932 hatten die Beamten nun genug von diesem Katz-und-Maus-Spiel. Nachdem die Verdächtige sieben falsche 2-Mark-Stücke ausgegeben hatte, wurde sie festgenommen. Beinahe zeitgleich, jedoch ohne das Wissen um die Festnahme seiner Frau und Komplizin, klickten auch bei dem Mann die Handschellen. Beide hatten sich – ihrem Modus operandi entsprechend – an zwei ganz entgegengesetzten Punkten des Marktes aufgehalten. Leugnen war angesichts der 59 gefundenen falschen Münzen auch bei ihm sinnlos. Dennoch behauptete der Mann, der sich als der 46-jährige Dr. Cornel Salaban, Rechtsgelehrter, ausgab, zunächst, das Falschgeld von einem Unbekannten erhalten zu haben. Auch seine getrennt von ihm vernommene 38-jährige Ehefrau Martha bestritt, Falschgeld in Umlauf gebracht zu haben. So wurden die beiden zunächst in das Gefängnis Moabit gebracht und in Untersuchungshaft genommen. Die Falschmünzerwerkstatt mit der großen Prägepresse im Keller der angemieteten Villa. Der nächste Schritt war nun natürlich die Durchsuchung der zweistöckigen Villa in Lichterfelde, die Salaban 1929 angemietet hatte und die eine recht luxuriöse Möblierung aufwies. Aber es schien sich dort nichts Verdächtiges zu befinden. Doch nach kurzem Suchen entdeckten die Beamten hinter einem zwei Meter hohen Bücherregal im Keller, das mit juristischer Literatur gefüllt war, eine Geheimtür, die in einen weiteren, etwa 12 Quadratmeter großen Kellerraum führte. Hier nun fand sich die komplette Fälscherausrüstung, unter anderem eine von Salaban selbst technisch perfekt konstruierte Prägemaschine. Der Fälscher hatte das Fundament in diesem Raum ausgehoben und die Maschine, der besseren Geräuschdämpfung wegen, direkt in das Erdreich gesetzt. Weder die Hausangestellten des Ehepaares, ein Gärtner, ein Chauffeur und eine Köchin (die im Übrigen allesamt seit vielen Wochen keine Mark Lohn gesehen hatten) noch die 18-jährige Tochter Erika wussten von dem Treiben des Paars. Salaban und Ehefrau betrieben ihr häusliches Gewerbe ausschließlich nachts, wenn die Angestellten das Haus verlassen hatten und die Tochter bereits schlief. Der Untersuchungsrichter erließ Haftbefehl. Wer aber war dieser geheimnisvolle Dr. Cornel Salaban, dieser angebliche Rechtsgelehrte und Schriftsteller, als der er sich ausgab? Er entstammte nach eigener Aussage einer alteingesessenen Familie in der österreichischen Bukowina, wo er 1886 als Karl Hans Salaban in Czernowitz geboren wurde. Sein Vater war K. u. K.-Militärarzt. Er selbst will nach eigener Angabe Leutnant in der K. u. K-Armee gewesen sein. 1911 war er angeblich in Stettin als Schauspieler tätig, bis er schon ein Jahr später nach Wien verzog. Wiederum er selbst gab an, zunächst in Wien Rechtsanwalt gewesen zu sein, was aber die österreichische Kriminalpolizei als unzutreffend ermittelte und nach Berlin berichtete. 1916, mittlerweile verheiratet, verschlug es ihn nach Lemberg, und wenig später tauchte er in Hamburg auf, wo er unter anderem wieder als Schauspieler gearbeitet haben will. Im Februar 1918 kam er zum ersten Mal nach Berlin, im April 1919 mietete er für sich und seine Frau Martha nebst der damals fünfjährigen Tochter Erika eine Wohnung in der Ritterstraße, im Zentrum der Reichshauptstadt. Seiner weiteren Aussage zufolge betrieb er hier eine Chemikaliengroßhandlung, die aber in Konkurs gegangen sei. Sein angeblich großes Vermögen sei der Inflation zum Opfer gefallen, und als es ihm schließlich immer schlechter ging, habe er schließlich den Entschluss gefasst, Falschgeld herzustellen. Außerdem, so Salaban, habe er nur etwa 4.000 Stück hergestellt und verteilt, wobei ihm der „große Unbekannte“, dessen Namen er nicht nennen wolle, geholfen habe. Diese Darstellung der Dinge riefen bei den ermittelnden Kriminalbeamten erhebliche Zweifel hervor. Ebenso schien nicht sicher, ob Salaban seinen Doktortitel, den er in Göttingen erworben haben wollte, zu Recht führte. In Juristenkreisen bekannt wurde er 1926 durch die Herausgabe des „Europa-Buches der Rechtsanwälte und Notare“, das er später zu einem Handbuch des internationalen Rechts ausbaute, was seinen Ruf als Rechtsgelehrter begründete. Nach dem Ersten Weltkrieg bestand Bedarf an einem Werk, das die wesentlichen Grundlagen des ausländischen Rechts darstellte, so dass Salabans Buch auf relativ große Resonanz stieß, wenngleich viele Jura-Fachleute bemerkten, dass ein großer Teil der Thematik nur recht oberflächlich behandelt worden sei. Salaban selbst hatte am Entstehen dieses Werks wohl recht wenig Anteil, denn es war ihm gelungen, einige hervorragende Mitarbeiter zu gewinnen. Ihm kam es hauptsächlich auf die wirtschaftliche Seite, sprich: den aus dem Verkauf des Buches zu erzielenden Gewinn an. So ließen denn auch der Bruch zwischen Autor und Verleger sowie entsprechende Schadenersatz-forderungen des Letzteren nicht lange auf sich warten. Diese hatte Salaban dann mit der Begründung zurückgewiesen, dass er als unzurechnungsfähig gelte. In der Tat hatte er sich damit schon einmal aus der Affäre ziehen können, nämlich während der Zeit, als er in Hamburg ansässig war. Dort hatte er unter dem Falschnamen Otto Meißner ein „Schifffahrtskontor für Passage- und Frachtverkehr nach allen Plätzen der Welt“ eröffnet und bei den Direktionen zahlreicher höherer Schulen die Durchführung von Jugendfahrten ins Ausland angepriesen. Nach Entgegennahme entsprechender Vorauszahlungen aber hatten die Schulen nie wieder etwas von ihm gehört, die Fahrten kamen nie zustande, dafür aber mehrere Anzeigen wegen Betrugs. Nach seiner Verhaftung hatte ihn sein Verteidiger unter Berufung auf Unzurechnungsfähigkeit herausgepaukt. 60.000 dieser 2-RM-Münzen wurden von Dr. Salaban nahezu perfekt gefälscht. Vieles um die Gestalt und Lebensgeschichte des angeblichen Dr. Cornel Salaban blieb nebulös und konnte nie ganz aufgehellt werden. So waren insbesondere einige Jahresangaben der verschiedenen Stationen und Aufenthaltsorte seines Lebens ebenso wenig beweissicher zu ermitteln wie auch die Angaben über angeblich ausgeübte Berufe. Gefälscht hatte Salaban nur 2-Mark-Stücke des Typs mit dem Eichenlaub auf der Wertseite und dem Reichsadler auf der Rückseite (Jaeger-Katalog Nr. 320). Das Original besteht aus einer Legierung Ag 500 / Cu 500 und weist bei einem Durchmesser von 26 mm ein Rauhgewicht von 10 g und damit ein Feingewicht von 5 g auf. Das erste Prägejahr dieser Reichsmünze war 1925, außer Kurs wurde die Münze zum 1. Januar 1940 gesetzt. Salaban stanzte zunächst aus Nickel-Zainen Ronden aus, die er nach der Prägung mit einem dünnen Silberüberzug versah. Später fertigte er sogar Ronden aus einer Silberlegierung, wobei der Silbergehalt seiner Fälschungen zum Teil besser war als derjenige der Originale, weshalb seine Nachahmungen als besonders gefährlich galten. Nach offiziellen Angaben soll Salaban ab Ende 1928 bis zu seiner Verhaftung knapp 60.000 Falsifikate hergestellt haben, wobei aber nur etwa die Hälfte im Zahlungsverkehr angehalten worden war. Der Prägegewinn wurde von Fachleuten auf ca. 1,50 RM pro Stück geschätzt, denn bei einem Silberpreis von 5 Pfennig pro Gramm Ende der 1920er Jahre hätten ihn die benötigten 5 g Silber der Originallegierung je Münze nur 25 Pfennig gekostet. Seine restlichen Kosten dürften ebenfalls bei etwa 25 Pfennig gelegen haben. Wie der Falschmünzer genau die Stempel für seine Stücke herstellte, ist nicht bekannt bzw. aus den dem Verfasser zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht zu entnehmen. Am 29. Juli 1932 begann vor der Dritten Ferienstrafkammer des Berliner Landgerichts II der Prozess gegen das Fälscherehepaar. Nachdem ein Sachverständiger die volle Zurechnungsfähigkeit Salabans bescheinigt hatte und auch ein im Gerichtssaal theatralisch vorgetäuschter Selbstmordversuch mittels Tabletten die Richter nicht beeindrucken konnte, folgten diese dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilten Cornel Salaban zu fünf Jahren Zuchthaus sowie zu zehn Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Auch die Nennung des Namens des angeblichen Mittäters, des „großen Unbekannten“, der Cristiansen geheißen haben soll, brachte dem Fälscher keine Minderung des Strafmaßes. Wegen Führens eines falschen Titels (der Doktortitel hatte sich im Zuge der polizeilichen Ermittlungen tatsächlich als falsch herausgestellt, nachdem die Universität Czernowitz die durch Salaban angegebene Promotion nicht bestätigen konnte) ergingen zusätzliche vier Wochen Haft. Die Ehefrau Martha erhielt wegen Beihilfe zu einem Münzverbrechen ein Jahr Gefängnis. Eine von Salabans Verteidiger Dr. Julius Meyer angestrengte Revision des Verfahrens mit der Begründung, das Landgericht habe zu Unrecht die Strafausschließung wegen Unzurechnungsfähigkeit verneint, wurde vom Zweiten Strafsenat des Reichsgerichts im November 1932 unter Verweis auf das einwandfreie Gutachten des Medizinalrates Dr. Störmer und des Oberarztes Dr. Panse, beide Fachärzte einer Berliner Heilanstalt, als unbegründet verworfen. Damit war das Urteil rechtskräftig. Was nach der Verbüßung seiner Strafe mit Salaban bzw. seiner Ehefrau geschehen ist, ist heute nicht mehr festzustellen. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Lagergeld im Bandō-Lager – Wie Beethoven nach Japan kam

    Kaum jemand hat je vom Bandō-Lager gehört und auch den meisten Geldscheinsammlern ist es unbekannt. Dennoch verbindet sich mit diesem japanischen Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs nicht nur ein interessantes Stück Geld-, sondern auch Kulturgeschichte. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs stellte das damals mit Großbritannien verbündete Japan am 10. August 1914 ein Ultimatum an die Verwaltung des deutschen Pachtgebiets Kiautschou an der Ostküste Chinas, das deren vollständige Übergabe verlangte. Die japanische Forderung blieb unbeantwortet und es folgte ein wochenlanger Kampf, in dem zum Schluss nur noch 5500 deutsche Verteidiger rund 60.000 japanische Angreifer abwehrten. Der Kampf endete am 7. November 1914 mit der Gefangennahme von rund 5000 eingeschlossenen deutschen Soldaten. Etwa 4700 transportfähige Gefangene traten auf Frachtdampfern die Reise nach Japan an und wurden anfangs in Behelfslagern untergebracht, darunter im Tempel von Marugame, da man nicht mit einem längeren Krieg rechnete. Bereits in Marugame spielte auch Kultur eine große Rolle und ein Gefangenen-Orchester führte Beethoven auf. Nach und nach wurden die zwölf provisorischen Lager aufgelöst und die Gefangenen in sechs neuen Barackenlagern, darunter Bandō untergebracht. Im April 1917 kamen dann noch einmal 1000 deutsche Gefangene aus den Lagern Marugame, Matsuyama und Tokushima nach Bandō, wo der japanische Lagerkommandant Matsue Toyohisa den Gefangenen relativ viel Freiheiten einräumte und so ein „Vorzeigelager“ mit engen Kontakten zur japanischen Bevölkerung entstand. Es gab gleich mehrere Lager-Orchester, die öffentliche Konzerte gaben, darunter das sog. Tokushima-Orchester unter Leitung des Obermaats Hermann Richard Hansen, das u.a. am 24. Februar 1918 einen Beethoven-Abend mit der wahrscheinlichen japanischen Erstaufführung der 4. Symphonie gab, und das des Geigers Paul Engel, der am 1. Juni 1918 Beethovens 9. Symphonie in Japan uraufführte. Mit den „Bandō-Konzerten“ wurde auf ganz besondere Weise der Grundstein für die heutige Beliebtheit klassischer Musik in Japan gelegt. Zwei eigene Lagerdruckereien, darunter eine für Steindruck, druckten nicht nur Konzertprogramme und eine Lagerzeitung, sondern 1918 auch Lagergeldscheine, die man mit der Unterschrift von Max Grill zur Behebung des Kleingeldmangels im Lager ausgab und die heute wahre Raritäten sind. Erst im Februar 1920 kehrten die Bandō-Gefangenen in die Heimat zurück. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Lagergeldscheine: Hans-Ulrich Beerenwinkel

  • Leserpost: Notgeldschein von Weinheim über 50 Pfennig von 1921

    Ich habe über den Weg „Geldschein online Blog - neue Einreichungen“ Kontakt aufgenommen. Ich hatte das Glück, Professor Alfred Kusche, den Gestalter der Notgeldscheine von Karlsruhe, Gaggenau, Gernsbach, Forbach und St. Georgen sowie von Weinheim, kennen zu lernen. Den Schein von Weinheim vom 13. Juli 1921 hat mir der Künstler vor vielen Jahren geschenkt. Inzwischen ist er verstorben. Bei dieser Gelegenheit sagte er mir auch, dass er auf dem Schein vom 23. April 1919 als vermeintlichen Druckereivermerk mit dem Psalm 133.1 den Stadtrat angesprochen habe. Notgeldschein über 50 PFENNIG der Stadt Weilheim vom 23. April 1919 Psalm 133 als „Druckereivermerk“ unten rechts: Segen der brüderlichen Eintracht 133 1 Von David, ein Wallfahrtslied. Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! 2 Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, / das herabfließt in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides, 3 wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions! Denn dort verheißt der Herr Segen und Leben bis in Ewigkeit. Quelle: https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/PSA.133/Psalm-133 Ich würde gerne einen Schein vorstellen, der nicht bei Rupertus in seinem Katalog der Notgeldscheine von Baden erschienen ist. M. Wessel Antwort der Redaktion: Bei Ihren Scheinen handelt es sich um sog. Verkehrsausgaben-Kleingeldscheine, die im Unterschied zu ähnlich gestalteten Serienscheinen vieler Städte, die nur für die Alben von Sammlern produziert wurden, damals auch wirklich als Geldersatz genutzt wurden. Von Weinheim a.d. Bergstraße gab es solche von 1918, 1919 und 1921 (nicht mehr ausgegeben). Sie finden die Scheine in meinem zweibändigen Katalog „Deutsches Notgeld, Band 5+6: Deutsche Kleingeldscheine – Amtliche Verkehrsausgaben 1916 – 1922“. Der 50-Pfennig-Schein von 1919 ist nur wenige Euro wert. Die Scheine zu 25 und 50 Pfennig von 1921 sind bekannt. Sie wurden damals gedruckt, aber nicht mehr in Umlauf gegeben. Wahrscheinlich, weil zu dieser Zeit die Nennwerte durch die Inflation bereits über kaum noch Kaufkraft verfügten. Zur gleichen Zeit begannen viele Städte aufgrund der Nachfrage von Sammlern nach solch bunten Notgeldscheinen mit der Herstellung von Serienscheinen. Die beiden Scheine von 1921 sind Raritäten und wurden von mir im Katalog mit LP = Liebhaberpreis bewertet. Nun wird der bei Kleingeldscheinen nicht gleich vierstellig ausfallen, aber da solche Scheine praktisch nicht am Sammlermarkt sind, war auch keine verlässliche Preisbildung möglich. Liebhaberpreis bedeutet hier also, dass der Preis nach oben offen ist. Solche Stücke kann man sicher am besten in einer Auktion verkaufen. Günter Rupertus bildete den 50-Pfennig-Schein von 1921 zwar als Nr. 348.10 mit der Rückseite ab (mit Kontrollnummer). Unter dieser Nummer wird jedoch ein 50-Mark-Schein vom 4.10.1922 aufgeführt. Mit Datum vom 13.7.1921 ist lediglich der 25-Pfennig-Schein katalogisiert und damals (1988) mit 150 DM bewertet. Hier hat sich offensichtlich ein Fehler eingeschlichen. Bei mir sind die beiden nicht ausgegebenen Scheine zu 25 und 50 Pfennig von 1921 unter der Nummer W21.5 aufgeführt. Reinhard Tieste führt die Scheine unter 7780.20/21 auf und bewertet sie mit je 150 Euro. Ihre Scheine haben jedoch keine Kontrollnummer und könnten deshalb vielleicht auch etwas höher angesetzt werden. Tieste führt die Varianten mit und ohne Kontrollnummer nur beim 25-Pfennig-Schein auf, bewertet beide aber gleich. Hans-Ludwig Grabowski

  • Bahamas: Neue 100-Dollars-Noten

    Die Zentralbank der Bahamas gab am 29. September bekannt, neue 100-Dollars-Noten am 6.10.2021 in Umlauf zu bringen. Mit diesem Nominal wird die 2016 begonnene "CRISP Evolution"-Banknotenserie vervollständigt, die nun die Wertstufen ½, 1, 3, 5, 10, 20, 50, 100 Dollars umfasst. Wie bereits der 50-Dollars-Schein, wurde auch der Hunderter auf Durasafe-Substrat gedruckt und weist die MOTION-Technologie auf. Zu weiteren Sicherheitsmerkmalen gehören ein Durchsichtsfenster, ein Sicherheitsstreifen mit 3D-Effekt, fluoreszierende Elemente sowie OVI-Effekt. Die Vorderseite bildet neben einer Flammenbaum-Blüte und Quellen den im August dieses Jahres verstorbenen Arthur Dion Hanna ab, der 2006 bis 2010 Generalgouverneur der Bahamas war. Auf der Rückseite steht ein Speerfisch im Vordergrund. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Fälscher & Falschgeld: Teil 47

    Geschichten, die Geschichte machten, Teil 4: Alfredo Hector Donadio – Der Glücksritter und Liebling der Frauen Alfredo Hector Donadio und Ehefrau Sara. Ein besonderer Fall ist der des Alfredo Hector Donadio. Donadio wurde am 14. Juni 1900 in Marseille als einer von zwei Söhnen italienischer Einwanderer geboren, die aus Neapel an die Riviera gekommen waren und nun die französische Staatsbürgerschaft besaßen. Nach französischer Schreibweise nannte man sich nun Donadieu. Alfredos Vater betrieb einen gut gehenden Steinmetzbetrieb, die Familie verfügte über ein überdurchschnittlich gutes Einkommen und erfreute sich damit gutbürgerlichen Wohlstandes. In der Schule nur mittelmäßig begabt, schickte der Vater den 14-jährigen Alfredo zu seinem Schwager Vittorio Barbos, der – ebenfalls aus Neapel zugewandert – einen Juwelierladen unterhielt. Donadio jun. sollte nach dem Wunsch des Vaters eine Lehre als Goldschmied absolvieren. Vittorio Barbos hatte bald allen Grund, mit seinem Neffen zufrieden zu sein, denn dieser zeigte ein besonderes Talent: Alfredo beherrschte sehr schnell die Kunst des Gravierens. Daten in Ringe, Inschriften auf Taschenuhren, Monogramme in Colliers, feinste Ziselierungen in alle Arten von Schmuckstücken – alles gelang ihm vorzüglich. Mit Beendigung seiner Lehre und nun knapp 18 Jahre alt, war Donadio nicht nur ein Meister seines Fachs, sondern auch ein ungewöhnlich gut aussehender junger Mann. Im März 1918 schließlich betrat ein selbstbewusster und redegewandter Italiener das Juweliergeschäft des Vittorio Barbos und verwickelte den jungen Alfredo in ein Gespräch. Sein Name: Alberto Sampietro. Einige Tage später trafen sich die beiden auf Einladung Sampietros in einem Lokal in Marseilles berühmter Straße La Cannebière. Der 30-jährige Sampietro und der junge Donadio verstanden sich auf Anhieb ausgezeichnet und wurden schnell Freunde. Eines Abends brachte Alberto seine 18-jährige Schwester Maria mit, ein bildschönes Mädchen und – wie ihr Bruder – in Neapel geboren. Bei Alfredo und Maria war es Liebe auf den ersten Blick. Die jungen Leute sahen sich von nun an jeden Abend und unternahmen viel gemeinsam. Alfredo wollte seine Angebetete verwöhnen, ihr etwas bieten, sie mit Geschenken überhäufen, doch das schmale Salär, das ihm sein Onkel Vittorio zahlte, zeigte ihm seine Grenzen auf. Alberto Sampietro wusste Rat, er konnte den Geliebten seiner Schwester gut gebrauchen. Wenig später trafen sich die beiden Freunde mit einem Bekannten Sampietros, gleichfalls gebürtiger Italiener mit Namen Emilio Petacci. Dieser redete auch gar nicht lange um den heißen Brei herum: „Ich suche einen tüchtigen Graveur, denn wir sorgen dafür, dass Geld unter die Leute kommt.....“ Alfredo verstand zunächst nicht recht und Petacci wurde deutlicher: „Wir fälschen Geld“. Alfredo Hector Donadio überlegte nicht lange, die anfänglichen Skrupel, etwas Illegales zu tun, das mit hohen Strafen belegt ist, plagten ihn nur kurz. Er dachte nur noch daran, was er mit dem Lohn für seine Fälschertätigkeit seiner Maria alles würde kaufen können. Donadio gravierte die Platten zum Druck von 5- und 10-Francs-Noten. Und um keinen Verdacht zu erregen, arbeitete er zunächst im Laden seines Onkels weiter. Aber diesem blieb nicht verborgen, dass mit seinem Neffen irgend etwas nicht stimmte. Er war häufig übermüdet, roch oft nach Alkohol, trug auffallend elegante Garderobe und schien im Verhältnis zu seinem Einkommen über viel Geld zu verfügen. Sollte er etwa… Nein, die Überprüfung der Ladenkasse und der Schmuckbestände ergab, dass alles in Ordnung war. Alfredo Donadio hatte ausgezeichnete Arbeit geleistet, die Scheine waren von hervorragender Qualität, die Verteilung lief prächtig und der ganze Falschgeldring verdiente nicht schlecht. 30 % Provision erhielten Sampietro und seine Leute, die erste „Auflage“ betrug 250.000 Francs in falschen Scheinen. Er gab nun die Stelle bei seinem Onkel auf, der froh war, die Verantwortung für seinen Neffen los zu werden, da er sich sicher war, dass der junge Alfredo irgend ein krummes Ding gedreht hatte. Zu diesem Zeitpunkt, im Mai 1918, lernte Donadio ein weiteres Mitglied der Fälscherbande kennen, die 38 Jahre alte Antoinette Brasseur, von allen nur „Tante Toin“ genannt. Sie wurde seine Geliebte, daneben war er aber auch noch mit Maria zusammen. Alfredos Vater, mittlerweile von seinem Schwager über das undurchsichtige Treiben seines Sohnes informiert, war in großer Sorge. Er sprach ein Machtwort und befahl seinem Sohn, seiner Pflicht als französischer Staatsbürger nachzukommen und sich sofort zum Militär zu melden. Auch Sampietro war dafür, dass Alfredo aus Sicherheitsgründen für eine Weile untertauchen sollte. Donadio selbst witterte in der Armee ein neues Abenteuer und meldete sich zu einem Infanterie-Regiment, mit dem er nach nur kurzer Ausbildung an die Front zwischen Reims und Soissons kommandiert wurde. Der Splitter einer Granate riss ihm den Mittelfinger der linken Hand ab, zwei Tage später wollten es Zufall und Glück, denen er noch viel in seinem zukünftigen Leben zu verdanken haben würde, dass er ausgerechnet in einem Lazarett in Marseille landete. Fast täglich besuchten ihn dort Alberto Sampietro und Emilio Petacci. Aber auch Antoinette und Maria sehnten sich nach ihrem Alfredo. Das Wiedersehen mit Maria verlief jedoch nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte, denn sie war mittlerweile dahinter gekommen, dass er sie mit Tante Toin betrogen hatte. Er bat sie um Verzeihung, gelobte Besserung und war überglücklich, als ihm Maria seinen Seitensprung vergab. Als der Erste Weltkrieg zu Ende war, hätte Alfredo noch ein Jahr Dienstzeit bei der Armee zu absolvieren gehabt. Doch der Gefreite hatte genug vom Soldatenleben, desertierte und tauchte in einem Liebesnest, das Alberto Sampietro besorgt hatte, unter, wo er ein stürmisches Wiedersehen und eine leidenschaftliche Versöhnung mit Maria feierte. Nun forderte der Alltag wieder seinen Tribut. Mittlerweile war die französische Polizei auf die Spur der Bande gekommen, Donadio, Sampietro, Petacci, Maria und Antoinette beschlossen, für eine Weile zu verschwinden und bestiegen ein Schiff nach Oran. Sofort gingen die Freunde wieder an die Arbeit. Donadio mietete ein kleines Haus und besorgte diskret die benötigte Ausrüstung, die er zum Fälschen brauchte. Bald wunderte sich die Banque de l´Algerie über vorzüglich gefälschte 100-Francs-Noten, die den Markt überschwemmten. Zur Tarnung betrieb Alfredo eine kleine Firma, die mit Kunstgegenständen, Möbeln und Teppichen handelte. Nach einem knappen Jahr hatten sie für eine Million algerische Francs-Noten aus eigener Produktion abgesetzt und beschlossen, den Standort zu wechseln. Sie buchten Kabinen erster Klasse nach Neapel, der Heimat Enricos, Marias und Albertos. Sie verlebten dort herrliche Wochen, logierten in den ersten Hotels der Stadt und leisteten sich jeden erdenklichen Luxus. Während Alberto Sampietro sich Tante Toins „annahm“, stellte Maria ihren Alfredo ihren Eltern vor. Diese waren überglücklich, dass ihre Tochter einen so charmanten, gut aussehenden Bräutigam gefunden hatte, der noch dazu nicht der Ärmsten einer zu sein schien. Dann traf ein Telegramm von Emilio Petaccis Frau aus Marseille ein. Sie mahnte die Clique zur Rückkehr, die Polizei hatte nach erfolgloser Fahndung die Aktivitäten in Bezug auf die Fälscherbande zunächst eingestellt, die Luft war also wieder rein. Die fünf Neapel-Urlauber kehrten nach Frankreich zurück. Hier nun tat Alfredo etwas, was sich als Bumerang erweisen sollte: Er ließ sich noch einmal mit Antoinette ein, besann sich aber dann auf das Versprechen, das er seiner Maria gegeben hatte und brach endgültig alle Kontakte zu Tante Toin ab. Diese war maßlos enttäuscht und rasend vor Wut. In ihrem blinden Hass sann sie auf Rache, rief an einem Abend die Polizei an und erklärte dem diensthabenden Beamten genau, wo die einzelnen Mitglieder der Geldfälscherbande zu finden seien. Keine halbe Stunde später wurden Alfredo, Maria, Emilio und dessen Frau festgenommen. Nur Alberto Sampietro konnte im letzten Moment durch ein Fenster in den Hof flüchten und sich in die Schweiz absetzen. Da Alfredo und Emilio als Kavaliere die ganze Schuld auf sich nahmen, wurden die anderen schon bald aus der Untersuchungshaft entlassen. Donadio wurde auf der Teufelsinsel vor Französisch-Guyana inhaftiert, von wo ihm die Flucht gelang. Ende November 1920 sprach das Gericht ein gnadenloses Urteil: acht Jahre Zuchthaus für Alfredo Donadio und Emilio Petacci, abzubüßen in Verbindung mit Zwangsarbeit in Camp de St. Laurent auf der berüchtigten Teufelsinsel, einer Französisch-Guyana vorgelagerten Sträflingsinsel. Sie trug den Namen zu Recht, denn der Aufenthalt dort war die Hölle auf Erden. Die Arbeit in der tropischen Hitze war mörderisch, die Verpflegung miserabel, die Unterkünfte und sanitären Einrichtungen erbärmlich. Am Weihnachtstag 1920 brachte sie ein so genanntes Totenschiff von Marseille aus auf die Insel. Während Emilio resignierte und sich in sein Schicksal fügte, schmiedete Alfredo Pläne – einmal den Racheplan gegen Tante Toin, zum anderen dachte er nur an Flucht. Aber es würde fast drei Jahre dauern, bis sich eine Chance ergab, von der Ile du Diable wegzukommen. Am 14. Juli 1923, dem französischen Nationalfeiertag, tranken die Aufseher mehr als ihrer Aufmerksamkeit zuträglich war. Donadio und vier weiteren Gefangenen, die nichts mehr zu verlieren und sich ihm angeschlossen hatten, gelang es, ein kleines Segelboot der Inselverwaltung in ihre Gewalt zu bekommen. Emilio Petacci war nicht unter ihnen, er hatte Angst und machte nicht mit. Glücklicherweise war ein Seemann unter den fünf Wagemutigen, der etwas von Navigation verstand. Lebensmittel hatten sie nur wenige an Bord, dafür aber – was in diesen Breiten sehr viel wichtiger ist – genügend Trinkwasser. Das Ziel hieß Venezuela. Nach 20 Tagen Fahrt unter sengender Sonne landeten sie auf einer kleinen Insel im Orinoko-Delta. Einer von ihnen war zwischenzeitlich an Malaria gestorben, die restlichen vier beschlossen, sich zu trennen und ihr Glück auf eigene Faust zu versuchen. Unser Glückspilz Alfredo (und das war er wirklich, denn die Flucht von der Teufelsinsel ist bisher nur wenigen gelungen) fand Arbeit auf einer Zuckerrohr-Plantage. Nach einigen Monaten hatte er sich eine kleine Summe zusammengespart und machte sich auf den Weg nach Ciudad Bolivar, der Hauptstadt des venezolanischen Bundesstaates Bolivar. Donadio-Fälschungen, vor denen in „Erkennungszeichen“, dem Organ von Interpol, gewarnt wird: Venezuela, 20 Bolivares; USA, 1 Dollar; USA, 20 Dollar. Bei seiner Arbeit auf der Zuckerrohr-Plantage hatte unser Freund soviel Spanisch gelernt, dass er sich unterhalten konnte. So dauerte es nicht lange, bis er sich in einem Café mit ein paar Venezolanern anfreundete. Bald schon merkte Donadio, dass seine neuen Bekannten Ganoven waren. Sie schenkten ihm ihr Vertrauen und weihten ihn einige Tage später in ihr Geheimnis ein, auf das sie nicht besonders stolz waren. Über einen Mittelsmann hatten sie aus Brasilien für viel Geld eine Maschine gekauft, die ausgezeichnete venezolanische Bolivar-Noten drucken sollte. Doch die hervorragenden Scheine, die das Maschinchen bei der Vorführung ausgespuckt hatte, waren zuvor kunstvoll hineinpraktiziert worden. Nachher funktionierte das Wundergerät nicht mehr. Donadio wusste Rat für die betrogenen Betrüger. Er wies seine Freunde an, eine kleine Druckmaschine zu beschaffen, er selbst stellte die Flachdruckplatten her, die im September 1924 derart gute 10-, 20- und 50-Bolivar-Scheine lieferten, dass die venezolanischen Behörden noch nach einem Jahr nichts gemerkt hatten. Alfredo Donadio war wieder ein gemachter Mann und hatte schon einige tausend US-Dollar, die er mit seinen Blüten verdient hatte, auf die hohe Kante gelegt. Daneben besaß er eine neue Identität. Er hieß nun André Alfredo de Vila, geboren am 22. Juni 1900 in Ciudad Bolivar. Wenn da nicht das Heimweh gewesen wäre.... Auf gut Glück schrieb er einen langen Brief an seinen alten Kumpel Alberto Sampietro. Im Frühjahr 1925 heiratete Alfredo eine bildhübsche Venezolanerin namens Sara Rodriguez, die ihm schon zehn Monate später einen Sohn schenkte, der auf den Namen Federico getauft wurde. Einige Monate später traf der lange ersehnte Antwortbrief von Sampietro ein. Der lebte nun in Rom, beschwor ihre Freundschaft und die alten Zeiten, erinnerte an seine schöne Schwester Maria. Donadio überlegte lange, doch dann stand sein Entschluss fest: Er würde nach Italien zurückkehren. Seiner Frau und seinen Freunden erklärte er, dass er für einige Wochen geschäftlich nach Europa reisen müsste. Mit einem weiteren falschen Pass auf den Namen Alfredo Henri Rey, Zahntechniker, geboren am 23. Dezember 1895 in Marseille, wohnhaft in Paris, Rue Clignancourt No. 18 in der Tasche, bestieg er im Juni 1926 im Hafen von Caracas die „Esperanza“. Seine schöne Frau, sein Sohn Federico und seine vielen Freunde in Venezuela waren bald vergessen. Das Wiedersehen mit Alberto Sampietro war von überschwenglicher Herzlichkeit. Sampietro war seit einigen Jahren schon überzeugter Anhänger von Benito Mussolini und führendes Mitglied des Geheimdienstes Uffizio Informazione. Er hatte nun seinen alten Freund Alfredo Donadio dafür ausersehen, die Fälscherabteilung des UI in Schwung zu bringen. Dieser Job war so recht nach Alfredos Geschmack, und außerdem verschaffte es ihm die Möglichkeit, Antoinette Brasseur aufzuspüren und sich an ihr für den Verrat und die erlittenen Qualen auf der Teufelsinsel zu rächen. Mit Hilfe des Geheimdienstes gelang es ihm tatsächlich, die Adresse Tante Toins ausfindig zu machen, die ebenfalls schon lange nicht mehr in Frankreich, sondern in Neapel lebte. Im Schnellzug Rom – Neapel schmiedete Alfredo die düstersten Rachepläne. Neben einer Pistole trug er auch Gift bei sich. Doch als er im neapolitanischen Elendsviertel das heruntergekommene Haus betrat und endlich Antoinette gegenüberstand, hatte er alle Rachegelüste vergessen. Vor ihm stand eine Frau, die mit seiner leidenschaftlichen Geliebten von einst nichts mehr gemeinsam hatte, ein körperliches Wrack, die Sinne verwirrt. Eine Syphilis hatte Tante Toin völlig zerstört, sie hatte nicht mehr lange zu leben, das sah Alfredo sofort. Er war erschüttert, wollte weg, doch Mitleid und Erbarmen und vielleicht auch die Erinnerung an die vergangenen schönen Tage hielten ihn wie unter Zwang fest. Belanglose Wortfetzen gingen hin und her, und als Donadio schließlich 5.000 Lire auf den Tisch legte, starrte Antoinette auf das Geld und für einen Moment schien ihr Verstand wieder klar zu sein: „Sind die auch nicht gefälscht? Bei dir Schlitzohr muss man da aufpassen.....“ Er hielt es nun nicht mehr aus, floh wie in Panik aus dieser Elendsbehausung, ging zum Bahnhof und fuhr sofort zurück nach Rom. In den folgenden Jahren war er nun wieder in seinem Element. Er fälschte Pässe und Visa, kopierte Dokumente und fertigte Stempel und Dienstsiegel an, die selbst die versiertesten Fachleute kaum als falsch erkannten. Durch seine hervorragenden Leistungen hatte er innerhalb des UI bald einen ausgezeichneten Ruf, so dass er ab und zu auch zu Auslandseinsätzen abkommandiert wurde. Doch dies behagte ihm weniger, denn Donadio fühlte sich zu höherem berufen. Spion zu sein, war nicht sein Metier. Man schrieb das Jahr 1934, als er glaubte, sich neuen Abenteuern zuwenden zu müssen. Er kehrte seinem Freund Sampietro und dem italienischen Geheimdienst den Rücken, was nicht ganz ungefährlich war. Er hatte zwar italienische Eltern und vor dem Eintritt in den UI die italienische Staatsbürgerschaft annehmen müssen, doch er war ja in Frankreich geboren und in seinem Herzen Franzose geblieben. Und seine ehemalige Verlobte Maria war längst mit einem anderen verheiratet. Er setzte sich mitsamt seinen nicht unbeträchtlichen Ersparnissen nach Paris ab, wo er die folgenden Monate in Saus und Braus lebte. Dort war mittlerweile auch sein Bruder eingetroffen, der am 24. April 1904 ebenfalls in Marseille geborene Raymond Alphonse Donadio. Dieser sowie ein gewisser Jean Baptiste Raineri waren dort sowohl im Falschgeldgeschäft als auch im Rauschgifthandel tätig. Der Kopf der Bande war Pierre Sardout, ein erprobter Angehöriger der Pariser Unterwelt. Auf Donadios Vorschlag wollte man sich von dem risikoreichen, aber seinerzeit weniger einträglichen Rauschgifthandel abwenden und nur noch Geld fälschen. Sardout besorgte einige weitere Spezialisten, einen Drucker, einen Papierfachmann und einen Farbensachverständigen. Alfredo stellte die Platten für 50-Francs-Noten her, die ihm – wie sollte es anders sein – exzellent gelangen. Doch schon wenige Wochen später war die Polizei hinter der Bande her, die sich im Juli 1934 nach Kairo absetzte. Dort gingen sie sofort erneut ans Werk und fälschten nun englische Banknoten zu 1 und 5 Pfund Sterling sowie ägyptisches Geld in den Werten zu 1, 5 und 10 Pfund. Die Geschäfte florierten und unser Freund leistete sich eine neue Freundin, eine junge Französin englischer Abstammung mit Namen Alice. Seine schöne Maria, seine Frau Sara nebst Sohn Federico im fernen Venezuela und die vielen Geliebten, die seinen Weg gekreuzt hatten, hatte er nun endgültig aus seinem Gedächtnis gestrichen. Aber die ägyptische Polizei war nicht untätig und ermittelte, dass die neuerdings überall auftauchenden falschen Scheine in einem Haus im Kairoer Vorort El-Baghghàla ihren Ursprung hatten, das nun Tag und Nacht beobachtet wurde. Wenige Tage später stürmte die Polizei dieses Haus, nur Donadio konnte sich der Verhaftung durch eine rechtzeitige Flucht entziehen. Wieder einmal hatte er sich auf sein sprichwörtliches Glück verlassen können. Er heuerte mit einem falschen Pass auf einem spanischen Dampfer als Heizer an, auf dem als Passagier Alice mitreiste. Das Ziel: Barcelona. Die beiden mieteten ein Zimmer im besten Hotel und lebten einige Monate von Alfredos Ersparnissen aus der Zeit in Ägypten, die er in US-Dollars im doppelten Boden seines Koffers verborgen hatte. Das Verhängnis aber nahm seinen Lauf mit einem Brief, den Alice ihrer mittlerweile wieder nach Paris zurückgekehrten Mutter schrieb und in dem sie unvorsichtigerweise auch die Vergangenheit ihres Alfredos erwähnte. In dem Antwortbrief der entsetzten Frau Mama drohte diese mit der Polizei, sollte er ihre Tochter nicht umgehend nach Paris zurückschicken. Diese Drohung war ernst zu nehmen, denn er wurde in Frankreich nicht nur als Falschmünzer, sondern auch immer noch als Deserteur gesucht – und die Spanier lieferten an Frankreich aus! Also schickte er Alice, mit reichlich Reisespesen versehen, nach Hause. Doch zu spät, denn die ungeduldige Mutter hatte bereits die französischen Behörden informiert und diese baten nun ihre spanischen Kollegen um Amtshilfe. Carmencita, eine Prostituierte, mit der er Alice in letzter Zeit häufiger betrogen hatte, versprach, ihm einen falschen Pass zu organisieren. Doch das dauerte zu lange und so bewarb sich Alfredo kurzerhand bei der spanischen Fremdenlegion, die Männer für Spanisch-Marokko anwarb und die nach dem Vorbild der französischen Legion nicht nach Namen und Herkunft fragte. Nach zwei Tagen verließ er Barcelona mit einem Transport. Auf der Fahrt südwärts flüchtete er auf einem kleinen Bahnhof, besorgte sich einen zivilen Anzug und reiste nach Valencia, wo Carmencita mit dem versprochenen, gefälschten venezolanischen Pass wartete. Sie reisten unverzüglich nach Lissabon weiter und bestiegen ein Schiff nach Panama-City. Donadio machte Kasse. Er besaß noch fast 4.000 US-Dollar in echten Scheinen. Mit diesem Geld kauften sich die beiden einen Modesalon in der panamesischen Hauptstadt, der schon bald zu den besten Geschäften der Stadt gehörte und viele Prominente als Kunden hatte. Carmencita spielte die Inhaberin, doch eine Malaria und ein schweres Lungenleiden zwangen sie zu einem Kuraufenthalt in der Schweiz, wo sie nach wenigen Monaten verstarb. Alfredo Donadio verkaufte das Geschäft mit gutem Gewinn – neues Spiel, neues Glück. Er lernte einen Kolumbianer mit Namen Juan Lopez kennen, der von Panama aus alles mögliche nach Kolumbien schmuggelte, vor allem Whisky. Die beiden wurden Partner, die Geschäfte blühten, der Dollar rollte. Als ihnen der Zoll auf die Schliche kam, setzte sich Donadio nach Bogota ab. Er war ja weiß Gott nicht kontaktscheu, und so lernte er dort bald einige Venezolaner kennen, die aus ihrem kolumbianischen Exil heraus einen Umsturz in ihrem Heimatland planten. Dank seines (falschen) Passes legitimierte er sich als Landsmann, heuchelte Verständnis und Begeisterung für die Pläne der Revolutionäre und machte ihnen den Vorschlag, die Revolutionskasse mittels Falschgeld aufzubessern. Unter den Verschwörern gab es einen Mann italienischer Abstammung, der – merkwürdiger Zufall des Schicksals – wie sein alter Freund hieß: Sampietro, allerdings mit Vornamen Enrico. Donadio und Sampietro spielten in ihrer Freizeit wann immer sie konnten Karten, doch Enrico hatte dauernd Pech. Nachdem er sein ganzes Geld an Alfredo verloren hatte und noch dazu eine Summe, die er nicht bezahlen konnte, gab er ihm statt des Geldes seinen Pass. Alfredo Hector Donadio wechselte das Foto Sampietros gegen das seine aus und nannte sich von nun an Enrico Sampietro. Aus dem echten Sampietro wurde ebenfalls mittels eines falschen Passes der Peruaner Miguel Dominguez. Aus Sicherheitsgründen einigte man sich auf einen Ortswechsel: Mexiko. Das berüchtigte mexikanische Gefängnis Palacio de Lecumberri. Es war 1936, als Donadio alias Sampietro dort eine Frau namens Amada Casas kennenlernte. Sie gehörte zur Führungsriege der illegalen Christeros, die sich zum Ziel gesetzt hatten, die kirchenfeindliche Regierung des Generals Lázaro Càrdenas zu stürzen. Geführt wurde die Gruppe von dem Priester José Aurelio Jimenez. Amada war der heimliche Schwarm aller Männer der Christeros-Bewegung, doch sie hatte ihr Herz ausschließlich an die Bewegung und an ihre Arbeit dort verloren. Das änderte sich schlagartig, als sie unseren Alfredo kennen lernte. Durch seine blendende Erscheinung und seinen Charme gelang es ihm, sie für sich zu gewinnen. Schnell wurde daraus bei beiden die große Liebe. Die venezolanischen Revoluzzer waren ihm nun ziemlich egal, er hatte nur noch Augen für Amada Casas und arbeitete nur noch für die Christeros, denn auch die Kassen dieser Leute waren leer. Im Sommer 1937 tauchten in Mexiko ausgezeichnet nachgeahmte 20-Dollar-Noten, dann mexikanische 50-Peso-Scheine auf. Aber die mexikanische Polizei war den Fälschern schon bald dicht auf den Fersen. Als die Werkstatt ausgehoben wurde, wurde auch Donadio verhaftet und zu zehn Jahren Freiheitsentzug verurteilt, die er im berühmt-berüchtigten Gefängnis Palacio de Lecumberri absitzen sollte, in dem auch der Mörder Leo Trotzkis, Ramón Mercader, seine Strafe verbüßte. Für Amada brach eine Welt zusammen, ohne diesen Mann konnte sie nicht mehr leben. Ein riskanter Plan wurde ausgeheckt, aber er musste ganz einfach gelingen, denn auch die Christeros brauchten ihren fleißigen Mitarbeiter wieder für ihre Pläne. Drei Wärter des Gefängnisses waren heimlich Mitglieder der Bewegung. An einem Tag, an dem die drei gleichzeitig Dienst hatten, begaben sie sich zum Direktor und wiesen einen (natürlich gefälschten) Schein vor, der die sofortige Freilassung des Häftlings „Sampietro“ verfügte. Das Formular hatte einer der drei aus der Gefängnisverwaltung gestohlen. Das Glück blieb unserem Alfredo treu, der Plan gelang, das Auto, das in der Seitenstraße gewartet hatte, brachte ihn zu einem Appartement, in dem ihn freudestrahlend seine Amada in die Arme nahm. Die spektakuläre Flucht erregte in Mexiko größtes Aufsehen, die Zeitungen hatten ihre Sensation, doch das Heer von Kriminalisten fand den entflohenen Strafgefangenen nicht. Alfredo Hector Donadio als Häftling im Alter von knapp 60 Jahren. Die Jahre vergingen und fast war schon Gras über die Sache gewachsen. Donadio-Sampietro fälschte weiter für die Christeros und lebte mit seiner Amada zusammen. Anfang der 1940er Jahre wurde die Arbeit der Gruppe insofern entbehrlich, weil sich mehr und mehr ein Ausgleich zwischen Kirche und Staat abzeichnete. Donadio war nach wie vor sehr vorsichtig, obwohl keine akute Gefahr bestand. Wenn er einmal das Haus verließ, was sehr selten war, tarnte er sich mit der Uniform eines Majors der mexikanischen Armee. Als militärische Autoritätsperson glaubte er sich vor polizeilichen Kontrollen und unangenehmen Fragen sicher. Das Jahr 1948 kam und nur der Himmel wusste, warum die Polizei nach so langer Zeit nun wieder plötzlich Fahndungsaufrufe nach ihm erließ. Irgendjemand hatte wohl die alte Akte von Donadio wieder ausgegraben. Und außerdem gab es da seit einiger Zeit auch Hinweise aus dem Publikum, die immer wieder einmal von einem Major des Heeres berichteten, der eine frappante Ähnlichkeit mit dem entflohenen Geldfälscher von vor einigen Jahren aufwies.... Dann, im Juni 1948, schnappte die Falle endgültig zu. Die Uniform wurde Donadio zum Verhängnis, als er eines schönen Abends mit Amada einen Spaziergang durch den Simon-Bolivar-Park in Mexiko City unternahm. Eine Polizeistreife kontrollierte und erkannte ihn, er ließ sich widerstandslos festnehmen. Das Gericht verurteilte ihn zu 12 Jahren Gefängnis. Schon nach kurzer Zeit wurden ihm Hafterleichterungen gewährt. So porträtierte er für ein kleines Honorar Gefängnisbesucher und Zellengenossen und Amada Casas durfte ihn wöchentlich einmal besuchen. 1959 wurde Alfredo entlassen. Er war jetzt fast 60 Jahre alt, seine Haare waren ergraut, doch er war immer noch eine stattliche Erscheinung. Er betrieb nun eine kleine Kunsthandlung und betätigte sich als Maler und Porträtist. Und wenn er von Journalisten gefragt wurde, ob denn Gefahr bestehe, dass er je wieder rückfällig werden würde, wehrte er entschlossen ab. Er hatte mit seinem früheren Leben ein für allemal gebrochen. Der Glückspilz und Frauenheld Alfredo Hector Donadio lebte nur noch für seine Arbeit – und für seine geliebte Amada, der einzigen Frau, der er hoch und heilig versprochen hatte, ihr für immer treu zu sein. Die Spur des Alfredo Hector Donadio alias Alfredo Donadieu alias Enrico Sampietro verlor sich in den frühen 1960er Jahren, sicher auch ein Beleg dafür, dass er nicht mehr in sein altes Metier zurückgekehrt ist. Einem nicht mehr zu verifizierenden Gerücht nach soll er Anfang der 1970er Jahre in Frankreich, dem Land seiner Herkunft, verstorben sein. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Varianten: September 2021 (Teil 2)

    Dominikanische Republik 1000 Pesos Dominicanos Wie Linzmayer B731a (fehlt im SCWPM – wie DOM-724, aber mit neuem Banklogo), mit Jahresangabe 2020 und grün-blauem Sicherheitsfaden, mit Durchsichtsfenster. Honduras 10 Lempiras Wie HND-99 (Linzmayer B347b), aber mit Unterschriften "Manuel de Jesús Bautista Flores/Héctor Méndez Cálix/Wilfredo Cerrato Rodríguez", Datum "28 DE DICIEMBRE DE 2016" und Druckerei "CMCH S.A." (Casa de Moneda, Chile). Iran 10.000 Rials Wie Linzmayer B301 (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "Akbar Konijani/Farhat Dejpasand". Demokratische Republik Kongo 20.000 Francs Wie COD-104b (Linzmayer B326b), aber mit Datum "30.06.2020". Westafrikanische Staaten – Mali 1000 Francs Wie WAS-415D (Linzmayer B121Ds), aber mit Unterschriften "Romuald Wadagni/Tiémoko Meyliet Koné" und Jahresangabe "(20)20". Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

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