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- Fälscher & Falschgeld: Euro-Fälschungen
Fortsetzungsreihe, Teil 3 Die Herkunft der Euro-Fälschungen Während seit den 1930er bis weit in die 1960er Jahre hinein Paris und Marseille die Drehscheiben der Herstellung und Verteilung von Falschgeld in Europa waren, hat sich heute die Situation gewandelt. Frankreich verzeichnet zwar mit 279.753 registrierten Euro-Falschnoten im Jahr 2010 wieder das höchste Aufkommen von Euro-Fälschungen unter den EU-Mitgliedsstaaten. Dies resultiert aber hauptsächlich aus der Tatsache, dass dort seit etwa zwei Jahren massenhaft falsche 20-Euro-Noten verbreitet werden, die mit ziemlicher Sicherheit aus einer Fälscherwerkstätte in Südfrankreich stammen. Bislang sind die französischen Behörden diesem hohen Aufkommen an Fälschungen nicht Herr geworden. Neben Italien als nachgerade „klassischem“ Land der falschen Scheine, das im europäischen Aufkommen mit 164.262 angehaltenen Falschnoten 2010 auf Platz zwei liegt, kommt derzeit sehr viel falsches Geld aus Bulgarien. Während sich im Land von Pizza, Pasta und Chianti derzeit hauptsächlich um Neapel herum Fälscherwerkstätten etabliert haben, hat sich in den letzten Jahren in der Gegend um die bulgarische Stadt Plovdiv ein weiterer europäischer Schwerpunkt gebildet. Dort wurden bereits mehrfach Falschgelddruckereien entdeckt und ausgehoben. Aus beiden Ländern kommen die weitverbreiteten, qualitativ hochwertigen Fälschungsklassen, die auch einzelne Sicherungsmerkmale wie Wasserzeichen, Hologramm oder Mikroschrift in täuschungsfähiger Qualität aufweisen. Es handelt sich hierbei ausschließlich um Druckfälschungen. Dennoch versuchen die Fälscher in der Regel nicht, die absolut perfekte Imitation mit Nachahmung aller Echtheitserkennungsmerkmale in Top-Qualität herzustellen. Man arbeitet nach dem „Kosten-Nutzen-Prinzip“ und belässt es meist bei guten Eindrucksfälschungen mit ein oder zwei gut nachgestellten Sicherheitsmerkmalen. Es wird also nur der Aufwand betrieben, den man für erforderlich hält, ein Falsifikat relativ risikolos in Umlauf bringen zu können. Hierbei gilt die Faustregel „Je höher der Nennwert, desto besser die Fälschung“. Aus Bulgarien kam, um ein Beispiel zu nennen, 2007 die ausgezeichnet gelungene Nachahmung der 200-Euro-Note. Sie war im Offsetdruck ausgeführt und wies ein genial gefälschtes und täuschend echt aussehendes Folien-Patch auf. Die EZB hatte die common class EU/P3a für diese Falsifikate vergeben. Die Fälscher und Hintermänner blieben zwar im Dunkeln, könnten aber durchaus aus ehemaligen Geheimdienstkreisen kommen. Diese Leute, nach der politischen Wende und dem Ende des „Kalten Krieges“ arbeitslos geworden, verfügen über ein enormes Wissen auf allen Gebieten der Agententätigkeit und drängten in den Jahren ab 1990 in Ermangelung einer anderen Beschäftigungsmöglichkeit vehement in alle Bereiche der Kriminalität, auch in die Fälscherkriminalität. Bei der genannten 200-Euro-Fälschung bestand ein Herstellungszusammenhang mit noch zu DM-Zeiten aufgetauchten falschen 500- und 1000-DM-Noten, das heißt, sie stammten aus ein und derselben Quelle, wie man anhand der Ausführung des Drucks feststellen konnte. Die Fälscherbande, die diese sehr gut gelungenen 200-Euro-Blüten hergestellt hatte, wurde 2006 in der bulgarischen Stadt Plovdiv ausgehoben. Die Falsifikate wiesen sogar das OVI-Merkmal der rückseitigen großen Wertzahl in täuschungsfähiger Qualität auf. Das industriell gefertigte Hologramm-Patch stammte aus Fernost. Der Transport speziell der bulgarischen Fälschungen nach Deutschland, um sie hier in Umlauf zu bringen bzw. in weitere Länder zu transferieren, erfolgt überwiegend über die Fernrouten. Dazu werden in Bulgarien Bus- oder Lkw-Fahrer angeheuert. Es wird ihnen ein Paket und eine Anzahlung als Lohn übergeben. Dabei werden sie angewiesen, sich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit an einem bestimmten Treffpunkt an ihrem Zielort aufzuhalten. Dort nimmt dann unter Nennung eines Codewortes der Übernehmer Kontakt auf und übergibt, im Gegenzug gegen das Paket, den Rest des vereinbarten Lohnes für diese Gefälligkeit. Weigert sich ein Fahrer, den Transport durchzuführen, wird er nicht selten unter Androhung von Repressalien, auch gegenüber seiner Familie, dazu gezwungen. Meist wissen die Kuriere nicht, was sich in dem Paket befindet. Da diese Transportrouten über Bayern laufen, führt das Bayerische Landeskriminalamt in den letzten Jahren verstärkt Hinterlandkontrollen durch, bei denen regelmäßig neben Falschgeld auch Drogen beschlagnahmt werden. Dagegen holen deutsche Verbreiter das aus Italien stammende Falschgeld auch sehr oft selbst dort ab. Die offenen Grenzen zwischen den Ländern des Schengener Abkommens machen es nahezu risikolos möglich. Viele solcher Eigentransporte aus Neapel und Umgebung, aber auch aus Bulgarien, sind in den letzten Jahren den deutschen Ermittlungsbehörden bekannt geworden. Dabei reisen meist mehrere Täter im Pkw oder im Kleinbus und führen mehrere Hundert Stück einer Fälschung mit sich, oftmals versteckt im Transportfahrzeug. In Baden-Württemberg wurden darüber hinaus 2009/2010 mehrere litauische Großverteiler ermittelt, die die Verbreitung von Fälschungen übernommen hatten. Durch erfolgte Festnahmen ist die Anzahl der Mitglieder dieser Tätergruppierung aber zurückgegangen, wie das LKA in Stuttgart mitteilte. Doch auch Südamerika ist noch „im Geschäft“. In Kolumbien beschäftigt man sich nicht nur mit der Herstellung und Verteilung von Drogen, auch falsche Euros und Dollars gehören zum Sortiment der verschiedenen Kartelle. Ein Schlag gegen den internationalen Falschgeldhandel gelang 1989 dem Bayerischen Landeskriminalamt: Bei der Verhaftung von sechs „Blüten-Händlern“ wurden 6439 falsche 100-Dollar-Noten im Wert von damals umgerechnet rund 1,2 Millionen Mark sichergestellt. Foto Süddt. Verlag Die Bundesrepublik Deutschland lag in 2010 mit inner- und außerhalb des Zahlungsverkehrs insgesamt registrierten 90.824 Euro-Falschnoten im europäischen Vergleich an vierter Stelle. Dies bedeutet einen Anteil von rund 11% am Gesamtaufkommen innerhalb der EU. Insgesamt wurden bei der EZB 872.535 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von rund 51 Mio. Euro registriert. Auf dem ersten Platz lag dabei mit 45% die 50-Euro-Note (in Deutschland: 60%), gefolgt vom 20er mit 36% (Deutschland: 21%). So gut wie keine Rolle spielen 200- und 500-Euro-Note. Ihr Anteil lag zusammen bei nur 4% des Gesamtaufkommens (Deutschland: 7%), diese waren aber durchweg von ganz ausgezeichneter Qualität. Der Trend hin zu Fälschungen der mittleren Notenwerte verstärkt sich nach wie vor, da zum Beispiel eine 20- oder 50-Euro-Note im Publikum bei ihrer Entgegennahme bei Weitem nicht die Aufmerksamkeit erfährt wie etwa ein 200- oder ein 500-Euro-Schein. Mehr als 90% der innerhalb des deutschen Zahlungsverkehrs im Jahr 2010 angehaltenen Fälschungen wurden bei Banken, im Handel sowie bei der Bundesbank entdeckt. Privatpersonen erkennen ein Falsifikat meist nicht. Dies kann an der Güte der Fälschungen liegen, aber auch an der mangelnden Aufmerksamkeit, die die Menschen angebotenen Banknoten entgegenbringen. In insgesamt 1.100 Fällen wurde Falschgeld im Rahmen polizeilicher Maßnahmen außerhalb des Zahlungsverkehrs, also bei Durchsuchungen und bevor hergestellte Fälschungen verausgabt werden konnten, beschlagnahmt. Werfen wir zum Schluss noch einen kurzen Blick zurück in die Zeit der nationalen Währungen vor Einführung des Euro. In den 1990er Jahren waren die Niederlande als Herstellungsland hochaktuell. So kamen ab etwa Mitte 1996 vornehmlich 100- und 200-DM-Noten aus Amsterdam. Die seinerzeitige Fälschergruppe hatte ganz ausgezeichnete Scheine produziert, teilweise als so genannte Kombinationsfälschung, das heißt, der Untergrund mit seinen Irisfarben als Farbfotokopie, die Hauptbildteile und weitere Details der Note als Offsetdruck. Mit der Imitation des Wasserzeichens als Graudruck und dem Aufbringen der (unterschiedlichen) Notennummern ging ein solches Falsifikat bis zu sieben Mal durch die Druckmaschine. Der bei den seinerzeitigen DM-Noten der Ausgabe BBk III verwendete Fenstersicherheitsfaden wurde durch Aufkleben von Aluminiumfolie oder Lamettastreifen nachgeahmt und oftmals sogar – wenngleich primitiv – mit dem Notenwert beschriftet. Von diesen Fälschungen, die meist in Kraftfahrzeugen versteckt über die damals schon unkontrollierte EU-Grenze gekommen und vornehmlich im Norden und in der Mitte Deutschlands aufgetaucht waren, gab es zudem Ausführungen, bei denen durch die ausgeklügelte Drucktechnik das Durchsichtsregister perfekte Übereinstimmung der Bildelemente von Vorder- und Rückseite aufwies. Heute rät selbst die Deutsche Bundesbank, das Durchsichtsregister der Euro-Banknoten auf keinen Fall mehr als alleiniges Merkmal zur Echtheitserkennung zu nutzen, da die meisten Fälscher in der Lage sind, dieses perfekt zu imitieren. Umkehrschluss: Stimmt bei einer ersten Prüfung einer Note das Durchsichtsregister nicht überein, ist die Banknote mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit falsch. Im April 1996 wurde in Trier ein 31-jähriger Libanese verurteilt, der zusammen mit sechs Komplizen für 35.000 DM falsche Hunderter in Umlauf gebracht hatte. Er hatte die Fälschungen im niederländischen Amelo übernommen und nach Deutschland eingeschmuggelt. Anfang Dezember 1997 wurde in der Nähe von Aachen dann ein 38-jähriger niederländischer Falschgeldkurier geschnappt, der 500.000 DM in falschen 100-DM-Scheinen in seinem Pkw versteckt hatte. Ein absoluter Zufallsfund, denn ein Rauschgift-Spürhund hatte die Falsifikate entdeckt. Mit dem Auto war einige Wochen zuvor eine Kokain-Lieferung über die Grenze gekommen und der Hund hatte auf mikroskopisch kleine, noch vorhandene Spuren des Rauschgiftes angesprochen. Fast zeitgleich wurde der Komplize, ein 48-jähriger Belgier, durch die belgische Polizei festgenommen. Damit war dieser holländischen „Geldquelle“ im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben. Die schweizerische Banknote zu 1000 Franken war in der Vergangenheit der Traum aller Fälscher. Die Unterschiede der Fälschung zur echten Note: Das ganze Druckbild ist verschwommener, unklarer, dem Porträt fehlt die Ausdruckskraft der echten Stahlstichausführung. Die Fälschung wurde im Buchdruck hergestellt und Anfang 1954 beschlagnahmt. Eine der besten Fälschungen in den letzten Jahrzehnten kursierte seit etwa Mitte der 1990er Jahre bis zur Euro-Einführung in Italien und einigen weiteren europäischen Ländern. Es handelte sich um exzellent gefälschte italienische 100.000-Lire-Noten. Sie hatten ihren Ursprung in der italienischen Organisierten Kriminalität und waren insofern extrem gefährlich, da die Wasserzeichen und Sicherheitsfäden nahezu perfekt nachgestellt worden waren. Der Trick: Die Falsifikate bestanden aus zwei absolut passgenau zusammengeklebten Papierblättern, die damit eine ähnliche Stärke und ähnliche Griff- und Klangverhalten wie das Originalpapier aufwiesen. Auf den Innenseiten der Einzelblätter waren Wasserzeichen und ein Faden mit der Beschriftung „Banca d’Italia“ durch entsprechende Aufdrucke imitiert worden. Der zweite Sicherheitsfaden, wie er sich in den hohen Wertabschnitten der Lire-Noten befand, war sogar körperlich zwischen die beiden Papierlagen eingebettet worden! In der Durchsicht sahen diese Sicherungselemente den echten zum Verwechseln ähnlich. Ebenso wurden die Fluoreszenzfasern durch einen gelblichen Aufdruck nachgeahmt, die rechte Notennummer fluoreszierte ebenfalls wie beim Original, auch farblich unterschieden sich die Fälschungen kaum von den echten Lire-Scheinen. Einziges Erkennungsmerkmal war die Herstellung im Offsetdruck anstelle des für die Hauptplatte der echten Banknoten verwendeten Stichtiefdrucks, wobei aber viele Stücke vorkamen, bei denen der Stichtiefdruck durch eine feine Papierprägung imitiert worden war. Diese ebenso genial wie aufwendig hergestellte Fälschung war von der Deutschen Bundesbank 1999 als Druckfälschung DF12 klassifiziert worden. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- "Heil deinem Fürsten, Heil, der treu dir zugewandt"
Die Geldscheine der Handelskammer Oldenburg (1921) Die Handelskammer Oldenburg ließ eine Serie von sechs 50-Pfennig-Scheinen – insgesamt eine Million Stück – bei der Oldenburger Firma Gerhard Stalling[1] drucken. Der Entwurf zu den 72 x 114 mm großen Scheinen stammt von dem damals 24-jährigen Ernst Rudolf Vogenauer (* 1897 in München; † 1972 in Berlin). Der Graphiker fand eine eigene Formsprache für diese Wertzeichen; so verwendete er dekorative Elemente des Expressionismus, beispielsweise stark gezackte Rahmen, die die vier Strophen der Landeshymne „Heil dir, o Oldenburg“ aufnehmen. Den Text der Hymne verfasste 1844 Theodor Christian Cai von Kobbe (* 8. Juni 1798 in Glückstadt; † 22. Februar 1845 in Oldenburg) zum „Lied ohne Worte“ der Großherzogin Cäcilie. Er war Jurist, Schriftsteller und – heute würde man sagen: Menschenrechtler. Er gründete einen Verein zur Verbesserung des Schicksals entlassener Strafgefangener. Die Vorderseite ist bei allen Scheinen einheitlich gestaltet. Im ersten Rahmen oben mittig „HANDELSKAMMER“ und unten „OLDENBURG“; im zweiten Rahmen oben „FÜNFZIG“ und unten „PFENNIG“ sowie links und rechts mehrfach „50 PFG“. Im Mittelfeld das gekrönte Oldenburgische Wappen sowie links und rechts davon „50 Pfg“. Es folgt ein vierzeiliger Text: „Dieser Schein besitzt im ganzen Staate Oldenburg Gültigkeit und / wird von allen öffentlichen Kassen angenommen. Der Schein ver-/liert seine Gültigkeit, wenn er nicht einen Monat nach erfolgter / öffentlicher Aufforderung eingelöst wird./Die Handelskammer:“ Dann folgen zwei gedruckte Unterschriften, getrennt durch „Oldenburg i/O.“ und der Jahreszahl „1~9~2~1“. Im Unterdruck des Textfelds findet sich noch die sechsstellige Kontrollnummer mit vorgedruckter „No.“; schließlich am unteren Rand der Druckereivermerk „GERHARD STALLING/OLDENBURG“. Abb. 1: Handelskammer Oldenburg, 1921, 50 Pfennig, gemeinsame Vorderseite. Für die Motivauswahl der heimatverbundenen Darstellungen der Rückseiten war der Syndikus der Kammer, Heinrich Wilhelm Dursthoff (* 7. April 1868; † 7. Dezember 1932), verantwortlich. Im Zentrum des ersten Scheins stehen Oldenburger Pferde, während auf dem zweiten Graf Anton Günther hoch zu Ross reitet. Der Graf bewahrte sein Land vor den Schrecken des 30-jährigen Kriegs. Auf dem ersten Schein ist der Anfang der ersten Strophe abgedruckt, während der zweite den restlichen Text enthält: 1. Heil dir, o Oldenburg, Heil deinen Farben! Gott schütz' Dein edles Ross, er segne deine Garben, Heil deinem Fürsten, Heil, der treu dir zugewandt, Der dich so gern beglückt, o Vaterland! Abb. 2: Handelskammer Oldenburg, 1921, 50 Pfennig, 1. Rückseite: Oldenburger Pferde. Abb. 3: Handelskammer Oldenburg, 1921, 50 Pfennig, 2. Rückseite: Graf Anton Günther. Auf dem dritten Schein wird der Heidenopfertisch an der Bäverbrooksbäke bei Visbek abgebildet. Hierbei handelt es sich um ein Megalith-Grab aus der Jungsteinzeit. Ober- und unterhalb der Darstellung die zweite Strophe: 2. Ehr' deine Blümelein, pfleg' ihre Triebe, Blau und Roth blühen sie, die Freundschaft und die Liebe; Wie deine Eichen stark, wie frei des Meeres Flut, Sei deutscher Männer Kraft dein höchstes Gut. Abb. 4: Handelskammer Oldenburg, 1921, 50 Pfennig, 3. Rückseite: Heidenopfertisch an der Bäverbrooksbäke bei Visbek. Die dritte Strophe wird wieder gemeinsam auf dem vierten und fünften Schein wiedergegeben. Der Segler illustriert die Oldenburgische Seefahrt, während der andere Gutschein den während des Kriegs gesprengten Westturm von Wangerooge abbildet. 3. Mutig Dein Wimpel fleucht durch alle Meere, Wohin Dein Krieger zeucht, zollt man ihm Ruhm und Ehre; Schleudert den fremden Kiel der Sturm an Deinen Strand, Birgt ihn der Lootsen Schar mit treuer Hand. Abb. 5: Handelskammer Oldenburg, 1921, 50 Pfennig, 4. Rückseite: Segler. Abb. 6: Handelskammer Oldenburg, 1921, 50 Pfennig, 5. Rückseite: Westturm von Wangerooge. Der letzte Schein zeigt eine Szene am Herdfeuer in einem niedersächsischen Bauernhaus sowie die vierte Strophe: 4. Wer Deinem Herde naht, fühlt augenblicklich, Dass er hier heimisch ist, er preiset sich so glücklich; Führt ihn sein Wanderstab auch alle Länder durch, Du bleibst sein liebstes Land, mein Oldenburg! Abb. 7: Handelskammer Oldenburg, 1921, 50 Pfennig, 6. Rückseite: Szene am Herdfeuer in einem niedersächsischen Bauernhaus. Die Notgeldserie wurde im Juni 1921 von der Handelskammer in Umlauf gesetzt. Nur wenig später beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Oldenburg die Notgeldscheine mit der Begründung, dass die Kammer zur Herausgabe des Geldes nicht befugt gewesen sei. Schnell wurde jedoch klar, dass der eigentliche Grund die Zeile „Heil deinem Fürsten, Heil, der treu dir zugewandt“ auf der Rückseite des zweiten Scheins der Serie war. In einer zeitgenössischen Sammlerzeitung ist noch Folgendes zu lesen: „Nachdem nun auch die Vorderseiten der sechs Scheine das Oldenburger Wappen mit der Krone aufweisen, so sah die Oldenburger Regierung Gründe genug, den Staatsanwalt einschreiten […] zu lassen.“ Die Landesregierung vermutete hinter der Ausgabe reaktionäre Kräfte; schließlich hatte der letzte regierende Großherzog Friedrich August (1900–1918), der im Ersten Weltkrieg zur Gruppe der radikalen „Annexionisten“ angehörte, erst am 11. November 1918 unter dem Druck der Massen das Land verlassen. Die republikanische Ordnung war zu dieser Zeit in Deutschland keineswegs gefestigt, wünschten doch große Teile der Bevölkerung die Restaurierung der Monarchie. Die Beschlagnahme hatte zur Folge, dass die „Nachfrage nach diesem hochpolitischen Notgeld“ stieg und bis zu 100 Mark für die Scheine im Nennwert von 3 Mark gezahlt wurden. „Die gerichtlichen Verhandlungen gegen die Vertreter der Handelskammer führten zwar .. zu einer Freigabe des Geldes, doch wurden dieselben trotzdem durch Verfügung des Staatsministeriums als Zahlungsmittel für ungültig erklärt,“ so die Sammlerzeitung. Uwe Bronnert [1] Die Druckerei druckte die 20-Milliarden-Mark-Reichsbanknote vom 1. Oktober 1923, bei der die Wert- und Strafsatzzeile am Rand vertauscht sind (Kat.-Nr. DEU-138) sowie 2-Billionen-Reichsbanknoten vom 5. November 1923 (Kat.-Nr. DEU-163 e). S. hierzu Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 21. vollständig neu erstellte Auflage, Regenstauf 2018.
- Die Goldanleihe der Stadt Cham von 1923
Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Schaffung von wertbeständigem Anleihekapital und Notgeld suchen. Eine von vielen seinerzeitigen Finanzinnovationen waren wertbeständige Anteilscheine bzw. Notgeldscheine, aber auch wertbeständige Schuldverschreibungen, die ab Oktober 1923 in Umlauf kamen. Die bayerische Stadt Cham begab hierzu im Dezember 1923 eine wertbeständige Goldanleihe. Diese Anleihe ist quasi ein Zwitter aus 7-prozentigen Schuldverschreibungen und Notgeld (5-prozentige Anteilscheine). Wertbeständiges Notgeld 1923–1924 Die Notgeldverordnung des Generals von Seeckt vom 12. November 1923 machte im Deutschen Reich unter dem Druck der Not die Ausgabe von auf Gold lautenden Geldes zu einem Recht für die Länder, Provinzen und Gemeinden. Innerhalb der Ausgabebezirke wurde damit wertbeständiges Notgeld – z.B. zur Beschaffung von Lebensmitteln – zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Mit der Währungsreform und der Ausgabe der Rentenmark gelang es dann ab November 1923, die Inflation im Deutschen Reich zu stoppen. Die Ersparnisse weiter Bevölkerungskreise waren zu diesem Zeitpunkt vernichtet, Vermögenswerte waren dahingeschmolzen. Am 20. November 1923 war 1 Dollar = 4,2 Billionen Papiermark (= 4,20 Rentenmark oder Mark Gold) wert. Eine Rentenmark bzw. eine Mark Gold entsprach an diesem Tag offiziell einer Billion Papiermark. Die Einlösung des wertbeständigen Notgelds erfolgte gebietsweise im Laufe des Jahres 1924 und war im August 1924 weitestgehend – wohl auch bei der Goldanleihe der Stadt Cham – abgeschlossen. Goldanleihe der Stadt Cham 1923 5-prozentige Anteilscheine Die oberpfälzische Stadt Cham in Bayern begab am 18. Dezember 1923 eine wertbeständige Goldanleihe. Es wurden drei Gruppen 5-prozentige, als Notgeld verwendbare, wertbeständige Anteilscheine vom Stadtrat Cham ausgegeben, verbrieft in folgenden Nennwerten: • Sieben Serien Ab, Af, Ag, Ah, Ai, Ak und Al über 2 Goldmark, fällig am 31. 12. 1928, mit einem Aufgeld von 5 Prozent Jahreszinsen • Drei Serien Ba, Bb und Bc mit und ohne Kennnummern über 5 Goldmark, fällig am 31. 12. 1928, mit einem Aufgeld von 5 Prozent Jahreszinsen • Eine Serie C mit 5.000 Anteilscheinen über je 20 Goldmark, fällig am 31. 12. 1928, mit einem Aufgeld von 5 Prozent Jahreszinsen (Gesamt: 100.000 Goldmark). Für die Rückzahlung der Anleihe nebst Aufgeld haftete die Stadt Cham mit ihrem Vermögen, mit ihren Einkünften und ihrer Steuerkraft sowie der Maristen-Fürsorge- und Missionsverein Fürth bei Landshut (e.V.). Die Rückzahlung der Anleihe einschließlich Zinsen erfolgte in Reichswährung zum Durchschnitt der amtlichen Berliner Notierung für Auszahlung für den der Zahlung vorausgehenden Monat. Der Anspruch zur Rückzahlung der Anleihe samt Aufgeld erlosch, wenn der Anteilschein nicht binnen zwei Jahren nach dem Fälligkeitstag zur Einlösung kam. Stadt Cham, 5%ige Goldanleihe mit staatsaufsichtlicher Genehmigung, entwerteter Anteilschein, Serie Ab, Nummer 570 über 2 Goldmark, ausgestellt in Cham in Bayern am 18. Dezember 1923. Stadt Cham, 5%ige Goldanleihe mit staatsaufsichtlicher Genehmigung, entwerteter Anteilschein, Serie Bc (ohne Nummer) über 5 Goldmark, ausgestellt in Cham in Bayern am 18. Dezember 1923. Stadt Cham, 5%ige Goldanleihe mit staatsaufsichtlicher Genehmigung, entwerteter Anteilschein, Serie C (ohne Nummer) über 20 Goldmark, ausgestellt in Cham in Bayern am 18. Dezember 1923. 7-prozentige Schuldverschreibungen Weiterhin wurden von der gleichen Emission 6.000 7-prozentige Inhaber-Schuldverschreibungen über je 50 Goldmark, ebenfalls mit Fälligkeitsdatum 31. 12. 1928, ausgegeben (gesamt: 300.000 Goldmark). Stadt Cham, 7%ige Goldanleihe, entwertete Schuldverschreibung Serie B (Nummer 2011) über 50 Goldmark, ausgestellt in Cham in Bayern am 18. Dezember 1923, mit 5 angehängten Zinskupons vom 1. Juli 1925/1926/1927/1928 und vom 31. Dezember 1928. Die Konditionen für die 7-prozentigen Schuldverschreibungen: Die Stadtgemeinde Cham schuldete den Inhabern der Schuldverschreibungen ein zu 7 % jährlich verzinsliches Darlehen von 50 Goldmark. Die Schuldverschreibungen waren Teil der vom Stadtrat Cham am 10. Dezember 1923 aufgenommenen Anleihe von 400.000 Goldmark. Die Goldanleihe wurde staatsaufsichtrechtlich genehmigt, u.a. durch das bayerische Staatsministerium des Inneren. Die Schuldverschreibungen waren seitens der Gläubiger unkündbar. Die Rückzahlung sollte spätestens bis zum 31. Dezember 1928 erfolgen. Für die gesamte Anleihe bzw. die 7-Prozent-Schuldverschreibungen haftete die Stadt Cham mit ihrem Gesamtvermögen. Den Schuldverschreibungen wurden Zinsscheine für 4½ Jahre, erstmals fällig am 1. Juli 1925, beigegeben. Die Einlösung fälliger Zinsscheine und ausgeloster oder gekündigter Schuldverschreibungen erfolgte bei der Stadtkämmerei Cham in Reichswährung zu dem Durchschnitt der amtlichen Berliner Notierung für Auszahlung für den der Zahlung vorausgehenden Monat. Die Inhaber-Schuldverschreibungen konnten rückseitig namentlich auf den Inhaber umgeschrieben werden. Die sehr seltenen Anteilscheine bzw. Schuldverschreibungen der Goldanleihe der Stadt Cham von 1923 sind katalogisiert bei: • Keller, Arnold: Das wertbeständiges Notgeld (Goldnotgeld) 1923/24, unveränderter Nachdruck der zweiten Auflage von 1954 (Referenznummer 99). • Lindman, Kai: Das wertbeständige Notgeld von 1923/24 (Ordnungsnummer C008), 2008. • Müller; Manfred: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924, Deutsches Notgeld, Band 12, 2011. • Pick, Albert: Das Papiergeld Bayerns – Staatspapiergeld, Banknoten und Notgeld – Geschichte und Katalog, Nummer V149b, 1989. Hans-Georg Glasemann Abb.: Moneypedia (8/2020)
- Serienscheine des Turn- und Spielvereins Vesalia 08, Oberwesel, Rh.
Die ersten Notgeldscheine wurden aus der Not geboren. Sie ersetzten das fehlende Kleingeld. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs wurden sie jedoch auch zu einem begehrten Sammelobjekt und besonders zu Beginn der 1920er Jahre sahen viele Kommunen in ihnen eine Möglichkeit, eine lukrative Einnahmequelle zu generieren. Bald gaben selbst Privatpersonen, Unternehmen und Vereine ihr eigenes „Notgeld“ aus, das einzig der eigenen Gewinnmaximierung diente. Eine Reihe von Sportvereinen beteiligte sich ebenfalls an diesem Treiben. Über Ausgaben des Turnvereins Coblenz-Lützel und des Weilburger Rudervereins wurde bereits in diesem Blog berichtet. Heute werden Scheine des Turn- und Spielvereins Vesalia 08, Oberwesel, vorgestellt. Um die Jahrhundertwende breitete sich, von England kommend, auch in Deutschland eine neue Sportart aus. Wie auch in vielen anderen deutschen Orten trafen sich junge Leute, um Fußball zu spielen. Am Rhein in Oberwesel schlossen sich 17 begeistere Fußballer zusammen und gründeten 1908 den Verein; der Name "Vesalia" geht dabei auf den alten römischen Namen von Oberwesel zurück. 1912 wurde der Sportbetrieb um eine Turnabteilung erweitert und ein Jahr später kam eine Box- und Ringerabteilung hinzu. Am Ende des Ersten Weltkriegs kam es noch zur Gründung einer Leichtathletik-Abteilung. Der Verein nahm die Bezirksmeisterschaften am 19. Juni 1921 in Oberwesel zum Anlass, eine Serie von fünf Notgeldscheinen zur Erinnerung zu emittieren. Die Vorderseite ist bei allen Scheinen einheitlich gestaltet. In der Mitte die Stadtansicht mit dem Rotem Turm, der Liebfrauenkirche und der Ruine der Schönburg: Der Rote Turm wurde um 1250 erbaut und sicherte das südliche Stadttor der Freien Reichsstadt Oberwesel, durch das eine alte Heerstraße führte. Sie war im Mittelalter wohl eine der wichtigsten Verbindungen im ganzen Reich. Wie viele Engländer entdeckte auch der Erlanger Hofmaler Carl Haag auf einer Rheinreise die Romantik. Er erwarb 1864 für 150 Taler die Ruine des Roten Turmes und baute sie 1865 zu einem Atelier um; seit dieser Zeit heißt der Rote Turm auch Haags Turm. Das zweite Wahrzeichen Oberwesels ist die Liebfrauenkirche, mit deren Bau 1308 begonnen wurde. Sie gilt aufgrund ihrer Architektur und ihrer Ausstattung als eine der bedeutendsten hochgotischen Kirchen im Rheinland, Prunkstück ist der Goldaltar, der einer der ältesten hochgotischen Schrein-Altäre in Deutschland ist. Von der reichen mittelalterlichen Ausmalung sind noch 25 Wandbilder erhalten. Im Hintergrund ist die Silhouette der Schönburg skizziert. Auf einer bewaldeten Anhöhe gelegen, fand sie 1149 erstmals urkundliche Erwähnung. Die im 12. Jahrhundert begonnene Burg wurde im 13. Jahrhundert zur Ganerbenburg mit insgesamt drei Bergfrieden erweitert. Unter dieser Ansicht: „NUR GÜLTIG INNERHALB DES VEREINS BIS 1.IV.22 OBERWESEL, 1. IX.21". Dass die Scheine einzig der Geldbeschaffung dienten, beweist der umlaufende Text am Rand: „ZIEH HINAUS IN ALLE WELT / UNSER SPORTVEREIN BRAUCHT GELD / KEHRST DU NICHT ZU UNS ZURÜCK / IST’S FÜR UNS EIN GROSSES GLÜCK“. Die Rückseite ist den Siegern der Meisterschaft gewidmet und zeigt deren Foto in einem Oval; unter dem Bild ist dann die jeweilige Erklärung zu finden. Abb. 1: 50 Pfennig, 1.IX.21, Vorder- und Rückseite mit „400 m. LAUF, SIEGER GERTZ, F.C.1900, COBLENZ“. Abb. 2.: 75 Pfennig, 1.IX.21. Vorder- und Rückseite mit „SCHUSTER, SIEGER im 1500 m. LAUF.“ Abb. 3: 75 Pfennig, 1.IX.21, Vorder- und Rückseite mit „Frl. KEXEL, SIEGERIN im 100 m. LAUF.“ Abb. 4: 100 Pfennig, 1.IX.21, Vorder- und Rückseite mit „5 x 50 m. DAMENSTAFFEL, SIEGER T.G. COBLENZ“. Abb. 5: 100 Pfennig, 1.IX21, Vorder- und Rückseite mit „Fr. MÜLLER, SIEGER im 100 m. LAUF, 11,2 Sek.“ Bereits 1924 schied die Turnabteilung aus dem Verein aus und gründetet die Turngesellschaft, während sich die Leichtathleten der neugegründeten DJK – der Deutschen Jugendkraft – anschlossen. Turner, Fußballer, Boxer und Ringer waren in jeweils eigenen Sportverbänden organisiert. Während letztere die Gründung eines gemeinsamen Deutschen Bundes für Leibesübungen anstrebten, lehnte dies die Turnerschaft am 1. September 1923 ab und entschied sich einseitig für die „reinliche Scheidung“ zwischen Turnen und anderen Sportarten. Bis zum 1. November mussten sich die Mitglieder der Spielabteilungen der Turnvereine zwischen einer Mitgliedschaft im Sportverband oder in der Turnerschaft entscheiden, sodass die Turner aus der Vesalia ausschieden. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden die DJK verboten. Die Zwangsauflösung der DJK Rheinwacht 1933 bescherte der Vesalia eine komplette Leichtathletik-Abteilung. Trotz größter wirtschaftlicher Schwierigkeiten stand die Fußball-Abteilung nach dem Zweiten Weltkrieg wie der Phönix aus der Asche auf. Heute besteht der Verein aus den Abteilungen Fußball, Handball, Turnen und Karate. Uwe Bronnert Quellen: Homepage des Vereins (20.08.2020) SV Vesalia 08, Festschrift zum 100jährigen Jubiläum 1908 – 2008
- Fälscher & Falschgeld: Organisationsstrukturen
Fortsetzungsreihe, Teil 2 Die Organisationsstrukturen der Fälscher früher und heute Wenngleich sich allein durch die Verbreitung von Falschgeld heutzutage kaum noch ein Staatswesen und keine Volkswirtschaft mehr an den Rand des Ruins bringen lässt, kann sie doch das Vertrauen in eine Währung zumindest vorübergehend schmälern, wenn sie professionell und von staatlichen Stellen gelenkt betrieben wird. Geldfälschung stellt aber auch für jeden Einzelnen von uns eine konkrete Gefährdung und ein unkalkulierbares Verlustrisiko dar. Der steuer- und abgabenbelastete Normalbürger sieht in dem Geldfälscher oft den Schlaueren, der dem Staat ein Schnippchen schlägt und bringt ihm daher durchaus gewisse Sympathien entgegen. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn es sich um einen Einzeltäter handelt, dessen Schicksal es nicht besonders gut mit ihm gemeint hat und das sich von den Medien entsprechend Mitleid heischend ausschlachten lässt. Er bedenkt dabei aber eines nicht, nämlich die Tatsache eines unter Umständen großen Geldverlustes für denjenigen, der aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit Falschgeld angenommen hat. So ist die Nachahmung von Zahlungsmitteln in erster Linie eines, nämlich kriminell und damit durchaus nichts Bewundernswertes. Oben ein falscher Hunderter italienischen Ursprungs (unten Original). Diese legendären Fälschungen wurden von der Deutschen Bundesbank unter der Klasse D 7 registriert, das Interpol-Organ „Erkennungszeichen“ klassifizierte sie unter dem Indikativ 11 A 215 bzw. die Varianten der Fälschung unter 11 A 215 A und B sowie 11 A 216. Das abgebildete Falsifikat ist für den Fachmann an der falschen Nummerierung zu erkennen. Die Nummern echter Noten der Ausgabe 1. Juni 1977 beginnen ab den Kennbuchstaben NF, die Kennbuchstaben NB gibt es nur bei der Ausgabe 2. Januar 1970 und nur in Nummernversionen mit kleinen Buchstaben. Außerdem weisen die Zahlen der Nummerierung im Porträtbereich einen vollkommen falschen Schriftcharakter auf. Die Wertallonge ist zu blass reproduziert worden, durch den Ausfall vieler Linien wirken Haarpartie und Kinn des Porträts weißfleckig. Wasserzeichen und Sicherheitsfaden sind durch Aufdruck auf der Vorderseite imitiert worden. Die Fälscherwerkstatt konnte im Oktober 1987 in Mailand ausgehoben werden. Bis Mitte der 1990er Jahre kamen diese Blüten für insgesamt rund 15 Millionen DM im Zahlungsverkehr vor. Spätestens dann, wenn „Otto Normalverbraucher“ selbst einmal durch den zufälligen Besitz von Falschgeld zu Schaden kommt, tritt dies ganz klar zutage. Nachvollziehen kann man somit das Entgegenbringen von Sympathien allenfalls bei besonders originell oder mit besonderem Witz vorgehenden Einzeltätern, mit Sicherheit nicht aber bei Banden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität. Denn die Zeit des Einzelgängers, der des Nachts im Keller seine Druckmaschine bedient und nur so viele Blüten herstellt, dass er davon leben kann, ist ebenso vorbei, wie die des Fälschers aus Leidenschaft, der im stillen Kämmerlein lediglich aus künstlerischem oder technischem Ehrgeiz heraus ohne Gewinnabsicht fälscht. Letzterer stellte sowieso nur eine Ausnahmeerscheinung dar. Ebenso fällt heute der Gelegenheitstäter, der im Copyshop rasch ein oder zwei Hunderter kopiert, kaum mehr ins Gewicht, nicht zuletzt auch deshalb, weil die meisten öffentlich zugänglichen Farbkopierer heute beim Ablichten von Wertdrucken entweder durch softwaregesteuerte Sperren ihren Dienst versagen oder aber die gewünschte Banknotenkopie nur geschwärzt ausgeben. Und den künstlerisch talentierten Fälscher, der beschaulich Punkt für Punkt und Linie für Linie mit Stichel und Schaber in die Stahlplatte gräbt, hat es sowieso nur im Kino gegeben. Längst sind die straff organisierten Banden auf den Plan getreten, die meist über ein enormes Know-how verfügen und bestens ausgerüstet sind. Sie sind mit herkömmlichen Mitteln der Kriminalistik fast unangreifbar geworden und dazu brandgefährlich. Sie nutzen neue Technologien, offene Grenzen in Europa und die moderne Telekommunikation. Sie arbeiten international mit ausgeklügelter Logistik und fälschen in großem Stil. Bereits 1950 stellte Anton Adler, ein angesehener Falschgeldspezialist, bei der Dritten Internationalen Konferenz zur Bekämpfung der Falschmünzerei fest: „Vor dem Kriege gab es kleine Fälschergruppen, die improvisierte Maschinen verwendeten; jetzt sehen wir uns großen, großzügig finanzierten internationalen Gangs gegenüber, die es schaffen, gut ausgerüstete kommerzielle Druckereien einzurichten.“ Dies hat sich bis in unsere Tage fortgesetzt und ist heute die Regel. Die Banden der Organisierten Kriminalität sind meist in dezentralisierter Form aufgezogen, um die Entdeckungsgefahr in einem frühen Stadium gering zu halten. Die Fälscher sind sich in der Regel untereinander nicht näher bekannt, ein Einzelner kennt nie alle Beteiligten oder die gesamte Organisationsstruktur des Unternehmens, geschweige denn die Hintermänner und Drahtzieher. Die Falsifikate werden oftmals nur in Teilprodukten an verschiedenen Orten hergestellt, um später an einem ganz anderen Ort, vielfach sogar in einem anderen Land oder über Kontinente hinweg, zusammengefügt zu werden; die Arbeitsteilung und Risikominimierung eines modernen Wirtschaftsunternehmens. Jeder Beteiligte erhält seinen Lohn für die von ihm geleistete Teilarbeit, bevor die Organisation alle Druckunterlagen und Beweismittel vernichtet und nach einem festen, vorher ausgeklügelten Plan auseinander läuft und sich, unter Umständen Monate später und in einem ganz anderen Winkel dieser Welt, zu einem neuen Unternehmen wieder zusammenfindet. Werden Einzelne eines solchen Fälscherrings geschnappt, wissen sie nur soviel, dass dies die restlichen Beteiligten, insbesondere die Bosse, nicht gefährden kann. Oder es sind politisch motivierte Gruppen, die einer eisernen Disziplin ihren Führern und Idealen gegenüber unterliegen. In diesem Bereich der politisch-ideell motivierten Täter haben die Organisationsstrukturen des internationalen, vornehmlich des islamistisch geprägten Terrorismus eine gänzlich neue Qualität erreicht. Dies haben unter anderem die schrecklichen Ereignisse des 11. September 2001 nachdrucksvoll bestätigt, wenngleich hier Fragen hinsichtlich der genauen Urheberschaft durchaus offen geblieben sind. In der Organisierten Kriminalität ist aber seit geraumer Zeit ein weiterer neuer Trend, quasi eine neue Organisationsform der Fälschertätigkeit erkennbar. Die großen Bosse scheuen sowohl das Risiko der Entdeckung als auch den technischen Aufwand und trachten mehr und mehr danach, die „eigenen“ Leute aus der Fälschertätigkeit herauszuhalten. Man heuert daher kleine Banden und kleinste Gruppen an und kauft diesen dann ihre Produkte ab. Diese wissen als Hersteller nicht, an wen genau sie liefern, da das gesamte Prozedere über mehrere Mittelsmänner, die ihrerseits kaum etwas voneinander wissen, abläuft. Jeder kennt nur den, von dem er die Ware abnimmt und denjenigen, an den er sie weiterzugeben hat, das klassische Dreiecksystem. Werden die Hersteller enttarnt und verurteilt, sonnen sich derweil die Bosse der Auftraggeber-Organisationen in Marbella oder an der Cote d’Azur und erfreuen sich ihrer Freiheit und ihres Geldes. Daneben wird insbesondere in Italien eine Vielzahl von Gruppen kleiner Krimineller, die in das lukrative Geschäft mit falschen Scheinen eingestiegen sind, von den großen Organisationen wie der Camorra oder der ‘Ndrangetha geduldet, solange sie ihnen nicht allzu sehr in die Quere kommen. Gerüchte, die von italienischen Behörden bestätigt wurden, besagen, dass hier zum Teil auch Schutzgelder fließen, damit diese Kleingruppen in Ruhe gelassen werden und ungestört arbeiten können. Eine große Rolle für das reibungslose Funktionieren solcher Organisationen aus der Organisierten Kriminalität spielen im Übrigen als logistische Hilfsmittel ge- oder verfälschte Identitätsdokumente, die es den Mitgliedern ermöglichen, unter falschem Namen über die Außengrenzen des Schengen-Raumes zu gelangen. Auch der Aufbau einer komplett falschen Identität oder die Eröffnung von Bankkonten erfolgt mittels dieser falschen Papiere. Falsche Pässe und Ausweise sind damit Hilfsmittel für die Falschgeldkriminalität, den Rauschgifthandel, Menschenhandel und Schleusungskriminalität, Kraftfahrzeugverschiebung und weitere Vortaten zur Geldwäsche. Der wirtschaftliche Schaden, der durch diese Art von Fälschung Jahr für Jahr insbesondere in den Ländern der EU entsteht, geht in die Milliarden. Ganz so einfach wie in früheren Zeiten sind Passfälschungen heutzutage allerdings nicht mehr. Seit einigen Jahren schon weisen auch Pässe und Ausweise vieler Länder hervorragende Sicherheitsmerkmale auf, sichtbare und unsichtbare. Zudem wurden mit der so genannten ICAO-Norm (International Civil Aviation Organization) einheitliche Kriterien für die Gestaltung und die Beschriftung der durchgängig laminierten Seite mit dem Passbild eines Reisepasses oder Ausweises festgeschrieben, die von den meisten Ländern mittlerweile anerkannt sind und angewendet werden. So weist zum Beispiel die Zone mit den wesentlichen Daten eines Passes wie Name des Inhabers, Seriennummer, Geburtsdatum usw. einen einheitlichen, mit Prüfziffern gesicherten Aufbau auf und ist durchgängig in der maschinenlesbaren OCR-B-Schrift gehalten. Auch die Ausstattung mit Mikrochips, auf denen persönliche Merkmale des Passinhabers und weitere Sicherheitsmerkmale gespeichert sind, tragen zur verstärkten Sicherheit der Identitätsdokumente bei. Doch auch hier ist abzusehen, wann versierte Passfälscher es geschafft haben werden, auch diese Hürde zu nehmen und die elektronischen Sicherheitsfeatures zu knacken. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Fälscher & Falschgeld: Einführung
Fortsetzungsreihe, Teil 1 Einführung Geldfälscher..... Schon das Wort als solches hat für viele immer noch etwas Aufregendes, Prickelndes, den Reiz des Ungewöhnlichen. Es verheißt atemlose Spannung, Dramatik, Gefahr und Abenteuer, Auseinandersetzung mit der Polizei und perfekte Beherrschung der Technik. Keine Krimireihe im Fernsehen der vergangenen Jahrzehnte kam ohne eine Folge aus, in der die Thematik der Geldfälschung nicht Gegenstand der Handlung war. Allerdings hatten die Drehbuchautoren dabei meist kein gängiges Klischee ausgelassen. Wir werden in den folgenden Kapiteln einige Fälscher der alten Schule kennen lernen, ihren Lebensweg ebenso nachzeichnen wie ihre Fälschungsmethoden, die manchmal schon fast Fälschungskünste waren. Aber auch den meist „unromantischen“ Fälschern aus der Organisierten Kriminalität unserer Tage und ihren Produkten werden wir begegnen. Ein Falschgeldexperte hat einmal gesagt: „Zweifellos ist die prähistorische Erfindung des Geldes älter als die Erfindung des Falschgeldes, aber wahrscheinlich ist sie es nur um wenige Minuten.“ Das falsche Geld ist dem echten derart schnell gefolgt, dass das Wettrennen zwischen beiden bis heute nicht beendet ist. Die Fälscher sind bis heute, gleichauf mit den Dieben und Betrügern, der zahlreichste und unausrottbarste Verbrechertypus. Häufig im Lauf der Geschichte sind es aber nicht nur die kleinen und großen Gauner gewesen, die falsches oder verfälschtes Geld unter die Leute gebracht haben, sondern die Herrscher oder Münzherren selbst. Denken wir dabei beispielsweise an den Tyrann Polykrates, der von seinen Sklaven im 6. Jahrhundert v. Chr. auf Samos Geld aus Blei herstellen ließ, das mit einem hauchdünnen Überzug aus Gold versehen war. Angeblich hat er damit sogar seine Insel von den sie belagernden Doriern freikaufen können. Die Feinde zogen mit der vermeintlich reichen Kriegsbeute triumphierend von dannen. Im Jahre 1470 ließ Graf Galeazzo Sforza von Mailand venezianisches Geld fälschen, um den Ruf der Lagunenstadt zu schädigen. Oder denken wir an eines der dunkelsten Kapitel der Geldgeschichte, nämlich an die Zeit der Kipper und Wipper im Deutschland des 17. Jahrhunderts, die ihren Namen vom Kippen = Abschneiden und vom Wippen = Schnellen, Wiegen erhielten. Die Münzhoheit war, entsprechend der politischen Zersplitterung, in den Händen zahlloser Münzherren und –pächter. Um hohe Gewinne einzuheimsen, beschnitten und befeilten sie hochwertige silberne Reichstaler oder schmolzen sie zu immer geringhaltigeren Münzen um, was eine stetig steigende Flut dieses minderwertigen Geldes mit allen inflatorischen Erscheinungen hervorrief. Um diese zum Schluss fast wertlosen Geldmassen zu beseitigen, wurde das Kippergeld nach dem tatsächlichen Silbergehalt bewertet und 100 Taler schlechtes Kippergeld für 13,3 neue, gute Taler eingezogen. Der Bürger war durch diese Art der Geld(ver)fälschung um 86,7 % seines Vermögens betrogen, ehrliche Leute arm und Gauner reich geworden. Heutzutage greifen manche Staaten zu ganz ähnlichen Mitteln, um an das ersparte Geld ihrer Bürger zu kommen und gleichzeitig die immensen Staatsschulden loszuwerden. Selbst der Erfinder des Mikroskops, mit dessen Hilfe man heute falsches Geld untersucht, der holländische Brillenmacher Zacharias Janssen, saß im 16. Jahrhundert wegen Geldfälscherei im Kerker, wenn man zeitgenössischen Berichten glauben darf. Continental Bill zu 20 „Spanish milled Dollars“ aus dem Jahr 1775. Die zur Finanzierung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges ausgegebenen Scheine wurden unter tatkräftiger Mithilfe der Engländer massenhaft gefälscht. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlags Österreich der Print Media Austria AG, Wien). Das Paradebeispiel der Geldfälschung aus politischen Gründen lieferten 1776 die USA, als sie während des Unabhängigkeitskrieges englisches Geld fälschten, um so die Währung des Inselreiches zu erschüttern und weitere militärische Aktionen der Engländer zu erschweren. England revanchierte sich prompt und setzte auf Anordnung des Königs George III. (Regentschaft von 1760 – 1820) massenweise falsche Scheine der nach Unabhängigkeit strebenden nordamerikanischen Kolonien in Umlauf. Der amerikanische Continental Congress hatte diese Scheine, die Continental Bills, 1775 ausgegeben, um den Unabhängigkeitskrieg zu finanzieren. Paul Revere hatte die Kupferdruckplatten für die Scheine graviert. Die viel zu große Menge der umlaufenden Noten in Bezug auf ihre Deckung in „Spanish milled Dollars“ (spanische 8-Reales-Stücke) und die durch die primitive drucktechnische Ausgestaltung einfach herzustellenden Fälschungen (vor allem der Engländer) zeigten bald Wirkung, die Scheine waren nach kurzer Zeit wertlos. Noch heute erinnert ein geflügeltes Wort an diese Aktion: Hält ein Amerikaner einen falschen Dollar oder eine fast wertlose Banknote eines anderen Landes in Händen, sagt er „Not worth a Continental“. Erst durch das Münzgesetz vom 2. April 1792 führte der Kongress den Dollar als allgemein gültige Währung der Vereinigten Staaten ein, im Übrigen das erste dezimale Münzsystem der Welt. Danach jedoch war England offensichtlich auf den Geschmack gekommen und fälschte 1789 auch französische Assignaten, um die Französische Revolution zu schwächen. Dies brachte wiederum die Franzosen auf die Idee, 1812 englische Pfundnoten nachzudrucken: Napoleons Polizeiminister Joseph Fouché bestach Beamte der englischen Notendruckerei, die ihm die erforderlichen Druckstöcke übergaben. Wenige Jahre zuvor hatte Napoleon russisches und österreichisches Geld nachmachen lassen, um seinen Kriegen gegen diese Länder durch Unterminierung der Feindwährung zu mehr Erfolg zu verhelfen. Als seine Truppen 1805 Wien besetzten, verschaffte der Gouverneur der Besatzungstruppen, General Clarke, mehreren Fachleuten geheimen Zugang zur Druckerei des Wiener Stadt-Banco, so dass später in Paris und sogar in Italien von exakten Kopien der Platten fleißig Stadt-Banco-Zettel gedruckt werden konnten. Gerüchte wollen wissen, dass es sogar Originaldruckplatten gewesen seien, die Napoleon einfach hatte konfiszieren lassen. Wiener Stadt-Banco-Zettel zu 25 Gulden vom 1.6.1806. Während der Besetzung Wiens ließ Napoleon die Druckplatten entwenden, um diese Banknoten später zum Schaden der Feindwährung nachzudrucken. Der Geheimdienst der Deutschen Reichswehr ließ in den 1920er Jahren französische Francs und sowjetische Tscherwonez-Noten drucken. General Max Hoffmann hatte hierzu unter anderem ehemalige Offiziere und kriminelle russische Emigranten angeworben, die mit Wissen deutscher Regierungsstellen fälschten. Die Aktion hatte 1925 in Ungarn begonnen. Eine „Filiale“ des deutschen Geheimdienstes unter der Leitung des ungarischen Ministers Prinz Ludwig zu Windischgrätz, Polizeichef Emmerich Nadossy und einem Oberst der ungarischen Armee namens Jankowich hatte die erforderlichen Geräte und Maschinen von dem Reichswehr-Oberst Max Bauer erhalten. Durch Zufall beschlagnahmte die Polizei in Frankfurt am Main falsche Tscherwonez-Noten im Wert von zwölf Millionen Rubel (1 Tscherwonez = 10 Rubel), Oberst Jankowich ließ sich unvorsichtigerweise in den Niederlanden mit einer riesigen Menge Falschgeld erwischen. Ein handfester, internationaler Skandal war die Folge, der nur mit Mühe beigelegt werden konnte. Diese Liste der politischen Fälschung von Geld, um Kriege zu gewinnen, Waffen kaufen zu können oder ganz einfach einem gegnerischen Land zu schaden, ließe sich beliebig fortsetzen. Denn auch in unserer Zeit begaben sich Kaiser, Könige und Staatsmänner immer wieder einmal auf Abwege und fälschten die Währung des Feindstaates, um diesem Schaden zuzufügen und die Bevölkerung zu demoralisieren. So sind die Pfundnotenfälschungen der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges, worauf in einem der folgenden Kapitel noch näher eingegangen wird, das wohl populärste Beispiel dafür. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Ein nicht ausgeführter Geldschein-Entwurf der Stadt Laufen
Die Stadt Laufen im Landkreis Berchtesgadener Land an der Salzach gelegen, emittierte unter dem Datum „20. Oktober 1920“ sog. Verkehrsnotgeldscheine zu 25 und 50Pfennig. Beide Vorderseiten sind einheitlich gestaltet. Im oberen Teil links das Stadtwappen und rechts das bayerische Wappen (Laufen wurde erst 1816 endgültig Bayern zugeschlagen); im unteren Teil links die Wertangabe und rechts eine Abbildung der St. Michaelskapelle. Im mittleren Teil achtzeilig: „Der Gutschein / verliert seine / Giltigkeit / einen Monat / nach öfften= / licher Bekannt= / gabe. / Laufen, 20. X. 1920 / Stadtrat“, darunter die Unterschrift „Fuchs“, links davon „H“ und rechts „S“. Über den drei Feldern Wert in Ziffern – Stadt Laufen – Wert in Ziffern. Das Ganze eingefasst in einen Schmuckrahmen, außerhalb am unteren Rand die Angabe „Druck: A. Schwarz, Lichtenberg/Allgäu“. Abb. 1.1/2: Laufen, Stadt, 20.X.1920, 25 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Die Rückseite des 25-Pfennig-Wertes bildet in einem rechteckigen Rahmen eine Stadtansicht mit Salzach ab, daneben jeweils eine Vase mit einem üppigen Blumenstrauß. In beiden oberen Ecken „25“ und in den unteren Ecken „PFG.“, dazwischen oben als Überschrift „Stadt Laufen“ und unten zweizeilig „Kein Pfennig sei zu gering, / er schafft viel gut Ding.“ In den unteren Ecken des Bildes wieder „H“ und „S“ sowie die rote Kontrollummer. Abb. 2.1/2: Laufen, Stadt, 20.X.1920, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Beim 50-Pfennig-Nominal wird die Stadtansicht in einem ovalen Rahmen eingefasst, links und rechts jeweils ein Füllhorn mit Blumen, darüber „50 Pfennig Pfennig 50“. Unter dem Oval „Stadt Laufen“ sowie in den unteren Ecken „H“ und „S“. Abb. 3: Laufen, Stadt, 20.X.1920, 20 Pfennig, Druckprobe der Vorder- und Rückseite auf einem Bogen. Neben diesen beiden ausgegebenen Werten gibt es Druckproben eines Wertes zu 20 Pfennig, dessen Vorder- und Rückseite auf einem Bogen gedruckt sind. Das Aussehen der Probe entspricht dem Schein zu 25 Pfennig. Der einseitige weiße Druckbogen hat die Maße 175 x 127 mm. Die Entwürfe der Notgeldscheine der Stadt Laufen stammen von Prof. Hermann Selzer, der seine Arbeiten mit den Initialen „H. S.“ kennzeichnete. Er wurde am 30. April 1878 in Deggendorf geboren. Hier war sein Vater Oberamtsrichter. Nach dessen Versetzung an das Amtsgericht in Altötting verbrachte Hermann hier von 1883 bis 1893 seine Kinder- und Jugendjahre. Von 1888 bis 1897 besuchte er das humanistische Gymnasium in Burghausen. Danach studierte er an der Technischen Hochschule (TH) in München und wurde Professor am dortigen Gewerbelehrerinstitut, später wohl auch Professor für Wasserbau an der TH München. Selzer war auch als Oberbaurat und Architekt tätig. Von ihm stammt z. B. die kleine protestantische Jugendstil-Kirche in Kochel, die 1913/14 entstand. Nebenbei beschäftigte er sich mit Malerei. Ende des Ersten Weltkriegs und Anfang der 1920er beschäftigte er sich auch mit Entwürfen von Notgeldscheinen, so z.B. auch für Altötting und Burghausen. Selzer starb am 23. April 1941 in München. Sein Grab befindet sich in der Familiengruft im Friedhof in Altötting. Da auch der überaus kreative Künstler Heinz Schiestl die selben Initiale wie Hermann Selzer verwendete, kommt es manchmal zu Verwechselungen bei der Zuordnung der Urheberschaft, zumal ihre Entwürfe fast ausschließlich von derselben Druckerei umgesetzt wurden. J. Adolf Schwarz gründete 1899 eine Buch- und Kunstdruckerei in Lindenberg/Allgäu. In den Jahren 1917 bis 1923 machte sich die Druckerei wegen ihrer künstlerisch und drucktechnisch herausragenden Notgeldscheine in ganz Deutschland einen Namen. Dies lag nicht zuletzt an der Zusammenarbeit mit dem Würzburger Künstler Heinz Schiestl. Im Dezember 2000 war dann in den Zeitungen zu lesen, dass die Druckerei einen Insolvenzantrag gestellt habe. Im April 2001 dann für die Mitarbeiter die erlösende Nachricht, dass das Traditionsunternehmen vom Druckhaus Frankenbach GmbH übernommen würde. Uwe Bronnert
- Die Huaxing Commercial Bank
Am 13. August 1937 besetzte die japanische Invasionsarmee Shanghai. Am 28. März 1938 gründete dann eine Gruppe von Verrätern – so sehen das die Chinesen – unter Leitung von Liáng Hóngzhì (梁鴻志 ) in Nanjing (南京) die sogenannte „Reformregierung". Am 1. Mai 1939 wurde durch diese Reformregierung die Huáxìng Commercial Bank (華興商業銀行) in Shanghai gegründet und am 15. Mai offiziell eröffnet. Zu diesem Anlass erhielt die Bank 50 Millionen Yuan; die Hälfte davon wurde von der „Pseudo-Reformregierung“ von Nanjing, wie sie von den Chinesen genannt wird, zur Verfügung gestellt. Die andere Hälfte brachten japanische Banken auf. Liáng Hóngzhì, der Leiter der „Marionetten-Reformregierung“, wurde natürlich Bankpräsident, der Japaner Washio Isoichi (鷲尾磯一) wurde Vizepräsident. Später wurde nach einer Umstrukturierung des Bankmanagements aus dem Präsidenten ein Vorstandsvorsitzender sowie aus dem Vizepräsidenten ein stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Die leitenden Angestellten der Bank waren hauptsächlich Japaner. Vom Namen her war die Bank eine reine Geschäftsbank. Ihre Hauptaufgabe bestand jedoch darin, als Agent für die Staatskasse und Schuldenverwaltung der „Pseudo-Reformbewegung“ zu fungieren. Neben den Noten der Huáxìng Commercial Bank liefen hauptsächlich andere Noten um, z.B. die der Central Bank of China. Dies gilt besonders für die Region Shanghai–Nanjing. Diese Noten der vier Nationalbanken beruhten auf der sog. „gesetzlichen Währung“ (Fǎbì). Zunächst war das Verhältnis der beiden Notentypen 1:1, aber bald setzte die Huáxìng Commercial Bank einen eigenen Wechselkurs fest. Dies misslang jedoch, da die Bank keine Devisenreserven hatte. Die „Pseudo-Regierung“ gab eine Vorschrift heraus, nach der die Gehälter, Steuern, Zollgebühren etc. in Noten der Huáxìng Commercial Bank und nicht in Fǎbì zu leisten seien, doch setzte sich diese Anordnung in der Praxis nicht durch. Die Huáxìng-Noten waren allgemein sehr unbeliebt und das Verbreitungsgebiet klein. Man versuchte auch – ohne großen Erfolg – Anleihen auszugeben. Insgesamt lag das Emissionsvolumen lediglich bei 5 – 6 Millionen Yuan. Am 19. Juli1939 wurde der Huáxìng-Yuan an das Britische Pfund gebunden: 6 Britische Pence entsprachen 1 Yuan der Huáxìng Commercial Bank. Als die Japaner im Januar 1930 die Central Reserve Bank gründeten, die selbst Noten emittierte, wurde das Recht der Notenausgabe für die Huáxìng Commercial Bank widerrufen und die Huáxìng-Noten in Scheine der Central Reserve Bank umgetauscht. Danach war die Huáxìng Commercial Bank eine reine Geschäftsbank. Nachdem die Japaner besiegt waren, übernahmen die Kommunisten die Bank. Am 19. Oktober 1945 wurde der Bankpräsident und spätere Vorstandsvorsitzende der Bank, Liáng Hóngzhì, in Suzhou (Jiangsu) (蘇州) verhaftet, nach Shanghai überführt und als „Verräter des chinesischen Volkes“ angeklagt. Am 21. Juni 1946 wurde er zum Tode verurteilt und am 9. November hingerichtet. Er wurde nur 65 Jahre alt. Im chinesischen Wikipedia fand ich ein Foto, auf dem Liáng von der Polizei abgeführt wird. Die weinende Dame rechts war seine Frau. Abb. 1: Gefangennahme von Liáng Hóngzhì. Nun zu den Banknoten: Alle Noten wurden in Japan gedruckt, doch findet sich auf keiner der Noten eine Druckerei-Angabe. Dennoch sind die Druckereien jeweils bekannt. Erste Serie. Vorderseite graviert, Rückseite lithographiert 1 Jiao MG 27 = 1938 Vorderseite links mit Dschunken. Gedruckt von der Druckerei des (japanischen) Finanzministeriums. Abb. 2: 1 Jiao (1938). 2 Jiao MG 27 = 1938 Im Zentrum eine noch unbekannte Pagode. Gedruckt von der Toppan Printing Company, Tokio. Abb. 3: 2 Jiao (1938). 1 Yuan MG 27 = 1938 Links eine Straße, die an Nadelbäumen vorbeiführend in einen weit entfernten Eingang (zu einem Tunnel?) mündet. Gedruckt durch die Druckerei des (japanischen) Finanzministeriums. Abb. 4: 1 Yuan (1938). 5 Yuan MG 27 = 1938 Im Zentrum eine Brücke mit einem Gebäude an jeder Seite, im Hintergrund eine Pagode. Dies soll (nach Joe Boling) eine Szene bei Hangzhou am Westsee sein. Gedruckt durch die Toppan Printing Company, Tokio. Abb. 5: 5 Yuan (1938). 10 Yuan MG 27 = 1938 Im Zentrum ein zweistöckiges Gebäude, es steht (nach Joe Boling) im „Westpark, Suchow“ (heute Suzhou / 蘇州). Gedruckt durch die Toppan Printing Company, Tokio. Abb. 6: 10 Yuan (1938). Eine zweite Serie wurde vorbereitet, kam jedoch nicht mehr zur Ausgabe. Diese Noten sind undatiert. 1 Yuan (nur als unfertiger Probedruck bekannt) 5 Yuan (nur als "Specimen" bekannt) Auf der Vorderseite sieht man links eine Pagode, es ist die Liùhé Pagode in Hangzhou. Rechts sieht man Yuèfēi (岳飛), einen Heerführer in der Song-Dynastie. Abb. 7: 5 Yuan (ohne Datum). 10 Yuan (bekannt als "Specimen" und als fertige Note. Diese letzteren kennt man nur in einem Zustand, der darauf schließen lässt, dass die Scheine länger in Wasser gelegen haben. Sie sollten aus einem untergegangenen Schiff gerettet worden sein, wobei unklar ist, um welches Schiff es sich handelt.) Links sieht man die sogenannte Dàchéng-Halle eines konfuzianischen Tempels in Yantai (煙台, in der westlichen Literatur meist Chefoo genannt), Provinz Shandong (nach Joe Boling). Rechts sieht man Konfuzius mit einer obszönen Geste („showing the finger“). Diese Geste ist bei Chinesen noch deutlich schlimmer, als wenn wir „den Mittelfinger“ zeigen. Exakt diese Darstellung findet man auch mehrfach auf bestimmten Noten der Federal Reserve Bank. Abb. 8: 10 Yuan (ohne Datum). Zeitgleich mit der 2. Serie wurde auch eine Serie von Münzen vorbereitet, die jedoch ebenfalls nicht mehr zur Ausgabe kamen. Sie sind mit MG 29 = 1940 datiert. Die Wertstufen sind 1, 5, 10 und 20 Fen. Abb. 9: 10 Fen (1940). Erwin Beyer Abbildungen 1–7: Yangmingauction, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun. Abbildung 8: www.chinazhibi.com, Erlaubnis durch Wang Jie. Abbildung 9: www.taobao.com (entspricht unserem ebay).
- Die Nürnberger Goldanleihe von 1923
In der Hyperinflation des Jahres 1923 brach die deutsche Markwährung endgültig zusammen. Viele Kommunen mussten nach kreativen Lösungen zur Schaffung von wertbeständigem Anleihekapital zur Finanzierung ihrer Infrastruktur-Maßnahmen suchen. Eine von vielen seinerzeitigen Finanzinnovationen waren auf US-Dollar abgesicherte Goldanleihen, die ab Oktober 1923 langsam in Umlauf kamen. Mit der Währungsreform und der Ausgabe der Rentenmark gelang es, ab November 1923 die Inflation im Deutschen Reich zu stoppen. Die Ersparnisse weiter Bevölkerungskreise waren zu diesem Zeitpunkt bereits vernichtet, riesige Vermögenswerte waren dahingeschmolzen. Am 20. November 1923 entsprach eine Rentenmark bzw. eine Goldmark offiziell einer Billion Mark deutscher Reichswährung (= Papiermark). Die bayerische Stadt Nürnberg war eine der ersten Kommunen, die bereits im Dezember 1923 aufgrund der geänderten Währungssituation eine wertbeständige Goldmarkanleihe mit Valuta-Klausel begab. Stadtgemeinde Nürnberg, Teilschuldverschreibung über 500 Goldmark, Buchstabe A, ausgegeben in Nürnberg am 20. November 1923. Mit Beschluss des Stadtrats der Stadtgemeinde Nürnberg vom 14. November 1923 erfolgte nach bzw. zu Ende der Hyperinflation eine Kreditaufnahme über 500.000 Goldmark durch die Ausgabe von Inhaber-Schuldverschreibungen. Sie diente u.a. zur Finanzierung der Erweiterung des Gaswerks und zur Erhöhung der städtischen Beteiligung am Großkraftwerk Franken AG. Die Anleihe war mit 5 Prozent zu verzinsen, der jährliche Tilgungssatz lag bei 3 Prozent, wodurch der Kredit in 21 Jahren bis 1944 abzuzahlen war. Die Staatsaufsicht genehmigte die Kreditaufnahme am 26. November 1923. Kurz darauf erfolgte eine Erweiterung dieser Kreditaufnahme um 5 Millionen Goldmark zu denselben Konditionen mit Stadtratsbeschluss vom 28. November 1923 und staatsaufsichtlicher Genehmigung vom 3. Dezember 1923. Stadtgemeinde Nürnberg, Teilschuldverschreibung über 100 Goldmark, Buchstabe C, ausgegeben in Nürnberg am 10. Dezember 1923. Vom Gesamtvolumen von 5,5 Millionen Goldmark waren bis 31. März 1924 Inhaber-Schuldverschreibungen im Umfang von 1.542.250 Goldmark ausgegeben, der überwiegende Rest von 3,9 Millionen Goldmark wurde dann erst im Haushaltsjahr 1926/27 aufgenommen. Nürnberg 5% Goldanleihe von 1923 Anleihebetrag: 5,5 Millionen Goldmark mit Valutaklausel (4,20 Goldmark = 1 US-Dollar) Stückelung 20.11.1923: Die Goldanleihe über 500.000 Goldmark mit Ausstellungsdatum vom 20.November 1923 ist in folgende 4.700 Stücke eingeteilt: Buchstabe A: 200 Stück zu je 500 Goldmark Buchstabe B: 500 Stück zu je 200 Goldmark Buchstabe C: 2000 Stück zu je 100 Goldmark Buchstabe D: 2000 Stück zu je 50 Goldmark Stückelung 10.12.1923: Die Goldanleihe über 5.000.000 Goldmark mit Ausstellungsdatum vom 10. Dezember 1923 ist in folgende 47.000 Stücke eingeteilt: Buchstabe A 2.000 Stück zu je 500 Goldmark Buchstabe B 5.000 Stück zu je 200 Goldmark Buchstabe C 20.000 Stück zu je 100 Goldmark Buchstabe D 20.000 Stück zu je 50 Goldmark Zins: 5 % Zinstermin: 1. Dezember jeden Jahres Zins- und Tilgungszahlung: Die zur Auszahlung gelangenden Beträge für Verzinsung und Tilgung werden jeweils nach dem Geldwert des US-Dollars am 1. November jeden Jahres (Durchschnitt aus den amtlichen Notierungen für Geld- und Briefkurs an der Berliner Börse für Kabel New-York) berechnet, wobei 4,20 Goldmark mit 1 US-Dollar bewertet werden. Tilgung: Die Tilgung der Anleihe erfolgt nach Maßgabe des staatsaufsichtlich genehmigten Tilgungsplanes zum Nennwert durch Verlosung, freihändigen Rückkauf oder durch Kündigung mit jährlich 3 Prozent des ursprünglichen Anleihe-Betrages zuzüglich der jeweils durch die Tilgung ersparten Zinsen. Die Schuldverschreibungen sind seitens der Gläubiger unkündbar. Der Stadtrat ist berechtigt, die Schuldverschreibungen rascher als planmäßig vorgesehen im Ganzen oder in Teilbetragen zu verlosen oder zu kündigen. Zahlstellen: Stadthauptkasse Nürnberg und bei der Städtischen Sparkasse Nürnberg. Börsenzulassung: Berlin, später München Stadtgemeinde Nürnberg, Teilschuldverschreibung über 500 Goldmark, Buchstabe A, ausgegeben in Nürnberg am 10. Dezember 1923. Im Jahr 1937 hatte die Anleihe einen Umlauf von 2.290.450 Goldmark. Die Goldanleihe wurde vom Stadtrat in diesem Jahr zur Rückzahlung gekündigt per 31.12.1937. Die endgültig zurückgezahlten Teilschuldverschreibungen wurden durch dreifache Lochung und Stempelung „Eingelöst“ entwertet. Heute liegt ein Teil dieser Schuldverschreibungen im Tresor des Nürnberger Stadtkämmerers und ist käuflich erwerbbar. Hans-Georg Glasemann, Abb.: Dank an Uwe von Poblocki
- Die Geldscheine der zwei Hundertjährigen
Nennen wir die beiden 100-jährigen Europäer einfach mal Urs Spügli und Viltautas Šaltkalvis. Nehmen wir an, der Schweizer wurde 1907 in Luzern und der Litauer im selben Jahr im heutigen Klaipėda geboren ... Welche Geldscheine haben sie während ihres langen Lebens in den Händen gehalten? Das ist Geschichte pur! Was unterscheidet die Männer mit den fiktiven Namen Spügli und Šaltkalvis? Luzern 1907: wenige Scheine kannte der Schweizer innerhalb von 100 Jahren; lediglich sieben Serien wurden seit 1907 bis heute von der Schweizerischen Nationalbank ausgegeben. Und es waren immer die Schweizer Franken, die sein Leben begleiteten. Bei den Münzen zu 10 und 20 Rappen sowie ½, 1 und 2 Franken blieb selbst die Gestaltung seit fast 150 Jahren immer unverändert. Ein stabiles Land eben und eine stabile Währung auch. Abb. 1: 2 Franken 1907, seit 1874 bis 1967 in Silber geprägt. Abb. 2: 2 Franken 2007, seit 1968 bis heute in Kupfernickel geprägt. Abb. 3: 50 Franken vom 1. Februar 1907, sog. Interimsnote, gedruckt bei Bradbury Wilkinson Ltd., London, nummeriert bei Stämpfli & Co., Bern, ausgegeben ab 20. Juni 1907. Ganz anders etwa 2000 Kilometer weiter, in der nördlichsten deutschen Stadt 1907: in Memel (heute Klaipėda). Dort galt bis 1920 die deutsche Währung in allen Stückelungen des Kaiserreichs und die Kriegsausgabe zu 20 Mark sowie die Darlehnskassenscheine zu 1, 2, 5, 20 und 50 Mark von 1914 bis 1920. Außerdem waren die Reichskassenscheine von 1904 und 1906 noch im Umlauf. Abb. 4: 50 Mark vom 8. Juni 1907, Reichsbanknote, gedruckt in der Reichsdruckerei, Berlin. Aber schon während des Ersten Weltkriegs und danach wurden Notgeldeldscheine im Gebiet um Memel als Zahlungsmittel verwendet – z. B. die ½-Mark-Scheine für den Stadt- und Landkreis Memel oder die Notgeldscheine der Gemeinde Heydekrug (Šilutė) und der Gemeinde Ruß (Rusnė). Abb. 5: ½ Mark o. D., Notgeldschein, gedruckt wahrscheinlich bei der Rytas AG, Memel. Unwahrscheinlich ist, dass durch die kurzzeitige Besetzung der Stadt 1915 durch die zaristische Armee russisches Geld von deren Truppen ausgegeben wurde. In den Kriegswirren besetzten dann deutsche Truppen die damals russischen Gebiete des Baltikums. Ab November 1915 wurden diese besetzten Gebiete als „Ober Ost“ bezeichnet und vom Stab des Oberbefehlshabers Ost verwaltet. Mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 im französischen Compiègne endete der Erste Weltkrieg. Am 28. Juni 1919 unterzeichneten der deutsche Außenminister H. Müller und sein Kabinettskollege J. Bell unter Protest den Vertrag von Versailles. Dieser trat am 10. Januar 1920 in Kraft; im Artikel 28 wurde im Gebiet um Memel die neue Grenze festgeschrieben. Ohne Volksabstimmung wurde ein Teil Ostpreußens abgetrennt und der Kontrolle des Völkerbunds unterstellt. Von da an bis zum 19. Januar 1923 wurde das sog. „Memelland“ von französischen Truppen besetzt und erhielt mit D.-J. Odry den ersten Oberkommissar. Unter seinem Nachfolger J. G. Petisné wurden 1922 Notgeldscheine der "Handelskammer des Memelgebiets" von ihm genehmigt und in neun Wertstufen von 50 Pfennig bis 100 Mark ausgegeben. Abb. 6: 50 Mark 22. Februar 1922, Notgeldschein, gedruckt bei der Verlags-AG Gebr. Parcus, München. Das „Memelland“ wurde am 10. Januar 1923 durch litauische Freischärler als Ersatz für das von Polen annektierte litauische Gebiet um Wilna besetzt. Am 16. Februar 1923 wurde das Gebiet formell an Litauen übergeben und nach der sog. Memelkonvention am 8. Mai 1924 durch Litauen annektiert. Zu dieser Zeit waren die Oberost-Mark und die frühen Centų-Noten schon nicht mehr gültiges Zahlungsmittel in Litauen, das aber auch in der Stadt Memel in Zahlung genommen wurde. Das Memelgebiet war etwa so groß, wie das heutige Saarland. Hier lebten 1925 rund 140.000 Einwohner, von denen 72,5% Deutsche und 27,5% Litauer waren. Die schon im Februar 1918 ausgerufene Republik Litauen führte am 1. Juni 1922 mit dem litauischen Litas eine eigene Währung ein. Abb. 7: 50 Litų vom 16. November 1922, Banknote, Musterschein, gedruckt in der Druckerei Andreas Haase, Prag, ab Februar 1923 ausgegeben. Nach fünf Jahren sah sich die Bank von Litauen aus unterschiedlichen Gründen gezwungen, eine neue Banknotenserie in Auftrag zu geben. Für die Gestaltung der neuen Noten waren die einheimischen Künstler A. Galdikas, V. Jomantas und A. Žmuidzinavičius verantwortlich. Ein knappes halbes Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich in Memel wiederum die Währung: nach dem Druck Deutschlands und einem Ultimatum musste Litauen am 23. März 1939 das Memelland an das Deutsche Reich zurückgeben – die Reichsmark löste den Litas ab. Abb. 8: 50 Reichsmark 30. März 1930, Reichsbanknote, gedruckt in der Reichsdruckerei, Berlin. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs blieb die Währungssituation im Memelland vorerst unverändert. Anders im benachbarten Litauen: da besetzten am 15. Juni 1940 sowjetische Truppen das Land und am 21. Juli 1940 wurde die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen. Wenige Tage später wurde versucht, den sowjetischen Rubel einzuführen, aber erst am 25. März 1941 wurde die litauische Währung durch die Staatskassenscheine zu 1, 3 und 5 Rubel sowie die Staatsbanknoten zu 1, 3, 5 und 10 Tscherwonzen ersetzt. Im Herbst 1941 besetzten deutsche Truppen das Baltenland; ab dem 25. Juli 1941 gehörte Litauen zum Reichskommissariat Ostland. Somit galten auch dort die Reichskreditkassenscheine. Nach der Rückeroberung Litauens durch die Rote Armee – Wilna am 13.7.1944, Kaunas am 1.8.1944 und Memel am 28.1.1945, wurde der sowjetische Rubel alleiniges Zahlungsmittel. Unklar ist bis heute, ob von den Zahlmeistern der sowjetischen Truppen auch im Gebiet um Memel die sog. alliierte Militärmark wie in der etwa 140 Kilometer entfernten ostpreußischen Hauptstadt Königsberg ausgezahlt wurde. Damals erhielten die Bewohner von Königsberg ihre Gehälter in Reichsmark und alliierter Militärmark. Abb. 9: 5 Tscherwonzew 1937 (= 50 Rubel), Staatsbanknote, gedruckt bei Goznak, Moskau. Im Dezember 1947 erfolgte eine Währungsreform und die neuen Geldscheine galten bis zum 1. April 1961. Ab dem 2. Januar 1961 wurde eine neue Banknotenserie in Umlauf gegeben, die erst 1993 aus dem Verkehr genommen wurden. Abb. 10: 50 Rublej 1947, Staatsbanknote, gedruckt bei Goznak, Moskau. Abb. 11: 50 Rublej 1961, Staatsbanknote, gedruckt bei Goznak, Moskau. Zu Zeiten des politischen Umbruchs in einigen Ländern Osteuropas erreichte die schon seit dem 3. Juni 1988 aktive litauische Unabhängigkeitsbewegung „Sąjūdis“ bei den Wahlen im Februar 1990 zum Obersten Sowjet der Litauischen SSR die absolute Mehrheit unter V. Landsbergis. Am 11. März erklärte der neu gewählte Oberste Sowjet Litauens als erste Unionsrepublik sein Land für unabhängig und setzte die Vorkriegsverfassung wieder in Kraft. Nach Putsch und Wirtschaftsblockade moskautreuer Kräfte fand am 9. Februar 1991 eine Volksbefragung statt. Über 90 Prozent stimmten für ein unabhängiges Litauen. Bis August 1991 hatten Regierungen in über 90 Ländern das wiedererstandene Land anerkannt. Schon am 5. August 1991 wurde als Übergangswährung der „Talonas“ eingeführt. Das auch als „Tiergeld“ oder auch als „Vagnorkes“ (nach dem damaligen litauischen Ministerpräsidenten) benannte Übergangsgeld sollte eine Inflation vermeiden; Löhne und Gehälter wurden zu 20 Prozent in Talonas ausbezahlt und Waren waren nur zu 50 Prozent in Talonas erhältlich. Die Talonas waren mit dem Verlassen der sog. Rubelzone am 1. Oktober 1992 die allein gültige Währung in Litauen und bis zum 24. Juli 1993 gültig. Abb. 12: 50 Talonų 1991, Gutschein, gedruckt bei Spindulio Spaustuvė UAB (Radius-Druckerei), Kaunas. Mit der Einführung des Litas erhielt Litauen am 25. Juni 1993 eine neue Währung. Der Wechselkurs war von 1993 fest an den US-Dollar und ab 2002 an den Euro gebunden. In den 1990er Jahren rechnete man 100 Litas = 56,64 D-Mark. Abb. 13: 50 Litų 1991, Banknote, gedruckt bei U.S. Banknote Corp., Los Angeles. Litauen wurde dann am 1. Mai 2004 Mitgliedsland in der Europäischen Union. Entsprechend den Regelungen der Euro-Zone sind alle Mitgliedsländer verpflichtet, den Euro einzuführen, sobald sie die vereinbarten Konvergenzkriterien erreichen (mit Ausnahme von Dänemark). Dem sog. "Schengenraum" trat Litauen am 21. Dezember 2007 bei, theoretisch hätte dann unser hundertjähriger Viltautas Šaltkalvis von Klaipėda/Memel grenzenlos nach Luzern fahren und Urs Spügli treffen können. Im Jahr 2007 zählte man in der Schweiz etwa 700 Hundertjährige – in Litauen über 300 Personen. Hätte der Litauer weitere acht Jahre gelebt, könnte er auch die Euro-Banknoten in den Händen gehalten haben. Im Sommer 2014 stimmten die EU-Finanzminister einstimmig für die Aufnahme Litauens in das EU-Währungsgebiet – Währungskommissar Olli Rehn gab am 4. Juni 2014 grünes Licht für das 19. Euro-Land. So titelte die „Tagesschau“ vom 21. August 2014 in seiner 17-Uhr-Sendung: „Euro-Einführung in Litauen Die Erst-Scheine schickt die Bundesbank Die ersten Euro-Banknoten für Litauen liefert die Bundesbank. Wie die litauische Zentralbank mitteilte, unterzeichneten beide Zentralbanken ein entsprechendes Abkommen. Ab dem 1. Januar 2015 kommt der Euro in Litauen in Umlauf. Die Bundesbank werde in Abstimmung mit der Europäischen Zentralbank 132 Millionen Geldscheine mit einem Gewicht von 114 Tonnen nach Vilnius liefern, teilte Litauens Notenbank mit. »Wir leihen uns jetzt die Menge an Scheinen, die nötig ist, um den Euro einzuführen«, erklärte Zentralbankchef Vitas Vasiliauskas. 2016 werde die Bank die Geldscheine zurückgeben, dann bekomme Litauen eigens für das Land gedruckte Banknoten. Litauen ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und wird das 19. Land sein, das den Euro bekommt. Die baltischen Nachbarn Estland und Lettland bezahlen bereits seit 2011 beziehungsweise 2014 mit dem Euro“ Die Mehrheit der Litauer schienen mehrheitlich gegen die neue Währung zu sein und zeigten auf Lettland als negatives Beispiel. 2002 wurden Stadt und Hafen Klaipėda eine freie Wirtschaftszone. Nach der Finanzkrise von 2007/08 haben sich die Volkswirtschaften in den baltischen Staaten erholt; das BIP pro Kopf wurde seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Alle drei Länder zeigen einen robusten Wachstumskurs. Abb. 14: 50 Euro 2002, Banknote, gedruckt bei Giesecke & Devrient, München. Resümee Geldscheine spiegeln auf ihre Art die historische Vergangenheit in interessanten Details wider. Auf der einen Seite erkennt man die parlamentarische Demokratie der stets neutralen Eidgenossenschaft – auf der anderen Seite gab es seit 1914 bis 1990 Millionen Tode, Vertriebene und Verbannte durch Militarismus, Faschismus, Kommunismus und Diktatur einschließlich gewaltiger Grenzverschiebungen in Mittel- und Osteuropa. Luzern: in der Stadt und in der gesamten Schweiz war vor 1907 und ist bis heute der Schweizer Franken alleiniges Zahlungsmittel. Herr Spügli hatte in seinem Leben außer den wenigen Kantonal-Banknoten der SNB nur 45 unterschiedliche Franken-Scheine in seiner Geldbörse. Anders bei Herrn Šaltkalvis: Memel/Клайпеда/Klaipėda: die heute litauische Stadt an der Mündung des Danės upė (Dange) in die Ostsee erlebte sieben verschiedene Währungen mit -zig in der Gestaltung sehr unterschiedenen Geldscheinen: 30.4.1874/14.3.1875 bis 16.4.1924: Mark 17.4.1924 bis 23.3.1939: Umlauf des Litas, Umtausch 1924: 1 Litas ≈ 45 Mrd. M, ab 5.11.1924 = 0,40 RM 23.3.1939 bis 28.5.1945: Umlauf der Reichsmark, Umtausch 1939: 1 RM = 2,50 Lt., Umtausch bis 20.5.1939 28.1.1945 bis 4.8.1991: Umlauf des Rubel, Umtausch 1945: 1,00 Rubel ≈ 0,50 Reichsmark, Umtausch nur am 15.12.1947: 10 alte Rubel = 1 neuer Rubel, Umtausch vom 1.1.1961 bis 1.4.1961: wiederum 10 alte Rubel = 1 neuer Rubel 5.8.1991 bis 20.7.1993: Umlauf der Talonas, Umtausch 1991: 1,00 Talonas = 1,00 Rubel 1.10.1992 bis 24.7.1993 allein gültige Währung 25.7.1993 bis 31.12.12014: Umlauf des Litas, Umtausch 1993: 1,00 Litas = 100 Talonas 1.1.2015 bis heute: Umlauf des Euro, Umtausch 2015: 1,00 Euro = 3,45 Litas (1 LTL = 0,28962 €) Michael H. Schöne Abb. Michael H. Schöne, J. Dobokay, Bildarchiv Battenberg Gietl Verlag
- Die Ein- und Zwei-Pfennig-Scheine der deutschen Reichsbankstellen (1920)
Aufgrund der britischen Seeblockade war Deutschland im Ersten Weltkrieg weitgehend von Warenlieferungen aus dem Ausland ausgeschlossen, sodass auch Kupfer knapp wurde. Die Reichsbank begann daher Ein- und Zwei-Pfennig-Münzen einzuziehen und der Rüstungsproduktion als Rohstoff zuzuführen. Als Ersatz prägten die staatlichen Münzanstalten 1917 nur ca. 50 Millionen Ein-Pfennig-Münzen aus Aluminium. Die noch im Umlauf verbliebenen Kupfermünzen verschwanden 1920 vollständig aus dem Zahlungsverkehr, als ihr Metallwert infolge des allmählichen Wertverfalls der Mark deutlich über ihren Nennwert stieg. Abb. 1: 1 Pfennig von 1887, Vs. und Rs., geprägt 1873 – 1889. Abb. 2: 2 Pfennig von 1876, Vs. und Rs., geprägt 1873 – 1877. Abb. 3: 1 Pfennig von 1914, Vs. und Rs., geprägt 1890 – 1916. Abb. 4: 2 Pfennig von 1905, Vs. und Rs., geprägt 1904 – 1916. Abb. 5: 1 Pfennig von 1917, Vs. und Rs., Ersatzmünze. Zunächst schritten Gemeinden und Unternehmen – und hier besonders der Kleinhandel – zur Selbsthilfe und emittierten diese Nominale als Notgeld. Der relativ hohe Herstellungspreis auf der einen Seite, sowie der geringe Nominalwert auf der anderen Seite, führten dazu, dass für die meisten Pfennig-Gutscheine winzige Formate – Briefmarkengröße und noch kleiner – gewählt wurden. In der Tat sind auch viele Stücke wie Briefmarken gezähnt. Mancher Zeitgenosse fragte sich damals, wozu diese kleinsten Geldzeichen überhaupt noch nötig seien, da für Pfennigbeträge doch nichts mehr erhältlich war. Mit Erlaubnis des Reichsbankdirektoriums stellten einige Reichsbankstellen (Halle a. S., Lippstadt und Wilhelmshaven) sowie Reichsbanknebenstellen (Arnsberg, Bautzen, Iserlohn, Lippstadt, Neheim, Oschersleben und Paderborn) Ein- und Zwei-Pfennig-Notscheine her. Die Anordnung des Reichsbankdirektoriums in Berlin dürfte bezüglich des Aussehens der Ersatzwertzeichen kaum Vorgaben enthalten haben. Außer den Scheinen der Reichsbankstelle Lippstadt wurden alle mittels Stempel oder handschriftlich bzw. maschinenschriftlich in unterschiedlichen Größen auf Papier oder Pappe hergestellt. Allen ist gemein, dass sie den Abschlag eines Prägestempels tragen oder mit dem Dienstsiegel versehen wurden, die sowohl den republikanischen Adler, als auch noch den Adler des Kaiserreiches zeigen. Ferner wurden alle von Hand unterzeichnet. Nur die Ausgabe der Reichsbankstelle Halle trägt eine Faksimile-Unterschrift. Es ist die des Bank-Assessors Freiesleben. „Er war zu jener Zeit eigentlich als zweiter Vorstandsbeamter tätig, leitete aber während der wahrscheinlichen Entstehungszeit der Scheine im letzten Quartal 1919 die Reichsbankstelle zeitweilig. Bankdirektor Querndt war gesundheitlich bedingt schon in den Ruhestand getreten und der Nachfolger Bankassessor Froelich aus Hamburg hatte seinen Dienst noch nicht begonnen, sondern wurde zunächst im Reichsbankdirektorium in Berlin beschäftigt.“ [1] Zum Hallenser Schein ist in einer alten Sammlung vermerkt, dass er nur drei Tage im Umlauf gewesen sei. Abb. RBK 1: Arnsberg, Reichsbanknebenstelle, 1 Pfennig o.D., Vorderseite, Rückseite leer. Abb. RBK 2: Bautzen, Reichsbanknebenstelle, 1 Pfennig o.D., Vs. und Rs. Abb. RBK 3: Halle a. S., Reichsbankstelle, 1 Pfennig 1920, Vs. und Rs. RBK 4.1/2/3: Iserlohn, Reichsbanknebenstelle, 1, 2 und 1 Pfennig o.D., Vorderseiten, Rs. leer. Abb. RBK 5: Lippstadt, Reichsbankstelle, 1 Pfennig o.D., Vorderseite, Rückseite leer. Abb. RBK 7.1: Oschersleben, Reichsbanknebenstelle, 1 Pfennig o.D., Vs. und Rs. Abb. RBK 7.2: Oschersleben, Reichsbanknebenstelle, 2 Pfennig o.D., Vs. und Rs. Abb. RBK 8.2: Paderborn, Reichsbanknebenstelle, 2 Pfennig o.D. , Vs. und Rs. Abb. RBK 9.2/4/5: Wilhelmshaven, Reichsbankstelle, 2, 1 und 2 Pfennig o.D., Vorderseiten, Rückseiten leer. Der Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1922 vom 30. Mai 1923 vermerkt zu den Ersatzwertzeichen: „Bei der geringen Kaufkraft, die den Pfennigbeträgen angesichts der eingetretenen starken Geldentwertung nur noch innewohnt, war das Rechnen mit solchen Beträgen an sich schon durch den Geldwert nicht gerechtfertigt und unwirtschaftlich geworden, so daß für die weitere Herstellung kleinster Scheidemünzen im Zahlungsverkehr denn auch kein Bedürfnis mehr vorlag. Demgemäß konnte auch das im Jahr 1920 bei den Bankanstalten und Kassenstellen der Reichsbank versuchsweise eingerichtete Verfahren, für 1- und 2-Pfennigbeträge bei Zahlungen papierne Ersatzzeichen selbst anzufertigen und auszugeben, wieder eingestellt werden: einen nennenswerten Umfang hatte diese Ausgabe ohnehin niemals erreicht.“ Ob alle Ausgaben in den Umlauf kamen, ist fraglich. Ein-Pfennig-Notscheine der Reichsbanknebenstellen Neheim und Paderborn gelten als Probestücke. Ob das Gesagte auch für den bisher unbekannten Zwei-Pfennig-Notschein von Paderborn und dem Ein-Pfennig-Notschein von Arnsberg gilt, darüber kann nur spekuliert werden? Eine Wertfeststellung für diese Geldscheine ist sehr schwierig, da nur die Scheine aus Wilhelmshaven, Iserlohn und Halle hin und wieder angeboten werden. Ein Blick auf die Bewertung im Keller-Katalog aus dem Jahr 1956 macht deutlich, dass einige dieser Notgeldscheine zu den ganz großen Raritäten zählen.[2] So bewertet er nicht nur die Probestücke, sondern auch die Scheine von Oschersleben mit je 50 DM. Zum Vergleich: Den Reichskassenschein zu 5 Mark vom 11. Juli 1874, der heute in Erhaltung IV Preise von 1500 € erzielt, setzte er nur mit 40 DM an! Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Biging, Kurt: Geldscheine in Halle an der Saale 1916 – 1992, Geldgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Heimatgeschichte, Katalog, Halle (Saale) 2003, S. 58. [2] Keller, Dr. Arnold: Das Papiergeld des Deutschen Reiches 1874 bis 1945, 5. Auflage, Berlin-Wittenau 1956, S. 94 f.
- Die Ehestandsdarlehen aus dem Elsass – Nach knapp 80 Jahren wiederentdeckt!
Lange Zeit schlummerte der Nachlass eines Beamten unberührt im Elsass. Nach knapp 80 Jahren tauchte dieser dann als unscheinbares Lot auf einer bekannten Auktionsplattform im Internet wieder auf. Neben den bis dahin unbekannten lokalen Ausgaben der Ehestandsdarlehen aus dem Elsass, befanden sich auch noch andere Dokumente sowie Mitteilungsblätter für die Süddeutschen Standesämter im Nachlass. Das Ehestandsdarlehen wurde 1933 durch das NS-Regime eingeführt und diente als familien- und arbeitsmarktpolitische Maßnahme zur finanziellen Förderung junger Familien. Die Darlehenssumme betrug zwischen 500 bis 1000 Reichsmark (bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 1.500 RM) und war an besondere Bedingungen geknüpft. So konnten nur „erbbiologisch wertvolle“ Familien ein solches Darlehen beantragen und auch dann nur, wenn die Frau berufstätig war und mit der Eheschließung ihre Arbeitstätigkeit aufgab. Das Darlehen war zinslos, musste aber mit 1% der Darlehenssumme monatlich getilgt werden. Für jedes lebend geborene Kind wurde ein Viertel des Gesamtbetrags erlassen, somit war nach vier Kindern die Schuld getilgt („abgekindert“). Der zugesprochene Betrag ergab sich aus den Unterhaltskosten des geplanten Wohnsitzes des Paares und wurde in Form von sog.„Bedarfsdeckungsscheinen“ ausgezahlt (bis Ende 1937 betrug die durchschnittliche Darlehenssumme 641 Reichsmark). Diese Scheine konnten dann ausschließlich zum Kauf von Möbeln und Hausrat aus deutscher Produktion verwendet werden. Bis ins Jahr 1944 wurden dadurch Darlehen im Wert von über 6,8 Milliarden Reichsmark ausbezahlt. Die Summe des Ehestandsdarlehens wurde von den örtlichen Finanzämtern in Form von Bedarfsdeckungsscheinen in den Nennwerten zu 10, 20, 50 und 100 Reichsmark ausgegeben. Diese Scheine wurden von der Reichsdruckerei in Form eines Abreißblockes zu jeweils 100 Stück auf Wasserzeichenpapier gedruckt. Die Reichsausgaben wurden anfänglich auf Papier mit dem Wasserzeichen Schuppen und später mit dem Wasserzeichen Kreuze gedruckt. Auf der linken Seite tragen die Scheine der Reichsausgabe ein Trockensiegel des Reichsministers für Finanzen. Auf der rechten Seite tragen die Scheine den Dienstsiegelabdruck des ausgebenden Finanzamts. Eingelöste Scheine tragen zusätzlich auf der Rückseite Name und Anschrift des Darlehensempfängers und die Bescheinigung der Verkaufsstelle über den Erwerb von Möbeln und Hausrat. Bei den nun wiederentdeckten Bedarfsdeckungsscheinen handelt es sich um die erste bekannte regionale Ausgabe dieser Scheine aus einem dem Reich angeschlossenen Gebiet. Auffällig ist der rote, diagonale Aufdruck „ELSASS“. Im Gegensatz zu den Reichsausgaben tragen die Scheine auf der linken Seite ein Trockensiegel vom „Chef der Zivilverwaltung im Elsass, Finanz- und Wirtschaftsabteilung“. Alle Elsass-Ausgaben tragen das Datum 21.4.1941 und sind auf Papier mit dem Wasserzeichen Kreuze gedruckt. Durch Erlass des Führers wurden am 2.8.1940 Teile des besetzten französischen Gebiets (das nach dem Ersten Weltkrieg an Frankreich gefallene frühere Reichsland Elsass-Lothrigen) wieder unter deutsche zivile Verwaltung gestellt. Der Chef der Zivilverwaltung bzw. der Leiter der Finanz- und Wirtschaftsabteilung Köhler erließ am 21.4.1941 die Verordnung zur Einführung der Ehestandsdarlehen im Elsass. In der anschließenden Durchführungsanordnung wird auf lokale Besonderheiten bei der Erteilung des Darlehens für das Elsass eingegangen. Zusätzlich zum Ehestandsdarlehen gab es eine weitere Besonderheit für das Elsass. Die deutsche Landbevölkerung konnte ab 1942 ein sog. Einrichtungsdarlehen beantragen, das maximal 800 Reichsmark betrug. Mit diesem zusätzlichen Geld sollte ein Anreiz für das Leben und Arbeiten auf dem Land geschaffen werden. Entsprach die Kaufsumme für Möbel und Hausrat nicht exakt dem aufgedruckten Wert der Bedarfsdeckungsscheine, durfte die Verkaufsstelle die Restsumme bis zu einer Reichsmark an die Darlehnsnehmer in Münzgeld auszahlen. Es lässt sich nicht ausschließen, dass weitere regionale Ausgaben dieser Ehestandsdarlehen oder Einrichtungsdarlehen auftauchen. Entsprechende Verordnungen gab es auch für das Sudetenland (1938), Lothringen (1940/41), die eingegliederten Ostgebiete (1940) sowie Böhmen und Mähren (1941). Man darf wohl auf zukünftige Funde gespannt sein. Claus Engelhardt Quellen: https://www.moneypedia.de/index.php/Die_Bedarfsdeckungsscheine_bei_Ehestandsdarlehen_von_1933 (Stand: 07.09.20) https://de.wikipedia.org/wiki/Ehestandsdarlehen (Stand: 07.09.20) Verordnungsblatt des Chefs der Zivilverwaltung im Elsass. Straßburg, 1940 – 1944 Deutsches Reichsgesetzblatt - Teil 1 – Inneres, Berlin 1940 – 1942 Mitteilungen für Süddeutsche Standesämter, Berlin 1941 Bildquellen: Verordnungsblatt des Chefs der Zivilverwaltung im Elsass. Straßburg, 1940 – 1944 Abbildung Ehestandsdarlehen der Elsass-Ausgabe, Sammlung Claus Engelhardt












