Die Ein- und Zwei-Pfennig-Scheine der deutschen Reichsbankstellen (1920)

Aufgrund der britischen Seeblockade war Deutschland im Ersten Weltkrieg weitgehend von Warenlieferungen aus dem Ausland ausgeschlossen, sodass auch Kupfer knapp wurde. Die Reichsbank begann daher Ein- und Zwei-Pfennig-Münzen einzuziehen und der Rüstungsproduktion als Rohstoff zuzuführen. Als Ersatz prägten die staatlichen Münzanstalten 1917 nur ca. 50 Millionen Ein-Pfennig-Münzen aus Aluminium.

Die noch im Umlauf verbliebenen Kupfermünzen verschwanden 1920 vollständig aus dem Zahlungsverkehr, als ihr Metallwert infolge des allmählichen Wertverfalls der Mark deutlich über ihren Nennwert stieg.


Abb. 1: 1 Pfennig von 1887, Vs. und Rs., geprägt 1873 – 1889.



Abb. 2: 2 Pfennig von 1876, Vs. und Rs., geprägt 1873 – 1877.


Abb. 3: 1 Pfennig von 1914, Vs. und Rs., geprägt 1890 – 1916.

Abb. 4: 2 Pfennig von 1905, Vs. und Rs., geprägt 1904 – 1916.


Abb. 5: 1 Pfennig von 1917, Vs. und Rs., Ersatzmünze.


Zunächst schritten Gemeinden und Unternehmen – und hier besonders der Kleinhandel – zur Selbsthilfe und emittierten diese Nominale als Notgeld. Der relativ hohe Herstellungspreis auf der einen Seite, sowie der geringe Nominalwert auf der anderen Seite, führten dazu, dass für die meisten Pfennig-Gutscheine winzige Formate – Briefmarkengröße und noch kleiner – gewählt wurden. In der Tat sind auch viele Stücke wie Briefmarken gezähnt. Mancher Zeitgenosse fragte sich damals, wozu diese kleinsten Geldzeichen überhaupt noch nötig seien, da für Pfennigbeträge doch nichts mehr erhältlich war.


Mit Erlaubnis des Reichsbankdirektoriums stellten einige Reichsbankstellen (Halle a. S., Lippstadt und Wilhelmshaven) sowie Reichsbanknebenstellen (Arnsberg, Bautzen, Iserlohn, Lippstadt, Neheim, Oschersleben und Paderborn) Ein- und Zwei-Pfennig-Notscheine her.


Die Anordnung des Reichsbankdirektoriums in Berlin dürfte bezüglich des Aussehens der Ersatzwertzeichen kaum Vorgaben enthalten haben. Außer den Scheinen der Reichsbankstelle Lippstadt wurden alle mittels Stempel oder handschriftlich bzw. maschinenschriftlich in unterschiedlichen Größen auf Papier oder Pappe hergestellt. Allen ist gemein, dass sie den Abschlag eines Prägestempels tragen oder mit dem Dienstsiegel versehen wurden, die sowohl den republikanischen Adler, als auch noch den Adler des Kaiserreiches zeigen. Ferner wurden alle von Hand unterzeichnet. Nur die Ausgabe der Reichsbankstelle Halle trägt eine Faksimile-Unterschrift. Es ist die des Bank-Assessors Freiesleben. „Er war zu jener Zeit eigentlich als zweiter Vorstandsbeamter tätig, leitete aber während der wahrscheinlichen Entstehungszeit der Scheine im letzten Quartal 1919 die Reichsbankstelle zeitweilig. Bankdirektor Querndt war gesundheitlich bedingt schon in den Ruhestand getreten und der Nachfolger Bankassessor Froelich aus Hamburg hatte seinen Dienst noch nicht begonnen, sondern wurde zunächst im Reichsbankdirektorium in Berlin beschäftigt.“ [1] Zum Hallenser Schein ist in einer alten Sammlung vermerkt, dass er nur drei Tage im Umlauf gewesen sei.



Abb. RBK 1: Arnsberg, Reichsbanknebenstelle, 1 Pfennig o.D., Vorderseite, Rückseite leer.












Abb. RBK 2: Bautzen, Reichsbanknebenstelle, 1 Pfennig o.D., Vs. und Rs.


Abb. RBK 3: Halle a. S., Reichsbankstelle, 1 Pfennig 1920, Vs. und Rs.


RBK 4.1/2/3: Iserlohn, Reichsbanknebenstelle, 1, 2 und 1 Pfennig o.D., Vorderseiten, Rs. leer.



Abb. RBK 5: Lippstadt, Reichsbankstelle, 1 Pfennig o.D., Vorderseite, Rückseite leer.








Abb. RBK 7.1: Oschersleben, Reichsbanknebenstelle, 1 Pfennig o.D., Vs. und Rs.


Abb. RBK 7.2: Oschersleben, Reichsbanknebenstelle, 2 Pfennig o.D., Vs. und Rs.



Abb. RBK 8.2: Paderborn, Reichsbanknebenstelle, 2 Pfennig o.D. , Vs. und Rs.


Abb. RBK 9.2/4/5: Wilhelmshaven, Reichsbankstelle, 2, 1 und 2 Pfennig o.D., Vorderseiten, Rückseiten leer.


Der Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1922 vom 30. Mai 1923 vermerkt zu den Ersatzwertzeichen: „Bei der geringen Kaufkraft, die den Pfennigbeträgen angesichts der eingetretenen starken Geldentwertung nur noch innewohnt, war das Rechnen mit solchen Beträgen an sich schon durch den Geldwert nicht gerechtfertigt und unwirtschaftlich geworden, so daß für die weitere Herstellung kleinster Scheidemünzen im Zahlungsverkehr denn auch kein Bedürfnis mehr vorlag. Demgemäß konnte auch das im Jahr 1920 bei den Bankanstalten und Kassenstellen der Reichsbank versuchsweise eingerichtete Verfahren, für 1- und 2-Pfennigbeträge bei Zahlungen papierne Ersatzzeichen selbst anzufertigen und auszugeben, wieder eingestellt werden: einen nennenswerten Umfang hatte diese Ausgabe ohnehin niemals erreicht.“


Ob alle Ausgaben in den Umlauf kamen, ist fraglich. Ein-Pfennig-Notscheine der Reichsbanknebenstellen Neheim und Paderborn gelten als Probestücke. Ob das Gesagte auch für den bisher unbekannten Zwei-Pfennig-Notschein von Paderborn und dem Ein-Pfennig-Notschein von Arnsberg gilt, darüber kann nur spekuliert werden?



Eine Wertfeststellung für diese Geldscheine ist sehr schwierig, da nur die Scheine aus Wilhelmshaven, Iserlohn und Halle hin und wieder angeboten werden. Ein Blick auf die Bewertung im Keller-Katalog aus dem Jahr 1956 macht deutlich, dass einige dieser Notgeldscheine zu den ganz großen Raritäten zählen.[2] So bewertet er nicht nur die Probestücke, sondern auch die Scheine von Oschersleben mit je 50 DM. Zum Vergleich: Den Reichskassenschein zu 5 Mark vom 11. Juli 1874, der heute in Erhaltung IV Preise von 1500 € erzielt, setzte er nur mit 40 DM an!


Uwe Bronnert


Anmerkungen:

[1] Biging, Kurt: Geldscheine in Halle an der Saale 1916 – 1992, Geldgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Heimatgeschichte, Katalog, Halle (Saale) 2003, S. 58.

[2] Keller, Dr. Arnold: Das Papiergeld des Deutschen Reiches 1874 bis 1945, 5. Auflage, Berlin-Wittenau 1956, S. 94 f.


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