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  • Sammelgebiete deutschen Papiergelds

    Auch wenn Scheine im Vergleich zu Münzen eine eher junge Form von Geldzeichen darstellen – die Noten der Deutschen Reichsbank wurden erst 1910 gesetzliche Zahlungsmittel, so kann doch schon allein die deutsche Papiergeld-Geschichte mit einer Vielzahl verschiedenster Arten von Geldschein-Ausgaben aufwarten, die sowohl vom historischen wie auch numismatischen Gesichtspunkt aus gesehen lohnende Forschungs- und Sammelobjekte darstellen und Zeitgeschichte dokumentieren. War frühes Geld aus Papier in aller Regel nur Ersatzgeld in Kriegszeiten, so war bereits die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert ohne Papiergeld unmöglich gewesen, da die riesigen Investitionen – denken wir nur an den Eisenbahnbau – mit Münzgeld nicht mehr finanziert werden konnten. So spannt sich der Bogen von Kriegsnotgeld über Noten privater und Länderbanken zu denen der Deutschen Reichsbank, der Bundesbank und der DDR. Hinzu kommen Ausgaben für Kolonien und in besetzten Gebieten sowie Notgeld und Sammlerscheine. Darüber hinaus gab es Militärgeld, Lagergeld und sogar Schiffsgeld. Mit diesem Beitrag soll der Versuch unternommen werden, einen kleinen Überblick über die Vielfalt deutschen Papiergelds zu vermitteln. Europas ältestes erhaltenes Geld aus Papier: Pappmünze der Stadt Leyden über 20 Stuiver aus dem Jahr 1574 (eingefasst). Papiergeld im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation Das früheste Geld aus Papier auf damaligem Reichsgebiet und zugleich das älteste erhaltene Papiergeld Europas sind Pappmünzen der niederländischen Städte Middelburg und Leyden aus den Jahren 1573/1574. Im Spanisch-Niederländischen Krieg (1568–1648) war Leyden 131 Tage lang von spanischen Truppen belagert. Während der Belagerung fehlte es in der Stadt nicht nur an Lebensmitteln, es war auch kein Silber zur Prägung von Münzen mehr vorhanden. Auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses vom 24. Dezember 1573 nutzte man deshalb Pappe aus den Deckeln von Kirchenbüchern und prägte daraus Notgeld mit den Stempeln der städtischen Silbermünzen in verschiedenen Werten. Bereits ein Jahr zuvor hatte sich die Stadt Middelburg in der Provinz Seeland zum Königreich Spanien bekannt und es kam daraufhin zur Blockade der spanischen Besatzung durch die Niederländer. Als das Geld in der Stadt knapp wurde, ließen die Spanier Pappmünzen mit Dukaten-Stempel und der Jahreszahl 1573 prägen. Belegstücke sind heute leider nicht mehr erhalten. Nach langer Belagerung wechselte die Stadt 1574 dann auf die Seite Wilhelms von Oranien. Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) gab es verschiedene Ersatzgelder aus Papier, so die Gutscheine eines der bekanntesten und eigenwilligsten Feldherrn im Kampf gegen die Katholische Liga, des Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel („Toller Christian“) um 1620 oder die Ausgaben der Belagerer und Belagerten der Stadt Magdeburg von 1631. Sammelbar sind solche Ausgaben freilich nicht, der Geschichte halber sollten sie aber nicht unerwähnt bleiben. Das Sammelgebiet, das sich dem frühesten deutschen Papiergeld widmet, wird meist mit „Papiergeld der altdeutschen Staaten“ umschrieben. Churfürstlich Sächsisches Cassen-Billet über 2 Reichs-Thaler vom 6. Mai 1772. Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, 10 Gulden vom 1. Juli 1865, Vorderseite. Papiergeld der altdeutschen Staaten Obwohl das von den Habsburgern regierte Heilige Römische Reich bis 1806 bestand und nach dem Sieg im Befreiungskampf gegen Napoleon I. Österreich mit all seinen damaligen Besitzungen, also u.a. auch mit Böhmen und Mähren und dem Krain, bis 1866 Teil des Deutschen Bundes war, wird das Sammelgebiet oft nur auf die Ausgaben auf dem Gebiet des 1871 unter preußischer Führung gegründeten Deutschen Reichs beschränkt, was historisch falsch ist. Auch Luxemburg gehörte bis 1806 zum Heiligen Römischen Reich und 1815–1866 zum Deutschen Bund. Die deutsche Kleinstaaterei führte zu einer Vielzahl verschiedenster Papiergeld-ausgaben. Als erstes tatsächliches Papiergeld kann man die Bancozettel der 1705 vom pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm in Köln gegründeten Banco di gyro d’affricatione ansehen, auch wenn sie im Zahlungsverkehr – wie andere ähnliche Ausgaben – kaum eine Rolle spielten. Größere Bedeutung hatten erst die ab 1772 ausgegebenen Sächsischen Cassen-Billets. Das erste provisorische Papiergeld Österreichs waren die höchstwahrscheinlich nicht ausgegebenen „Zahlungspapiere“ der Wiener Stadt-Banco von 1759. Die erste reguläre Ausgabe der Wiener Stadtbank datierte auf den 1. Juli 1762, also noch zehn Jahre vor den Sächsischen Cassen-Billets. In Preußen hatte die Königliche Giro- und Lehnbank erste Geldscheine mit Datum von 1766 in Umlauf gesetzt. Trotz solch früher Emissionen blieben Geldscheine noch lange unbeliebt. Dies lag vor allen Dingen an den fehlgeschlagenen Papiergeld-Experimenten in Schweden, Norwegen und vor allem Frankreich. Die Napoleonischen Kriege führten erneut zu Belagerungsausgaben, so von der Festung Mainz 1793, von der Festung Kolberg 1807 und während der Blockade der Stadt Erfurt mit dem Kaiserlich Französischen Militär-Gouvernement nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Auch die preußischen Tresorscheine (1806/1809) waren eine Folge des napoleonischen Kriegszugs. Erst ab 1848 gaben auch viele kleinere deutsche Staaten eigenes Papiergeld aus und vergaben zusätzlich noch Notenkonzessionen an private Notenbanken. Ein einheitliches Papiergeld existierte im Deutschen Bund nicht. Als während der Industrialisierung immer neue Notenbanken und sogar Eisenbahngesellschaften Geldscheine in Umlauf setzten, wurde die Ausgabenflut fast unüberschaubar, zumal neben im jeweiligen Teilstaat gültigen Scheinen auch gleichzeitig Ausgaben von Nachbarländern kursierten. 1870 wurde deshalb im Norddeutschen Bund ein Banknoten-Sperrgesetz erlassen. Doch erst mit Schaffung der Deutschen Reichsbank nach der Reichsgründung von 1871 und der Einführung der Mark wurde das Notenbankwesen zentralisiert. Die meisten Notenbanken verzichteten wegen der Beschränkungen zur Ausgabe von Banknoten auf ihr Notenrecht. Das Notenrecht der ab 1906 letzten vier verbliebenen deutschen Ländernotenbanken von Baden, Bayern, Sachsen und Württemberg wurde erst zum 1. Januar 1935 gekündigt. Die meisten altdeutschen Scheine sind heute sehr selten, und eine größere Sammlung aufzubauen, ist deshalb schwierig. Deutsche Reichsbank: 50 Reichsmark vom 11. Oktober 1924. Bank deutscher Länder: 10 DM 1948, Musterschein. Deutsche Notenbank DDR: 100 Mark 1964 mit Porträt von Karl Marx. Deutsche Banknoten ab 1871 Die deutschen Banknoten ab der Reichsgründung 1871 und deutsches Staatspapiergeld, die für Deutschland sowie deutsche Gebiete und Kolonien sowie die in deutschem Namen für besetzte Gebiete in beiden Weltkriegen ausgegebenen Geldscheine bilden das Hauptsammelgebiet deutscher Geldscheinsammler. Streng genommen könnte man die in diesem Gebiet auch katalogmäßig vereinten Arten von Geldscheinen auch als eigenständige Sammelgebiete separieren. Hier bleibt es jedem Sammler selbst überlassen, ob über die für das Deutsche Reich, die Bundesrepublik und die DDR emittierten Geldscheine hinaus auch noch sog. „Nebengebiete“ gesammelt werden. Es gibt natürlich auch Sammler, die sich ausschließlich auf Bundesrepublik oder DDR beschränken. Allein in der DDR gab es neben den Noten der Deutschen Notenbank und späteren Staatsbank der DDR, den Schecks der Forum-Außenhandelsgesellschaft für die sog. „Intershops“ und Militärgeld der Nationalen Volksarmee für den Kriegsfall z.B. auch noch Hotelgeld, Geld landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften, Messegeld und sogar Gefängnisgeld. Genauso wie sich Sammler etwa auf die Bundesrepublik beschränken, hier dann aber sogar nach ausgegebenen Serien sammeln und möglichst viele Musterscheine zusammentragen, gibt es Sammler, die etwa die Geldscheine der ehemaligen deutschen Kolonien zu ihrem ganz besonderen Sammelgebiet erkoren haben. Deutsche Banknoten sind beliebt und werden auch im Ausland gesammelt. Serienschein der thüringischen Stadt Eisenach über 50 Pfennig von 1921. Vorderseite mit Wartburg, Stadtwappen und Nikolaikirche mit Nikolaitor. Rückseite mit Luther als „Junker Jörg“ auf der Wartburg bei der Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Großnotgeldschein der Stadt Würzburg über 20 Mark vom 8. Oktober 1918. Notgeldschein der Deutschen Reichsbahn (Reichsverkehrsminister Berlin) über 20 Millionen Mark vom 18. September 1923. Wertbeständiges Notgeld der Finanzdeputation der Freien und Hansestadt Hamburg über 2,10 Goldmark = 1⁄2 Dollar vom 7. November 1923. Deutsche Notgeldscheine Erster Weltkrieg und Inflation sorgten im Deutschen Reich für eine wahre Notgeldflut. Zwar wurden auch Notmünzen ausgegeben, doch Notgeldscheine nahmen den weitaus größeren Anteil ein. Allein die verschiedenen deutschen Notgeldepochen bilden jede für sich eigene Sammelgebiete und sind deswegen auch in gesonderten Katalogen dokumentiert. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Einlösung der Reichsbanknoten in Gold eingestellt. Alle öffentlichen Kassen, auch die von Reichsbahn und Reichspost, hatten alle eingehenden Goldmünzen direkt an die Reichsbank abzuliefern. Die Menschen horteten nun Edelmetall-Münzen, die im Zahlungsverkehr fehlten. Besonders in den bedrohten Grenzgebieten, in denen die Bevölkerung auch Lebensmittel hortete, fehlte es an Münzgeld. Die erste Notgeldepoche umfasst das Notgeld von 1914/1915. Dr. Arnold Keller – Pionier der deutschen Notaphilie, der schon damals begann, alle Ausgaben zu katalogisieren, vermerkte für diese Zeit zirka 400 Ausgabestellen mit rund 2000 verschiedenen Arten. Viele dieser Scheine waren sehr einfach gestaltet, manche sogar handschriftlich verfasst. Zwischenzeitlich konnte die Reichsbank die Lage stabilisieren, doch Ende 1916 kam es erneut zur Verknappung der umlaufenden Münzen. Wieder mussten Städte und Gemeinden, später sogar Firmen und private Geschäftsleute, eigene Geldscheine ausgeben. Die sog. deutschen Kleingeldscheine umfassen alle Wertstufen unter einer Mark, also Pfennig-Beträge. Bezeichnung und Definition gehen auf Dr. Arnold Keller zurück. Nach einer Übersicht aus dem Jahr 1930 gaben etwa 4000 Ausgabestellen rund 30.000 verschiedene Grundtypen aus. In diese Aufstellung eingerechnet sind die sog. Serienscheine, die schon wieder als eigenes Sammelgebiet bezeichnet werden können. Nicht zuletzt durch verschiedene Publikationen zum „Kriegsnotgeld“ und die bereits einsetzende Inflation, die das Kleingeld entwertete, gab es nach dem Krieg zahlreiche Notgeldsammler und die Nachfrage nach den papiernen Zeugnissen der Zeitgeschichte stieg ständig an. Nun jedoch nicht, weil sie als Geldersatz dringend benötigt wurden, sondern um sie in Sammleralben zu horten. Bald erkannten Städte, Gemeinden und sogar Firmen und Vereine, dass man mit Notgeld auch Geld verdienen kann. Für Künstler ergab sich ein völlig neues Betätigungsfeld. Sie schufen nun ganze Serien von Kleingeldscheinen (mitunter auch Mark-Beträge), die durch ihre Gestaltung und den regionalgeschichtlichen Bezug bei Sammlern sehr beliebt und auch „Bildergeld“ genannt wurden. Die Faszination, die von den bunten Scheinen ausgeht, hält bis heute an. Deutsche Serienscheine zählen zu den beliebtesten Sammelgebieten deutschen Papiergelds überhaupt, auch wenn diese eigentlich nie echtes Geld waren, sondern nur für Sammlerzwecke produziert wurden. Während viele dieser Scheine den Eindruck echten Notgelds erwecken, bringen es die des Rhönklubzweigvereins im thüringischen Dermbach von 1922 auf den Punkt: „Wer diesen Schein für Notgeld hält, der ist von vornherein geprellt.“ Besonders beliebt sind Serienscheine bei Regionalsammlern, da sie mit ihren Motiven und Sprüchen wie kein anderes Sammelobjekt Heimatgeschichte erzählen. Als am Ende des Ersten Weltkriegs die Mark schon die Hälfte ihrer Kaufkraft eingebüßt hatte, herrschte auch immer mehr Mangel an sog. Großgeld. Dr. Keller prägte seinerzeit diesen Begriff, der alle Notausgaben in Nennwerten ab 1 bis 100 Mark umfasst. Dass den Deutschen eine Inflation von bislang unbekanntem Ausmaß erst noch bevorstehen sollte, ahnte damals noch niemand. Großnotgeld gilt als eigenes Sammelgebiet, auch wenn Regionalsammler natürlich alle Notgelder ihrer Stadt oder näheren Umgebung suchen. Beim Großnotgeld 1918/1919 wurden etwa 500 Ausgabestellen mit 2000 Grundtypen verzeichnet. Was folgte war das Notgeld der Inflation 1922, auch Vorinflation genannt. Hier gab es rund 400 Emittenten mit 1500 Ausgaben (ohne Varianten). Die Epoche umfasst alle Ausgaben über 100 Mark in der Zeit vom August 1922 bis zum Juni 1923. Die meisten und von den Nominalen her höchsten Notgeldausgaben stammen aus der Zeit der sog. Hochinflation 1923. Mit dem rasanten Verfall der deutschen Währung, der nicht zuletzt den immensen Kriegsreparationen geschuldet war, die dem Reich auferlegt worden waren und die ihre Initialzündung in der französisch- belgischen Rheinlandbesetzung fand, konnte die Reichsbank nicht mehr Schritt halten. 1923 waren neben der Reichsdruckerei über 130 private Druckereien und 30 Papierfabriken mit der Herstellung von Reichsbanknoten beschäftigt. Dennoch mussten Länder und Kommunen und schließlich auch Firmen enorme Mengen eigenen Notgelds herstellen lassen, um den Zahlungsverkehr bei stetig fallenden Kursen aufrecht zu erhalten. In dieser Zeit gaben rund 8000 Ausgabestellen etwa 65.000 verschiedene Typen von Notgeld aus. Zu diesem riesigen Sammelgebiet fehlt eine aktuelle Neubearbeitung. Hier muss sich der Sammler entweder auf die längst nicht für alle deutschen Länder vorliegenden Regionalkataloge stützen oder aber die Arbeit von Dr. Arnold Keller nutzen, die bis heute Zitierwerk blieb. Das Papiergeld der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke – also sowohl Länderbanknoten als auch Notausgaben – wird in einem gesonderten Katalog behandelt. Neben den Ländern gaben auch die staatlichen Institutionen Reichsbahn und Reichspost eigene Notgeldscheine aus. Auch hierzu gibt es einen eigenen Katalog. Am Ende der Inflation kam es zur Ausgabe von sog. wertbeständigem Notgeld, also Notgeld, das meist auf Gold oder US-Dollar lautete, aber auch auf andere stabile Werte wie Roggen, Kilowattstunden Strom, Kohle, Holz, Fett, Mehl oder sogar Ziegelsteine. Dieses äußerst interessante Sammelgebiet umfasst etwa 500 Ausgabestellen mit 2000 unterschiedlichen Grundtypen. Nicht vergessen werden soll das sog. Notgeld der besonderen Art. Dr. Keller fasste damit Notgeld zusammen, das entweder besonders ausgeführt oder auf besonderen Materialien gedruckt war. Meist wird damit aber Notgeld auf Stoff (Leinen, Seide, Samt), auf Leder, Holz und Aluminiumfolie bezeichnet, das damals bereits für Sammler hergestellt wurde. Lagergeld des KZ Oranienburg über 50 Pfennig ohne Datum (1933). Was es sonst noch gab Ganz besondere Zeitdokumente sind Geldscheine aus Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagern sowie jüdischen Ghettos aus der NS-Zeit. Aus dem Zweiten Weltkrieg gibt es außer dem Wehrmachtsgeld auch verschiedenste Besatzungsausgaben, so z.B. für das Protektorat Böhmen und Mähren oder für das Reichskommissariat Ukraine. Die Sammelgebiete deutschen Papiergelds werden abgerundet durch geldähn - liche Wertpapiere und Gutscheine, wie Konversionskassen- und Steuergutscheine des Dritten Reichs. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Gutscheine, wie jene des Winterhilfswerks, die für Geldscheinsammler von Interesse sind. Wer sich ausführlicher über die Sammelgebiete beim Papiergeld informieren möchte, dem sei das „Handbuch Geldscheinsammeln“ empfohlen, das auch eine Vielzahl praktischer Tipps bereit hält. Hans-Ludwig Grabowski

  • Japanische Besatzungsausgaben im Zweiten Weltkrieg: China

    Im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg (7.7.1937 – 9.9.1945) wurden zahlreiche japanische Geldscheine ausgegeben, die in den japanisch besetzten Zonen bzw. von Japan abhängigen Gebieten Chinas umliefen. Sammler kennen diese Ausgaben aus dem Katalog "World Paper Money", wo sie bei China unter dem Oberbegriff "Puppet Banks" (Marionetten-Banken) zusammengefasst sind. Einige dieser Banken/Ausgaben sollen hier kurz vorgestellt werden. Central Reserve Bank of China Die durch die japanische Besatzungsmacht kontrollierte Central Bank of China gab mehrere Serien von Banknoten aus. Das Porträt zeigt den auch auf chinesischen Banknoten abgebildeten Revolutionär und ersten provisorischen Präsidenten der Republik China, Sun Yat-sen (1866 – 1925). Ausgabe 1940: 1 und 5 Fen = 1 und 5 Cents; 1, 2 und 5 Chiao = 10, 20 und 50 Cents; 1, 5 und 10 Yuan Ausgabe 1942: 100 und 500 Yüan Ausgabe 1943: 1, 2 und 5 Chiao = 10, 20 und 50 Cents; 1, 10, 100 und 500 Yuan Ausgabe 1944: 100, 200, 1000 und 10.000 Yuan Ausgabe 1945: 5000 und 100.000 Yuan Federal Reserve Bank of China Die Federal Reserve Bank of China war ebenfalls eine der japanischen "Marionetten-Banken" im besetzten China. Im Gegensatz zu den Noten der Central Bank, erkennt man ihren Ausgaben jedoch deutlich die japanischen Einflüsse an. Ausgabe 1938: 1/2, 1, 5, 10, 20 und 50 Fen; 1, 2 und 5 Chiao = 10, 20 und 50 Cents; 1, 5, 10 und 100 Dollars; 100 Yuan Ausgabe 1938 (1939): 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1941): 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1943): 10, 100 und 500 Yuan Ausgabe ohne Datum (1944): 5, 10, 100 und 500 Yuan Ausgabe 1944: 5 Chiao = 50 Fen und 1 Yuan Ausgabe ohne Datum (1945): 1, 10, 50, 100, 500, 1000 und 5000 Yuan Mengchiang Bank Mengchiang (Innere Mongolei) war ein japanischer Marionetten-Staat, der international nicht anerkannt war. Der Mengchiang-Yuan war 1:1 ab deb japanischen Yen gekoppelt. Siehe auch den Beitrag: China: Mengchiang-Bank. Ausgaben alle ohne Datum zwischen 1938 und 1945. Ausgaben: 5 Fen; 1 und 5 Chiao; 1, 5, 10 und 100 Yuan Central Bank of Manchukuo Mandschukuo (die Mandschurei) war ein bereits vor dem Chinesisch-Japnischen Krieg gebildeter japanischer Marionetten-Staat, in dem der letzte chinesische Kaiser, Puyi, der mit Japan kollaborierte, erneut als Kaiser einen Thron bestieg und der nur von insgesamt 23 Staaten, darunter dem Deutschen Reich, anerkannt war. Der Mandschukuo-Yuan war seit 1935 an den japanischen Yen gebunden. Die Bank selbst wurde 1932 aus den Provinz-Banken der drei chinesischen Ostprovinzen (Frontier Bank, Heilungkiang Provincial Bank und Kirin Provincial Bank) gebildet. 1945 wurde die Mandschurei von der Roten Armee besetzt, die sowjetisches Besatzungsgeld ausgab. Provisorische Ausgabe 1932 (altes Datum 1929): 1, 5 und 10 Yuan Ausgabe ohne Datum (1932/1933): 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1935 – 1938): 5 Chiao = 50 Fen; 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1944): 5 Chiao = 50 Fen; 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgaben ohne Datum (1941 – 1945): 1 und 5 Chiao = 10 und 50 Fen; 100 und 1000 Yuan Neben den genannten "Marionetten-Banken" gab es auch noch Noten Hua-Hsing Commercial Bank, der Chi Tung Bank und der Chanan Bank (alle sehr selten). Japanese Imperial Government Neben den Ausgaben der "Marionetten-Banken" kursierte die Besatzungsausgaben des kaiserlichen japanischen Gouvernements in den besetzten Gebieten Chinas. Genutzt wurden japanische Geldscheine mit chinesischen Überdrucken und eigens angefertigte Scheine des Gouvernements. In China sind die Ausgaben der japanischen Besatzung aus verständlichen Gründen bei Sammlern nicht sonderlich beliebt. Auf alle Fälle handelt es sich um sehr interessante Dokumente zur Geld- und Zeitgeschichte, das mehr Beachtung finden sollte. Ausblick Die japanischen Besatzungsgelder des Zweiten Weltkriegs für weitere Länder und Regionen stellen wir in anderen Beiträgen vor. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • Was wird aus meiner Sammlung nach mir? – Ein Thema, das viele Sammler bewegt!

    Die Frage danach, was mit der eigenen Sammlung im Todesfall geschehen soll, stellt sich sicher jeder Sammler hin und wieder und doch beschäftigt sie einige auch länger. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Münzen, Medaillen, Banknoten, Wertpapiere, Orden oder andere historische oder moderne Objekte sammelt. Da ich selbst seit 30 Jahren Bank­noten sammle, habe ich mich mit dem Thema nicht nur aus diesem Grund, sondern auch weil ich beruflich als Vermögensnachfolge-Experte bei der HVB, zertifizierter Generationen-Berater und regionaler Stiftungsbeauftragter tätig bin, auseinander-gesetzt. Vor Jahren sind mir auf einer Auktion der KPM in Mannheim zwei ältere Damen aufgefallen, die sich bei jedem Zuschlag, und die waren bei einzelnen Banknoten durchaus im fünfstelligen Bereich, auffällig gefreut haben. Gerade solche Ereignisse laden zum Grübeln ein. Sicherlich haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was ist wohl mit der Sammlung eines verstorbenen Bekannten passiert? Im Nachgang erfährt man, dass die Sammlung verschollen, Teile sogar gestohlen oder weit unter Wert von den Erben verkauft worden sind. Stellen Sie sich selbst einmal einige Fragen: Was soll mit der eigenen Sammlung geschehen? Hat jemand aus der Familie Interesse? Weiß jemand aus der Familie, welchen Wert die Sammlung hat? Wer ist ein vertrauensvoller Ansprechpartner (vielleicht aus Sammlerkreisen)? Relativ einfach ist der Fall, wenn Ehegatten und/oder Kinder da sind und diese die Sammlung erben sollen. Wenn jemand die Sammlung fortführen möchte, sollte geklärt werden, ob diese Person die Sammlung zusätzlich zum Erbe erhalten oder ob sie ein Teil des Erbes sein soll. Man kann in einem Testament auch den Wert, mit dem die Sammlung angesetzt werden soll, vorgeben. Aber bedenken sollte man in diesem Fall, dass eine sehr werthaltige Sammlung ggf. auch gesetz­liche Ansprüche anderer Familienmitglieder reduzieren und Geldforderungen gegen den Sammlungsempfänger auslösen kann. Sollte innerhalb dieses Personenkreises aber kein potentieller Sammler sein, wie es meistens der Fall ist, so sollte die Familie den Wert der Sammlung wenigstens annähernd kennen und Ansprechpartner im Sammlerkreis oder vertrauenswürdige Fachhändler bzw. passende Auktionshäuser genannt bekommen. Die Sammlung wird dann wieder dem Sammlermarkt zu fairen Preisen zugeführt und die Erben erhalten den für sie sinnvolleren Erlös aus dem Verkauf. Man kann das ganz einfach so lösen, dass die nächsten Angehörigen immer aktuell darüber informiert sind, welches Auktionshaus (auch das kann über die Jahre wechseln) für einen Verkauf in Frage käme. Auch welche Sammlerfreunde, die nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sind, für eine Unterstützung zum Verkauf der Sammlung in Frage kämen, aber auch welche auf keinen Fall einbezogen werden dürfen, sollte besprochen oder festgehalten werden. Darüber hinaus, welcher Händler des eigenen Vertrauens für einen Verkauf zu Rate gezogen werden kann. Als ich vor einiger Zeit von einem befreundeten Sammler mit einer beachtlichen Sammlung angesprochen wurde, ob seine Ehefrau im „Fall der Fälle“ auf mich zukommen könne, war ich sehr gerührt und werde diese Verantwortung, die ich hoffentlich nie übernehmen brauche, natürlich nur im Sinne und zum Wohle dieser ausüben. Auf der anderen Seite habe ich von einem Sammlerfreund gehört, der meinte, seine Sammlung bekäme sein Bruder. Auf die Frage, ob er etwas schriftlich geregelt habe, meinte dieser nur: er wisse, wo die Sammlung sei und das reiche aus. Aber wie sieht es dann mit den Ansprüchen der Ehefrau aus, die eigentlich Erbin wäre? Ist da nicht bereits Ärger vorprogrammiert? Als Sammler sollte man sich unbedingt Gedanken zum Nachlass machen und soll, wie ich auch schon oft erlebt habe, der Partner aktuell nichts vom genauen Wert einer Sammlung erfahren, so sollte der wenigstens schriftlich festgehalten werden! Hier empfiehlt sich die Dokumentation der Sammlung in Form einer Liste bzw. Tabelle mit der Angabe von Kaufpreisen und/oder aktuellen Marktpreisen. Das war eigentlich der einfache Teil. Was aber soll passieren, wenn keine Familie vorhanden ist oder keine persönlichen Ansprechpartner zur Verfügung stehen? Soll die Sammlung oder Teile davon erhalten bleiben? Gibt es Einzelstücke, Glanzstücke und große Raritäten? Wäre eine Stiftung, eine öffentliche Sammlung oder ein Museum als Empfänger der Sammlung sinnvoll? Auch hier habe ich mir meine eigene Meinung bilden können. Im seltensten Fall sind ganze Sammlungen für ein Museum interessant, da diese meistens bereits eine größere Sammlung besitzen, insofern sie sich mit dem Thema Numismatik, Notaphilie usw. beschäftigen. Einzelne Stücke zur Schließung von Lücken sind dagegen immer willkommen. Durch meine jahrelange Sammeltätigkeit weiß ich, dass so manch eine Sammlung, die mit der Auflage „im Ganzen“ erhalten bleiben zu müssen, dann am Ende nur eingelagert und nicht korrekt in die Hauptsammlung integriert und bearbeitet werden kann. Zudem sind die Dubletten, die an sich auch ihren Platz in einer schönen Sammlung verdient haben, dort aber eben schon vorhanden. Sie werden dann in einem Archiv gelagert und so auf Dauer dem Sammlermarkt entzogen. Daher macht es durchaus Sinn, sich im Vorfeld über den potentiellen Empfänger zu informieren, diesen nur mit den entsprechenden Stücken zu bedenken und ggf. Regelungen zu finden, um den Erlös aus dem Verkauf von Dubletten anderen Personen und Organisationen oder aber auch diesem Empfänger für Neuanschaffungen zu hinterlassen. Nur eine wirklich herausragende Sammlung, und da fällt mir persönlich nur eine ein, die ich kenne, kann einen eigenen Grundstock für ein Museum oder eine Stiftung bilden. Dabei darf man nicht vergessen, dass eine Stiftung nur überlebensfähig ist, wenn diese über genügend Liquidität für die Verwaltung, Aufarbeitung, Ausstellung und ggf. Neuanschaffungen verfügt. Hier ist die Stiftung „Geldscheinsammlung“ der HypoVereinsbank ein gutes Beispiel. Eine lebzeitige Zustiftung oder Sachspende kann auch eine sinnvolle Alternative sein, um den Weg der eigenen Stücke bzw. der Sammlung bereits selbst erleben und dies ggf. außerhalb der Erbfolge umsetzen zu können. Natürlich können auch Münzkabinette verschiedener Museen oder das Geldmuseum der Bundesbank in Frage kommen, wenn diese Interesse zeigen. Aber es sollte ein schlüssiges und sinnvolles Konzept erarbeitet werden. Selbst musste ich in einem Fall in Karlsruhe erfahren, dass Museen, in diesem Fall handelte es sich um ein Gemälde mit einem Wert von fast einer Million Euro, kaum an Leihgaben interessiert sind, sondern entsprechende Stücke nur im Eigentum übernehmen möchten. Daher sollte man sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigen und beraten lassen. Auch ist es sinnvoll, dass der Wunsch des Sammlers von einem erfahrenen Anwalt oder Notar aufgesetzt werden sollte, damit es im Nachgang nicht zu Ergebnissen kommt, die vom Sammler so nicht gewünscht oder gewollt waren. Gerade selbst geschriebene Testamente führen leider oft genau zu Problemen, dass der Streit, der vermieden werden sollte, oder die Regelung, die gewünscht war, nicht umgesetzt werden können. Als Vermögensnachfolge-Experte habe ich auch Kontakte zu Steuer- und Rechtsanwaltskanzleien aufgebaut, die sich auf die Abwicklung bzw. Veräußerung von Sammlungen im Nachlass spezialisiert haben. Praktisch sind für eine optimale Beratung auch Kontakte zu Nachlass-Pflegern oder Testaments-Vollstreckern, die selbst ein entsprechendes Wissen und Netzwerk aufgebaut haben. Wer kennt sich aber ehrlich gesagt besser mit der Sammlung aus, als der Sammler selbst? Deshalb sollte sich jeder Sammler, der eine bedeutende Sammlung aufgebaut hat, die oft auch sein Lebenswerk ist, informieren und seine ganz persönliche Lösung finden. Für den Fall das evtl. dritte Personen aufgrund von Krankheit oder Unfall zu Betreuern bestellt oder für den Sammler handlungsfähig werden, sollten unbedingt die Wünsche des Sammlers bezüglich der Vorgehensweise in bezug auf die Sammlung in die Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung eingefügt und berücksichtigt werden. Denn sollte der Betreuer die Sammlung verkaufen, laufen alle Überlegungen und Regelungen aus einem Testament ins Leere. Die eingangs erwähnten zwei älteren Damen waren anscheinend gut informiert und beraten worden, und konnten so einen fairen Preis für die hinterlassene Sammlung erzielen. Ansprechpartner zum Thema Vermögensnachfolge findet man unter: Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V. (www.dvev.de), Verein Estate Planner Deutschland e.V. (www.vepd.de) oder bei der HypoVereinsbank unter www.hvb.de (Suchwort: Vermögensnachfolge). Jens Dobokay Abb. 1. Hans-Ludwig Grabowski, 2. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • John Laws katastrophale Idee

    Zwei bedeutende Ereignisse der Papiergeldgeschichte sind eng mit Frankreich verbunden und trugen wesentlich dazu bei, dass die meisten europäischen Länder bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dem Papiergeld ablehnend gegenüber standen. Zum einen waren dies die nach den Theorien des Schotten John Law durchgeführten Experimente mit Aktien und Banknoten zu Beginn des 18. Jahrhunderts und zum anderen die Ausgabe von staatlichen Papiergeldscheinen während der Französischen Revolution. Mit den damals ausgegebenen „Assignaten“, die durch enteignetes Kirchenland gedeckt sein sollten, wurde ein große Inflation ausgelöst. Schon 1705 hatte der Schotte John Law die abenteuerliche Idee, die Armut seines Landes durch Vergrößerung des Geldvolumens zu beheben. Hierzu sollte eine Notenbank gegründet werden, deren Banknoten nicht mehr durch Metallgeld sondern ausschließlich durch Grund und Boden gedeckt sein sollten. In seiner schottischen Heimat lehnte man diese haarsträubenden Pläne ab, die er dann später in Frankreich verwirklichen sollte. Die Tragödie begann damit, dass der verschwenderische König Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, wieder mal in argen Geldnöten war. Er machte das, was schon viele Herrscher vor ihm taten: er nannte es „Reformation“ und zog gutes Geld ein, überprägte es und gab es zu erhöhtem Kurs wieder aus. Für die eingezogenen Münzen gab es „Münzzettel“, die zu Zahlungsmitteln erklärt wurden. Nach dem Tod des Sonnenkönigs im Jahre 1715 versuchte John Law, den neuen Regenten Philipp von Orléans, der um Reduzierung der ihm hinterlassenen Schulden bemüht war, von seinen Plänen zu überzeugen und erhielt schon 1716 die Genehmigung zur Gründung einer Bank, mit deren Banknoten, für die eine Deckung in Höhe von nur 50 % durch Metallgeld genügen sollte, er den Geldumlauf in Frankreich erhöhen und Kredite schöpfen wollte. Obwohl Law die Einrichtung einer Staatsbank gefordert hatte, erhielt er anfänglich nur die Genehmigung zur Gründung einer Privatbank, der„Banque Générale“, welche dann aber 1718 vom Staat übernommen wurde. Als Finanzminister Frankreichs verkaufte er die Aktien der Bank mit hohem Aufgeld und stürzte das ganze Land in ein Spekulations-Fieber. Doch die Experimente des Schotten endeten in einem Desaster. Banknoten und Aktien wurden völlig wertlos. Doch waren Laws Ideen wirklich so abwegig? John Law ging davon aus, dass Frankreich ein riesiges Kolonialreich besaß, in Übersee gab es unerschöpfliche Quellen des Reichtums. Gab man auf diese Reichtümer Schuldverschreibungen aus, so müssten diese doch so gut wie geprägtes Gold sein. Unmengen von Noten verließen die Bank, zugleich setzte ein fieberhaftes Börsenspiel mit Aktien der neu gegründeten „Gesellschaft beider Indien“ ein. Der Kurs stieg in traumhafte Höhen und rund ein Jahr lang dauerte das Fieber und der Zahlenrausch an. Aktien, die auf 500 Livres lauteten, wurden bis auf 10.000 Livres hinaufgesteigert. Der Geldumlauf erreichte die unglaubliche Summe von 3 Milliarden Livres, ohne dass eine echte Deckung vorhanden gewesen wäre. Die ganze Aktien- und Banknotenspekulation zielte nur auf noch zu erarbeitende Werte ab, eine reale wirtschaftliche Leistung stand nicht dahinter. Es drängt sich an dieser Stelle ein Vergleich mit dem Börsengeschehen vor wenigen Jahren auf. Der Wert der Aktien mancher gerade erst gegründeter Internetfirmen erreichte traumhafte Summen. Als dann im Jahre 2000 die Börse auf dem Gebiet der sog. "Neuen Ökonomie" zusammenbrach und die Kurse ins Bodenlose fielen, sprach man erst von Marktbereinigung und dann im Klartext von Geldvernichtung. Die Seifenblase des 18. Jahrhunderts platzte im Jahre 1721. Die Königliche Bank stellte die Zahlungen ein, viele Menschen verloren ihr ganzes Vermögen. Für sie wird es kaum ein Trost gewesen sein, dass John Law Hals über Kopf nach Italien fliehen musste. Acht Jahre Später starb er dort völlig verarmt. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • Abstempelungen deutscher Geldscheine in Ostbelgien und Luxemburg 1944

    Abgestempelt wurden deutsche Geldscheine 1944 in den von den Alliierten besetzten Gebieten Ostbelgiens und in Luxemburg, die 1940 bzw. 1942 dem Großdeutschen Reich angeschlossen worden waren. Das betraf folgende, ab 1940 dort umlaufende, deutschen Geldscheine: Reichsbanknoten DEU-176/Ro170/P177 50 Reichsmark vom 11.10.1924 DEU-177/Ro171/P178 100 Reichsmark vom 11.10.1924 DEU-178/Ro172/P179 1000 Reichsmark vom 11.10.1924 DEU-183/Ro173/P180 10 Reichsmark vom 22.01.1929 DEU-184/Ro174/P181 20 Reichsmark vom 22.01.1929 DEU-210/Ro175/P182 50 Reichsmark vom 30.03.1933 DEU-211/Ro176/P183 100 Reichsmark vom 24.06.1935 DEU-215/Ro178/P185 20 Reichsmark vom 16.06.1939 DEU-220/Ro179/P186 5 Reichsmark vom 01.08.1942 Rentenbankscheine DEU-209/Ro164/P169 5 Rentenmark vom 02.01.1926 DEU-222/Ro166/P173 1 Rentenmark vom 30.01.1937 DEU-223/Ro167/P174 2 Rentenmark vom 30.01.1937 Reichskassenscheine ZWK-1/Ro550/R135 50 Reichspfennig ohne Datum (1939) ZWK-2/Ro551/R136 1 Reichsmark ohne Datum (1939) ZWK-3/Ro552/R137 2 Reichsmark ohne Darum (1939) ZWK-4/Ro553/R138 5 Reichsmark ohne Datum (1939) ZWK-5/Ro554/R139 20 Reichsmark ohne Datum (1939) ZWK-6/Ro555/R140 50 Reichsmark ohne Datum (1939) Ostbelgien (Gebiet Eupen-Malmedy) In dem vormals deutschen Gebiet Eupen-Malmedy (inkl. St. Vith und Moresnet), das nach dem Versailler Vertrag gegen den mehrheitlichen Willen der deutschen Bevölkerung mit 1036 qkm und 60.000 Einwohnern an Belgien fiel und während des Zweiten Weltkriegs am 18. Mai 1940 wieder dem Deutschen Reich angeschlossen wurde, galten ab diesem Zeitpunkt die deutschen Zahlungsmittel. Nach der Besetzung durch alliierte Truppen Ende 1944 ordneten diese die Abstempelung der vorhandenen deutschen Banknoten (Reichsbanknoten, Rentenmarkscheine und Reichskassenscheine) durch die Gemeinden in Ostbelgien an. Alle ungestempelten Noten wurden danach für ungültig eklärt. Bei den Abstempelungen unterscheidet man zwischen den sog. belgischen Gemeinde- und Lagerstempeln, wobei letztere immer Zeilenstempel sind. Luxemburg In dem ebenfalls im Zweiten Weltkrieg dem Reich angegliederten Luxemburg kam es nach der Alliierten Besetzung 1944 zu einer Umtauschaktion der deutschen Zahlungsmittel gegen Belgische Francs, bei der die eingelieferten deutschen Banknoten durch Stempel entwertet wurden. Es gibt also einen wesentlichen Unterschied zwischen den Abstempelungen in Ostbelgien und Luxemburg. In Ostbelgien galten ab der Abstempelung nur noch die so gekennzeichneten Scheine und ungestempelte nicht mehr. In Luxemburg wurden die Scheine durch die Abstempelung praktisch entwertet. Derartige Abstempelungen rechtfertigen deutliche Aufpreise. Katalogisiert sind die Abstempelungen im Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871". Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski, Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • Wertscheine des FDGB-Erholungsheims "Rennsteig" Oberhof?

    Unlängst lief im MDR ein interessanter Bericht zum Thema Urlaub in der DDR. Aus dem thüringischen Oberhof kennen Geldscheinsammler bereits die Wertscheine des Interhotels/Hotels "Panorama" und des Hotels "Ernst Thälmann". In besagtem Bericht wurde u.a. über das FDGB-Erholungsheim „Rennsteig“ in Oberhof berichtet. Aus den Aufzeichnungen und Erinnerungen der Urlauber ging hervor, dass es in dem Vorzeige-Haus auch eigene Wertscheine zur Bezahlung von Speisen und Getränken gegeben hat und zwar in Höhe von Tagessätzen pro Person. Machte man also z.B. an einem Tag einen Ausflug, so konnte man am nächsten Tag für mehr Bons verzehren. Im aktuellen Katalog von Henning Huschka "Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR" sind diese Wertscheine nicht aufgeführt. Ich selbst habe auch noch keinen gesehen. Ihre Existenz wäre aber nur logisch, wenn es solche im „Panorama“ und im „Ernst Thälmann“ in Oberhof auch gegeben hat. Vielleicht hat ja ein Leser ein oder mehrere Belegstücke in der Sammlung. Es wäre schön, wenn diese Lücke in der Dokumentation des Hotelgelds der DDR geschlossen werden könnte. Hier gehts es zum Video des Mitteldeutschen Rundfunks: Oberhof: FDGB-Ferien am Rennsteig Der verlinkte Beitrag ist leider nur ein Auszug aus der Dokumentation, in dem nur durch eine ehemalige Servicekraft von der Bezahlung von Speisen und Getränken mittels Talons und Bargeld gesprochen wird. Im Original-Beitrag ist die Rede von Talons über 5 bzw. 8 Mark pro Person und Tag. Evtl. 5 Mark für Kinder und 8 Mark für Erwachsene. Wem der Tagessatz nicht reichte, der musste die Differenz mit Bargeld bezahlen. Hans-Ludwig Grabowski

  • „Nun kommt der Knallprotz vom ganzen Land“ – Notgeld in Bayern 1914–1923

    Auf einem 1 Billionen Mark Schein, ausgegeben von der Stadt Bamberg im Inflationsjahr 1923, steht neben der Abbildung eines grünen Giftpilzes: Nun kommt der Knallprotz vom ganzen Land: Billionenschein hat er sich prahlend genannt. Er wächst wie ein sumpfig-giftiger Ritter Im Wirtschaftssumpf als Riesenziffer. Billionen Mark? Ein Täuschungswert! Doch billionfaches Leid hat die Zeit beschert! Billionen Seufzer steigen rings auf Und Hunger u. Tränen bezeichnen den Lauf. Gesunde Zeit, stell wieder dich ein Und töte den Giftschwamm Billionenschein Als letzten Tyrannen im kranken Staat - Und führ' von dem Sumpf uns auf trocknen Pfad! Die Inflation und Wirtschaftskrise von 1923 trafen auch Bayern. Zahlreiche Ausgaben von Notgeld durch Gemeinden, Unternehmen und Banken zwischen 1914 und 1923 dokumentieren den Währungsverfall, der 1923 im völligen Zusammenbruch des Geldwesens endete. Zugleich ist das Notgeld ein zentraler heimatgeschichtlicher und kultureller Erinnerungsort der Geschichte Bayerns. Zahlreiche Abbildungen von Sehenswürdigkeiten in den Städten und Gemeinden und von lokal bedeutenden Persönlichkeiten zeugen genauso davon wie Unternehmen, die Notgeld ausgaben – und heute gar nicht mehr existieren oder aber noch immer eine wichtige Rolle in der bayerischen Wirtschaft einnehmen. Die virtuelle Ausstellung ergänzt die Kollektion „Notgeld in Bayern 1914-1923“. Anhand ausgewählter Objekte werden Verlauf und Wirkung der Inflation in Deutschland zwischen 1914 und 1923 dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Funktion, Verbreitung, Herstellung und Gestaltung des Notgelds. Unter folgendem Link: https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000003059 erfahren Sie mehr über: Notgeld – Funktion, Herausgeber und Verfahren Hersteller – Grafiker und Druckereien Gestaltung – Formale Bestandteile, Bezeichnungen und Motive Direkt zur Sammlung Notgeld von Bayern und zu den anderen Sammlungen der HVB Stiftung auf Bavarikon: https://www.bavarikon.de/object/BSB-CMS-0000000000002119 Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de Abb. HVB Stiftung Geldscheinsammlung

  • Thailand: Höllengeld nach thailändischen Banknoten

    Die meisten Geldscheinsammler haben schon mal chinesisches Höllengeld in den Händen gehabt. Hergestellt wurden und werden die bunten Scheine, die oft sehr fantasiereich oder aber sogar nach existierenden Währungen – beliebt war einst auch die Deutsche Mark und ist bis heute der US-Dollar – gestaltet sind, um bei Totenfeiern verbrannt zu werden. Das soll den Verstorbenen Glück und Reichtum im Totenreich bringen. Deswegen findet man auch nicht selten Höllengeldscheine mit vielen Nullen. Wurden früher meist klassische Motive genutzt, so findet man heute sogar Höllengeld mit Darstellungen von Häusern, Autos und Mobiltelefonen, die so symbolisch den Verstorbenen mit auf den Weg gegeben werden. Typisch für Höllengeldscheine ist aber das Motiv des Höllenfürsten. Höllengeld gibt es aber nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, in denen viele Chinesen leben. Weniger bekannt ist Höllengeld aus Singapur. Hier nutzt man die Motive von Geldscheinen des Stadtstaates als Vorlage für das Höllengeld. Aber auch aus Thailand ist Höllengeld bekannt. Die abgebildeten Höllengeldscheine nutzen ebenfalls real existierende Scheine als Vorlage. Hier die 50 Baht von 1997 (THL-102), die 50 Baht von 2012 (THL-119), 100 Baht von 2015 (THL-120), 500 Baht von 2014 (THL-121) und 1000 Baht von 2015 (THL-122). Den thailändischen Höllengeldscheinen gemeinsam ist die zusätzliche Abbildung des Höllenfürsten auf der Vorderseite. Zusätzlich sind die Scheine, die auf einfachem Papier gedruckt sind, mit einem Hinweis versehen, der sie als Nachdruck ausweist – entweder auf Thai oder durch das Wort "COPY". Neben den einheimischen Noten dienten aber auch in Thailand US-Dollar-Scheine als Vorlage. Aber das vielleicht in einem anderen Blogbeitrag. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • DDR: Nicht umgesetzte Entwürfe zur Banknotenserie 1971/1975

    Die Banknotenserie 1964 der Deutschen Notenbank der DDR kam am 1. August 1964 in Umlauf. Bereits kurz darauf gingen Kritiken und Eingaben aus der Bevölkerung ein, die das Ministerium der Finanzen der DDR (MdF) veranlassten, über eine in späteren Jahren durchzuführende Gelderneuerung nachzudenken. Am 7. November 1964, also nur rund drei Monate nach Einführung der 1964er Serie ging eine Orientierung des MdF hierzu an die Bezirksdirektionen. Am 19. Dezember 1964 wurde in einem vertraulichen Hausbrief des MdF zur Erneuerung der Banknoten mitgeteilt, dass der Ministerpräsident der DDR, Willi Stoph, darum gebeten hat, ihm einen Vorschlag wegen einer späteren Gelderneuerung nach entsprechender Fertigstellung sofort für eine Beschlussfassung im Präsidium des Ministerrats vorzulegen. Dazu waren Überlegungen für Entwicklungsaufgaben zur Papierherstellung anzustellen, die zunächst mit dem MdF und dem Leiter der DWD (Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig) beraten werden sollten. Im Rückblick muss man die Serie 1964 eher als die gelungenste der DDR bezeichnen, während die folgenden Scheine schon allein wegen ihrer geringen Größe in der Bevölkerung als "Spielgeld" verspottet wurden. Die Anlage 4 aus der Vorlagen-Mappe für das ZK der SED zur Banknotenserie 1971/1975 zeigt nicht umgesetzte Entwürfe von Banknoten (nur Vorderseiten) über 5, 10, 20, 50 und 100 Mark der Staatsbank der DDR, die den später ausgegebenen Noten in ihrer Gestaltung ähneln, allerdings alle das Porträt von Karl Marx zeigen und in anderen Farben ausgeführt sind: 5 Mark Braun statt Violett, 10 Mark Blau statt Braun, 20 Mark Rot statt Grün, 50 Mark Grün statt Rot. Nur beim Hunderter blieb es beim traditionellen Blau, das schon seit der Kaiserzeit für diesen Wert verwendet wurde. Die Anlage 2 zeigt den ursprünglichen Entwurf der Vorder- und Rückseite des Hunderters. Auf der Rückseite ist hier das Staatsratsgebäude der DDR in Berlin abgebildet. Erst mit Beschluss des Politbüros vom 1.6.1971 (1/206 21/71) wurde festgestellt, dass für die Gestaltung der Rückseite der Banknote zu 100 Mark ein Motiv des Stadtzentrums bestätigt wurde. Nach dem Emissionsplan konnte die Ausgabe des neuen Hunderters kurz nach der Fertigstellung des Palastes der Republik erfolgen. Es wurde deshalb vorgeschlagen, als endgültiges Motiv für die Rückseite das Ensemble um den Marx-Engels-Platz mit dem Palast der Republik im Mittelpunkt zu bestätigen. Hierzu wurde ein entsprechender neuer Entwurf vorgelegt. "Der Entwurf geht von der modernen Gestaltung des zentralen Platzes der Hauptstadt unserer Republik in Verbindung mit der Darstellung historischer Gebäude und Wahrzeichen Berlins aus. Das Motiv stellt eine harmonische Verbindung moderner und prägnanter Bauwerke sozialistischen Charakters mit der historischen klassizistischen Architektur Berlins dar. Die beiliegende Entwurfsskizze muss im Hinblick auf die Übereinstimmung des Motivs mit der äußeren Gestaltung des Palastes vervollkommnet sowie in der künstlerischen Darstellung weiter verbessert werden. Die endgültige Motivgestaltung wird dem Politbüro mit dem Andruck der Banknote zu 100 Mark zur Bestätigung vorgelegt." Die Anlage 5 der Vorlage für das Politbüro enthielt ebenfalls Entwürfe, die alle auf den Vorderseiten ein Porträt von Karl Marx zeigen, aber im Vergleich zu den Entwürfen der Anlage 2, die später in ähnlicher Form auch umgesetzt wurden, sehr einfach gestaltet waren. Die Rückseiten zeigen je ein aufgeschlagenes Buch, das Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels. Hans-Ludwig Grabowski, mit Dank an Matthias Böhme Abb. Historisches Konzernarchiv KfW Berlin

  • Banknotenatlas: Philippinen

    Bangko Sentral ng Pilipinas: 50 Piso von 2010. Die Vorderseite zeigt ein Porträt von Sergio Osmeña (1878 – 1961, Politiker und ehemaliger Präsident der Philippinen), die Sitzung des ersten Parlaments 1907 sowie US-General Douglas McArthur bei der 1944 erfolgten Landung im Golf von Leyte. Die Rückseite zeigt ein Landschaftsmotiv (Taal-See in Batangas), zwei Stachelmakrelen und die Umrisskarte der Philippinen. 1 Philippinischer Peso (PHP) entsprechen derzeit etwa 0,02 Euro. Fläche: 343.448 qkm Einwohner: 106.512.000 (2018) Hauptstadt: Manila Staatsform: Republik Amtssprachen: Filipino/Englisch Währung: 1 Piso = 100 Centavos Die Gebiet der heutigen Philippinen ist bereits seit 10.000 v.u.Z. ständig besiedelt. Einwanderer kamen vor allem vom asiatischen Festland. Infolge einer großen Einwanderungswelle Mitte des 15. Jahrhunderts aus dem malaiischen Raum breitete sich der Islam aus. Heute umfasst die Bevölkerung mehr als 50 ethnische Gruppen mit rund 100 Sprachen. Am 16. März 1521 landete der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan (Fernão de Magalhães) auf seiner Weltumseglung in spanischen Diensten im Golf von Leyte und nahm die Inseln für Spanien in Besitz. Nur einen Monat später wurde er im Kampf gegen die einheimische Bevölkerung bei Cebu getötet. 1543 gaben die Spanier einer Inselgruppen nach dem späteren spanischen König Phillip II. den Namen „Islas las Felipinas“, der dann ab 1571 für die gesamten heutigen Philippinen galt. Bereits 1565 hatten sie die gesamte Inselgruppe als spanische Kolonie beansprucht. Wegen der feindlich gesinnten Bevölkerung und der ständigen Gefahr portugiesischer Überfälle, verlegten die Spanier den Verwaltungssitz von Cebu nach Manila. Die katholische Kirche spielte eine bedeutende Rolle bei der Eroberung des Landes. Durch rücksichtslose Missionierung und Landverteilung an den spanischen Adel und wenige Stammeshäuptlinge, wurde der große Teil der Einheimischen zu Leibeigenen auf riesigen Gütern. Die Ausbeutung der Menschen führte zu zahlreichen blutigen Aufständen. Benachteiligt und diskriminiert schlossen sich immer mehr Filipinos der Freiheitsbewegung an. Die Aufstände führten 1896 in die Revolution und zur Ausrufung der Republik der Philippinen am 12. Juni 1898. Als 1898 der Spanisch-Amerikanische Krieg ausbrach, unterstützten die Filipinos die USA, die ihrerseits dafür die Unabhängigkeit der Philippinen versprachen. Kriegsziel der USA war die Kontrolle der spanischen Überseegebiete und der Zugang zu den asiatischen Märkten über die Philippinen. Die veraltete spanische Armada hatte der modernen US-Kriegsmarine nichts entgegen zu setzen. Die USA holten nach den nörd­lichen mexikanischen Provinzen nun auch noch die letzten bedeutenden überseeischen Kolonien Spaniens (Kuba, Puerto Rico, Guam und die Philippinen). Natürlich blieb die Zusage der USA ein leeres Versprechen, das nur der Stärkung der USA auf ihrem Weg zur Weltmacht diente. Spanien musste die Philippinen an die USA abtreten. Als die die versprochene Unabhängigkeit nicht gewährten und selbst Kolonialmacht wurden, ging der Freiheitskampf ab 1899 weiter, musste aber 1901 aufgegeben werden. Auch die US-Amerikaner konzentrierten den Landbesitz in wenigen Händen und verhinderten den industriellen Aufbau, was in den 1920er und 1930er Jahren erneut zu Aufständen führte. 1941 landeten japanische Besatzungstruppen auf den Philippinen und 1943 errichteten die Japaner eine „unabhängige“ Republik, die mit der Niederlage Japans endete. Mit den USA kooperierende Großgrundbesitzer wollten gleich 1945 wieder die Macht übernehmen, oft auch mittels Terror. Am 4. Juli 1946 mussten die USA das Land schließlich in die Unabhängigkeit entlassen und 1949 wurde ein kommunistischer Aufstand mit US-Militär niedergeschlagen. Wahre Demokratie hat das dem Land nicht gebracht, Korruption und Terror halten bis heute an. Am 1. August 1851 war der „El Banco Español Filipino des Isabel II“ mit exklusivem Notenrecht gegründet worden. Die US-Amerikaner änderten den Namen der Bank. Im Zweiten Weltkrieg waren japanische Besatzungsausgaben in Umlauf. In dieser Zeit gab es auch zahlreiches regionales Notgeld (sog. Partisanenausgaben). Nach dem Krieg kursierten Schatzscheine mit einem „V“ für Victory (Sieg). Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Schulgeld der Bank of China: Britisches Pfund

    Die Bank of China (BOC) hat in den 1970er und 1980er Jahren einfache Nachdrucke von Geldscheinen verschiedener bedeutender konvertibler Währungen wie z.B. US-Dollar, Britisches Pfund, Deutsche Mark, Schweizer Franken, Französischer Franc, Japanischer Yen usw. herstellen lassen, um sie als Schulgeld für Auszubildende zu nutzen. Die Vorderseiten entsprachen dabei jeweils den Originalmotiven, hatten aber zusätzliche chinesische Aufdrucke, und die Rückseiten waren einheitlich mit einem Muster mit dem Namen der Bank in Englisch ("BANK OF CHINA") und mit chinesischer Schrift ausgeführt. Das Schulgeld diente den Auszubildenden der Bank sowohl als Hilfsmittel zur Erkennung von Fremdwährungen, als auch als Übungsmittel zum Zählen von Geldscheinen. Ich möchte mit diesem kleinen Beitrag beginnend nach und nach verschiedene Schulgeldscheine der Bank of China im direkten Vergleich mit dem Original vorstellen. Wir beginnen heute beim Britischen Pfund und vergleichen dazu die 1-Pfund-Note der Bank of England ohne Datum von 1978 bis 1980 (vgl. SCWPM, Great Britain, GBR-377a). Der Schulgeldschein ist als solcher leicht an den chinesischen Überdrucken und der charakteristischen Rückseite zu identifizieren. Er sollte ja schließlich auch nicht als Nachahmung oder gar Fälschung dienen. Seinen Zweck für Übungen und Schulungszwecke erfüllte er allemal. Natürlich handelt es sich auch nur um einfaches Papier ohne Wasserzeichen. Das Original erkennt man natürlich leicht an dem hervorragenden Stichtiefdruck und der Rückseite mit Isaac Newton, der auch im Wasserzeichen zu sehen ist. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • Gutscheine der Langenwerke A.G. – Raritäten aus einem Nebenlager von Buchenwald

    Als der alliierte Bombenterror über Deutschland fast alle größeren Städte und Industrieanlagen traf, wurde kriegswichtige Produktion dezentralisiert und darüber hinaus auch vorsorglich Untertage verlagert. Dabei kamen immer mehr Häftlinge aus Konzentrationslagern zum Einsatz, die sowohl beim Bau von Anlagen und Lagern, als auch in der Produk­tion selbst eingesetzt wurden. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist der Kohnstein bei Nordhausen, in den ein gewaltiges Tunnelsystem gebaut wurde, in dem Zivilbeschäftigte und Häftlinge aus dem Lager „Dora“ Raketenwaffen (sog. V1 und V2) produzierten. Ende 1943 wurde die Teilverlagerung der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG, die ihren Hauptsitz im anhaltischen Dessau hatte, in das thüringische Langensalza beschlossen. Tarnbezeichnung des neuen Betriebs war Langenwerke AG. In Langensalza und im angeschlossenen Betriebsteil Niederorschel wurden Tragflächen für ein Jagdflugzeug von Focke-Wulf gefertigt. Unter dem Decknamen „Julius“ war bereits im Frühjahr 1943 ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald bei den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken in Schönebeck an der Elbe entstanden. Wegen des akuten Arbeitskräftemangels durch den massenhaften Kriegseinsatz der deutschen Männer, hatte die Firma einen Vertrag mit dem Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) zum Einsatz von Häftlingen in der Produktion von Bauteilen für Flugzeuge abgeschlossen. Zirka 1.800 Häftlinge arbeiteten hier neben 1.200 deutschen Zivilarbeitern und 1.500 Fremdarbeitern. Die Bedingungen im Lager „Julius“ waren viel besser als anderenorts. Im März 1944 wurden hier Gutscheine eingeführt, mit denen Waren in der Lagerkantine gekauft werden konnten und die sicher auch als Prämien auf der Basis der Prämien-Vorschrift der SS vom 15. Mai 1943 und deren Nachtrag vom 14. Februar 1944 genutzt wurden. In meinem Buch „Das Geld des Terrors“ konnten 2008 nur die Werte zu 1 und 5 Reichsmark belegt werden, obwohl ich damals schon davon ausging, dass es auch die Wertstufen zu 0,50 und 2 Reichsmark gegeben haben muss. Im April 2018 hatten zwei Angebotslose für die 89. Auktion der Leipziger Münzhandlung Höhn für Aufmerksamkeit gesorgt. Die vier Scheine der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke Schönebeck/Elbe (Lager „Julius“) belegen nicht nur alle vier Nennwerte der Serie, sondern sie sind auch äußerst seltene Zeitdokumente für die geplante Ausgabe von Gutscheinen in der Bereichsleitung III Niederorschel der Langenwerke AG, wo über 700 Häftlinge Tragflächen produzierten und Fahrwerke einbauten. Die Schönebecker Scheine wurden quasi als Vorlage für eine eigene Ausgabe in Niederorschel genutzt. Bei allen vier Werten wurden jeweils das Logo gestrichen sowie „Muster“, eine geplante Stückzahl sowie eine Druckgenehmigungsnummer für die Langenwerke handschriftlich ergänzt. Die Druckvermerke der Original-Umlaufstücke belegen darüber hinaus, daß von jedem Nennwert der Schönebecker Scheine im März 1944 eine Auflage von 36000 Stück genehmigt worden war. Interessant sind natürlich die auf diesen Scheinen vermerkten Stückzahlen für eine eigenständige Ausgabe für die Langenwerke und die erwarteten Druckgenehmigungs-Nummern. Handschriftlich begannen diese mit „LW 751“ für 0,50 RM und endeten mit „LW 754“ für 5 RM. Das „LW“ steht für Langenwerke statt dem „FZS“ für Flugzeug- und Morenwerke Schönebeck/Elbe. Tatsächlich wurde der Druck eigener Scheine für die Bereichsleitung Niederorschel dann im Oktober 1944 unter einer einzigen Druckgenehmigungsnummer „Lw 751“ für alle vier Werte bestätigt. Für den Gutschein über 0,50 RM war auf der Schönebecker Vorlage eine Auflage in Höhe von 20.000 Stück für Niederorschel vorgesehen, die auch laut Druckvermerk genehmigt wurde. Für die beiden Gutscheine zu 1 und 2 RM hatte man ursprünglich je 10.000 Stück vorgesehen gehabt. Laut Druckvermerk vom Oktober 1944 wurden auch hier je 20.000 Scheine genehmigt. Für den höchsten Wert zu 5 RM hatte man handschriftlich auf der Vorlage 5.000 Stück notiert, die dann auch in dieser Höhe laut Druckvermerk auf den Langenwerke-Scheinen so genehmigt worden waren. Es ist übrigens erst die zweite vollständige Serie von Gutscheinen der Langenwerke, die jemals angeboten wurde, beide durch die Leipziger Münzhandlung Höhn. Die Prüfung beider Serien lässt keinen Zweifel zu. Erstens besteht kein Zweifel an der Echtheit, womit die vollständige Gutscheinausgabe vom März 1944 für das Lager „Julius“ in Schönebeck/Elbe mit allen vier Nominalen bestätigt ist. Zweitens liegen mit den zu „Mustern“ umfunktionierten Scheinen von Schönebeck die Vorlagen für die Gutscheinausgabe der Bereichsleitung III der Langenwerke AG vom Oktober 1944 vor. Bleibt nachzutragen, dass die in der Belei III der Langenwerke in Niederorschel beschäftigten rund 700 Häftlinge meist Juden und die Sterblichkeitsrate trotz mangelhafter Ernährung hier sehr niedrig waren. Die Häftlinge bekamen die Gutscheine als Prämien für gute Arbeit und konnten dafür in der Lagerkantine zusätzliche Waren einkaufen – ganz so, wie dies die erwähnte Dienstvorschrift für die Gewährung von Vergünstigungen an Häftlinge (Prämien-Vorschrift) des Chefs des SS-Wirtschafts-verwaltungshauptamts, Oswald Pohl, vorgesehen hatte. Die Gewährung von Prämien sollte vor allem der Motivierung zu höheren Arbeitsleistungen im „Totalen Krieg“ dienen. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur Prämienscheine in den Konzentrations­lagern eingeführt, sondern sogar Häftlingsbordelle betrieben. Über die Angebote in den Lagerkantinen gab es unterschiedliche Erinnerungsberichte: von Toilettenartikeln über Schreibwaren bis hin zu Konserven, Fisch, Salz und Bier. Anfang 1945 war mit über 700.000 Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern der Höhepunkt des Arbeitseinsatzes in der Kriegswirtschaft erreicht und das Kriegsende absehbar. Die von Historikern unermüdlich gedroschene Phrase von der „Vernichtung durch Arbeit“ machte in diesem historischen Kontext kaum noch Sinn, da jede Arbeitskraft zählte. So scheint es befremdlich, entspricht aber den Tatsachen, dass ausgerechnet der Lagerkommandant von Auschwitz in seinem Kommandanturbefehl 4/44 schrieb: „In einem Außenlager ist es vorgekommen, dass Häftlinge von Zivilisten, mit denen sie auf einer gleichen Arbeitsstelle beschäftigt waren, geschlagen und z.T. misshandelt wurden... In den Fällen, in denen ein Zusammenarbeiten mit Zivilisten unvermeidlich ist, sind mir die Lagerführer für Ordnung verantwortlich und haben die Zivilisten nochmals durch das Werk über den Umgang mit Häftlingen belehren zu lassen. Andererseits ist mir jede Misshandlung eines Häftlings durch einen Zivilisten umgehend zu melden. Bei dieser Gelegenheit mache ich nochmals ausdrücklich auf den bestehenden Befehl aufmerksam, dass kein SS-Mann Hand an einen Häftling legen darf. Im 5. Kriegsjahr ist alles daran zu setzen die Arbeitskraft der Häftlinge zu erhalten.“ Mit „Häftlingen“ meinte der Lagerkommandant hier natürlich nur die zum Arbeitseinsatz eingeteilten Häftlinge, die als solche im Lager aufgenommen worden waren, und nicht die unglücklichen Menschen aus ganz Europa, die nach ihrer Ankunft und der Selektion auf der sog. Rampe der „Sonderbehandlung“ zugeführt und so im Rahmen der bereits im Januar 1942 beschlossenen „Endlösung der Judenfrage“ ermordet wurden. Durch den für Deutschland zunehmend ungünstigen Kriegsverlauf und den wachsenden Arbeitskräftemangel wurden nicht nur immer mehr Fremdarbeiter angeworben oder zwangsweise eingesetzt, sondern es wurden trotz „Endlösung“ auch wieder mehr und mehr Juden im Arbeitseinsatz für die Rüstungsindustrie beschäftigt, wie dies auch in Niederorschel der Fall war. Die unmenschlichen Arbeitsbedingen in Stollen und Untertage waren nicht zuletzt den alliierten Bombenangriffen geschuldet, die auch vor der Bombardierung von Konzentrationslagern kein Halt machten. So kam etwa der ehemalige Vorsitzende der SPD-Fraktion im Reichstag, Rudolf Breitscheid, der als prominenter Häftling mit eigenen Bediensteten im „Sonderlager Fichtenhain“ in Buchenwald untergebracht war, an den Folgen eines US-amerikanischen Bombenangriffs vom 24. August 1944 ums Leben. Anfang April 1945 traten die letzten Häftlinge von Niederorschel ihren Marsch in das Stammlager Buchenwald an. Sie erreichten das Lager nur einen Tag vor dessen Befreiung. Die beiden abgebildeten Serien bilden zusammen einmalige Zeitdokumente zur Geldgeschichte in einem Außenlager in der Zeit des massenhaften Einsatzes von Häftlingen für die deutsche Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg. Die Münzhandlung Höhn hat reagiert und die beiden seltenen Serien aus der 89. Auktion Ende Mai zurückgezogen. Sie sollen dann ausführlich beschrieben in der 90. Auktion im Oktober 2018 angeboten werden. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Leipziger Münzhandlung Höhn, https://www.leipziger-muenzhandlung.de

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