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- 500 Jahre Deutscher Bauernkrieg – Aufstand der Entrechteten
1525: Eine Welt im Umbruch. Kirchen, Klöster und Burgen gingen in Flammen auf. Von Tirol bis an die Ostsee zitterten Adel und Klerus. Hunderttausende Bauern verließen ihre Höfe und bewaffneten sich – es war die größte Massenbewegung in Europa vor der französischen Revolution. Sie zogen aus, um dem feudalen System mit Leibeigenschaft, Abgaben und Frondiensten ein Ende zu setzen. Die Aufstände breiteten sich aus wie ein Feuer. Sie brachen spontan aus und organisierten sich selbstständig. Doch wie kam es zu dieser gewaltigen Rebellion? Abb. 1: Sammelbild aus der Reihe "Deutsche Kulturbilder", Bild 45 "Bauernkrieg": Schon im 15. Jahrhundert kam es in Deutschland zu Bauernaufständen, da Adel und Geistlichkeit oft maßlos hohe Abgaben und Frondienste verlangten. In den Fahnen führten die Bauern die Symbole ihrer Armut oder ihres Standes. Der "Bundschuh", der flache Lederschuh, ward zum Wahrzeichen jedes Bauernaufstandes. Auch Ritter wie Götz von Berlichingen und Florian Geyer kämpften für sie. Abb. auch "Deutsche Kulturbilder, Deutsches Leben in 5 Jahrhunderten 1400 – 1900" vom Cigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld, Werk 9, herausgegeben 1936. Die erste Erhebung fand 1524 bei Stühlingen im Schwarzwald statt. Einer Legende nach mussten die Bauern dort die Ernte unterbrechen, um Schneckenhäuser und Beeren für die verschwenderische Fürstin zu sammeln. Die Bauern ließen sich das nicht gefallen. Die Proteste weiteten sich weiter von Oberschwaben bis nach Thüringen aus. In Memmingen wurden von Vertretern der Bauernhaufen die „Zwölf Artikel“ verfasst, die zum Manifest der Bauernaufstände wurden. Sie wurden als Flugschriften in sehr hoher Stückzahl verbreitet und gelten als erstes menschenrechtliches Dokument in Deutschland. Die darin geforderte Abschaffung der Leibeigenschaft wurde religiös begründet. Weil nur Gott der Herr ist, darf kein Mensch Herr eines anderen sein. Der Einfluss der Reformation auf die Bewegung war klar erkennbar. Seit Luthers Thesenanschlag 1517 hatte die Reformation langsam Fahrt aufgenommen. Wenige Jahre später veröffentlichte Luther die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Der Wittenberger Reformator meinte die innere, geistige Freiheit. Der Ton war jedoch gesetzt: Freiheit und Gleichheit vor Gott – das ließ sich nur schwer mit der starren Ständeordnung vereinbaren. Luther selbst forderte Gehorsam und verwehrte sich gegen eine Vereinnahmung für umstürzlerische Zwecke. Längst jedoch wurde seine Botschaft in radikaler Weise weitergedacht, unter anderem von Thomas Müntzer. Der Allstedter Prediger verband apokalyptische Mystik mit den reformatorischen Ideen zu einer Theologie der Revolution. Bald rief Müntzer offen zum Umsturz auf. Damit traf er auf offene Ohren. Die Bauern und Handwerker waren unzufrieden. 1525 lag die Lebenserwartung nur bei etwa 35 Jahren, etwa ein Viertel der Kinder starb bereits im Kleinkind-Alter. Die sog. "kleine Eiszeit" verursachte Kälteeinbrüche und Missernten. Abb. 2: Deutsche Demokratische Republik, 20-Mark-Gedenkmünze zum 500. Geburtstag von Thomas Müntzer, Silber, ausgegeben am 12.1.1989. Abb. 3: Gegossene Bronzemedaille 1989 (v. W. Günzel) auf den 500. Geburtstag von Thomas Müntzer. Vorderseite: Brustbild mit Barett. Rückseite: „500. Geburtstag. Eine gantze Gemayn soll Gewalt des Schwertz haben. Das Volck wirdt frey werden und Got will allayn der Herr daruber sein. Thomas Müntzer 1989." Abb. 4: Güttler-Medaille "450 Jahre Bauernkrieg" von 1975, Stahl, geätzt, Durchmesser 60 mm. Pestwellen rollten über das Land. Der „gemeine Mann“ hatte durch ausufernde Abgaben an Adel und Klerus eine immense Belastung zu tragen, aber so gut wie keine sozialen oder politischen Rechte. Besonders brisant war die Lage in Thüringen, wo sich verschiedene Faktoren zu einer explosiven Mischung verbanden. Die Region war politisch zersplittert – ein Flickenteppich aus kleinen Territorien, dessen Herren besonders gierig nach Einnahmen waren. In dieses Feuer goss Thomas Müntzer mit bissigen Predigten Öl. In seiner berühmten „Fürstenpredigt“ versuchte Müntzer noch, den Kurfürsten Friedrich und seinen Bruder Herzog Johann für sich zu gewinnen. Die Fürsten aber blieben unbeeindruckt. Im Frühjahr 1525 explodierte die Lage in Thüringen dann endgültig. Müntzer musste Allstedt kurzzeitig verlassen und floh nach Mühlhausen, wo er Prediger in der Marienkirche wurde und gemeinsam mit dem protestantischen Prediger Heinrich Pfeiffer eine Art Revolutionsregierung einrichtete. Pfeiffer hatte in Mühlhausen bereits eine beachtliche Menge an Bauern und Handwerkern um sich gesammelt. Gemeinsam ließen sie den „Ewigen Rat“ wählen, der die Klöster der Stadt auflöste und deren Besitz in die Nutzung der Gemeinde verfügte. Abb. 5.1: Notgeld der Stadt Allstedt (Serienschein), 10 Pfennig, 1. Oktober 1921, Druck: Kunstanstalt Alfred Eisenach in Bürgel. Vorderseite: Thomas Müntzer aus Stolberg, Pastor von Allstedt, ‚Erzfanatiker‘ und Anführer des Bauernaufstandes, im Hintergrund die Hinrichtung Müntzers. Abb. 5.2: Rückseite: Thomas Müntzer zerstört mit den aufgewiegelten Bauern die Malterbacher Kapelle, unten Künstlersignatur Arno Grimm. Abb. 6.1: Notgeld der Stadt Mühlhausen in Thüringen, Serienscheine 6 x 50 Pfennig vom 1. Oktober 1921. Druck: Paul Fischer, Mühlhausen, einheitliche Vorderseite: wütender Bauer mit Spieß. Dieses Motiv wurde auch für Notgeldscheine in der Zeit der Inflation verwendet, darunter für 1-Mio-Mark vom 15. August 1923. Abb. 6.2: Rückseite: Heinrich Pfeiffer predigt zum Volk. Text: Heinrich Pfeiffer leitete den Bauernkrieg in Mitteldeutschland ein. Er trat 1523 auf den Bierruferstein vor der Marienkirche zu Mühlhausen und rief "Höret zu, ich will euch ein ander Bier verkündigen." Abb. 6.3: Rückseite: Übernahme der Regierung der Reichsstadt Mühlhausen. Text: Nach Unruhen, Aufläufen u. Plünderungen zwangen die "Acht Mann" den Bürgermeister Rodemann, das Regiment der Stadt in ihre Hände zu legen. Abb. 6.4: Rückseite: Zug von Thomas Müntzer von Mühlhausen nach Frankenhausen. Text: Thomas Münzer kam nach Mühlhausen, predigte u. hatte großen Zulauf. Aber nur 300 Mann folgten ihm nach Frankenhausen, wo das Bauernheer von den Fürsten gestellt wurde. Abb. 6.5: Rückseite: Letzte Predigt Müntzers vor der Schlacht von Frankenhausen. Text: Vor der Schlacht hielt Münzer eine lange Rede an die verzagten Bauern und sagte, er wolle alle kugeln mit seinen Ärmeln auffangen. Doch seine Worte konnten das furchtbare Schicksal der Bauern nicht aufhalten. Ihrer wurden mehr denn 5000 erschlagen. Abb. 6.6: Rückseite: Fürsten und vergeblich flehende Frauen. Text: Die Sieger nahmen Rache an dem wehrlosen Mühlhausen. Zwar zogen 2000 Mühlhäuser Frauen u. Jungfrauen in das Lager der Fürsten, taten einen Fußfall und baten um Gnade. Aber es war vergebens. Abb. 6.7: Rückseite: Aufgespießte Köpfe Pfeiffers und Müntzers vor den Toren der Stadt Mühlhausen. Text: Münzer u. Pfeiffer wurden neben vielen anderen mit dem Schwerte gerichtet, ihre Köpfe auf Spieße gesteckt und öffentlich ausgestellt. Besonders erfolgreich waren die Aufständischen beim Angriff auf Klöster und Adelssitze. Das Kloster Volkenroda wurde geplündert und zahlreiche Burgen erobert. Zeitweilig schien es, als könnten die Bauern tatsächlich die gesamte Region unter ihre Kontrolle bringen. Doch der Schein war trügerisch. Den Aufständischen fehlte es an militärischer Erfahrung und einheitlicher Führung. Ihre Erfolge beruhten hauptsächlich auf dem Überraschungseffekt und der anfänglichen Ratlosigkeit ihrer Gegner. Als sich die Fürsten zu sammeln begannen, änderte sich das Kräfteverhältnis schnell. Es gelang nicht, die Bauernhaufen zu ordnen und zu sammeln. Müntzer folgten nur 300 Mann aus Mühlhausen nach Frankenhausen, wo es zur Entscheidungsschlacht kam. Das lag nicht zuletzt daran, dass Martin Luther sich vehement gegen die Aufständischen aussprach. Wenige Tage vor der Schlacht in Frankenhausen veröffentlichte er die Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“. Er forderte darin die Fürsten direkt auf, die Aufständischen zu töten. Dies sei Gottes Wille. Luther dachte wohl, dass die Bauernhaufen ‚seine‘ Reformation gefährden, weil sie sich auf seine Schriften beriefen. Er fürchtete, dass er dadurch den Rückhalt der Fürsten verlieren könnte. Abb. 7.1: Notgeld der Stadt Frankenhausen, Serienschein zu 50 Pfennig, September 1921. Serie mit Scherenschnitt-Motiven zur Schlacht bei Frankenhausen (6 x 50 Pfennig), einheitliche Vorderseite. Abb. 7.2: Rückseite mit einer Szene aus der Schlacht bei Frankenhausen. Abb. 8: Die abgebildete Lanze aus dem Bauernkrieg war über Jahrhunderte auf einem Bauernhof in einem Dorf in der Nähe von Frankenhausen versteckt, weil nach der Schlacht Jagd auf bewaffnete Bauern gemacht wurde. Sie wurde erstmals 1975 in einer Ausstellung "450 Jahre Bauernkrieg" in Thüringen gezeigt. Die Bauern in Frankenhausen wurden von den fürstlichen Truppen völlig unvorbereitet getroffen. Die Schlacht wurde zum Blutbad, fast 6000 Aufständische fanden den Tod. Müntzer und Pfeiffer wurden gefangengenommen, gefoltert und hingerichtet. Auch die anderen Bauernhaufen in Oberschwaben, im Schwarzwald und in Tirol wurden blutig zerschlagen. Abb. 9: Staatsbank der DDR, Banknote zu 5 Mark von 1975, Musterschein mit Perforation "MUSTER", Vorderseite mit Porträt von Thomas Müntzer. Abb. 10: Deutsche Post der DDR, Briefmarke der Serie "Deutsche Patrioten" zum Bauernkrieg 1525 mit Darstellung von Thomas Müntzer und Bauern mit der "Bundschuhfahne" zu 12 Pfennig aus dem Jahr 1953. Abb. 11: Deutsche Post der DDR, Briefmarkenblock zum 450. Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges von 1975 mit Werten zu 5, 10, 20, 25, 35 und 50 Pfennig. Abb. 12: Deutsche Post der DDR, Kleinbogen zur "Thoms-Müntzer-Ehrung der DDR 1989" mit Gedenkmarken zu 4 x 20 Pfennig. Szene aus dem Monumentalgemälde von Werner Tübke im Bauernkriegspanorama Frankenhausen mit Thomas Müntzer in der Schlacht bei Frankenhausen. Abb. 13: Denkmal für Thomas Müntzer in seiner Geburtsstadt Stolberg (Harz). Das historische Interesse an den Bauernkriegen war lange erloschen. Insbesondere im Geschichtsbild der DDR fand Thomas Müntzer jedoch einen besonderen Platz, nicht zuletzt weil Friedrich Engels die Aufstände als „großartigsten Revolutionsversuch des deutschen Volkes“ bezeichnet hatte. Müntzer wurde auf Briefmarken, Gedenkmünzen und Medaillen abgebildet. Das 450-jährige Jubiläum der „frühbürgerlichen Revolution“ wurde für ausgiebige Festlichkeiten genutzt. Sogar auf der ab 1979 gültigen 5-Mark-Banknote (Datierung von 1975) war Müntzer zu sehen. 1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer, wurde noch eine 20-Mark-Gedenkmünze auf den 500. Geburtstag von Müntzer ausgegeben. Elias Heindl Abbildungsnachweis: Abb. 1, 5-12: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte Abb. 2, 3, 4: Bildarchiv Battenberg Bayerland Verlag
- Lexikon: Ledergeld
In der chinesischen Literatur wird ein Ledergeld des Kaisers Wu (140 bis 86 v.u.Z.) erwähnt, das aus dem Leder weißer Hirsche hergestellt, bemalt und bestickt war. Es handelte sich aber wohl mehr um ein am Hofe benutztes Symbolgeld. Gedrucktes Ledergeld gab es erst im 19. Jahrhundert. Im Baltikum wurden zwischen 1810 und 1831 verschiedene Ausgaben bekannt: Dorpat, Stadt: 1813, 1814, 1818, 1831, 25 Kopeken, 1 und 2 Rubel; Pernau, Stadt: 1820, 1 Rubel; Reval, Stadt: 1820, 50 Kopeken; Werro: 1815, 50 Kopeken; Woisek, Spiegelfabrik: 1820, 1 Rubel. Ledergeld der Stadt Dorpat (Tartu im heutigen Estland) über 1 Rubel von 1813. Das noch in russischer Zeit in Alaska (Russisch-Amerika) 1818 bis 1825 ausgegebene Geld über 10, 25 und 50 Kopeken sowie über 1, 5, 10 und 25 Rubel bestand aus Seal-Leder (Leder aus Walross-Häuten). Russisch-Amerika: 1 Rubel (Одинъ Рубль.) o. D., Vorder- und Rückseite. Beispiele für gedrucktes Ledergeld des 20. Jahrhunderts sind in Deutschland: Pößneck, Stadt: 1923, die wohl bekanntesten Ausgaben von Ledergeld als Inflations- und wertbeständiges Notgeld; Borna, A. Goedel: 1923, Sohlenlederstücke in verschiedenen Größen und Werten als wertbeständiges Notgeld; Paderborn, W. Mosheim, Notgeldhaus: 1923, 250, 500 und 1000 Mark auf Glacéleder; Osterwieck, Stadt: 1922/23, die in vielen Sammlungen vorkommenden Scheine aus Glacéleder waren als "Bausteine" bezeichnete Quittungen und kein Geld im eigentlichen Sinne. Pößneck, Stadt: Ledergeld zu 5 Millionen Mark vom 11. August 1923 auf hellbraunem Schafsleder, Vorder- und Rückseite. Pößneck, Stadt: sog. Stiefelsohlengeld zu 50 Goldpfennig vom 27. September 1923 auf dem Schuhleder eines Herrenabsatzes. Osterwieck, Stadt: Baustein über 500 Mark vom 4. Dezember 1922 (1923) auf weißem Glacélader, Vorder- und Rückseite. Auch in den USA gab es Ledergeld: Albany (Oregon), Sterberg: 1933, 10, 25 Cents, 1 Dollar (gestempelte Lederstücke). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de
- Der große Geldraub - Die Währungsreform in der Tschechoslowakei im Juni 1953
Seit Gründung der Tschechoslowakei im Oktober 1918 wurden auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik vier Währungsumstellungen vorgenommen: Im März 1919, im November 1945, im Juni 1953 und schließlich im Februar 1993, als – nachdem sich die Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR) Ende 1992 aufgelöst hatte und die beiden Nachfolgestaaten Tschechische Republik und Slowakei entstanden waren - eine Separierung der tschechoslowakischen Währung in eine tschechische und eine slowakische Krone erfolgte. Im Rahmen einer Beitragsreihe sollen Ursachen, Hintergründe und die Durchführung der einzelnen Währungsumstellungen beleuchtet, und dabei natürlich auch Geldscheine vorgestellt werden, die im Rahmen dieser Umtauschaktionen ausgegeben wurden. Der vierte und letzte Teil der Reihe beschäftigt sich mit dem „großen Geldraub“ [1] – der Währungsreform im Juni 1953. Die Währungsreform vom November 1945 hatte die Währungsprobleme in der Tschecho-slowakei nicht lösen können. Die verfügbare Warenmenge blieb im Verhältnis zur umlau-fenden Geldmenge zu gering. Steigende Löhne, und selbst ein ab 1949 eingerichtetes System von Geschäften mit freien, gegenüber den staatlich festgelegten deutlich höheren Preisen für Textilien, Kosmetika und Lebensmittel, verbunden mit einem besseren Waren-angebot, konnte die verfügbare Geldmenge nicht ausreichend abschöpfen. Die Löhne stiegen weiter, die Preise im freien Markt zogen nach. Schlange vor einem Lebensmittelgeschäft (nationales Unternehmen), Prag 1948. Quelle: Archiv der ČNB . Die Notwendigkeit einer erneuten Währungsreform war daher bereits im Februar 1948 offensichtlich [2] , als die kommunistische Partei unter Klement Gottwald in einem Staatsstreich die Macht übernahm. Diese gestaltete innerhalb kurzer Zeit die tschechoslowakische Wirt-schaft in eine staatliche gelenkte Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild um. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg war die Gründung der Tschechoslowakischen Staatsbank [3] zum 1. April 1950, die am 3. Juli 1950 ihre Tätigkeit aufnahm [4] und auf die sowohl die Tätigkeit der Handelsbank, der Postsparkasse, der slowakischen Tatrabank als auch der bisher Banknoten emittierenden Tschechoslowakischen Nationalbank überführt wurde. Das Gesicht des Sozialismus machte auch vor den wenigen zwischen 1950 und 1953 ausgegebenen Geldscheinen nicht halt. So zeigen die Staatsnoten vom 1. Mai 1949 zu 20 Kronen eine Bäuerin in Tracht und die zu 50 Kronen vom 29. August 1950 einen Bergmann vor einer Förderanlage. Zahlreiche weitere Banknotenentwürfe in den Wertstufen 20, 100, 500 und 1.000 Kronen [5] im Stil des sozialistischen Realismus wurden nicht mehr umgesetzt und teilweise bereits gedruckte Scheine im Herbst 1954 vernichtet. Von der Banknote zu 100 Kronen vom 24. Oktober 1951 und der Staatsnote zu 20 Kronen vom 25. Februar 1953 sind nur wenige Originale der Vernichtung entgangen, für die heute hohe Preise gezahlt werden. Von beiden Scheinen gibt es von der tschechischen Wertpapierdruckerei STC für Sammler hergestellte Nachdrucke auf Wasserzeichenpapier, teilweise mit laufender Kontrollnummer. Achtung – es besteht Verwechslungsgefahr mit den seltenen Originalscheinen! Lesen Sie hier einen Beitrag zu den modernen Nachdrucken: https://www.geldscheine-online.com/post/offizielle-nachdrucke-von-nicht-ausgegebenen-banknoten-der-tschechoslowakei Banknote zu 10 Kronen Ausgabe 1953 (Vorderseite), russischer Druck. Pick 83a), Hejzlar 92a). Banknote zu 10 Kronen Ausgabe 1953 (Rückseite). Abbildung des Staatswappens. Während in der Wertpapierdruckerei der Staatsbank der Tschechoslowakei weiterhin an der Entwicklung neuer Geldscheine gearbeitet wurde, hatte die kommunistische Führung bereits entschieden, heimlich neue Geldzeichen für eine Währungsreform in der UdSSR herstellen zu lassen. Im Dezember 1952 beauftragte die Regierung des Č SSR den stellvertretenden Finanzminister Bohumil Suchard, unter strengster Geheimhaltung Verhandlungen mit der sowjetischen Wertpapierdruckerei Gosnak über den Druck neuen Banknoten zu führen. Der entsprechende Vertrag wurde am 10. April 1953 in Moskau unterschrieben, als der Druck der Scheine schon weit fortgeschritten war [6] . Die Scheine trafen am 24. Mai in der Č SSR ein, wo sie unter großer Geheimhaltung in Lagerhäusern des Militärs zwischengelagert wurden. Die Annäherung der tschechoslowakischen kommunistischen Partei an Moskau machte selbst vor dem Nominalen der im Offsetdruck auf Wasserzeichen gedruckten Geldzeichen nicht halt: Die Wertstufen entsprachen exakt denjenigen der russischen Rubelnoten. Erstmals wurden in der Tschechoslowakei Geldscheine zu 3 und 25 Kronen ausgegeben – Nominale, die es seit Gründung des Staates als Münzen oder Geldscheine nicht gegeben hatte. Man unterschied wieder zwischen Staatsnoten in den Wertstufen zu 1, 3 und 5 Kronen [7] , und Banknoten der Staatsbank der Č SSR in den Wertstufen zu 10, 25, 50 und 100 Kronen [8] . Die grafische Gestaltung der Staatsnoten und Banknoten ist oft als wenig ansprechend und „russisch“ kritisiert worden. Die Scheine sind jedoch grafisch ordentlich gemacht, zudem sind sie im Gegensatz zu den späteren Serien durchgehend zweisprachig in tschechischer und slowakischer Sprache. Die Noten zu 25, 50 und 100 Kronen zeigen auf der Rückseite mit Stadtansichten von Tábor, Banská Bistrica und Prag heimische Motive. Verantwortlich für die Gestaltung waren mehrere bei Gosnak beschäftigte Grafiker, u. a. der Chefgrafiker Iwan Iwanowitsch Dubasok [9] . Staatsnote zu 3 Kronen (Vorderseite), ausgegeben ab 1. Juni 1953. Gedruckt bei Gosnak. Pick 79a, Hejzlar 90a. Staatsnote zu 3 Kronen (Rückseite) - Abbildung Staatswappen. Die anstehende Währungsreform wurde am Samstag, den 30. Mai 1953 durch das Gesetz Nr. 41/1953 beschlossen, und durch eine Radioansprache vom Premierminister Viliam Široký am selben Tag verkündet. Der Geldumtausch wurde von Sonntag, den 1. Juni bis Mittwoch, den 4. Juni 1953 durchgeführt. Die Bevölkerung war völlig überrascht, zumal Staatspräsident Antonín Zápotocký in einer Radioansprache am Freitag, den 29. Mai 1953 noch behauptet hatte, eine Währungsreform sei nicht geplant [10] . Alle umlaufenden Geldzeichen – Scheine und Münzen – waren gegen die neuen in Moskau hergestellten Geldzeichen umzutauschen. Dabei wurde je Privatperson ein Betrag von bis zu 300 Kronen im Verhältnis 5:1 gegen neue Noten umgetauscht, der darüber hinausgehende Betrag im Verhältnis von 50:1. Für private Sparguthaben galten variable Umtauschsätze von 5:1 für Beträge bis 5000 Kronen, bis zu 31:1 für Beträge über 50.000 Kronen. Geldbeträge und Guthaben privater Firmen wurden generell im Verhältnis 50:1 umgestellt, während für staatliche Organisationen ein Umstellungs-verhältnis von 5:1 galt, ebenso wie für Löhne und Rentenzahlungen. Zugleich wurden alle noch blockierten Guthaben aus der Währungsumstellung vom November 1945 entschädigungslos gestrichen. Ebenso wurden sämtliche Staatsanleihen sowie Schuldverschreibungen und Hypothekenpfandbriefe von Banken für wertlos erklärt. Größere Geldvermögen in privater Hand wurden damit radikal enteignet, weshalb die Währungsreform von 1953 oft als „großer staatlicher Geldraub“ bezeichnet wird. Anstehen für den Währungsumtausch am 1. Juni 1953. Quelle: Archiv der ČNB. Zugleich verkündete die Regierung ein neues System festgelegter Preise für Handelswaren und Konsumgüter, die (nach Umstellung) etwa doppelt so hoch lagen wie die staatlichen Preise vor der Geldumstellung [11] . Von der Regierung wurde die Währungsreform als ein Schlag gegen Schieber und Spekulanten sowie zur Aufhebung der Rationierung für die meisten Waren als große soziale Leistung gefeiert. Es existieren zahlreiche zeitgenössische Fotos und Filme, die volle Schaufenster und gut gefüllte Warenhäuser zeigen. Die Realität muss anders ausgesehen haben, denn viele Konsumgüter waren durch das neue Preissystem für Durchschnittsverdiener unerschwinglich geworden. Man schätzt, dass der Lebensstandard der Bevölkerung durch die Währungsumstellung um etwa 15% zurückging. In Folge des rapiden Kaufkraftverlustes und der Entwertung von Sparguthaben kam es in den Folgemonaten zu zahlreichen Protesten, u. a. von Arbeitern der Š koda-Werke in Pilsen, die durch die Machthaber massiv unterdrückt wurden, zugleich aber zu Preissenkungen führten. Banknote zu 50 Kronen Ausgabe 1953 (Vorderseite), russischer Druck. Abgebildet ist das 1950 von Karel Pokorny geschaffene Denkmal "Brüderlichkeit", das auf dem Bahnhofsvorplatz von Česká Třebová (Böhmisch Trübau) aufgestellt ist. Es gilt als ein Musterbeispiel für die Kunstrichtung des sogenannten "Sozalistischen Realismus". Pick 85a) , Hejzlar 94a). Banknote zu 50 Kronen Ausgabe 1953 (Rückseite) - Ansicht von Banská Bystrica (Neusohl). Mit der Währungsreform von 1953 und der Einführung eines Systems staatlich gelenkter Löhne und Preise entkoppelte sich die tschechoslowakische Wirtschaft vollständig vom Preis als Indikator für Angebot und Nachfrage. Es entstand eine sozialistische Planwirtschaft, die auf Lenkung und Güterzuteilung nach Planvorgaben statt auf Angebots- und Nachfrageregulierung durch Preise setzte. Der Wechselkurs für die neue Krone wurde mit 7,20 Kronen je US-Dollar willkürlich festgelegt, und in den Folgejahren u. a. für den Tourismus sowie für Exporte immer wieder korrigiert. Es entstand eine für osteuropäische Planwirtschaften typische Mangel- und Fehlwirtschaft. Alte Banknoten am Umtauschtag - Quelle: Archiv der ČNB. Von den ab dem 1. Juni 1953 ausgegeben Geldzeichen gibt es zwei Varianten – einmal die bei Gosnak gedruckte Erstausgabe, zum anderen die in der Staatlichen Wertpapierdruckerei STC in Prag hergestellte Zweitauflage. Beide Serien unterscheiden sich durch die Ziffern der Nummerierung, sowie aufgrund der Serien. Varianten der Kontrollnummern am Beispiel der Staatsnote zu 3 Kronen - oben die Zifferntype der bei Gosnak gedruckten Scheine (Serien AA-CB und ZA-ZB), unten die bei der Staatlichen Wertpapierdruckerei STC in Prag hergestellte zweite Auflage (Serien HA - RV). Die in der Č SSR produzierten Scheine beginnen alle mit der Serie HA und folgende, während die Serien der bei Gosnak gedruckten Scheine mit den Buchstaben A und B sowie – bei den Reservenoten – mit dem Buchstaben Z beginnen [12] . Beide Varianten sind heute in kassen-frischer Erhaltung einfach zu bekommen; entsprechende Scheine stammen aus den Restbeständen der Staatsbank. Während die Staatsnote zu 1 Krone bereits 1960 aus dem Umlauf genommen wurde, blieben die Staatsnoten zu 3 und 5 Kronen bis 1972 gültig. Von diesen Scheinen gibt es eine Nachauflage mit Datum 1961, einer geänderten Staatsbezeichnung und dem Schaurand auf der linken statt auf der rechten Seite. Die Banknoten zu 10 bis 100 Kronen wurden zwischen 1962 und 1967 eingezogen. Sie erinnerten die tschechoslowakische Bevölkerung noch viele Jahre an den „großen Geldraub“, der im Prinzip eine Bankrotterklärung der sozialistischen Planwirtschaft war. Da die Č SSR als Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF), dessen Gründungsmitglied sie 1945 gewesen war, durch die fehlende Vorabinformation über die Währungsumstellung an den IWF ihre Pflichten verletzte, wurde sie Ende 1953 als Mitglied suspendiert, was den Zugang des Landes zum internationalen Kapitalmarkt erheblich erschwerte. Erst 1990 trat die Tschechoslowakei dieser Organisation wieder bei. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen: So der Titel eines Buches von Zdenék Jirásek und Jaroslav Sula über die Währungsreform vom 1. Juni 1953, erschienen in Prag 1992. Die Situation war vergleichbar mit derjenigen in Österreich. Dort kam es nach der Einführung der Schillingwährung im Dezember 1945 nur drei Jahre später, im Dezember 1947, zu einer erneuten Währungsreform, verbunden mit einem Währungsschnitt von 3:1, der allerdings nur Bargeld und Kontoguthaben betraf. Löhne und Preise wurden nicht umgestellt. Durch Gesetz Nr. 31/1950 vom 9. März 1950. Verordnung des Finanzministeriums Nummer 383/1950 Zahlreiche Abbildungen von Entwürfen bei Tomsik, 100 Years of the Koruna, S. 247 ff. S. dazu Tomsik, a.a.O, S. 266 Hejzlar, Papirova platidla, 2. Auflage Prag 2022, Katalognummern 89-91, Pick 78-80 Hejzlar 92-95, Pick 81-86 Zu den Details Šustek, Neznámi autori československých papierových platidiel z rokov 1944, 1953 a 1961. Numizmatika 15 (1997), S. 80 – 89. Was fatal an den Satz von Ulbricht erinnerte, wonach „niemand die Absicht [habe], eine Mauer zu errichten“, den er in einer Pressekonferenz in Berlin-Ost am 15. Juni 1961 in Berlin sagte. Zwei Monate später hatte die DDR eine Mauer errichtet. Tomsik, a.a.O., S. 33. Nachweise der Seriennummern bei Hejzlar, a.a.O., S. 198 ff.
- Aus privaten Sammlungen: Unfertig – Sudan, 25 Piaster Ausgabe 1956
Makulatur : Nach dem Papiergeld-Lexikon von Albert Pick (München 1978) die Bezeichnung für alle während der Herstellung misslungenen Drucke, die beim Wertpapierdruck vernichtet werden müssen; nicht zu verwechseln mit Fehldrucken, Druckzufälligkeiten und Druckfehlern. Ist der vorliegende Schein Makulatur? Zum geschichtlichen Hintergrund Am 1. Januar 1956 erlangte der Sudan seine staatliche Unabhängigkeit. Zur Errichtung einer eigenen Währung wurde das auch mit ausländischen Fachleuten besetzte Sudan Currency Board geschaffen, Vorläuferin der 1959 gegründeten Bank of Sudan, die im Februar 1960 den Geschäftsbetrieb aufnahm. Zu den Aufgaben des Sudan Currency Boards gehörte die Schaffung einer eigenen sudanesischen Währung. Auf dem Gebiet des neuen Staates galt das ägyptische Pfund. Die Wertpapierdruckerei Waterlow & Sons in London wurde 1956 mit der Herstellung einer neuen Banknotenserie in den Wertstufen 25 und 50 Piaster, sowie 1, 5 und 10 sudanesische Pfund beauftragt. Die Wertstufen zu 25 und 50 Piaster sowie zu 1 Pfund gelangten im April 1957 in den Umlauf und lösten die ägyptischen Banknoten im Verhältnis 1:1 ab. Eine Zweitauflage der Scheine wurde 1959 bei Thomas de la Rue in England in Auftrag gegeben, und ab 1960 in den Umlauf gegeben. Aus der bei Waterlow & Sons gedruckten Serie stammt der vorliegende unfertige Schein. Es fehlen Serie und Kontrollnummer. Der Schein ist an drei Seiten formatgerecht beschnitten, am vorderseitig rechten Rand fehlt der Beschnitt, so dass der Schein ca. 1 cm länger ist als das Original. Schön zu sehen sind am rechten Rand der Vorderseite die Passmarken für den Unterdruck, der im Offsetdruck ausgeführt ist, während der rote Druck der Hauptplatte im Stahlstich-Tiefdruck ausgeführt wurde. Auf der Rückseite am linken Rand sind die Passmarken für die beiden Druckgänge der Rückseite zu erkennen, die beide im Offsetdruck ausgeführt wurden – dunkelrot für die Guillochen, die Wertangabe und das Bild, hellrot für den Unterdruck. Das Papier enthält die als Fälschungsschutz eingestreute rote und grüne Planchetten. Der Schein zeigt keine Umlaufspuren. Große Wertpapierdruckereien führen über die Druckauflagen der von ihnen produzierten Scheine genau Buch und weisen diese in der Regel auch den Auftraggebern in Form von Protokollen nach, schon um die Auflagenhöhen korrekt nachzuweisen und in Rechnung stellen zu können. Ebenfalls protokolliert werden aussortierte Drucke, etwa aufgrund von Druckfehlern. Diese werden üblicherweise nach Beendigung des Druckauftrags in der Druckerei vernichtet, worüber ebenfalls Protokoll geführt wird. Die Definition Makulatur erfüllt der vorliegende Schein nicht. Er ist nicht während der Herstellung misslungen, sondern schlicht nicht fertig produziert worden. Es fehlt ein Randbeschnitt sowie die Nummerierung. Ob er aus Restbeständen der Druckerei stammt und dort (auf welchem Weg auch immer) der Vernichtung entgangen ist, oder zusammen mit den fertiggestellten Noten 1957 dem Sudan Currency Board übergeben worden ist, ist heute nicht mehr zu klären. Als kassenfrisches Originalstück ist der Schein selten und gesucht. Als unfertiges Exemplar stellt er eine schöne Ergänzung zum gelaufenen Stück dar, an dem man die technische Herstellung der Banknote nachvollziehen kann. Zum Vergleich: Sudan, Currency Board, 25 Piaster vom 05.09.1956, gelaufenes Stück (Vorder- und Rückseite, Sammlung Dr. Sven Gerhard. Objekttyp: Banknote (unfertig) Sammlung: Sammlung Dr. Sven Gerhard Authentizität: Original Land/Region/Ort: Sudan Emittent: Sudan Currency Board Nominal: 25 Piaster Datierung: 5. September 1956 Vorderseite: Emittent, Zahlungsversprechen, Wertangabe in arabischer Schrift, Polizeitruppe mit Gewehr. Rückseite: Emittent und Wertangabe in Englisch, Postreiter auf Dromedar. Unterschriften: Ibrahim Osman Ishag und Mamoun Ahmed A. Beheiry. Material: Papier mit roten und blauen Planchetten. Format: 131 mm x 65 mm. Druck: Waterlow & Sons, London. Nummerierung: keine Umlauf: der Originalschein, ab April 1957 bis vermutlich 1970er-Jahre. Zitate : Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II–General Issues - zu 1 B, The Banknote Book - zu SCB1. Dr. Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .
- Reisescheckverkehr in der DDR
Reiseschecks waren über viele Jahre weltweit ein beliebtes Reisezahlungsmittel, bevor Kreditkarten diese Funktion übernahmen. Sie konnten am Wohnsitz des Reisenden bei Banken oder anderen Einrichtungen gegen eine Gebühr käuflich erworben und am Reiseziel gegen Bargeld umgetauscht oder zur Bezahlung verwendet werden. Dafür musste der Inhaber sich mit einer zweiten Unterschrift auf dem Scheck legitimieren (Gegenzeichnung), nachdem die erste Unterschrift bereits bei Ausgabe des Schecks zu leisten war. Daneben boten die Schecks den Vorteil, dass sie bei Verlust ersetzt wurden. Reiseschecks sind ein eigenes Sammelgebiet. Sie können auch eine interessante Ergänzung zu einer Geldscheinsammlung sein, weil sie im Reiseverkehr eine Bargeldersatzfunktion hatten. Es lohnt ein Blick auf gelaufene Reiseschecks, die Ausgabestelle, den Ausgabeort und das Ausgabedatum, sowie den Einlösungsort – jeder Scheck erzählt die Geschichte einer Reise. Der Reisescheck mit Gegenzeichnung wurde von American Express Company entwickelt. Nach einer Europareise hatte sich ein Angestellter der Firma beklagt, dass er außerhalb der europäischen Hauptstädte kein Bargeld eintauschen konnte. William C. Fargo, der Neffe des American-Express-Mitinhabers William G. Fargo, löste den ersten Reisescheck in Höhe von 50 US-Dollars am 5. August 1891 im Hotel Hauffe in Leipzig ein [1] . Reisescheck der Staatsbank der DDR über 50 Mark, ausgegeben am 17. Oktober 1986 in Budapest von der Ungarischen Nationalbank und eingelöst im Oktober 1986 bei einer Kreisfiliale der Staatsbank der DDR, genaues Datum und Ort unleserlich. Reisescheck der Staatsbank der DDR über 50 Mark: Rückseite mit Ausgabestempel der Ungarischen Nationalbank und Druckvermerk. Auch im Reiseverkehr zwischen sozialistischen Staaten waren seit den 1950er Jahren Reiseschecks gebräuchlich, die von den Staats- oder Außenhandelsbanken der RGW-Länder ausgegeben wurden [2] . Die ersten Auslands-Reiseschecks der DDR gab 1957 die Deutsche Notenbank aus. Sie lautenden auf Deutsche Mark (der Deutschen Notenbank), bekannt sind Schecks in den Wertstufen 5, 20, 100 und 500 DM-DN. Es gibt zwei unterschiedliche Verwendungsweisen und entsprechend zwei unterschiedliche Ausführungen – zum einen Schecks, die von DDR-Bürgern für Reisen in sozialistische Länder verwendet wurden. Auf der Rückseite sind hier feste Beträge in Landeswährungen sozialistischer Staaten angegeben, zu denen der Scheck im Ausland eingewechselt werden konnte. Zum anderen gibt es Schecks, die im Ausland erworben und in der DDR eingelöst wurden, ein roter Aufdruck auf der Vorderseite des Schecks „Zahlbar in der Deutschen Demokratischen Republik“ sowie die auf der Rückseite aufgeführten Einwechselbestimmungen in der DDR machen das deutlich. Von 1967 bis 1978 übernahm die Ausgabe von Reiseschecks in der DDR die Deutschen Aussenhandelsbank (DABA), die Schecks zu 20, 50, 100, 200 und 500 Mark der DDR ausgab [3] , von denen es ebenfalls analog der Deutschen Notenbank zwei unterschiedliche Ausführungen gibt und die damit sowohl im Reiseverkehr von DDR-Bürgern in das Ausland (Nominale zu 50, 200 und 500 Mark, Serien D-F) als auch - mit Aufdruck - für Reisen in die DDR Verwendung fanden (Nominale zu 20, 100 und 500 Mark, Serien A-C). Identifizieren lassen sich die Ausgabejahre anhand der Druckvermerke auf den Rückseiten der Schecks, die in der DDR für jedes Druckerzeugnis obligatorisch waren [4] . Ab 1978 wurden Reiseschecks von der Staatsbank der DDR ausgegeben. Es gibt nur noch eine Serie mit Wertstufen zu 50, 200 und 500 Mark [5] , die bis 1990 ausgegeben wurden und die grundsätzlich für Reisende aus sozialistischen Staaten in die DDR bestimmt war, wenngleich eine Verwendung durch DDR-Bürgern im Ausland für bestimmte Länder nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden kann. Gelaufene Exemplare dieser Serie sind in der Regel für wenige Euro erhältlich, während gelaufene Exemplare der Reiseschecks der Deutschen Notenbank und der DABA sehr selten sind. Reisescheck der Rumänischen Aussenhandelsbank über 500 Lei, verkauft am 4. September 1984 durch die Staatsbank der DDR Kreisfiliale Gera und eingelöst am 15. September 1984 in Cluj, Rumänien. Reisescheck der Rumänischen Aussenhandelsbank über 500 Lei: Rückseite mit Einlösungsstempel Cluj. Reiseschecks der sozialistischen Staaten erfüllten einen anderen Zweck als etwa die von Banken, Thomas Cook oder der American Express in westlichen Ländern ausgegeben Reiseschecks in konvertiblen Währungen: Während letztere vor allem dazu dienten, den Reisezahlungsverkehr zu erleichtern, unbegrenzt gültig waren, eine Versicherung bei Diebstahl und Verlust boten und grundsätzlich in unbegrenzter Höhe erworben werden konnten, hatten die Reiseschecks der RGW-Staaten vor allem die Funktion, die Zuteilung von Reisedevisen an Bürger des eigenen Landes im Rahmen der unter den Staats- und Außenhandelsbanken verhandelten Devisenkontingenten zu steuern, da die Währungen dieser Länder nicht konvertibel waren [6] . Das erkennt man auch an den recht hohen Nennwerten der Schecks (die Schecks der Deutschen Notenbank über 5 DM-DN bilden hier eine frühe Ausnahme) – es sollte ein einmaliger Umtausch des für die Reise notwendigen Betrages im Reiseland erfolgen. Vermieden werden sollte durch die Ausgabe von Reiseschecks, Reisende nur mit Bargeld des Reiseziellandes ausstatten zu müssen, dessen Ein- und Ausfuhr auch im Reiseverkehr zwischen sozialistischen Staaten der Höhe nach begrenzt war. Auch die Ausfuhr heimischer Währung zwecks Umtauschs im Reiseland war nicht erwünscht, da dieses die Devisenplanung gestört hätte. Daher war auch die Gültigkeit von Reiseschecks in sozialistischen Ländern regelmäßig auf 6 bzw. 12 Monate ab Ausstellungsdatum beschränkt, nämlich um eine zeitnahe Abrechnung und eine Anrechnung auf bestehende Devisenkontingente sicherzustellen. Im Reiseverkehr zwischen sozialistischen Ländern erfolgte in der Praxis eine Ausstattung von Reisenden bei kürzeren Reisen mit Bargeldbeträgen in ausländischer Währung, während bei längeren Reisen eine Ausstattung mit Reisezahlungsmitteln regelmäßig in Form eines kleineren Bargeldbetrages, sowie im Übrigen in Reiseschecks erfolgte. Die Grundlage für die Ausgabe von Reiseschecks im Reiseverkehr zwischen den sozialistischen Staaten bildet das sogenannte Bukarester Abkommen vom 24. Juni 1963. Darin verpflichteten sich die Staaten des RGW, ihren Bürger bei Reisen in das sozialistische Ausland den Umtausch von Fremdwährungen im Gegenwert von 10 Rubel je Aufenthaltstag im Ausland zu ermöglichen. Was einfach klingt, sorgte in der Praxis oft für zähe Verhandlungen zwischen den Staatsbanken der Länder, insbesondere wenn es um die rechtzeitige Zurverfügungstellung vereinbarter Bargeldbeträge und Reisescheck-Kontingente sowie die Umrechnung der einzelnen Währungen zueinander ging. Diese standen zwar in einem festen Verhältnis zum sowjetischen (Transfer-)Rubel, jedoch kamen im touristischen Reiseverkehr oftmals abweichende Kurse zur Anwendung, über die intensiv verhandelt wurde. Reisescheck über 50 Pesos der Banco Nacional de Cuba, verkauft am 27. November 1987 durch die Staatsbank der DDR Kreisfiliale Dresden und eingelöst am 2. Dezember 1987 auf Kuba. Gedruckt wurden diese Schecks in der Staatsdruckerei der Tschechoslowakei in Prag, erkennbar an der Kontrollnummer. Reisescheck über 50 Pesos der Banco Nacional de Cuba: Rückseite mit Einlösestempel vom 2. Dezember 1987 und Abrechnungsstempel der Banco Nacional de Cuba vom 7. Dezember 1987. Für den Reisescheckverkehr in der DDR regelte ab März 1979 die Anordnung über die Durchführung des Reisescheckverkehrs vom 5. Januar 1979 [7] die Details des An- und Verkaufs von Reiseschecks, einmal bezogen auf die Ausgabe und Einlösung von auf Mark lautenden Reiseschecks der Staatsbank der DDR, zum anderen bezogen auf die Ausgabe von Schecks auf Währungen der RGW-Länder und anderer Staaten. Nach § 3 der Verordnung wurden auf Mark lautende Reiseschecks durch die Staatsbank der DDR ausländischen Banken auf Grundlage der mit diesen getroffenen Vereinbarungen zur Verfügung gestellt, während gemäß § 9 die Kreditinstitute der DDR den Verkauf von Reiseschecks ausländischer Währungen gegen eine Gebühr [8] und zu festgelegten Umrechnungskursen vornahmen, welche die Staatsbank der DDR von den jeweiligen Staatsbanken ebenfalls auf Grundlage getroffener Vereinbarungen erhalten hatte. Nach § 12 der Verordnung war mit Zustimmung der Staatsbank ein Verkauf von Reiseschecks in ausländischer Währung auch durch andere Betriebe möglich, etwa durch Reisebüros. Man muss also im Reiseverkehr unterscheiden zwischen in die DDR eingehenden Reiseschecks, die auf Mark lauteten und von der Staatsbank der DDR ausgegeben, und die im Ausland verkauft wurden, sowie den in der DDR verkauften Schecks der Staatsbank sozialistischer Länder in deren Währungen. Daneben war gemäß § 15 der Verordnung auch der Ankauf von Reiseschecks ausländischer Banken geregelt. Diese Regelung betraf neben den Reiseschecks aus westlichen Staaten auch solche Länder, mit denen die DDR kein Abkommen über die Zuteilung von Reisedevisen geschlossen hatte. Die Gültigkeit von Reiseschecks der Staatsbank der DDR betrug 12 Monate ab Ausstellungsdatum. Ein Rücktausch nicht verbrauchter Reiseschecks in ausländischen Währungen war innerhalb der Gültigkeitsdauer bei den Verkaufsstellen spesenfrei möglich. Das System der gegenseitigen Vereinbarungen über die Zurverfügungstellung von Reisevaluta in bar und in Form von Reiseschecks hatte sich bis Ende der 1970er Jahre zwischen den RGW-Staaten etabliert [9] . Zuvor – seit Mitte der 1960er Jahre – fand für den Verkauf von Reiseschecks in der DDR das sogenannte MARS-System Anwendung. MARS steht für Mark-Auslandsreiseschecks: Bestanden keine gesonderten Abkommen mit ausländischen Staats- oder Handelsbanken über den Verkauf von Reiseschecks lautend auf die Währungen dieser Länder, erhielten Reisende aus der DDR auf DM (DNB), MDN bzw. Mark lautende Schecks der Deutschen Notenbank, der Deutschen Außenhandelsbank bzw. der Staatsbank der DDR, die dann im Ausland zu zwischen den Staatsbanken vereinbarten Wechselkursen in Landeswährung umgetauscht werden konnten. 1981 waren bei der Staatsbank der DDR Reiseschecks in tschechoslowakischen Kronen, Z ł otych, Rubel, Forint, Lewa, Lei und nordkoreanischen Won verfügbar, daneben auch solche in jugoslawischen Dinar. 1982 kamen Schecks aus Kuba hinzu und 1986 solche aus der Mongolei. Reisescheck über 50 Rubel der Aussenhandelsbank der UdSSR, verkauft am 20. August 1973 durch das Reisebüro der DDR Zweigstelle Dresden, Ernst-Thälmann-Straße 22 und eingelöst am 11. September 1973 in der UdSSR, Einlösungsort und Einlösestelle unbekannt. Reisescheck über 50 Rubel: Rückseite. Hinter der Ausstattung von DDR-Touristen mit Reiseschecks stand ein komplexes System jährlicher Verhandlungen der Staatsbank der DDR mit den Staatsbanken anderer sozialistischer Länder, teilweise unter Einschaltung der Finanzministerien, über die Zuteilung von Reisedevisen in Form von Bargeld und Reiseschecks. Dem voraus ging eine Einschätzung des Bedarfs an einzelnen Währungen pro Jahr durch die Staatsbank der DDR, die sogenannte Valutadienstleistungsplanung. Aus den Beschränkungen der geplanten Beträge an fremden Währungen resultierten für die meisten Währungen [10] ein maximal zulässiger Umtauschbetrag pro Reisenden und Reisetag. Für den Staatshaushalt der DDR blieb der Saldo des Austauschs von Devisenkontingenten zu Reisezwecken mit anderen sozialistischen Ländern negativ, d.h. es wurden mehr Reisedevisen an DDR-Touristen ausgegeben als von Besuchern aus sozialistischen Ländern eingenommen. 1981 etwa stellte die Staatsbank der DDR für den nichtorganisierten Tourismus Reisezahlungsmittel im Gegenwert von 578 Millionen Mark zur Verfügung [11] , während die Gesamteinnahmen aus dem Tourismus von Reisenden aus sozialistischen Ländern einschließlich des organisierten Tourismus in die DDR nur mit 516 Millionen Mark geplant worden waren. Die negative Differenz musste durch die DDR mittels Exporten in die jeweiligen Länder ausgeglichen werden. Schwierigkeiten bestanden seit Ende der 1970er Jahre wegen der stetig steigenden Anzahl von Touristen aus der DDR insbesondere im Verhältnis zu Ungarn, da die dortige Staatsbank die Lieferung zugesagter Kontingente an Forint in bar und in Reiseschecks wegen der anhaltend negativen Devisenbilanz und des Ausbleibens zugesagter Warenlieferungen aus der DDR mehrfach zurückhielt. Da der Forint bei der Staatsbank der DDR knapp blieb, konnten auch die Umtauschbeträge für Reisende aus der DDR nach Ungarn nicht erhöht werden. Angesichts des für DDR-Touristen hohen Preisniveaus in Ungarn führte das im Ergebnis zu einer verstärkten illegalen Ausfuhr von Mark und einem Umtausch vor Ort auch durch ungarische staatliche Banken, was wiederum die Staatsbank der DDR alarmierte [12] . Umgekehrt lehnte aber auch diese etwa Anfang der 1980er Jahre Forderungen der polnischen Nationalbank nach einer Erhöhung der Kontingente an Reiseschecks in Mark für Reisende aus Polen ab, was sicherlich den politischen Verhältnissen dort und einer gewünschten Reduzierung auch des Einkaufstourismus aus Polen in die DDR geschuldet war. Je Land gab es Unterschiede hinsichtlich der Höhe der durch Reisende maximal zu erwerbenden Beträge in Landeswährung und damit in Reiseschecks. Touristen, die in die UdSSR und Polen reisten, konnten 1981 unbegrenzt Landeswährung erwerben, was angesichts praktisch fehlender Individual-Reisemöglichkeiten in die UdSSR und wegen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten nach Polen aufgrund des dort herrschenden Kriegsrechts ohne große Bedeutung blieb. Touristen nach Ungarn konnten bis zu 30,- Mark pro Reisetag, nach Bulgarien bis zu 40,- Mark pro Tag, nach Rumänien bis zu 20,- Mark pro Tag umtauschen. Die Bargeldbeträge für den Erwerb von Währungen dieser Länder waren gedeckelt, für den übersteigenden Betrag wurden Reiseschecks ausgegeben. Für touristische Tagesreisen in die ČSSR galt ein Ausstattungslimit von 60,- Kronen je Person, für 2-Tagesreisen 100,- Kronen pro Tag, für Reisen ab drei Tagen 120,- Kronen pro Tag, wobei für kürzere Reisen nur Banknoten ausgegeben werden sollten. Große Sprünge waren mit diesen Geldbeträgen im Reiseland jedenfalls nicht möglich. Aufstellung der Staatsbank der DDR für die Abgabe von Lewa-Banknoten und Lewa-Reiseschecks für touristische Reisen nach Bulgarien, mit Umrechnungskursen und Spesen als Arbeitsvorgabe für die Filialien der Staatsbank, 1981. Quelle: Bundesarchiv. Komplex und bürokratisch gestaltete sich die Disposition über die Scheckbestände in ausländischen Währungen bezogen auf den geschätzten Bedarf insbesondere während der Hauptreisezeit im Sommer, die rechtzeitige Bestellung von Schecks bei den Staatsbanken der sozialistischen Länder, die bedarfsgerechte Verteilung der Scheckbestände auf die Filialen der Staatsbank der DDR in den einzelnen Bezirken sowie auf andere mit dem Verkauf befasste Institutionen wie etwa Reisebüros, sowie im Rahmen des Verkaufs die Überwachung der Einhaltung von Umtauschhöchstbeträgen. Der mit der Ausgabe und Einlösung von Reiseschecks verbundene Verwaltungsaufwand bei der Staatsbank der DDR und den am Verkauf von Reiseschecks beteiligten Kreditinstituten war erheblich und band gerade in den Sommermonaten in größerem Umfang Personalkapazitäten. Reisen blieb auch zwischen sozialistischen Staaten ein (finanzielles) Abenteuer, von dem jeder Reisescheck eine kleine Geschichte erzählen kann. Dr. Sven Gerhard Hinweis Den Ausführungen liegen Unterlagen der Staatsbank der DDR zum Reisezahlungsverkehr zugrunde, die sich heute im Bundesarchiv in Berlin befinden. Ich danke Dr. Frank Metasch, Dresden, für seine Anmerkungen und Kommentare. Anmerkungen [1] Wikipedia Stichwort „Reisescheck“, https://de.wikipedia.org/wiki/Reisescheck , abgerufen am 29.12.2024. [2] S. etwa für die ČSSR Sustek, Korunové cestovné šeky Národnej a Štátnej banky československej z obdobia 1947 – 1992 (Kronen-Reiseschecks der National- und Staatsbank der Tschechoslowakei im Zeitraum 1947-1992), Numismatik 2016, S. 139 (in tschechischer Sprache), oder für Rumänien das Buch von Vasiliţă und Ivan, BANII TURIŞTILOR, Bukarest 2020. [3] S. Huschka, Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR, Neuausgabe 202, RS16 – RS 25. [4] Dazu Grabowski, Reiseschecks der Deutschen Aussenhandelsbank AG der DDR, geldscheine-online.com vom 8. November 2021. [5] Huschka RS27 – RS29. [6] Dazu etwa Gwiazda, Das Währungssystem der RGW-Länder, APuZ 4/1986. [7] Gesetzblatt der DDR 1979 Teil I, S. 48. Ob es bereits vor diesem Zeitpunkt Verordnungen über den Reisescheckverkehr in der DDR gegeben hat, bedarf weiterer Recherche. [8] Diese betrug zwei Prozent des Umtauschbetrages. [9] Ein solches Abkommen bestand beispielsweise seit 1973 mit der CSSR und seit 1974 mit Ungarn. [10] Außer Rubel und Zlotych [11] Interessant ist die Aufspaltung dieses Betrages nach Ländern – für die CSSR waren es 325 Millionen Mark, für Ungarn 142 Millionen Mark, für die UdSSR 64 Millionen Mark, für Polen 23 Millionen Mark, für Bulgarien 18 Millionen Mark und für Rumänien 6 Millionen Mark. Daneben gab es Kontingente für beruflich veranlasste sowie „gesellschaftlich organisierte“ Reisen, und für den Kultur- und Sportaustausch. [12] Aus einem Vermerk des Stellvertreters des Präsidenten der Staatsbank der DDR über ein Gespräch vom 1.7.1981 mit dem stellvertretenden Finanzminister der DDR.
- Leserpost: Lagergeld des Zweiten Weltkriegs
Guten Tag Herr Grabowski, ich habe in meiner Sammlung einen Schein Lagergeld 10 Pfennig auf bräunlichem Papier, ohne Wasserzeichen, entwertet und mit Unterschrift "Der Lagerkommandant" Hermann. Er hat Gebrauchsspuren! Ich gehe davon aus, dass er in einem Lager auch in Umlauf war. Die Entwertung ist sicherlich erfolgt, als die Lagerscheine mit Wasserzeichen Kreuzblüten und Unterschrift mit OKW in Umlauf kamen. Vielleicht lässt sich zu diesem Schein noch mehr sagen. Vielen Dank und mit besten Grüßen G. Schulze Antwort der Redaktion Da haben Sie einen sehr seltenen Schein in Ihrer Sammlung. Leider ist bis heute nicht geklärt, was es mit der vermutlich ersten Auflage des Kriegsgefangenenlagergelds der Wehrmacht mit „Der Lagerkommandant“ auf sich hat. Diese Scheine, von denen bisher nur Werte zu 1 und 10 Reichspfennig sowie 1 und 5 Reichsmark nachgewiesen sind, zeigen zwei Faksimile-Unterschriften, davon eine "Hermann" und sollen ebenfalls das Wasserzeichen Kreuzblüten wie die späteren Ausgaben mit "Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht" haben. Laut Auskunft durch unseren Autor Uwe Bronnert, ist dessen Schein mit "Der Lagerkommandant" aber ebenfalls ohne Wasserzeichen ausgeführt. Es fehlen schlicht die entsprechenden Unterlagen bzw. diese wurden noch nicht gefunden. Da bietet sich ein wahrhaft interessantes Feld für die Forschung. Der Schein ist in meinem aktuellen Katalog „Die deutschen Banknoten ab 1871“ unter DWM-13 aufgeführt und mit LP bewertet. Allerdings wird hier das Wasserzeichen Kreuzblüten angegeben. Wenn Ihr Schein kein Wasserzeichen hat, dann ist zu prüfen, ob es sich tatsächlich um ein Original aus der Zeit oder aber um eine Fälschung handelt. Fälschungen ohne Wasserzeichen sind ja von den OKW-Ausgaben bekannt. Kriegsgefangenen-Lagergeld: Muster zu 10 Reichspfennig mit "Der Lagerkommandant". Kriegsgefangenen-Lagergeld: 10 Reichspfennig mit "Der Lagerkommandant" und Kontrollnummer. Die sichtlichen Gebrauchsspuren ihres Scheins deuten auf eine Nutzung in einem Lager hin. Die Gegenlichtaufnahme bestätigt, dass ihr Schein kein Wasserzeichen hat. Ich habe die Abbildung ihres Scheins mit der mir vorliegenden Abbildung eines Originals verglichen. Das Druckbild ist deckungsgleich und auch die Zifferntypen der Kontrollnummer stimmen überein. Der Schein ist also allem Anschein nach echt, wobei das fehlende Wasserzeichen Fragen aufwirft, zumal Gebrauchsspuren auch absichtlich erzeugt werden können. Ich gehe trotz allem davon aus, dass es sich um einen echten Schein aus der Zeit handelt. Interessant wäre es nicht nur zu klären, was es mit der vermeintlich ersten Auflage auf sich hat, sondern ob andere Sammler auch noch über derartige Stücke ohne Wasserzeichen verfügen, so wie Herr Bronnert. Vielleicht wurden sogar alle "Lagerkommandanten-Scheine" als Muster auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt? Hermann Reinecke als Angeklagter im OKW-Prozess 1947/48. Abb. Wikipedia. Die Entwertung hängt sicher mit der Einführung der OKW-Serie zusammen. Die OKW-Scheine tragen übrigens die Unterschrift von General Hermann Reinecke (1888 – 1973), der von 1939 bis 1945 unter dem Chef des OKW, Wilhelm Keitel, verantwortlich für das Kriegsgefangenenwesen war. Ab 1942 war er außerdem Chef des Allgemeinen Wehrmachtsamtes im OKW und ab 1943 Chef des NS-Führungsstabes des OKW. Kriegsgefangenen-Lagergeld: 10 Reichspfennig mit "Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht" und Unterschrift von General Reinecke. Ob, und in welchen Kriegsgefangenen-Lagern die Ausgabe mit "Der Lagerkommandant" genutzt wurde sowie ab wann und wie lange sind natürlich spannende Fragen. Dass es sich ausschließlich um eine Musterserie handelt, die nie ausgegeben wurde, könnte ihr gebrauchter und entwerteter Schein widerlegen. Für die Musterserie sprechen allerdings die nicht bestimmbaren Unterschriften und die Bezeichnung "Der Lagerkommandant". Beides spricht dafür, dass ursprünglich die Ausgabe der Scheine – wahrscheinlich in Kombination mit Lagerstempeln und den Unterschriften der echten Lagerkommandanten – durch die einzelnen Lager erfolgen sollte, wie dies im Ersten Weltkrieg der Fall war. Wie bekannt, hat man sich dann auf die Einheitsausgabe durch das OKW verständigt und die teilweise noch verwendeten Abstempelungen durch einzelne Lager eingestellt. Gegen die Muster-Theorie spricht natürlich auch die Nummerierung. Bei Mustern ist nur die Serie 1 angegeben (siehe Abb.). Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 EUR Zur Leseprobe Zum Buch
- Aus privaten Sammlungen: 20 DM "Liberty" der Bank deutscher Länder von 1948
Die Bank deutscher Länder wurde am 1. März 1948 durch Gesetz der US-amerikanischen, britischen und später auch der französischen Militärregierungen als Zentralbank und alleinige Notenbank für die drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands errichtet. Am 20. Juni 1948 kam es entsprechend Gesetz über die Neuordnung des Geldwesens zur Währungsreform, bei der alle bis dahin umlaufenden Reichsbanknoten, Rentenbankscheine und Noten der Alliierten Militärbehörde ungültig und durch neue Noten mit der Währungs- bezeichnung Deutsche Mark ersetzt wurden, die man in den USA gedruckt hatte. Zunächst wurde lediglich ein sog. „Kopfgeld“ in Höhe von 60 DM pro Person im Verhältnis 1:1 umgetauscht. Darüber hinaus erfolgte der Umtausch nur für anerkannte Gelder, Forderungen und Schulden im Verhältnis 10:1. Ausgegeben wurden Werte zu 1/2, 1, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 DM, wobei es von den Zwanzigern und Fünfzigern je zwei verschiedene Ausführungen gab. Neben den Scheinen der normalen Serie mit Datierung 1948 gab es auch 20- und 50-DM-Scheine ohne Datierung und mit weiblichen Kopfbildnissen (Liberty), die sehr viel seltener sind, aber auch zur Währungsreform in Umlauf kamen. Sie wurden allerdings schon 1949, also viel früher als die anderen Scheine der Währungsreform, aus dem Verkehr gezogen. Während die 20- und 50-DM-Scheine der normale Serie 1948 von der American Bank Note Company hergestellt worden waren, kamen die beiden Scheine mit weiblichen Kopfbildnissen aus der Druckerei Tudor Press in Boston. Die überraschende Währungsreform in den Westzonen war die logische Konsequenz aus den offenen Widersprüchen zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion, trug damit aber auch zur Teilung Deutschlands bei. Sie stand am Beginn des „Deutschen Wirtschaftswunders“, das ohne die DM nicht möglich gewesen wäre. Nachfolgerin der Bank deutscher Länder wurde 1957 die Deutsche Bundesbank. Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Reich, Deutschland unter alliierter Besatzung, US-amerikanische, britische und französische Besatzungszone, Bank deutscher Länder: 20 Deutsche Mark ohne Datum (1948), "Liberty" Vorderseite: Links weibliches Kopfbildnis im Oval (Liberty), guillochen, Wertzahlen in den vier Ecken Rückseite: Wertangabe in Ornamenten Wasserzeichen: ohne Format: 156 mm x 67 mm Druck: Tudor Press, Boston Massachusetts, USA Umlauf: 20. Juni 1948 – 3. August 1949 Katalogreferenzen: WBZ-9a (Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) FRG-9a (World Paper Money, Vol. II, General Issues) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .
- Das preußische wertbeständige Notgeld von 1924: Der 5 Goldmark-Schein vom 3. Januar 1924
Die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld bedurfte 1923 nach der Verordnung vom 26. Oktober 1923 der Genehmigung des Reichsministers der Finanzen. Die Genehmigung wurde von der Hinterlegung von Schatzanweisungen der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches in Höhe des ausgegebenen Notgeldes (Reichsgoldanleihe) oder später von 6 %igen Goldschatzanweisungen, die eigens zur Deckung dieses Notgelds geschaffen wurden, abhängig gemacht. [1] Der Chef der Heeresleitung und zu diesem Zeitpunkt der Inhaber der vollziehenden Gewalt, General Hans von Seeckt, hatte unter dem Datum des 12. November 1923 eine Verordnung erlassen, in der er zur Beschaffung von Lebensmitteln Länder, Provinzen und Kommunen zur Ausgabe wertbeständigen Notgelds berechtigte. Der eingetretene Frost lasse es nicht zu, lange zu überlegen, um dem drohenden Hunger in der Bevölkerung entgegenzutreten und zu gewährleisten, dass die Bevölkerung in den Städten mit Lebensmitteln versorgt werden kann. Das Notgeld dürfe, wie schon in der Verordnung vom 26. Oktober 1923 vorgesehen, nur insoweit ausgegeben werden, wie es vom Reichsfinanzministerium als gedeckt angesehen werde. Die Nichtannahme des Notgeldes in den Ausgabebezirken werde unter Strafe gestellt. [2] Abb. 1: Generaloberst von Seeckt (links), mit Reichswehrminister Otto Geßler, 1926. Am gleichen Tag schrieb General Hans von Seeckt an seinen früheren Ausbilder General Richard von Kraewel: „Eine tolle Zeit, in der ich zu allerlei Tätigkeit komme, für die Sie mich seinerzeit nicht ausgebildet haben. Geht die Sache also schief, so ist das Ihre Schuld. Finanzminister habe ich nicht gelernt und ich werde mir auch keine Freunde machen, mit dem mehr als je unrechten Mammon, und von der Landwirtschaft habe ich auch nur das Sprichwort von den dicksten Kartoffeln verstanden. Aber was macht der Soldat nicht alles! Heute drucke ich Geld und eine Zeitung.“ [3] Am 23. November 1923 erklärte der Chef der Heeresleitung, als Inhaber der vollziehenden Gewalt habe er mit dieser Verordnung wertbeständiges Notgeld fördern wollen, damit die Erntezufuhr in die verbrauchenden Städte gesichert werde. Auf Antrag des Reichsfinanzministeriums und im Einvernehmen mit ihm sei eine entsprechende Erklärung veröffentlicht worden. Wie bisher seien für die Ausgabe von Notgeld Anträge an das Reichsfinanzministerium zu stellen, das in Sonderfällen Ausnahmen hinsichtlich der Deckung gestatte. Das Notgeld stelle kein gesetzliches Zahlungsmittel gegenüber den Kassen des Reichs und der Länder oder der Reichsbank dar; allerdings müssten Länderkassen das vom jeweiligen Land ausgegebene Notgeld annehmen. [4] Die Verordnung vom 26. Oktober 1923 sah vor, dass das wertbeständige Notgeld zum 15. Dezember 1923 aufgerufen werde. Es blieb also wenig Zeit, um die Scheine zu produzieren und auszugeben. Am 12. Dezember 1923 wurde dieser Vorschrift entgegengetreten. In der zweiten Verordnung zur Änderung des Gesetzes über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld vom 17. Juli 1922 wurde dieser Termin auf unbestimmt verschoben und dem Reichsfinanzminister überlassen, den Termin in Einvernehmen mit der obersten Landesbehörde festzusetzen. [5] Abb. 2: Reichsgesetzblatt I 1923, S. 1194, Zweite Verordnung zur Änderung des Gesetzes über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld vom 17. Juli 1922. Damit war es möglich, auch nach dem 15. Dezember 1923 wertbeständiges Notgeld auszugeben. Diese Maßnahme war notwendig, da in stark landwirtschaftlich genutzten sowie industriellen Gegenden nicht auf das wertbeständige Notgeld verzichtet werden konnte, solange die Rentenmark nicht im vollen Umfang ausgegeben wurde. [6] Zudem erkannte man auch im Reichsfinanzministerium, dass die finanzielle Lage der Länder und Kommunen schlecht war. So erklärte Preußen, dass seine Kommunen zahlungsunfähig seien, wenn nicht Konzessionen zur Geld- oder Anleihenausgabe gemacht würden. [7] Hierbei spielte sicherlich der Beschluss des Reichsfinanzministeriums eine Rolle, zum 1. Januar 1924 die Zuschüsse zur Beamtenbesoldung der Länder und Gemeinden zwar weiterhin bei 75% zu belassen, aber aufgrund der veränderten Berechnungsgrundlage die Zuschüsse auf 35% reduziert würden. Da die Gemeinden innerhalb der kurzen Frist zwischen Weihnachten und Neujahr den Fehlbetrag nicht ausgleichen könnten, drohten die Gehaltszahlungen auszufallen. [8] Weil die Länder souverän ihre Anlagen gestalteten, sollten über preußische Provinzial-Obligationen die Mittel beschafft werden. Die Souveränität war allerdings dann beschränkt, wenn die Anleihestücke in ihrer Ausstattung im Wirtschaftsverkehr als Zahlungsmittel und nicht als Kapitalanlage verwendet werden sollen. Solche Anleihescheine sind Notgeld und müssen durch das Reichsfinanzministerium genehmigt werden. [9] Um die Gemeinden in dieser Notlage zu unterstützen, hat der Reichsfinanzminister zugelassen, Anleihezwischenscheine bis herunter zu Stückelungen zu 5 Mark auszugeben. [10] In diesem Zusammenhang ist der Schein zu 5 Goldmark mit dem Datum vom 3. Januar 1924 zu sehen, der nicht mehr ausgegeben wurde und von dem nur ein Exemplar im Berliner Münzkabinett bekannt ist. [11] Ein echtes Unikat, wie es scheint, das als einziges Exemplar der Vernichtung in den Öfen der Reichsdruckerei entgehen konnte. Abb. 3: Freistaat Preussen, Finanzminister, Druckprobe zu 5 Goldmark = 50/42 Dollar nordamerikanischer Währung vom 3. Januar 1924, Vorder- und Rückseite. Doch könnte es sein, dass es nicht doch noch weitere Exemplare gibt? Schließlich sollten auch keine Bundeskassenscheine, die 1967 durch die Bundesdruckerei im Auftrag des Bundesfinanzministeriums hergestellt wurden, um im Krisenfalle auf einen Kleingeldmangel vorbereitet zu sein, in Sammlerhände gelangen, sondern nach der deutschen Wiedervereinigung vernichtet werden. [12] Auch die Banknoten der DDR zu 200 und 500 Mark mit dem Datum 1985 waren nach der Wiedervereinigung nicht mehr notwendig und sollten vernichtet werden. Dennoch sind sowohl von den Bundeskassenscheinen, als auch von den hohen Banknoten der Staatsbank der DDR Exemplare auf dem Markt erhältlich und stecken in so manchem Album. Wäre so etwas auch in der Reichsdruckerei möglich gewesen? Der Diebstahl von zur Vernichtung bestimmter Geldzeichen, die so in unbefugte Hände kommen, sei es zu Sammlerzwecken oder zur Bereicherung? Dass die Reichsdruckerei auch in Friedenszeiten nicht gegen Diebstahl von geldwerten Druckerzeugnissen gefeit war, hatte 1898 die Grünenthal-Affäre gezeigt, die als größtes Ereignis dieser Art in der Reichsdruckerei gesehen werden kann. Hier hatte der Oberfaktor Paul Hugo Grünenthal Banknotenformulare, die als Druckausschuss vernichtet werden sollten, entwendet und mittels einer Tiegelpresse und eines „entliehenen“ Stempels und Ziffernsatzes zu Hause vervollständigt. Die so hergestellten Banknoten brachte er zum Teil in den Verkehr oder versteckte er als Reserve. Bevor der Fall aufgedeckt wurde und Belegexemplare verfügbar waren, war es den Beamten der Reichsbank nicht möglich, die so fertiggestellten Banknoten zu erkennen und als Fälschungen auszusortieren. Mit Hilfe der Belegexemplare konnte eine Glastafel angefertigt werden, mit der die Fälschungen erkannt und zugeordnet werden konnten. Bis 1922 wurden Grünenthalfälschungen gefunden, sodass man von einer Summe von über 2,5 Millionen Mark ausgehen darf, die alleine an Banknotenformularen zu 1000 Mark entwendet wurden. [13] Der Rechnungshof stellte in seinen anschließenden Untersuchungen fest, dass Kontrollen im Geschäftsbetrieb der Reichsdruckerei unzureichend waren, ja sogar gänzlich ausblieben und diese Versäumnisse bedenkliche Missstände hervorgerufen und begünstigt haben. [14] Die Dienstanweisung zur Sicherung des Geschäftsbetriebs bei Fertigung und Verwaltung geldwerter Papiere [15] wurde nicht eingehalten. Abb. 4: Frontblatt der Dienstanweisung zur Sicherung des Geschäftsbetriebs bei Fertigung und Verwaltung geldwerter Papiere der Reichsdruckerei von 1893. In der Folge wurde der Dienstbetrieb angepasst und die Kontrollen verschärft. Eine Dienstreise des Direktors der Reichsdruckerei Wendt mit dem Betriebsinspektor Zinke vom 20. August bis zum 2. September 1901 nach Wien sollte neue Erkenntnisse aus anderen Druckereien bringen, wie verhindert werden könnte, dass sich die Vorkommnisse der Affäre Grünenthal wiederholen. Der Schluss war, dass spezielles Kontrollpersonal gewährleistete, dass die Materialbestände richtig erfasst wurden. Es wäre aufgrund der räumlichen Gegebenheiten in der Reichsdruckerei nur schwer möglich gewesen, ähnliches einfach einzuführen. Umbauten und zusätzliche Personalkosten wären mit 350.000 Mark pro Jahr anzusetzen gewesen. Aufgrund der zusätzlichen Kontrollen würde auch die Produktivität beeinflusst und reduziere sich um 30%. [16] Am 13. Dezember 1901 legte der Direktor der Reichsdruckerei Wendt einen Bericht zur Umgestaltung der Kontrolleinrichtungen in der Reichsdruckerei vor. Die vorgeschlagenen Verbesserungen beruhten in erster Linie auf zusätzlichem Personal, die Bestände zählten. Dabei sollten die Zähler für die Reichsbanknoten und Reichskassenscheine aufgrund der Bedeutung dieser geldwerten Papiere im Beamtenstatus stehen, da Beamte auch nach außen hin als zuverlässiger galten. Die Abteilung wurde von einem Sekretär geleitet. Die Personalkosten wurden auf zusätzliche 34.000 Mark pro Jahr veranschlagt. Die Kosten für die geringere Produktivität würde etwa 50.000 Mark pro Jahr betragen. [17] Diese Zahlen waren deutlich geringer als noch im Bericht über die Reise nach Wien vermutet. In diesem zweiten Bericht wurden die Kosten zu Einsparungen gegengerechnet und wohl auch realistischere Grundlagen bei der Kostenschätzung angenommen. Die Maßnahmen scheinen gegriffen zu haben. Berichte und Skandale aus der Reichsdruckerei aufgrund von größeren Diebstählen sind bis zum Ende des Kaiserreichs kaum zu finden. Selbst während der Besetzung der Reichsdruckerei während des "Spartakus-Aufstands" im Januar 1919 wurden keine Betriebsmittel und „Drucksachen“ gestohlen. Die Inflation stellte neue Herausforderungen an die Reichsdruckerei und die Herstellung von geldwerten Papieren. Die schieren Mengen an Banknoten, an zusätzlichem Personal, die Materialknappheit und der Einsatz von externen Druckereien erhöhten das Sicherheitsrisiko und die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Zwischenfällen kommen könnte. So wurden 1919 in Privatdruckereien, die 50-Markscheine für die Reichsbank herstellten, nicht nur Banknoten, sondern auch Druckplatten gestohlen, die jedoch zurückgebracht werden konnten. [18] Während der Hoch-Inflation war bei der rasenden Geldentwertung der Diebstahl kaum noch attraktiv, vielleicht aber auch nur keine Zeitungsmeldung mehr wert. Abb. 5: Frau nutzt wertloses Geld, um den Herd anzufeuern. Abb. 6: Geldauslieferungsstelle (Sammelstelle) in der Berliner Reichsbank, Oktober 1923. Doch kommen wir zurück zu unserem "Einhorn", den 5-Goldmark-Schein vom 3. Januar 1924. Die Inflation lief aus und der Bedarf an Geldmitteln reduzierte sich. Die Tresore waren teilweise gefüllt mit Beständen, die keiner mehr brauchte. Dafür wurde der Platz in den Tresoren für das neue Geld benötigt, das gedruckt werden sollte. Also wurde der Schredder gestartet und das wertlose Papier für den Ofen vorbereitet. Die Massen warteten und die Sicherheitsvorkehrungen waren vielleicht nicht mehr so streng, wie sie waren, als das Geld noch etwas Wert war. Inzwischen hatte sich die Währung stabilisiert, aber das alte Denken und die Furcht vor einer neuen Geldentwertung herrschte auch weiterhin. Abb. 7: Gefüllter Tresorraum einer Berliner Bank. Abb. 8: Erfassung zu vernichtender Geldbestände. Abb. 9: Vernichtung wertlosen Papiergelds; vor dem Verbrennen wird es erst zerkleinert. So ist es nicht verwunderlich, dass ein 61-jähriger Arbeiter an der Vernichtungsmaschine in der Reichsdruckerei sich nichts dachte, als er begann, regelmäßig kleinere und größere Partien von Fehldrucken und anderen geldwerten Papieren, die in Rauch aufgehen sollten, mit nach Hause zu nehmen. So geschah es seit Weihnachten 1923 zweimal die Woche. Zu Hause angekommen, gab er die Bündel seinem Enkel zum Spielen. Wenn man sich die Bilder aus der Inflation ansieht, scheint es nicht unüblich gewesen zu sein, das wertlose Papier den Kindern in die Hand zu geben und so günstiges Spielzeug zu haben (siehe Abbildung). Auch heute noch passiert es, dass die nahezu wertlosen Druckerzeugnisse der Inflation Kindern zum Spielen überlassen werden. Ein Posten Inflationsnoten mit Bunt- und Bleistift angepassten, von unsicherer Kinderhand aufgetragenen Wertangaben in meiner Sammlung sind hierfür ein einfacher Beleg. Abb. 10: Spielende Kinder, die mit Geldbündeln eine Pyramide bauen. Während der Mitarbeiter der Reichsdruckerei unbedarft die Sachen seinem Enkel überließ, war der Vater des Kindes deutlich realistischer. Er sah die Möglichkeit, aus den Geschenken für seinen Sohn Geld zu schlagen. So nahm er dem die Sachen wieder ab und machte sich auf die Suche nach Abnehmern wie interessierten Sammlern. In der Linienstraße, unweit der Reichsdruckerei fand er in einem berüchtigten Quartier mit „Bolle-Max“ einen Interessenten. Bolle-Max stand in Kontakt mit „Swenska“, einem wiederholt vorbestraften Kriminellen, der den Vertrieb übernahm und auf immer neues Material drängte. Das Netzwerk weitete sich aus, der Bedarf stieg, doch beim Vater des Kindes blieb nur wenig vom Geld hängen. Der Großvater erhielt keine Mark und durfte sich mit der vorübergehenden Freude seines Enkels begnügen. Im Februar 1924 schließlich kamen die Ermittler der Kriminalpostdienststelle der Sache auf die Spur, als sie einen Herrn Isaak Kohn festnahmen, nachdem er von Bolle-Max eine Lieferung im Wert von 30.000 Mark erhalten hatte. Herr Kohn konnte sich herausreden und durfte wieder gehen, stand aber danach unter Beobachtung. So wurde die Vernichtungsstelle der Reichsdruckerei als Quelle für diese Druckerzeugnisse ermittelt. Die Gesellschaft ging soweit, zu versuchen, selbst bei der Post Briefmarken aus den Diebstählen verkaufen zu wollen. Sie waren damit allerdings nicht erfolgreich, da die Post keine Marken zurückkaufte. Großbanken und Juweliere waren unter den Kunden des Netzwerks und wurden in die Ermittlungen einbezogen. Neben Brief- und Steuermarken wurden auch Geldscheine aus der Vernichtungsstelle mitgenommen. Ein Posten 10-Rentenmarkscheine wurde unserem wohlbekannten Bolle-Max zum Verhängnis. Er versuchte, die Scheine einzutauschen. Da sie jedoch Fehldrucke waren, die vernichtet werden sollten, wäre er mit diesen Scheinen aufgefallen. Also brannte er 24 Stück so an, dass nur noch die Wertzahl und die Kontrollnummern gut zu erkennen waren. Statt, wie gewünscht, den Wert ersetzt zu bekommen, wurde Bolle-Max verhaftet. Die Scheine waren dann doch so perfekt angebrannt, dass sie das Misstrauen des Schalterbeamten erweckten, der die Polizei benachrichtigte. Seine Geschichte, wie es zu diesem Brandschaden kam, war anscheinend nicht glaubwürdig genug. [19] Abb. 11: Vorderseite eines Scheins zu 10 Rentenmark vom 01. November 1923 wie Bolle-Max sie ansengte und einzulösen versuchte. Insgesamt wurden bis zum 15. Juli 1924 24 Personen verhaftet. Weitere Verhaftungen wurden erwartet. So wurden auf einem Schulgrundstück im Norden Berlins Fehldrucke von Marken und Geldscheinen zum halben Preis des Nennwerts angeboten. Der Umsatz war so groß, dass die Kriminalpolizei davon Kenntnis erhielt, zumal auch anderenorts im Reich große Mengen ähnlicher Ware verkauft wurden. Der Wert wurde mit mehreren Millionen Mark angegeben. [20] Auch eine Menge an „Preußenscheinen“ zu 5 Goldmark, die offiziell nicht ausgegeben wurden, kamen durch diese Bande in den Verkehr. [21] Dort wurden sie nicht hinterfragt und als seltenes wertbeständiges Notgeld akzeptiert. Im Artikel der "Deutschen Zeitung" vom 7. Februar 1924 „Gültiges und Ungültiges Notgeld“ wird berichtet, dass preußisches wertbeständiges Notgeld zu einem zehntel und einem viertel Dollar zurückgewiesen wurde, da es nicht mehr gültig oder gar gefälscht sei. Es wurde darauf hingewiesen, dass diese Behauptung nicht stimme. Weder seien die Noten ungültig noch seien Fälschungen vorgekommen. Diese Scheine seien aufgrund der Machart schwer nachzumachen. Das gelte auch für die in ganz geringen Mengen im Verkehr befindlichen wertbeständigen 5-Goldmark-Notgeldscheine des Freistaats Preußen. In der Liste der in Zahlung zu nehmenden Geldscheine wird der 5-Goldmark-Notgeldschein noch einmal explizit erwähnt. [22] Geschäftsleute, die noch im guten Glauben erworbene 5-Goldmark-Notgelscheine besaßen, konnten sich bei der Polizeidienststelle in der Königstraße in Berlin melden. [23] Ob sich alle meldeten, um die Scheine ersetzt zu bekommen, oder ob einige diese Scheine behielten und sie in Schubladen oder Sammlungen verschwanden, ist nicht bekannt. Vielleicht werden wir im Laufe der nächsten Jahrzehnte überrascht, wenn Exemplare dieser Rarität auf dem Markt auftauchen und einen neuen Besitzer suchen. Vielleicht bleibt es aber auch bei diesem einen Exemplar in der Sammlung des Münzkabinetts in Berlin. Oliver Herzberg Anmerkungen: [1] Hans-Georg Glasemann, Ungenehmigtes Goldmark-Notgeld in Hamburg 1923, 22. April 2024, https://www.geldscheine-online.com/post/ungenehmigtes-goldmark-notgeld-in-hamburg-1923 , abgerufen am 25. Dezember 2024 [2] BArch R 43 I/2702, Bl. 3 [3] BArch-MA: NL von Seeckt 227 [4] BArch R 43 I/2702, Bl. 15 [5] RGBl. I 1923, S. 1194 [6] Mannheimer General-Anzeiger 1923, 572 (12.12.1923) Mittag-Ausgabe, S. 2 [7] BArch R 3101/1822, Bl. 39 [8] Vossische Zeitung 1924, 8 (5.1.1924) Morgen-Ausgabe, S. 2-3 [9] BArch R 3101/ 1822, Bl. 50-51 [10] BArch R 3101/1822 Bl. 39 [11] Hans-Ludwig Grabowski, Deutsches Notgeld, Band 10, Das Papiergeld der deutschen Länder 1871-1948, H. Gietl-Verlag, Regenstauf, 2. Auflage, 2006, S. 335 [12] Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf, 22. Auflage 2020, S. 311-312 [13] Uwe Bronnert, Die Affäre Grünenthal (1898), 22. Juli 2020, https://www.geldscheine-online.com/post/die-aff%C3%A4re-gr%C3%Bcnenthal-1898 , abgerufen am 25. Dezember 2024 [14] BArch R 4701/ 16554 S. 197-198, Schreiben des Rechnungshofs an den Staatssekretär des Reichspostamts, Berlin, vom 10. Dezember 1898 [15] BArch R 4701/11266 Bl. 501-572 [16] BArch R 4701/ 16554 S. 519-546 Bericht des Direktors der Reichsdruckerei vom 15. September 1901 über die Wahrnehmungen in Wien [17] BArch R 4701/ 16555 S. 500-507 Bericht des Direktors der Reichsdruckerei vom 13. Dezember 1901 über die Umgestaltung der Kontrolleinrichtungen der Reichsdruckerei [18] BArch R 3101/ 677 Bl. 167 [19] Vorwärts, 41. Jahrgang, Nr. 329 Ausgabe B Nr. 165 vom 15. Juli 1924 S. 3 [20] Teltower Kreisblatt, 68. Jahrgang, Nr. 165 vom 16. Juli 1924, S. 3 [21] Vorwärts, 41. Jahrgang, Nr. 329 Ausgabe B Nr. 165 vom 15. Juli 1924 S. 3 [22] Deutsche Zeitung, 28. Jahrgang, Nr. 58 vom 7. Februar 1924, S. [23] Vorwärts, 41. Jahrgang, Nr. 329 Ausgabe B Nr. 165 vom 15. Juli 1924 S. 3 Abbildungen: Bundesarchiv, Bild 102-10883 / CC-BY-SA, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6046868 https://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=dra&datum=1923&page=1328&size=45 Staatliche Museen zu Berlin (Münzkabinett), Stiftung Preussischer Kulturbesitz, vielen Dank an Dr. Johannes Eberhardt BArch R 4701/ 11266 Bl. 501 http://hdl.loc.gov/loc.pnp/fsa.8b08253 Bundesarchiv, Bild 183-R1215-506 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5436340 ) https://www.loc.gov/pictures/item/2014716642/ BArch Bild 102-11823/ Pahl, Georg BArch Bild 102-00238/ Pahl, Georg www.geldscheine-online.com Sammlung O. Herzberg
- Lexikon: Law, John
John Law (Law of Lawriston) wurde 1671 in Edinburgh geboren und starb 1729 in Venedig. Der Geld- und Kredittheoretiker war Sohn eines schottischen Goldschmieds und Bankiers. Er musste 1694 Schottland verlassen und reiste in die Niederlande und nach Italien, wo er das Geld- und Wirtschaftsleben studierte. 1702 kehrte er nach Schottland zurück. John Law, 1671-1729 Sein erster Plan war die Gründung einer Notenbank mit Notendeckung nicht durch Metallgeld, sondern durch Grund und Boden, den er in seinem 1705 veröffentlichtem Buch "Money and Trade considered" publizierte, fand jedoch in Schottland keinen Widerhall. Er kehrte nach Italien zurück. Nach dem Tod des verschwenderischen Königs Ludwigs XIV. von Frankreich (1715) versuchte er, den neuen Regenten Philipp von Orléans für seine Pläne zu gewinnen, die er in seinen Denkschriften "Mémoire sur les banques" und "Restablissement du commerce" zusammenfasste. Er versprach mit Hilfe einer Bank die französische Staatsschuld zu tilgen. Nach seiner Meinung sollte einer Deckung der auszugebenden Noten zu 50% mit Metallgeld genügen und den Geldumlauf verdoppeln. 1716 erhielt der die Genehmigung zur Errichtung der Banque Générale , die eigene Noten ausgab. 1718 wurde die Bank vom französischen Staat übernommen und Law ihr Direktor und Leiter der Compagnie d'Occident . Law's Pläne richteten sich auf die Erschließung der französischen Kolonien mit Hilfe der Kolonialgesellschaften. Als Finanzminister verstand er es, die Aktien der Gesellschaften mit zum Teil riesigem Aufgeld zu verkaufen und ganz Frankreich in einen Spekulationstaumel zu versetzen. Verkäufe der Aktien fing er durch Ankäufe der Bank auf, deren Notenumlauf sich ständig steigerte. Als der Kursverlust trotz aller Maßnahmen nicht mehr gebremst werden konnte, koppelte er ihn mit der Wertminderung der Noten. Eine Katastrophe war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Nach der Liquidation der Bank war auch die mit ihm vereinigte Compagnie des Indes nicht mehr zu retten. Law verließ 1721 das Land und starb 1729 verarmt in Venedig. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de
- Zwei unedierte Notgeld-Kundenschecks des Bankhauses J. Wichelhaus P. Sohn in Elberfeld
Historischer Rückblick Das Bankhaus „Wichelhaus-Bank“ wurde 1790 in Elberfeld gegründet und war neben der Von-der-Heydt-Bank die älteste Bank der Stadt. Im Gründungsjahr gab es im heutigen Wuppertaler Raum keine eigenständigen Banken. In der Regel waren die ersten „Banken“ einem Handelshaus angegliedert und erleichterten das Wechselgeschäft im Handelsverkehr. Das diente dem Handel insbesondere dadurch, dass das seinerzeit aufwändige und gefährliche Mitführen von Gold- und Silbermünzen in größerer Stückzahl unnötig gemacht wurde. Die Firma J. Wichelhaus P. Sohn war als Garn- und Tuchhandlung gegründet worden. Das hauseigene Wechselgeschäft entwickelte sich im Laufe der Jahre aber so gut, dass daraus bereits um 1800 ein eigenes Bankgeschäft hervor ging. Die Wichelhaus-Bank bestand bis 1970. In diesem Jahr wurde das Bankhaus durch die Deutsche Bank übernommen. Kundenschecks 1923 Im August 1923 gab die Wichelhaus-Bank Lohnschecks im Nennwert zu 1 Million Mark aus. In den nachfolgenden Monaten wurden keine Lohnschecks verausgabt. Die Scheckformulare haben ein einheitliches Aussehen und Format. Der Druck der Vorderseite ist überwiegend grünlich, das Papier ist weiß und verfügt über das Wasserzeichen Hakenmäander. Im Unterdruck ist ein Patrizierhaus zu sehen. Es war von 1817 bis 1930 Sitz der Bank und befand sich in Elberfeld an der Berliner Straße 73 (heute Hofkamp). Die Rückseite ist unbedruckt. Eine Druckfirma ist nicht genannt. Abb. 1: Das auf den Schecks abgebildete Bankgebäude der "Wichelhaus-Bank" in Elberfeld. Das Format der Schecks ist ca. 223 mm x 110 mm. Der gedruckte Text „Eine Million / Lohnscheck gegen gesperrtes Guthaben“ kommt in Schreibschrift und in Blockbuchstaben vor. Ort und Datum wurden durch die jeweiligen Firmen entweder handschriftlich oder durch Stempel ausgefüllt. Lohnschecks in Schreibschrift dürften nach Auffassung des Autors seltener vorkommen. Rechts unten ist der Aussteller genannt. Es sind rund 55 Aussteller bekannt, vgl. hierzu die entsprechenden Kataloge. [1][2][3] Ausgegeben wurden die Lohnschecks in den damals selbstständigen Städten und Gemeinden: Barmen, Beyenburg, Elberfeld, Dornap, Unterbarmen, Vohwinkel und Wichlinghausen. Auch heute, nach über 100 Jahren, werden in seltenen Fällen weitere, nicht katalogisierte Ausgaben bekannt. Der jeweilige Aussteller versah in der Regel den Lohnscheck rechts unten mit seinem Firmenstempel. Es sind aber auch wenige Lohnschecks bekannt, die anstatt eines Stempels nur handschriftlich gezeichnet sind. Dies ist keine Unterschrift eines Kunden, sondern der Firmenname. Diese Lohnschecks sind alle seltener. Zwei dieser Lohnschecks sollen hier vorgestellt werden. Beide sind in keinem der bekannten Kataloge beschrieben. Beide Kundenschecks liegen nach bisherigen Erkenntnissen nur als Einzelstücke vor. Brand & Figge Ausgabeort: Elberfeld (gestempelt) Ausstellungsdatum: 20. AUG 23 (gestempelt) Aussteller: handschriftlich Abb. 2: Lohnscheck über 1 Mio. Mark vom 20.08.1923, Firma Brand & Figge. Gegründet 1899 durch Ernst Brand und Ludwig Figge. Die Firma fertigte und vertrieb Damenkonfektion sowie im Besonderen Unterröcke und schwarze Schürzen in großen Stückzahlen. Sie war in Elberfeld zuerst in der Bleichstraße 18 ansässig und zog später mehrfach um. Zwischen 1912 und 1943 befanden sich die Geschäftsräume in der Straße „Hofaue 46“. Abb. 3: Die "Hofaue" in Elberfeld. Das Foto zeigt die Straße „Hofaue“ und stammt vermutlich aus den 1930er Jahren. Auf dem zweiten Haus auf der linken Bildseite ist der Firmenschriftzug „Brand & Figge“ zu erkennen. Die Hofaue war allgemein das Zentrum des Textilhandels und des Konfektionsgewerbes in Wuppertal und darüber hinaus. Auf den Eintrag in Wikipedia [4] sowie dem lesenswerten Buch von Hinrich Heyken: „Die Hofaue – Das Textil-Großhandelszentrum in Elberfeld“ [5] sei an dieser Stelle hingewiesen. In den 1920er Jahren ist der Mitinhaber Ludwig Figge ausgeschieden. 1937 wurde die Firma in Brand & Idel umbenannt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden wieder Wirkwaren gefertigt. Im Jahr 1965 ist die Fertigung eingestellt worden und die Firma erlosch. Am 20. August 1923, einem Montag, gab die Firma einen Lohnscheck aus. Der gedruckte Text „Eine Million / Lohnscheck gegen gesperrtes Guthaben“ ist in Blockbuchstaben ausgeführt. Wie viele Schecks ausgegeben wurden, oder ob an weiteren Tagen weitere Schecks ausgestellt wurden ist nicht bekannt. Auch zur Mitarbeiteranzahl liegen leider keine Angaben vor. Die Deutsche Reichsbank gab mit diesem Datum eine Banknote zu 5 Millionen Mark [6] aus und nur zwei Tage später Reichsbanknoten über 100 Millionen Mark. Ernst Graef jr. Ausgabeort: U. Barmen (handschriftlich) (U. Barmen = Unterbarmen) Ausstellungsdatum: 9. Aug. 23 (handschriftlich) Aussteller: handschriftlich Abb. 4: Lohnscheck über 1 Mio. Mark vom 09.08.1923, Firma Ernst Graef jr. Ernst Graef jr. gründete 1903 mit Unterstützung seiner Eltern und Geschwister am Stadtrand der damals selbstständigen Stadt Barmen eine Sägefabrik. In angemieteten Räumen wurden zunächst die notwendigen Maschinen für die Herstellung von Metallsägenblätter selbst konstruiert. Am 5. Juli 1903, dem Geburtstag von Ernst Graef jr., konnten die ersten Sägeblätter fertiggestellt und zum Verkauf gebracht werden. Die Firma entwickelte sich weiter und konnte auch frühzeitig Geschäftsbeziehungen ins Ausland knüpfen. 1913 wurde dann auf eigenem Grundstück in der Oberbergischen Straße in Unterbarmen eine Fabrik gebaut. Abb. 5: Firma Ernst Graef jr., Arbeiter und Angestellt um 1920/21. Das Foto wurde um das Jahr 1920/21 aufgenommen und zeigt die Belegschaft der Firma Ernst Graef jr. Der Firmeninhaber, Herr Ernst Graef jr., verstarb im Jahre 1921 viel zu früh. Seine Geschwister übernahmen die Firma gleichen Namens. Am 9. August 1923, einem Donnerstag, gab die Firma einen Lohnscheck aus. Der gedruckte Text „Eine Million / Lohnscheck gegen gesperrtes Guthaben“ ist in Schreibschrift ausgeführt. Wie viele Schecks ausgegeben wurden, oder ob an weiteren Tagen weitere Schecks ausgestellt wurden ist nicht bekannt. Die Deutsche Reichsbank gab mit diesem Datum Reichsbanknoten über 50.000, 200.000 Mark, 1 und 2 Millionen Mark [7] heraus. Im Jahr 1924 wurde die Firma erweitert, aufgeteilt und unter den Namen der jeweiligen Besitzer weitergeführt. Eine der aus der Aufteilung hervorgegangenen Firmen führte August Graef, Bruder und Mitarbeiter von Ernst Graef jr., erfolgreich unter seinem Namen weiter. Abb. 6: Firmenansicht und Firmeninhaber August Graef um ca. 1924. Heute führt diese den Namen „August Graef GNU GmbH“ und ist in Wuppertal in der Wernerstraße 28 ansässig. Sie ist spezialisiert auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Stanzlinien, Schnellzurichtung, Auswerfmaterialien und Zubehör für die Druck- und Verpackungsindustrie weltweit. Näheres zur August Graef GNU GmbH und seiner Produktpalette kann bei Interesse der Firmenwebseite entnommen werden. [8] An dieser Stelle meinen besonderen Dank an die Mitarbeiter des Stadtarchivs Wuppertal und an die Firma August Graef GNU GmbH für die freundliche Unterstützung. Thomas van Eck Bildnachweis: Kundenschecks: Sammlung van Eck Hofaue: mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Wuppertal Belegschaft Firma Ernst Graef jr. und Firmenansicht und Firmenansicht um ca. 1924: mit freundlicher Genehmigung der Firma August Graef GNU GmbH Anmerkungen: Keller-Katalog: Das Notgeld der deutschen Inflation 1923 Katalog van Eck: Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914-1948 Wolfgang Schulten: Wuppertaler Medaillen mit Anhang von Horst Kimpel: Das Wuppertaler Kriegs- und Inflationsgeld https://de.wikipedia.org/wiki/Hofaue http://stadtgeschichte-wuppertal.de/hheyken_bilder/heyken_hofaue.pdf Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871; DEU-117 Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871; DEU-110 bis 116 www.graef-gnu.com
- Museum auf Geldscheine-Online mit neuer Software
Aufmerksamen Lesern und Nutzern unseres Geldschein-Blogs wird aufgefallen sein, dass unser Museum schon seit längerer Zeit nicht weiter ausgebaut wurde. Das liegt vor allem daran, dass für jede einzelne Ausgabestelle (Bank, Land usw.) eine eigene Galerie erstellt werden musste und die Anzahl der möglichen physischen Seiten begrenzt ist. Wir haben uns deshalb unlängst für eine vollständige Umstellung auf ein modernes Datenbank basiertes System (CMS = Content-Management-System) entschieden. Die Erstellung der Software hierzu ist abgeschlossen und ein erster Meilenstein – die ersten 1000 Objekte – sind erfasst und können aktuelle bereits aufgerufen werden. In der Listenansicht haben Sie die Möglichkeit die Auswahl über sog. Filter nach Kontinenten und Subkontinenten, Ländern, Emittenten, Währungen und verschiedenen Schlagwörter zu begrenzen. Außerdem kann über eine Zeitleiste eine Eingrenzung der Auswahl nach Jahren erfolgen. Die Filter ergänzen sich gegenseitig, d.h. man kann ein Land auswählen und dann anschließend die Auswahl über weitere Filter und die Zeitleiste weiter konkretisieren. Die Anzahl der ausgewählten Datensätze (Objekte) wird links oben bei "Auswahl:" angezeigt. Über den Button "Filter zurücksetzen" kann man alle Filter wieder löschen. Zur Detailansicht gelangt man über einen Klick auf den Geldschein. Hier finden Sie Abbildungen von Vorder- und Rückseite (durch Anklicken gelangen Sie zu einer Bildschirm füllenden Großansicht) sowie weitere Angaben zu dem Schein. Das grafische Menü oben rechts erlaubt von Links nach Rechts die Rückkehr zur Listenansicht, das Blättern zurück und vor sowie den Wechsel zum jeweiligen Geldschein beim Bank Note Museum ( www.banknote.ws ) von Peter Mösselberg, wo man sich über weitere Details und die Varianten jeder Banknote informieren kann. Geplant sind in Zukunft auch Literaturhinweise bei den ausgestellten Scheinen. Das Museum wird in der nächsten Zeit weiter ausgebaut. Aktuell sind bereits folgende Länder mit einer jeweils repräsentativen (in einigen Fällen sogar vollständigen) Übersicht zu deren Geldscheinen abrufbar: Viel Spaß bei der Nutzung unseres kleinen Museums und mit den qualitativ hochwertigen Abbildung wünscht das Team von Geldscheine-Online.com . Hans-Ludwig Besler (Grabowski)
- Das Großdeutsche Reich: Wie die Nationalsozialisten schrittweise das deutsche Staatsgebiet erweiterten, Teil 2
Hitler sprach in „Mein Kampf“ von den Deutschen als „Volk ohne Raum“, das neuen „Lebensraum im Osten“ erobern müsse. Bevor Hitler sich anschickte, diesen Lebensraum erobern zu wollen, stand zunächst die Revision des Friedensvertrags von 1919 und die Rückgewinnung der durch das "Versailler Diktat" abgetretenen deutschen Gebiete auf der Agenda. Der "Anschluss" Österreichs 1938 Auch die nächste Aktion fand unter dem Deckmantel des Selbstbestimmungsrechts der Völker statt und verstieß gleichwohl gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrags. Am 12. März 1938 überschritten 65.000 deutsche Soldaten und Polizisten, teils mit schweren Waffen, unter dem spontanen Jubel der österreichischen Bevölkerung die deutsch-österreichische Grenze. Nach dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie rief am 12. November 1918 die Provisorische Nationalversammlung in Wien die deutschösterreichische Republik aus und bestimmte in Art. 2 des „Gesetzes über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich“, dass Deutschösterreich ein „Bestandteil der Deutschen Republik“ sei. Hierzu kam es nicht, da die Siegermächte im Friedensvertrag von Saint-Germain vom 10. September 1919 nicht nur den Namen „Deutschösterreich“, sondern auch einen Anschluss an das Deutsche Reich verboten hatten. Abb. 1: Banknote der Oesterreichisch-ungarischen Bank über 1000 Kronen vom 2. Januar 1902 (II. Auflage) mit rotem Überdruck "Deutschösterreich", deutsche Vorderseite, gültig von 1920 bis Ende Januar 1924. Abb. 2.1/2: "Südmark"-Spendenschein des Bundes der Deutschen zur Erhaltung ihres Volkstums über 2 Kronen vom Mai 1921, Vorderseite Motiv zum Anschluss Österreichs an Deutschland und Rückseite mit Zitat zum Selbstbestimmungsrecht der Völker von Dr. Franz Dinghofer, Präsident des Nationalrates der Republik Österreich. Abb. 3: Behelfsausgabe der Oesterreichischen Nationalbank über 1 Schilling auf 10.000 Kronen vom 2. Januar 1924, Vorderseite, in Umlauf vom 11. Mai 1925 bis Ende 1926. Die Weltwirtschaftskrise belastete die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse weltweit erheblich. Die Depression führte nicht nur zu einem starkem Wirtschaftsrückgang mit einer hohen Arbeitslosigkeit, sondern auch zu politischen Verwerfungen. Um die wirtschaftlichen Verhältnisse zu normalisieren, setzten die Regierungen auf unterschiedliche Maßnahmen. Der US-amerikanische Präsident forcierte kreditfinanzierte Staatsausgaben-Programme vor allem für konsumtive Zwecke. Das nationalsozialistische Deutschland setzte auf autoritäre Zwangsmaßnahmen und auf eine kostspielige inflationistische Kriegsrüstung, während Österreich eine klassische Deflationspolitik betrieb. Als die USA im März 1933 die Golddeckung des Dollars aufhob und im Januar 1934 den Goldpreis auf 35 US-Dollars je Feinunze festsetzte, entsprach dies einer rund 40prozentigen Abwertung des US-Dollars. Diesem Beispiel folgten nach und nach auch die meisten europäischen Staaten. Den Anfang machte 1936 Belgien, das den Franc um 28 Prozent abwertete, im September folgten Frankreich und die Schweiz mit einer Abwertung ihrer Währungen von jeweils 30 Prozent. Die Niederlande zogen mit einer Abwertungsrate von 20 Prozent nach und die Tschechoslowakei wertete die Krone um 16 Prozent ab. Italien stufte den Wert seiner Lira um ein Drittel herab. Österreich und Deutschland hielten dagegen an der alten Parität ihrer Währungen fest. Wie auch in anderen europäischen Staaten begannen sich in Österreich faschistische, antidemokratische Strömungen durchzusetzen. Am 4. März 1933 traten alle amtierenden Nationalratspräsidenten zurück. Der christlich-soziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß nutzte die Parlamentskrise, um den Nationalrat mithilfe des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes von 1917 auszuschalten und ein diktatorisches Regime zu errichten. Am 7. März 1933 erließ der Ministerrat ein Versammlungs- und Aufmarschverbot und führte die Zensur für österreichische Zeitungen wieder ein. Mit der neuen Verfassung vom 1. Mai 1934 wurde der „christlich-deutsche Ständestaat“ geschaffen, bei dem die Staatsgewalt von den in Kammern organisierten Berufsständen ausgehen sollte. In der Realität lag die Gesetzgebungsmacht jedoch bei der Regierung. Da die neue Verfassung Parlament und Parteien nicht vorsahen, wurden alle nicht verbotenen Parteien in der Einheitspartei „Vaterländische Front“ zusammengefasst und politische Gegner verfolgt. Am 10. Mai 1933 setzte die Regierung alle Wahlen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene aus. Am 26. Mai wurde die Kommunistische Partei Österreichs verboten und am 20. Juni auch die österreichische Landesorganisation der NSDAP, die einen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich propagierte. In seinem in der Festungshaft 1924/25 verfassten Buch „Mein Kampf“ hatte Adolf Hitler bereits gefordert, dass Deutschösterreich wieder zum großen deutschen Mutterlande kommen müsse Am 25. Juli 1934 unternahmen die österreichischen Nationalsozialisten einen dilettantischen Putschversuch, den sogenannten Juliputsch. 154 als Soldaten und Polizisten verkleidete SS-Männer stürmten das Bundeskanzleramt, wo Engelbert Dollfuß angeschossen wurde und Stunden später an den Folgen der Schussverletzungen starb. Hitler bestritt jede Beteiligung von deutscher Seite, unterstützte aber weiterhin die verbotene österreichische Landesorganisation der NSDAP. Die deutsche Regierung ging nun verstärkt dazu über, das politische System in Österreich mit Vertrauensleuten zu unterwandern. Am 3. Oktober 1935 griff das faschistische Königreich Italien das Kaiserreich Abessinien (Äthopien) an. Großbritannien forderte vor dem Völkerbund Sanktionen gegen Italien. Benito Mussolini wurde damit international isoliert und an die Seite Hitlers gedrängt. Für Schuschnigg bedeutete das den Verlust seines wichtigen Schutzherrn, da Italien bis dahin als Garant für Österreichs staatliche Unabhängigkeit aufgetreten war (nicht zuletzt im eigenen Interesse, um Südtirol nicht aufgeben zu müssen). Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, Nachfolger des ermordeten Dollfuß, musste nun nach Wegen suchen, das Verhältnis zum übermächtig werdenden Deutschen Reich zu verbessern. Am 11. Juli 1936 schloss er mit Hitler das Juliabkommen. Zwar erkannte der große Nachbar die volle Souveränität Österreichs an und hob die infolge des Verbots der NSDAP in Österreich 1933 verhängte Tausend-Mark-Sperre [i] auf, andererseits musste Österreich inhaftierte Nationalsozialisten amnestierten und nationalsozialistische Zeitungen wieder zulassen. Darüber hinaus nahm Schuschnigg Vertrauensleute der Nationalsozialisten in sein Kabinett auf. Edmund Glaise-Horstenau wurde Bundesminister für nationale Angelegenheiten, Guido Schmidt Staatssekretär im Außenministerium und Arthur Seyß-Inquart Staatsrat. Auf „Einladung“ des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler reiste der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg am 12. Februar 1938 in Begleitung des Staatssekretärs für Äußeres, Guido Schmidt, zu einem Treffen auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden. Nach einem zweistündigen Gespräch ohne Zeugen präsentierte Hitler schließlich den Entwurf eines Abkommens, durch das den österreichischen Nationalsozialisten weitreichende politische Entfaltungsmöglichkeiten zugesichert werden sollten. Unter anderem sollte Arthur Seyß-Inquart Innenminister mit absoluter Polizeigewalt werden. Dass Hitler zu keinen Kompromissen bereit war, wird an seinen Worten sichtbar: „Verhandelt wird nicht, ich ändere keinen Beistrich. Sie haben zu unterschreiben, oder alles andere ist zwecklos, und wir sind zu keinem Ergebnis gekommen. Ich werde dann im Laufe der Nacht meine Entschlüsse zu fassen haben.“ Schuschnigg beugte sich dem Diktat. Angesichts der Gefahr für die Souveränität Österreichs setzt Schuschnigg für den 13. März 1938 eine Volksbefragung über „ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich“ an. Sie fand allerdings nicht mehr statt, da bereits am 12. März der „Anschluss“ an das Deutsche Reich“ vollzogen wurde, [2] den sich Hitler durch eine Volksabstimmung am 10. April 1938 bestätigen ließ. Die überwältigende Mehrheit – 99,6 Prozent – der Österreicher stimmen dem Anschluss zu. Allerdings waren etwa acht Prozent der Bevölkerung (Juden und verhaftete politische Gegner) von der Abstimmung von vornherein ausgeschlossen worden. Abb. 4: Jubel beim Einzug deutscher Soldaten am 11. März 1938 an der österreichischen Grenze bei Braunau. Foto aus dem Erinnerungsalbum eines deutschen Soldaten. Abb. 5: Wahlzettel zur Volksabstimmung über die am 13. März 1938 vollzogene Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 10. April 1938. Im Deutschen Reich stimmten 99,59 % und in Österreich 99,71 % für den Anschluss. Abb. 6: Deutsches Reich, Briefmarke über 6 Reichspfennig "Ein Volk – Ein Reich – Ein Führer" zur Volksabstimmung am 10. April 1938. Mit Verordnung vom 17. März 1938 führt das NS-Regime die Reichsmarkwährung in Österreich ein. [3] Der Schilling-Banknoten blieb daneben noch bis zum 25. April gesetzliches Zahlungsmittel und wurden bis 15. Mai, umgetauscht bzw. bis zum 31. Dezember 1938 noch von der Reichsbank und der Oesterreichischen Nationalbank in Liquidation eingelöst. Am 25. April wurde auch das Notenprivileg der Oesterreichischen Nationalbank formal aufgehoben und die deutschen Münz- und Bankgesetze in der neuen „Ostmark“ eingeführt. [4] Abb. 7: Seite aus einem Sparkassenbuch der Allgemeinen Sparkasse in Linz mit der Umrechnung des Schilling-Guthabens in Reichsmark. Als Umrechnungskurs wurde die Reichsmark mit einem Schilling fünfzig Groschen festgesetzt. Auch wenn dies in etwa dem Kaufkraftverhältnis entsprach, bedeutete dies eine Abwertung des Schillings von 36 Prozent gegenüber seiner offiziellen Notierung in Berlin. Die Goldmünzen zu 100 und 25 Schilling sowie die Silbermünzen zu 5 und 2 Schilling wurden zum 15. Juni 1938 außer Kurs gesetzt und nur noch bis zum 15. Juli umgewechselt. [5] Die kleineren Scheidemünzen zu 1 Schilling, 50, 10 und 5 Groschen sowie 1000 Kronen (= 10 Groschen) hatten noch eine Galgenfrist zum 1. Oktober und wurden ab 1. Januar 1940 auch von den öffentlichen Kassen nicht mehr angenommen. [6] Abb. 8.1/2: Österreich, 50 Groschen von 1935, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Österreich, 2 Schilling von 1930, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: Banknote der Oesterreichischen Nationalbank über 20 Schilling vom 2. Januar 1928, in Umlauf von 23. April 1928 bis 15. Mai 1938, Vorder- und Rückseite. Hierfür erhielt man 0,33 Reichsmark, 1,33 Reichsmark bzw. 6,66 Reichsmark. Die Stücke zu 1 und 2 Groschen blieben als Reichsmark-Scheidemünzen im Wert von 1 und 2 Reichspfennig im Umlauf, [8] wurden also um ein Drittel aufgewertet. Erst am 1. März 1942 hörten sie auf, gesetzliche Zahlungsmittel zu sein. Umgetauscht wurden sie noch bis zum 30. April 1942. [9] Abb. 11.1/2: Österreich, 100 Kronen (= 1 Groschen) von 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. 12.1/2: Österreich, 200 Kronen (= 2 Groschen) von 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. 13.1/2: Österreich, 1 Groschen von 1925, Vorder- und Rückseite. Abb. 14.1/2: Österreich, 2 Groschen von 1937, Vorder- und Rückseite. Der letzte Bankausweis der Oesterreichischen Nationalbank vor dem Abschluss an das Deutsche Reich wies eine valutarische Deckung von rund 472 Millionen Schilling aus, davon zwei Drittel in Gold. Die Reichsbank verfügte zu diesem Zeitpunkt lediglich über Devisenvorräte in Höhe von 77 Millionen Reichsmark oder 116 Millionen Schilling. Die Plünderung der Gold- und Devisenbestände der Oesterreichischen Nationalbank füllten die Tresore der Reichsbank. Sie beschlagnahmte rund 78,2 Tonnen Feingold im Wert von 472 Millionen Schilling und Devisen im Wert von 60,2 Millionen Schilling. Hinzu kamen Gold und Devisen, die von der Bevölkerung abgeliefert wurden. Mit einem Schlag und ohne Blutvergießen bereicherte sich die NS-Führung mit Geld- und Devisenschätzen in Höhe von etwa zwei Milliarden Schilling. [10] Uwe Bronnert Fortsetzung folgt … Anmerkungen: Bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten hatte Hitler verfügt, dass Reisende nach Österreich, 1000 Reichsmark hinterlegen mussten. Die Erschwerung der Reisen sollte die österreichische Wirtschaft schädigen und so das Land zur Nachgiebigkeit gegenüber politischen Forderungen erpresst werden. Im engen Kreis legte Hitler bereits am 5. November 1937 seine Pläne für eine Angliederung Österreichs und der Tschechoslowakei dar. Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung im Lande Österreich vom 17. März 1938, RGBl. I S.253). Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung im Lande Österreich und der Verordnung zur Übernahme der Österreichischen Nationalbank durch die Reichsbank vom 23. April 1938 (RGBl. I S. 405). Verordnung über die Außerkurssetzung der Bundesgoldmünzen im Nennbetrag von 100 Schilling und 25 Schilling sowie der Silberscheidemünzen im Nennbetrag von 5 Schilling und 2 Schilling des Landes Österreich vom 25. Mai 1938 (RGBl. I S. 601). Verordnung über die Außerkurssetzung der Scheidemünzen (Teilmünzen) im Nennbetrag von 1 Schilling, 50 Groschen, 10 Groschen, 5 Groschen und 1000 Kronen des ehemaligen Landes Österreich vom 11. August 1939 (RGBl. I S. 1390). § 5 (2) Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung … § 5 (2) Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung … Verordnung über die Außerkurssetzung der Kupfermünzen vom 10. Februar 1942 (RGBl. I S. 68). Vgl. Ernst Hofbauer, Das war der Schilling, Eine Erfolgsgeschichte mit Hindernissen, Wien 1998, S. 120 ff. Abbildungen: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Geldscheinsammlung. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Geldscheinsammlung. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Geldscheinsammlung. Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München. Zeitgeschichtliche Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Briefmarkensammlung. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Digitalarchiv. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors.












