top of page

Diese Website durchsuchen

3677 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Die Leipziger Messe-Schecks 1949–1951

    Zur Leipziger Frühjahrmesse 1949 waren von der Deutschen Notenbank erstmals auf Valuta-Mark lautende Kupons in den Nennwerten 10, 5, 2, 1, und ½ Valuta-Mark (VM) ausgegeben worden, die ausländische Messebesucher im Umtausch gegen Devisen erwerben und mit denen sie ihre Ausgaben während des Messeaufenthaltes in Leipzig bezahlen konnten[1]. Messeamt in Leipzig, März 1950 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-05672-0031) Aus den Erfahrungen mit der Verwendung dieser Kupons zog die Deutsche Notenbank nach Beendigung der Frühjahrsmesse 1949 Rückschlüsse in Hinblick auf eine Fortführung des Systems von Verrechnungszahlungsmitteln für ausländische Messegäste, dass sich jedenfalls in den Augen von Notenbank und SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) grundsätzlich bewährt hatte. Diese Erfahrungen waren vielschichtig: Es gab Klagen, dass die Kellner in den von Intourist betriebenen Restaurants in Leipzig angesichts hoher Zechen mit der Abrechnung der niedrigen Nominale der Schecks überfordert gewesen seien. Als erschwerend für die Abrechnung wurde hervorgehoben, dass die Kupons nach Währungen getrennt der Emissions- und Girobank Leipzig zur Abrechnung vorgelegt werden mussten – dabei sei es unpraktisch gewesen, dass die Fremdwährung, in welcher der Kupon erworben wurde, auf der Rückseite des Kupons aufgestempelt gewesen sei. Die Notenbank selbst notierte Klagen von Messebesuchern, dass Scheine zu 0,10 VM gefehlt hätten und die Abgabe vornehmlich in Heften zu 100,- sparsame ausländische Messegäste finanziell überfordert hätte. Auch wurde die Ausgabe der Kupons erst unmittelbar zu Messebeginn als zu spät angesehen, da zu diesem Zeitpunkt schon viele Messegäste angereist waren und ihr Geld anderweitig (und sicher nicht selten „schwarz“) umgetauscht hatten – zukünftig sei eine Ausgabe deutlich vor dem offiziellen Messebeginn anzustreben. Schließlich hatte sich die Auflage der zur Frühjahrmesse 1949 bei der Deutschen Wertpapierdruckerei in Leipzig (DWD) bestellten Kupons im Vergleich zu den umgetauschten Beträgen als deutlich zu hoch erwiesen. Auch die Bezeichnung „Valuta-Mark“ erwies sich als politisch heikel – einerseits wegen des aufgetretenen Schwarzhandels mit den VM-Kupons, der aufzeigte, dass gegen diese Kupons Waren erhältlich waren, die es gegen DM der Deutschen Notenbank (DM-DN) nicht gab, andererseits weil durch die Schaffung einer Valuta-Mark die DM-DN in der SBZ als vermeintlich stabile Währung diskreditiert zu werden drohte [2]. Die SMAD gab daher der Deutschen Notenbank die Anregung, „aus währungspolitischen Gründen“ auf die erneute Ausgabe von Kupons in Valuta-Mark zu verzichten und stattdessen auf DM-DN lautende, spezielle Messe-Schecks auszugeben. In einer von der Deutschen Notenbank geleiteten Besprechung am 14.6.1949 in Leipzig wurde entschieden, zur Leipziger Herbstmesse 1949 erstmals auf Deutsche Mark lautende Messe-Schecks neben den von der VM bereits bekannten Stückelungen zu 10, 5, 2, 1 DM-DN sowie 0,50 Pfennig neu auch Stückelungen zu 100, 50 und 20 DM-DN auszugeben, ferner zu 0,10 DM-DN. Technisch gesehen handelte es sich um durch die Deutsche Notenbank Berlin auf die Emissions- und Girobank Sachsen, Filiale Leipzig gezogene Schecks. Scheck zu 10 Pfennig für die Leipziger Herbstmesse 1949, Vorder- und Rückseite Scheck zu 20 DM-DN für die Leipziger Herbstmesse 1949, Vorder- und Rückseite Die Abstempelung der Währung, in der die Messe-Scheck erworben worden waren, erfolgte jetzt auf der Vorderseite. Eine Währungsabstempelung der Schecks zu 0,10 DM-DN sollte nicht erfolgen, zudem wurde ein Rücktausch von Schecks dieser Wertstufe ausgeschlossen. Sie konnten damit in beschränktem Umfang auch als Wechselgeld fungieren, um auf größere Nennwerte passend herauszugeben. Um auch sparsamen Messebesuchern entgegenzukommen, wurden neben Heften mit Schecks im Wert von 100,- DM-DN[3] Hefte im Wert von 10,- DM-DN angeboten[14. Auch der Erwerb von Messe-Schecks in losen Abschnitten sollte offiziell möglich sein[5]. Zudem wurde allen Betrieben in Leipzig die Annahme von Zahlungen in ausländischer Währung ausdrücklich untersagt; für Privatpersonen galt das sowieso. Die Deutsche Notenbank bestellte am 19.7.1949 wieder bei der Deutschen Wertpapierdruckerei zur Leipzig Herbstmesse 1949 Messe-Schecks im Gesamtwert von 840.000 DM-DN. Auf die Emissions- und Girobank entfielen dabei Schecks im Wert von 500.000 DM-DN[6], auf die Garantie- und Kreditbank solche in Werte von 340.000 DM-DN[7]. Die Schecks der Emissions- und Garantiebank wiesen eine schwarze Kennnummer und davor den Buchstaben B auf, die Hefte einen weißen Umschlag; die von der Garantie- und Kreditbank emittierten Schecks hatten eine rote Kennziffer sowie davor den Buchstaben G, die Hefte einen blauen Umschlag. Vorderseite der Scheckhefte zu 10 DM-DN und 100 DM-DN, Ausgaben für die Emissions- und Girobank mit weißem und für die Garantie- und Kreditbank mit blauem Umschlag Umgetauscht in Messe-Schecks auf der Herbstmesse 1949 wurden ausländische Banknoten im Gesamtwert von 136.512,60 DM-DN; im Clearing-Verfahren[8] wurden durch die Garantie- und Kreditbank Messe-Schecks im Wert von 75.866.40 DM-DN abgegeben. Damit liefen zur Herbstmesse 1949 Messe-Schecks in Wert von rund 212.000 DM-DN um – deutlich weniger als die Menge an VM, die zur Frühjahresmesse 1949 ausgegeben worden war. 3.574,83 DM-DN in Messe-Schecks wurden wieder zurückgewechselt. Der Betrag nicht eingelöster Schecks ist nicht bekannt. Die auf den 20.8.1949 datierten Schecks blieben bis zum 20.9.1949 und damit über das Ende der Messe hinaus gültig; abgerechnet werden konnten sie bis zum 1.10.1949. Die Farbgebung der einzelnen Nominale richtete sich, anders als noch bei den VM-Kupons zur Frühjahrmesse 1949, nicht mehr nach den gleichlautenden Nominalen der umlaufenden Banknoten, weil durch die Schecks eben keine Parallelwährung zur DM-DN geschaffen werden sollte. Spitzenreiter der in bar umgewechselten Währungen war wieder der USD (12.063,40 USD), gefolgt diesmal von der Dänischen Krone (24.194,05 Dkr.) und der Tschechoslowakischen Krone (253.260 Kc.). Auch 22 Kanadische Dollar und 173 Indische Rupien fanden ihren Weg zu den Messe-Wechselstuben. Diese wechselten ferner ausländische Banknoten im Wert von 1.172,65 DM-DN direkt in Banknoten[9] und nahmen 36.887,05 DM-BdL ein[10] – noch weniger als zur Frühjahrsmesse 1949. Immerhin bot man diesmal einen Umtausch im Verhältnis 1 DM-BdL gegen 1 DM-DN an[11]. Anders als zur Frühjahrsmesse 1949 wurden den Messe-Wechselstuben keine falschen oder ungültigen Banknoten untergeschoben. Gegenüber der Frühjahrsmesse 1949 waren die Besucherzahlen der Herbstmesse 1949 leicht rückläufig[12]. Wechselkurstabelle zur Leipziger Herbstmesse 1949 Das Abrechnungssystem der Messe-Schecks war aufwändig: Diese mussten durch die HO und andere deutsche Einrichtungen bis zum 1.10.1949, nach Wertstufen und Währungen getrennt, bei der Emissions- und Girobank zur Gutschrift auf Konto eingereicht werden. Diese Gutschrift erfolgte aus dem Guthaben, das die Emissions- und Girobank von der Deutschen Notenbank durch Einreichung der umgewechselten ausländischen Banknoten bei der Deutschen Notenbank dort erhielt. Die eingelösten Messe-Schecks selbst verblieben als Kassenbelege bei der Emissions- und Girobank Leipzig. Die von Intourist vereinnahmten Messe-Schecks rechnete Intourist direkt mit der Deutschen Notenbank in Berlin ab und ließ sich dafür die nach Abrechnung umgetauschten Devisenbeträge in bar ausliefern. Die Bevölkerung konnte vereinnahmte Messe-Schecks ebenfalls bis zum 1.10.1949 an den Schaltern der Emissions- und Girobank Leipzig gegen DM-DN in bar oder zur Gutschrift auf Konto umtauschen. Das System der Messe-Schecks blieb bis zur Herbstmesse 1951 im Grundsatz unverändert. Begleitet wurde es durch umfangreiche Anweisungen der Deutschen Notenbank zunächst an die Emissions- und Girobank Leipzig, ab Herbst 1950 dann an die Filiale der Deutschen Notenbank in Leipzig, die man jeweils für die bevorstehende Messe aktualisierte. Vor jeder Messe erfolgte zudem eine genaue Unterweisung der Mitarbeitenden des Messe-Wechselstuben. Unverändert blieb zudem, dass bis zum Ende der Messe-Schecks keine Abgabe gegen DM-BdL erfolgte. Erstmals zur Frühjahrsmesse 1950 wurde der Geldumtausch ausschließlich durch die Emissions- und Girobank abgewickelt, die Garantie- und Kreditbank war nicht mehr beteiligt. Auch die Abgabe von Messe-Schecks im Clearingverfahren, die bisher der Garantie- und Kreditbank vorbehalten war, erfolgte jetzt durch die Emissions- und Girobank. Damit entfiel auch die Notwendigkeit einer besonderen Kennzeichnung der für die Garantie- und Kreditbank bestimmten Schecks. Die ausgegebenen Schecks tragen eine schwarze Kennziffer und davor eingedruckt den Buchstaben B. Zur Frühjahrsmesse 1950 wurden die Kurstabellen um Währungen aus Übersee erweitert. Das Ausgabedatum der Schecks zur Frühjahrsmesse datiert auf den 12.2.1950, ein Rücktausch nicht verbrauchter Scheine durch Messebesucher war über den Messezeitraum hinaus[13] bis 31.3.1950 möglich. Die Einlösung der Schecks hatte bis zum 5.4.1950 bei der Emissions- und Girobank zu erfolgen. Mit 3800 Messegästen aus dem Ausland war der potenzielle Erwerberkreis von Messe-Schecks gegenüber dem Vorjahr angewachsen. Zur Herbstmesse 1950 (Schecks mit Buchstaben C vor der Kennziffer) sank die von der Notenbank bestellte Auflage an Messeschecks auf nur noch 600.000 DM-DN. Für lediglich 134.000 DM-DN wurden Messe-Schecks verausgabt, davon nur noch rd. 62.000 DM-DN im Umtausch gegen Banknoten – weniger als die Hälfte als noch ein Jahr zuvor – sowie 72.000 DM-DN im Clearing-Verfahren. Die 1950 erfolgte Eingliederung der Emissions- und Girobank Sachsen in die Deutsche Notenbank spiegelt sich auf den Schecks wider, die jetzt von der Deutschen Notenbank auf ihre Filiale in Leipzig gezogen sind. Sie tragen das Ausgabedatum 15.8.1950 und blieben bis zum 20.9.1950 gültig. Spitzenreiter der umgetauschten Banknoten zur Herbstmesse 1950 waren jetzt der Österreichische Schilling (129.136,40 öS im Gegenwert von 29.843,42 DM-DN), an zweiter Stelle rangierte der Schweizer Franken (9.806,90 Fr. – 7.592,50 DM-DN), erst danach kam der US-Dollar (2.139 USD – 7.122,87 DM-DN). Die Währungen aus den sog. Volksdemokratien Osteuropas spielten im Umtausch keine große Rolle mehr – so wurden lediglich 11.675 Tschechoslowakische Kronen in Noten und weitere 750 Kc. im Clearing-Verfahren umgetauscht. Zur Frühjahrsmesse 1949 waren es noch 543.690 Kc. gewesen[14]. Die umgewechselten Beträge in DM-BdL betrugen insgesamt nur noch 10.324,50[15]. Scheck zu 10 Pfennig für die Leipziger Frühjahrsmesse 1951 Vorder- und Rückseite Ab der Frühjahrsmesse 1951 (Scheck mit Buchstabe D vor der Kennziffer) wurde auf die Ausgabe von Schecks zu 100 DM-DN verzichtet[16] sowie Aussehen und Format der Messe-Schecks verändert, um zu vermeiden, dass unberechtigt Schecks früherer Messen verwendet wurden[17]. Die Abgabe der Messe-Schecks in Heften zu 10 DM-DN und zu 100 DM-DN sowie die Abgabe auch in einzelnen Abschnitten wurde beibehalten. Banknoten aus Albanien, Rumänien und Polen wurden im Umtausch nicht mehr akzeptiert. Ferner durften die Messe-Wechselstuben ausländische Banknoten nur noch in solchen Nominalwerten annehmen, deren Ausfuhr erlaubt war. So konnten etwa schwedische und norwegische Banknoten nur noch in Nennwerten bis 50 Kronen umgetauscht werden, weil die Ausfuhr höherer Nennwerte durch diese Länder untersagt war. Auch andere Länder wie etwa Bulgarien, Ungarn und die Tschechoslowakei hatte die Ausfuhr von Banknoten sowohl betragsmäßig als auch hinsichtlich der Nominale beschränkt. Diese Informationen wurden in den Wechselkurstabellen der Wechselstuben ergänzt. Vermutlich hatte man seitens der Notenbank Bedenken, ob und wie man illegal ausgeführte Noten höherer Wertstufen verwenden konnte. Die ausgegebenen Schecks tragen das Datum 20.2.1951; sie galten bis zum 20.3.1951. Letztmalig fand die Ausgabe von Messe-Schecks zur Herbstmesse 1951 statt. Diese Schecks (mit Buchstabe E vor der Kennziffer) tragen das Ausgabedatum 20.8.1951 und galten bis zum 20.9.1951. Warum das System darüber hinaus nicht fortgesetzt wurde, ist in den von mir gesichteten Unterlagen der Notenbank nicht dokumentiert. Mehrere Gründe können dafür ausschlaggebend gewesen sein: Die von Intourist betriebenen Restaurants, in denen mit Devisen gezahlt werden mussten, die in die Taschen von Intourist flossen, wurden Ende 1950 an die staatliche HO abgegeben. Damit entfiel die Notwendigkeit, während der Messe eingenommene Devisen getrennt abzurechnen und an Intourist abführen zu müssen. Ferner war zwischenzeitlich das System der Devisenkontrolle für ausländische Messebesucher umfassender ausgestaltet worden. Zur Einreise in die DDR zwecks Besuchs der Leipziger Messe war vor Einreise in die DDR der Erwerb eines Messeausweises notwendig[18], in den die mitgeführten ausländischen Zahlungsmittel bei Grenzübertritt eingetragen werden mussten. Beim Geldumtausch musste der Messeausweis vorgelegt werden, es erfolgte eine Abschreibung auf den eingetragenen Fremdwährungsbetrag, sodass jedenfalls eine Kontrolle der Verwendung der eingeführten Devisen möglich war. In DM-DN umgetauschte, im Messeausweis abgeschriebene Beträge waren rücktauschbar. Auch erwies sich das System der Messe-Schecks hinsichtlich der Abrechnung als sehr aufwändig. Darauf konnte – und wollte – man wohl verzichten, als alle umgetauschten Devisenbeträge nur mehr durch die Deutsche Notenbank vereinnahmt wurden und zudem sichergestellt werden konnte, dass von ausländischen Messebesuchern mitgeführte Devisen offiziell gewechselt werden mussten. Gelaufene Messe-Schecks aller Ausgaben bleiben aufgrund des dargestellten Ausgabe- und Abrechnungssystems, der verhältnismäßig geringen Beträge umlaufender Schecks sowie der Tatsache, dass die Zuteilung von Devisen für Reisen von Messebesuchern Ende der 1940er und Anfang der 1950er-Jahre auch in den Heimatländern oftmals restriktiv erfolgte, sehr selten. Am häufigsten dürften die Nominale zu 0,10 DM-DN vorkommen, da deren Auflagezahlen von allen Nominalen am höchsten war und sie zudem nicht rücktauschbar waren. Sven Gerhard Anmerkungen [1] S. dazu den Beitrag ,,Die Valuta-Mark-Kupons zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949“. [2] Eine Entwicklung, die ab 1979 durch die Ausgabe von Forum-Schecks eintrat. [3] Diese enthielten 4 Schecks zu 10 DM-DN, 6 Schecks zu 5 DM-DN, 9 Schecks zu 2 DM-DN, 10 Schecks zu 1 DM-DN und 4 Schecks zu 0,50 DM-DN, insgesamt also 35 Schecks. [4] Diese enthielten 7 Schecks zu 1 DM-DN, 4 Schecks zu 0,50 DM-DN sowie 10 Schecks zu 0,10 DM-DN und damit insgesamt 21 Schecks. [5] Lt. Bericht der Emissions- und Girobank vom 7.10.1949 wurden Schecks zu 100-DM-DN wenig benutzt. [6] 2000 Scheckhefte zu 100 DM-DN und 3000 Hefte zu 10 DM-DN, der Rest in losen Schecks. [7] 1600 Hefte zu 100 DM-DN und 2000 Hefte zu 10 DM-DN, der Rest in losen Schecks. [8] Angeboten wurde der Erwerb von Messe-Schecks wie bei der Valuta-Mark neben dem Umtausch von Banknoten auch im sogenannten Clearingverfahren gegen Vorlage von Kreditbriefen oder Akkreditiven. Hintergrund war, dass diverse Staaten die Ausfuhr von Banknoten ihrer eigenen Landeswährung verboten oder stark beschränkt hatten. [9] Darunter 20 albanische Lek im Wert von 1,30 DM-DN. [10] Davon wurden 11.213,95 DM-Bdl wieder zurückgetauscht, es verblieben damit 25.673,10 DM-BdL. [11] Zur Frühjahresmesse 1949 waren es noch 1 DM-BdL = 0,80 DM-DN gewesen. [12] Es wurden rd. 203.000 Besucher aus der SBZ/DDR verzeichnet und erneut rd. 2300 Besucher aus dem Ausland. [13] Diese Messe dauerte vom 5. bis 12.3.1950. [14] Die Jahre 1950–53 waren sicherlich der dunkelste Zeitraum der tschechoslowakischen Diktatur unter Clement Gottwald – das Land hatte sich völlig abgeschlossen; Auslandsreisen waren nur in offiziellen Delegationen möglich und fanden praktisch nicht statt. [15] Das Missverhältnis von Besucherzahlen aus den Westzonen zu umgetauschten Beträgen DM-BdL war eklatant. In einem undatierten Bericht spricht sich die Deutsche Notenbank dafür aus, Besuchern aus den Westzonen den Umtausch eines Mindestbetrages von DM-DN 5,– pro Tag als „Zehrgeld“ zur Pflicht zu machen. [16] Die bei Huschka katalogisierten Schecks zu 100 DM-DN zur Frühjahrsmesse 1951 (MG 6.9) sowie zur Herbstmesse (MG 7.9) gibt es nicht. [17] Was bei der Herbstmesse 1950 in einem Restaurant geschah, wo für 100 DM-DN ungültige Schecks zur Frühjahrsmesse 1950 angenommen wurden. [18] Was bis 1989 der Fall war – nach Erwerb eines Messeausweises für ausländische Besuche etwa in einem DER-Reisebüro in der Bundesrepublik konnte man während der Messezeit ohne zusätzliches Visum in die DDR einreisen und erhielt bei Ankunft in einer der Meldestellen für Messegäste in Leipzig eineAufenthaltsgenehmigung beschränkt auf den Kreis Leipzig. Vom Mindestumtausch waren Messegäste nicht befreit.

  • Aus privaten Sammlungen: 25 Piaster der Bank von Indochina aus dem Jahr 1949

    Objekttyp: Banknote Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Die Banque de l'Indochine war per Dekret vom 21. Januar 1875 mit dem Hauptsitz in Paris gegründet worden, um die Geldversorgung in der damaligen Kolonie Französisch-Indochina (heute Laos, Kambodscha und Vietnam) zu sichern und später den wirtschaftlichen Interessen Frankreichs in ganz Südostasien zu dienen. Sie unterhielt Filialen in Phnom Penh in Kambodscha und in Haiphong, Hanoi, Saigon und Tourane (Da Nang) in Vietnam (Piaster-Währung) sowie Pondichéry in Französisch-Indien (Rupien-Währung). Die ersten Banknoten gab sie 1875 aus. 1888 folgten dann auch Noten für Neukaledonien, 1904 für Tahiti und dann für Djibouti und die Neuen Hebriden. Sie gab aber auch Banknoten in Thailand, China und Singapur in den jeweils gültigen Landeswährungen aus. Am Ende des Zweiten Weltkriegs herrschten die Japaner über Französisch-Indochina. Die meisten Franzosen verließen 1945 bis 1946 die Kolonie. Nach dem Krieg liefen die Noten der Bank in den einzelnen Kolonien vorerst weiter um. Die vorgestellte Banknote gab es in gleicher Gestaltung, doch mit blauer statt roter Schrift und ohne den roten Grund des Banknamens auf der Vorderseite bereits ab 1937. Nach dem Krieg gab man dann die modifizierte Note zur besseren Unterscheidung von den Vorkriegsausgaben in Umlauf. Die letzten Noten der Banque de l'Indochine wurden 1954 gedruckt. Im gleichen Jahr endete der Indochinakrieg, in dessen Ergebnis die Kolonie in selbstständige Staaten zerfiel. 1953/54 waren noch Ausgaben des Institut d'Emission des Etats du Cambodge, Laos, Vietnam in Umlauf gekommen. Geldscheine der französischen Kolonien, so von Französisch-Indochina, sind bei Sammlern wegen ihrer farbenprächtigen künstlerischen Gestaltung, der ansprechenden Motive und der besonderen Geschichte sehr beliebt, wegen des typischen dünnen Papiers vieler Ausgaben aber auch selten in guter Erhaltung zu bekommen. Land/Region/Ort: Französisch-Indochina, Kolonie Emittent: Banque de l'Indochine Nominal: 25 Piastres (Piaster) Datum: ohne Datierung (1949) Vorderseite: Behelmte weibliche Allegorie mit Lorbeerkranz vor drei Bögen aus Eichenlaub. Im mittleren Bogen die griechische Göttin Athene mit Helm und Speer. Rückseite: Behelmte weibliche Allegorie mit Lorbeerkranz vor einem Tor mit einem Fries mit drei sitzenden Figuren. Links davon zwei sitzende Löwen und rechts Ruinen von Angkor Wat. Wertangabe in Chinesisch, Khmer, Lao und Vietnamesisch. Signatur: Minost / Laurent Umlauf: ab 21. März 1949 Material: Papier, weiß Wasserzeichen: Merkurkopf im Profil Druck: Druckerei der Banque de France Entwurf: Seb. Laurent Fec. (lat. Fecit=hat es gemacht) / RITA Sc. (lat. Sculpsit=hat gestochen) Format: 160 mm x 85 mm Nummerierung: Serie U.1648 / 647 Authentizität: Original Zitate: French Indochina 81a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) B165a (Linzmayer: The Banknote Book: French Indochina) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Neue Varianten: April 2023, Teil 2

    Ägypten 50 Pounds 2022 EGY-75 (Linzmayer B339b), jetzt mit neuer Unterschrift "Hassan Abdalla". Ghana 200 Cedis 2022 Wie GHA-51 (Linzmayer B161b), jetzt mit neuem Datum 04.03.2022. Iran 50.000 Rials o.D.(2021-2022) IRN-W162 (Peter Mosselberger - www.banknote.ws ), (Linzmayer B300c), aber mit neuen Unterschriften "Mohammad Reza Farzin" und "Ehsan Khandozi". 1.000.000 Rials o.D.(2020) IRN-W165 (Peter Mosselberger - www.banknote.ws ), (Linzmayer B297b), mit neuer Unterschrift "Ali Salehabadi". 1.000.000 Rials o.D.(2022) IRN-W166 (Peter Mosselberger - www.banknote.ws ), (Linzmayer B302b), aber mit neuer Unterschrift "Mohammad Reza Farzin". 2.000.000 Rials o.D.(2008) (2023 o.D.) IRN-W154C (Peter Mosselberger - www.banknote.ws), (Linzmayer B291.5a), mit neuer Unterschrift "Mahmud Bahmani". Kongo, Demokratische Republik 5.000 Francs 2022 Wie COD-102 (Linzmayer B324d), jetzt mit neuem Datum 04.01.2022 und neuer Unterschrift "Malangu Kabedi Mbuyi". Kuba 100 Pesos 2023 CUB-124 (Linzmayer B912.5as), zum einen mit neuem Datum 2023 und mit neuer Unterschrift "Joaquín Alonso Vázquez" als "PRESIDENTE DEL BANCO". 500 Pesos 2023 Wie CUB-131 (Linzmayer B917e), mit neuem Datum 2023. 1.000 Pesos 2023 CUB-132 (Linzmayer B918c), mit neuer Unterschrift "Joaquín Alonso Vázquez" als "PRESIDENTA DE BANCO" und neuem Datum 2023. Mexiko 20 Pesos 2022 MEX-W132 (Peter Mosselberger - www.banknote.ws), (Linzmayer B726g), mit neuem Datum 10. OCT.2022 und den Unterschriften "Galia Borja Gómez" als "JUNTA DE GOBIERNO" und "Alejandro Alegre Rabiela" als "CAJERO PRINCIPAL". Nicaragua 500 Cordobas 2021 NIC-217 (Linzmayer B514b), aber mit neuem Datum 24.11.2021. Philippinen 500 Piso 2017 PHL-210 (Linzmayer B1088a.1), mit Datum 2017, ohne Markierungen für Sehbehinderte, Banksiegel und Unterschriften "Rodrigo Roa Duterte" und "Nestor Aldave Espenilla Jr.". Singapur 10 Dollars SGP-48 (Linzmayer B210o), aber jetzt mit zwei leeren Quadraten auf der Rückseite unter "Sports" als Kodierung für die Ausgabe 2023. Uruguay 100 Pesos Uruguayos 2019 URY-95 (Linzmayer B554b), mit neuem Datum 2019, Serie H und neuen Unterschriften "Elizabeth Sonia Oria" als "SECRETARIO GENERAL" und "Mario Bergara" als "PRESIDENTE". Westafrikanische Staaten - Mali 2.000 Francs (20)21 Wie WAS-416D (Linzmayer B122Du), zum einen mit neuem Datum (20)21, aber auch mit neuen Unterschriften "Tiémoko Meyliet Koné" als "LE GOUVERNEUR" und "Sani Yaya" als "LE PRESIDENT DE CONSEIL DES MINISTRES". Westafrikanische Staaten - Niger 2.000 Francs (20)22 Wie WAS-616H (Linzmayer B122Hv), mit neuem Datum (20)22. 5.000 Francs (20)22 Wie WAS-617H (Linzmayer B123Hv), aber mit neuem Datum (20)22. Zentralafrikanische Staaten - Gabun 10.000 Francs 2002 Wie CAS-410A (Linzmayer B110Ad), aber mit neuen Unterschriften "Abbas Mahamat Tolli" als "LE GOUVERNEUR" und "Louis Aleka-Rybert " als "LE CENSEUR". (Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com) Falk Quieß

  • Buchvorstellung – „Forging Secrets“– Faces and Facts inside the Nazi Operation Bernhard Scheme

    Etwas Neues ausprobieren – mit diesen Worten begrüßte Goetz-Ulf Jungmichel, Geschäftsführer der World Money Fair, am Samstag, den 5.2.2023 etwa 30 Gäste im Auditorium des Berliner Hotels Estrel zur Vorstellung des Buches „Forging Secrets“. Eingeladen hatte die Spungen Family Foundation aus Chicago, die nach eigenen Angaben die umfangreichste und größte Sammlung der Welt an philatelistischen und numismatischen Belegen zum Holocaust besitzt. Nach einer kurzen Begrüßung durch Danny Spungen und einer Einführung in das Thema durch Prof. Kevin Ostoyich von der Valparaiso University, Indiana, der sich nach eigenen Angaben seit Jahren mit der Erforschung des Holocaust beschäftigt, war als Gastrednerin Charlotte Krüger eingeladen, die vor einigen Jahren eine Biografie über ihren Vater Bernhard Krüger verfasst hat, der als SS-Sturmbannführer das "Unternehmen Bernhard" verantwortete. Entstanden ist das Bild einer ambivalenten Persönlichkeit, die einerseits entgegen der nationalsozialistischen Ideologie die mit der Fälschung beschäftigen jüdischen Häftlinge menschlich behandelte, andererseits aber in seinem Handeln keinen Zweifel an dieser Ideologie aufkommen ließ. Schon 1939 wurde in Großbritannien überlegt, Reichsbankknoten zu fälschen und über Deutschland abzuwerfen. Dieser Plan wurde verworfen, u. a. weil die Scheine in Deutschland mit der Reichsmark als reiner Binnenwährung nur schwer in den Umlauf zu bringen gewesen wären. Zudem hätten nur perfekt gemachte Fälschungen den Zweck einer Störung des Wirtschaftslebens erreicht – ein Plan, den man sich nicht zutraute oder den man nicht vertiefen wollte. Mit dem "Unternehmen Andreas" und dann dem "Unternehmen Bernhard" ging Deutschland einen anderen Weg, auch weil das Britische Pfund – anders als die Reichsmark – als Leitwährung in vielen Ländern akzeptiert war und daher die Noten zur Bezahlung von Kriegsmaterialien verwendet werden konnten. Bis zur Einstellung der Produktion Anfang 1945 sollen falsche Banknoten im Werte von 132 Mio. Pfund hergestellt worden sein. Die Papierherstellung für die Fälschungen erfolgte außerhalb des Konzentrationslagers, ebenso die Erstellung der Siebe zur Wasserzeichenherstellung sowie die Gravur der Druckplatten. Das 2022 in den USA erschiene, in englischer Sprache verfasste, sehr aufwändig gemachte und über 2 kg schwere Buch im Folioformat 30 cm x 30 cm reiht sich ein in eine lange Reihe von Publikationen zu diesem Thema, die teilweise aus Sicht überlebender Häftlinge verfasst wurden. Es sieht sich als Beitrag zur Holocaust-Forschung mit dem Ziel, den Häftlingen hinter der Herstellung der Fälschungen Namen und Gesicht zu geben. Entsprechend enthält es neben diversen Abbildungen von Banknoten auch zahlreiche Dokumente, die das Leben im Konzentrationslager Sachsenhausen veranschaulichen sollen, darunter Briefe von Häftlingen, Zeichnungen und Fotos. Für Sammler sind viele wichtige Informationen enthalten, und bekannte Experten wie Joe Boling oder Pam West haben Kapitel verfasst und Informationen zugeliefert. Neu dürften die Forschungen zum Thema der Verteilungswege der Noten sein, wobei es hierzu sicherlich noch weiteres Material gerade aus der Nachkriegszeit geben dürfte, das der Aufarbeitung und Veröffentlichung harrt. Hilfreich für Sammler sind auch die zahlreichen Abbildungen von Details der Pfundnoten zwecks Unterscheidung von Original und Fälschung, sowie die Aufstellung der bisher bekannten Werte, Daten und Kontrollnummern, von denen Fälschungen bekannt sind. Das Buch will laut Spungen Foundation den Anspruch darauf erheben, die neue Enzyklopädie zum Thema Banknotenfälschung im Rahmen des Unternehmens Bernhard zu werden. Für diesen Anspruch ist das aufwändig gemachte Buch jedenfalls recht teuer (USD 199 plus Porto, bestellbar unter https://spungenfoundation.org/operation-bernhard-book/what-is-the-book/). Auf meine Frage, wie Sammler mit Scheinen des "Unternehmen Bernhard" angesichts der Geschichte ihrer Herstellung umgehen sollten, antwortete Charlotte Krüger, dass diese Scheine als das behandelt werden sollten, was sie sind – Zeugnisse der Zeitgeschichte. Dr. Sven Gerhard

  • Leserpost: Geldscheine mit der Kontrollnummer 1, Teil 14

    Anbei mal wieder eine KN 1, wobei mir bewusst ist, dass die KN's auf diesen Scheinen oftmals sehr schwach ausfallen. Außer der "1" konnte ich aber nichts von einer weiteren Ziffer entdecken. Mit besten Grüßen Th. Neldner Deutsches Reich, Preußen, Querfurt (Provinz Sachsen): 50 Pfennig der Firma Richard Jaeckel, Kunst- und Verlagsanstalt, von 1920, Vorder- und Rückseite. Anmerkung der Redaktion Die Kontrollnummer befindet sich auf der Vorderseite mittig rechts. Ich habe bei mir nachgesehen. Ich habe von diesen Scheinen Stücke mit 2-, 3- und 4-stelligen Kontrollnummern. Es scheint, als wären die Nummern nicht mit einem üblichen Nummernwerk, sondern mit einem Paginierstempel aufgebracht worden. Die Scheine der Kunst- und Verlagsanstalt von Richard Jaeckel aus Querfurt wurden und werden als private Verkehrsausgaben katalogisiert. Interessant ist die Datierung "Querfurt, am Tage des Friedensschlusses 1920". Nun ist hinlänglich bekannt, dass der Friedensschluss mit dem "Versailler Vertrag" bereits am 28. Juni 1919 erfolgt ist, weshalb es nicht wenige Notgeldscheine gibt, die das Jahr 1919 immer noch als "Kriegsjahr" benennen. Von seiner ganzen Machart, den Sprüchen, der irreführenden Datierung und nicht zuletzt der Art des Herausgebers selbst könnte man diese Scheine (es gibt Werte zu 10, 25 und 50 Pfennig) auch fast schon als private "Serienscheine" bezeichnen. Waren sie tatsächlich 1920 in Umlauf, oder wurden sie vielleicht sogar zurückdatiert? Auffällig ist außerdem, dass sie fast nur in Erhaltung I/I- vorkommen, so wie bei Serienscheinen üblich. Vielen anderen "echten" Verkehrsausgaben aus dieser Zeit sieht man hingegen die Spuren ihrer Nutzung als Zahlungsmittel im Umlauf deutlich an. Vielleicht sollte man diesen Ansatz weiter verfolgen und klären, was es mit diesen Scheinen mit der merkwürdigen Datierung wirklich auf sich hat. Anzumerken bliebe noch, dass Herr Neldner auch Scheine ohne Kontrollnummer gemeldet hat, bei denen es sich wahrscheinlich um Reststücke handelt. Wer ebenfalls über Geldscheine mit der Kontrollnummer 1 verfügt und diese gern hier vorstellen möchte, schickt uns einfach Scans per E-Mail an info@geldscheine-online.com. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Hans-Ludwig Grabowski

  • Geldscheine der MWL – Geld von Sing Sing

    Die Adresse „Jägerstraße Nr. 354 in Ossining“ im Westchester County ist keine erstrebenswerte Wohngegend: Dort befindet sich das Hochsicherheitsgefängnis des Bundesstaates New York mit der Bezeichnung „Sing Sing Correctional Facility“. Abb. 1: Eingangstor 354 Hunter Street, Ossining, NY 10562 Vorgeschichte: Als der 27-jährige Frederick Flypsen aus dem niederländischen Bolsward in der Provinz Zuidwest-Friesland 1653 nach Flatbush in die nordamerikanische Kolonie Nieuw Nederland auswanderte, konnte er nicht ahnen, dass ein Teil seines künftigen Landbesitzes einmal ein berüchtigter Platz in den USA werden würde. Als Kaufmann (Verkäufer von Eisenwaren und Wirtshausbesitzer) und späterer Sklavenhändler kaufte er in den Jahren von 1672 bis 1686 große Teile der von Mohikanern bewohnten Gebiete. 1685 verkauften die Sint Sincks ihr Land an Frederick Philipse (vormals Flypsen), der es in seinen Landbesitz eingliederte, das als Manor of Philipsburg bekannt wurde. Dort befand sich das Indianerdorf Sing Sing, das soviel wie „Stein auf Stein“ bedeutet und auf ausgedehnte Kalksteinschichten im südlichen Teil des Dorfes hinwies. Die Briten übernahmen 1674 die niederländische Kolonie und während des Unabhängigkeitskriegs 1779 wurden die Nachfahren von Frederick Philipse als Anhänger des britischen Königshauses enteignet, sein Enkel verhaftet und sein Land vom neuen Staat New York beschlagnahmt und versteigert. Viele der Farmen wurden an die Pächter verkauft, die sie bearbeitet hatten, insbesondere diejenigen, die die amerikanische Sache unterstützt hatten. Zu dieser Zeit wurde das Gebiet als Sing Sing bekannt. Die Ansiedlung wuchs zu einem Ort mit erfolgreichem Hafen und am 2. April 1813 wurde Sing Sing als eingemeindetes Dorf im Westchester County staatlich anerkannt. Abb. 2: der Ort Sing Sing im Jahr 1884 (von Lucien R. Burleigh) Handel und Industrie blühten im gesamten 19. Jahrhundert auf. Es entstanden eine Schuhfabrik und eine Ofengießerei – man benötigte viele Arbeitskräfte. Deshalb begann man 1825 mit dem Bau eines Staats-Gefängnisses. Für den Bau wurde einheimisches Baumaterial verwendet. Ungefähr 150 Sträflinge und Wachen kamen vom Auburn Prison, bis dahin die einzige Gefängniseinrichtung im Staat New York. Sie bauten ihr eigenes Gefängnis und begannen „Sing-Sing-Marmor“ aus einem nahe gelegenen Kalksteinbruch abzubauen. Als das Gefängnis berüchtigt wurde, versuchte sich das Dorf vom harten Ruf des Gefängnisses zu distanzieren und änderte seinen Namen am 25. März 1901 in Ossining. Abb. 3: der Gefängniskomplex im Jahr 1909 (Postkarte von Valentines & Sons’ Publ. Co.) Das Staatsgefängnis (im Volksmund „up the river“) gelangte 1953 ins Licht der Weltöffentlichkeit, als man die 1950 zum Tod verurteilten Sowjetspione Ethel und Julius Rosenberg auf dem berüchtigten elektrischen Stuhl hinrichtete. Sie gehörten zu den über 640 Hingerichteten innerhalb von 75 Jahren bis 1963. 1965 wurde im Staat New York die Todesstrafe abgeschafft. Für Papiergeldsammler und geldgeschichtlich Interessierte sind aber die Geldscheine in und um Sing Sing/Ossining von weit größerem Interesse. Selten sind heute die Banknoten der Bank von Sing Sing; von der Serie zu 1, 2, 3, 10, 20, 50 und 100 Dollar sind nur die nicht ausgegeben sog. Remainder aus den 1850er Jahren und heutige Reprints bekannt. Die Bank wurde 1853 gegründet und stellte ihre Geschäftstätigkeit schon im November 1860 wieder ein. Abb. 4: 20 Dollar 18xx, Vs., einseitig bei Danforth, Perkins & Co. New York gedruckt, Porträt von Daniel Webster, 2-facher Außenminister der USA In Ossining wurden wurden die großformatigen Nationalbanknoten während der Jahre 1902 bis 1905 ausgegeben: von der 1864 gegründeten First Nationalbank of Ossining (Charter Nr. 471; Serie 1865: 1, 2, 5, 10 und 20 Dollar; 1875: 5, 10 und 20 Dollar; 1882: 5, 10 und 20 Dollar; 1902: 5, 10 und 20 Dollar) und von der 1902 eröffneten Ossining National Bank (Charter Nr. 6552; Serie 1902: 5, 10 und 20 Dollar). Von den kleinformatigen Banknoten sind Ausgaben von 1929 von der inzwischen zur First National Bank and Trust Company Ossining bekannt (alte Charter Nr. 471; Serie 1929: 5, 10 und 20 Dollar). Abb. 5: 10 Dollar 1. Februar 1903, Vs. Abb. 6: 10 Dollar 1. Dezember 1902, Vs. Abb. 7: 10 Dollar 1929, Vs. Noch interessanter ist aber das Gefängnisgeld, das in Sing Sing an Insassen ausgegeben wurde. Auf Initiative des ehemaligen Bürgermeisters Thomas Mott Osborne von Auburn (1903–1905) wurde das Projekt eines Gefängnisgelds in die Tat umgesetzt. 1913 wurde T. M. Osborne zum Vorsitzenden der „New York State Commission on Prison Reform“ ernannt. Als „Tom Brown“ ließ er sich für eine Woche anonym in das Staatsgefängnis von Auburn einliefern, um von innen etwas über die dortigen Zustände zu erfahren. Er sei entsetzt gewesen hieß es. Abb. 8: Thomas M. Osborne, amerikanischer Penologe (23.9.1859–20.10.1926), Forscher im Teilbereich der Kriminologie, in der wissenschaftlichen Beurteilung von Sanktionen und Strafen auch im Gefängniswesen; Leiter des damaligen Sing Sing State Prison Ossining von 1913 bis 1916 Aus einem 1916 veröffentlichten Bericht in einer Sammlerzeitschrift wissen wir: Er entwickelte eine Philosophie der selbstverwalteten Rehabilitation für die Insassen. Er arbeitete aggressiv für diese Ideen und entwickelte ein System der Selbstverwaltung der Gefangenen, das er Mutual Welfare League nannte. Es wurde im Dezember 1913 in Auburn eingeführt. Osborne brachte bei seinem Amtseintritt 1915 seine Philosophie mit. Die Mutual Welfare League (MWL = Liga für gegenseitige Wohlfahrt) gestattete den Insassen, eigene Interessenvertreter in das Leitungsgremium der Liga zu wählen. Die Liga durfte Unterhaltungen für sich selbst planen, einschließlich der Sportprogramme. Die Häftlinge trugen gestreifte Uniformen und bewegten sich unter strenger Aufsicht nur im Gleichschritt. Osborne ersetzte dies durch einen offeneren Bewegungsstil, der es den Insassen ermöglichte, bequemere Kleidung zu tragen. Die Gefangenen wurden zur Herstellung von Waren in privaten Fabriken sowohl innerhalb als auch außerhalb der Mauern eingesetzt und fertigten Stiefel, Schuhe, Hüte, Bürsten, Matratzen, Teppiche, Sättel, Melassefässer für Rumhändler und Öfen Die Häftlinge erhielten bis dahin keine Bezahlung, da ihre Arbeit als Teil ihrer Bestrafung galt. Die MWL führte bald ein Lohnsystem ein und in dem eröffneten Laden konnten die Insassen eine große Auswahl an persönlichen Gegenständen kaufen. Dieses Geld kam ab 1. Oktober 1915 in Umlauf; in Papierausgaben zu 1, 5 und 10 Einheiten (= Dollar) sowie in Münzen zu 1, 5, 10, 25 und 50 Klein-Einheiten (= Cents). Abb. 9: 1 Einheit = Dollar o. D., Vs., ohne SBst. KN 3-stellig schwarz Abb. 10: 1 Einheit = Dollar o. D., Vs., Serie E, KN 4-stellig schwarz Abb. 11: 5 Einheiten = Dollar o. D., Vs., SBst. M KN 4-stellig rot Abb. 12: 5 Einheiten = Dollar o. D., Vs., Serie E, KN 4-stellig rot Abb. 13: 10 Einheiten = Dollar o. D., Vs., SBst. R KN 3-stellig schwarz Abb. 14: 10 Einheiten = Dollar o. D., Vs., SBst. R KN 4-stellig rot Die Scheine haben einen breiten farbigen Rand und die Aufschrift „Do Good / Make Good“ (= tu Gutes / mach Gutes). Mittig ist ein Kreis mit den Buchstaben MWL. Die Wörter Cents oder Dollars erscheinen weder auf den Scheinen noch auf den Münzen. Die Scheine zeigen kein Datum, Fachleute datieren sie in die 1920er–1940er Jahre; sie waren einheitlich etwa 185 × 80 mm groß und wurden einseitig, aber in verschiedenen Serien und Farben gedruckt. Eine Druckerei ist nicht bekannt – ebenfalls keine Stückzahlen. Sie kommen auch in gebrauchter Erhaltung selten vor. In der Auktion bei Stack’s & Bowers vom 8. November 2022 erlangte der Einer in Erhaltung I bei einem Schätzwert von 400 bis 600 Dollar stolze 900 Dollar. Die Zehner kommen kaum vor, eine Abbildung stammt von einer zeitgenössischen Postkarte. Dort finden sich auch die KN 1 auf dem Einer und M 1 auf dem Fünfer. Die Bezeichnung „SERIES No E“ (mit einem Punkt unter dem „o“) finden sich auf den letzten Scheinen. Abb. 15: 25 Klein-Einheiten = Cents, o. D. Einen ähnlichen Text findet man auf den Münzen. Die Einer wurden in Messing geprägt die Zehner, Fünfundzwanziger und Fünfziger waren aus Nickel. Die Fünfer gab es in unterschiedlicher Größe sowohl in Messing als auch in Nickel. Für die drei höheren Wertstufen findet man auch die Angaben Aluminium oder „white metal“. Diese Token erzielen heute je nach Erhaltung Preise von 10 bis 50 US-Dollar bei Online-Auktionen im „Sofortkauf“, wobei die 50er sehr selten am Markt auftauchen. Die Justizvollzugsanstalten mussten sich wirtschaftlich selbst versorgen und die laufenden Kosten finanziell erwirtschaften. So erhielten die Häftlinge zwar einen Dollar Lohn pro Tag für ihre Arbeit, aber sie mussten Miete und auch noch ihre Mahlzeiten bezahlen. Die Zellenmiete auf den verschiedenen Rängen hatten unterschiedliche Mietpreise zwischen 1,00 und 1,60 Dollar pro Woche; jeder Gefangene konnte eine Zelle auf der Ränge auswählen, deren Preis er zu zahlen bereit war. Allerlei Dinge aus dem MWL-Laden konnte nicht mehr mit dem regulären, gesetzlichen US-Geld kaufen, sie mussten alle Beträge, die sie auch von außerhalb erhalten durften in das Gefängnisgeld 1:1 eintauschen. Wie die abgebildeten Geldzeichen zeigen, haben sie nach ihrer Einführung bald ihren Weg außerhalb der Gefängnismauern gefunden. So wurde schon 1916 ein „Fünf-Cent“-Stück in der Spendenbox der Greensburg Presbyterian Church gefunden. Der damalige Küster Dobbs Ferry entdeckte die Münze, als er die Spenden abends zählte. Quellen „Sing Sing Prison’s Token Money“ in „The Numismatist“, Nr. 1/Januar, S.16, Federalsburg 1916. Ritchie, Kenneth W.: „Is Sing Sing a Misuse of money“ New York Times, 20. November 1977, S. 20. https://de.wikipedia.org https://postcardhistory.net/2019/06/inside-sing-sing-prison-and-the-mutual-welfare-league/ https://www.britannica.com/science/criminology/Major https://www.ohsm.org

  • Comprehensive Catalog of Military Payment Certificates

    Fred Schwan / Larry Smulczenski: Comprehensive Catalog of Military Payment Certificates 5. Auflage 2023, ca. 200 Seiten Hardcover, durchgehend farbig, in englischer Sprache. BNR Press, Port Clinton (OH) Fred Schwan und Larry Smulczenski haben die 5. Auflage ihres Standardwerks „Comprehensive Catalog of Military Payment Certificates“ (Umfassender Katalog der (US-)Militärzahlungsmittel) herausgebracht – ein beeindruckendes Buch und in jedem Fall ein „Must-have“ für den Sammler dieser Scheine. Zwischen 1946 und 1973 kursierten für den Zahlungsverkehr innerhalb der im Ausland stationierten US-Streitkräfte eigene Zahlungsmittel, die sogenannten Military Payment Certificates (abgekürzt MPC). Es gab sie in Wertstufen von 5, 10, 25 und 50 US-Cents sowie 1,5 und 10, bei späteren Ausgaben auch zu 20 Dollars. Ausgegeben wurden in diesem Zeitraum insgesamt 13 Serien, so dass eine komplette Typensammlung aller MPC 90 Scheine umfasst. Grund der Ausgabe von MPC waren erhebliche Defizite in der Bilanz der US-Streitkräfte, die dadurch entstanden waren, dass US-amerikanische Besatzungssoldaten in Europa und Asien nach Kriegsende ihren Sold zunächst in Landeswährung erhielten (in Deutschland etwa in Alliierten Militärmarknoten), jedoch unbeschränkt Beträge zum offiziellen Militärwechselkurs in US-Dollars umtauschen und in die Heimat transferieren durften. Das führte zu erheblichen Schwarzmarktgeschäften amerikanischer Soldaten insbesondere in Deutschland und Österreich. Diesen Schwarzhandel und insbesondere die aus dem Umtausch schwarz erworbener Landeswährung in US-Dollars zu offiziellen Kursen resultierenden finanziellen Verluste im US-Staatshaushalt wollte man durch die Ausgabe von MPC beenden. Um zudem den Schwarzhandel mit MPC selbst und die Abgabe an Personen außerhalb der Streitkräfte möglichst zu unterbinden, wurden Scheine der laufenden Serie nach Ankündigung innerhalb nur eines Tages durch neue Scheine ersetzt, wobei nur US-Militärangehörige MPC der alten gegen solche der neuen Serie umtauschen konnten. Das Buch von Schwan/Smulczenski, beide Veteranen der US-Armee, ist das Ergebnis von mehr als 40 Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Thema, und geht über einen Katalog deutlich hinaus. Es enthält nicht nur Beschreibungen und Bewertungen aller Scheine, sondern auch ausführliche Dokumentationen zu Umlaufgebieten (nicht jede MPC-Serie lief überall um), Druckauflagen, Muster- und Reservenoten, Fälschungen und Verwendung von MPC durch andere Streitkräfte etwa während des Vietnamkriegs, angereichert mit vielen Materialien und Abbildungen, die die Verwendung der MPC anschaulich belegen. Das Buch ist durchgehend in englischer Sprache verfasst, die Texte sind dabei sehr anschaulich und gut verständlich geschrieben. Auch für den Deutschlandsammler ist das Buch interessant, da MPC der Serien 461 bis 521 von September 1946 bis Mai 1958 in Westdeutschland und Westberlin in Einrichtungen der US-Streitkräfte Verwendung fanden. Das Buch ist für USD 75 plus Porto (ca. USD 42) und ggf. zu entrichtender Einfuhrumsatzsteuer erhältlich bei fredschwan@yahoo.com. Einige wenige Exemplare sind auch bei sven.gerhard@gmx.de für EUR 75 plus EUR 6 Versandkosten (nur in Deutschland) verfügbar.

  • MIF Paper Money Fair am 29. und 30. April

    Am letzten Wochenende im April findet wieder die größte Papiergeldbörse der Welt im niederländischen Maastricht statt (Nachfolge der Paper Money Fair Valkenburg). Der Veranstalter, Dimitri Waltmans meldete bereits über 220 Händler aus aller Welt, die mit eigenem Stand auf der Börse im MECC (Maastricht Event & Congress Center) und einem riesigen Angebot an Geldscheinen vor Ort sein werden. Zugelassen sind, anders als früheren Veranstaltungen in Valkenburg, aber auch Münzen, Medaillen und mehr. Für Besucher ist der Eintritt frei! Foto-Impressionen von der letzten MIF Paper Money Fair im Herbst 2022. Hallenplan für die kommende Veranstaltung in Maastricht. Update vom 27. April 2023: Leider werden wir krankheitsbedingt nicht auf der Messe vertreten sein. Der Battenberg Gietl Verlag ist mit einem eigenen Stand (W5/12-13) und seiner Fachliteratur in Maastricht vertreten, an dem Sie auch mich finden und mit mir ins Gespräch kommen können. Wir freuen uns, Sie auf der Börse in Maastricht zu treffen! Mehr Informationen zur MIF Paper Money Fair Hans-Ludwig Grabowski Redakteur "Der Geldscheinsammler" Redakteur Geldscheine-Online.com Fachautor zur Geld- und Zeitgeschichte

  • Leserpost: Eine Million auf braunem Papier?

    Eine meiner neu erworbenen Banknoten ist ein 1-Million-Mark-Schein vom 20.2.1923. Der Schein wurde mir als Ro. 85c angeboten (im neuen Katalog der DEU-97). Bei genauer Betrachtung und beim Vergleich mit einem DEU-96a ist mir aufgefallen, dass das Papier nicht wirklich brauner ist. Das Wasserzeichen ist das Wz. 39 (Reichsdruck-Wellen). In den alten "Rosenberg-Katalogen" ist bei 85c auch das Wz. 33 Wellen (Schlangenlinien) abgebildet. Welches Wasserzeichen ist Ihnen bei den DEU-97-Scheinen bekannt? Können Sie mir Ihre Meinung mitteilen, ob der Schein ein DEU-97 mit schwach gefärbtem Papier ist oder eher ein DEU-96 mit bisher nicht katalogisiertem Wasserzeichen? Vielen Dank für Ihre Bemühungen. Mit freundlichen Grüßen, M. Brand Reichsbanknote zu 1 Million Mark vom 20. Februar 1923 mit Wasserzeichen Wellen, Firmenzeichen PR, Vorderseite Antwort der Redaktion Es handelt sich ganz sicher um das Wasserzeichen 39 (Reichsdruck-Wellen). Eigentlich sollte es danach DEU-97 (Ro. 85c) sein und das Papier braun. Die Seltenheit und damit die Bewertung des Scheins resultiert aber nicht allein aus dem braunen Papier. Das Wasserzeichen macht den Schein zur Seltenheit, und das kommt bei dieser Ausgabe nur in Verbindung mit dem Firmenzeichen PR (J. s. Preuss, Berlin) vor. In früheren Katalogen (Rosenberg) war diese Variante nicht aufgeführt. Im "Picken/Rixen" wurde lediglich erwähnt, dass es auch Scheine mit Wellen geben soll. Dann folgte eine Auflistung mit LP (Liebhaberpreis). Holger Rosenberg hatte den Schein in der 9. Auflage drin und in der 10. Auflage wieder heraus genommen. Ab der 11. Auflage 1999 habe ich den "Rosenberg-Katalog" bearbeitet und die Variante mit den Reichsdruck-Wellen wieder ab der 12. Auflage 2001 unter 85c in den Katalog aufgenommen. DEU-97: 1 Million Mark vom 20. Februar 1923 auf braunem Papier mit Wasserzeichen Wellen, Vorderseite, Sammlung Josef Gerber. Die mir bekannten Belege mit dem Wz. Wellen hatten bräunliches Papier, weshalb der Schein bei mir mit der längst überfälligen Neukatalogisierung ab 2018 auch eine eigene Katalognummer bekommen hat (siehe auch Abb. in meinem Katalog und oben). Bei ihrem Schein handelt es sich ebenfalls um DEU-97, obwohl das Papier nicht oder nur schwach eingefärbt ist. Ich werde eine entsprechende Anmerkung im Katalog aufnehmen. Ich gratuliere zu dem seltenen Stück! Hans-Ludwig Grabowski

  • Im Land der Skipetaren

    Zum Geldwesen Albaniens während der italienischen und deutschen Herrschaft Wer las als Kind nicht „Durch das Land der Skipetaren“, in dem Karl May Kara Ben Nemsi seine Abenteuer bestehen lässt. Jahrhunderte lang lag das Land am Rande Europas in einem Dornrösschen-Schlaf. 500 Jahre bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war es Bestand­teil des Osmanischen Reichs. Während sich im 19. Jahrhundert die Nachbarvölker vom türki­schen Joch befreiten, blieb Albanien osmanische Provinz. 1912 rebellierten die Völker des Balkans gegen die Fremdherrschaft. Durch Rußland ermutigt, nutzten Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland die Gunst der Stunde. Im Verlauf des Ersten Balkankriegs mussten die Türken Mazedonien, Adrianopel und Saloniki räumen; serbische, griechische und montenegrinische Truppen besetzten neun Zehntel Albaniens. Über die Beute gerieten die ehemaligen Verbündeten in Streit. Als Folge des Zweiten Balkankriegs (1913) musste Bulgarien seine Erwerbungen an Griechenland, Serbien und die Türkei herausgeben. Albanien erklärten die Großmächte zu einem unabhängigen Fürstentum. Der deutsche Fürst Prinz Wilhelm von Wied [* 26.3.1876 Neuwied, † 18.4.1945 Predeal, Rumä­nien] wurde für kurze Zeit albanischer Souverän. Nach nur 200 Tagen verließ er am 3. September 1914 das Land. Noch vor ihrem Eintritt in den Ersten Weltkrieg, landeten am 28. Dezember 1914 bei Valona italienische Expeditionstruppen. Italien hatte sich von den späteren Verbündeten in einem geheimen Vertrag territoriale Zugeständnisse bzw. Rechte in Albanien zusichern lassen. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs besetzten die Mittelmächte den größten Teil Albaniens. Nach Kriegsende war Albaniens staatliche Selbständigkeit lange Zeit ungewiß, zu begehrlich waren die Blicke der Nachbarstaaten. Erst die Aufnahme in den Völkerbund am 17. Dezember 1920 sicherte den staatlichen Fortbestand Albaniens, dessen Grenzen aber erst eine Botschafterkonferenz am 9. November 1921 endgültig festlegte. Die inneren Verhältnisse blieben verworren. Seit den Tagen des Prinzen von Wied war es formal immer noch eine Monarchie. Die Nationalversammlung beschloß aber am 21. Januar 1925, Albanien in eine Republik umzuwandeln. Nur zehn Tage später wählte sie Amet Zogu [* 8.10.1885 Bur­gajet, Albanien, † 9.4.1961 Suresnes, Frankreich] zum Staatspräsidenten. Das Amt war prak­tisch mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet. Der neue Präsident, der zuvor durch das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Kralje­vina Srba, Hrvata i Slovenaca = SHS) unterstützt worden war, setzte auf die italienische Karte. Mit dem am 27. November 1926 unterzeichneten 1. Tiranapakt (Freundschafts- und Si­cherheitsvertrag) und dem am 22. November 1927 unterzeichneten 2. Tiranapakt (Verteidi­gungsbündnis) begründete Italien ein Quasi-Protektorat über Albanien. Bereits am 15. März 1925 schlossen in Mailand der albanische Finanz- und Außenminister Mufid Bey Libonava und der Repräsentant einer italienischen Investorengruppe, Mario Alberti, einen Bank- und Anleihevertrag. In ihm sagten die Investoren der albanischen Regierung eine Anleihe in Höhe von 50 Millionen Goldfanken zu. Sie wurde von der italienischen „Società per lo sviluppo economico dell’Albania“ verwaltet. Das Gesetz Nr. 356 vom 12. Juli 1925 machte den Weg frei zur Errichtung der albanischen Notenbank (Banka Kombëtare e Shqipnis – Banca Nazionale d‘Albania), die am 2. September 1925 in Rom mit einem Kapital von 12,5 Millionen Franga-Ari (Goldfranken) gegründet wurde. Hauptaktio­när war die „Creditio Italiano“. Die Geschäftspolitik der Bank erfolgte von Rom aus durch den Verwaltungsrat, während die Zentraldirektion in Durrës seinen Sitz nahm. Erst 1938 erfolgte die Verlegung nach Tirana. Durch die Beteiligung an der Nationalbank gewann Italien auch eine weitgehende Kontrolle über die albani­schen Finanzen. Albanien verfügte bis zu diesem Zeitpunkt über kein eigenes Münz- oder Papiergeld, sieht man von wenigen regionalen Notgeldausgaben ab.[1] Im Umlauf waren die Münzen der Nachbarstaaten, die vor dem Ersten Weltkrieg entweder der Lateinischen Münz­union angehörten oder zu­mindest nach dessen Standard prägten. Von besonderer Bedeutung waren hier die italienischen Lire- und die französischen Francs-Goldmünzen. Es wundert daher nicht, dass man auch in Albanien den Goldfranken zur Grundlage der Währung machte: 100 Qindar Leku = 1 Lek 500 Qindar Leku = 1 Franga Ari (Goldfranken) 5 Leku = 1 Franga Ari 5 Qindar Leku = 1 Qindar Ari 100 Qindar Ari = 1 Franga Ari Bereits im Februar 1926 emittierte die neu gegründete Bank 20-Franga-Ari-Banknoten, im März folgte der Wert zu 5 Franga-Ari und im Juni zu 100 Franga-Ari.[2] Die zweisprachigen Geldscheine wurden bei „Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd.“ gedruckt. Die bei Richter e. C., Neapel, gedruckte Note zu 5 Lek = 1 Franga-Ari, bildete den Abschluss. Sie wurde nach nur zehn Tagen wieder ein­ge­zogen, da die Abbildung des römischen Adlers auf der Vorderseite dem al­ba­nischen Präsidenten missfiel. Alle Nominale tragen die Unter­schrift des Bankpräsidenten Mario Alberti und von Amedeo Gambino. Von der 5-Franga-Ari-Note gibt es eine spätere zweite Auflage, die vom neuen Bankpräsidenten Giuseppe Bianchini unterzeichnet wurde. Abb. 1.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Lek = 1 Franka Ari, Vorder- und Rückseite[3], Größe: 93 x 50 mm, ohne Wasserzeichen. Abb. 2.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Franka Ari, Vorder- und Rückseite, Größe: 113 x 60 mm, Wasserzeichen. Abb. 3.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Franka Ari, 2. Auflage, Vorder- und Rückseite, Größe: 113 x 60 mm, Wasserzeichen. Abb. 4.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 20 Franka Ari, Vorder- und Rückseite, Größe 152 x 86 mm, Wasserzeichen: Skanderbeg. Abb. 5.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 100 Franka Ari, Specimen, Vorder- und Rückseite[4], Größe: 190 x 104 mm, Wasserzeichen: Skanderbeg. Ab 1926 gelangten in Rom (Münzzeichen „R“) geprägte Münzen zu 5 und 10 Qindar Leku (Bronze), ¼ Leku, ½, 1 Lek (Nickel) sowie 2 und 5 Franga Ari (Silber) in den Umlauf. Nach nur einem Monat zog man im Januar 1927 die 2 Franga-Münzen wieder ein, da sie ebenfalls den römischen Adler zeigten. Die 1 Franga-Silber-Münze mit dem Bug eines römischen Schiffes auf der Vorderseite gab die Bank erst gar nicht in den Verkehr. Wohl zu Repräsentationszwecken prägte man in geringer Auflage Goldmünzen zu 10, 20 und 100 Franga Ari mit dem Bildnis des Präsidenten Amet Zogu. Bleibt anzumerken, dass spätere Jahrgänge auch in London (Münzzeichen „L“) und Valons (Münzzeichen „V“) geprägt wurden. Abb. 6: Shqipni, 1926, 1/2 Lek. Abb. 7: Shqipni, 1927, 1 Fr. A. Abb. 8: Shqipni, 1926, 2 Fr. A. Abb. 9: Shqipni, 1926, 5 Fr. A. Am 1. September 1928 proklamierte die Nationalversammlung die Monarchie und Amet Zogu zum König der Albaner, entsprechend zeigen die Münzen aus den 1930er Jahren ab 1 Franga Ari sein Konterfei mit der entsprechenden Umschrift. Erstmals wurden 1935 auch Bronze-Münzen zu 1 und 2 Qin­dar Ari geprägt sowie Gedenkmünzen zum „XXV. Jahrestag der Unabhängigkeit“ (1937) und zum „X. Jahrestag Königreich“ (1938). Abb. 10: Shqipni, 1930, 1/2 Lek. Abb. 11: Shqipni, 1935, 2 Franga. Abb. 12: Shqipni, 1935, 1 Qindar Ar. Obwohl das Verteidigungsbündnis auf 20 Jahre geschlossen war, nutzte Italien Verhandlungen über eine Erneuerung des Vertrags, um die Vereinigung der beiden Staaten zu fordern. Da sich der albanische König weigerte, landeten am 4. April 1939 italienische Truppen in Durazzo, Valona und Santi Quaranta und besetzten das Land in wenigen Tagen. Am 12. April erklärte die Nationalversammlung den geflohenen König Zogu für abgesetzt. Zwei Tage später nahm der ita­lienischen König Vittorio Emanuele III. den Titel eines Königs von Albanien an. Jacomoni, der bisherige Botschafter in Tirana, wurde am 18. April Statthalter (Luogotenente: Leutnant) des Königs in Albanien. Am gleichen Tag wurde im italienischen Außenministerium ein Staatssekreta­riat für albanische Angelegenheiten eingerichtet. Die einzige Partei im Land wurde die am 23. April 1939 gegründete „Partia Fashiste Shqiptare“ (Albanische Faschistische Partei). Am 3. Juni wurde die albanische Armee in die italienische eingegliedert und das albanische Außenministerium aufgelöst. Die außenpolitische Vertretung Albaniens erfolgte jetzt durch Italien. Schließlich trat am 4. Juni eine neue albanische Verfassung, „Grundstatut“ genannt, in Kraft. Nach ihren 54 Artikeln war Albanien eine konstitutionelle Monarchie, erblich im Hause Savoyen. Der bisherigen Staatsflagge wurde noch das Liktorenbündel hinzugefügt; Amtssprache blieb Albanisch. Die Exekutive ging vom König bzw. seinem Statthalter aus, der die Minister ernannte, die nur ihm verantwortlich waren. Die Legislative ging ebenfalls vom König aus, der dabei aber mit einem „Obersten Faschistischen Korporativrat“ zusammen­ar­beitete, der sich aus Mitgliedern des Zentralrats der Albanischen Faschistischen Partei und des Zentralrats der Korporativen Wirtschaft zusammensetzte. Die Mitglieder dieses „Parlamen­ts“, wie es in Albanien weiterhin genannt wurde, wurden also bestimmt, und nicht gewählt. Die Ein­berufung des Korporativrats, die Bestimmung der Tagesordnung, die Ernennung des Prä­siden­ten und des Vizepräsidenten war dem König vorbehalten. Dem König und der Faschisti­schen Partei kamen die Rolle eines Verfassungsorgans zu.[5] Nur drei Tage nach der Landung veranlasste die italienische Militärführung, dass bei allen bei der Nationalbank lagernden 100 Franga-Ari-Noten das Brustbild König Zogus durch einen schwarzen Stempel mit dem albanischen doppelköpfigen Adler unkenntlich zu machen sei. In der Zeit vom 7. bis 12. April wurden alle Geldscheine zu 100 Franga-Ari eingezogen und überstempelt. Die nicht geänderten Banknoten wurden für wertlos erklärt. Ab 20. April galten 6,25 Lira ein Franga, gleich­zeitig wurde die Goldbindung des albanischen Franken aufgehoben. Abb. 13.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 100 Franka Ari, Wappenstempel, Vorder- und Rückseite[6] Bis zur Emission neuer Banknoten durch die Banca d’Italia kamen die Reserven der alten Noten von 1926 zur Ausgabe. Und zwar befanden sich im Umlauf:[7] Schon im Juni 1939 gelangten die neuen Banknoten zu 5 und 20 Franga und im Januar 1940 die zu 100 Franga in den Verkehr. Drei weitere Nominale folgten: 10 Lek im Juli 1940, 2 Lek im Januar 1941 und 5 Lek im Mai 1942. Obwohl der 2 Lek-Geldschein nach einem Dekret nur bis zum 31. De­zember 1941 umlauffähig war, blieb er bis zum Ende er italienischen Besatzung im Zahlungs­verkehr.[8] Alle Nominale wurden von Mosconi und Gambino unterzeichnet. Am 17. Dezember 1942 regte die albanische Nationalbank bei der Banca d’Italia den Druck von Banknoten zu 500 und 1000 Franga an. Hierzu ist es jedoch nicht mehr gekommen. Abb. 14.1: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 2 Lek, Vorder- und Rückseite. Größe: 95 x 54 mm, Wasserzeichen. Abb. 15.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Lek, Vorder- und Rückseite. Größe 97 x 61 mm, Wasserzeichen: Italia mit Stern. Abb. 16.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 10 Lek, Vorder- und Rückseite. Größe 97 x 61, Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III. Abb. 17.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Franga, Vorder- und Rückseite. Größe 132 x 76 mm, Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III. Abb. 18.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 20 Franga, Vorder- und Rückseite. Größe 187 x 106 mm. Wasserzeichen: links Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III., rechts Skanderbeg. Abb. 19.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 100 Franga, Vorder- und Rückseite. Größe 203 x 108 mm, Wasserzeichen: Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III. Das neue Papiergeld wurde bei der Officina della Banca d’Italia gedruckt. Die Produktion endete mit der Bombardierung der Druckerei in Aquila am 8. Dezember 1943. Bis zu diesem Zeitpunkt wa­ren hergestellt:[9] 2 Lek 4.000.000 Stück 5 Lek 2.190.000 Stück 10 Lek 16.479.000 Stück 5 Franga 8.535.000 Stück 20 Franga 5.592.222 Stück 100 Franga 1.432.500 Stück Auch diese Ausgabe ist zweisprachig und weist verblüffende Ähnlichkeiten mit den italienischen Banknoten auf. Der Wert zu 20 Franka hatte eindeutig den 100-Lire-Schein zum Vorbild. Im Zentrum der Note „Roma“ mit Speer und Schild, in der linken Hand die Siegesgöttin haltend, daneben die Wölfin, Romulus und Remus säugend. Das linke Wasserzeichen im Lorbeerkranz zeigt das Kopf­bildnis von König Vittorio Emanuele III, das rechte das Kopfbild des legendären Fürsten Skander­beg. Die 100 Franga-Note ist der Banknote zu 500 Lire nachempfunden. Das rechte Bild gibt eine Bäue­rin mit Sichel und Kornähren wieder, im weißen linken Feld das Wasserzeichen mit dem Brust­bild des italienischen Königs. Der Wert zu 2 Lek ist in violett-braunen Farben gehalten. Die rechte Vorderseite beherrscht das an­tike Kopfbild eines Jünglings, auf der Rückseite der doppelköpfige al­banische Adler. Die 5- und 10 Lek-Noten sind weitgehend bildgleich. In der runden Aussparung wird beim # 5-Lek-Schein ein Frauenkopf, beim 10-Lek- und 5-Franga-Schein der Kopf von König Vitto­rio Emanuele III. als Wasserzeichen sichtbar. Nach der Besetzung kamen nach italienischem Vorbild in Rom geprägte Münzen zu 0,05, 0,10 (Aluminium-Bronze), 0,20, 0,50, 1, 2 (Acmonital) sowie 5 und 10 Lek (Silber) in Umlauf. Sie zeigen auf dem Revers das Portrait von Vitto­rio Emanuelle III. als König von Albanien – teilweise mit einem Stahlhelm – sowie auf dem Avers den albanischen Adler mit zwei Liktorenbündeln. Abb. 20: Shqipnis, 1939, 0,50 Lek. Abb. 21: Shqipnis, 1939, 10 Lek. Einzelne ältere Geldzeichen wurden außer Kurs gesetzt, so die Nickelmünzen zu ¼ Leku zum 31. Dezember 1940 und die Silbermünzen zu 2 und 1 Franga-Ari zum 31. Dezem­ber 1941; die überstempelten 100 Franga-Ari-Noten wurde am 30. Juni 1942 ungültig.[10] Als Italien am 10. Juni 1940 an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurde auch Albanien Kriegspartei. Dies hatte zunächst keine weitere Bedeutung für das Land, da der Balkan auch weiterhin von Kampfhandlungen verschont blieb. Erst mit dem italienischen Angriff auf Griechenland am 28. Oktober 1940 änderte sich das. Die italienische Regierung befürchtete, dass Griechenland seine neutrale Haltung zu Gunsten Großbritanniens aufgeben könnte. Die ultimative italienische Forderung nach strategischen Stützpunkten in Griechenland wurde selbstverständlich von der griechischen Regierung abgelehnt. Der italienische An­griff war schlecht vorbereitet. Nach anfänglichen Erfolgen musste man am 14. November der griechischen Gegenoffensive weichen. Bis zum Jahresende kontrollierten die Griechen etwa ein Viertel Albaniens. Die drohende militärische Niederlage des Verbündeten vor Augen, veranlasste Hitler zum Eingreifen. Am 6. April 1941 griffen deutsche Truppen Griechenland und Jugoslawien an. Der Widerstand beider Staaten brach rasch zusammen. Am 17. April kapitulierte Jugoslawien, am 24. April Griechenland, dessen Truppen aber immer noch tief in Albanien standen. Die besetzten Gebiete verteilten die Achsenmächte als Beute. Die Italiener besetzten den größten Teil des Kosovos und Westmakedoniens, die Bulgaren das restliche Makedonien und einen kleinen Teil des Kosovos mit der Stadt Kacanik, das nördliche Kosovo mit den Städten Kosovska Mitrovica, Vucitrn und Podujevo kam zu Serbien unter deutsche Militärverwaltung. Am 12. August 1941 vereinten die Italiener ihr Gebiet sowie die einst montenegrinischen Kreise Plav-Gusinje und Ulcinj zu einem Groß-Albanien mit 42.469 qkm und 1.756.000 Einwohnern.[11] Das albanische Siedlungsgebiet in Nordgriechenland, die Çamëria, blieb jedoch bei Griechenland unter italienischer Militärverwaltung. In den besetzten früheren jugoslawischen Gebieten wurde der Dinar eingezogen und mit 0,0608 Franga umgetauscht; die während der griechischen Besatzung nach Albanien eingedrungene Drachme wurde mit 0,02 Franga gerechnet.[12] Das deutsche Luftwaffenkommando Südost befürchtete nach der alliierten Landung auf Sizilien eine Inva­sion auf dem Balkan. Bereits seit Ende Juli/Anfang August 1943 wurden daher zur Sicherung der Hä­fen und Flugplätze deutsche Truppen nach Albanien verlegt. Nach dem Übertritt Italiens ins La­ger der Alliierten am 8. September 1943, besetzen zwei deutsche Divisionen das Land. Etwa 90.000 italienische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft, 45.000 tauchten im Land unter. Da die Wehrmacht viel zu wenig Truppen zur Verfügung hatte, um in Albanien eine starke Präsenz zeigen zu können, unterstützte man die Bildung einer deutschfreundlichen Regierung, die am 14. September 1943 die Unabhängigkeit Albaniens proklamierte.[13] Das albanische Staatsarchiv in Tirana verwahrt unter der Referenznummer 179 Akten der albanischen Nationalbank auf, zu denen auch ein 366 Seiten umfassendes Journal der Zentraldirektion gehört. Dieses Tagebuch beginnt am 9. September 1943 und endet mit dem letzten Eintrag am 24. Oktober 1944. Damit umfasst es den gesamten Zeitraum der deutschen Besetzung. Direktor Rodolfo Janniello notierte dreizehn Monate jeden Tag akribisch mit Angabe des Datums und der Uhrzeit alle Informationen, die per Telefon, Telegramm, Post, durch Treffen der Direktoren der Bank mit Vertretern der albanischen Regierung und hochrangigen Stellen der deutschen Armee eingingen. In den ersten Tagen des italienischen Seitenwechsels waren die politischen und monetären Verhältnisse in Tirana verworren. So erfuhren die Mitglieder der Zentraldirektion erst am 9. September 1943 gegen 19:00 durch eine Nachrichtensendung der BBC davon. Zwar vermerkt das Journal, dass die Franga-Banknoten auch weiterhin im Umlauf seien und auf dem Markt als Tauschmittel verwendet würden, jedoch die Notenbestände nicht ausreichen würden, um allen Geldanforderungen gerecht zu werden. Am 10. September lehnte daher Direktor Ettore Melis ein Ersuchen der scheidenden italienischen Militärkommandantur ab, die geforderten Mittel auszuzahlen. Die gleiche Antwort erhielt auch der deutsche Wehrmachtsoffizier Major Tiller. Abgeschnitten vom Hauptverwaltungsrat in Rom wies die Zentraldirektion in Tirana die Filialen an, keine Anforderung des Militärs zu erfüllen und auch keine Kredite an Privatpersonen mehr zu vergeben. Dennoch gelang es italienischen Truppen beträchtliche Banknotenmengen abzuziehen. Dabei ging es nicht immer friedlich zu. In Berat erzwang Major Rosario Lauria die Herausgabe von 1.131.000 Franga und in Vlora überfielen Partisanen die Bankfiliale. Auf der anderen Seite der Adria besetzten deutsche Truppen Italien. In einer Überraschungsaktion beschlagnahmte am 16. September ein SS-Kommando im Beisein eines Beamten des Auswärtigen Dienstes bei der Banca d’Italia in Rom „... albanische Banknoten in Scheinen von 5 und 10 Lek sowie zu 5, 20 und 100 Fr. A. im Gesamtwert von 120.513.902 Fr. A., geprägte Goldmünzen verpackt in 23 Säckchen im Münzwert von 435.070 Fr. A., Goldbarren, bestehend aus 49 losen Barren und 29 Kistchen Barren im von ita­lieni­scher Seite angegebenen Gegenwert von 7.627.756,90 Fr. A. Der Inhalt der Banknoten­pakete sowie die Säckchen und Barrenkisten (die Eigentum der Nationalbank waren, Anm. d. Verf.) konnten aus Zeitmangel nicht gezählt werden. Es dürfte sich schätzungsweise um 3 t Gold und 12 t Banknoten handeln.“[14] Die Banknoten wurden mit neun Transportflugzeugen nach Tirana geflogen und dort zur Verfü­gung des Gesandten Neubacher beim Generalkonsulat hinterlegt. Die Goldbestände sowie die Druckplatten der Banknoten gelangten mit einem Sonderflugzeug nach Berlin ins Auswärtige Amt.[15] Auf Befehl vom 11., 12. und 13. September 1943 des italienischen IX. Kommandos wurden die Banken in Albanien bis zum 20. September geschlossen, nur die Nationalbank setzte ihre Tätigkeit, wenn auch nur sporadisch, fort. Die leitenden Direktoren der Bank, Ettore Melis und Ugo Olmastroni, verhandelten mit Vertretern der albanischen Regierung, des deutschen Konsulats sowie der deutschen Wehrmacht über den künftigen Kurs der Bank. Sie sah ihre Aufgabe beschränkt auf die Finanzierung der Ausgaben der albanischen Regierung und der deutschen Armee. Am 29. September 1943 wies das Interimsexekutivkomitee (der albanischen Regierung) den Direktor der Nationalbank an, gegen Quittungen des Konsulats in Tirana Zahlungen an die deutsche Wehrmacht zu leisten. Die deutsche Seite erhielt zunächst ein Darlehen in Höhe von 80 Millionen Franga. Anders als in Montenegro und Italien, wo die Wehrmacht die Reichskreditkassenscheine in Umlauf setzte, verzichtete man hierauf in Albanien. Die Albaner überzeugten die deutschen Stellen davon, dass es für alle Beteiligten vorteilhafter wäre, wenn die Ausgabe von Reichskreditkassenscheinen unterlassen würde. Das Ansehen der neuen (deutschfreundlichen) albanischen Regierung würde bei ihren Bürgern leiden, wenn eine ihrer ersten Handlungen die Einführung der Reichsmark, wäre. Angesichts dieses Einwandes zog das deutsche Kommando die vorgesehene Ausgabe von 10 Millionen Reichsmark zurück. Der Wechselkurs zwischen Franga und Reichsmark betrug zunächst 62,50 RM und vom 10. Januar 1944 an 81 RM für 100 Franga.[16] Wie alle Länder, in denen deutsche Truppen standen, so hatte auch Albanien die Last der Versorgung der dortigen Wehrmachtsverbände zu tragen. Darüber hinaus lieferte das Land wich­tige Bodenschätze, [17] wie Chrom, Erdöl, Magnesit und Ligniat, ohne entsprechende deutsche Gegenleistung. Dies führte zum Aufblähen des Kreditvolumens und drohte die Währung zu ruinie­ren. Die albanische Regierung erklärte daher am 4. November, keine Darlehen mehr an die Deut­sche Wehrmacht zu gewähren. Gleichzeitig bat sie um die Rückgabe der Goldbestände der alba­nischen Nationalbank als Deckungsmittel der eigenen Währung und um den Abschluss eines Ab­kommens über Verrechnung und Warenlieferungen. In einer interministeriellen Besprechung über Währungsfragen des Balkans in Berlin am 8. November 1943 bezeichnete es Neubacher als „nicht mehr länger angängig, Leistungen Albaniens durch einfache Quittungen ohne Gegenlei­stung anzuerkennen“.[18] Die deutschen Behörden waren bemüht, die ungeheure Ausbeutung entsprechend der Konzep­tion des „unabhängigen Staates“ auf eine pseudo-legale Grundlage zu stellen. Am 27. Dezember 1943 wurde ein deutsch-albanisches Wirtschafts- und Verrechnungsabkommen geschlossen, das vor allem der Sicherung des Geldbedarfs der Besatzer dienen sollte. Zu einem Abkommen über das Gold der albanischen Nationalbank kam es erst im April 1944. Danach wurde es der Na­tionalbank übergeben, blieb jedoch im Depot in Berlin.[19] „Um die albanische Währung nicht sofort ins Bodenlose fallen zu lassen, um ein gewisses Warenangebot für die deutsche Wehrmacht und die albanische Wirtschaft sicherzustellen und um die deutsche Warenlieferung zu regeln, griff Neubacher wie in Griechenland zum Mittel gele­gentlicher Goldinterventionen auf dem freien Markt. Darüber hinaus wurde im Februar 1944 in Anlehnung an die ‚Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft mbH‘ (Degriges) von der Reichsgruppe Industrie und der Wirtschaftsgruppe Groß- und Außenhandel das ‚Deutsch-Albani­sche Warenausgleichsbüro‘ in Form einer GmbH gegründet. Das Büro hatte in erster Linie die Aufgabe, die Geschäftsbeziehungen zwischen deutschen und albanischen Außenhandelsunter­nehmen anzuknüpfen und als Bindeglied zwischen der albanischen Wirtschaft und deutschen Behörden zu fungieren.“[20] Das Ziel des Warenaustausches und die Abschöpfung des dabei möglichen Inflationsgewinns zugunsten der Verbilligung deutscher Importe aus Albanien und der Abdeckung der Besatzungskosten konnte nicht mehr erreicht werden. Partisanenüberfälle mach­ten die Straßen unsicher, hinzu kamen die verstärkten Jagdbomberangriffe der Alliierten, die fehlenden Ersatzteile und Reifen für die Lastkraftwagen und der allgemeine Vorrang militärischer Transporte. In der Zeit der deutschen Besatzung gewährte die Nationalbank an das Deutsche Reich die folgenden Darlehen in albanischen Franken: Die zunehmende Inflation, immerhin belastete die kurze deutsche Besatzungszeit Albanien mit schätzungsweise 270 Millionen Franga, und die fehlenden Banknoten veranlassten ab September 1943 die Niederlassungen der Nationalbank in Durrës, Elbasan (Elbasani), Korçë, Scutari, Shkodrë (Shkodër), Vlonë (Valona) und Tiranë (Tiranna) zur Ausgabe von handschriftlich unter­zeichneten (Notgeld-)Schecks zu 100 200, 500, 1000, 2000 und 5000 Franga, die wie Banknoten zirkulierten. In Tiranë wurden im Juli 1944 auch solche zu 20, 50 und 100 Franga emittiert.[21] Das Papier zur letztgenannten Emission stammte mit großer Wahrscheinlichkeit aus der vormaligen Tschechoslowakei, denn das Wasserzeichenpapier wiederholt das Wort „STO“ (tsche­chisch = Hundert) in einem „Rah­men“. Alle (Notgeld-)Schecks sind nur noch in albanischer Sprache gedruckt. Abb. 22.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, Juli 1944, 20 Fr. Shq., Vorder- und Rückseite. Abb. 23.1: Banka Kombëtare e Shqipnis, Juli 1944, 100 Fr. Shq., Vorderseite. Durch die veränderten militärischen Verhältnisse war Albanien für die Deutsche Wehrmacht nicht länger zu halten. Am 2. Oktober 1944 erhielten die Truppen den Befehl, Albanien zu verlas­sen, und am 15. Oktober wurde die deutsche Gesandtschaft in Tirana aufgelöst. Mit der Räu­mung Shkodras am 29. November verließen die letzten Verbände der Wehrmacht Albanien. Bereits am 17. November 1944 zogen alliierte Truppen in Tirana ein, und nur wenige Tage später bildete sich eine Regierung unter der Führung des kommunistischen Partisanenführers Enver Hodscha (Enver Hoxha [* 16.10.1908, Gjirokastra, † 11.4.1985, Tirana]), die am 11. Januar 1946 die Volksre­publik ausrief. In der Folgezeit kapselte sich Albanien immer mehr von der übrigen Welt ab. Erst nach Hodschas Tod öffnete sich das Land. Nach andauernden Streiks und Demonstrationen bildete sich im Juni 1991 eine Übergangsregierung, die erstmals auch nicht kommunistische Mitglieder ein­schloss. Aus den Wahlen im März 1992 ging dann die Demokratische Partei unter Berisha (*1945) als Sieger hervor. Abb. 24: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D. (1945), 20 Franga, Rechteckstempel, Vorderseite.[22] Nach der Befreiung Albaniens nannte sich die „Banka Kombëtare e Shqipnis“ in „Banka e Shtetit Shiqiptar“ (Staatsbank von Albanien) um. Die umlaufenden Banknoten und (Notgeld-)Schecks wurden mit einem rechteckigen 53 x 33 mm großen Stempel, der zweizeilig den neuen Banknamen und den doppelköpfigen Adler zeigt, überdruckt. Abgelöst wurden diese Scheine durch in der UdSSR ge­druckten und 1946 in Umlauf gesetzten neuen Banknoten. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Vgl. Standard Catalog of World Paper Money, Specialized Issues, 12th Edition, Iola 2013, S. 31 ff. s. auch Uwe Bronnert, Die Geldzeichen der Autonomen Albanischen Republik Korçë, vom 16.10.2019. [2] Nach Angaben auf der Homepage der Nationalbank erfolgte die Bekanntmachung der drei Noten am 28. Februar 1926. (07.04.2023) [3] Quelle: (07.04.2023) [4] Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co. KG, Auktion 39 Lot #15 [5] Vgl. Peter Bartl: Albanien, Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, in der Reihe: Ost- und Südosteuropa, Geschichte der Länder und Völker, hrsg. v. Horst Glassl und Ekkehard Völkl, München 1995, S. 225 f. [6] Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co. KG, Auktion 39 Lot #16 [7] Guido Crapanzano, Soldi d’Italia, Un secolo di cartamoneta, The exhibitions of the Foundation, Parma 1995, S. 226. [8] Owen W. Linzmayer nennt in seinem Katalog „Albania – The Banknote Book“ (5.2.2023) auf S. 5/6 abweichende Ausgabe- Daten: 2 Lek: ausgegeben ab 10.11.1940, im Umlauf bis Ende 1944; 5 Lek: ausgegeben ab 9.6.1940; 10 Lek: ausgegeben ab 18.8.1940. [9] Guido Crapanzano, S. 226. [10] BA Berlin, R 29/262, TAO 17/44 vom 8. Februar 1944. Guido Crapanzano nennt als Umlauf­zeit April 1939 bis Mai 1940; s. S. 227. [11] Zuvor 28.748 qkm und 1.122.000 Einwohner. [12] Frankfurter Verlag (Hrsg.), Das Wirtschaftshandbuch, Jahrgang 1944, Frankfurt a. M. 1944, S. 150. [13] Lediglich das Deutsche Reich wandelte am 13. Juli 1944 sein Generalkonsulat in Tirana in eine Gesandtschaft um. Wegen der unsicheren Lage weigerten sich Ungarn, Rumänien und Bulgarien diesen Schritt zu tun. Die gleichfalls angesprochenen neutralen Staaten Schweiz und Türkei be­antworteten die Note der albanischen Regierung erst überhaupt nicht. [14] Vgl. Telegramm von Walther Wüster, deutscher Generalkonsul in Neapel, an das Auswärtige Amt vom 16. September 1943. Abgedruckt als Dokument 177 in: Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941 – 1945), Dokumentenauswahl und Einleitung von Martin Seckendorf, unter Mitarbeit von Günter Keber, Jutta Komorowski, Horst Muder, Herbert Stöcking und Karl Übel, in der Reihe: Europa unterm Hakenkreuz, hrsg. vom Bundesarchiv, Band 6, Berlin und Heidelberg 1992, S. 259. [15] Vgl. ebenda, Dok. 199, S. 275. [16] BA Berlin, R 29/262, TAO 3/44 vom 13. Januar 1944. [17] Bei dem für die Rüstung wichtigen Chrom deckte Albanien während der Besatzungszeit bei­spielsweise etwa 17 % des deutschen Verbrauchs, und beim Erdöl wurde das kleine Land im Südosten zum zweitgrößten Lieferanten. [18] Zitiert nach: Christoph Stamm, Zur deutschen Besetzung Albaniens 1943 – 1944, in: Militär­geschichtliche Mitteilungen 2/81, S. 114. [19] Am 22. Oktober 1946 kam es zu dem sog. Korfu-Kanal-Zwischenfall. Zwei britische Zerstörer waren in der Meerenge zwischen Korfu und der albanischen Küste auf eine Miene gelaufen. 44 Matrosen starben. Dieses Seegebiet, durch das internationale Schifffahrtswege führen, war kurz zuvor von Mienen geräumt worden. Der Vorfall kam vor den Sicherheitsrat der UNO und vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, der Albanien zur Zahlung einer Entschädigung von 2,4 Millionen US-Dollars verurteilte. Da sich Albanien weigerte zu zahlen, beschlagnahmte Großbritannien kurzerhand den erwähnten albanischen Goldschatz. [20] Christoph Stamm, S. 115. [21] Vgl. C. Frederick Schwan und Joseph E. Boling, World War II Remembered history in your hands – a numismatic study, Port Clinton, Ohio 1992, S. 652 f. [22] Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co. KG, Auktion 45 Lot #1010

  • Bielefelder Notgeld und die "Ratsherrenalben"

    Das Bielefelder Notgeld nimmt eine Sonderstellung ein, nicht nur wegen des Stoffgelds aus Leinen, Seide und sogar Samt, das es weltweit unter Sammlern schon zur Zeit seiner Ausgabe berühmt gemacht hat, sondern auch wegen der zeitgeschichtlich interessanten Motive und Beschriftungen. Bielefeld, besser die Stadtsparkasse Bielefeld, gab eine Vielzahl von Notgeldscheinen aus Papier aus und druckte diese dann zum Teil als Stoffgeld nach. Zusätzlich versahen Frauen in Heimarbeit viele der Stoffscheine mit kunstvollen Borten oder Spitzen, um deren Attraktivität zu steigern. Dabei ging es der Stadtsparkasse Bielefeld weniger um die Linderung der Zahlungsmittelknappheit (hierfür waren genügend Papiergeldscheine in Umlauf), als um das Geschäft mit den Sammlern. Auch wurde nicht etwa das Papier knapp, weshalb man hätte auf Stoff ausweichen müssen, denn trotz der gewaltigen Mengen an Reichsbanknoten und Notgeldscheinen, die im gesamten Reich gedruckt wurden, gab es immer genügend Papier, sogar solches mit Wasserzeichen. Vielmehr hatte der damalige Direktor der Stadtsparkasse Paul Hanke großen Anteil an der Ausgabe und Vermarktung des Bielefelder Stoffgelds. Hanke nahm sogar Einfluss auf die Gestaltung der Scheine und so tragen einige auf seinen Wunsch hin auch Bibelsprüche. Die Stadtsparkasse Bielefeld zeigte viel Geschäftssinn, wenn es um die Vermarktung ihrer Ausgaben ging, und so verkaufte man damals die Stoffscheine sogar schon bis nach Amerika. Werbe-Postkarte der Bielefelder Stadt-Sparkasse für ihr Papiernotgeld. Wer sich mit dem Stoffgeld aus Bielefeld beschäftigt, wird sich früher oder später auch für das "Drumherum" interessieren. So kann man etwa auch die Versandtaschen sammeln oder aber andere zeitgenössische Stücke, wie z. B. seidene Lesezeichen der Stadtsparkasse Bielefeld oder Briefbeschwerer mit Seidenscheinen. Man nutzte Bielefelder Stoffgeld sogar zur Herstellung von Sofakissen und Tischdecken. Ja sogar ein Kleid ist bekannt, das vollständig aus Bielefelder Seidenscheinen gefertigt wurde. Verschiedene seidene Lesezeichen der Bielefelder Stadtsparkasse. Sofakissen aus Bielefelder Stoffgeld. Ein Kleid, das vollständig aus Bielefelder Seidenscheinen gefertigt wurde. Sehr selten sind die sog. "Ratsherrenalben", von denen nur einige Dutzend im Auftrag der Stadtsparkasse Bielefeld hergestellt wurden. Wie der Name für die Alben schon nahelegt, wurden diese damals durch die Stadtsparkasse an Ratsherren der Stadt Bielefeld als Geschenk überreicht. Vielleicht wollte sich die Stadtsparkasse als Emittent des städtischen Notgelds damit für die Kooperation mit der Stadt bedanken. Immerhin hatte sich die "Ausgabe" des Bielefelder Notgelds, insbesondere der Stoffscheine, und das dadurch bei Sammlern im In- und Ausland geweckte Interesse, auch geschäftlich gelohnt. Mit der Übergabe erhielt der Empfänger auch eine Urkunde der Stadtsparkasse Bielefeld. Urkunde aus einem "Ratsherrenalbum" vom Oktober 1926. Transkription: "Bielefeld, im Oktober 1926. Wir überreichen Ihnen anliegend eine Mappe mit einer vollständigen Sammlung Bielefelder Notgeldscheine. Die Sammlung ist eine Erinnerung an die Zeit Deutschlands größter Not. Das erste Bielefelder Stadtnotgeld entstand in der Kriegszeit durch den Mangel an kleinen Zahlungsmitteln. Anfänglich wurden herausgegeben aus einer Zinnlegierung hergestellte Zehnpfennigstücke mit der Inschrift: 'Kriegswertmarke, Stadtsparkasse Bielefeld', ihnen folgten Fünf- und Fünfzigpfennigstücke. Die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten dieses Geldes veranlaßten die Stadtsparkasse zur Herausgabe von Geldscheinen, die erstmalig im Jahre 1917 in den Verkehr kamen. Mit dem Fortschreiten der Währungszerfalls erhöhte sich sowohl die Zahl als auch die Wertangabe der ausgegebenen Notgeldscheine. – Seine eigenartige Aufmachung hat dem Notgeld der Stadtsparkasse Bielefeld weit über die Grenzen Bielefelds hinaus Anerkennung verschafft. Der Sparkassendirektor Hanke, nach dessen Vorschlägen die Herstellung erfolgte, verwendete als Material Leinen, Seide und Sammet (Samt) und als Aufdruck Vorgänge aus der Geschichte Bielefelds und des Ravensberger Landes, sowie Zahlen über den Verbrauch und die Kosten des Lebensunterhalts. – Durch die Herausgabe des Notgeldes konnten die Wirtschaft und der Zahlungsverkehr in Gang gehalten und manche Begleiterscheinungen des Währungszerfalls gemildert werden. – Die Notgeldscheine waren Zeugen einer Zeit des Elends und der Not, in der nicht nur die Bielefelder Bevölkerung, sondern das ganze deutsche Volk außerordentlich zu leiden hatten. Möge dem deutschen Volke eine Wiederholung erspart bleiben. Der Vorstand und die Verwaltung der Stadtsparkasse Bielefeld Köllner, Bürgermeister | Woller, Direktor" Wir möchten unseren Lesern nun ein vollständiges Ratsherrenalbum vorstellen und Ihnen dabei insbesondere die Texte im Album und auf den Scheinen nahebringen. Titelseite "Notgeld der Stadt Bielefeld" der sog. "Ratsherrenalben". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 1/2". NOTGELD DER STADT BIELEFELD / HERAUSGEGEBEN WÄHREND DES WELTKRIEGES 1914 / 1918 Mit viel Liebe "Unsere Rübe, präge fest Dir ein, Brotersatz bleibt die Steckrübe, Geldersatz ist dieser Schein. Durchhalten in Not ist Kriegsgebot." Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.8, Serie D (nicht ausgegeben), Rückseite. DEUTSCHE VERLUSTE IM WELTKRIEGE 1914/18 Unterdrucktext auf der Rückseite mit dem Rübchen (Verbrauch Bielefeld im sog. "Steckrübenwinter" 1916/17: 30.000 Zentner): Tote: 1.600.000 | Vermißte: 203.000 | Gefangene: 618.000 | Verwundete: 4.064.000 | Todesfälle durch Hungerblockade: 760.000 | Offizierverluste: 39% der Friedensstärke Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.8, Serie D (nicht ausgegeben), Vorderseite. AUSGABEN DER STADT BIELEFELD (1914/18) Unterdrucktext auf der Vorderseite mit Unterschriften: Für Lebensmittel: 50 Millionen Mark | Fleischwaren: 21,5 Millionen Mark | Fettwaren: 7,3 Millionen Mark | Kartoffeln: 6,0 Millionen Mark | Allerlei Gemüse: 4,0 Millionen Mark | Mehl und Hülsenfrüchte: 7,0 Millionen Mark | Futterm., Kleidung, Kohlen: 4,0 Millionen Mark Humoristische Darstellung der Namen des Vorstandes der Stadt-Sparkasse: links oben: Hering-Haus, rechts oben: Brügge-Mann, links unten: Horn-ung, rechts unten: Han-ke. Im Rahmen links "RUSCHER", rechts "JOKUSCH" und unten "NIEMEYER". Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.9c1, Vorderseite. DURCHSCHNITTSLOHN für Arbeiter in BIELEFELD Unterdrucktext auf der Vorderseite mit Unterschriften: Durchschnittslohn für Arbeiter in Bielefeld: Akkord, Zeitlohn: 1. Okt. 1914 • Mark 0,63 • Mark 0,63 | 1. Okt. 1918 • Mark 1,73 • Mark • Mark 1,27 | 1. Januar 1919 • Mark 2,29 • Mark 1,91 | Steigerung: 263 Prozent • 202 Proz. Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.9c1, Rückseite. Unterdrucktext auf der Rückseite mit dem Rübchen: Kriegsnahrung in Bielefeld Dezember 1918 bis Februar 1919, an Pferdefleisch 350 Pferde. Das ist die Bespannung von 2 kriegsstarken Schwadronen Kavallerie. Mit der detaillierten Beschreibung der Scheine und deren Texte der ersten Seite der Bielefelder Ratsherrenalben möchten wir Ihnen Lust auf eine Erkundungstour auf den restlichen Seiten der Alben und den Darstellungen und Texten auf den folgenden Scheinen machen. Sie können jede Abbildung durch Anklicken vergrößern und dann die Texte selbst lesen. Viel Spaß wünscht die Redaktion von Geldscheine-Online.com. Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 3/4". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 5/6". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 7/8". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 9/10". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 11/12". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 13/14". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 15/16". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 17/18". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 19/20". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 21/22". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 23/24". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 25/26". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 27/28". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 29/30". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 31/32". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 33/34". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 35/36". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 37. Hans-Ludwig Grabowski Literaturtipps: Die Bielefelder Kleingeldscheine, Serienscheine und das Bielefelder Stoffgeld findet man in folgenden Katalogen:

  • Aus privaten Sammlungen: Pößnecker Ledergeld von 1923

    Objekttyp: Notgeldschein Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Die Gewerbe der thüringischen Stadt Pößneck waren schon seit Jahrhunderten durch Tuchmacher und Lohgerber geprägt. Um 1860 begann der Aufstieg Pößnecks als Industriestadt mit bedeutender Textil- und Lederindustrie. Hier wurde 1891 auch der Deutsche Textilarbeiterverband (später Gewerkschaft Textil-Bekleidung) gegründet. Nachdem die Stadt 1922 Notgeldscheine zu 100 und 500 Mark aus dickem Pergamentpapier ausgegeben hatte, nutzte man mit Beginn der Hochinflation auch Leder und sogar Schuhsohlen für die Herstellung von städtischem Notgeld. Die Gestaltung übernahm der Pößnecker Grafiker Kühlborn, den Druck der Inflationsausgaben in Nennwerten zu 5 und 50 Millionen Mark die Firma C. G. Vogel in Pößneck. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Freistaat Thüringen, Pößneck Emittent: Stadt Pößneck Nominal: 5 Millionen Mark Datum: 11. August 1923 Vorderseite: Links: Stadt- und thüringisches Landeswappen mit Lorbeer- und Eichenlaub. Mitte Ansicht der alten Gerberstadt Pößneck. Unten: Gerber-Werkzeuge. Rückseite: Gerber am Schabebaum und Ansichten aus Pößneck. Umschrift mit Firmen der Pößnecker Leder-Industrie. Material: hellbraunes Schafleder Druck: Großbuchdruckerei C. G. Vogel, Pößneck Format: 140 mm x 90 mm Nummerierung: ohne Authentizität: Original Zitate: Gra. 450 (Grabowski: Deutsches Notgeld, Band 9: Notgeld der besonderen Art – Geldscheine aus Stoff, Leder und sonstigen ungewöhnlichen Materialien) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

www.geldscheine-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page