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  • Leserpost: 100.000 Reichsmark von 1923?

    Sehr geehrter Herr Grabowski, in den "Fürstenberger Blättern" möchte ich einen lokalen Notgeldschein abbilden. Meiner Meinung nach ist das ein Unikat. Können Sie mir als absoluter Spezialist weiterhelfen? Fürstenberger Glashüttenwerke A.-G., Gutschein über 100.000 Mark vom August 1923, Vorder- und Rückseite. 100.000 Deutsche Reichsmark, Fürstenberger Glashüttenwerke A.-G., August 1923, Serie E, Nr. 534, Dieser Gutschein ist bei der Niederlausitzer Bank, Fürstenberg-O., sichergestellt und wird dortselbst nach Behebung der gegenwärtigen Bargeldnot in bar eingelöst. Es handelt sich um Fürstenberg (Oder). in Worten steht dort "einhunderttausend Mark" und der Geschäftsführer Ingerle hat unterschrieben. Ich wollte von Ihnen wissen, ob es ein Unikat ist. Der Schein ist bisher nur einmal aufgetaucht. Ich würde Ihnen auch das Foto für Ihre Arbeit, die ich sehr schätze, zur Verfügung stellen und mich über Ihre Hilfe sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen E. Opitz Antwort der Redaktion Auf diese Frage kann ich keine verbindliche Antwort geben. Zumindest war es nie ein Unikat, weil der Schein ja die KN 534 hat und auch nie als Unikat ausgegeben worden wäre. Das macht ja keinen Sinn. Ob er heute der einzige Schein dieser Ausgabe ist, der noch existiert, vermag ich nicht zu sagen. Dazu schlummern viel zu viele Scheine mehr oder weniger unbeachtet in Sammlungen. Außerdem müsste man den Fachhandel befragen, ob der Schein hier schon mal angeboten wurde. Hinzu kommen Auktionen, Tauschveranstaltungen, Börsen ….. Es bleibt nur intensive Forschungsarbeit, auch in zeitgenössischen Quellen. Wie viele Scheine wurden gedruckt, wie viele ausgegeben, wie viele eingelöst, wie viele vernichtet? Ich bin kein Brandenburg-Sammler und kenne auch keinen. In der Regel kennen sich Regionalsammler, die selbst lange auf der Suche nach einem Schein waren, da besser aus. Man könnte natürlich auch bei der Geldscheinsammlung der Bundesbank (ehem. Sammlung Dr. Arnold Keller) und bei der G+D Stiftung Geldscheinsammlung (ehem. Sammlung Albert Pick) nachfragen, ob der Schein dort heute evtl. vorliegt. Keller hatte ihn jedenfalls nicht in seinem Katalog aufgeführt, sondern nur 1 und 5 Mio. Mark vom August 1923. Deswegen wird er bei der Bundesbank wahrscheinlich auch nicht vorhanden sein. Interessant ist die Wertangabe auf der Rückseite "100.000 Reichsmark". 1923 gab es zwar ein Deutsches Reich, aber noch keine Reichsmark, die gab es erst ab 1924. Es muss also richtig 100.00 Mark heißen (wie auf der Vorderseite)! Gemeint war hiermit sicher "Mark in Reichswährung", so wie dies auch von anderen Notausgaben bekannt ist. Im August 1923 kostete eine Briefmarke für eine einfache Postkarte bereits 15.000 Mark, im September dann schon bis zu 75.000 und im Oktober 100.000 Mark. Ich gehe davon aus, dass von diesem Nominal nicht viele Scheine ausgegeben wurden, weil sie durch die voranschreitende Inflation innerhalb kurzer Zeit praktisch wertlos waren. Vielleicht hat einer unserer Leser mehr Informationen zu dieser Ausgabe, oder kann bestätigen, dass noch weitere Scheine bekannt sind. Kontakt: info@geldscheine-online.com Hans-Ludwig Grabowski

  • Brückner: Angriff auf unser Bargeld

    Michael Brückner Angriff auf unser Bargeld – Warum ein Bargeldverbot vorbereitet wird, wer davon profitiert und wie Sie Ihr Vermögen davor schützen. 208 Seiten, Schwarz-weiß-Abbildungen, Format 12,3 x 18,7 cm, Festeinband, Rottenburg 2023. Preis: 19,99 Euro. ISBN: 978-3-86445-919-1 Der Finanzexperte Dr. Marcus Krall hat es schlüssig auf den Punkt gebracht: „Bargeld ist gedruckte Freiheit!“ In der Ausgabe 4/2023 der Zeitschrift Münzen&Sammeln wurde das Thema am Beispiel Schwedens aufgegriffen. Erstaunlicherweise begreifen das viele Menschen nicht und bezahlen lustig auch weiterhin selbst kleinste Beträge mit einer Karte. Brückner stellt dabei die Bezahlungsweise in verschiedenen Ländern dar. Er prognostiziert, dass Schweden und Finnland in wenigen Jahren bargeldlos werden könnten. Alles, was mit Scheinen oder Münzen bezahlt wird, bleibt anonym. Deutschland und Österreich sind die wenigen europäischen Länder, in denen noch eine Mehrheit der Bürger mit Bargeld bezahlt. Doch das soll sich ändern, das hat sich eine Allianz zum Ziel gesetzt. Zu den Bargeld-Gegnern gehören die UNO, die EU, Regierungen verschiedenster Länder sowie Förderer einer One-World-Gesellschaft, wie die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung oder die Clinton Foundation. Hinzu kommen Banken, Finanzdienstleister, wie Mastercard, Apple (Apple Pay), Amazon (Amazon Pay) und PayPal, aber auch Großkonzerne, zum Beispiel Coca-Cola und Unilever. Ihnen allen würde die Abschaffung des Bargelds große Vorteile bringen. Ihnen winkt durch Gebühren und die Auswertung von Kundendaten ein Milliardengeschäft. Der Mensch wird durch die Abschaffung des Bargelds zum „gläsernen Bürger“, er wird einer totalen Kontrolle unterworfen. Wie Michael Brückner anhand erschreckender Beispiele zeigt, können wir so „von oben“ kontrolliert und gesteuert werden. Es gibt keine Privatsphäre mehr. Und keinen Schutz vor staatlichen und behördlichen Willkürmaßnahmen. Wenn niemand mehr Kapital in Form von Bargeld aufbewahren kann, erlangen Behörden auch eine weitgehende Kontrolle über unser Vermögen. Darüber hinaus ist der Enteignung Tür und Tor geöffnet. Michael Brückner wirft vor diesem Hintergrund einen Blick in die bargeldlose Zukunft. Was auf uns zukommt, demonstriert er anhand einer fiktiven bargeldlosen Gesellschaft. Eine Orwell’sche Überwachung wird zum konkreten Bedrohungsszenario. Brückners Einblicke in die digitale Zukunft machen unzweifelhaft klar: Wir müssen alles daransetzen, die Abschaffung des Bargelds zu verhindern. Er zeigt, was der Bürger gegen eine Bargeldabschaffung tun könnte und wie man sein Vermögen vor einem Bargeldverbot schützen kann. Bezug über: Kopp-Verlag, Amazon oder jede Buchhandlung. I. Scheerschmidt

  • Die Banknote des Jahres 2022

    Liebe Leser, in der Februar-Ausgabe von „Münzen & Sammeln“ sowie in unserem Online-Magazin www.geldscheine-online.com mit seinen kostenlosen Newslettern rief die Redak­tion zur Wahl der Banknote des Jahres 2022 auf. Vielen Dank für die überaus zahlreich abgegebenen Stimmen mit Postkarten und vor allem E-Mails. Sieger wurde eine sehr schöne neue Polymer-Banknote der Philippinen. Platz 1 und damit "Banknote des Jahres 2022": Vorschlag Nr. 11 – Philippinen mit 19,6 % der Stimmen: Neue 1000-Piso-Polymer-Banknote von 2022, in Umlauf ab 18. April 2022. Platz 2: Vorschlag Nr. 8 – Nordirland mit 16,4 % der Stimmen: Neue 50-Pfund-Polymer-Banknote der Ulster Bank, in Umlauf ab 15. Juni 2022. Platz 3: Vorschlag Nr. 3 – China mit 8,8 % der Stimmen: Polymer-Gedenkbanknote der Peoples Bank of China über 20 Yuan zu den XXIV. Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. In Umlauf ab 21. Dezember 2021. Die verbleibenden 55,2 % der Stimmen teilten sich die rest­lichen neun Vorschläge. Platz 4 belegte Vorschlag 4 Fidschi (8,4 %), gefolgt von Vorschlag 12 Schottland (7,2 %) und gleichauf von den Vorschlägen 2 Algerien und 5 Guyana (je 6,8 %). Vorschlag 6 Katar erreichte 6,4 %, Vorschlag 1 Ägypten 6,0 %, Vorschlag 7 Mauretanien (5,6 %) und Vorschlag 9 Nordmazedonien 4,8 %. Die wenigsten Stimmen erhielt der Vorschlag 10 Pakistan mit 3,2 % der abgegebenen Stimmen. Die Gewinner Folgende Gewinner wurden gezogen: 1. Preis: Karl R. aus Achern Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 75 Euro 2. Preis: Thomas B. aus Ingelheim Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 50 Euro 3. Preis: Felix A. aus Wien Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 25 Euro Zusätzlich wurden weitere sieben Gewinner gezogen! Diese erhalten je zwei Geldschein-Notizblöcke mit Motiven aus den ehemaligen deutschen Kolonien. Jürgen W. aus Haldensleben Werner M. aus Freiburg Josef E. aus Elfershausen Manuel D. aus Ibbenbüren Helmut H. aus Bonn Jochen R. aus Augsburg Theodor B. aus Börßum Herzlichen Glückwunsch! Hans-Ludwig Grabowski

  • Lexikon: Farmers Bank of China

    Die Farmers Bank of China (Chinesische Bauernbank) war die jüngste und kleinste der vier amtlichen chinesischen Notenbanken in der Zeit der Republik nach der Revolution von 1911. Sie wurde 1934 gegründet und stand stets im Schatten der großen Central Bank of China. Zu den amtlichen Notenbanken Chinas gehörten außerdem die Bank of China und die Bank of Communications. Die letzten Noten der Farmers Bank wurden 1942 ausgegeben (danach nur noch einige lokale Kassenscheine). CHN-457a: Farmers Bank of China, Banknote über 1 Yuan vom 1. April 1935, Vorderseite mit landwirtschaftlichen Szenen (Wassertransport und Reisanbau), Rückseite mit kleinem Tempel und Schafen. Druck: Thomas De La Rue, London. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb.: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski

  • Aus privaten Sammlungen: Fragment eines Wiener-Stadt-Banco-Zettels von 1796

    Objekttyp: Banknote Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: 1756 begann der Dritte Schlesische Krieg – auch Siebenjähriger Krieg genannt – , an dem die fünf europäischen Großmächte Preußen, Österreich, Russland, Frankreich und Großbritannien beteiligt waren. Auf österreichischer Seite hatten sich nach fünfjähriger Kriegsdauer Staatsschulden in Höhe von 13 Millionen Gulden angehäuft, die weder durch Darlehensaufnahme noch durch höhere Steuern aufgebracht werden konnten. Hofkammerpräsident Graf Hatzfeld machte den Vorschlag, unverzinsliches Papiergeld auszugeben. Mit Patent vom 15. Juni 1762 wurde die Wiener Stadtbank mit der Ausgabe von „Bancozetteln“ in Höhe von 12 Millionen Gulden betraut. Die ersten Bancozettel, die auf den 1. Juli 1762 datiert sind, wurden in Nennwerten von 5, 10, 25, 50 und 100 Gulden ausgegeben. Sie waren vom Bürgermeister der Stadt Wien, dem „Obereinnehmer“ und dem „Gegenhandler“ unterzeichnet. Für das Publikum bestand kein Annahmezwang. Die Staatskassen nahmen sie bis zur Hälfte der zu leistenden Abgaben zum vollen Wert an. Das Papiergeld durfte nur gegen Bargeld emittiert werden, sodass die eingegangene Valuta als Deckung zu betrachten war. Außerdem konnte man die Bancozettel im Mindestbetrag von 200 Gulden in fünfprozentige Banco-Obligationen umtauschen. Die zurückfließenden Banknoten wurden nach den Bestimmungen des Patentes verbrannt. Da das Papiergeld von der Bevölkerung angenommen wurde, veranlasste die Finanzverwaltung weitere Emissionen: 1771, 1784, 1796, 1800 und 1806. Zu den bisherigen Nominalen kamen noch Scheine zu 500 und 1000 Gulden. Schon bei der zweiten Ausgabe wurde verfügt, dass Steuerbeträge über zehn Gulden mindestens zur Hälfte in Bancozetteln zu zahlen seien. Diese Bestimmung hatte zur Folge, dass die Bancozettel zeitweise mit einem Agio (Aufgeld) von bis zu 2 ½ Prozent gegenüber dem Silbergeld gehandelt wurden. Der Krieg gegen das Osmanische Reich (1788) und der erste Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich (1792) verursachten enorme Kosten, die Österreich durch die vermehrte Ausgabe von Papiergeld zu decken versuchte. Die Emissionen der Bancozettel von 1796, 1800 und 1806 ließ die in Umlauf befindliche Papiergeldmenge stark anschwellen. Waren 1796 Banknoten im Wert von 44 Millionen Gulden im Umlauf, so waren es 1797 bereits 74 Millionen und auf dem Höhepunkt 1810 schließlich 1 Milliarde Gulden. Bereits 1797 stellte die Finanzkasse die Einlösung in Silbermünzen ein und 1800 wurde die Annahmepflicht angeordnet. Der Privatverkehr rechnete 1792 für 100 Gulden Bancozettel noch 92 Gulden Silbermünzen, bis 1810 sank das Verhältnis auf 100:15. Obwohl die Scheine der 1796er-Ausgabe Inflationswerte sind, gehören sie zu den großen Raritäten Österreichs, von denen nur die 5- und 10-Gulden-Scheine gelegentlich in Sammlerhände gelangen. Die Ausgabe war zwischen September/Dezember 1796 und September/Dezember 1800 im Umlauf. Bei dem abgebildeten Bancozettel handelt es sich möglicherweise um einen eingelösten Schein. Der untere Teil mit den Unterschriften und der Kontrollnummer wurde bei ihm schräg abgeschnitten. Land/Region/Ort: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, Österreich, Wien Emittent: Wiener Stadt-Banco Nominal: 10 Gulden Datierung: 1. August 1796 Vorderseite: schwarzer Druck; Ausgabebezeichnung, Nennwert, Jahreszahl und Ornamente sowie Wertziffer und Wappen im Mittelteil; je ein Prägestempel links und rechts oben. Drei gedruckte Unterschriften; Kontrollnummer und eine Unterschrift handgeschrieben Rückseite: unbedruckt Material: Papier, weiß Wasserzeichen: Zehn, Bancozettel, 1796, Adler und Muster Druck: unbekannt Format: ca. 90 x 205 mm Authentizität: Original, Umlaufbanknote Zitate: Kodnar/Künstner: Katalog der österreichischen Banknoten ab 1759, 3. Auflage, Wien 2018, S. 34, Kat.-Nr. 24. Rudolf Richter: Papiergeld Spezialkatalog, Österreich 1759 – 2010, Salzburg 2010, S.27, Kat-Nr. 24. A-23 (World Paper Money, Vol. II – General Issues) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Leserpost: Zum Beitrag "Showdown" in Zürich – An- und Verkaufskurse osteuropäischer Banknoten

    Der Beitrag „‚Showdown’ in Zürich – An- und Verkaufskurse osteuropäischer Banknoten im Frühjahr 1987 und im Herbst 1989” von Sven Gerhard hat mich zu einem Leserbrief angeregt. Der Beitrag ist zweifelsfrei sehr interessant. Aber das Problem besteht, wie in ganz vielen Veröffentlichungen auch, in der Verwechslung von Kursen für die Währungen im internationalen Handel und der Kaufkraft. Die Kaufkraft hat nur wenig mit den Kursen zu tun. Für sie ist entscheidend, was sich der Bürger des betreffenden Landes von seinem Geld kaufen kann, wie gut oder schlecht er davon seinen Lebensunterhalt bezahlen kann. Und in den genannten Jahren konnte man (oder frau) in der DDR mit 1000 Mark sicher nicht schlechter, wahrscheinlich sogar besser leben als eine Vergleichsperson in der Bundesrepublik mit 1000 DM. Die genannten osteuropäischen Währungen waren ganz offiziell Binnenwährungen, auf der Börse hatten sie also eher nichts zu suchen. Ein ähnliches Problem ist bekannt aus der Zeit der Hochinflation Anfang der 1920er Jahre. Die Mehrzahl der Bürger hatte Probleme, den Lebensunterhalt zu bezahlen, weil die Preise schneller stiegen als die Löhne. Binnenwert der Mark und Dollarkurs differierten aber teilweise sehr stark. Sonst hätten Reisende beispielsweise aus den USA nicht für wenige Dollar Luxus pur genießen können – für Summen, die bei ihnen zu Hause zu äußerst sparsamem Verhalten gezwungen hätten. Mit freundlichen Grüßen Rainer Geike Abb. 8a/b: DDR, 100 Mark der DDR der Ausgabe 1975 (Pick 31a). Quelle: Sammlung Grabowski. Antwort des Autors Sie haben natürlich recht – Wechselkurse haben nichts mit Kaufkraft zu tun. Diese Parallele soll mein Beitrag auch nicht ziehen. Für die dargestellten Währungen der RGW-Staaten und die Abweichungen zwischen den offiziellen, und den von Schweizer Banken (nicht der Börse) gestellten An- und Verkaufskursen am Schalter gibt es jedoch sicherlich folgendes zu bedenken: Die Kaufkraft der entsprechenden Landeswährungen war – was die Grundversorgung der Bevölkerung angeht – grundsätzlich sicher hoch. Allerdings war das Sortiment der Grundversorgung beschränkt, am stärksten zu dieser Zeit wohl in Rumänien. Für Waren, die über die Grundversorgung in den entsprechenden Ländern hinausgingen (und die vielleicht in den EWG-Staaten schon zum Warenkorb der Grundversorgung gerechnet wurden), mussten in Landeswährung im Verhältnis zum Einkommen sehr hohe Preise gezahlt werden, wenn sie in Landeswährung überhaupt erhältlich waren. Die Kaufkraft der Landeswährung war insofern gering. Das kommt in den Abweichungen der von der SKA gestellten An- und Verkaufskurse zu den offiziellen Wechselkursen recht gut zum Ausdruck. Exemplarisch ist für mich insofern die Entwicklung in der DDR, wo in den 1980er-Jahren immer mehr Waren aus der Grundversorgung bei HO und im Konsum zu subventionierten Preisen verschwanden, und zu deutlich höheren Preisen in den Delikat- und Exquisit-Geschäften wieder auftauchten. Diese Entwicklung unterscheidet sich auch von dem von Ihnen zitierten Beispiel aus Deutschland Anfang der 1920er-Jahre, wo es keine staatlich gesteuerten Preissysteme, und keine staatlich festgelegten Wechselkurse gab. Das alles ist Geschichte – wie die SKA (heute: Credit Suisse) ja bald auch. Mit freundlichen Grüßen Dr. Sven Gerhard

  • Die Valuta-Mark-Kupons zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949

    Die Leipziger Messe hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter trafen sich in Leipzig Kaufleute regelmäßig zum Austausch von Waren; zu Beginn der 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Leipziger Mustermesse zu einer weltumspannenden Handelsmesse mit großer internationaler Beteiligung. Sondermarken der Deutschen Post in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 zu 30+15 und 50+25 Pfennig (Michel 230/231a), ausgegeben ab 6. März 1949. Im Mai 1946 eröffnete die erste Mustermesse nach dem Krieg, auch wenn viele der Messegebäude in der Leipziger Innenstadt noch beschädigt oder zerstört waren. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) erkannte schnell, welche wirtschaftlichen und propagandistischen Möglichkeiten die regelmäßige Durchführung internationaler Frühjahrs- und Herbstmessen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bot. Diese Möglichkeiten wollte man nutzen – einerseits, um durch Exporte Deviseneinnahmen zu generieren, andererseits um sich ausländischen Gästen als der fortschrittlichere Teil Deutschlands zu präsentieren[1]. Mit Wiederaufnahme sowohl des Interzonen- als auch des grenzüberschreitenden Handels und der damit einhergehenden steigenden Anzahl internationaler Messebesucher stellte sich neben diversen logistischen Problemen auch die Frage, wie sichergestellt werden konnte, dass die von diesen Personen mitgeführten Devisen[2] in die staatlichen Kassen kanalisiert werden konnten, und nicht in den Schwarzmarkt abflossen. Die Erfahrungen der Herbstmesse 1948 (der ersten Messe nach der Währungsreform in der SBZ im Juni 1948) waren insofern gemischt – diverse Geschäftsleute hatten DM-Ost illegal eingeführt oder zum Schwarzmarkt-Kurs gewechselt und damit ihre Ausgaben während der Messe bestritten[3]. Das galt es zukünftig zu verhindern. Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür waren jedoch noch nicht vorhanden, da es noch keine gesetzlichen Regelungen im Hinblick auf die Ein- und Ausfuhr sowie den Umtausch von Devisen durch Ausländer gab[4]. Außerdem wollte man während der Frühjahrsmesse 1949[5] erstmals darauf verzichten, ausländische Besucher mit Lebensmittelkarten für den Zeitraum ihres Aufenthalts in Leipzig auszustatten, und ihnen zugleich bevorzugte Einkaufsmöglichkeiten in speziellen Geschäften ermöglichen. Gleichzeitig sollte aus propagandistischen Erwägungen unbedingt vermieden werden, dass ausländische Messebesucher ihre Ausgaben unmittelbar in Devisen, insbesondere in USD, beglichen; eine Zahlungsmöglichkeit, die Besuchern aus den neuentstandenen sog. Volksdemokratien Osteuropas zudem gar nicht offen stand. Hinsichtlich der Schaffung von Umtauschmöglichkeiten für ausländische Messebesucher hatte man jedenfalls zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 ausdrücklich auch Gäste aus sozialistischen Ländern im Blick, deren Währungen nicht konvertibel waren. Hinzu kam, dass das sowjetische Reisebüro Intourist in Leipzig mehrere Restaurants und Hotels betrieb[6] (u.a. das bekannte Lokal „Auerbachs Keller“ in der Mädler Passage), in denen nur mit Devisen bezahlt werden konnte, die direkt in die Taschen von Intourist flossen. Im Februar 1949 kam daher die Idee auf zur Schaffung eines Valuta-Mark-Systems für ausländische Messebesucher. Diesen sollten im Zuge des offiziellen Umtauschs von Devisen auf Valuta-Mark (VM) lautende Kupons ausgehändigt werden, mit denen sie ihre Ausgaben in Leipzig während der Messezeit bezahlen konnten. Dadurch war ersichtlich, dass diese Gäste ihre Devisen offiziell umgetauscht hatten. Die Organisation der Ausgabe und Abrechnung der VM sollte in den Händen der Deutschen Notenbank liegen und mit der Durchführung die Emissions- und Girobank in Sachsen sowie die Garantie- und Kreditbank AG[7] betraut werden. Nach einer internen Besprechung am 12. Februar 1949 in Leipzig, an der neben Vertretern der Deutschen Notenbank auch solche des Messeamtes, der HO, der Emissions- und Girobank Sachsen, der Garantie- und Kreditbank AG sowie von Intourist teilnahmen, entschied man sich für die Ausgabe von Kupons in den Nennwerten von 10, 5, 2, 1 und 0,50 VM. Bei der Deutschen Wertpapierdruckerei in Leipzig bestellte die Deutsche Notenbank daraufhin am 18. Februar 1949 Kupons im Wert von insgesamt 1,2 Millionen VM, die am 28. Februar 1949 ausgeliefert wurden. Die Scheine wurden im Offsetdruck auf Wasserzeichenpapier Marke „Gross-Alhambra“ hergestellt und die Farbgebung an die umlaufenden DM-Banknoten der Deutschen Notenbank (DM-DN) angeglichen. Sie sind im Katalog von Henning Huschka[8] unter dem Katalognummernabschnitt MG 2 aufgeführt[9]. Zugleich orderte man Stempel über je eine der für den Umtausch zugelassenen Währungen zu je 12 Exemplaren, sowie 12 Stempel mit der Aufschrift „Clearing“. Gelaufener Kupon zu 1/2 Valuta-Mark zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949, Rückseite mit verschiedenen Abstempelungen. Aufstellung der Stempel, die auf den VM-Kupons rückseitig zur Kennzeichnung der Währung, in der der Kupon erworben wurde, angebracht wurden. Muster zu einem Kupon über 1 Valuta-Mark zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949. Bericht aus der Leipziger Volkszeitung vom 16. Februar 1949 zur Einführung der Valuta-Mark. 20 Tsd. VM wurden der in der HO-Gaststätte „Fürstenhof“[10] in Berlin eingerichteten Messewechselstube Berlin zugewiesen (und sollten dort auch für die Bezahlung von Speisen und Getränke angenommen werden, was misslang), 680 Tsd. VM erhielt die Emissions- und Girobank zur Bestückung der von ihr betriebenen Messe-Wechselstuben in Leipzig-Stadt, 500 Tsd. VM gingen an die Garantie- und Kreditbank AG, die diese teilweise den Intourist-Restaurants zum Verkauf an Messegäste zur Verfügung stellte. Die Scheine wurden in Heften zu 100,- VM zusammengestellt und angeboten. Diese enthielten 4 Scheine zu 10 VM, 6 Scheine zu 5 VM, 5 Scheine zu 2 VM, 16 Scheine zu 1 VM und 8 Scheine zu 0,50 VM, insgesamt also 39 Scheine. Überlegungen, auch Hefte zu 200,- VM auszugeben, wurden verworfen. Die der Garantie- und Kreditbank AG zur Verfügung gestellten Hefte sollten eine abweichende Umschlagfarbe[11] und einen besonderen Aufdruck ausweisen. Der Verkauf als ganzes Kuponheft erwies sich schnell als unpraktisch, weshalb man schon zu Beginn der Messe entschied, neben den Heften „ausnahmsweise“ auch einzelne Scheine abzugeben. Die Scheine wurden ab 5. März 1949 durch die Messe-Wechselstuben ausgeben. Sie waren bis zum 25. März 1949 in den Geschäften und Restaurants im Stadtkreis Leipzig gültig. Nimmt man die Auflage von 1,2 Mio. VM und die geplante Abgabe in Heften zu 100 VM, ergibt sich daraus eine Auflage von 12.000 Heften entsprechend einer Auflage von 48.000 Stück für den Wert von 10 VM, 72.000 Stück zu 5 VM, 60.000 Stück zu 2 VM, 192.000 Stück zu 1 VM und 96.000 Stück zu 0,50 VM. Gewechselt wurde in den Messe-Wechselstuben beflissen, es gingen aber längst nicht so hohe Summen ein wie erhofft. Die bestellte Auflage erwies sich als viel zu hoch[12]. In der Messe-Wechselstube Berlin wurden ganze 96 VM erworben, die Emissions- und Girobank tauschte für rd. 151 Tsd. VM ausländische Banknoten um, die Garantie- und Kreditbank gab Kupons für rd. 117 Tsd. VM aus. Die Leipziger Frühjahrmesse 1949 verzeichnete insgesamt rd. 223 Tsd. Besucher, von denen 2.300 aus dem Ausland[13] und damit prinzipiell als Erwerber von Valuta-Mark in Frage kamen. Besucher konnten nur die Währung ihres Heimatlandes in VM umtauschen, ferner Schweizer Franken und US-Dollars (die beide konvertibel waren), sowie englische Pfund. Diese Währungen wurden auch von westdeutsche Messegästen akzeptiert, während eine Ausgabe von Valuta-Mark gegen Westmark (DM-BdL) ausdrücklich ausgeschlossen blieb. Bei Ausgabe der VM-Kupons wurde auf der Rückseite jedes Kupons ein Stempel mit der Währung angebracht, gegen die die VM erworben wurde. Auch ein Umtausch ausländischer Währungen direkt gegen DM-DN war möglich, blieb aber unattraktiv (zumal derart eingetauschte Beträge nicht rücktauschbar waren), so dass davon wenig Gebrauch gemacht wurde. Angeboten wurden VM sowohl im Umtausch gegen Banknoten als auch im sogenannten Clearingverfahren gegen Vorlage von Kreditbriefen oder Akkreditiven[14]. Hintergrund war, dass diverse Staaten die Ausfuhr von Banknoten ihrer eigenen Landeswährung verboten oder stark beschränkt hatten. Während ein Umtausch von Banknoten gegen VM in diversen Wechselstuben im Leipziger Stadtgebiet und in den Restaurants von Intourist möglich war, wurden VM gegen Vorlage von Akkreditiven oder Kreditbriefen nur durch die Filiale der Garantie- und Kreditbank AG[15] im Parkhotel ausgegeben. Derartig ausgegeben Schecks sollten mit einem Stempel „Clearing“ versehen werden, um einen Rücktausch gegen Banknoten auszuschließen Über die Summe nicht zurückgetauschter VM gibt es unterschiedliche Angaben: In einem Zwischenbericht vom 23. April 1949 spricht die Deutsche Notenbank von lediglich 29 VM. Die Schlussabrechnung der Deutschen Notenbank vom 30. Mai 1949 weist aus, dass Kupons im Nennwert von knapp 169 Tsd. VM gegen Banknoten, und für gut 100 Tsd. VM im Clearing ausgegeben wurden. 950 VM wurden als nicht zurückgeflossen verbucht. Für den Sammler bedeutet das: Gelaufene VM-Kupons zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 sind sehr selten![16] Für die Umrechnung wurde intern der US-Dollar-Kurs zur DM-Ost als Ausgangsbasis genommen und 100 VM mit 30 US-Dollars angesetzt. Alle anderen Währungen wurden mit ihrem offiziellen Kurs gegenüber dem US-Dollar in VM umgerechnet. Den Messe-Wechselstuben stellte man entsprechende Kurstabellen zur Verfügung. Spitzenreiter der zur Frühjahrsmesse 1949 in bar umgetauschten Währungen war – gerechnet in VM - der US-Dollar (14.895,20 USD), gefolgt von der Tschechoslowakischen Krone (insgesamt 543.690 Kc) und dem Britischen Pfund (1231 Pfund). Offiziell akzeptiert wurden die Währungen von Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Ungarn und den USA. Am 1. März 1949 entschied die Deutsche Notenbank, dass auch andere als die genannten Währungen umgetauscht werden konnten. Aus den Abrechnungsunterlagen der Deutschen Notenbank ergibt sich, dass VM in geringen Mengen auch gegen Jugoslawische Dinar abgegeben wurden, wohingegen ein Umtausch von Banknoten aus Albanien und Rumänien nicht stattgefunden hat. Ganz ohne Fehler verlief der Geldwechsel nicht – aus dem Schlussbericht der Deutschen Notenbank ergibt sich, dass man in den Messe-Wechselstuben zwei falschen 20-US-Dollars-Noten aufgesessen war sowie sich hatte 2060 ungültige österreichische Schilling der Ausgabe 1945[17] andrehen lassen, darunter zwei Scheine zu 1000 Schilling[18]. Zwar hatte man die Adressen der umtauschenden Personen notiert; ob man derer tatsächlich habhaft werden konnte, war bei abgereisten Gästen sicher eine andere Sache. In der Leipziger Volkszeitung vom 16. Februar 1949 wurde die Bevölkerung erstmals auf die VM aufmerksam gemacht. Sie musste von jedermann in Zahlung genommen, von Privatpersonen jedoch sofort bei einer Messe-Wechselstube gegen DM-DN eingetauscht werden. Eine Nutzung durch die Bevölkerung etwa in den Intourist-Restaurants war ausdrücklich verboten. Institutionelle Einrichtungen wie die HO und Intourist konnten sich mit der Abrechnung der Kupons bis zum 1. April 1949 Zeit lassen. Insgesamt flossen aus der Bevölkerung rund 30.000 VM zurück, von der HO rd. 53.000 VM. Der restliche – und überwiegende – Betrag kam aus den von Intourist betriebenen Hotels und Gaststätten. Messegästen aus den Westzonen waren nicht mit von der Partie – ihnen wurde nur der Umtausch von DM-BdL gegen DM-DN zum Kurs von 1 DM-BdL zu 0,80 DM-DN angeboten, wobei umgetauschte Beträge in den Messe-Wechselstuben wieder rückgetauscht werden konnten. Immerhin bot man an, gegen DM-BdL Verpflegungsschecks erwerben zu können. Die in den Messe-Wechselstuben umgetauschten Beträge an DM-BdL waren verhalten[19], insbesondere wenn man sie ins Verhältnis zur Anzahl der Messebesucher aus den Westzonen setzt[20]. Westberliner DM nahm man überhaupt nicht an in dem eigenen Verständnis, dass nur die DM-DN allein gültiges Zahlungsmittel in ganz Berlin sei. Schnell kamen von deutscher Seite Überlegungen auf, dass System der Valuta-Mark auf die gesamte SBZ auszudehnen und dadurch eine Kontrolle der Deviseneinnahmen ausländischer Gäste zu erreichen. Dieser Vorschlag wurde schließlich verworfen – Bedenken bestanden u.a. darin, dass die Scheine gehortet und ein Schwarzhandel in wertbeständiger VM entstehen würde. Diese Befürchtungen erwiesen sich angesichts der Erfahrungen auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1949 als berechtigt. In einem Zwischenbericht der Deutschen Notenbank von Ende März 1949 ist von Schwarzhandel mit VM deutlich über den offiziellen Kursen die Rede, wobei die VM zum Erwerb von Kaffee, Tabak und Schokolade in den Restaurants von Intourist verwendet worden sein soll. Überhaupt waren die Reaktionen auf die VM unterschiedlich – während offiziell dargestellt wurde, dass ausländische Besucher die VM sehr gut aufgenommen hätten (denen es vermutlich egal war, wie sie zahlten), sind zahlreiche Berichte über deutlich übersetzte Preise in Hotels und Gastronomie dokumentiert. Die HO war enttäuscht, dass Intourist den großen Reibach hinsichtlich der Einnahmen gemacht hatte[21]. Von dort wiederum kamen Klagen, dass die Stückelung der Schecks zu klein gewesen sei. In Auerbachs Keller etwa hätte man den Verkauf von Messeschecks eingestellt, nachdem dort in den ersten fünf Messetagen Kupons im Wert von 25.000 VM abgegeben worden seien. Die Kellner seien angesichts hoher Zechen[22] mit der Abrechnung der kleinsummigen Schecks überfordert gewesen, verbotenerweise hätte man doch auch ausländische Devisen direkt angenommen. Es muss bei gesalzenen Preisen lustig zugegangen sein für diejenigen, die es sich leisten konnten. Dagegen stehen Klagen, dass Scheine zu 0,10 VM gefehlt hätten und die Abgabe vornehmlich in Heften zu 100,- sparsame ausländische Messegäste finanziell überfordert hätte. Auch wurde die Ausgabe der VM ab dem 5. März 1949 als zu spät angesehen, da zu diesem Zeitpunkt schon viele Messegäste angereist waren und ihr Geld anderweitig (und sicher nicht selten „schwarz“) umgetauscht hatten. Dennoch befanden sowohl die SMAD, als auch die Deutsche Notenbank, dass das System besonderer Zahlungsmittel für ausländische Messebesucher sich grundsätzlich bewährt hätte. Nun galt es, die Erkenntnisse aus der erstmaligen (und im Ergebnis einzigen) Ausgabe von Valuta-Mark-Kupons zur Frühjahrsmesse 1949 für ausländische Messegäste für den Geldumtausch anlässlich der Herbstmesse 1949 umzusetzen. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Grundlage der nachfolgenden Ausführungen sind die Unterlagen der Deutschen Notenbank zu Bankgeschäften bei der Leipziger Messe 1949 und 1950, die sich heute im Bundesarchiv befinden. [2] Die Ein- und Ausfuhr von DM-DNB in die und aus der SBZ war verboten [3] Aus einem Bericht der Deutschen Notenbank zur Herbstmesse 1948 [4] Diese wurden erst in der Anordnung der SMAD vom 23.3.1949 (ZVOBl 1949, S. 211) getroffen. Der Besitz von Devisen war und blieb für Bewohner der SBZ verboten. [5] Die Leipziger Frühjahrmesse dauerte vom 6. bis 13. März 1949 [6] Anfang der 1950er-Jahre wurden die von Intourist in der SBZ/DDR betriebenen Hotels und Restaurants an die Handelsorganisation (HO) abgegeben [7] Die 1920 als Garantie- und Kreditbank für den Osten gegründete Bank diente ursprünglich der Finanzierung von Geschäften mit der Sowjetunion. 1941 geschlossen und 1945 als Garantie und Kreditbank AG reaktiviert, war sie der Form nach eine Niederlassung der sowjetischen Staatsbank und Dienstleister der SMAD in Deutschland, über die u. a. die ostdeutschen Reparationszahlungen abgewickelt wurden. 1956 wurde die Bank nach Übertragung ihrer Aufgaben an die Deutsche Notenbank abgewickelt. Quelle: Wikipdedia. [8] Ersatzzahlungsmittel der DDR, 2. Auflage Regenstauf 2015 [9] Die aufgeführten Werte HM 2.6 bis HM 2.8 – 20, 50, 100 VM - gibt es definitiv nicht. [10] Friedrichstraße. [11] Bekannt ist die Umschlagfarbe Hellblau – aus einem vor einiger Zeit angebotenen Hefte und einem darin befindlichen Scheck, der keinen Aufdruck „Clearing“ trägt, ist zu vermuten, dass die durch die Emissions- und Girobank ausgegeben Scheckhefte einen hellblauen Umschlag hatten. Die Umschlagfarbe der durch die Garantie- und Kreditbank AG ausgegeben Hefte könnte Weiß gewesen sein. [12] Die Auflagenzahlen der Messe-Schecks der Herbstmesse 1949 fiel entsprechend geringer aus. [13] Spitzenreiter war dabei Österreich mit 388 registrierten Besuchern, gefolgt von 307 Besuchern aus den Niederlanden und 261 Besuchern aus der Tschechoslowakei. [14] Zahlungsversprechen einer Bank. [15] Die 1920 als Garantie- und Kreditbank für den Osten gegründete Bank diente ursprünglich der Finanzierung von Geschäften mit der Sowjetunion. 1941 geschlossen und 1945 als Garantie und Kreditbank AG reaktiviert, war sie der Form nach eine Niederlassung der sowjetischen Staatsbank und Dienstleister der SMAD in Deutschland, über die u.a. die ostdeutschen Reparationszahlungen abgewickelt wurden. 1956 wurde die Bank nach Übertragung ihrer Aufgaben an die Deutsche Notenbank abgewickelt. Quelle: Wikipdedia. [16] Gelaufene ½ VM-Kupons sind hauptsächlich aus den Nummernkreisen H 0117X und H0205X bekannt (unsere Abbildung: H09063), solche zu 2 VM aus dem Nummernkreis H0840X. [17] Pick Nummern 114, 116, 118 und 120. Die im Dezember 1945 ausgegebenen 1. Serie der Schillingscheine Ausgabe 1945 wurde am 24.12.1947 ungültig. [18] Die Deutsche Notenbank beklagte, dass ihr keine Referenzwerke zur Verfügung stehen würden, um nicht mehr kursgültige ausländische Banknoten zu identifizieren. Für zukünftige Messen gab man jedenfalls die Anweisung an die Mitarbeiter der Messe-Wechselstuben aus, den Umtausch von österreichischen Banknoten zu 1.000 Schilling möglichst zu vermeiden. [19] Lt. Bericht der Devisen-Abteilung Deutschen Notenbank vom 14. April 1949 nahmen die Messe-Wechselstuben rd. 44.500 DM-BdL ein. [20] Es wurden rd. 17.500 Messebesucher aus den Westzonen registriert. [21] Für die von Intourist eingereichten VM-Kupons erhielt Intourist die entsprechenden Beträge in ausländischer Währung [22] Lt. Intourist-Speisekarte kostete eine Flasche Tischwein „Lauchaer Sylvaner“ in Auerbachs Keller stolze 46,65 DM in Devisen, umgerechnet rd. 14 US-Dollars, ein Kirschlikör kam auf 8,30 DM – wohl bekomm’s!

  • KI und Texte zu Geldscheinen – geht das?

    Die Antwort: derzeit nur sehr bedingt! Die Künstliche Intelligenz (KI) erweckt seit geraumer Zeit bei vielen Menschen neugieriges Interesse. Man kann sich mit Hilfe vorhandener webbasierter Software z. B. Märchen, Gedichte, Grußkartentexte und alles Mögliche „schreiben“, komplexe Fragen stellen oder beantworten lassen und auch chatten. Es gibt eine Vielzahl von Plattformen, die man ausprobieren kann. Dabei greifen die Programme auf vorhandene Veröffentlichungen zurück und fassen das meist sinnwahrend zusammen. Jedoch warnen Wissenschaftler, Forscher und Unternehmer, dass die KI aus dem Ruder laufen könnte und forderten kürzlich in einem Aufruf eine Entwicklungspause für das nächste halbe Jahr. So hatte die Plattform ChatGPT in den vergangenen Monaten Schlagzeilen gemacht. Elon Musk, Mitbegründer von OpenAI, hatte sich wiederholt kritisch geäußert. Auch andere Tech-Fachleute befürchten, dass Informationskanäle in Zukunft mit Propaganda und Unwahrheiten geflutet werden könnten. Zum Thema „Banknoten-Entwürfe“ wurde platform.openai.com/playground getestet. Eingegeben wurde vom Verfasser der Befehl: „Schreibe einen ausführlichen Text über den Grafiker Escher und erwähne seine Entwürfe von Banknoten“. Ein erstes Ergebnis war folgender Text: „Maurits Cornelis Escher, besser bekannt als M. C. Escher, war ein niederländischer Grafiker, der vor allem für seine surrealen und optischen Illusionen bekannt ist. Er wurde 1898 in Leeuwarden, Niederlande geboren und starb 1972 in Laren, Niederlande. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der sich auf die Kunst des Druckens spezialisiert hatte. Er hatte eine Vorliebe für mathematische und geometrische Formen und verwendete sie oft in seinen Arbeiten. Seine berühmtesten Werke sind „Relativity“ (1953), „Metamorphose II“ (1939-1940) und „Sky and Water I“ (1938). Escher hat auch einige Banknoten entworfen. Sein erster Entwurf war eine Banknote für die niederländische Insel Curaçao im Jahr 1960. Diese Banknote zeigte ein Porträt von Escher selbst, das er selbst gemalt hatte. Es folgten weitere Banknotenentwürfe für verschiedene Länder, darunter die Niederlande, Belgien und Surinam. Eschers Banknotenentwürfe waren sehr kreativ und ungewöhnlich. Sie zeigten oft surrealistische Motive und optische Illusionen, die auf seine Liebe zur Mathematik und Geometrie zurückzuführen sind. Seine Banknoten wurden weltweit bekannt und sind heute noch sehr beliebt. Insgesamt hat Escher einen großen Einfluss auf die Kunstwelt gehabt. Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt und sind heute noch sehr beliebt. Seine Banknotenentwürfe haben dazu beigetragen, dass er als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts angesehen wird.“ Hier sind jedoch Wiederholungen und auch Fehler enthalten. Bei mehrmaligen Texteingaben wurden dann unterschiedliche Texte in Länge und Aussage festgestellt. Eine weitere Eingabe war kürzer und genauer: „Maurits Cornelis Escher war ein niederländischer Grafiker, der vor allem für seine surrealen und optischen Illusionen bekannt ist. Er wurde 1898 in Leeuwarden, Niederlande, geboren und starb 1972 in Laren, Niederlande. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der sich auf die Kunst des Druckens spezialisiert hat. Seine Arbeiten sind weltweit bekannt und werden in vielen Museen ausgestellt. Eschers Arbeiten sind vor allem für ihre mathematischen und geometrischen Elemente bekannt. Er hat viele verschiedene Techniken verwendet, um seine Kunstwerke zu schaffen, darunter Holzschnitt, Lithografie und Radierung. Seine Arbeiten sind oft surreal und spielen mit optischen Illusionen. Er hat auch einige sehr berühmte Entwürfe von Banknoten gemacht, darunter die niederländische 10-Gulden-Note und die niederländische 25-Gulden-Note. Eschers Arbeiten haben viele Künstler inspiriert und beeinflusst. Seine Arbeiten wurden in vielen verschiedenen Medien verwendet, darunter Filme, Musikvideos und Computerspiele. Seine Arbeiten sind auch in vielen Büchern über Kunstgeschichte zu finden. Escher war ein sehr talentierter Künstler, der viele verschiedene Techniken verwendet hat, um seine Kunstwerke zu schaffen. Seine Entwürfe von Banknoten sind weltweit bekannt und werden in vielen Museen ausgestellt. Seine Arbeiten haben viele Künstler inspiriert und beeinflusst und werden in vielen verschiedenen Medien verwendet.“ Auch der eingegebene Text in Niederländisch war dann allgemeingültig und ebenso fehlerhaft. Richtig ist: M. C. Escher wurde am 17. Juni 1898 in Leeuwarden, Provinz Friesland, geboren – als jüngster von fünf Söhnen des Bauingenieurs George Arnold Escher. Seine Jugend verbrachte er größtenteils in Arnheim. Zitat wikipedia: „Allerdings war er ein ziemlich schlechter Schüler, musste zwei Klassen wiederholen und hatte trotz seiner zeichnerischen Begabung sogar im Fach Kunst schlechte Noten.“ Sein lebenslanger Freund Bas Kist ermutigte ihn, seine ersten Linolschnitte zu machen. 1917 besuchten beide Freunde den Künstler Gert Stegeman, der in seinem Atelier eine Druckerpresse besaß – dort entstanden Eschers erste Drucke. Zu seinen frühen Werken gehört ein Porträt seines Vaters. Nach seinem nicht bestandenen Abitur begann Escher im Herbst 1919 ein Architekturstudium in Haarlem, dass er schon eine Woche später wieder abbrach. Er reiste ab 1921 oft nach Italien, lernte dort seine spätere Frau kennen; sie heirateten 1924, zogen nach Rom und wohnten dort in der Via Alessandro Poerio bis 1935. Aus Abscheu gegen den italienischen Faschismus gingen die Eschers mit ihren beiden Söhnen nach Belgien und nach dem dortigen Einmarsch deutscher Truppen schließlich gemeinsam in die Niederlande. Escher galt vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg als bedeutender Maler, Grafiker, Zeichner, Buchillustrator, Tapisseriedesigner, Wandmaler und Grafiker; berühmt wurde er für seine Ornamentdrucke und Arbeiten aus der „unmöglichen Architektur“. Der Siegeszug von Eschers Werken begann Mitte der 1950er-Jahre nach seiner ersten erfolgreichen Ausstellung in den USA. Abb. 1: „Mauk“ Escher bei seinen Druckarbeiten in Baarn (https://www.arte-magazin.de) Escher schuf in seinem künstlerischen Leben an die 448 Lithografien, Holzschnitte und Holzstiche sowie mehr als 2000 Zeichnungen, Skizzen, Briefmarken ... und Banknoten-Entwürfe. 1950 schrieb die Nederlandsche Bank einen Wettbewerb für Banknoten aus. M. C. Escher beteiligte sich und wurde daraufhin von der DNB im Juli 1950 beauftragt, eine neue Banknotenserie zu entwerfen. Die Bank war von Eschers künstlerischer Qualität überzeugt, wie die Briefmarken-Entwürfe zum 75. Jahrestage des Weltpostvereins zeigten. Abb. 2: „Himmel und Wasser I“, Holzschnitt vom Juni 1938 (Original: Sammlung Kunstmuseum Den Haag). Abb. 3/4: realisierte Briefmarken zu 10 und 20 Cent von 1949. Von Escher wurden für drei Wertstufen Vorder- und Rückseiten-Entwürfe sowie eine Wasserzeichen-Ansicht vorgelegt. Dabei wurden die Unterschriften den damaligen Signaturen von Secretaris A. M. De Jong und President Dr. Marius Wilhelm Holtrop (1946–1967) nachempfunden. Auch die Kontrollnummern ähneln denen der DNB. Die Bank fand die eingereichten Arbeiten problematisch und lehnte Eschers umstrittene Entwürfe ab. Nach fast zweijährigem umfangreichen Schriftverkehr zwischen beiden trat die Bank im Juni 1952 von dem Vertrag zurück, da Escher nicht auf seine künstlerischen Freiheiten verzichten wollte und und keine der gewünschten Änderungen akzeptierte. Der Bank waren die Entwürfe „zu kunstvoll“ und außerdem angeblich technisch nicht umsetzbar. Die wahren Gründe dafür sind bis heute im Dunkeln geblieben. Abb. 5: 10 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Naturforschers Antoni van Leeuwenhoek (1632–1723). Abb. 6: Rückseite der 10-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung. Abb. 7: 25 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Mathematikers, Physikers und Ingenieurs Simon Stevin (1548–1620); Stevin schlug schon 1585 ein dezimales Maßsystem vor. Abb. 8: Rückseite der 25-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung. Abb. 9: 100 Gulden 22. Oktober 1951, Vs., Bleistiftzeichnung mit der Abbildung des niederländischen Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens (1629–1695). Abb. 10: Rückseite der 10-Gulden-Banknote von 1951, Bleistiftzeichnung, mit DNB-typischer Serienbezeichnung. Abb. 11: Bleistiftzeichnung eines Wasserzeichens: Vögel, Fische, Planet und Stern. Die nicht zur Ausführung gelangten Entwürfe liegen im Museum der Wertpapierdruckerei Johan Enschedé in Haarlem. Über einen weiteren Entwurf einer 50-Gulden-Banknote wurde spekuliert, aber bis heute von keiner Seite ohne Bestätigung. Die Bank verwarf außer den Escher-Entwürfen auch die Musterzeichnungen von J. B. Schlepper und entschied sich später für die Arbeiten von Joseph Ferdinand „Eppo“ Doeve und Robert D. E. „Ootje“ Oxenaar. Die niederländische Bank organisierte 1988 ein geschlossenes Auswahlverfahren zur Ernennung seines Nachfolgers. Jaap Drupsteen, Jan van Toorn, Walter Nikkels, Gerard Hadders, Hans Kruijt und das Kollektiv „Wild Plakken“ wurden aufgefordert, die Arbeiten von Oxenaar fortzuführen. Drupsteen wurde schließlich mit einer neuen Banknoten-Serie beauftragt. Aus seinem Atelier entstanden die letzen Gulden-Banknoten der Jahre 1987 bis 1997. Er bewarb sich 1996 auch um den Auftrag zur Gestaltung der Euro-Banknoten – jedoch ohne Erfolg. Abb. 12: 10 Gulden 1. Juli 1997, Vs., letzte Banknote der letzten Serie der Niederländischen Bank vor Einführung des Euros (mit einer Hommage an M. C. Escher?). Schließlich Eschers eigene Sicht auf seine Arbeiten: in einem Interview vom April 1968 sagte er über seine Kunstwerke: „Ich finde, was ich selbst mache, ist das Schönste und auch das Hässlichste“ und „Meine Arbeit hat nichts mit Menschen und nichts mit Psychologie zu tun“. In Eschers Atelier in Baarn waren seine Arbeiten nirgendwo ausgestellt, nicht einmal im Wohn- und Esszimmer. Escher konnte sie in seiner Nähe nicht ertragen. Auf einem Schrank lagen nur Kugeln, Würfel, Prismen aus Papier, Holz und Glas. M. C. Escher malte stets mit der linken Hand, schrieb aber immer mit der rechten. Er starb am 27. März 1972 an Krebs in Hilversum. Seit dem 18. Februar 2023 und noch bis zum 10. September 2023 zeigt das Kunstmuseum Den Haag die Ausstellung “Other World” anlässlich des 125. Geburtstags von M. C. Escher. Seine berühmten Drucke, die sich mit optischen Täuschungen, unmöglicher Architektur, Reflexion und Natur beschäftigen, werden mit spektakulären Installationen des belgischen Architekten und Künstlers Gijs Van Vaerenbergh kombiniert. Eschers Werke enthalten bekanntermaßen seltsame, mutierende Kreaturen, Muster und Landschaften; seine Skizzen, Holzschnitte und Lithographien von mathematisch inspirierten Objekten und Formen schufen Polyeder, Mosaike und unmögliche Formen. Zurück zur Ausgangsfrage: auf befriedigende Antworten wird man noch längere Zeit warten müssen – solange die KI bzw. AI nicht recherchieren und Archive nicht nutzen kann und Urheberrechte auf Veröffentlichungen weiterhin blockiert bleiben. Heute und morgen ist die Künstliche Intelligenz noch nicht wirklich hilfreich für Beiträge zu Geldscheinen [Anm. der Redaktion: ebenfalls zu anderen Fachthemen] und auch nicht wünschenswert; ebenso im Allgemeinen (Goethes „Zauberlehrling lässt grüßen). Michael H. Schöne Quellen: https://arthive.com/de/escher https://de.mathigon.org https://de.wikipedia.org https://mcescher.com https://www.dbnl.org https://www.escherinhetpaleis.nl https://www.planet-wissen.de https://www.vn.nl Ernst, Bruno: „Der Zauberspiegel von M. C. Escher“, 1994

  • Neue Varianten: April 2023, Teil 1

    Argentinien 20 Pesos Wie ARG-361 (Linzmayer B417b), aber mit neuen Unterschriften "Guido Martín Sandleris" als PRESIDENTE B.C.R.A. und "Gabriela Michetti" als PRESIDENTE H.C. SENADORES. Bahrain 5 Dinars L.2006, o.D.(2018) Wie BHR-32b (Linzmayer B308c), mit neuer Unterschrift „Salman bin Hamad al Khalifa“. 10 Dinars L.2006, o.D.(2016) Wie BHR-33 (Linzmayer B309b), mit neuer Unterschrift „Salman bin Hamad al Khalifa“. 20 Dinars L.2006, o.D.(2016) Wie BHR-34 (Linzmayer B310b), mit neuer Unterschrift „Salman bin Hamad al Khalifa“. Irak 250 Dinars Wie IRQ-97 (Linzmayer B358b), aber mit neuem Datum 2020 (AH1442) und neuer Unterschrift "Mustafa Ghaleb" 50.000 Dinars Wie IRQ-103 (Linzmayer B357d), mit neuem Datum 2023 (AH 1445). Philippinen 20 Piso Wie PHL-206 (Linzmayer B1084i), aber mit neuem Datum 2022. 1.000 Piso Wie PHL-211 (Linzmayer B1089h), mit neuem Datum 2020. Türkei 100 Lira Wie TUR-226 (Linzmayer B304e), jetzt mit neuen Unterschriften "Prof. Dr. Şahap Kavcıoğlu" und "Mustafa Duman". Westafrikanische Staaten - Elfenbeinküste 500 Francs Wie WAS-119 (Linzmayer B120Al), jetzt mit neuem Datum (20)23 und neuen Unterschriften „Jean-Claude Brou“ und „Sani Yaya“. Falk Quieß (Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com)

  • Lexikon: Geklebte Papierbahn

    Bei der Papierherstellung kann es zum Reißen der Papierbahn kommen, die wieder zusammengeklebt wird, um ein Weiterlaufen durch die Maschine zu ermöglichen. Diese Klebelinie, die durch das Übereinanderliegen der beiden Papierenden dicker ist, befindet sich dann später in einem der geschnittenen Bogen. Geklebte Papierbahn: Notgeldschein der Stadt Fürth zu 1 Million Mark vom 25. August 1923, gedruckt über eine Klebestelle der Papierbahn, Druckformat 178 mm x 84 mm. Meist werden diese Bogen im Papierstapel oder bei der Verarbeitung entdeckt und aussortiert, doch kommt es auch vor, das fertige Scheine eine solche Klebestelle aufweisen. In Wasser gelegt, lösen sie sich in zwei Hälften auf, wovon die eine dann die Überlappung ohne Druck zeigt. Sie bildet eine Abnormität, die von Sammlern gesucht ist. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski

  • "Wildcats" und "Greenbacks" – Der US-Dollar im 19. Jahrhundert

    Seit den 1970er Jahren gehört der Goldstandard der Vergangenheit an: Der damalige US-Präsident Richard Nixon erklärte das Bretton-Woods-System für obsolet. Bis dahin war der US-Dollar an Goldreserven gekoppelt und viele andere Währungen an den US-Dollar. Seitdem regieren die sogenannten "Fiat-Währungen", die nicht an ein Edelmetall gebunden sind. Heute ist eine Rückkehr zum Goldstandard kaum denkbar und hat auch nur noch wenige Unterstützer. [1] Der lange und umkämpfte Weg, der zum modernen Geldsystem führte, wird besonders beim Blick in das Amerika des 19. Jahrhunderts deutlich. Nach dem Unabhängigkeitskrieg stand der US-Kongress vor der Aufgabe, eine nationale Währung zu schaffen. Bislang wurde überwiegend mit spanischen Dollars gehandelt. Zusätzlich wurde basierend auf Gold und Silber eine bimetallische Währung eingeführt. Die Münzen wurden aufgrund ihres hohen Silbergehalts bald in großen Mengen nach Lateinamerika gebracht und eingeschmolzen. Es resultierte ein großer Geldmangel. [2] Je nach Region wurden verschiedene Wege gewählt, um einen Geldersatz zu finden. Händler und Privatpersonen stellten Kreditbriefe und Schecks aus und an manchen Orten wurden „Wampum“ benutzt, das Tauschmittel indigener Stämme im Osten Amerikas aus Perlen, Muscheln und Schnecken. Viele Kolonien gaben eigene Papierwährungen heraus, die als regionale Zahlungsmittel dienten. Das Zahlungssystem war sehr uneinheitlich und die Werte der verschiedenen Zahlungsmittel schwankten stark. [3] Während des Unabhängigkeitskriegs gab der Kontinentalkongress Papiergeld aus, die Continentals. Schnell trat jedoch eine große Entwertung der Kontinental-Dollars ein, die sich im bekannten Sprichwort „not worth a Continental“ zeigte. [4] Ursache dafür war mitunter die Verbreitung von Fälschungen durch die Briten, um die Währung zu schwächen. Abb. 1: 1/3 Dollar, Kontinental-Dollar, 17. Februar 1776, Philadelphia. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Continental_Currency_One-Third-Dollar_17-Feb-76_obv.jpg#/media/File:Continental_Currency_One-Third-Dollar_17-Feb-76_obv.jpg In den Folgejahren setzten sich verschiedene Politiker, wie beispielsweise Alexander Hamilton (1755–1804), für die Gründung einer Nationalbank ein. So sollte eine stabile, einheitliche Währung etabliert werden. Ein zentraler politischer Konflikt dieser Zeit war die Auseinandersetzung zwischen Befürwortern der easy money und den Anhängern der sogenannten sound money, die eine strengere Regulierung von Kreditvergabe und Geldmenge forderten. Privatbanken und Geschäftsleute fürchteten einen zu großen Einfluss einer Zentralbank. Auch Politiker wie Thomas Jefferson (1743–1826), welche eher die Interessen der oftmals verschuldeten Landbevölkerung vertraten, waren einer weniger regulierten Finanzpolitik nicht abgeneigt und machten viele Änderungen, die Hamilton vorgenommen hatte, wieder rückgängig. Unter Präsident Andrew Jackson (1767–1845) wurde die Bank of the United States (Nationalbank) endgültig zerschlagen und privatisiert. [5] Es begann die Free Banking Era. Die Anzahl an Banken wuchs rapide. Die Banknoten, die von vertrauenswürdigen Banken ausgegeben wurden, waren frei in Gold- und Silbermünzen umtauschbar und zirkulierten als Papiergeld. Sogenannte wildcat banks [6] im Westen des Landes vergaben ihre Kredite allerdings sehr großzügig, ohne die jeweilige Menge an Gold und Silber hinterlegt zu haben. Der tatsächliche Wert der Banknoten war häufig deutlich niedriger als der Nennwert. Die Banken waren kurzlebig: Die durchschnittliche Lebensdauer einer Bank betrug nur fünf Jahre. Die Gesetze und Vorschriften waren in jedem Staat unterschiedlich. Auch für Händler wurde das uneinheitliche Geldsystem zum Problem. Es gab mehrere hundert verschiedene Währungen im Land, deren Wert je nach Region stark variierte. [7] Die zahlreichen Pleiten und Fehlspekulationen führten zur Panik von 1857. Die Wirtschaft war überhitzt und die Banken in New York gerieten in Bedrängnis, nachdem die SS Central America während eines Hurricanes sank und somit eine große Goldlieferung ausblieb. Zusätzlich stürzten die Börsenkurse vieler Eisenbahnunternehmen im Westen ab. [8] Die Krise verstärkte das bereits bestehende Misstrauen der Südstaaten gegenüber dem Norden. Abb. 2: The Sinking of the Central America, J. Childs, 1857, National Maritime Museum, London https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/Wreck_of_the_Central_America.jpg?uselang=de-formal Abb. 3: 5-Dollar Banknote, Catskill Bank, 1828, Catskill, New York, Fälschung. Mit vier Porträts und einem Puma in der Mitte. Die Fälschung wird häufig als „wildcat note“ bezeichnet. Stack´s Bowers Galleries, February 2019 Baltimore Auction, Los-Nr. 14093, 27.02.2019 https://www.acsearch.info/search.html?id=5744972 Bis in die 1860er Jahre war der US-Dollar an Gold und Silber gebunden. Die Bürger konnten ihre Dollars zu einem staatlich festgelegten Kurs in die Edelmetalle umtauschen. Dies änderte sich mit dem Sezessionskrieg von 1861–1865. Der Krieg war eine Folge der tiefen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, die vor allem in der Frage der Sklaverei zu Tage trat. Als Reaktion auf die Wahl des gemäßigten Sklavereigegners Abraham Lincoln (1809–1865) zum US-Präsidenten traten im Winter 1860/61 die meisten Südstaaten aus der Union aus. Der Krieg begann am 12. April 1861 mit der Beschießung Fort Sumters durch die Konföderierten. [9] Zur Finanzierung des Kriegs sprach sich Lincolns Finanzminister Salmon P. Chase (1808–1873) für die Einführung einer staatlichen Währung aus, die nicht an Gold- und Silber gebunden war. [10] Im März 1863 unterzeichnete Abraham Lincoln den „Legal Tender Act“, zwei Monate nachdem er mit der „Emancipation Proclamation“ die Befreiung der Sklaven beschlossen hatte. Er hob damit die Gold- und Silberbindung des US-Dollars auf. Er erschuf eine sog. "Fiat-Währung", die nicht mehr durch die freie Eintauschbarkeit in Edelmetalle, sondern durch die Glaubwürdigkeit und Stabilität der Regierung gestützt war. Die Rückseiten der Banknoten wurden mit grüner Tinte bedruckt – daher die ihr Name "Greenbacks". Das grüne Papiergeld wurde zum offiziellen Zahlungsmittel. [11] Abb. 4: 1$ Legal Tender Note, National Banknote Company, 1862/1863. Mit Signaturen von Lucius E. Chittenden (Register of the Treasury) und Francis E. Spinner (Treasurer of the United States) National Numismatic Collection, National Museum of American History https://en.wikipedia.org/wiki/File:US-$1-LT-1862-Fr-16c.jpg#/media/File:US-$1-LT-1862-Fr-16c.jpg Die "Greenbacks" regten einerseits den Handel an, litten allerdings andererseits unter starker Entwertung. So stellte sich im Anschluss an den Bürgerkrieg die Frage, ob eine Rückkehr zum Bimetallismus oder zu einem reinen Silber- oder Goldstandard geboten ist. In den Kriegsjahren wurden viele "Greenbacks" herausgegeben, jedoch nur eine begrenzte Menge an Edelmetallen geschürft, mit denen dieses Papiergeld gedeckt werden könnte. Eine Rückkehr zum Bimetallismus oder die Einführung eines Goldstandards würde daher eine deutliche Reduzierung der Geldmenge erfordern. Eine Verringerung der Geldmenge kann aber zu knappen Krediten, steigenden Zinsen und sinkenden Preisen führen. [12] Konsumenten und Kreditgeber erachteten eine solche Entwicklung als durchaus wünschenswert. Den Schuldnern im Süden hingegen, die den Forderungen von Gläubigern im Norden ausgesetzt waren, missfiel eine derartige Geldpolitik. Sie würden von einer Fortführung der "Greenback-Politik" profitieren. Diese würde auch einen Wiederaufbau des Südens erleichtern. Die „Radicals“ in der Republikanischen Partei waren daher gegen eine Rückkehr zur Geldpolitik vor dem Sezessionskrieg. Sie waren für eine Entschädigung der schwarzen Bevölkerung und für einen schnellen Wiederaufbau der Wirtschaft im Süden. [13] Auch andere politische Bewegungen wie die Greenback Party, die später in der People´s Party aufging, setzten sich für eine staatliche "Fiat-Währung" ein und verknüpften dies mit Forderungen nach einer Einkommenssteuer, Frauenwahlrecht und einem 8-Stunden-Tag. Abb. 5: Politisches Flugblatt der Greenback Party, 1876 Abgebildet ist ein Modell einer One Dollar Legal Tender Note von 1862 mit satirischem Text. Das Porträt zeigt Peter Cooper, den ersten Präsidentschaftskandidaten der Greenback Party, anstelle von Salmon P. Chase. Darunter befinden sich zahlreiche Erklärungen, wie eine Währung, die nicht an ein Edelmetall gebunden ist, die Wirtschaft belebt und wie Anleihegläubiger das System ausnutzen und umgehen, um Gewinne zu erzielen. Stack´s Bowers Galleries, March 2016 Baltimore Auction, 30.03.2016, Los-Nr. 30374 https://www.acsearch.info/search.html?id=3012808 Den Forderungen der Radicals standen andere Interessen gegenüber. Die Akteure an den Finanzmärkten, die dabei geholfen haben, den Krieg zu finanzieren, wollten ihre Ansprüche nicht entwertet sehen. Auch aus wirtschaftspolitischer Sicht schien es einigen Republikanern sinnvoll, zu einem Edelmetallstandard zurückzukehren. Diese Haltung setzte sich schließlich politisch durch: Die „Resumption“ zum Bimetallismus wurde beschlossene Sache. Mit dem Coinage Act von 1873 verschärfte sich diese Politik und es wurde ein reiner Goldstandard eingeführt. Die resultierende Deflation führte zu gravierenden Problemen. [14] Der Preisverfall und die hohen Zinsen trieben Schuldner in die Armut. Besonders die Landwirte im Süden waren betroffen. Sie waren nach dem Wiederaufbau häufig hoch verschuldet und konnten nun nicht mehr die Preise für ihre Waren erzielen, die sie für die Tilgung benötigten. Die Arbeitslosigkeit stieg besonders in Produktion und Minenarbeit stark an. Die Verarmung trieb viele Landwirte und Landarbeiter in die Städte. Die Abschaffung des Bimetallismus ging daher als Crime of ´73 in die Geschichte ein. Obwohl die Depression der 1870er Jahre große Teile der Bevölkerung in Armut gestürzt hatte, rückte die Regierung nicht von ihrem Kurs ab. Sie führte die restriktive Geldpolitik fort und reduzierte die Anzahl an zirkulierenden "Greenbacks", bis 1879 das Gold-Dollar-Verhältnis der Vorkriegszeit wieder erreicht war. [15] Die Diskussion um den Goldstandard wurde zum Zankapfel und zur zentralen Frage der Präsidentschaftswahlen 1896. Der Kandidat der Demokraten, William Jennings Bryan (1860–1925), warnte davor, die arbeitende Bevölkerung unter ein „Kreuz aus Gold“ zu zwingen. Die Rede ging in die Geschichte ein, blieb jedoch erfolglos. Bryan unterlag seinem republikanischen Gegenkandidaten William McKinley (1843–1901) und der Goldstandard blieb bestehen. Elias Heindl Anmerkungen [1] vgl. Nymoen, Ole; Schmitt, Wolfgang M.: Wohlstand für Alle, Ep. 174: Die US-Wahl 1896 und der Goldstandard [Audio-Podcast], 07.12.2022, https://wohlstandfueralle.podigee.io/174-us-wahl-1896 (zul. aufgerufen am 16.03.2023) [2] vgl. Reese, Jim E.; Fite, Gilbert C.: An Economic History of the United States, 3rd Edition, Boston: Houghton Mifflin Company, 1973, S. 153–155 [3] vgl. Brands, H. W.: Greenback planet: How the dollar conquered the world and threatened civilization as we know it (Discovering America), 1st ed, Austin: University of Texas Press, 2011, S. 1–25 [4] vgl. ebd. S. 4–6 [5] vgl. ebd. S. 4–6 [6] Für die Bezeichnung „wildcat banks“ gibt es mehrere Erklärungsansätze (wikipedia.org/wiki/Wildcat_banking, aufgerufen am 20.03.2023): Die Banken waren oft in der abgelegenen Wildnis im Westen angesiedelt, um ein Eintauschen der Banknoten zu erschweren Eine Bank in Michigan druckte Banknoten (die sogenannten „wild cats“), auf denen ein Puma abgebildet war Im Missouri wurde das Jagen von Raubtieren gefördert, indem gegen den Skalp der Tiere sogenannte „Wildcat Certificates“ ausgestellt wurden, mit denen Steuern bezahlt werden konnten. Diese „Wildcat Certificates“ zirkulierten häufig wie gewöhnliche Banknoten, obwohl sie nicht unmittelbar gegen Gold oder Silber eintauschbar waren. Auf einer Fälschung einer 5-Dollar-Note der Catskill Bank wurde ein Puma abgebildet. Diese Geldscheine werden als „wildcat note“ bezeichnet. [7] vgl. Reese/Fite (1973) S. 158–163 [8] vgl. Brands (1973), S. 9 [9] wikipedia.org/wiki/Sezessionskrieg (zul. aufgerufen am 21.03.2023) [10] vgl. Brands (1973), S. 10-14 [11] vgl. ebd. S. 2-25 [12] vgl. Nymoen/Schmitt (2022) [13] vgl. ebd. [14] vgl. ebd. [15] vgl. Martin, Albro: Economy from Reconstruction to 1914, in: Porter, Glenn (Hrsg.): Encyclopedia of American Economic History, Vol. 1, New York: Carl Scribner´s Sons, 1980, S. 91–110

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    Kreditscheine von Kreditgenossenschaften, Kaufhäusern und Banken in Deutschland Das kennen wir alle. Der Werbeprospekt des Möbelhauses winkt mit einem Super-Spar-Angebot für eine neue Küche – und naja, die eigene ist in die Jahre gekommen. Auch das teure E-Bike steht schon lange auf der Wunschliste … Aber auf dem Konto herrscht gerade wieder einmal Ebbe. Das ist doch kein Grund zu verzweifeln und auf die Anschaffung zu verzichten. Versprechen nicht die Banken, dass sie den Weg freimachen? Schließlich kann man doch sein Bankkonto überziehen, einen Bankkredit sogar Online aufnehmen, und dies ohne Schufa-Auskunft, wie die Werbung suggeriert. Der aufgenommene Konsumentenkredit lässt sich dann hoffentlich bequem in monatlichen Raten zurückzahlen. Zudem locken auch heute noch viele Händler beim Kauf mit der Möglichkeit der Ratenzahlung. Noch Anfang der 1960er Jahren erhielten in der Bundesrepublik viele Arbeitnehmer ihren Lohn bar ausgezahlt und nur die wenigsten von ihnen verfügten über ein Bankkonto, sieht man von dem obligatorischen Sparbuch ab. Auch damals wurden (größere) Anschaffungen durch Kredite finanziert. Jedoch unterscheidet sich das damalige Verfahren in wesentlichen Punkten von der heutigen Kreditabwicklung. Anstatt zu seiner Bank, ging man zu einer Kreditgenossenschaft und ließ sich dort einen Kredit geben, der jedoch nicht bar ausgezahlt wurde, sondern man erhielt ein Heft mit Kreditgutscheinen, die auf unterschiedliche D-Mark-Beträge lauteten. Mit diesen Gutscheinen konnte dann der Kreditnehmer seine Einkäufe in bestimmten Geschäften, die Vertragspartner der Kreditorganisation waren, bezahlen. Die Scheine tragen nur in Ausnahmefällen ein gedrucktes Datum. Häufig wurde das Ausgabedatum gestempelt, handschriftlich eingetragen oder perforiert. Ein Beispiel hierfür ist der Kundenkreditscheck über 5 DM der Pfälzischen Kunden-Kredit-Genossenschaft e.G.m.b.H., der im Dezember 1952 an den Kunden abgegeben wurde. Laut Aufdruck musste er innerhalb von 30 Tagen zum Kauf in den angeschlossenen Geschäften verwendet werden. Das am rechten Rand in Lochschrift – 16 1 1953 – angegebene Datum dürft das Ende der Gültigkeit angeben. Abb. 1.: Pfälzische Kunden-Kredit-Genossenschaft e.G.m.b.H., Dez. 1952, 5 DM Kundenkreditscheck, Vorderseite. Einseitiger Druck; Größe: 159 x 90 mm; weißes Papier mit schwachem Wasserzeichen Y-Muster. Vom Ende der 1950er-Jahre stammen die bei Giesecke & Devrient gedruckten Zahlungsanweisungen der Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg. Nach Ausstellung waren sie 90 Tage gültig. Hier wird das Ausstellungsdatum durch Lochschrift am unteren linken Rand angegeben. Abb. 2: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 26.5.59, 1 DM, Vorderseite. Abb. 3: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 4.4.59, 2 DM, Vorderseite. Abb. 4: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 23.3.59, 5 DM, Vorderseite. Abb. 5: Kunden-Kredit G.m.b.H. Nürnberg, 12.1.59, 20 DM, Vorderseite. Einseitiger Druck; Größe: 150 x 65 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. „Das Verfahren [dieser Kreditgewährung] scheint sehr erfolgreich angewendet worden zu sein, denn aus der Nachkriegszeit kennen wir eine beträchtliche Anzahl von Kreditorganisationen und Teilzahlungsbanken, die dieses Verfahren praktizierten. Auch große Handelshäuser und Kaufhausketten beteiligten sich an diesem Geschäft, wobei bei diesen die Einkaufsmöglichkeiten natürlich auf Häuser der jeweiligen Kette beschränkt waren.“[1] Weit verbreitet waren die Wertscheine der DeFaKa. Die Deutsche Familien-Kaufhaus GmbH war eine seit den 1920er-Jahren bestehende Warenhauskette mit Schwerpunkt Textilien. Das Unternehmen wurde 1924 vom Hamburger Kaufmann Emil Köster als „Emil Köster Textil AG“ gegründet. Sie übernahm die „Gemeinnützige Beamtenversorgungs-GmbH“. Beide Unternehmen boten Beamten die Möglichkeit, ihre Einkäufe in Raten zu bezahlen. Was war näherliegend, als beide Unternehmen zum „Deutschen Familienkaufhaus“ (DeFaKa) zu verschmelzen. Jakob Michael, dem unter anderem die Berliner „Industrie- und Privatbank“ gehörte, übernahm die Kapitalmehrheit. Er wanderte bereits 1932 in die USA aus. Da er die Kaufhauskette in die von ihm gegründete „New Jersey Industries Co. Inc.“ einbrachte, entgingen die 21 Filialen der DeFaKa als US-Firma der Arisierung. 1954 verkaufte Michael die DeFaKa-Kaufhäuser für 60 Millionen DM an die Helmut Horten GmbH. Durch diesen Zukauf wuchs die Zahl der Horten-Niederlassungen um 19 Häuser. Die DeFaKa wurde als Zweitmarke mit der Marke Köster (nur in Wiesbaden) für Kaufhäuser ohne Vollsortiment weiterverwendet, während die Vollsortiment-Warenhäuser unter der Marke Horten und MERKUR betrieben wurden. In den 1970er Jahren wurden auch die DeFaKa-Filialen in Horten umbenannt. [2] Die DeFaKa machte sich als Pionier eines eigenen Kundenkredit-Systems einen Namen, das sich in der Nachkriegszeit bei der westdeutschen Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute. Abb. 6: DeFaKa, Deutsches Familienkaufhaus, Zweigniederlassung der Helmut Horten GmbH, Düsseldorf, o. D., 1 DM, Vorderseite. Einseitiger Druck; Größe: 105 x 75 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen „DEFAKA“; Druckerei: Giesecke & Devrient. Abb. 7: DeFaKa, Deutsches Familienkaufhaus, Zweigniederlassung der Helmut Horten GmbH, Düsseldorf, o. D., 20 DM, Vorderseite; keine Angabe der Druckerei. Einseitiger Druck; Größe: 107 x 73 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen mit DEFAKA im Rahmen; Trockenstempel. Abb. 8.1/2: Aufbewahrungsmappe für DEFAKA-Wertscheine, Vorder- und Rückseite, Größe: 105 x 75 mm. War die Gestaltung und der Druck der bisher vorgestellten Scheine eher einfach, so sind die Wertscheine der Kaufhauskette „Hertie/KaDeWe/Alsterhaus/Held/KFA“ wertpapiermäßig ausgeführt. Die renommierte Wertpapierdruckerei Giesecke & Devrient lieferte Scheine, die mit den damals neuesten Sicherheitsmerkmalen versehen waren. Zur Ausgabe gelangten mehrere Ausführungen. Abb. 9.1/2: Hertie/KaDeWe – Alsterhaus – Held/KFA, o. D., 5 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 147 x 72 mm; weißes Papier ohne Wasserzeichen. Abb. 10.1/2: Hertie/KaDeWe/Alsterhaus, o. D., 20 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 145 x 72 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. Abb. 11.1/2: Hertie – KaDeWe – Alsterhaus – Wertheim, o. D., 20 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 135 x 73 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. „Die Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH war bis zur Übernahme durch Karstadt 1994 einer der führenden Warenhauskonzerne in Deutschland. Die Konzernzentrale befand sich zuletzt in der Herriotstraße 4, heute Campus Tower, in Frankfurt am Main. Die Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH betrieb rund 115 Warenhäuser unter den Namen Hertie, Wertheim, Alsterhaus und KaDeWe sowie rund 35 Bilka-Warenhäuser. Daneben gehörten zu Hertie die Restaurant-Kette Le Buffet, die Elektronik-Fachmärkte Schaulandt, Schürmann und WOM (World of Music) sowie die Bekleidungs-Märkte Wehmeyer.“[3] Die Anfänge des Unternehmens gehen auf Oskar Tietz zurück, der am 1. März 1882 mit dem Kapital seines Onkels Hermann Tietz ein Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und Wollwarengeschäft in Gera eröffnete. Die Hermann Tietz OHG wuchs schnell und es folgten Filialen in Weimar, Bamberg, München und Hamburg. 1900 wurde der Firmensitz nach Berlin verlegt. Nach und nach eröffnete das Unternehmen in der Reichshauptstadt zehn Warenhäuser. In Hamburg folgte 1912 das „Warenhaus Hermann Tietz“ (seit 1935 Alsterhaus) am Jungfernstieg. Die Hermann Tietz OHG konzentrierte seine Aktivitäten auf den Süden und Osten des Deutschen Reichs, währen Oscars Bruder, Leonard Tietz die gleichnamige Aktiengesellschaft gründete, die Filialen im Westen Deutschlands und in Belgien betrieb und ab 1933/34 als Westdeutsche Kaufhof AG, vorm. Leonhard Tietz firmierte. Ende 1926 übernahm die Hermann Tietz OHG das Berliner Kaufhausunternehmens A. Jandorf & Co., zu der das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) gehörte. Die Weltwirtschafskrise setzte auch den Warenhäusern zu. Vor allem Arbeiter und einfache Angestellte mussten einen massiven Kaufkraftschwund hinnehmen. Bei Tietz ging der Umsatz kontinuierlich zurück. Bankkredite überbrückten die Durststrecke. Bereits kurze Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging man daran, Unternehmen jüdischer Eigentümer zu "arisieren". Ein Bankenkonsortium aus Dresdner Bank, Deutscher Bank und Disconto-Gesellschaft, Bankhaus Hardy und anderen Gläubigern begann in Absprache mit dem Reichswirtschaftsministerium mit der schrittweisen Enteignung der Familie Tietz. Am 24. Juli 1933 gründeten die Gläubigerbanken die Hertie Kaufhaus-Beteiligungs-Gesellschaft m.b.H. [Hertie = Kurzform für Hermann Tietz]. Am 18. August 1934 erzwang das Bankenkonsortium das Ausscheiden aller Gesellschafter der Familie Tietz. Vorausgegangen war die Drohung der Banken, die Kredite zu kündigen. Das Firmenvermögen wurde mit lächerlichen 21,5 Millionen Reichsmark angesetzt, von dem die Familie gerade einmal 1,5 Millionen Reichsmark erhielt. In den folgenden Jahren kaufte Georg Karg – vormals Textil-Abteilungsleiter der Hermann Tietz OHG und Gesellschafter mit einer Einlage von 50.000 Reichsmark – die Anteile der Banken an der Hertie GmbH. 1948 öffnete Hertie in München, Stuttgart und Karlsruhe wieder die Kaufhaustüren. 1950 wurde das KaDeWe in Berlin wiedereröffnet. Beim Tod des Eigentümers Georg Karg 1972 bestand die Warenhausgruppe aus 72 Hertie-Warenhäusern und 29 Bilka-Kaufhäusern. 1993 gingen die Geschäfte in den Besitz von Karstadt über. Auch die folgenden Wertscheine sind aufwendig gedruckt. Die Gebrüder Borst erteilten der Münchner Druckerei R. Oldenbourg den Auftrag zu ihrer Herstellung. Abb.12.1/2: Bieberhaus Gebr. Borst, Frankfurt und Offenbach, o. D., 1 DM, Vorder- und Rückseite. Abb.13.1/2: Bieberhaus Gebr. Borst, Frankfurt und Offenbach, o. D., 10 DM, Vorder- und Rückseite. Größe: 145 x 75 mm; weißes Papier mit Wasserzeichen. Die Borst-Brüder hatten 1961 in Offenbach das Elektro-Kaufhaus in der „Bieberer Straße“ eröffnet. Dies war der Grund, warum sie das Unternehmen Bieberhaus nannten. Bald folgte ein Geschäft am hintersten Ende der Zeil in Frankfurt. Hier lockte der Elektro-Discounter mit aggressiver Preispolitik und neuesten Hifi-Geräten die Kunden an. Das Bieberhaus war in den 1960er Jahren die erste Adresse für weniger betuchte Käufer. In dieser Zeit entstanden auch die Wertscheine. Um auch Rheinhessen und das Mainzer Hinterland bedienen zu können, wurde 1972 eine Filiale in Mainz eingerichtet. Der erwartete Umsatz blieb allerdings aus, sodass das Unternehmen in finanzielle Schieflage geriet und 1976 Konkurs anmelden musste. Wie das letzte Beispiel zeigt, gewährten auch kleinere Unternehmen Kredit an ihre Kunden, indem sie diesen in Form von Wertscheinen einräumten. Das Haushaltswarengeschäft J. G. Reichwald in Siegen gab Kunden einen Warenkredit in Höhe von 100 DM. Der Kunde erhielt eine Waren-Kredit-Karte, die 14 Kredit-Marken-Abschnitte enthielt, und zwar drei zu 20 DM, jeweils zwei zu 10 DM und 5 DM, drei zu 2 DM und vier zu 1 DM. Bei jedem Einkauf trennte die Kassiererin Wertmarken in Höhe des Kaufpreises ab. Pfennigbeträge mussten vom Kunden bar gezahlt werden. Abb. 14.1/2: J. G. Reichwald, Siegen, o. D., 100 DM, Waren-Kredit-Karte, Vorder- und Rückseite, Druck auf rosa Karton. Mit steigender Zahl von Bankkonten-Inhabern und der Rationalisierung der Arbeiten in den Banken durch den Einzug der EDV, änderte sich auch die Kreditabwicklung, sodass das bisherige Verfahren völlig verschwand. In der DDR gab es ein ähnliches Verfahren. Dem Kreditnehmer wurde z. B. von seiner Sparkasse ein Kreditkaufbrief ausgehändigt, in dem auf der Rückseite so lange die Einkäufe eingetragen wurden, bis der Kreditbetrag aufgebraucht war. Abb. 15.1: Unausgefüllter Kreditkaufbrief der Sparkasse der Stadt Berlin, Vorder- und Rückseite. Größe: 147 x 113 mm; bräunliches Papier ohne Wasserzeichen. Die Kreditwertscheine erinnern heute an eine untergegangene Warenhauskultur sowie an ein fast vergessenes Kapitel der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Kai Lindman, Kreditscheine von Banken, Kreditgenossenschaften und Kaufhäusern in Deutschland 1933 – 1975, Sassenburg 2010, S. 3. [2] DeFaKa, (27.03.2023) [3] Hertie Waren- und Kaufhaus, (27.03.2023)

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