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  • Das Lagergeld des Konzentrationslagers Oranienburg von 1933

    Bei der 139. Teutoburger Münzauktion wurde im September 2021 ein kompletter Satz des seltenen Lagergelds des Konzentrationslagers Oranienburg für 400 Euro ausgerufen und mit beachtlichen 3.400 Euro + 20% Aufgeld, also insgesamt für über 4.000 Euro, zugeschlagen. Grund genug, um sich etwas näher mit diesen Scheinen zu beschäftigen, sind sie doch darüber hinaus auch noch die frühesten Lagergeldscheine eines der ersten deutschen Konzentrationslager überhaupt. KL Oranienburg, von SA-Männern bewachtes Lagertor (Toreinfahrt einer ehemaligen Brauerei). (Foto: Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Zur Geschichte des Lagers Das am „Tag von Potsdam“, dem 21. März 1933, auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei mitten in der unweit von Berlin gelegenen märkischen Kleinstadt Oranienburg durch die SA (Sturmbann III der Standarte 208) eingerichtete Konzentrationslager war eines der ersten deutschen Konzentrationslager (KL) überhaupt, die nach der „Machtergreifung“ der National-sozialisten in der Folge des Reichstagsbrands und der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933 als „Schutzhaftlager“ eingerichtet wurden. Das Firmengelände und die Gebäude hatte eine Berliner Bank der SA kostenlos zur Verfügung gestellt.1) Die ersten 40 Gefangenen waren von der SA willkürlich im Kreis Niederbarnim verhaftet worden, ohne dass maßgebliche Stellen in Berlin verständigt worden waren. Schon wenige Tage später wurde das „wilde Lager“2) durch die SA der Aufsicht des Potsdamer Regierungspräsidenten unterstellt. Gleichzeitig bot die SA staatlichen und kommunalen Behörden die Einweisung von „Schutzhäftlingen“ an. Einweisungen erfolgten durch Polizei, Parteistellen und Kommunen.3) KL Oranienburg, Appell mit prominenten Gefangenen. (Fotoarchiv des Verlags, aus „Unser Jahrhundert im Bild“) Zu den inhaftierten Gefangenen zählten Regimegegner aller politischen Richtungen, neben Kommunisten und Sozialdemokraten sogar Mitglieder der Deutsch-Nationalen Volkspartei, die zu dieser Zeit mit Hitler regierte, sowie Angehörige des „Stahlhelms“.4) Auf der gezeigten Abbildung (oben) sind in Zivilkleidung von links nach rechts der Vorsitzende der SPD-Fraktion im preußischen Landtag Ernst Heilmann, der Sohn des ehemaligen Reichspräsidenten und Reichsbannerführer Fritz Ebert, der Sekretär des SPD-Vorstands in Berlin Adolf Braun, der Ministerialrat a. D. Heinrich Giesecke vom Rundfunk, der Direktor der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft Dr. Kurt Magnus sowie der Intendant und Sprecher der „Berliner Funkstunde“ Dr. Hans Flesch zu sehen.5) Die öffentliche Wahrnehmung des Lagers, nicht zuletzt auch durch Berichte in der Lokalpresse, war von den Nationalsozialisten erwünscht. Die vorübergehende Inhaftierung politischer Gegner sollte schließlich als dauerhafte Warnung dienen, deren physische Vernichtung in Konzentrationslagern wurde zu jener Zeit hingegen noch nicht in Betracht gezogen.6) Zu den Lebensumständen der Häftlinge im KL Oranienburg äußerte sich ein politischer Gefangener in einem Hilferuf, der durch einen Korrespondenten der niederländischen Zeitung Nieuwe Rotterdamsche Courant im September 1933 übermittelt wurde, u.a.: „Wir – seit Mitte März gefangen … Alle Berichte inkl. Interviews unwahr wegen Angst vor Strafe. Verhöre fast immer nach Haft ohne Licht und mit dem Gummiknüppel. … Hier bisher drei Tote … In ehemaligen Lagerhäusern Brauerei. Alles feucht, verschimmelte Strohsäcke, Grippe, Halsentzündung, Rheuma … Juden geht es bei weitem am schlechtesten, werden fast alle beim Transport verprügelt.“7) Durchschnittlich waren die Gefangenen zwei bis drei Monate in Oranienburg inhaftiert, einige wurden bereits nach kurzer Zeit entlassen, andere blieben über ein Jahr in „Schutzhaft“. Die meisten Gefangenen kamen aus dem Kreis Niederbarnim und Berlin, im September und Oktober 1933 trafen aber auch Häftlinge aus anderen Lagern (Börgermoor, Lichtenburg und Sonnenburg) in Oranienburg ein.8) KL Oranienburg, „Schutzhäftlinge“ müssen im Hof der ehemaligen Brauerei antreten. (Aufnahme aus „Deutsche Chronik 1933 – 1945“) Nach dem sog. „Röhmputsch“ und der Entmachtung der SA übernahm die SS am 4. Juli 1934 das Konzentrationslager Oranienburg. Im Juli 1934 waren SS-Wachmannschaften aus Dachau und Ellwangen eingesetzt. Bis Ende Juli 1934 wurde das Lager dann geschlossen. Es wurde zwar noch fast ein Jahr als „Reservelager“ geführt, aber nicht mehr genutzt.9) In den 15 Monaten, in denen das Konzentrationslager Oranienburg bestand, wurden insgesamt etwa 3000 Häftlinge hier festgehalten, darunter drei Frauen. Mindestens 16 Häftlinge kamen ums Leben, darunter der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam, der angeblich Selbstmord beging.10) Von den frühen Konzentrationslagern sollte nur Dachau bis zum Ende des „Dritten Reichs“ bestehen bleiben und als „Musterlager“ eine besondere Rolle einnehmen. Durch die Schließung des Konzentrationslagers Oranienburg war für die Bewohner der märkischen Kleinstadt jedoch die Nachbarschaft mit dem Terror nicht beendet. Im Sommer 1936 wurde im Oranienburger Stadtteil Sachsenhausen ein neues Lager gegründet, und die Inspektion der Konzentrationslager (IKL) leitete von Oranienburg aus das gesamte Lagersystem im Deutschen Reich.11) Das Lagergeld des KL Oranienburg Eine Besonderheit des frühen Konzentrationslagers Oranienburg ist dessen Lagergeld, das bis heute in seiner grafischen Gestaltung als eindrucksvollstes geldgeschichtliches Zeugnis aus der Zeit der deutschen Konzentrationslager anzusehen ist. Eingeführt wurde es im Juli 1933 durch die SA-Lagerleitung, um darüber einen Deckungsbeitrag zu den Unterhaltskosten einzuziehen und um die Fluchtgefahr durch den Entzug gültiger Zahlungsmittel zu verringern. Anfänglich mussten die einweisenden Stellen (z.B. Behörden oder Kommunen) die Unterhalts-kosten für die durch sie eingewiesenen Häftlinge selbst übernehmen. Laut Anordnung des Regierungspräsidenten in Potsdam vom 24. Juni 1933 beliefen sich diese pro Häftling und Tag auf 1,50 RM. Ab 1. August 1933 übernahm dann das Polizeipräsidium in Potsdam die Kosten für Unterbringung und Verpflegung der Häftlinge im Konzentrationslager Oranienburg. Wahrscheinlich wollte man damit auch verhindern, dass Einweisungen aufgrund „finanzieller Belastungen“ vermieden würden. In der Verfügung der Lagerverwaltung zur Einführung des Lagergelds war festgelegt, dass alle Häftlinge ihr mitgeführtes Bargeld abzuliefern hatten. Davon wurden 30% für das Lager einbehalten, der Rest wurde in Lagergeld ausgezahlt. Bei Überweisungen von Geldbeträgen an Häftlinge wurde in gleicher Art und Weise verfahren. Annahmen, die das Lagergeld im Zusammenhang mit Propagandazwecken oder gar einer persönlichen Bereicherung von SA-Führern sehen, sind mehr als fraglich. KL Oranienburg, Gutschein über 5 Pfg mit demKünstlerzeichen „Lit“ rechts unten, Detailansicht. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Es ist davon auszugehen, dass die Entwürfe für das Oranienburger Lagergeld von dem Rathe-nower Maler, Bildhauer und Notgeldkünstler Willi Horst Lippert stammen. Bereits in einer 1933 in Karlsbad erschienenen Broschüre mit dem Titel „Oranienburg“ hatte der ehemalige SPD-Reichstagsabgeordnete Gerhard Seeger, dem nach sechsmonatiger Haft die Flucht aus Oranienburg ins Ausland gelungen war, berichtet, dass die Geldscheine von einem Häftling des Lagers entworfen worden seien, der aus Rathenow im Bezirk Potsdam stammte und Grafiker war. Die Oranienburger Scheine tragen das Künstlerzeichen „Lit“, es könnte also aus den beiden Anfangs- und dem Endbuchstaben des Künstlernamens Lippert bestehen. Rathenow, Serienschein über 75 Pfennig ohne Datum (1921), beidseitig mit Künstlermonogramm WHL für Willi Horst Lippert. Dass es sich bei dem Künstler um Willi Horst Lippert handeln dürfte, ist wahrscheinlich, zumal im Sommer 1933 ein „Lippert, Willi“ in Oranienburg inhaftiert war. Der 1898 in Rathenow geborene Künstler, der seit seiner „Wandervogelzeit“ nur noch „Horsa“ genannt wurde, hatte in der Inflationszeit bereits sog. „Serienscheine“ entworfen und damit zum Teil sein Studium an der Kunstakademie in Berlin finanziert. So findet sich sein Name „W. H. Lippert“ u.a. auf Serienscheinen aus Rathenow, Belgard, Gleiwitz und Stolp. Seine zweiwöchige „Schutzhaft“ im Konzentrationslager Oranienburg wurde später als „Versehen“ bezeichnet. Willi Horst Lippert ist am 13. November 1981 in Brunsbüttel gestorben. KL Oranienburg, Gutschein über 50 Pfg mit Reichsadler, SA-Posten und Stacheldraht. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Für die Gestaltung des Lagergelds verwendete der Künstler Motive aus dem Lagerleben, die so auf keinem anderen Lagergeld und keinen Prämienscheinen von Konzentrationslagern zu finden sind und überhaupt nur in dieser Zeit der „frühen Lager“ möglich waren. So zeigt der niedrigste Nennwert einen Stacheldrahtzaun und der höchste einen Gefangenen bei der Arbeit (die Häftlinge des KL Oranienburg wurden auch zu Arbeiten in kommunalem Auftrag herangezogen). Am eindringlichsten aber steht der 50-Pfennig-Schein in Farbe und Darstellung des Reichsadlers, zweier SA-Posten und von Stacheldraht für die Zeit und das Terror-System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. KL Oranienburg, Wasserzeichen „Hausmann-Wellen“ (Kurt Lehrke: Deutsche Wertpapierwasserzeichen, Nr. 42). (Bildarchiv des Verlags) Von welcher Firma das Lagergeld für Oranienburg gedruckt wurde, ist leider nicht dokumentiert. Vermutungen, es könne sich um die Reichsdruckerei in Berlin handeln, treffen wohl eher nicht zu. Die Reichsdruckerei verwendete kein Papier mit dem Wasserzeichen „Hausmann-Wellen“13), das zur Herstellung des Lagergelds benutzt wurde. Vielmehr gibt das Wasserzeichen selbst einen wichtigen Hinweis auf die mögliche Druckfirma. Dass es sich bei "Ad. H." nicht um Adolf Hitler, wie der eine oder andere bereits vermutet haben mag, handelt, lässt sich schon bei Keller in seinem Werk aus dem Jahr 1955 über die deutschen Wertpapier-wasserzeichen nachlesen. Keller schrieb: Hausmann-Wellen. Dieses Muster (helle parallele Wellenlinien) gleichen völlig den "Lippstadter Wellen" Nr. 40; nur sind hier zusätzlich ovale Schildchen mit den Buchstaben Ad. H. abwechselnd wagrecht oder senkrecht aufgelegt. Das Muster ist der Druckerei Ad. Hausmann in Berlin SW 68 geschützt, die auf ihm (und einigen freien Mustern) eine besondere Gruppe von Industrie-Kleingeldscheinen gedruckt hat […] Eine moderne Form dieses Musters in Hell und Dunkel mit achteckigen Schildchen, abwechselnd wagrecht oder senkrecht, kommt bei den Scheinen des Konzentrationslagers Oranienburg (1933) vor. Die Firma Ad. Hausmann aus Berlin hatte Notgeldscheine für verschiedene Firmen gedruckt, darunter Kleingeldscheine für die Chininfabrik Zimmer in Frankfurt am Main, für die Firma Seiffert in Berlin und Emden, für das Kaufhaus Hartung in Berlin-Lichtenberg, für die Zellstoff-Fabrik Oberleschen, für die Marienhütte in Kotzenau und Mallmitz in Schlesien, für die Grube Ilse, die Grube Golpa und die Rositzer Zuckerraffinerie sowie 1922er Inflationsscheine für die Braunkohlen-Industrie Berlin und die Niederlausitzer Kohlenwerke. Man kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass die Lagergeldscheine für Oranienburg ebenfalls in dieser Berliner Druckerei hergestellt worden sind, Unbekannt sind auch die Auflagezahlen der Gutscheine. In Anbetracht der Häftlingsbelegung (die höchste Belegung war im August 1933 mit knapp über 900 Häftlingen erreicht), dürfte nur eine Auflage von wenigen Tausend Stück je Nennwert gedruckt worden sein. KL Oranienburg, Brief der Hauptverwaltung zur Überlassung von zwei Serien Lagergeld. (Sammlung Tom Warburton) Die Gültigkeit der „Gutscheine“ war auf das Lager beschränkt. Sie sind wahrscheinlich bis zur Schließung im Juli 1934 umgelaufen und haben danach ihre Gültigkeit verloren.12) Interessant ist, dass die Hauptverwaltung des Konzentrationslagers Oranienburg seinerzeit schon Lagergeld zu „Sammlerzwecken“ überlassen hat. Als Beleg hierzu führen Ray und Steve Feller in ihrem Buch „Silent Witnesses“ das oben abgebildete Schreiben vom 30. Dezember 1933 an.14) Wie der handschriftliche Vermerk samt Signatur des Empfängers aber zeigt, wurde damals ein Satz der zwei zugesandten Serien einem Museum in Buch (später Teil von Pankow im Norden Berlins und unweit von Oranienburg gelegen) überlassen. Es handelt sich hierbei übrigens um den wahrscheinlich einzigen bekannten Beleg aus einem Konzentrationslager, der die Abgabe von Lagergeld bzw. Prämienscheinen an Privatpersonen dokumentiert. Auch dieser Vorgang war wohl nur in der Zeit der „frühen Lager“ möglich, bedenkt man allein die Geheimhaltung, der selbst die Prämienverordnung der SS unterlag. Moderne Fälschung mit bildgleicher Vorder- und Rückseite und Druck in Schwarz. Ausgehend von der niedrigen Auflage und der heutigen Seltenheit des Oranienburger Lagergelds sind leider auch moderne Fälschungen bekannt geworden. Wegen seiner besonderen Gestaltung und der hieraus resultierenden „Beliebtheit“ bei Sammlern wurde der 50-Pfennig-Schein zum bevorzugten Objekt für Fälscher. Die Gutscheine von 1933 Alle Scheine mit Wasserzeichen Hausmann-Wellen, mit Unterschriften des Standardenführers, des Lagerkommandanten und des Kassenführers sowie ohne Datum. Der 5-Pfennig-Schein zeigt auf der Rückseite eine Baracke und den Lagerzaun. Das Format beträgt ca. 95 x 70 mm. Der Druck ist Grün oder Dunkelgrün. Der 10-Pfennig-Schein ist ebenfalls ca. 95 x 70 mm groß und zeigt auf der Rückseite das Gebäude der ehemaligen Brauerei und eine Banderole mit Wappen (links Oranienburg, rechts Swastika). Druck erfolgte in Blau oder Dunkelblau. Der 50-Pfennig-Schein ist ca. 140 x 95 mm groß. Die Rückseite zeigt links und rechts SA-Posten, mittig Reichsadler und Stacheldraht. Druck in Braun oder Dunkelbraun. Für den 50-Pfennig-Schein werden bei Feller/Feller zwei Varianten angegeben: a) mit „Konzentrationslagers“ und b) mit „Konzentrationslayers“. Die zweite „Variante“ resultiert aus einem Plattenfehler und war nicht beabsichtigt. Durch braune Farbe am oberen Ende des „g“ (siehe den abgebildeten Schein) wurde der Buchstabe unterbrochen und es entsteht der Eindruck, als handle es sich um ein „y“. Der 1-Mark-Schein ist ebenfalls 140 x 95 mm groß. Er zeigt auf der Rückseite einen Häftling mit Spaten bei der Arbeit. Der Druck erfolgte in Schwarzbraun oder Rotbraun. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung Das Lagergeld sämtlicher Konzentrationslager und Gettos sowie die historischen Zusammenhänge, die zu dessen Ausgabe führten, finden Sie in meinem nachfolgenden Buch: Hans-Ludwig Grabowski Das Geld des Terrors Geld und Geldersatz in deutschen Konzentrationslagern und Gettos 1933 bis 1945. Mit Dokumenten aus der Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Verlag: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-040-9 Auflage: 1. Auflage 2008 Abbildungen: durchgehend farbige Abbildungen Hardcover: 456 Seiten Format: 17 x 24 cm Preis: 19,90 Euro Mehr lesen … Anmerkungen Bernward Dörner, Oranienburg, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, S. 177 – 178, sowie: Erich Vormberg, Lagergeldscheine des Konzentrationslagers Oranienburg 1933/1934, in: Der Geldscheinsammler, Ausgabe 7/1993, S. 5. Ausgehend von den anfangs fehlenden „Rechtsgrundlagen“ zur Errichtung von Konzentrationslagern, werden die willkürlich und oftmals planlos durch die SA eingerichteten frühen Konzentrationslager auch als „wilde Lager“ ­bezeichnet. Bernward Dörner, Oranienburg, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, S. 178. Erich Vormberg, Lagergeldscheine des Konzentrationslagers Oranienburg 1933/1934, in: Der Geldscheinsammler, Ausgabe 7/1993, S. 5 – 6. Bernward Dörner, Oranienburg, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, S. 179, sowie: Erich Vormberg, Lagergeldscheine des Konzentrationslagers Oranienburg 1933/1934, in: Der Geldscheinsammler, Ausgabe 7/1993, S. 6. Siehe Anmerkung 3). Siehe Anmerkung 3). Siehe Anmerkung 3). Siehe Anmerkung 3). Siehe Anmerkung 3). Siehe Anmerkung 3). Erich Vormberg, Lagergeldscheine des Konzentrationslagers Oranienburg 1933/1934, in: Der Geldscheinsammler, Ausgabe 7/1993, S. 5 – 9., sowie: Wilhelm Marquardt, Das Lagergeld des Konzentrationslagers Oranienburg, in: Kulturbund der DDR, Gesellschaft für Heimatgeschichte, Bezirksfachausschuß Numismatik Leipzig (Hrsg.), Numismatisches Jahrbuch – Arbeitskreis Notgeld 1982, sowie: Wilhelm Marquardt, Weitere Erkenntnisse zum Bericht „Lagergeld im Konzentrationslager Oranienburg“, in: Kulturbund der DDR, Gesellschaft für Heimatgeschichte, Zentraler Fachausschuß Numismatik (Hrsg.), Numismatische Hefte 28/1985, sowie: Albert Pick/Carl Siemsen, Das Lagergeld der Konzentrationslager und D.P.-Lager 1933 – 1947, S. 18 – 19. Kurt Lehrke, Deutsche Wertpapierwasserzeichen, Abbildungen, Tafel 2. Ray Feller/Steve Feller, Silent Witnesses: Civilian Camp Money of World War II, S. 24.

  • Grün-weiß-rote Fahne über Montabaur

    Anmerkungen zu einer Papiergeldausgabe der Separatisten Am 21. Oktober 1923 stürmten Bewaffnete das Rathaus in Aachen. Ihr Anführer, der Industrielle Leo Decker, rief mit Rückendeckung der belgischen Besatzer die Rheinische Republik aus. Dies löste in Aachen Tumulte aus und es kam zu Straßenkämpfen. Auch in Duisburg, Jülich, Mönchengladbach, Bonn, Wiesbaden, Mainz und anderen Städten ergriffen die Sonderbündler (Separatisten) die Initiative. Separatisten der sog. "Rheinischen Republik" am 22. November 1923 vor dem Koblenzer Schloss, mittig mit französischem Barett "Ministerpräsident" Matthes. Abb. Library of Congress (ID ggbain.15993). Dorten, der führende Vertreter der Bewegung, besetzte mit Gleichgesinnten am 23. Oktober das Koblenzer Schloss. Eine Regierung wurde gebildet und Joseph Friedrich Matthes [* 10. Februar 1886 in Würzburg; † 9. Oktober 1943 im Konzentrationslager Dachau] zum „Ministerpräsident“ bestimmt. Der französische Hochkommissar und Präsident der Rheinlandkommission, Paul Tirard [* 2. Juni 1879 in Nogent-le-Rotrou; † 23. Dezember 1945], erkannte die Herrschaft der Separatisten am 26. Oktober als legitime Regierung des Rheinlands an, obwohl sich ihre Macht im Wesentlichen auf die französischen Bajonette stützte. Flagge der separatistischen "Rheinischen Republik". In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober erreichte ein mit Sonderbündlern besetztes Auto Montabaur. „Ein Trupp Montabaurer, der wegen zu erwartender Ereignisse auf der Straße weilte, nahm sich ihrer warm an. Mit der Drohung: ‚Ihr werdet bald von uns hören,‘ fuhren sie nach der kleinen Auseinandersetzung nach Koblenz ab.“[1] Am gleichen Tag, einem Sonntag, verhängte die französische Besatzungsbehörde eine Verkehrssperre von 20 Uhr bis zum nächsten Morgen 6 Uhr für den Bereich der Stadt [Montabaur]. Kurz nach 5 Uhr fuhr ein Lastwagen aus Koblenz am „Großen Markt“ vor. Unter dem Schutz französischer Soldaten besetzten die Ankömmlinge das Rathaus und hissten als Zeichen ihrer Machtergreifung sofort die grün-weiß-rote Flagge. Gegen 6 Uhr stürmten etwa 30 Separatisten auch das Schloss, den Sitz des Landratsamtes. Bürger, die diese Aktion verhindern wollten, wurden durch Warnschüsse einer französischen Patrouille vertrieben. Folglich wies Landrat Mock seine Beamten und Angestellte sowie den Kreisausschuss an, in Eschelbach ein provisorisches Landratsamt einzurichten. In der Zwischenzeit machte der Stadtkommandant der Separatisten bekannt, dass er den Landrat und seine Mitarbeiter verhaften und ausweisen lassen würde, wenn sie nicht bis 4 Uhr nachmittags ihren Dienstbetrieb wieder in Montabaur aufnehmen. Dieses Ansinnen wurde von den Betroffenen einmütig zurückgewiesen. Abb. Wikipedia (gemeinfrei). „Inzwischen war bei der Kreisbevölkerung die erfolgte Besetzung Montabaurs durch die Separatisten bekannt geworden. Tausende von Einwohnern des Kreises hatten sich rings um die Stadt herum angesammelt, mit der Absicht, die Separatisten gewaltsam wieder zu vertreiben.“ [2] Im Auftrag der Kreisverwaltung, der Gewerkschaften und der Behörden wurde daher eine Abordnung beim französischen Kreisdelegierten vorstellig. Dieser erklärte jedoch, dass die „rheinische Regierung“ von der Rheinlandkommission anerkannt sei; „er habe Weisung, die Herrschaft der Separatisten mit Waffengewalt zu schützen und werde gegen jeden Angriff unsererseits auf die Separatisten rücksichtslos seine Truppen mit der Waffe vorgehen lassen.“ Daraufhin sprach sich der Landrat dagegen aus, „Tausende gegen die französischen Maschinengewehre anrennen zu lassen,“ sodass sich die versammelten Kreisbewohner wieder in ihre Heimatort begaben. Obwohl die Franzosen Wachen zum Schutz der Sonderbündler abstellten, kam es am Mittwoch, den 31. Oktober um 17 Uhr zu einem „meuchelmörderischen Anschlag“ auf den separatistischen Stadtkommandanten Josef Bauslig. Der separatistische Landrat Lurz, machte daraufhin bekannt, dass er in Zukunft derartige Vorkommnisse in rücksichtsloser Strenge ahnden werde. Für jeden seiner Leute, welche Opfer eines derartigen Anschlags würden, ließe er drei der angesehensten Bürger auslosen und standrechtlich erschießen, im Übrigen befänden sich noch fünf Gefangene in seiner Hand, die mit ihrem Leben für die Sicherheit bürgen würden. Ferner verhängte er gegenüber der Stadt Montabaur eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Francs.[3] Die Separatisten übten „eine Willkürherrschaft schlimmster Art in der Stadt Montabaur“ aus, so der Landrat in seinem Bericht. „Requisitionen und Beschlagnahmungen von Privateigentum waren an der Tagesordnung, massenweise erfolgten Verhaftungen von Bürgern, die jedoch der Kreisdelegierte wieder rückgängig machte. Fast in jeder Nacht wurden Einbrüche in Geschäftshäusern verübt, und beträchtliche Mengen Waren aller Art von den Separatisten gestohlen.“ Da dem Landrat Eschelbach nicht mehr sicher genug erschien, und mittlerweile auf seinen Kopf eine Belohnung von einigen Hundert Billionen Mark ausgesetzt war, verlegte er am Mittwoch den Sitz des Landratsamtes nach Dernbach. Am Samstag, den 3. November, trafen Mock und der französische Kreisdelegierte zu einem Gedankenaustausch zusammen, bei dem es um die Frage ging, „wie er sich verhalten würde, wenn die Separatisten außerhalb Montabaurs im Betreffungsfalle von uns unschädlich gemacht würden.“ Der Kreisdelegierte erklärte, dass es ihn nichts angehe, was außerhalb Montabaur geschehe, solange keine französischen Truppen beteiligt seien. Am Abend des gleichen Tages versammelte sich eine große Anzahl teils bewaffneter junger Männer aus Montabaur und den näher gelegenen Orten vor dem Stadtwald auf der Straße nach Koblenz. Hier wollte man den Separatisten auflauern, denn nach Gerüchten wollten die Sonderbündler wieder abrücken. Tatsächlich erschien gegen 22 Uhr ein Lastwagen, der mit acht bis zehn Personen besetzt war. Es kam zu einem Schusswechsel zwischen der Bürgerwehr und den Separatisten, bei dem ein Arbeiter aus Niederelbert durch Schrotkugeln schwer verletzt wurde. Den Separatisten gelang es, mit dem Fahrzeug Richtung Bad Ems zu entkommen. Am nächsten Tag hieß es, dass die Separatisten zwei Tote sowie einen Verletzten zu beklagen hätten. Einige Stunden später stoppten die jungen Burschen an gleicher Stelle mittels eines über die Straße gespannten Drahtseils einen Personenwagen, in dem der separatistische „Landrat“ Lurz in Richtung Koblenz unterwegs war. „Nachdem er windelweich geprügelt war, wurde er dem Landjäger Grunewald in Untershausen in Schutzhaft übergeben. Die anderen Insassen des Wagens waren im Schutz der Dunkelheit entkommen.“ Als Antwort auf diese Tat verhängte der französische Kreisdelegierte am nächsten Tag den verschärften Belagerungszustand über den Bereich der Stadt Montabaur von abends 19 bis morgens 7 Uhr, der so bis zum 16. November andauerte. Ferner verlangte er die sofortige Auslieferung von Lurz, andernfalls würde er zehn angesehene Bürger der Stadt als Geiseln verhaften. Notgedrungen lieferte der Landjäger am Sonntagabend gegen 19 Uhr den arretierten „Landrat“ aus. Am Dienstag, den 6. November, wurde Lurz von den Franzosen aus der Stadt gebracht. An seine Stelle trat ein sog. Kreiskommissar, der angebliche Rektor a. D. Kosiol. Nach Angaben des Kreisdelegierten war dieser am Vortag vom separatistischen Stadtkommandanten in Bad Ems eingesetzt worden. Bereits am Samstagvormittag machte jedoch sein Nachfolger, ein vom Separatistenführer Matthes ernannter Bezirkskommissar, dem französischen Kreisdelegierten seine Aufwartung. Diese im Bericht nicht namentlich genannte Person wurde nach seinem Antrittsbesuch jedoch in der Stadt nicht mehr gesehen. Obwohl Kosiol nur wenige Tage in Montabaur residierte, hinterließ er Spuren: ein Notgeld, vor dessen Annahme Landrat Mock die Kreisbevölkerung durch Plakate warnte. Aufgrund des vorliegenden handschriftlich nummerierten Exemplars mit der Nummer 130 ist anzunehmen, dass die Auflagenhöhe sehr gering war. Der vorangestellte, gedruckte Buchstabe A lässt vermuten, dass weitere Nominale geplant waren. Pikanterweise emittierte der Kreisausschuss während der Separatistenzeit ebenfalls Kassenscheine. Sie datieren vom 10. Oktober 1923 und lauten über 100, 200, 300 und 500 Milliarden Mark sowie 1, 5 und 10 Billionen Mark. Für insgesamt 561.204,4 Billionen Mark wurde Notgeld ausgegeben, das sicherlich ebenso wenig gedeckt war, wie das Geld der Separatisten. Am 28. November 1923 stellte der Kreis die Ausgabe von Notgeld ein.[4] Die Scheine des Kreisausschusses sind wie die Separatistenausgabe nur einseitig bedruckt und das Papier ist ohne Wasserzeichen. Während die Notgeldscheine des Kreisausschusses wahrscheinlich in der Buchdruckerei W. Flöck in Montabaur gedruckt wurden, ist die Druckerei des Separatistenscheins unbekannt. Kassenschein des Unterwesterwaldkreises (Separatistenausgabe), 6. November 1923, 500 Milliarden Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt. Kassenschein des Unterwesterwaldkreises, 10. Oktober 1923, 1 Billion Mark, Vorderseite, ausgegeben ab 10. November 1923. Rückseite unbedruckt. Bereits am Montag, den 5. November 1923, zog der Landrat weiter und das Landratsamt nahm Sitz in Grenzhausen, wo der „Geschäftsbetrieb der staatlichen Abteilungen und des Kreisausschusses ordnungsgemäss und unbehelligt weiter[geführt wurden], während das Kreiswohlfahrtsamt und die Verteilungsstelle in Montabaur geblieben waren, da die von den Separatisten verschont geblieben waren.“ Am Nachmittag des 12. Novembers bat der französische Kreisdelegierte den Landrat zu einer Unterredung. Er verlangte von Mock sowie sämtlichen Beamten und Angestellten die sofortige Dienstaufnahme in Montabaur, „andernfalls er uns für vogelfrei erklären und die Wohnungen der Beamten beschlagnahmen lassen werde.“ Der Landrat wies darauf hin, „dass es für einen preußischen Staats- und Kommunalbeamten ausgeschlossen sei, die Separatisten anzuerkennen und unter ihrer Herrschaft zu arbeiten.“ Der Kreisdelegierte erklärte daraufhin, dass er nicht verlange, dass die Arbeit in dem bisherigen Dienstgebäude aufgenommen werde, er verlange lediglich, dass der Sitz der Verwaltung in Montabaur und damit wieder eine geregelte Verwaltung gewährleistet sei. Im Bericht des Landrates heißt es: „Nachdem er mir das Zugeständnis gemacht hatte, dass Verhaftungen, Requisitionen, Haussuchungen durch die Separatisten in Zukunft nur noch mit seiner Genehmigung erfolgen dürften, und für mich und meine Beamten und Angestellten die persönliche Sicherheit zugesichert hatte, erklärte ich mich bereit, den Dienstbetrieb des Landratsamtes in einem anderen Gebäude in Montabaur wieder aufzunehmen unter der Bedingung, dass die separatistischen Führer mir in keiner Weise etwas zu sagen hätten und dass auf keinen Fall eine Anerkennung der Separatisten nach irgend einer Richtung von uns verlangt würde.“ Bereits am folgenden Nachmittag nahm nach Zustimmung des Kreisausschusses das Landratsamt seine Arbeit in einem Gebäude am Rande der Stadt wieder auf. Damit schien wieder Ruhe in Montabaur eingekehrt zu sein, wenngleich die Sonderbündler noch in der Stadt waren. Wegen der Bestimmungen des Versailler "Vertrags" hatte die Reichsregierung keine Truppen ins entmilitarisierte Rheinland entsenden können. Den Putschisten schlug jedoch nicht nur in Montabaur der entschlossene Widerstand der Bevölkerungsmehrheit entgegen, sodass die belgische und französische Besatzungsmacht schon bald das Interesse an der Rheinischen Republik verlor. Aachen war bereits Anfang November wieder in reichsdeutscher Hand. Eine nationale Bürgerwehr schlug am 16. November in der Schlacht in Aegidienberg im Siebengebirge die Separatisten vernichtend.[5] Daraufhin brach der Separatistenstaat zusammen. Die Ereignisse spalteten die separatistische Koblenzer Führung und Matthes trat am 27. November von seinen „Ämtern“ zurück und begab sich nach Frankreich. In der Nacht vom 26. zum 27. November verließen die Sonderbündler im Schutz der Dunkelheit Montabaur.[6] „Die grün-weiß-rote Fahne wurde unter dem endlosen Jubel der Bevölkerung vom Rathaus und Schloss heruntergeholt und verbrannt. Die Separatistenherrschaft in Montabaur hatte ihr Ende gefunden.“[7] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Zitiert nach Walter Kalb, Montabaur im Weltkrieg 1914 bis 1918 und in der Besatzungszeit, Montabaur 1930, S. 46 f. Die Zitate werden in der heute gültigen Rechtschreibung wiedergegeben. [2] Die Ereignisse der nächsten Tage und Wochen schilderte der Landrat in einem Bericht an den Regierungspräsidenten in Frankfurt anschaulich. Betr.: Besetzung Montabaurs durch die Separatisten, ihre Bekämpfung und die augenblickliche Lage im Unterwesterwaldkreis vom 13. November 1923. H. HStA Wiesbaden, Abt. 405 Nr. 5289, Bl. 156 f. Alle nicht besonders gekennzeichneten Zitate stammen aus diesem Dokument. [3] Vgl. Walter Kalb, S. 48. [4] Vgl. H. HStA Wiesbaden, Abt. 405 Nr. 6101, Bl. 125 – 127. [5] Hierbei kamen 2 Einwohner und 14 Separatisten ums Leben. [6] In der Pfalz hielten sich die Separatisten noch bis Februar 1924. [7] Walter Kalb, S. 49.

  • Laos – Papiergeldgeschichte und Katalog, Teil 1: Freies Laos und Königreich

    Hans-Ludwig Grabowski WORLD PAPER MONEY Papiergeldgeschichte und Katalog Laos, Teil 1 Geschichte Laos war Teil der französischen Kolonie Indochina und stand nach dem deutschen Sieg über Frankreich im Zweiten Weltkrieg ab 1941 unter japanischer Besatzung. Nach dem Abzug der Japaner erklärte es am 12. Oktober 1945 seine Unabhängigkeit, wurde aber von französischen Truppen besetzt. Die Bewegung Lao Issara (Freie Lao) kämpfte für die Unabhängigkeit von Frankreich. Am 19. Juli 1949 folgte mit dem Französisch-Laotischen Vertrag die Autonomie innerhalb der Französischen Union und mit der Indochina-Konferenz und der Aufgabe aller französischen Ansprüche auf Indochina am 21. Juli 1954 die Unabhängigkeit als Königreich. Während des Vietnam-Kriegs herrschte Bürgerkrieg in Laos und nach dem Sieg der Nordvietnamesen kam es 1975 zur Revolution und Machtübernahme durch die kommunistische Pathet-Lao-Bewegung, die am 2. Dezember 1975 die Demokratische Volksrepublik Laos gründete. Seither regiert die Laotische Revolutionäre Volkspartei. Ein blutige kommunistische Diktatur wie im Nachbarland Kambodscha blieb den Laoten aber erspart. Freies Laos 1945 Lao Issara Government Nach dem Abzug der Japaner übernahm am 12. Oktober 1945 die Bewegung Lao Issara die Regierung, musste dann aber bereits 1946 der französischen Besatzung weichen. Das Lao Issara Government gab in dieser Zeit primitive Geldscheine aus, die in der Bevölkerung nach dem Finanzminister Katay Don Sasorith „Katay-Bananenblätter-Scheine” genannt wurden. LAO-1 / WPM-A1 / B101: 1 Hào = 10 Att, ohne Datum (1945), Wert: R LAO-2 / WPM-A2 / B102: 2 Hào = 20 Att, ohne Datum (1945), Wert: R LAO-3 / WPM-A3 / B103: 5 Hào = 50 Att, ohne Datum (1945), Wert: *** LAO-4 / WPM-A4 / B104: 10 Kip, ohne Datum (1945). a) Serie und KN westlich, Us. Khammao Vilay, Wert: R b) Serie laotisch und KN westlich, Us. Katay Don Sasorith, Wert: R Königreich 1954–1975 Banque Nationale du Laos Nach der Unabhängigkeit wurde die Banque Nationale du Laos gegründet, deren Noten ab 1957 die bis dahin umlaufenden Piastre-Scheine Indochinas ersetzten. Die 1-, 5- und 10-Kip-Noten der ersten Ausgabe 1957 wurden bereits 1962 ungültig, die höchsten Nominale über 100 und 500 Kip, auf denen das Porträt von König Sisavang Vong (1885 bis 1959) zu sehen ist, dann 1974. Die letzten Ausgaben des Königreichs kamen 1974/1975 in Umlauf. Ausgabe 1957 LAO-5 / WPM-1 / B201: 1 Kip, ohne Datum (1957, gültig bis 1962). a) mit farbigen Punkten, Druck: SBNC (USA), Wert: *** b) zweite Auflage, ohne farbige Punkte und Drfa. (Shanghai Banknote Printing), Wert: ** LAO-6 / WPM-2 / B202: 5 Kip, ohne Datum (1957, gültig bis 1962). a) mit farbigen Punkten, Druck: SBNC (USA), Wert: *** b) zweite Auflage, ohne farbige Punkte und Drfa. (Shanghai Banknote Printing), Wert: ** LAO-7 / WPM-3 / B203: 10 Kip, ohne Datum (1957, gültig bis 1962). a) mit farbigen Punkten, Druck: SBNC (USA), Wert: *** b) zweite Auflage, ohne farbige Punkte und Drfa. (Shanghai Banknote Printing), Wert: ** LAO-8 / WPM-4 / B204: 20 Kip, ohne Datum (1957, gültig bis 1962), Wert: **** LAO-9 / WPM-5 / B205: 50 Kip, ohne Datum (1957, gültig bis 1962). a) mit farbigen Punkten, Druck: SBNC (USA), Wert: R b) zweite Auflage, ohne farbige Punkte und Drfa. (Shanghai Banknote Printing), Wert: ** LAO-10 / WPM-6 / B206: 50 Kip, ohne Datum (1957, gültig bis 1974), Wert: ** LAO-11 / WPM-7 / B207: 500 Kip, ohne Datum (1957, gültig bis 1974), Wert: R Gedenkbanknote: 2.500 Jahre Buddhismus Ausgabe 1962/63 Unter der Regierung von Prinz Souvanna Phouma folgten 1962/63 Banknoten, die in der Bevölkerung nach dem Distrikt Khangkhai, in dem die Hauptstadt lag, „Khangkhai-Kip” genannt wurden. Alle Werte ab 20 Kip (LAO-15–23) zeigen das Porträt des neuen Königs Savang Vatthana (1907–1978), der von 1959 bis 1975 letzter Herrscher des Königreichs Laos war. LAO-12 / WPM-8 / B208: 1 Kip, ohne Datum (1962, gültig bis 15.6.1976), Wert: * LAO-13 / WPM-9 / B209: 5 Kip, ohne Datum (1962, gültig bis 15.6.1976). a) Us. Le Gouverneur: Phouy Phanya, Wert: R b) Us. Le Gouverneur: Phagna Oudong Souvannavong, Wert: * LAO-14 / WPM-10 / B210: 10 Kip, ohne Datum (1962, gültig bis 15.6.1976). a) Us. Le Gouverneur: Phouy Phanya, Wert: R b) Us. Le Gouverneur: Phagna Oudong Souvannavong, Wert: * LAO-15 / WPM-11 / B211: 20 Kip, ohne Datum (1963, gültig bis 15.6.1976), Wert: * zwei Us.-Varianten ohne Einfluss auf die Bewertung LAO-16 / WPM-12 / B212: 50 Kip, ohne Datum (1963, gültig bis 15.6.1976), Wert: * zwei Us.-Varianten ohne Einfluss auf die Bewertung LAO-17 / WPM-13 / B213: 200 Kip, ohne Datum (1963, gültig bis 15.6.1976), Wert: * zwei Us.-Varianten ohne Einfluss auf die Bewertung LAO-18 / WPM-14 / B214: 1.000 Kip, ohne Datum (1963, gültig bis 15.6.1976), Wert: ** zwei Us.-Varianten ohne Einfluss auf die Bewertung Ausgabe 1974/75 In der Endzeit des Bürgerkriegs kam die letzte Banknotenserie des Königreichs Laos in Umlauf, bevor die Volksrepublik ausgerufen wurde. Die letzten Noten mit dem Porträt von König Savang Vatthana wurden bereits 1976 ungültig. LAO-19 / WPM-15 / B215: 10 Kip, ohne Datum (1975, nicht ausgegeben), Wert: ** LAO-20 / WPM-16 / B216: 100 Kip, ohne Datum (1974, gültig bis 15.6.1976), Wert: * LAO-21 / WPM-17 / B217: 500 Kip, ohne Datum (1974, gültig bis 15.6.1976), Wert: * LAO-22 / WPM-18 / B218: 1.000 Kip, ohne Datum (1975, nicht ausgegeben), Wert: ** LAO-23 / WPM-19 / B219: 5.000 Kip, ohne Datum (1975, gültig bis 15.6.1976), Wert: * Fortsetzung folgt! Hans-Ludwig Grabowski​​

  • Bangladesch: Zwei neue Gedenknoten

    Noch vor dem Jahreswechsel legte die Bangladesh Bank zwei Gedenknoten mit dem Nominalwert 50 Taka nach: Die erste Note, am 19. Dezember 2022 ausgegeben, feierte das 50-jährige Jubiläum der Verfassung sowie des Obersten Gerichtshofs in Bangladesch, während die zweite, deren Verkauf am 29. Dezember 2022 startete, die am Vortag eröffnete erste U-Bahn-Linie des Landes in der Hauptstadt Dhaka thematisiert. Beide Papier-Gedenknoten mit dem Format 130 x 60 mm nennen den Ausgabeanlass auf Bengali und auf Englisch. Die 50-Taka-Gedenknote zum 50-jährigen Bestehen der Verfassung und des Obersten Gerichtshofs zeigt auf der Vorderseite den "Vater der Nation" Mujibur Rahmen vor dem Hintergrund des Jatiya Sangsad Bhaban in Dhaka, dem Gebäude des Nationalparlaments. Auf der Rückseite ist der Oberste Gerichtshof in der Hauptstadt dargestellt. Die U-Bahn-Gedenknote zeigt das Konterfei der Premierministerin Hasina Wajed sowie Darstellungen der neu eingeführten U-Bahn-Linie in Dhaka, deren Bau sechs Jahre dauerte und weitgehend mit Entwicklungsgeldern finanziert wurde. Die Stadt gilt als eine der am stärksten von Verkehrsüberlastungen betroffenen Städte der Welt. Beide Gedenknoten wurden jeweils in einem Umschlag zum Nominalwert bzw. in Folder und Umschlag um 100 Taka an den offiziellen Verkaufsstellen angeboten. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Guyana: 5000-Dollars-Note mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen eingeführt

    Am 20. Dezember 2022 gab die Bank of Guyana zur Erhöhung der Fälschungssicherheit neue Noten zu 5000 Dollars mit einer identischen Gestaltung wie die Vorgängerscheine in Umlauf. Die von Oberthur Fiduciaire gedruckten Noten zeigen auf der Vorderseite wie gewohnt das Wappen der Zentralbank und eine Umrisskarte Guyanas sowie auf der Rückseite eine Flusslandschaft. Die Erneuerung der 156 x 65 mm großen Papierbanknoten liegt zum einen im Fenster-Sicherheitsfaden mit Gold-Grün-Farbverlauf und Bewegungseffekt und zum anderen im Jaguarkopf als Kinegramm mit demselben Farbwechsel wie der Sicherheitsfaden. Die alten 5000er behalten vorerst ihre Gültigkeit. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Jordanien: Neue 1-Dinar-Note eingeführt, weitere Nominale angekündigt

    Die Zentralbank von Jordanien gab am 26. Dezember 2022 neue 1-Dinar-Noten mit dem Format 133 x 74 mm in Umlauf. Die Papiernote zeigt auf der Vorderseite Hussein b. Ali vor dem Hintergrund eines Blumenfelds; auf der Rückseite sieht man einen Karmingimpel. Ebenso wurde die Gestaltung weiterer Nominale von 5, 10, 20 und 50 Dinars mit der Jahresangabe "2022" bekanntgegeben, die im Laufe des Jahres 2023 ausgegeben werden sollen. Die 5-Dinars-Note thematisiert die archäologische Ausgrabungsstätte von Petra und König Abdallah b. al-Husain (1921–1951), während der Zehner auf der Vorderseite das Wüstenschloss Qusair ‘Amra aus dem 8. Jahrhundert und König Talal (1951–1952) zeigt, der eine liberale Verfassung in Jordanien einführte, sowie auf der Rücksite das Römische Theater aus der Regierungszeit des Antoninus Pius in Amman, der heutigen Hauptstadt. Auf dem 20-Dinars-Schein sind König Hussein I. (1952–1999) sowie eine Moschee und antike Münzen dargestellt Auf dem Fünfziger sind König Abdullah II. (seit 1991) und der für Muslime, Juden und Christen als heiliger Ort geltende und umstrittene Tempelberg in Jerusalem zu sehen. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Lexikon: Flachdruck

    Flachdruck ist ein Druckverfahren, bei dem alle druckenden und nicht druckenden Bereiche der Druckform auf einer Ebene liegen. Nach chemischer Behandlung der Druckplatte nehmen nur die druckenden Bereiche Farbe an. Bekannte Flachdruckverfahren sind Offsetdruck, Lichtdruck und Steindruck. Beim Offsetdruck erfolgt der Druck zunächst auf einen mit einem Gummituch bespannten Zylinder, von dem die Farbe auf das Papier übertragen wird. Im Gegensatz zum Hoch- und Tiefdruck war der Flachdruck früher bei der Herstellung von Papiergeld unbeliebt, da der wenig exakte Druck Fälschern ihre Arbeit erleichterte. In den "Richtlinien für den Druck von Wertpapieren" vom 1. Januar 1957 steht noch unter VI A/3: "Der Druck darf nur im Buchdruck (Hochdruck) oder Linientiefdruck ausgeführt werden. Steindruck oder Offsetdruck (chemisches Druckverfahren) sind nicht zulässig." Beispiel: WBZ-6, Note der Bank deutscher Länder über 20 DM der Serie 1948, Vorder- und Rückseite. Viele technische Verbesserungen, vor allem beim Kopierverfahren, geben inzwischen auch dem Flachdruck die Exaktheit, die für den Geldscheindruck notwendig ist, so dass er zu einer echten Konkurrenz für den Tief- und Buchdruck (Hochdruck) geworden ist. Viele Länder haben deshalb inzwischen ihre kursierenden Noten im Flachdruckverfahren herstellen lassen. Auch die ersten DM-Noten (Ausgabe 1948, Bureau of Engraving and Printing) über eine halbe, 1, 2, 5, 20 und 50 DM wurden im Offsetverfahren gedruckt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Banknotenausgaben in Deutschland während der Zeit des "Dritten Reichs"

    Die letzten Banknoten in Reichs- und Rentenmark wurden in Deutschland während der Herrschaft von Adolf Hitler ausgegeben. Sie wurden in der Reichsdruckerei (Berlin) gedruckt und das Sicherheitspapier für die Banknoten wurde in der Papierfabrik Königstein, 35 km von Dresden entfernt, hergestellt. Während der Zeit des "Dritten Reichs" wurden in Deutschland Banknoten mit den folgenden Nennwerten und Daten hergestellt: 1 und 2 Rentenmark (1937), 5 Reichsmark (1942), 10 und 20 Reichsmark (1929), 20 Reichsmark (1939), 50 Reichsmark (1933), 50 Rentenmark (1934), 100 Reichsmark (1935) und 1000 Reichsmark (1936). Alle Reichsmark-Scheine haben Faksimile-Unterschriften vom Präsidenten der Reichsbank und den Mitgliedern des Reichsdirektoriums, während die Rentenmark-Scheine die Faksimile-Unterschriften des Präsidenten der Deutschen Rentenbank und der Mitglieder des Direktoriums der Rentenbank tragen. Die Banknoten zu 10 und 20 Reichsmark mit dem Datum vom 22. Januar 1929 wurden von Professor Langer entworfen und vom Präsidenten der Reichsbank Hjalmar Schacht und den Mitgliedern des Reichsdirektoriums unterzeichnet: Dreyse, Budczies, Bernhardt, Seiffert, Vocke, Friedrich, Fuchs und Schneider (Abb. 1). Abb. 1: Unterschriften auf 10 und 20 Reichsmark von 1929. Die Reichsbanknote zu 10 Reichsmark (Abb. 2) wurde am 17. Februar 1931 eingeführt und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in verschiedenen Ausführungen ausgegeben. Ab 1941/42 erschien eine Zwischenform ohne Kreuz-Iris-Druck und ab Januar 1945 ein nochmals vereinfachter Kriegsdruck mit verändertem Wasserzeichen (Tulpen statt Kopfbildnis) und nur noch zwei statt bislang vier Kontrollnummern. Abb. 2.1/2: DEU-183c, Reichsbanknote zu 10 Reichsmark vom 22. Januar 1929, ab 1941/42 ausgegebene Zwischenform ohne Kreuz-Iris-Druck, Vorder- und Rückseite. Die Banknote hat eine grüne Farbe und ein Format von 150 x 75 mm. Auf der Vorderseite sind das Porträt des deutschen Agrarwissenschaftlers Albrecht Daniel Thaer (1752–1828), das Siegel der Reichsbank, der Nennwert und die Unterschriften des Reichsbankpräsidenten und der Mitglieder des Reichsdirektoriums zu sehen. Die Rückseite zeigt in der Mitte ein Medaillon mit dem Porträt einer jungen Bäuerin, die eine Sichel hält, allegorische Figuren zweier Putten, die Füllhörner halten, und den Nennwert. Der 20-Reichsmark-Schein (Abb. 3) wurde am 22. Dezember 1930 eingeführt und ebenfalls bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ausgegeben. Die Banknoten haben eine braune Farbe und eine Größe von 160 x 80 mm. Abb. 3.1/2: DEU-184c, Reichsbanknote zu 20 Reichsmark vom 22. Januar 1929, ab Januar 1945 ausgegebener vereinfachter Kriegsdruck, Vorder- und Rückseite. Die Vorderseite des Scheins zeigt ein Porträt des deutschen Industriellen und Erfinders Werner von Siemens (1816–1892), das Siegel der Reichsbank, den Nennwert und die Unterschriften des Reichsbankpräsidenten und der Mitglieder des Reichsdirektoriums. Auf der Rückseite befindet sich in der Mitte ein Medaillon mit dem Porträt eines jungen Mannes, der einen Hammer hält, und allegorischen Figuren von zwei sitzenden Putten, die Werkzeuge halten. Die 50-Reichsmark-Note (Abb. 4) mit dem Datum 30. März 1933 wurde am 26. März 1934 eingeführt. Die Banknote wurde von Professor Paul Scheurich entworfen. Ab 1941/42 erschien eine Zwischenform ohne Kreuz-Iris-Druck und ab Januar 1945 ein nochmals vereinfachter Kriegsdruck mit verändertem Wasserzeichen (Hakenglieder statt Kopfbildnis) und nur noch zwei statt bislang vier Kontrollnummern. Abb. 4.1/2: DEU-210a, Reichsbanknote zu 50 Reichsmark vom 30 März 1933, ab März 1934 ausgegebener Friedensdruck, Vorder- und Rückseite. Die Banknote hat eine grüne Farbe und ist 170 x 85 mm groß. Die Vorderseite zeigt das Porträt des deutschen Kaufmanns, Bankiers und Politikers David Hansemann (1790–1864), das Siegel der Reichsbank und die Signaturen des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht sowie der Mitglieder des Reichsdirektoriums: Dreyse, Bernhard, Seiffert, Vocke, Friedrich, Fuchs und Schneider (Abb. 5). Auf der Rückseite befindet sich in der Mitte ein Medaillon mit dem Porträt eines jungen Merkur, der seinen Merkurstab hält, sowie allegorische Figuren von zwei sitzenden Putten, die eine Feder und ein Blatt Papier halten. Abb. 5: Unterschriften auf 50 Reichsmark von 1933. Die Deutsche Rentenbank druckte auch während der Zeit des Nationalsozialismus Banknoten und gab einen neuen Schein zu 50 Rentenmark (Abb. 6) mit dem Datum 6. Juli 1934 ab 26. November 1934 aus. Abb. 6.1/2: DEU-221, Rentenbankschein zu 50 Rentenmark vom 6. Juli 1934, Vorder- und Rückseite. Die Banknote wurde vom Präsidenten der Rentenbank Granzow und den Mitgliedern des Direktoriums der Bank unterzeichnet: Kissler, Lipp, Dr. Szagunn und Dr. Kokotkiewicz (Abb. 7) Abb. 7: Unterschriften auf 50 Rentenmark von 1934. Banknote hat eine braun-olive Farbe und eine Größe von 155 x 85mm. Auf der Vorderseite sind ein Porträt des preußischen Staatsmanns Freiherr vom Stein (1757–1831), der Nennwert sowie die Faksimile-Unterschriften des Präsidenten der Rentenbank und der Mitglieder des Bankdirektoriums abgebildet. Auf der Rückseite sind eine Weizengarbe in einem verzierten Rahmen und der Nennwert dargestellt. Die Banknote war bis 29. September 1942 gültig. Die Reichsbanknote zu 100 Reichsmark (Abb. 8) mit Datum vom 24. Juni 935 wurde ab 30. Mai 1936 ausgegeben und von Professor Paul Scheurich entworfen. Ab 1941/42 erschien eine Zwischenform ohne Kreuz-Iris-Druck und ab Januar 1945 ein nochmals vereinfachter Kriegsdruck mit verändertem Wasserzeichen (Blüten statt Kopfbildnis) und nur noch zwei statt bislang vier Kontrollnummern. Abb. 8.1/2: DEU-211b, Reichsbanknote zu 100 Rentenmark vom 24. Juni 1935, ab 1941/42 ausgegebene Zwischenform ohne Kreuz-Iris-Druck, Vorder- und Rückseite. Der Schein trägt die Faksimile-Unterschriften von Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht und den Mitgliedern des Reichsdirektoriums: Dreyse, Vocke, Friedrich, Schneider, Hasse, Ehrhardt, Puhl und Hulse (Abb. 9). Abb. 9: Unterschriften auf 100 und 1000 Reichsmark von 1935/36. Die Banknote hat eine blaue Farbe und eine Größe von 180 x 90 mm. Auf der Vorderseite sind ein Porträt des deutschen Chemikers Justus von Liebig (1803–1873), der bedeutende Beiträge zur landwirtschaftlichen und biologischen Chemie leistete, das Siegel der Reichsbank, ein großes Hakenkreuz in der Mitte, die Faksimile-Unterschriften des Reichsbankpräsidenten und der Mitglieder des Reichsdirektoriums sowie der Nennwert abgebildet. Die 100-Reichsmark-Note war die erste deutsche Banknote, auf der das Hakenkreuz abgebildet war, das im nationalsozialistischen Deutschland zu einem staatlichen Symbol und Propagandainstrument wurde. Auf der Rückseite sind in der Mitte ein Medaillon mit einem jungen Mann, der eine Fackel hält, allegorische Figuren von zwei sitzenden Frauen und der Nennwert abgebildet. Abb. 10.1/2: DEU-212, Reichsbanknote zu 1000 Rentenmark vom 22. Februar 1936, Vorder- und Rückseite. Der 1000-Reichsmark-Schein (Abb. 10) mit Datum 22. Februar 1936 wurde von Professor Paul Scheurich entworfen und im September 1944 eingeführt. Sie hat die gleichen Unterschriften (Abb. 9) wie die 100-Reichsmark-Note von 1935. Die Banknote hat eine braune Farbe und eine Größe von 190 x 95 mm. Auf der Vorderseite des Scheins sind ein Porträt des berühmten preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), das Siegel der Reichsbank, ein großes Hakenkreuz in der Mitte, die Faksimile-Unterschriften des Reichsbankdirektors und der Mitglieder des Reichsdirektoriums sowie der Nennwert abgebildet. Auf der Rückseite sind in der Mitte ein Medaillon mit einem jungen Mann, der einen Zirkel hält, und allegorische Figuren einer sitzenden Frau und eines sitzenden Mannes sowie die Wertbezeichnung zu sehen. Kurz nach Beginn des Kriegs gegen Polen wurden ab 5. September 1939 1- und 2-Rentenmark-Scheine mit Datum vom 30. Januar 1937 als Kleingeldersatz eingeführt. Die Scheine wurden von Rentenbankpräsident Granzow und Mitgliedern des Bankdirektoriums unterzeichnet: Kissler, Lipp, Dr. Szagunn und Dr. Kokotkiewicz (Abb. 11). Abb. 11: Unterschriften auf 1 und 2 Rentenmark von 1939. Abb. 12.1/2: DEU-222c, Rentenbankschein zu 1 Rentenmark vom 30. Januar 1937, Firmendruck, Vorder- und Rückseite. Die Banknote 1 Rentenmark (Abb.12) hat eine olivgrüne Farbe und die Größe 120 x 65 mm. Auf der Vorderseite sind in einem verzierten Rahmen der Nennwert und die Unterschriften des Präsidenten der Rentenbank und der Mitglieder des Bankdirektoriums abgebildet. Auf der Rückseite sind in einem verzierten Rahmen eine Weizengarbe und der Nennwert dargestellt. Abb. 12.1/2: DEU-223a, Rentenbankschein zu 2 Rentenmark vom 30. Januar 1937, Reichsdruck, Vorder- und Rückseite. Banknote 2 Rentenmark (Abb. 12) hat braune Farbe und eineFormat von 125 x 70 mm. Die Gestaltung ähnelt dem 1-Rentenmark-Schein. Von beiden Werten gibt es sowohl Reichs- als auch Firmendrucke, die an den Kontrollnummern unterschieden werden können. Der 5-Reichsmark-Schein (Abb. 13) mit Datum vom 1. August 1942 ersetzte die silbernen 5-Reichsmark-Münzen, die aufgrund von Hortung aus dem Verkehr verschwunden waren. Sie wurde von Professor Josef Seger und Walter Reimer entworfen. Abb. 13.1/2: DEU-220b, Reichsbanknote zu 5 Reichsmark vom 1. August 1942, sog. "Hitlerjunge", Vorder- und Rückseite. Die Banknote wurde vom Reichsbankpräsidenten Walter Funk unterzeichnet, hat eine braune Farbe und eine Größe von 140 x70 mm. Auf der Vorderseite des Scheins ist ein "arischer" Jugendlicher abgebildet, der auch auf einem Plakat der Hitlerjugend zu sehen ist, sowie die Unterschrift des Reichsbankpräsidenten (Abb. 14), das Siegel der Reichsbank mit Hakenkreuz und der Nennwert. Auf der Rückseite sind eine Bäuerin mit einer Sichel und ein Arbeiter mit einem Holzhobel dargestellt, die für Landwirtschaft und Handwerk stehen, dazwischen eine Vignette des Braunschweiger Doms und die Statue des Braunschweiger Löwen. Abb. 14: Unterschrift auf 5 Reichsmark von 1942. Die letzte Banknote, die während der Zeit des Nationalsozialismus ausgegeben wurde, war 20 Reichsmark (Abb. 15) mit dem Datum 16. Juni 1939, die im Februar 1945 in umlauf kam. Sie wurde von Professor Josef Seger und R. Zick entworfen. Das Design der Banknote basiert auf einer nicht ausgegebenen österreichischen 100-Schilling-Note vom 2. Januar 1936. Abb. 15.1/2: DEU-215a, Reichsbanknote zu 20 Reichsmark vom 15. Juni 1939, sog. "Tirolerschein", Vorder- und Rückseite. Der Schein hat eine braune und beige Farbe und das Format 160 x 80 mm. Auf der Vorderseite ist eine Österreicherin mit Edelweiß im Gebirge abgebildet, in der Mitte ein großes Hakenkreuz, die Unterschrift des Reichsbankpräsidenten, der Hoheitsadler und der Nennwert. Auf der Rückseite sind auf beiden Seiten Männer aus den österreichischen Alpen dargestellt (Holzfäller und Sämann), in der Mitte der Gosauer See im Dachsteinmassiv, Österreich. Alle Banknoten des "Dritten Reichs" wurden auf hochwertigem Sicherheitspapier mit Wasserzeichen und sog. Wilcox-Fasereinlagen, die in das Papier gepresst wurden, gedruckt. 10 und 20 Reichsmark (1929), 50 Reichsmark (1933), 100 Reichsmark (1935), 1000 Reichsmark (1936), 1 und 2 Rentenmark (1937) sowie 50 Rentenmark (1934) haben auch Prägestempel und Konvexität. Es ist wichtig nochmals zu erwähnen, dass bis 1942 die Banknoten 10 und 20 Reichsmark (1929), 50 Reichsmark (1933) und 100 Reichsmark (1935) über "Kreuz-Iris-Druck" verfügten – eine spezielle "Technik" für den Übergang der Farben im Unterdruck (nicht leicht erkenn- und nicht wirklich auf einem Scan oder Foto darstellbar). Die Kaufkraft der Reichsmark war recht hoch, wie aus dem Verhältnis zwischen Preisen und Löhnen hervorgeht. Im Jahr 1939 betrug der Durchschnittslohn von Facharbeitern oder Angestellten 170 bis 200 Reichsmark pro Monat oder 150 bis 170 RM nach Steuern. Die Lebensmittelpreise im Juni 1939 betrugen: 1 Brot = 0,33 RM, Butter (kg) = 2,84 RM, Milch (Liter) = 0,23 RM, Rindfleisch (kg) = 1,70 RM, Zucker (kg) = 0,74 RM und Eier (10 Stück) = 1,10 RM. Eine Dreizimmerwohnung im Berliner Arbeiterbezirk kostete etwa 65 Reichsmark pro Monat Miete. Autos waren relativ teuer: Opel Kadett = 2.100 RM und BMW 326 = 6.650 RM. Der Benzinpreis lag bei 0,30 Reichsmark pro Liter. Der Bau eines Siedlungshauses kostete inkl. Land etwa 3.000 RM bei einer Finanzierung mit einer Laufzeit von 99 Jahren [Anm. der Redaktion]. Es ist wichtig zu erwähnen, dass während der Kriegszeit auch spezielle Banknoten für die besetzten Gebiete gedruckt wurden, aber das ist eine andere Geschichte. Alle Reichs- und Rentenmark-Scheine waren in Westdeutschland bis zum 20. Juni und in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands bis zum 28. Juni 1948 gültig. Yaakov Natanzon Übersetzung und Überarbeitung aus dem Englischen: Hans-Ludwig Grabowski

  • Lexikon: Fehlliste

    Eine Fehlliste ist eine von einem Sammler angefertigte Aufstellung zu fehlenden oder gesuchten Stücken für seine Sammlung. Je nach Größe der Sammlung genügt auch ein Katalog, in dem alle vorhandenen Stücke abgestrichen werden oder aber ein Bestandsverzeichnis (Bestandsliste) als Fehlliste, der noch nicht vorhandenen Stücke. Beispiel: Auszug aus einer Fehlliste zu österreichischen Notgeldscheinen, die mit einer Tabellen-Software erstellt wurde. Früher wurden viele Fehl- und Angebotslisten mit Schreibmaschinen oder sogar handschriftlich verfasst und unter Sammlern und auch mit Händlern ausgetauscht. Im Computer-Zeitalter werden solche Listen meist mit Programmen für Text- oder Tabellenbearbeitung erzeugt oder direkt aus Sammlungsverwaltungs-Programmen ausgegegeben. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Ein uralter Weihnachtsbrauch

    „Wenn du nicht brav warst, holt dich der Krampus.“ Jedes österreichische Kind versteht diesen Satz. Der Krampus ist der böse Gehilfe des Nikolaus. Er ist sein düsterer Untergebener, ein sagenhaftes Monster, das die böse Seite der guten Macht verkörpert. Er ist der Schrecken vieler Kinder. Bekleidet mit einem Mantel bzw. Hosenanzug aus Schaf- oder Ziegenfell, mit Rossschweif oder Kuhschwanz, eine Kuhglocke am Gürtel oder Gurt am Rücken, einer Holzmaske aus Zirben- oder Lindenholz mit echten Ziegenbock-, Steinbock- oder Widderhörnern vor dem Gesicht, auf dem Rücken die Butte, in dem der Sage nach, böse Kinder mitgenommen werden und „bewaffnet“ mit einer Birkenrute, so das überlieferte Kostüm. Überall in Österreich, auch in Teilen Bayerns und Südtirols, jagen die Krampusse am Krampustag unter lautem Lärm ihrer Glocken durch die Dörfer. Dabei machen sie auch Gebrauch von ihren Ruten. Der Krampustag ist der Vorabend des Nikolaustages, also der 5. Dezember. Anders als in Norddeutschland, wo der Heilige Nikolaus mit seinem Gehilfen Knecht Ruprecht erscheint, tritt hier Nikolaus mit einer Schar von Krampussen auf. Begleitet von Schreckgestalten, Teufeln und Tiermasken beschenkt Nikolaus die braven Kinder, während die unartigen vom Krampus bestraft werden. Die Gemeinde Bruck[1] im Pinzgau gab 1920 eine Notgeldserie, bestehend aus sechs Scheinen mit weihnachtlichen Motiven, aus. Die bildgleichen Scheine zu 40 und 80 Heller sind dem Krampus gewidmet, die ihn auf der Rückseite zeigen. Er hält einen wohlhabenden Mann mit Zylinder am Arm fest. Das Gesicht des Mannes ist schmerzverzerrt. Der Krampus schwingt seine Birkenrute. Die vollen Säcke im Hintergrund des Bildes deuten darauf hin, dass es sich bei dem Mann um einen Händler handelt, der seine Kunden übervorteilte und nun seine gerechte Strafe erhält. Manche Betrachter des Scheins wollen in dem Mann einen jüdischen Kaufmann sehen. Abb. 1: Gemeinde Bruck im Pinzgau, o. D., 40 Heller, Rückseite. Abb. 2: Gemeinde Bruck im Pinzgau, o. D., 80 Heller, Rückseite. Bei zwei weiteren Scheinen zu 60 Heller und einer halben Krone schreitet der Heilige Nikolaus durch eine verschneite, nächtliche Landschaft. Auf dem Rücken trägt er einen prall gefüllten Sack mit Geschenken für die Kinder. Neben ihm läuft das Christkind. In den Händen trägt es einen geschmückten kleinen Weihnachtsbaum. Rechts im Bild sind in den Tannen, drei Engel zu erkennen. Die Darstellung des Christkindes auf den Scheinen zeigt, dass sich Anfang des 20. Jahrhunderts auch in katholisch geprägten Gegenden die Figur des Christkindes etabliert hatte. Da evangelische Reformatoren die Heiligenverehrung ablehnten, hatte Martin Luther 1531 die Beschenkung der Kinder vom Nikolaustag auf den 25. Dezember verlegt und an die Stelle des „Heiligen Nikolaus“ trat der „heilige Christ“, das spätere „Christkind“. Damit ist nicht das neugeborene Jesuskind gemeint, wie man annehmen könnte, sondern es hat seinen Ursprung in den Engeln oder engelähnlichen Gestalten von Krippenspielen und Weihnachtsumzügen. Abb. 3: Gemeinde Bruck im Pinzgau, o. D., ½ Krone, Rückseite. Abb. 4: Gemeinde Bruck im Pinzgau, o. D., 60 Heller, Rückseite. Die letzten beiden Scheine zu 75 und 90 Heller zeigen in einem großen von Tannengrün und Kerzen eingerahmten Bild fünf tanzende Kinder, die vom Christkind und Engeln mit Geschenken überhäuft werden. Abb. 5: Gemeinde Bruck im Pinzgau, o. D., 75 Heller, Rückseite. Abb. 6: Gemeinde Bruck im Pinzgau, o. D., 90 Heller, Rückseite. Die Vorderseiten aller Scheine haben bis auf die Wertangabe das gleiche Aussehen. Im oberen Medaillon wird nochmals das Christkind in Engelsgestalt mit einem Weihnachtsbaum in Händen dargestellt. Es folgt der Text, dass der Schein bis zum 15. Jänner (Januar) 1921 in gesetzlichem Bargeld eingelöst wird sowie die Unterschriften des Bürgermeisters und des 1. und 2. Gemeinderates. Darunter folgen in zwei achteckigen Medaillons jeweils die Darstellung eines Tannenzweiges mit Kerze und Christbaumschmuck. Abb. 7: Gemeinde Bruck im Pinzgau, o. D., Gemeinsame Vorderseite. Bleibt noch anzumerken, dass die Scheine auch mit einem Gemeindestempel auf der Vorderseite vorkommen. Neben der abgebildeten Serie im „Buntdruck“ gibt es auch eine in „Golddruck“-Ausführung.[2] Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Bruck liegt im Salzburger Land an der nördlichen Zufahrt zur Großglockner-Hochalpenstraße. [2] S. Johann Kodnar u. Norbert Künstner, Katalog des österreichischen Notgeldes 1914-1924, Eigenverlag 2017, S. 122, Kat,-Nr. 107 III a) – c).

  • Deutscher Adler und chinesischer Drache

    Zur Geschichte der Deutsch-Asiatischen Bank und ihrer Banknoten Am 12. Februar 1889 gründete ein Konsortium, bestehend aus den folgenden deutschen Banken Direction der Disconto-Gesellschaft (805) Generaldirektion der Seehandlungssozietät (175) Deutsche Bank (555) S. Bleichröder (555) Berliner Handels-Gesellschaft (470) Bank für Handel und Industrie [Darmstädter Bank] (310) Rob. Warschauer & Co. in Berlin (310) Mendelssohn & Co. in Berlin (310) Jacob S. H. Stern in Frankfurt a. M. (470) M. A. v. Rothschild & Söhne in Frankfurt a. M. (310) Norddeutsche Bank in Hamburg (380) Sal. Oppenheim jun. & Cie. in Köln (175) Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank in München (175) [in (..) die Zahl an Aktien über je 1000 Taels, die auf die einzelnen Gründer entfielen] in Berlin die Deutsch-Asiatische Bank (DAB). Das Kapital der neuen Bank wurde auf fünf Millionen Taels festgesetzt, wobei der Tael zu 4,50 Mark gerechnet wurde. Auf das Kapital wurden zunächst 25 Prozent eingezahlt. Obwohl die Führung im Konsortium bei der Disconto-Gesellschaft lag, nahm sie den Aufsichtsratsvorsitz nicht in Anspruch. Die Wahl fiel auf den Präsidenten der Preußischen Central-Bodenkredit A.G., Geheimen Finanzrat Dr. Rüdorff. Zum Vorstand bestellte man Curt Erich und den Prokuristen der Deutschen Bank Erich Breustedt. Am 15. Mai wurde die Bank in das Gesellschaftsregister des deutschen Generalkonsulates in Shanghai eingetragen. Abb. 1: Aktie der Deutsch-Asiatischen Bank vom 31. Januar 1900 über 1000 Taels.[1] Für die Leitung der Hauptniederlassung in Shanghai wurde der Prokurist der Disconto-Gesellschaft Ferdinand Rinkel gewonnen. Er traf am 5. November mit seinen fünf Mitarbeitern in Shanghai ein. Inzwischen hatte Reichskanzler Bismarck durch einen Erlass die deutschen Gesandten in Peking und Tokio angewiesen, die DAB in jeder Weise zu fördern. So reiste Rinkel mit dem Gesandten von Brandt zunächst nach Tientsin und Peking um sich den chinesischen Würdenträgern, darunter Vizekönig Li-Hung-Chang, vorzustellen. Inzwischen war am Bund[2] in Shanghai ein passendes Bankgebäude gefunden worden. Direktor Rinkel wurde in Shanghai vom früheren Mitinhaber der Chinafirma Reiß & Co. Kalb unterstützt. Er besorgte auch den ersten Komprador Shu-Chun-Hung. Im 19. Jahrhundert spielte der Komprador eine wichtige Rolle im Handel zwischen Chinesen und Europäern. Zwar waren seit dem Opiumkrieg einige Vertragshäfen für westliche Händler geöffnet worden, jedoch vermochten diese weder in das Landesinnere noch in die komplexen chinesischen Handelspraktiken einzudringen. Der Komprador, der weder Angestellter im eigentlichen Sinne noch selbstständiger Kaufmann war, fungierte als Vermittler. In der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der DAB wird er wie folgt beschrieben: „Der Komprador ist Chinese, es (sic!) muß gute Kenntnisse der chinesischen Geldsorten und der Persönlichkeit der chinesischen Kundschaft besitzen. Er spricht auch Englisch. Er übernimmt alle Kassenangelegenheiten und haftet für die Richtigkeit der Einnahmen und Auszahlungen der Kasse. … Er untersucht die Verhältnisse des Marktes und läßt durch seine Angestellten Auskunft einziehen über Zahlungsfähigkeit und die Person der Kunden und garantiert für die Rückzahlung des Kredites an den chinesischen Kunden. Kurz, er ist verantwortlich für alles, was sich aus dem chinesischen Geschäftsverkehr ergibt. Durch diese Verantwortung gewinnt er naturgemäß einen entscheidenden Einfluß auf viele Bankgeschäfte.“[3] Bei einer so weitgehenden Unabhängigkeit zahlte er der Bank eine Kaution, die gewöhnlich nicht weniger als 100.000 Taels betrug. Als Vergütung erhielt er monatlich gewöhnlich etwa 600 Dollars. Davon bezahlte er seine eigenen Angestellten. Außerdem hatte er bei jeder Geschäftsvermittlung mit chinesischen Kunden Anspruch auf eine bestimmte Provision. Seine größten Einkünfte kamen jedoch aus Gewinnen, die sich aus den Zinsdifferenzen ergaben. Am 2. Januar 1890 öffnete die Hauptniederlassung der DAB in Shanghai ihre Pforten. Bereits am 1. Dezember 1890 folgte die Niederlassung in Tientsin, 1897 eine Agentur in Hankow und 1898 eine Agentur in Tsingtau im deutschen Pachtgebiet Kiautschou, die bereits 1899 in eine Niederlassung umgewandelt wurde. Am 8. Februar 1900 eröffnete die Niederlassung in Hong Kong, 1904 eine Agentur in Tsinanfu und am 1. Juli 1905 eine Agentur in Peking, die wie die Agentur in Hankow 1910 in eine Niederlassung umgewandelt wurde. Das gleiche galt 1911 für die ein Jahr zuvor eingerichtete Agentur in Canton. 1905/06 weitete die DAB ihr Geschäftsfeld über China hinaus aus: Am 1. November 1905 öffnete sie die Filiale in Yokohama und im Mai 1906 in Kobe (beide Japan), am 16. Juni 1906 folgte Singapur und am 1. September Hamburg. In Deutschland unterhielt sie eine Niederlassung in Berlin, die 1896 eröffnet wurde, um Anleihen auf dem deutschen Markt platzieren zu können. Schon vor 1897 muss eine Niederlassung im indischen Kalkutta eingerichtet worden sein. Abb. 2: Das Bankgebäude der Niederlassung in Shanghai.[4] Die Haupttätigkeit der Bank war die Handelsfinanzierung. Sie spielte aber auch eine hervorragende Rolle bei der Finanzierung von Anleihen des chinesischen Staates sowie bei der Finanzierung des Eisenbahnbaus in China. Abb. 3: Kaiserlich Chinesische Gold Staatsanleihe 1896 über 50 £.[5] Das chinesische Geldwesen In China trafen die Europäer auf ein zwar funktionierendes, jedoch sehr unübersichtliches und schwerfälliges Währungssystem. Es bestand ein Dezimalsystem, dessen kleinster Wert von den Europäern Käsch (chinesisch Li) genannt wurde. Bis in die 1880er Jahre blieb der gegossene Bronzekäsch die einzige staatliche chinesische Münze. Strenge Vorschriften regelten Legierung (54 % Kupfer, 42,75 % Zinn und 3,25 % Blei) und Gewicht (3,78 Gramm), die aber selten eingehalten wurden, da die Münzen mit dem rechteckigen Loch vielfach von privater Seite nachgegossen wurde. Häufig wurden sie zu 100, 500 und 1000 auf Schnüren gezogen. Letztere wurden „Tiao“ genannt. Der Wert des Käsch schwankte zwischen 1/7 – 1/3 Pfennig. Wegen des geringen Wertes war sie die Münze des kleinen Mannes. Abb. 4: Schnüre mit Käsch-Münzen. Zehn Käsch (Li) entsprachen ein Candareen (Fen). Zehn Candareen eine Mace (Chien) und zehn Mace einem Tael (Liang). Der Tael repräsentierte eine bestimmte Silbermenge, dessen Gewicht und Feingehalt jedoch in jeder Provinz, ja selbst in jeder Stadt unterschiedlich definiert war. Der Tael wurde von Kaufleuten für größere Zahlungen benötigt und von Wechselbanken als schuhförmige Barren, sog. Sycee (si soi), im Gewicht von ½ bis 50 Taels gegossen. Der Gießer garantierte dies mit seinem Stempel. Abb. 5: Sycee, 1900 – 1910, 5 SYCEE[6] In den Vertragshäfen[7] galt der Seezoll- oder Haikuan-Tael von 38,246 Gramm bei 980/1000 feinem Silber. Mit ihm wurden die Seezölle sowie die Zahlungen im Außenhandel berechnet. Zahlungen an die chinesische Regierung waren mit dem Schatzamts- oder Kooping-Tael zu leisten. 100 Haikuan-Taels waren gleich 101,64 Kooping-Taels. Die Küsten- oder Handels-Taels differierten wiederum: 100 Haikuan-Taels gleich 105,2 Tientsin-Taels, 108,75 Hankow-Taels, 110,11 Amoy-Taels oder 111,40 Shanghai-Taels. „Der Wert des silber-basierten Haikwan-Tael gegenüber der damaligen Leitwährung, dem englischen Pfund, entwickelte sich wie folgt: 1910: 2 sh 8 5/16 d., 1911: 2 sh. 8¼ d., 1912: 3 sh. 0 5/8 d., 1913: 3 sh. ¼ d., 1914: 2 sh. 8¾ d., 1915: 2 sh. 7¼ d., 1916: 2 sh. 8¼ d., 1917: 3 sh. 3 13/16¼ d. Der im Rahmen des Goldstandards festgelegte Wechselkurs gegenüber der Mark betrug 1912 für 1 Haikwan-Tael 6,41 M und für 1 Shanghai-Tael 2,70 M. Im Jahr 1932 entsprach 1 Haikwan-Tael 2,97 RM und 1 Yuan 1,64 RM.“[8] An Silbermünzen kursierten die von den Europäern eingeführten und im chinesischen Geldumlauf akzeptierten Maria-Theresia-Taler, US-amerikanische Liberty-Dollars, spanische Karolus-Pesos und vor allem mexikanische Silberdollars. Immer wieder wurden die Silbermünzen im Handelsverkehr geprüft und von den chinesischen Bankiers mit Präge- oder Tuschestempeln, sog. Chopmarks, versehen. Abb. 6: 8 Reals (Mexiko), 1888 mit verschiedenen Chopmarks chinesischer Händler.[9] Weder der Bronzekäsch, der Silbertael noch der Silberdollar hatten einen gesetzlich verankerten Zwangskurs. Das Wertverhältnis zwischen den Zahlungsmitteln unterlag täglichen Schwankungen und wurde von den Wechselbanken nach Angebot und Nachfrage ständig neu festgesetzt. So kamen auf den Küstentael vor Ausbruch des Boxeraufstands 1000 – 1370 Käsch, 1907 dagegen 1800 – 2000 und auf den Dollar 850 – 1500. Als Marco Polo 1295 nach Venedig zurückgekehrt war, hatte er der ungläubigen Stadtführung von dem papiernen Geld berichtet, das in China bei Zahlungen verwendet würde. Trotz der langen Tradition, wurde erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts in China wieder Papiergeld benutzt. Um den aufwendigen Transport von größeren Käsch-Mengen zu minimieren, wurden Banknoten und Geldscheine privater Emittenten von 100 Käsch bis 50 Tael ausgegeben. Abb. 7.1/2: Hang chong, 1909–1911, 1000 Käsch, Vorder- und Rückseite. Als deutsche Truppen am 14. November 1897 die Kiautschou-Bucht besetzten und 1898 ein auf 99 Jahre befristetes Pachtgebiet errichtet wurde, stellte sich auch die Währungsfrage. 1903 forderte das Reichsmarineamt, dem das Schutzgebiet unterstellt war, die DAB auf, diesbezügliche Vorschläge zu machen. Zunächst dachte man dort darüber nach, Teilmünzen des Silberdollars prägen zu lassen. Allerdings schien die Notwendigkeit für höherwertige Banknoten größer zu sein. Darüber hinaus bot sich mit einer Notenausgabe die Chance, mit den in China tätigen Auslandsbanken anderer Länder gleich zu ziehen. Abb. 8: Das Bankgebäude der Niederlassung Tsingtau der DAB.[10] Die folgenden Verhandlungen waren schwierig, da nach den Vorstellungen des Reichsmarineamts aus der Notenkonzession ein möglichst großer Ertrag dem Reich zufließen sollte. Auch beanspruchte man weitreichende Aufsichtsbefugnisse. Zusätzlich hemmten Bedenken anderer Ressorts die Verhandlungen, sodass die Bank erst im Spätherbst 1905 einen formellen Antrag an den Reichskanzler, das Auswärtige Amt und das Reichsmarineamt stellte. Am 8. Juni 1906 erteilte der Reichskanzler der DAB die Konzession zur Notenausgabe. Danach durfte die Bank Noten über 1, 5, 10 und 20 Taels sowie über 1, 5, 25 und 50 Dollars ausgeben. Als Dollar galt der sog. mexikanische Dollar, eine Silbermünze mit einem Feingehalt von 902,7/1000 und einem Gewicht von 27,973 Gramm, während für den Tael die Werteinheit des jeweiligen Ausgabeorts gelten sollte. Daher mussten die Noten auch nur an den Ausgabeorten zum örtlichen Wechselkurs eingelöst werden, während die Tsingtau-Noten auch in der Provinz Schantung zum vollen Nennwert angenommen werden mussten. Die Niederlassung Tsingtau durfte nur Dollars-Noten emittieren. Die Konzession war kein Monopol für die DAB. Das Reichsmarineamt äußerte sich dahingehend, dass es nicht beabsichtige, ausländischen Banken die Notenausgabe im Kiautschou-Gebiet zu gestatten, sie aber die chinesischen Banken nicht zu den ausländischen rechnen würde. Für den gesamten Notenumlauf hatte die DAB Sicherheiten zu leisten, und zwar durch Bürgschaften, Hinterlegung von Wertpapieren oder Bestellung von Hypotheken an Grundstücken der Bank. Später bestand auch die Möglichkeit, bei den Kassen des Reichs Bargeld zu hinterlegen. Als Gegenleistung für die Konzession hatte die Bank jährlich 1 % des durchschnittlichen, täglichen Notenumlaufs an das Reich zu entrichten. Das Deutsche Reich übte sein Aufsichtsrecht dadurch aus, dass der Reichskanzler Kommissare zu den Aufsichtsratssitzungen und der Generalversammlung der Bank entsenden konnte, die Bücher in Berlin und den Ausgabeorten prüfen lassen durfte, soweit sie den Notenumlauf betrafen. Auch musste die Höhe des Notenumlaufs monatlich veröffentlicht werden. Abb. 9: DAB, Tsingtau, 1. März 1907, 5 Dollar, Vorderseite. Abb. 10.1/2: DAB, Hankow, 1. März 1907, 10 Tael, Muster, Vorder- und Rückseite. Abb. 11.1/2: DAB, Peking, 1. März 1907, 10 Dollar, Vorder- und Rückseite. Abb. 12.1/2: DAB, Shanghai, 1. März 1907, 25 Dollar, Muster, Vorder- und Rückseite. Abb. 13.1/2: DAB, Tientsin 1. März 1907, 20 Tael, Muster, Vorder- und Rückseite. Außer für Tsingtau wurden Noten für Shanghai, Hankow, Peking und Tientsin gedruckt. Bevor sie in Umlauf gesetzt wurden, waren sie vor Ort von den Bankbeamten mit zwei handschriftlichen Unterschriften zu versehen. Am 17. Juni 1907 begann die Notenausgabe in Tsingtau und im November an den anderen Bankplätzen. Die Noten der DAB wurden seitens des chinesischen Publikums günstig aufgenommen, sodass sich Ende des Jahres bereits Dollars- und Taels-Banknoten im Wert von 447.774,64 Taels im Umlauf befanden. Im Juni 1914 wurde der höchste Umlaufwert erreicht. Für die einzelnen Niederlassungen nennt die Jubiläumsschrift:[3] Dollars- wie Taels-Noten sind bildgleich. Sie unterscheiden sich auf der Vorderseite nur in der Angabe des Ausgabeorts in der Datumszeile sowie am Rand oben und unten und auf der Rückseite. „Angesichts des Wettbewerbs nicht nur der Banken, sondern überhaupt der in China vertretenen Mächte mußte die Ausführung der Noten repräsentabel sein. Die deutsche Notendruckerei Giesecke & Devrient in Leipzig besorgte den Druck, und die Noten stellen tatsächlich eine technisch vorzügliche Leistung dar, natürlich im Geschmack jener Zeit. Auf allen Scheinen sehen wir rechts in abgerundetem Rahmen die gekrönte Germania in Halbfigur mit Adlerschild und Lanze; links oben im Kreis den Reichsadler mit einem Brustschild mit D B A, unten links den chinesischen Drachen von vorn.“ Der Text auf der Vorderseite ist Deutsch und Chinesisch, auf Rückseite Englisch und Chinesisch. „Auf der Rs. sehen wir links und rechts ein Germaniabrustbild, symmetrisch, beide zur Mitte des Scheins gewandt, bei 1, 5, 10 Dollars in Hochovalen, bei 25 und 50 Dollars in liegenden Hochrechtecken. Das Papier ist weiß. Auch die Abmessungen der Scheine sind stattlich, bei den unteren Werten 187 zu 123 mm, bei 25 und 50 Dollars und 20 Taels 200 zu 135 mm. … Im Text finden wir einige Abweichungen bei den verschiedenen Ortsausgaben: bei der Shanghai-Ausgabe und ebenso denen von Hankau, Peking und Tientsin heißt es ‚Einen Dollar ortsüblicher Handelsmünze zahlt die Deutsch-Asiatische Bank dem Einlieferer dieser Banknote an ihrer hiesigen Kasse‘ oder ‚Einen Tael Shanghai-Währung zahlt die …‘.“[12] Bei den anderen Niederlassungen gilt ein entsprechender Text. Auf den Rückseiten heißt es „The Deutsch-Asiatische Bank promises to pay the bearer Five Dollars local currency at its office in Shanghai“. Hier wird also der Ort der entsprechenden Niederlassung genannt. Bei den Tael-Noten heißt es „The Deutsche-Asiatische Bank promises to pay the bearer One Tael Shanghai Currency at its office in Shanghai“ bzw. den Niederlassungsort und die dortige Währung. Der Text bei den Tsingtau-Noten weicht hiervon ab. Auf der bzw. „Zehn Dollar ortsübliche Handelsmünze zahlt die Deutsch-Asiatische Bank dem Einlieferer dieser Banknote bei ihren Niederlassungen im Deutschen Schutzgebiet Kiautschou und in der Chinesischen Provinz Schantung“ und auf der Rückseite „The Deutsch-Asiatische Bank promises to pay the bearer ten Dollars local currency at its offices in the German Colony Kiautschou and the Chinese Province Shantung“. Die Banknoten wurden auf Wertzeichenpapier mit Wasserzeichen gedruckt, das allerdings nur schwer zu erkennen ist; Scheine mit der Jahreszahl 1907 auf Papier mit dem Wasserzeichen „Achteck-Kreuzblumen“. Nur vereinzelt finden sich Belegstücke auf Papier mit dem Wasserzeichen „G&D-Kreuzsterne“. Keller leitet daraus ab, dass es womöglich eine zweite Auflage 1907 gegeben hat. In der Tat waren die Ein-Dollar-Noten bereits nach kurzer Zeit in Tsingtau aufgebraucht, sodass eine weitere Auflage notwendig wurde. Bemerkenswert ist eine 1-Dollar-Note der Niederlassung Tsingtau auf Papier mit Wasserzeichen Wellenlinien. Der Schein wurde bei Sincona (Auktion 27) angeboten. Wolf schreibt dazu: „Sicherlich hatte man sich bei dieser allerersten Druckprobe hinsichtlich so marginaler Gestaltungselemente wie dem Wasserzeichen noch nicht bis ins Detail entschieden.“ [13] Abb. 14: DAB, Peking, 1. Juli 1914, 100 Dollar, Vorderseite. Abb. 15: DAB, Shanghai, 1. Juli 1914, 200 Dollar, Vorderseite. Sechs weitere höhere Werte, 100, 200 und 500 Dollars sowie 50, 100 und 500 Taels waren 1914 bereits genehmigt. Bei ihnen wurde Papier mit dem Wasserzeichen G&D-Kreuzsterne verwendet Obwohl sie fertig gedruckt waren, kamen sie nicht zur Ausgabe. „Die Kisten lagerten bis nach dem zweiten Weltkrieg im Bankgebäude in Berlin und sind dann verschwunden. Nur eine kleine Anzahl der 100-Dollar-Note tauchten 1951 auf und kamen in Sammlerhände, später noch einige wenige zu 200 Dollar. Sie sind ohne Unterschriften, aber keine Muster-Noten wie fast alle bekannten Stücke der früheren Ausgabe. Gedruckt waren die höheren Werte wieder von Giesecke & Devrient in Leipzig, datiert auf den 1. Juli 1914. Nach einer anderen Version seinen die Noten schon vor Ausbruch des Krieges nach China unterwegs gewesen, das Schiff aber vor der chinesischen Küste von einem englischen U-Boot aufgebracht worden, nach England geleitet und dort entladen worden.“[14] Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte direkte Auswirkungen auf die DAB. Die Niederlassungen in Kalkutta, Hongkong und Singapur wurden Anfang August von den britischen Behörden unter Aufsicht gestellt und zur restlosen Abwicklung ihrer schwebenden Geschäfte gezwungen. Der größte Teil des an diesen Plätzen beschäftigten deutschen Personals wurde interniert. Die Niederlassungen in Yokohama und Kobe durften zunächst weiterarbeiteten, mussten aber ihren Wirkungskreis erheblich einschränken. Vom September 1916 ab wurde die Weiterführung der Geschäfte gänzlich einstellen. Die Gouvernementsverwaltung in Tsingtau wurde von der Nachricht vom Kriegsausbruch völlig überrascht. Auch der Bevölkerung war klar, dass die Alliierten den deutschen Flottenstützpunkt bald blockieren würden, so setzte ein Sturm der chinesischen Kaufleute auf die Schalter der DAB ein. Sie verlangten die Einlösung der Dollar-Banknoten in Silber. Da man in Tsingtau über große Silberdollar-Vorräte verfügte und auch die Filialen Tsinanfu, Tientsin und Shanghai herangezogen werden konnten, blieb man trotzdem liquide. Als sich die Fälle häuften, dass flüchtende Chinesen jenseits der Schutzgebietsgrenze von Räuberbanden überfallen und beraubt wurden, hörte der Ansturm auf die Kasse auf und plötzlich wurden auch wieder Schecks und Zahlungsanweisungen auf andere Niederlassungen akzeptiert. Um 1970 erregten Reichskassenscheine in Sammlerkreisen Aufsehen, die als Notausgabe der DBA verkauft wurden. Der 10-Mark-Schein mit Ausgabedatum 6. Oktober 1906 zeigt auf Vorder- und Rückseite den neuen Wert – 10 Dollar – als Überstempelung. Zusätzlich befindet sich auf der Vorderseite ein Rundstempel mit „altem“ kleinem Reichsadler, umringt von chinesischen Schriftzeichen, während sich auf der Rückseite der Bankstempel mit dem „neuen“ großen Reichsadler und der Umschrift „Deutsch-Asiatische-Bank Tsingtau“ befindet. Der Schein zu 5 Mark mit Ausgabedatum 31. Oktober 1904 erhielt nur den vorgenannten Bankstempel ohne neue Wertangabe. Diese Notausgabe wäre bei Kriegsausbruch notwendig geworden, weil der Notenbestand in Tsingtau nicht mehr ausgereicht habe und gerade, woher auch immer, die Reichskreditkassenscheine vorhanden gewesen sein sollen, so die Geschichte, die immer wieder erzählt wurde. Allerdings findet sich in den Unterlagen der Bank und auch in den zeitgenössischen Berichten nichts darüber. Bei diesen Scheinen handelt es sich um wertlose Manipulationen! Abb. 16: DAB, Tsingtau, o. D., 5 Dollars, Fantasiefälschung, Vorderseite. Abb. 17.1/2: DAB, Tsingtau, o. D., 10 Dollars, Fantasiefälschung, Vorder- und Rückseite. Gemäß der Anglo-Japanischen Allianz vom 30. Januar 1902 trat Japan am 23. August 1914 auf der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg ein. Natürlich konnte die kleine deutsche Besatzung von Tsingtau, die aus 4759 Soldaten und Reservisten sowie 305 österreichisch-ungarischen Matrosen bestand, dem japanischen Angriff nur begrenzt Widerstand leisten. Am 5. November 1914 ließ der Gouverneur, Käpiten zur See v. Meyer-Waldeck Siegel, Stempel, Briefmarken und Banknoten der DAB im Wert von 1 Million Dollars verbrennen. Nur zwei Tage später kapitulierten die Verteidiger. Abb. 18: Japanische Militärnote für Tsingtau (Qingdao), 1914, 10 Sen in Silver, Vorder- und Rückseite.[15] Mit den Japanern kam auch japanisches Militärgeld nach Tsingtau. Zwischen 1914 und 1918 wurden davon fast 3 Millionen Yen ausgegeben; 1925 waren noch Geldscheine im Wert von etwa 200.000 Yen nicht eingelöst. Die Scheine sind fast identisch mit den Ausgaben aus dem Russisch-Japanischen Krieg. Alle haben eine englische Wertangabe auf der Vorderseite, die meisten auch auf der Rückseite. Bei den frühen Ausgaben wurden offenbar Reste aus dem Precious-Krieg verwendet, denn es sind zwei Stückelungen bekannt, bei denen die englische Aufschrift auf Noten aus dem Russisch-Japanischen Krieg (datiert Meiji 37) überdruckt wurde, während die koreanischen Klauseln auf der Rückseite beibehalten wurden. Bei den späteren Ausgaben, die mit Taisho 3 datiert sind, wurde die englische Aufschrift auf der Vorder- und Rückseite mitgedruckt und die koreanischen Klauseln fortgelassen. Die folgende Tabelle gibt Auskunft über die Anzahl der hergestellten, ausgegebenen und 1926 noch nicht eingelösten Scheine: Der Wert der ausstehenden Scheine wird mit 161.956 Yen angegeben, was jedoch irreführend ist. Über die ausstehenden 10-Sen und 50-Sen-Scheine fehlen die Angaben in den Tilgungsunterlagen. Wahrscheinlich wurden sie mit den Militärscheinen aus dem Russisch-Japanischen Krieg verwechselt.[16] Während der japanischen Besatzung errichtete die Yokohama Specie Bank in Tsingtau eine Filiale. Sie durfte seit September 1901 außerhalb Japans Papiergeld ausgeben. Diese mussten zu einem Drittel in der ausgebenden Filiale gedeckt sein. 1918 emittierte sie auch in der Filiale Tsingtau Banknoten. Abb. 19: Yokohama Specie Bank Limited, Tsingtau, o. D. (1918) 10 Sen, Vorderseite.[17] Nach Keller hatte das deutsche ostasiatische Kreuzergeschwader des Grafen Spee große Mengen von Dollarscheinen der DAB für Zahlungszwecke an Bord, die dann mit den Schiffen in der Schlacht bei den Falkland-Inseln untergingen.[18] Meinhardt bezweifelt Kellers Ausführungen. „Seit 1871 war es üblich, den auf Auslandsreisen gehenden deutschen Kriegsschiffen Geldvorräte in Goldmünzen mitzugeben. Der Zahlmeister tauschte dann die benötigten Summen in die jeweilige Landeswährung um. Auch die Matrosen bekamen ihre Löhnung in der Währung des Landes ausgezahlt, in dessen Hafen sie Landgang hatten. … In den Kantinen der Schiffe wurde entweder für die Leute ein laufendes Konto geführt, das dann am Löhnungstag beglichen wurde, oder es wurden Kantinenmarken ausgegeben, die nur in der Kantine umgesetzt werden konnten. … Das Kreuzergeschwader hatte also an Bord gar keine Verwendung für die Scheine der Deutsch-Asiatischen Bank, wenn außerchinesische Häfen angelaufen werden mussten.“[19] Aber zurück zur Geschichte der DAB. Nach Besetzung Tsingtaus durch die Japaner wurde die dortige Niederlassung von den japanischen Behörden geschlossen. Die deutschen Beamten wurden ausgewiesen oder gingen mit den Verteidigern in Gefangenschaft nach Japan. Solange China neutral blieb, arbeiteten die Niederlassungen und Agenturen in Shanghai, Canton, Hankow, Peking, Tientsin und Tsinanfu weiter, wenn auch unter vorsichtiger Beschränkung auf diejenigen Geschäfte, welche die durch die Kriegsereignisse verworrenen Verhältnisse zuließen. Am 14. August 1917 trat dann China in den Krieg gegen Deutschland ein. Dies hatte zur Folge, dass die Niederlassungen unter Zwangsverwaltung gestellt wurden. Die in China erreichbaren Aktiva der Bank wurden zu Geld gemacht, die Forderungen an die Bank jedoch überwiegend unerfüllt gelassen. Die Banknoten der DAB wurden für ungültig erklärt. Nach einem Abkommen vom 6. Juni 1924 zwischen dem Deutschen Reich und China erhielt die DAB ihre Bankgebäude zurück, sodass sie 1925 ihre Schalter in Shanghai, Peking, Hankow, Tientsin und Tsingtau wieder öffnete. In den folgenden Jahren löste die Bank immer wieder vorgelegte Banknoten ein, die dann in China vernichtet wurden. Die Bilanz der Bank wies noch 1939 eine Rückstellung von 56.000 Yuan, das entsprach etwa 40.324 Taels, für noch außenstehende Noten aus, obwohl ihre offizielle Gültigkeit schon vor 22 Jahren erloschen war.[20] Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete auch das Aus der Geschäftstätigkeit der Bank in China. Am 27. September 1945 wurden die Filialen in Shanghai, Peking, Hankow, Tientsin sowie Tsingtau geschlossen. Am 26. November folgte die letzte Filiale in Canton. Im Februar 1947 erhielt die DAB in Hamburg von der britischen Besatzungsmacht die Lizenz zur Tätigkeit als Auslandshandelsbank. Es sollten jedoch noch Jahre vergehen, bis 1953 die Niederlassung in Shanghai wieder ihre Arbeit aufnehmen konnte. Zusammen mit ihren Partnerbanken in der EBIC-Gruppe gründete die Deutsche Bank Anfang der 1970er Jahre die "Europäisch-Asiatische Bank" (EURASBANK), in der die traditionsreiche Deutsch-Asiatische Bank aufging.[21] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Quelle: https://www.bing.com/images/search?view=detailV2&ccid=GWsJ9CKA&id=FC5532F2393CE2EFB032E1CE77C0F18D8585231A&thid=OIP.GWsJ9CKAv7QhrDm72jkdTQHaF7&mediaurl=https%3a%2f%2fimage.invaluable.com%2fhousePhotos%2fHIWEPA%2f35%2f644335%2fH5104-L170163956.jpg&cdnurl=https%3a%2f%2fth.bing.com%2fth%2fid%2fR.196b09f42280bfb421ac39bbda391d4d%3frik%3dGiOFhY3xwHfO4Q%26pid%3dImgRaw%26r%3d0&exph=801&expw=1000&q=Deutsch-Asiatische+Bank&simid=608019304951387273&FORM=IRPRST&ck=6BE5794FF5CF57129003E2F8206E6BA4&selectedIndex=2&ajaxhist=0&ajaxserp=0 (10.12.2022) [2] The Bund ist die englische Bezeichnung für die lange Uferpromenade am westlichen Ufer des Huangpu-Flusses. [3] Maximilian Müller-Jabusch, Fünfzig Jahre Deutsch-Asiatische Bank 1890–1939, Berlin 1940, S. 34 ff. [4] Quelle: (10.12.2022) [5] Quelle: (11.12.2022) [6] Quelle: (10.12.2022) [7] „Als Vertragshäfen oder Traktatshäfen bezeichnete man jene Häfen in China, Japan und Korea die im Rahmen der ‚Ungleichen Verträge‘ mit den europäischen Kolonialmächten im 19. Jahrhundert für den ausländischen Handel zwangs-‚geöffnet‘ worden waren. … Faktisch handelte es sich bei den Häfen um exterritoriale Niederlassungen. Die schwachen ostasiatischen Kaiserreiche wurden gezwungen, den Kolonialmächten in Hafenstädten deren eigene Verwaltung, eigene Gerichtsbarkeit, eigene Polizeigewalt und eigene Zollhoheit zu gewähren und ihnen damit Hoheitsrechte in diesen Städten zu überlassen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Vertragshafen (05.12.2022) [8] Quelle: (11.12.2022) [9] Quelle: (10.12.2022) [10] Quelle: (10.12.2022) [11] Ebenda, S. 219. [12] Dr. Arnold Keller, Das Papiergeld der Deutschen Kolonien, Münster/Westf. 1967, S. 123. [13] J. F. Wolf, Die Friedensausgaben der Deutsch-Asiatischen Bank 1907 und 1914, Potsdam 2020, S. 13. [14] Keller, S. 124. [15] Quelle: (11.12.2022) [16] Vgl. Yoshinori Ogawa, Hitoshi Kozono and Joseph E. Boling, Paper Money of the 20th Century, Paper Money of Japan (Volume 4B), IBNS 1987, S. 12. [17] Quelle: (11.12.2022) [18] Vgl. Keller, S. 134. [19] Dr. Günther Meinhardt, Die Geldgeschichte der ehemaligen deutschen Schutzgebiete, Heft 7: Deuschland in China, Rundschau der Geldzeichensammler, Dortmund 1965, S. 24. [20] Am 5. April 1932 führte die chinesische Regierung den Yuan ein. 100 Shanghai-Tael wurden zu 140 Yuan. [21] S. Prof. Werner Plumpe, Deutsche Bank in China, München 2008.

  • Zur Papiergeldgeschichte von Thailand, Teil 3: Gedenkbanknoten

    Matthias Böhme WORLD PAPER MONEY Papiergeldgeschichte Thailand, Teil 3: Gedenkbanknoten Papiergeld in Thailand Gedenkbanknoten Seit 1987 stehen an der Seite der hier bisher beschriebenen Umlaufbanknoten auch einige besondere Gedenkbanknoten. In Thailand war und ist es auch üblich, die Nominalwerte der Gedenkbanknoten dem Jubiläum anzupassen. Somit beginnen wir mit einer Gedenknote zum 60. Geburtstag des Monarchen (sein Antlitz wirkt jedoch wie 35-jährig) 1987 zu 60 Baht. THA-93: 60 Baht von BE 2530 (05.12.1987), Bank of Thailand, Gedenkbanknote zum 60. Geburtstag des Königs. Bereits 1969 hatte man Scheine der 11. Serie zu 5 und 10 Baht mit einem zusätzlichen Überdruck in Thai auf dem unteren weißen Rand der Vorderseite „Zum Gedenken an die Eröffnung der Banknotendruckerei der Bank von Thailand 24. Juni 1969“ versehen (THA-80/81). Es wurden je nur 10.000 Stück überdruckt. Zum 120-jährigen Bestehen des Finanzministeriums gab es 1995 eine 10-Baht-Note der 12. Serie mit rot gedrucktem Zusatztext auf dem unteren weißen Rand der Vorderseite. Davon sind gar 10 Millionen Exemplare hergestellt und in den Umlauf gegeben worden. Sicher fehlte es zu diesem Zeitpunkt gerade an diesem Nennwert im Land (THA-98). Zum 90. Geburtstag seiner Mutter ließ der Rama IX. auf den Noten zu 50 und 500 Baht der 13. Serie einen Gedenktext auf der Vorderseite in das weiße Feld des Wasserzeichens einsetzen. Dazu wurde auch das vorhandene Wasserzeichen durch eines mit dem Bild seiner Mutter ersetzt. Auch davon existieren seit 1990 einige Millionen Stück (THA-94/95). THA-96: 1000 Baht ohne Datum (1992), Bank of Thailand, Gedenkbanknote zum 60. Geburtstag der Königin. Anlässlich des 60. Geburtstags von Königin Sirikit erschien 1992 eine 1000-Baht-Note aus der 14. Serie mit einem Gedenktext auf dem weißen Schaurand der Rückseite, auch das Wasserzeichen zeigt das Bild der Königin. THA-99/100: 50/500 Baht ohne Datum (1996), Gedenkbanknoten zum 50. Thronjubiläum von Rama IX. Auf das besonders aufwendig und festlich begangene 50. Regierungsjubiläum von Rama IX. 1996 emittierte die Bank von Thailand drei Gedenknoten zu 50 und 500 Baht aus Polymer-Kunststoff und zu 500 Baht aus Papier (aus der 13. und 14. Serie). Die Note zu 50 Baht aus der 13. Serie, hier in Polymer-Kunststoff mit Durchsichtsfenster und geänderten Farben, zeigt auf der Vorderseite rechts neben dem Porträt das Jubiläums-Signum. Der Fünfhunderter aus der 14. Serie zeigt lediglich das Jubiläums- Signum in der Mitte auf der Vorderseite. THA-101: 500 Baht ohne Datum (1996), Gedenkbanknote zum 50. Thronjubiläum von Rama IX. Zusätzlich dazu wurde noch ein Fünfhunderter in Polymer-Kunststoff in einem Faltblatt mit Aufpreis abgegeben. Hier zeigt die Vorderseite, ähnlich wie auf der ersten Gedenkbanknote von 1987, den König auf seinem Thron, links das Jubiläums-Signum und rechts von ihm den Garuda als Reittier des Wischnu oder Krishna. Die dreifarbige Rückseite (Gelb, Grün, Braun) zeigt den Jubilar in thailändischer Landschaft bei tätiger Anleitung seiner Bauern. Ein goldnes Porträt im Durchsichtfenster vervollständigt die festliche Aufmachung. THA-105/106: 50/500.000 Baht ohne Datum (2000), Gedenkbanknoten zur Goldenen Hochzeit des Königspaars. 1999 beging der König seinen, im Buddhismus bedeutenden 6. Lebenszyklus, das heißt, seinen 72. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurde der Tausender der 14. Serie inmitten der Vorderseite mit dem besonderen Jubiläums-Signum versehen. Alle anderen Details gleichen der Normalausgabe. Auch hier betrug die Auflage wieder 10 Millionen Exemplare (THA-104). Bei der nächsten Gedenkausgabe begegnet uns eine ganz starke Sensation. Zur Goldenen Hochzeit genehmigte sich das Hohe Paar eine Banknote zu 50 Baht auf so dünnem Papier, dass man denken könnte, es stammt aus einer Zeitung. Das Paar im modernen Zivil ist sehr realistisch anzusehen, rechts und links davon Szenen aus beider Lebenslauf, dazu ihre jeweiligen, persönlichen Namens-Signa. Die rechte obere Ecke ziert ein goldenes Hologramm, das als besonderes Extra, bei Bewegung mal den König und mal seine Gattin zeigt. Die Rückseite der mit viel Gold und Grün gedruckten Note stellt uns wiederum Szenen aus der Geschichte des Paars vor. Von dieser 50-Baht-Note wurden wieder 10 Millionen gedruckt und ausgegeben. Jetzt kommt aber der Clou des Ganzen: Eine Note über stolze 500.000 Baht sollte mit einer Gesamtauflage von 1998 Stück insgesamt 999 Millionen Baht oder gegenwärtig ca. 25 Mio. Euro erbringen und den Haushalt ein wenig aufbessern. Der „Thai Banknotes Catalogue“ verzeichnet sogar einen Katalogpreis von 1.200.000 Baht (rund 33.500 Euro) für ein Exemplar. Um der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern willen, teilt sich die Gesamtauflage in jeweils 999 Stück mit dem Signum der Königin und 999 Stück mit dem Signum des Königs neben der Kontrollnummer. Ein Sammler, der seine Thailand-Sammlung komplett haben möchte, müsste dann schon tief in die Tasche greifen, wenn er beide Ausführungen haben wollte. Dagegen sind die möglichen Aufwendungen für alle vorher beschriebenen, historisch interessanten und bestimmt auch um vieles selteneren Banknoten von Siam und Thailand die berühmten „Peanuts“. THA-110: 10 Baht ohne Datum (2002), Gedenkbanknote „100 Jahre Papiergeld“. Weiter geht es nun bescheidener. 1902 erschienen die ersten dauerhaft umlaufenden Banknoten Siams unter der Regierung von Rama V. Das war für die Bank von Thailand Anlass, eine Gedenknote zu 100 Baht im Jahr 2002 auszugeben. Dem Anlass entsprechend, wurde auf der Rückseite eine der ersten Staatsnoten vom 1. April 1902 abgebildet, die Vorderseite zeigt folgerichtig die beiden Monarchen Rama V. und Rama IX. nebeneinander und im Unterdruck nochmals einen Anklang an die gefeierte, historische erste Ausgabe. Davon sind mehrere Millionen emittiert worden. THA-111: 100 Baht, ohne Datum (2004), Gedenkbanknote zum 72. Geburtstag der Königin. Auch die Königin gelangte eines Tages an ihren 6. Lebenszyklus, also wurde sie 72 Jahre alt und bekam auch ihre Gedenkbanknote zu 100 Baht im Jahr 2004. Die Auflage von 7.299.999 Stück wurde im schönen Faltblatt mit Aufgeld vertrieben. Hier wurde das Motiv auf Vorder- und Rückseite im Hochformat platziert. Auf der Vorderseite das glückliche Monarchen-Paar und auf der Rückseite die jugendliche Königin und einige ihrer Lebensstationen. THA-116: 60 Baht ohne Datum (09.06.2006), Gedenkbanknote zum 60. Thronjubiläum von Rama IX. Im Jahre 2006 feierte der hochbetagte König den 60. Jahrestag seiner Thronbesteigung und das war natürlich auch wieder Anlass zu einer Gedenkbanknote über 60 Baht. Wieder saß der König neben den bekannten königlichen Insignien auf seinem Thron, rechts von einem silbernen Hologramm und seinem Signum begleitet, links der unabkömmliche Garuda. Bei den vielen thailändischen Gedenkbanknoten, die mit König und Königin zu tun haben, sollte man nicht unerwähnt lassen, dass der Gewinn aus dem Verkauf der Banknoten an Sammler einem königlichen Hilfsfonds für wohltätige Zwecke zugute kommt. So wurden z. B. ländliche Regionen unterstützt und auch den Tsunami-Opfern von 2004 geholfen. THA-117: 16 Baht 2007, Gedenkausgabe zum 80. Geburtstag des Königs Rama IX. 2007 hat sich der Grafiker der Bank aus Thailand etwas Neues einfallen lassen. Der 80. Geburtstag des Königs war wieder eine besondere Gedenkbanknote wert. Auf einer Ausgabe wurden auf der Vorderseite drei ältere Noten mit unterschiedlichen Porträts vergangener Serien auf der Rückseite gepaart mit verschiedenen Szenen aus dem reichen Leben des Monarchen. Die Rückseite zeigt im Ganzen den Überfluss an Höhepunkten im langen Leben von Rama IX. Die Nominale von 1, 5 und 10 Baht sind natürlich nur symbolischer Art. Das Ganze gab es ja auch nur im aufwendigen Faltblatt mit Aufpreis und in einer Auflage von 15 Millionen Stück. THA-114: 100 Baht vom 21.10.2005, Gedenkbanknote: 100 Jahre Abschaffung der Sklaverei. Eine Gedenkausgabe von 2005 muss hier noch dazwischen geschoben werden. Im Jahre 1905 hob der damals regierende und höchst fortschrittliche König Rama V. die noch verbliebenen Reste der Sklaverei in Siam konsequent auf. Die Banknote zu 100 Baht vom 21. Oktober 2005 würdigte dieses historische Ereignis mit einer Szene auf der Rückseite, in der vom damaligen König die Aufhebung der Sklaverei verkündet wurde. THA-123: 100 Baht ohne Datum (2010), Gedenkbanknote: 60. Hochzeitstag des Königspaars. Eine weitere rote 100-Baht-Note erschien zum 60. Hochzeitstag des königlichen Paares im Jahr 2010, diesmal jedoch eine bescheidenere Ausführung als die vom Jahr 2000. Die Vorderseite entspricht der Umlaufnote, die Rückseite zeigt das grüßende Paar neben der Vermählungs-Szene von 1950. 20 Millionen Stück wurden davon gedruckt. THA-124: 100 Baht ohne Datum (2011), Gedenkbanknote: 7. Lebenszyklus des Königs. Der nächste Anlass ließ nicht lange auf sich warten. Was einmal gutes Geld gebracht hatte, soll auch weiter gutes Geld einbringen. Da feiert der gute König seinen 7. Zyklus, also seinen 84. Geburtstag, und das ist der Bank von Thailand mindestens einen Hunderter wert. Der musste aber dafür besonders attraktiv gestaltet werden, mit einer gelungenen Darstellung seines Porträts im Staatsornat und auf der Rückseite wieder mit unentbehrlichen Bildern aus seinem rastlosen Wirken für sein Volk. Der Druck wurde in goldenen Farbtönen gehalten. Auch hier die inzwischen für lukrativ erkannte Auflage von 20 Millionen Exemplaren im Faltblatt. THA-126: 100 Baht ohne Datum (2012), Gedenkbanknote: 5. Lebenszyklus des Kronprinzen. Ein Jahr später folgte die nächste Gedenkausgabe zu 100 Baht. Nun wurde der Vollendung des 5. Lebenszyklus des ältesten Sohns des Königs am 28. Juli 2012 gedacht. Zur üblichen Vorderseite des normalen 100-Baht-Scheins gesellt sich die Gedenkrückseite, die Maha Vajiralongkorn und neben ihm die Zeremonie seiner Ernennung zum Kronprinzen und Thronfolger zeigt. Auch hier beträgt die Auflage wieder 20 Millionen Stück. THA-125: 80 Baht ohne Datum (2012), Gedenkbanknote: 80. Geburtstag von Königin Sirikit. Und wieder war ein Jahr vergangen und in der ereignisreichen Familiengeschichte steht ein neues Jubiläum an. Die Königin wurde 80 Jahre alt. Ein guter Grund, um am 15. Juni 2012 eine Gedenkbanknote zu 80 Baht zu emittieren. Völlig neu gestaltet, weil nicht zur Umlaufserie passend, ist auf der Vorderseite das königliche Paar (der König darf natürlich nicht fehlen) und die Segnungs-Zeremonie abgebildet. Auf der Rückseite findet sich das Porträt der jungen Königin in ihren besten Jahren nebst Szenen ihrer gute Taten im Land. THA-127: 100 Baht ohne Datum (2015), Gedenkbanknote: 5. Lebenszyklus der Prinzessin. Erst im Jahr 2015 folgte die nächste Gedenkbanknote zu 100 Baht, diesmal natürlich mit der neuen Vorderseite mit Porträt des Königs in noch immer jugendlichen Gestalt. Aber die Rückseite gibt uns den Anlass der Ausgabe in einer Auflage von 20 Millionen Stück bekannt. Des Königs zweitälteste Tochter, Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, hatte ihren 5. Lebenszyklus erreicht, wurde also auch schon 60 Jahre alt. Das Porträt stellt die Prinzessin in einem Alter von etwa 25 Jahren dar, daneben ein Teil ihrer Familie. THA-128: 70 Baht ohne Datum (2016), Gedenkbanknote: 70. Thronjubiläum des Königs. Das einmalig seltene Fest des 70-jährigen Thronjubiläums am 12. Mai 2016 feierte die nächste Gedenkausgabe. Beidseitig auf einer 70-Baht-Banknote stehend der würdige Monarch, einmal mit Schwert in jungen Jahren, auf der anderen Seite in älterer Erscheinung. Die Auflage im gewohnten Faltblatt (mit Aufschlag) betrug wieder 20 Millionen Exemplare. THA-129: 500 Baht ohne Datum (2016), Gedenkbanknote: 7. Lebenszyklus von Königin Sirikit. Als letzte Ausgabe vor dem Tod des Königs kam noch eine Gedenkbanknote zur Ehrung der Vollendung des 7. Lebenszyklus (84. Geburtstag) von Königin Sirikit heraus. Die Vorderseite der Note zeigt das übliche Königsporträt aus der zu dieser Zeit aktuellen Serie. Die Rückseite zeigt Sirikit in jungen Jahren neben ihrer Familie. THA-135: 20 Baht ohne Datum (2018), Bank of Thailand: Begrüßungsserie für den neuen König Rama X. Für den neuen, jetzt regierenden König, der nun den Titel Rama X. trägt, ist 2018 eine erste Begrüßungsserie als neue Umlaufserie mit den gewohnten Nominalen von 20 bis 1000 Baht emittiert worden. Die Vorderseite zeigt das jugendliche Brustbild des aktuellen Monarchen in großer Uniform. Auf den Rückseiten sind beginnend mit dem 20-Baht-Schein jeweils zwei Monarchen der Chakri-Dynastie dargestellt. Auf dem Zwanziger also Rama I. und Rama II. und letztendlich auf dem Tausender Rama IX. und Rama X. Hinzu kommen auf den Rückseiten besondere Bauwerke oder Begebenheiten, die im Leben und in der Regierungsepoche dieser Könige bedeutungsvoll für Siam bzw. Thailand waren. Die Ausgabe dieser neuen Serie erfolgte ab 6. April 2018. Das waren bis März 2018 fast alle in Siam/Thailand emittierten Banknoten und papiernen Geldzeichen. Matthias Böhme Anmerkung der Redaktion THA-141: 1000 Baht ohne Datum (2020), Bank of Thailand: Gedenknote zur Krönungs-Zeremonie 2019. Auch für den neuen König gibt es zwischenzeitlich bereits eine Gedenknote, und zwar zu dessen Krönungs-Zeremonie im Jahr 2019.

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