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  • Lexikon: Eisenbahnscheine

    Als Eisenbahnscheine wurden die Ausgaben verschiedener Eisenbahngesellschaften bezeichnet, die im 19. Jahrhundert für den Bau von Eisenbahnstrecken gegründet wurden und deren Finanzierung dienten. Anhalt-Cöthen-Bernburger Eisenbahn-Gesellschaft 1846 – 1856 Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie 1838 – 1870 Anhalt-Cöthen-Bernburger Eisenbahn-Gesellschaft: Cassenschein über 1 Thaler vom 20. Februar 1850, Vorder- und Rückseite, Sammlung Beerenwinkel. Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie, Cassenschein über 1 Thaler von 1870, Vorder- und Rückseite, Sammlung Beerenwinkel. Die Bezeichnung ist zeitgenössisch und hatte in ihrer ursprünglichen Ausprägung nichts mit den späteren Notgeldausgaben der Deutschen Reichsbahn, ihrer Reichsbahndirektionen und Dienststellen sowie von Privatbahnen zu tun. Aus heutiger Sicht kann man natürlich auch diese Scheine als "Eisenbahnscheine" bezeichnen. Deutsche Reichsbahn, Reichsbahndirektion Karlsruhe, Gutschein über 10 Billionen Mark vom 15. Oktober 1923, Vorder- und Rückseite, Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Literaturhinweise: Die Eisenbahnscheine des 19. Jahrhunderts findet man im Katalog des Papiergelds der altdeutschen Staaten. Hans-Ludwig Grabowski | Manfred Kranz Das Papiergeld der altdeutschen Staaten Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Mehr lesen … Leseprobe Anton Geiger | Manfred Müller | Hans-Ludwig Grabowski Das Papiergeld der deutschen Eisenbahnen und der Reichspost Deutsches Notgeld, Band 13 Mehr lesen … Leseprobe Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 35

    Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Zeitalter und Stile in Europa, Vorschlag T 307 Kenneth Ponsaers Geboren 1949 in Wilrijk, Belgien. Studierte Grafikgestaltung in Antwerpen und Brüssel. Designer bei der belgischen Zentralbank. Entwarf die Vorderseiten dieser Euro-Entwürfe. Nathalie Paquot Geboren 1964 in Huy, Belgien. Studierte Design in Lüttich. Designerin bei der belgischen Zentralbank. Entwarf die Rückseiten dieser Euro-Entwürfe. 5 Euro, Vorderseite: Fries mit Palmetten-Lotusranken; Rückseite: Akanthusblatt und Detail der ionischen Ordnung, stilisierter antiker Tempel. 10 Euro, Vorderseite: Fragment eines romanischen Portals, Büste; Rückseite: stilisierte Kirche und Fragment eines romanischen Kapitells sowie Bogenfries. 20 Euro, Vorderseite: Fragment eines gotischen Spitzbogens, Porträt, Rosetten; Rückseite: stilisierte gotische Kathedrale, Fensterrose, Portalfragment. 50 Euro, Vorderseite: Porträt der Renaissance, Muschelnische; Rückseite: stilisierte Kirche, Muschel, steinerne Wendeltreppe, Lilie. 100 Euro, Vorderseite: Rokoko-Porträt und Rocaille-Elemente; Rückseite: Fassade einer Basilika, Spiralsäule und Deckenfragment. 200 Euro, Vorderseite: Porträt, Holzarbeit und Buntglas aus der Zeit des Jugendstils; Rückseite: Industriegebäude aus Stahl und Glas sowie Kunstschmiedearbeit. 500 Euro, Vorderseite: Modernes weibliches Porträt, Art-déco-Muster; Rückseite: moderne Architektur, Edelstahlstruktur, Dekormuster. Fortsetzung folgt … Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)

  • Entwürfe zur aktuellen Banknotenserie der Schwedischen Reichsbank

    Sowohl unsere Reihe zu den Entwürfen für die ersten Euro-Banknoten, als auch die Beiträge zu den polnischen Banknoten-Entwürfen von Andrzej Heidrich https://www.geldscheine-online.com/post/polnische-geldscheine-begrenztes-sammelgebiet-nicht-ausgegebene-scheine https://www.geldscheine-online.com/post/leserpost-nicht-ausgegebene-polnische-banknoten https://www.geldscheine-online.com/post/noch-mehr-polnische-entw%C3%BCrfe-von-andrzej-heidrich) stießen auf viel Interesse. Dank unserem Leser und Autor Manfred Dietl, können wir hiermit nun auch verschiedene Entwürfe zur aktuellen Banknotenserie Schwedens vorstellen. Die würdigt bedeutende schwedische Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. https://www.geldscheine-online.com/post/schweden-neue-banknotenserie Die auf den Rückseiten dargestellten Landschaften stehen jeweils in Bezug zu den Persönlichkeiten, deren Porträts sich auf den Vorderseiten finden. Die Neugestaltung der Banknoten geht auf einen 2011 von der Schwedischen Reichsbank ausgerufenen Wettbewerb zurück, den Göran Berglunds Beitrag „Kulturresan“ (Die Kulturreise) gewonnen hatte. Wir zeigen Ihnen pro Nominal jeweils eine Umlaufnote und Entwürfe aus sieben verschiedene Entwurfs-Serien. Umlaufserie 20 Kronen: Astrid Lindgren (1907–2002), schwedische Schriftstellerin Königreich Schweden, Schwedische Reichsbank: 20 Kronen ohne Datum (2015), Vorder- und Rückseite. 50 Kronen: Evert Taube (1890–1976), schwedischer Dichter, Komponist, Sänger und Maler Königreich Schweden, Schwedische Reichsbank: 50 Kronen ohne Datum (2015), Vorder- und Rückseite. 100 Kronen: Greta Garbo (1905–1990), schwedische Filmschauspielerin Königreich Schweden, Schwedische Reichsbank: 100 Kronen ohne Datum (2016), Vorder- und Rückseite. 200 Kronen: Ingmar Bergman (1918–2007), schwedischer Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur Königreich Schweden, Schwedische Reichsbank: 200 Kronen ohne Datum (2015), Vorder- und Rückseite. 500 Kronen: Birgit Nilsson (1918–2005), schwedische Opernsängerin Königreich Schweden, Schwedische Reichsbank: 500 Kronen ohne Datum (2016), Vorder- und Rückseite. 1000 Kronen: Dag Hammarskjöld (1905–1961), schwedischer Politiker, Generalsekretär der Vereinten Nationen, Friedensnobelpreisträger Königreich Schweden, Schwedische Reichsbank: 500 Kronen ohne Datum (2016), Vorder- und Rückseite. Entwurfsserie A 1. Entwurf zur 20-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 1. Entwurf zur 50-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 1. Entwurf zur 100-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 1. Entwurf zur 200-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 1. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 1. Entwurf zur 1000-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. Entwurfsserie B 2. Entwurf zur 20-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 2. Entwurf zur 50-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 2. Entwurf zur 100-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 2. Entwurf zur 200-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 2. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 2. Entwurf zur 1000-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. Entwurfsserie C 3. Entwurf zur 20-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 3. Entwurf zur 50-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 3. Entwurf zur 100-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 3. Entwurf zur 200-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 3. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 3. Entwurf zur 1000-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. Entwurfsserie D 4. Entwurf zur 20-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 4. Entwurf zur 50-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 4. Entwurf zur 100-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 4. Entwurf zur 200-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 4. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 4. Entwurf zur 1000-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. Entwurfsserie E 5. Entwurf zur 20-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 5. Entwurf zur 50-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 5. Entwurf zur 100-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 5. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 5. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 5. Entwurf zur 1000-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. Entwurfsserie F 6. Entwurf zur 20-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 6. Entwurf zur 50-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 6. Entwurf zur 100-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 6. Entwurf zur 200-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 6. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 6. Entwurf zur 1000-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. Entwurfsserie G 7. Entwurf zur 20-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 7. Entwurf zur 50-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 7. Entwurf zur 100-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 7. Entwurf zur 200-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 7. Entwurf zur 500-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. 7. Entwurf zur 1000-Kronen-Note, Vorder- und Rückseite. Hans-Ludwig Grabowski Abb. der Entwürfe: Manfred Dietl

  • "Code Talker" und Geldscheine in Fernost und im Indopazifik

    Der Überraschungsangriff japanischer Flugzeuge auf den US-Marinehafen Pearl Harbor/Hawaii am 7. Dezember 1941 mit der Vernichtung eines Teils der US-Pazifikflotte hatte zur Folge, daß die USA am Tag darauf Japan den Krieg erklärte. Nach dem Beschuss des polnischen Munitionsdepots auf der Westerplatte im Freistaat Danzig durch das deutsche Schulschiff „Schleswig-Holstein“ am 1. September 1939 und den folgenden Überfällen der deutschen Wehrmacht auf seine Nachbarländer ab 1940 wurde aus dem europäischen Krieg der Zweite Weltkrieg. Am 11. September 1941 erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die USA – am 22. Juni 1941 war die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion einmarschiert. Schon im Sommer 1937 begann der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg mit Besetzung chinesischer Gebiete einschl. Hong Kongs und Teile der Mandschurei. Seit 1895 waren Formosa (Taiwan) und ab 1910 Korea (Chosen) japanische Kolonien. Bis Mitte 1942 hatte die japanische kaiserliche Armee die meisten Inseln Ozeaniens unter ihrer Kontrolle; auch das damalige Burma, die Philippinen, Teile Niederländisch-Ostindiens und Malaysias wurden von ihnen erobert. Abb. 1: Asien/Australien/Pazifik, Rot = japanisch besetzte Gebiete und Beginn des Gegenangriff der US-Marine (Zentral- und Süd-Offensiven 1942). Von Anbeginn der Gegenangriffe der US Army, Navy und der Air Force hatten die Landstreitkräfte sog. "Code Talkers" im Einsatz. Das waren Angehörige u. a. der Navajo, die in ihrer eigenen Sprache die Kommunikation zwischen einzelnen Kommandostellen ermöglichten. Man konnte auf die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg aufbauen, wo amerikanische Ureinwohner in der Armee dienten, ihre Nachrichten aus dem Englischen in Navajo (Na-Dené) übermittelten und zurück ins Englische übersetzten. 1942 wurde 29 Navajo-Indianer rekrutiert – am Ende des Zweiten Weltkriegs waren es über 400 "Code Talker". Brauchte man 1942 noch eine halbe Stunde, dreizeilige Funksprüche zu verschlüsseln, zu übermitteln und anschließend wieder zu entschlüsseln, so schafften das die Navajos in 20 Sekunden. Dinge, die es in der Sprache der Ureinwohner nicht gab, umschrieb man mit neuen Bezeichnungen: bspw. gab es kein Navajo-Wort für „U-Boot“, die Code-Sprecher verwendeten den Begriff „besh-lo“, was übersetzt „Eisenfisch“ bedeutet. „Flugzeug“ wurde als „Kolibri“, „Bombenflugzeug“ als „schwangerer Vogel“ und „Bombe“ als „Ei“ übersetzt. Die Japaner konnte diese Nachrichten weder deuten noch entschlüsseln; die Navajos (und Angehörige mindestens weiterer 14 anderer Native Americans, darunter Cherokee, Comanchen, Fox, Schoschonen, Sioux) waren zur Geheimhaltung verpflichtet und durften selbst mit ihren Familien nicht darüber sprechen. Die "Code Talker" entwickelten ein Wörterbuch mit 211 Begriffen (später auf 411 erweitert) für militärische Wörter und Namen, die ursprünglich nicht in der Navajo-Sprache existierten. Die Code-Sprecher wurden meist paarweise einer Einheit zugeteilt – während des Kampfes bediente eine Person das tragbare Funkgerät, während die zweite Person Nachrichten in der Muttersprache weiterleitete oder empfing. Ihre Arbeit war besonders im Pazifik sehr gefährlich, da japanische Soldaten absichtlich Offiziere, Sanitäter und Funker ins Visier nahmen. Die Arbeit von Hunderten von Code-Sprechern war für den Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg von entscheidender Bedeutung; sie waren bei vielen wichtigen Schlachten dabei, u. a. auch am Utah Beach während der Invasion im Juni 1944 in der Normandie. Major Howard Connor, der 5. US-Marine-Division bestätigte „Ohne die Navajos hätten die Marines Iwo Jima niemals eingenommen.“ Abb. 2: Angehörige der Navajo als "Code Talker": Cpl. H. Bake, Jr. und PFC G. H. Kirk im Dezember 1943 in Bougainville/Salomon-Inseln. Als 1968 das Code-Talker-System des Zweiten Weltkriegs öffentlich gemacht wurde, war die nationale Anerkennung zurückhaltend. Während es in den 1970er und 1980er Jahren wenig Anerkennung gab, wurden die Navajo und andere "Code Talkern" erst 2001 vom US-Kongress mit staatlichen Ehrungen und Wertschätzungen gewürdigt. In den 2010er Jahren lebten noch etwa ein Dutzend früherer Code-Sprecher; Samuel Sandoval starb als letzter Navajo-"Code Talker" am 29. Juli 2022 im Alter von 98 Jahren. Abb. 3: Veteran der Navajo-"Code Talker", bei einer Parade am 12. November 2012 in New York. Beispiele für Navajo-Begriffe: Für die 1941/42 besetzten Gebiete fertigten die Japaner bis 1944 sog. Besatzungsgeld an, das sie mit unterschiedlichen Präfix-Serienbuchstaben kennzeichneten: B für Burma (1 Cent bis 100 Rupees), M für British Malaya (1 Cent bis 1000 Dollars), O für Ozeanien (Polynesien/Mikronesien/Melanesien – 1/2 Shilling bis 1 Pound), P für Philippinen (1 Centavo bis 1000 Pesos) und S für Sumatra/Niederländisch-Indien (1 Cent bis 100 Roepiah). Wurde für die Scheine mit den Präfix-Buchstaben B bis P immer die englische Bezeichnung „The Japanese Government“ aufgedruckt, so trugen die für Niederländisch-Indien verwendeten Scheine anfangs die Entsprechung „De Japansche Regeering“ und später „Pemerintah Dai Nippon“ gefolgt von „Dai Nippon Teikoku Seihu“ (Kaiserliche Japanische Regierung). Von den meisten JIM-Ausgaben (JIM = Japanese Invasion Money) sind viele Fälschungen bekannt (auch von den Alliierten gefertigt) sowie allerlei Fantasie-Scheine nachweisbar. Abb. 4: 1 Rupee o. D. (B 1942), Vs., Ausgabe für Burma (mit Wasserzeichen). Abb. 5: 1 Dollar o. D. (M 1942), Vs., 2. Ausgabe für Malaya (mit Wasserzeichen). Abb. 6: 1 Pound o. D. (O Januar bis März 1942), Vs., seltene Ausgabe, ausgegeben auf den Gilbert-Inseln, den Salomonen, Neubritannien und Papua-Neuguinea = 1 Australisches Pfund. Abb. 7: 1 Peso o. D. (P 1942), Vs., seltene Ausgabe, ausgegeben auf den Philippinen. Abb. 8: 1 Gulden o. D. (S 1942), Vs., 3. Ausgabe für die niederl.-indischen Inseln. Die US-Amerikaner trafen nach ihren siegreichen Kämpfen bis 1945 auf unterschiedliche Geldscheine, die japanischen Ursprungs waren und nach und nach ungültig, d. h. wertlos wurden. Abb. 9: Sgt. Major W. B. Richard mit einer Kiste japanischer Gelder in Guadalcanal/Salomonen. Abb. 10: Commander S. J. Wilson am 10. April 1945 nach der Einnahme von Manila durch die US-Amerikaner. Abb. 11: unbekannter Sergeant der US Air Force 1945 auf einer Straße von Rangun/Burma. Japanisches Besatzungsgeld war auch für die größte russische Insel Sachalin vorgesehen und eine ganze Serie in den Werten 10 und 50 Kopeken, 1 und 5 Rubel sowie 1 Tscherwonez mit dem Aufdruck Императорское японское правительство (Kaiserliche Japanische Regierung) gedruckt. Gebiete Sachalins wurden 1905 durch Japan teilweise und 1925 völlig annektiert. Nach der Kapitulation Japans kam die geteilte Inselgruppe im September 1945 wieder zur Sowjetunion. Abb. 12: 1 Rublj o. D., Vs., für die japanische Besetzung Sachalins vorgesehen, nicht ausgegeben; die Rückseite ist identisch mit der 1-Dollar-Besatzungs-Ausgabe für Malaya. Für die geplante Besetzung Japans durch die US-Amerikaner vergab das Bureau of Engraving and Printing (BEP) in Washington die meisten Druckaufträge an die Stecher-Traung Lithograph Corp. in San Francisco und nicht an die Forbes LMCo. in Boston; der kürzere Weg war wohl ausschlaggebend. Später druckte auch das BEP und die Druckerei des japanischen Finanzministeriums diese Sen- und Yen-Scheine. Man fertigte zwei Serien an: eine A-Serie und eine B-Serie. A-Scheine für die Befreiung Koreas (ab 7. September 1945 im Umlauf) und für die Besetzung Japans (ab 19. Juli 1946 im Umlauf) sowie die B-Serie für die Besetzung Japans (ab 6. September 1945 im Umlauf) und den Ryukyu-Inseln (ab 15. Juli 1948). Mit A wurden gedruckt: 10 und 50 Sen sowie 1, 5, 10, 20 und 100 Yen; mit B: ebenfalls diese Wertstufen und ein 1000-Yen-Schein. Austauschnoten wurden mit dem Präfix-Buchstaben H statt einem A gekennzeichnet. Abb. 13: 20 Yen o. D. (A 1945), Vs., in Höhe von reichlich 4,5 Mio. Yen bei Stecher-Traung gedruckt. Abb. 14: 20 Yen o. D. (B 1945), Vs., in Höhe von reichlich 35,4 Mio. Yen bei Stecher-Traung gedruckt. Abb. 15: Kontrolle ganzer Druckbogen 10 × 20 Scheine zu 1 Yen der Serie A bei Stecher-Traung Lithograph Corp. San Francisco. Alle Scheine der Military Currency Yen-Währung galten noch bis zum 20. September 1958 auf Okinawa, der südlichsten japanischen Inselgruppe. Aber auch die Australier hatten Besatzungsgeld für die Gebiete im indopazifischen Raum vorbereitet. Einerseits wurden Scheine zu 10 und 50 Yen der AMOC (Allied Military Occupation Currency) sowie für die australische British Commonwealth Occupation Force (BCOF) gedruckt, es ist aber auch ein Entwurf eines 100-Yen-Scheins bekannt; sie liegen alle im Archiv der Reserve Bank of Australia. Ursprünglich sollten BCOF-Besatzungsscheine in den Werten 10 Shillings, 1, 5 und 10 Pounds gedruckt werden. Die Rückseiten sollten das Abzeichen der „Australian Commonwealth Military Forces“ mit einer stilisierten aufgehenden Sonne über der britischen Krone zeigen. Am 4. Februar 1944 wurde dieser Plan verworfen und am 1. März 1944 einigte man sich auf Besatzungsgeld in Yen-Währung: 1, 5, 10 und 50 Yen. Die Einreichung der Entwürfe wurde bei der Abteilung für die Notenausgabe vom 3. März 1944 mit dem Kommentar bestätigt, dass „das Design die Anforderungen erfüllen sollte, falls die Behörden entscheiden, eine Besatzungswährung auszugeben. Dies wird jedoch als sehr unwahrscheinlich angesehen. Entwürfe und Ausschnitte sind beigefügt.“ Abb. 16: 10 Yen o. D. (1944), Vs., mit der Bezeichnung „Allied Military Occupation Currency“. Abb. 17: 50 Yen o. D. (1944), Vs., mit der Bezeichnung „Allied Military Occupation Currency“ . Abb. 18: 50 Yen o. D. (1944), Vs., mit der Bezeichnung „British Commonwealth Occupation Force Japan“ und „ausgestellt vom gemeinsamen Stabschef, Australien“. Die Währungsverhältnisse im indopazifischen Raum nahmen nach dem Sieg über Japan sehr unterschiedliche Entwicklungen. Stellvertretend dafür sind die sog. „Victory Notes“, die auf den Philippinen nach den Kämpfen im Oktober 1944 ausgegeben wurden. Das waren die in den USA vom BEP gedruckten Schatzscheine – ohne Datum und mit zusätzlichem rückseitigem Aufdruck. Abb. 19: 1 Peso o. D. (1944), Rs., mit dem Aufdruck „VICTORY“ . Am 20. Oktober 1944 landete US-General Douglas MacArthur auf der Insel Leyte und die Legende erzählt, dass er angeblich zehn Sets der ersten Victory-Scheine bei sich hatte. Die Scheine von 1 bis 20 Pesos lagen aber schon ab dem 9. September 1944 bei den US-Finanzoffizieren vor, die Scheine zu 50 und 100 Pesos ab dem 29. November 1944 und die 500-Pesos-Noten erst im Februar 1946. Abb. 20: 10 Pesos o. D. (1944), Vs., VICTORY/SERIES NO. 66. Abb. 21: 20 Pesos o. D. (1944), Vs., Unterschriften: S. Osmeña/M. Guevara. Abb. 22: 20 Pesos o. D. (1944), Vs., Treasury Certificate, aus dem F00000010-Set. 1949 wurden ähnliche Scheine, nun aber mit dem zusätzlichen Aufdruck „CENTRAL BANK/OF THE PHILIPPINES“ überdruckt. Diese Überdrucke wurden auf den Restbeständen der Victory-Scheine der Srie 66 von 1944 in Rot gefertigt. Das Rätsel um die Bedeutung der Serie 66 ist bis heute ungelöst. Eine Anfrage an das FBI erbrachte nur die vage Aussage, daß die „66“ auf das Alter des Bankpräsidenten Sergio Osmeña hinweist. Er war im Jahr 1944 tatsächlich 66 Jahre alt. Abb. 23: 50 Pesos o. D. (1949), Rs., 163.000 Stück wurden aus 1944er Beständen der Victory-Scheine, Serie 66, überdruckt. Michael H. Schöne Quellen: http://asiamoney.weebly.com https://www.atlas-repropaperwork.com https://www.nationalww2museum.org https://tonyjamesnoteworld.biz https://en.wikipedia.org https://wwiiafterwwii.wordpress.com

  • Curaçao und Sint Maarten: Karibischer Gulden soll 2024 eingeführt werden

    Die Centrale Bank van Curaçao en Sint Maarten gab am 5. September 2022 bekannt, dass die Einführung des Karibischen Guldens als neue Währung der beiden Länder für das Jahr 2024 in Planung sei. Im Jahr 2010 wurde der Landesverband der Niederländischen Antillen endgültig in die drei autonomen Länder Aruba, Curaçao und Sint Maarten innerhalb des niederländischen Königreichs sowie in die restlichen Gebiete, die zu "Besonderen Gemeinden" der Niederlande wurden, aufgelöst. Vom Antillen-Gulden als ehemalige Gemeinschaftswährung haben sich bereits alle Gebiete abgelöst – bis auf Curaçao und Sint Maarten: In Aruba, bereits seit 1985 autonom, stellt der Aruba-Florin die Landeswährung dar, während in den "Besonderen Gemeinden" der ehemaligen Niederländischen Antillen der US-Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel gültig ist. Der Karibische Gulden für Curaçao und Sint Maarten sollte den Antillen-Gulden ursprünglich im Verhältnis 1:1 ablösen, jedoch stießen die bisherigen Pläne auf zahlreiche Schwierigkeiten und es wurde immer wieder ein Einführungsdatum bekanntgegeben und wieder zurückgenommen. In der Zwischenzeit wurden die Münzen und Banknoten im Antillen-Gulden weitergeprägt und -gedruckt, jedoch wäre es angesichts der technischen Fortschritte auch langsam an der Zeit für eine neue Münz- und Banknoten-Serie. Abb. 10 Antillen-Gulden der Bank van de Nederlandse Antillen mit dem Datum 1. August 2016. Die Regierungen beider Länder haben sich neben dem Jahr 2024 als anvisierten Einführungstermin auch auf folgende Eckpunkte geeinigt: Es sollen Banknoten in den Stückelungen zu 10, 20, 50, 100 und 200 Gulden ausgegeben werden, ebenfalls Münzen zu 1, 5, 10, 25 und 50 Cents sowie 1 und 5 Gulden. Zum Wechselkurs: Die 250-Antillen-Gulden-Note soll durch die zu 200 Karibischen Gulden ersetzt werden, die zu 25 Antillen-Gulden durch die zu 20 Karibischen Gulden. Des Weiteren ist wieder eine Koppelung an den US-Dollar vorgesehen (1 US-Dollar = 1,79 Karibische Gulden). Kana Totsuka Abb. Hartmut Fraunhoffer (www.banknoten.de)

  • "Deutsches Geld" aus dem "Wilden Westen"

    Im 19. Jahrhundert verließen Tausende Deutsche ihre Heimat, darunter auch viele aus dem Westerwald. Dieses karge und klimatisch raue Mittelgebirge gehörte seit 1815 politisch zur preußischen Rheinprovinz und dem Herzogtum Nassau. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung lebte am Existenzminimum. „Die Armut ist hier ein Erbstück des Volkes geworden, der Hunger ist nicht bloß heuer, sondern in jedem Frühling der treueste Hausfreund“ 1), so Wilhelm Heinrich Riehl in seiner Beschreibung der Region. Im Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ heißt es „etwas Besseres als den Tod findest du überall“, und so machten sich komplette Dorfgemeinschaften auf den Weg, um ihr Glück in Amerika zu suchen. Am 20. April 1842 traf sich ein illustrer Kreis im nassauischen Residenzschloss in Biebrich am Rhein. Gastgeber war der regierende Herzog Adolf von Nassau. Mit von der Partie waren Prinz Friedrich von Preußen, Herzog Ernst von Sachsen-Coburg, der Landgraf von Hessen-Homburg, die Prinzen Carl, Ferdinand und Alexander von Solms-Braunfels, die Grafen Clemens, Joseph und Anton von Boos-Waldeck, Fürst Victor von Alt-Leiningen, Graf Carl von Castell sowie Fürst Maurice von Nassau. Sie waren zusammengekommen, den Strom der auswanderungswilligen Landeskinder in eine noch zu errichtende deutsche Siedlungskolonie in Texas zu lenken. Natürlich lag ihnen nicht nur das Wohl der Auswanderer am Herzen, sondern man hoffte auch auf satte Gewinne aus dem Unternehmen, z. B. durch die Intensivierung des Handels mit Übersee. So gründeten 21 Vertreter des deutschen Hochadels den „Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“ – kurz „Texasverein“, oder „Mainzer Adelsverein“ genannt. Abb. 1: Das Logo des „Mainzer Adelsvereins“ Quelle: Wikipedia 2) Dass die Wahl auf Texas fiel, hatte handfeste Gründe: Das Land hatte sich 1836 von Mexiko getrennt, war zu diesem Zeitpunkt nur dünn besiedelt und die texanische Regierung unter Präsident Housten warb um Siedler. Riesige Ländereien, sog. Grants, wurden für wenig Geld an Einzelpersonen und Gesellschaften verkauft. Einzige Bedingung: Dieses Land musste innerhalb einer bestimmten Frist besiedelt und bewirtschaftet werden, ansonsten fiel es an den Staat zurück. Abb. 2: Karte des Staates Texas, 1851, Quelle: Wikipedia 3) Schon im Juni 1842 reisten Fürst Viktor von Alt-Leiningen und Graf Joseph von Boos-Waldeck nach Texas, um mit der texanischen Regierung über die Überlassung von Siedlungsland zu verhandeln. Die Gespräche waren nicht erfolgreich. Statt des benötigten Siedlungslandes erwarben sie für 3500 Texas-Dollars eine Plantage mit 1800 Hektar Land, die sie Nassau nannten. Das Fazit ihrer Erkundungsreise war ernüchternd; eine Ansiedlung von Kolonisten im großen Stil schien nicht machbar, allenfalls Plantagen, die von Sklaven bearbeitet würden, böten einer kleinen Zahl deutscher Siedler ein Auskommen. Trotzdem hielt man am Projekt fest und wandelte den Verein am 25. März 1844 sogar in eine Aktiengesellschaft um, die mit einem Kapital von 400.000 Gulden ausgestattet wurde. Mit dem Geld sollten 6000 Familien in Texas angesiedelt werden. Abb. 3: Friedrich Wilhelm Carl Ludwig Georg Alfred Alexander Prinz zu Solms-Braunfels, genannt Texas-Carl (* 27. Juli 1812 in Neustrelitz; † 13. November 1875 auf Schloss Rheingrafenstein bei Kreuznach). Quelle: Wikipedia 4) Im Mai 1844 brach Prinz Carl von Solms-Braunfels, der zum Generalkommissar für die deutsche Einwanderung ernannt wurde, nach Galveston auf, wo er am 1. Juli eintraf. Allerdings hatte der Prinz bei seinen finanziellen Unternehmungen keine glückliche Hand, sodass sich die Schulden häuften. Sein Amtsnachfolger Otfried Hans Freiherr von Meusebach, der in Texas nur als John Meusebach bekannt wurde, musste ihn durch Zahlung von 10.000 Dollars aus dem „Schuldturm“ auslösen. Erst dann durfte der Prinz am 15. Mai 1845 nach Deutschland zurückkehren. Abb. 4: Otfried Hans Freiherr von Meusebach (* 26. Mai 1812 in Dillenburg; † 27. Mai 1897 in Loyal Valley, Mason County, Texas, USA). Quelle: Wikipedia 5) Parallel zu den Aktivitäten des Prinzen erwarb der „Verein“ von dem aus Kassel stammenden texanischen Konsul Henry Fisher ca. 15.000 Quadratkilometer im Landesinneren. Der Fisher-Miller-Grant lag zwischen dem heutigen San Saba und San Angelo. Laut Vertrag vom 24. Juni 1844 sollten 2000 Familien bis zum 1. März 1846 und 6000 Familien bis spätestens zum 1. September 1847 das Gebiet besiedeln. Um diese Bestimmungen erfüllen zu können, versprach der Verein jeder auswanderungswilligen Familie gegen Schuldschein 600 Gulden, freie Überfahrt und in Texas 320 Acres (1 Acre = 4000 m²) Land. Am Zielort sollten die Siedler zu günstigen Preisen Blockhäuser, Vieh und Werkzeuge erwerben können. Auch wollte der Verein für den Bau von Kirchen, Schulen, Apotheken und Krankenhäusern sorgen. Als Gegenleistung sollten die Einwanderer innerhalb von drei Jahren 15 Acres des zugeteilten Landes kultiviert und ein Haus bezogen haben. Wurden diese Bedingungen erfüllt, sollte beides in ihr Eigentum übergehen. Am 18. September 1844 verließen die ersten Auswanderer Bremen, weitere Schiffe folgten am 29. September und 12. Oktober. Dem erworbenen Territorium fehlte jegliche Infrastruktur, es befand sich 230 Meilen ohne Straßen und Wege entfernt vom Landungsplatz, den der Prinz für den Seehafen des Adelsvereins erworben hatte und auf Carlshafen (Indianola) taufte. Abb. 5: Deutsche Siedler auf dem Weg nach New Braunfels, 1844 Quelle: Wikipedia 6) Am Karfreitag, dem 21. März 1845, erreichten die ersten 439 deutschen Siedler nach dreimonatigem Treck unter großen Verlusten den Guadalupe River. Hier hatte der Prinz wenige Tage zuvor (14. März) einen Landstrich von 1.265 Acres von Maria Antonia Veramendi Garza und ihrem Ehemann für 1112 Dollars erworben. Auf ihm entstand die Stadt Neu-Braunfels. Das Land lag nordöstlich von San Antonio am El Camino Real de los Tejas, auf halben Weg zwischen der Golfküste (Carlshafen [Indianola]) und dem Fisher-Miller-Grant in Zentraltexas. Es war bereits abzusehen, dass es die Siedler nicht schaffen würden, Blockhäuser vor dem Winter an ihrem landeinwärts liegenden Ziel zu bauen. Es blieb also nur die Möglichkeit alles Weitere hier abzuwarten. In einem Artikel der in Galveston erscheinenden „Weekly News“ vom 12. November 1877 berichtet ein Überlebender dieses ersten Todesmarsches: „Als Baron von Meusebach an die Küste zurückkehrte, stellte er fest, dass in Indianola Schiffe mit 6000 Einwanderern entladen worden waren, für deren Aufnahme und Transport nicht die geringsten Vorbereitungen getroffen worden waren. Diese unglücklichen Opfer lebten in Löchern, die sie selbst gegraben hatten, ohne Dach und ohne Trinkwasser, außer dem, das vom Himmel fiel. Meusebach hatte einen Vertrag mit Fuhrleuten abgeschlossen, um die Einwanderer ins Landesinnere nach New Braunfels zu bringen. Stattdessen liefen die Fuhrleute weg, um mehr Geld zu verdienen, indem sie für die US-Armee arbeiteten (es war zu Beginn des Mexikanischen Krieges). Sie ernährten sich hauptsächlich von Fisch und Wildenten, denn keiner von ihnen hatte Gewehre dabei, mit denen man größeres Wild erlegen konnte. Wochenlang regnete es, und die Marschlande waren kilometerweit mit knietiefem Wasser bedeckt. Die Einwanderer litten zunächst an Malaria und später an einer choleraähnlichen Durchfallerkrankung, die ihre Reihen zu lichten begann. Hunderte von Leichen wurden (in flachen Gräbern) begraben, nur um von den Wölfen ausgegraben zu werden, und ihre Knochen blieben in der Prärie liegen ... Endlich wurden die Wege passierbar, und wer konnte, machte sich zu Fuß auf den Weg nach New Braunfels, wobei er nicht nur seinen verwitterten Hausrat, sondern auch seine kranken Angehörigen zurückließ. Der Weg von Indianola nach New Braunfels war mit den Gebeinen dieser Einwanderer übersät. Der Autor erinnert sich, dass er auf einen großen, beladenen Wagen stieß, der im Schlamm stecken geblieben war. Die Knochen der Ochsen lagen noch unter dem (Ochsen-)Joch, ebenso wie die des Fahrers und seiner Familie, die auf allen Seiten des Wagens verstreut waren. Von den 6.000 Einwanderern, die 1845 Indianola erreichten, kamen nicht mehr als 1.500 jemals in New Braunfels an, und mehr als 50 % starben einen elenden Tod durch Hunger und Krankheiten.“ 7) Abb. 6: Dieses lithografierte Panorama von New Braunfels wurde von dem Berliner Lithografen Julius Tempeltey (1802–1870) auf Stein gezeichnet und basiert auf einer Skizze des Schweizer Künstlers Conrad Caspar Rordorf (1800–1847). Quelle: Wikipedia 8) Viele der in Neu-Braunfels ankommenden Auswanderer waren von den sanften Hügeln, die das breite Tal umschlossen, den vielen Wildblumen, die die Prärie bedeckten und den kräftigen Quellen, die den kristallklaren Fluss speisten, begeistert. Das Land war fruchtbar. Mais, Süßkartoffeln, Gemüse, Obst, Weintrauben, Pekannüsse, Sorghumhirse, Weizen, Roggen und Hafer wurden schon bald nach der Gründung von New Braunfels angebaut. Diese und andere frische Produkte waren auf den Märkten und in den Küchen der neuen Stadt zu finden. Auf einigen deutschen Bauernhöfen wurde Sauerkraut fassweise angeboten, um die Sehnsucht nach einer Lieblingsspeise aus der Heimat zu befriedigen, die den Südstaatlern hier unbekannt war. Hühner und Gänse wurden in großem Umfang für Eier und Fleisch gehalten, und um 1850 hatte jeder deutsche Haushalt eine Kuh. Die Milcherzeugung und die Käseherstellung fassten natürlich schnell Fuß, und schon bald waren deutsche Käsespezialitäten in der ganzen Region begehrt. Nikolaus und Anton Riedel berichtete in die Heimat: „Uns fehlt es hier an nichts; wir essen jeden Tag Fleisch. Wir haben hier kein Schwarzbrot, sondern machen zu jeder Mahlzeit frisches Maisbrot aus dem so genannten Walisermais, den wir in unseren Gärten angepflanzt haben. Das Maisbrot schmeckt sehr gut. Jede Person hat ein Pfund Kaffee in der Woche.“ 9) Allerdings ging von den das Land durchstreifenden Comanchen Gefahr aus, da sie Weißen mit Feindschaft begegneten. Mancher Skalp schmückte ihren Gürtel. Meusebach gelang das Unmögliche: Er schloss am 2. März 1847 mit den Häuptlingen Old Owl, Santa Anna und Buffalo Hump einen Vertrag, in dem sich die Comanchen bereit erklärten, ihre Jagdgründe mit den Alemannen zu teilen und deutsche Siedler und Landvermesser der Gesellschaft freien Zugang zu dem Land zwischen dem Llano und dem San Saba zu gewähren. Der Vertrag öffnete ein riesiges Gebiet für die Besiedlung, insgesamt vier Millionen Hektar. „Das am Ufer des San Saba River geschlossene Abkommen ist der einzige Vertrag, der zwischen einem Plains-Stamm und Siedlern als Privatpersonen ausgehandelt wurde, und man geht davon aus, dass es der einzige Pakt zwischen Weißen und Ureinwohnern ist, der nie gebrochen wurde.“ 10) Abb. 7: Karte der Stadt Neu Braunfels, 1851 Quelle: Wikipedia 11) Schnell entwickelte sich Neu-Braunfels zum Mittelpunkt der Gegend. Bereits 1850 hatte es 1723 Einwohner und war damit damals die viertgrößte Stadt Texas nach Galveston, San Antonio und Houston. Neu-Braunfels war eine typische deutsche Kleinstadt mit Schützenverein (gegründet am 4. Juli 1849), Gesangsverein (gegründet am 2. März 1850), Gartenbauverein (1852), Turnverein (1855) sowie einer deutschsprachigen Zeitung. Die erste Ausgabe der „Neu Braunfelser Zeitung“ erschien am 12. November 1852. 1856 ließ die Stadtverwaltung die erste Wagenbrücke über den Comal River bauen, 1857 eröffnete hier der erste Eisenwarenladen in Texas. 1858 nahm die erste öffentliche texanische Schule, die durch eine Gemeindesteuer finanziert wurde, ihren Betrieb auf. Abb. 8: Deutsche Siedler bei der Herstellung von Wurst, ca. 1850 Quelle: https://historyinnewbraunfels.com/history/farm-to-table/ (16.06.2022). Am 1. Februar 1861 trat Texas aus der Union aus und einen Monat später den Konföderierten Staaten bei. Obwohl einige texanische Militäreinheiten im Bürgerkrieg östlich des Mississippi kämpften, blieb die Rolle von Texas im Amerikanischen Bürgerkrieg auf die Lieferung von Pferden und Rindern für die konföderierte Armee beschränkt. Nachdem der Mississippi seit Mitte 1863 durch die Kanonenboote der Union kontrolliert wurde, entfiel dies. Durch die Seeblockade der Union wurde darüber hinaus der Absatz der Baumwollernte über Galveston, Housten und andere Häfen unmöglich, sodass der größte Teil der Ernte unbrauchbar wurde. In die Zeit des Bürgerkriegs fallen zwei Notgeldausgaben aus Neu-Braunfels. Sie wurden vor einigen Wochen bei ebay.us verkauft. Die erste Ausgabe nennt Valentin Sippel als Emittenten. Der Gutschein, der ausschließlich in deutscher Sprache abgefasst ist, lautet über 20 Cs. (Cents) und ist auf den 26. April 1862 datiert, wobei „26.“ handschriftlich eingefügt wurde. Letzteres gilt auch für die Nummer des Scheins. Valentin Sippel gehörte zu den ersten Auswanderern, die mit Hilfe des „Adelsvereins“ nach Neu-Braunfels kamen. Er wurde am 20. Oktober 1817 geboren und starb am 7. Juli 1865. Wahrscheinlich betrieb er wie sein Sohn einen Saloon. Abb. 9.1: V. Sippel, Neu-Braunfels, 26. April 1862, 20 Cs. Vorderseite. Abb. 9.2: V. Sippel, Neu-Braunfels, 26. April 1862, 20 Cs. Rückseite. Der zweite Schein wurde von Ph. Haffelder ausgegeben und lautet ebenfalls über 20 Cents. Auch wenn er weder Ausgabedatum noch Ort nennt, dürfte er ebenfalls aus Neu-Braunfels stammen. Phillip Haffelder (1821–1903) gehörte auch den Siedlern an, die durch den „Adelsverein“ nach Neu-Braunfels kamen. Leider ist nicht mehr festzustellen, in welcher Funktion er den Gutschein ausgab. Abb. 10.1: Ph. Haffelder, 20 Cents, Vorderseite. Abb. 10.2: Ph. Haffelder, 20 Cents, Rückseite. Und was wurde aus dem Adelsverein und seinen Versprechungen? Die Besiedlung des Fisher-Miller-Grants und die verheißenen großen Landzuweisungen von jeweils 130 Hektar pro Familie wurden nicht erfüllt, da die Leitung des „Adelsvereins“ mit der organisatorischen Umsetzung überfordert war und die finanziellen Mittel ausgingen. Die Generalversammlung am 28. Oktober 1846 beschloss daher, den Transport von Aussiedlern und die Versorgung mit Gütern einzustellen und sich auf die Landzuweisung der bereits in Texas anwesenden Siedler zu konzentrieren. Zur Finanzierung nahm der Verein am 29. August 1847 einen Kredit in Höhe von 900.000 Gulden bei den Frankfurter Bankhäusern Schmidt und Flersheim auf. Im Gegenzug zeichneten 17 Vereinsmitglieder Schuldverschreibungen, deren Begleichung sich bis Anfang der 1890er Jahre hinzog. Am 23. Februar 1848 löste sich der Adelsverein formal auf. Das „texanische Abenteuer“ endete für den Verein in einem finanziellen Fiasko. 8000 Deutsche waren durch Vermittlung des Vereins nach Texas gekommen. Mit Neu-Braunfels und Fredericksburg waren zwei blühende Städte entstanden. Obwohl Deutsch als Alltagssprache in New Braunfels inzwischen verschwunden ist, sind Geschichte und Kultur der deutschen Einwanderer überall präsent. Mit fast 10 % bilden Einwohner deutscher Abstammung heute nach der mexikanischstämmigen Bevölkerung die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe in Texas. Uwe Bronnert Anmerkungen Christian Bonk und Katrin Herzog, "Zur Sozialstruktur", in: Thomas A. Bartolosch/Cornelius Neutsch/Karl Jürgen Roth (Hrsg.), Vom Westerwald nach Amerika, Auswanderung im 19. Jahrhundert, Ausstellung im Landschaftsmuseum Westerwald, Hachenburg, vom 27. April bis 6. Oktober 1996, Montabaur 1996, S. 28 f. https://de.wikipedia.org/wiki/Mainzer_Adelsverein#/media/Datei:Logo-Mainzer-Adelsverein-1842.jpg (18.06.2022). https://de.wikipedia.org/wiki/Mainzer_Adelsverein#/media/Datei:Adelsverein_Karte_des_Staates_Texas_1851_UTA.jpg (18.06.2022). https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_zu_Solms-Braunfels#/media/Datei:Carl_zu_solms.jpg (18.06.2022). https://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_Hans_von_Meusebach#/media/Datei:John_O._Meusebach.jpg (18.06.2022). https://de.wikipedia.org/wiki/New_Braunfels#/media/Datei:Bundesarchiv_Bild_137-005007,_Zeichnung,_Deutscher_Einwandererzug_in_Texas.jpg (18.06.2022). W. T. Block, Jr., The Story of our Texas‘ German Pilgrims or Death March to Comal County, http://www.texasescapes.com/WTBlock/Texas-German-Pilgrims-Death-March-to-Comal-County.htm (17.06.2022). https://de.wikipedia.org/wiki/New_Braunfels#/media/Datei:Tempeltey_Panorama_der_Stadt_Neu-Braunfels_in_Texas_1851_UTA.jpg (18.06.2022). (17.02.2022). https://de.wikipedia.org/wiki/New_Braunfels#/media/Datei:Mainzer_Adelsverein_Karte_der_Stadt_Neu_Braunfels_1851_UTA.jpg (18.06.2022).

  • Lexikon: Einlösungstermin

    Der Einlösungstermin ist der auf Geldscheinen angegebene oder öffentlich bekannt gegebene Termin für die Einlösung von außer Kurs gesetzten Scheinen, die nicht mehr als Zahlungsmittel gelten. Anhalt-Dessauische Landesbank, Banknote zu 100 Mark vom 1. Juli 1874, Vorderseite. Abb. Sammlung Manfred Kranz. Eine Verlängerung des Einlösungstermins ist nicht ungewöhnlich (Beispiel: Anhalt-Dessauische Landesbank, Einlösungstermin für den letzten 100-Mark-Schein 30. Juni 1876, dann 30. Dezember 1876, 1. April 1878, 31. Dezember 1878 und 1. April 1879). Es gab Emissionsstellen, die auch nach Überschreitung des letzten Einlösungstermins die außer Kurs befindlichen Noten einlösten, wobei allerdings meistens die Gründe für die zu späte Einlösung der Noten angegeben werden mussten (Beispiel: Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, Formular von 1885; der Einlösungstermin für die letzte 100-Mark-Note war der 31. Dezember 1884, doch wurden noch bis 1898 Noten angenommen). Bayern, Notgeld der Kreisgemeinde Pfalz über 20 Millionen Mark vom 11. August 1923, Gültig bis einen Monat nach erfolgter Bekanntmachung, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Aschaffenburg, Kleingeldschein über 50 Pfennig des Magistrats der Stadt ohne Datum, gültig bis 1. Januar 1921, Vorder- und Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Auf Notgeldscheinen waren oft Zeiträume für den Umtausch der Scheine nach Bekanntmachung oder konkrete Ablaufdaten für die Gültigkeit genannt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Geike: Mehrsprachige Geldscheine

    Rainer Geike: Mehrsprachige Geldscheine – Geldscheine als Zeitdokumente 137 Seiten, Format 19 x 27 cm, Broschur, BoD, Norderstedt 2022, Preis: 32,50 Euro ISBN: 978-3-756216-82-6 Der Autor dieses neuen Buches wird vielen Geldscheinsammlern schon bekannt sein durch sein Werk, in dem es um „Kleingedrucktes auf Geldscheinen“ geht. Mehrsprachige Geldscheine als Zeitdokumente sind diesmal das Thema, das in dieser Gründlichkeit und diesem Umfang noch nicht behandelt wurde. Auf 137 Seiten stellt Professor Geike viele interessante mehrsprachige Banknoten aus verschiedenen Gebieten vor. Dabei sind häufig zu findende Scheine ebenso wie Raritäten, die alle meist in kassenfrischer Erhaltung sehr gut abgebildet werden. Die Bildqualität ist auch bei vergrößerten Details sehr gut. Ausführliche Informationen gibt es zu Österreich-Ungarn und Ungarn, der Tschechoslowakei und Jugoslawien und besonders umfangreich zu Russland, der ehemaligen UdSSR und den Nachfolgestaaten sowie Transkaukasien. Zu letzterem Gebiet erschien bereits ein Buch des Autors. Was alles noch in den insgesamt elf Kapiteln zu finden ist, kann man im Inhaltsverzeichnis nachschlagen. Es folgen drei Seiten mit üblichen Danksagungen und Klassifizierungsvorschlägen. In einem Beitrag von 2007 hatte der Autor bereits eine Einteilung der Scheine in sechs Gruppen vorgenommen, die nochmals präsentiert werden. Das Kapitel 9 „Gedanken zum Schluss“ lohnt mehrfach gelesen zu werden. Meist werden solche klugen Überlegungen im Vorwort erörtert, das traditionell viele Buchbenutzer überschlagen. So war es sinnvoll, diese Ausführungen am Ende des Buches zu präsentieren, nachdem man das Buch gelesen, nicht durchgeblättert hat. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass auch dieses Werk kein Katalog ist, in dem man Banknoten von A wie Afghanistan bis Z wie Zypern im Idealfall vollständig aufgelistet findet. Ein solches Werk würde auch „Telefonbuchstärke“ annehmen. Professor Geike beschreibt hier die Zusammenhänge von Sprache und Kultur und erörtert auch, welche Probleme das Wechseln der Schriften mit sich bringen kann. Als Beispiel nennt er hier Atatürks aktive Anpassungspolitik an Europa 1920, als er kurzerhand die lateinische anstelle der arabischen Schrift einführte. Ähnliche Maßnahmen gab es auch in heutiger Zeit, denn Kasachstan wollte weg von der kyrillischen Schrift und führte das lateinische Alphabet ein, was man in Moskau sicher nicht gern sah, zumal Stalin sogar die Moldauer gezwungen hatte, das Rumänische kyrillisch zu schreiben. Zu Kasachstan wurde übrigens eine Münze als Beleg vorgelegt. Nicht ausgespart wurden auch solche Scheine, deren Hauptsprache bei uns nur wenige beherrschen: dies betrifft China (Kapitel 6). Selbst der Euro und die EZB wurden nicht vergessen, denn bei den fast „wortlos“ gestalteten Banknoten gibt es immerhin Abkürzungen, auch in kyrillischer Schrift. Dazu erfahren wir etwas über Blindenschrift und Symbole zu Wertstufen und vieles mehr. Dieses Buch wird manche Leser auch nachdenklich stimmen. Denken wir nur an die Weißrussen, die mühsam nach einer eigenen Sprache suchen, die vielleicht irgendwo auf dem Lande gesprochen wurde, doch die Masse der Leute verständigt sich weiterhin Russisch, so wie die Ukrainer teilweise in Kiew, aber recht häufig im Osten des Landes. Weißrussische Inschriften auf Scheinen aber gab es schon zu Zeiten der verblichenen Sowjetunion, die gern das Russische als Weltsprache gesehen hätte. In allen von der UdSSR beherrschten Ländern war Russisch Pflichtfach und selbst Abiturienten in der DDR mit acht Jahren Russischunterricht konnten meist kaum ein Gespräch in dieser Sprache führen. Heute ist man sich einig, dass das Englische Weltsprache war und ist. Tatsache ist aber auch, dass in den Medien beispielsweise von Politikern gelegentlich ganz einfache Sachbegriffe in Englisch in Reden eingefügt werden. Was Geldscheine angeht, so kennen die Menschen in der ganzen Welt die „Greenbacks“, die hinten grünen Scheine der Vereinigten Staaten. Der Dollar ist Weltwährung, so wie das Englische eben Weltsprache ist. Englisch ist meist die zweite Sprache, die von vielen kleinen Ländern Afrikas und Asiens auf Banknoten benutzt wird. Interessanterweise benutzen afrikanische Staaten auch die Sprache ihrer ehemaligen Kolonialherren, so das Französische bei den Banknoten. Geldscheinbeschriftungen sind natürlich immer auch eine politische Angelegenheit. Hier beschreibt der Autor auf der Seite 129, dass es in der Republik Mauritius riesige Proteste gab, nur weil die „richtige“ Einhaltung der Reihenfolge der Sprachen Englisch-Tamil-Sanskrit bei Scheinen von 1998 verletzt wurde. Im vorletzten Satz geht der Autor darauf ein, dass vieles unbearbeitet blieb, was vielleicht auch interessant gewesen wäre. Alles in allem ist dieses Buch wirklich „lesenswert“, wie andere Bücher des Autors auch, was sie eben von Katalogen unterscheidet. Und dies eigentlich von der ersten bis zu den letzten fünf Seiten. Diese „Anmerkungen“ als Kapitel 11 muss ein Hochschullehrer und Wissenschaftler ebenfalls akribisch genau einarbeiten. Die Texte sind mit hervorragend guten Bildern von Scheinen illustriert und auch bei vielen fremdsprachigen Worten und Begriffen im Text merkt man, dass hier solide Sprachkenntnisse und Hang zur Genauigkeit hilfreich waren. Mutig hat der Autor seine Betrachtungen auch über Europa hinaus ausgedehnt und auch Münzen abgebildet. Auf der Rückseite des Buches ist übrigens eine sehr gute Zusammenfassung zum gesamten Themenbereich zu finden. Biografische Angaben fehlen diesmal. Beschaffungsprobleme dürfte es nicht geben, jeder Buchhändler kann es bestellen, aber das geht auch über den Online-Handel und direkt beim Verlag (https://www.bod.de/buchshop/). Bei Eingabe des Titels und des Namens des Verfassers „Geike“ im Internet gibt es zahlreiche Treffer, die auch zum Kauf genutzt werden können. Wolfgang J. Mehlhausen

  • Republik Maluku Selatan

    Der japanische Überfall auf den US-amerikanischen Flottenstützpunkt von Pearl Harbor auf der Insel Oʻahu (Hawaii) am 7. Dezember 1942 markiert den Beginn des Krieges im Pazifik. In den folgenden Wochen besetzte die japanische Armee auch die britischen und niederländischen Besitzungen in Südostasien. Nach nur zwei Monaten kapitulierte das „Koninklijk Nederlands-Indisch Leger“1) (Königliche Niederländisch-Indische Armee/KNIL) am 9. März 1942 auf Java und am 28. März auf Sumatra. Die japanischen Soldaten wurden von der Mehrheit der indonesischen Bevölkerung als Befreier von der niederländischen Kolonialherrschaft gefeiert. Jedoch wurde ihre Hoffnung enttäuscht, da die japanische Verwaltung jegliche indonesisch-nationalistische Bewegung unterdrückte. Zwei Tage nach der japanischen Kapitulation riefen die Anführer der indonesisch-nationalistischen Bewegung, Sukarno [* 6. Juni 1901 in Surabaya, Java; † 21. Juni 1970 in Jakarta; von 1945–1967 erster Präsident von Indonesien] und Mohammad Hatta [* 12. August 1902 in Bukittinggi auf Sumatra; † 14. März 1980 in Jakarta, war Vizepräsident und Ministerpräsident von Indonesien], am 17. August 1945 die Republik Indonesien aus. Innerhalb weniger Monate übernahmen die Nationalisten die Herrschaft über den größten Teil Javas. Auf dieser Insel lebten 55 Millionen der 70 Millionen Einwohner des gesamten Inselreichs. Ferner kontrollierte man Madura und die westlich gelegene Insel Sumatra, während die Niederländer am liebsten den Kolonialstatus beibehalten hätten. Indonesien sollte weiter vom Mutterland kontrolliert und wirtschaftlich genutzt werden. Daher strebte man einen Zusammenschluss von Einzelstaaten in einer Union mit dem Mutterland an. Allerdings kontrollierten die Niederländer nur Neu-Guinea, Borneo und die östliche Inselwelt mit Celebes und Ambon. Mithilfe von Kollaborateuren sollte eine föderative Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien errichten werden. Nach zähen Verhandlungen schlossen die Republik Indonesien und die Niederlande im November 1946 den Vertrag von Linggadjati. In ihm verständigten sich beide Seiten auf die Gründung der Vereinigten Staaten von Indonesien, die in einer Union mit den Niederlanden verbunden bleiben sollten. Nur kurze Zeit später beschuldigten die Niederländer die Republik Indonesien den Vertrag gebrochen zu haben und griff militärisch ein. Obwohl die Aktion – „politionele actie“ – militärisch durchaus erfolgreich war, war sie politisch gesehen ein Fiasko, denn die internationale Reaktion schadete dem Ansehen der Niederlande und die Republik Indonesien ließ sich nicht militärisch zur Einhaltung des Vertrags zwingen. Auch die zweite „politionele actie“ im Dezember 1948 änderte daran nichts. Schließlich entließen die Niederländer Indonesien am 27. Dezember 1949 in die Unabhängigkeit. Die Niederländer hatten im Osten Indonesiens die Gründung von Teilstaaten gefördert. Im Dezember 1946 wurde „Negara Indonesia Timur“ (Teilstaat Ost-Indonesien) gegründet, der den gesamten Osten des Archipels, außer Neu-Guinea umfasste. Obwohl die molukkische Organisation „Persatoen Timoer Besar“ (Vereinigung des großen Ostens) die Errichtung eines eigenen Staates anstrebte, erklärte der Südmolukken-Rat im März 1947 den Beitritt. Dennoch strebten ihre Anführer Lukas Polhaupessy und Vigeleyn Nikijuluw einen eigenen Staat der Südmolukken an. Im April 1947 wandten sie sich mit dem Wunsch an die niederländische Königin, dass Selbstbestimmungsrecht, das im Vertrag von Linggadjati festgelegte war, umsetzen zu dürfen. Abb. 1: Gebiet der Republik Maluku Selatan Nur kurz nachdem die Niederlande Indonesien in die Unabhängigkeit entlassen hatte, begann die Republik Indonesien damit, den Anschluss der Teilstaaten zu betreiben. Am 21. April 1950 trat der Teilstaat Ost-Indonesien unter militärischen Druck der Republik bei.2) Daraufhin rief man nur vier Tage später auf Ambon die „Republik Maluku Selatan“ (Republik der Südmolukken) aus. Die christlichen Bewohner der Insel fürchteten eine javanische Herrschaft und eine daraus drohende Überfremdung durch den Islam. Auch hoffte man auf die Unterstützung der Niederlande, stand die Bevölkerung doch stets loyal zum Königshaus. Der Sezessions-Versuch wurde von der indonesischen Armee mit Waffengewalt unterdrückt. Ende September 1950 griff die indonesischen Armee Ambon an und Anfang Dezember floh die Regierung der Südmolukken auf die Nachbarinsel Ceram. Bis 1955 wurde das gesamte Gebiet der Republik Maluku Selatan erobert. Der Versuch, internationale Hilfe und Aufmerksamkeit zu erlangen, scheiterte. Weder die Vereinten Nationen noch die Niederlande kamen den Südmolukken zu Hilfe oder setzten sich für deren Belange ein. Die Niederlande führte schließlich eine Massenevakuierung ihrer ehemaligen Kolonialsoldaten und deren Familien durch. Abb. 2: Ovalstempel: Republik Maluka Selatan. Die Republik Maluka Selatan druckte selbst kein eigenes Geld, sondern versah Noten der Javasche Bank – sowohl Vorkriegsnoten wie auch Noten vom 15. Juli 1947 –, sowie Muntbiljete der „Netherlands Indies Civil Administration“ (NICA)3) mit einem meist roten, ovalen Stempelabdruck bzw. mit einem großen schwarzen Stempelabdruck „REPUBLIK MALUKU SELATAN R.M.S“ zwischen zwei dicken Balken. Ob diese Abstempelungen einem echten Bedürfnis entsprang oder Propagandazwecken diente, ist heute kaum noch zu belegen. Bei Erwerb dieser Scheine ist aber Vorsicht geboten, da die Echtheit der Stempelaufdrucke kaum zu beweisen ist. Abb. 3.1: De Javasche Bank, 1946 (ausgegeben am 15. Juli 1947), 10 Gulden, Ovalstempel: Republik Maluka Selatan, Vorderseite. Abb. 3.2: De Javasche Bank, 1946 (ausgegeben am 15. Juli 1947), 10 Gulden, Ovalstempel: Republik Maluka Selatan, Rückseite. Bleibt noch anzumerken, dass im philatelistischen Handel zahlreiche „Briefmarken“ der Republik Maluku Selatan angeboten werden. Die meisten von ihnen stammen aus der Zeit nach der Ausrufung der Republik. Der New Yorker Briefmarkenhändler Henry Stolow ließ bei der Österreichischen Staatsdruckerei über 150 verschiedene Marken drucken, die natürlich die Postverwaltung der Südmolukken nie sah. Uwe Bronnert Literatur: Sugiana Handjaja et al., Katalog Uang Kertas Indonesia 1782-2005, Jakarta 2005 UnO, Oeang Noesantara, Perpustakaan Nasional Republik Indonesia: Data Katalog Dalam Terbilan, 2015 Anmerkungen: Das KNIL wurde 1830 nach dem Javakrieg (1825–1830) gegründet. Die meisten Soldaten waren Einheimische, die bei der Niederschlagung von Aufständen gegen ihre eigenen Landsleute kämpften. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Niederländer zu einer offensiven Expansionspolitik auf dem Archipel übergingen, suchte die Armeeführung nach vertrauenswürdigen einheimischen Soldaten. Daher begann man um das Jahr 1870 damit, molukkische Christen anzuwerben, die Stolz auf ihre christliche Bindung zu den Niederlanden und zum Haus Oranien waren. Mit finanziellen Anreizen und Bildungsangeboten verstand es die Armeeführung, vor allem Männer von der Insel Ambon anzuwerben. Am 17. August 1950 wurde Indonesien als Einheitsstaat proklamiert. Im Gebiet, das nach dem Zweiten Weltkrieg von den zurückkehrenden niederländischen Behörden wieder in Besitz genommen wurde, gab die „Netherlands Indies Civil Administration“ (NICA) in den USA gedruckte Muntbiljete zu 50 Cent, 1, 2 ½, 5, 10, 25, 50, 100 und 500 Gulden aus.

  • Der "Propaganda-Tausender"

    Der Erste Weltkrieg wird immer wieder zu Recht als „Urkatastrophe“ des Zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnet. Ihm fielen nicht nur Millionen Menschen zum Opfer, er führte auch zum Sturz von drei bedeutenden Reichen (Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn) sowie zu revolutionären Umwälzungen und in den Kampf der Weltanschauungen. In dieser Zeit nimmt antisemitisch motivierte Propaganda drastisch zu, sowohl auf Postkarten als auch auf Geldscheinen. Von nationalistisch-konservativen Kreisen wurde die deutsche Sozialdemokratie im Verbund mit der "jüdischen Presse" verantwortlich gemacht für die Novemberrevolution und den Sturz der Monarchie, für den Ausgang des Kriegs und dessen Folgen durch das "Versailler Diktat" ("Dolchstoßlegende") sowie für die Inflation. Wahlkampf zur Wahl der deutschen Nationalversammlung 1919, bei der erstmals auch Frauen wahlberechtigt waren. (Bundesarchiv, Bild 146-1970-051-27) Spätestens mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatten Geldscheine die Münzen in ihrer bis dahin führenden Bedeutung für den allgemeinen Zahlungsverkehr abgelöst. Mit der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg verschwanden dann die Münzen vorübergehend ganz aus dem Umlauf. In Deutschland, wie auch im damaligen Deutsch­österreich, kam es zu einer wahren Notgeldflut. Da ein wesentlicher Geldcharakter neben der allgemeinen Akzeptanz auch im Geldumlauf, also der Zirkulation, besteht, geht Geld im wahrsten Sinne des Worts von Hand zu Hand und eignet sich dadurch hervorragend als Kommunikations- und Propagandamittel. Geld übt als Propagandamittel sogar einen ganz besonderen Reiz aus, da sich der Geldcharakter mit der politischen bzw. der Werbe-Botschaft verbindet. Uneingeschränkt trifft dies natürlich auf kursgültiges Geld zu, das bis in die jüngste Zeit in den verschiedensten Ländern der Welt von Parteien, Revolutionären und politischen Aktivisten immer wieder auch mit handschrift­lichen Parolen, Stempeln oder Überdrucken versehen wurde und so zirkulieren sollte, um möglichst viele Menschen mit der Botschaft zu erreichen. Der Sinn dahinter ist simpel. Menschen beachten kaum ein Flugblatt oder werfen es nach dem Lesen weg, es ist eben nur bedrucktes Papier. Das ebenfalls bedruckte Papier „Geldschein“ ist dagegen auch richtiges Geld, das man nicht wegwirft. Dieser Umstand macht einen Geldschein sogar noch dann als Propagandamittel interessant, wenn er schon längst nicht mehr gültig ist. Auch dann wird er immer noch als „Geld“ erkannt. Das gleiche trifft auf Fantasiescheine zu, die Merkmale echten Gelds kopieren, um als „Geld“ wahrgenommen zu werden. Deutsches Reich ("Weimarer Republik"), Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 15. September 1922, Vorder- und Rückseite, Firmenzeichen OE = Druckerei Otto Elsner in Berlin, gültig bis 5. Juli 1925, durch die Inflation aber praktisch wertlos ab August 1923. Die durch Inflation und anschließende Währungs­stabilisierung wertlos gewordenen Banknoten und Notgeldscheine wurden in Deutschland und Österreich zu beliebten Trägern politischer und antisemitischer Propaganda. Eine der dabei am häufigsten genutzten Reichsbanknoten in den heißen Wahlkämpfen der "Weimarer Republik" war der 1000-Mark-Schein vom 15. September 1922, der von vielen verschiedenen privaten Druckereien im Auftrag der Deutschen Reichsbank gedruckt und schon ab August 1923 durch die voranschreitende Inflation völlig wertlos geworden war. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit handschriftlicher antisemitischer Propaganda auf der Rückseite. Anfertigung privat, wahrscheinlich 1923/24, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Ein primitives Beispiel antisemitischer Propaganda auf einer Reichsbanknote zu 1000 Mark ist der hier abgebildete handschriftliche Zusatz „Haut die Juden alle tot! Dann kommt Deutschland aus der Not!“. Durch handschriftliche Zusätze manipulierte Geldscheine sind die einfachste Art zur Zweckentfremdung des Gelds im Sinne von – egal wie gearteter – Werbung und Propaganda. Fast zeitgleich gab es den Tausender auch mit Schreibmaschinen-Texten auf der Rückseite, die deren Verfasser zumindest nicht durch die Handschrift verraten konnten. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit maschinenschriftlicher antisemitischer Propaganda auf der Rückseite. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Der hier abgebildete Propagandaschein wurde wahrscheinlich vom Wahlbündnis Völkisch-Sozialer Block, damals bestehend aus der Deutschen Arbeiterpartei, der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und der Deutschvölkischen Freiheitspartei, im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen vom Mai und Dezember 1924 verwendet. Die antisemitische Botschaft "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck, uns Deutschen liess er diesen Dreck." wiederholt sich in dieser oder abgewandelter Form immer wieder auch auf späteren Propaganda-Stempelungen und Überdrucken. Angespielt wird auf die Folgen von Krieg und Inflation, wobei man den Juden pauschal vorwarf auf Kosten der Allgemeinheit als Kriegs- und Inflationsgewinnler hervorgegangen zu sein. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit gestempelter antisemitischer und Wahl-Propaganda auf der Rückseite. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. In den Wahlkämpfen der "Weimarer Republik" nutzten hauptsächlich politisch rechte Parteien auch immer wieder Propaganda-Überstempelungen. Das abgebildete Beispiel zeigt einen Tausender mit Stempeln der sog. "Hitler-Bewegung" aus dem Wahlkampf zu den Reichstagswahlen vom November 1932. Die wertlose Banknote wird dabei als "Errungenschaft der Judenrevolte 1918", gemeint ist die Novemberrevolution, bezeichnet. Auch diese "Botschaft" findet sich immer wieder auf damals wertlosen Inflations-Banknoten in verschiedenen Nennwerten. Antisemitische Wahlpropaganda der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) im Wahlkampf 1930 in Neukölln: „Vorwärts mit Hugenberg – Deutschnational Liste 2“. Auf dem unteren Transparent die Karikatur eines Juden, ein David-Stern, ein Geldsack und die Parole „Wir bekämpfen die Auslieferung Deutschlands an das internationale Judenkapital“. (Bundesarchiv, Bild 183-2006-0329-504) Beim weitaus größten Teil propagandistischer Nutzungen von Geldscheinen aus dieser Zeit handelt es sich um Überdrucke. Nachstehend sollen einige wenige Beispiele hierfür gezeigt werden, bei denen der Tausender der Reichsbank von 1922 genutzt wurde. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit Propaganda-Überdruck auf der Rückseite, wahrscheinlich der NSDAP zum Regierungswechsel im August 1923. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit antisemitischem und Wahl-Propaganda-Überdruck auf der Rückseite vom Nationalsozialistischen Zeitungsvertrieb Quedlinburg am Harz, genutzt in den Wahlkämpfen zu den Reichstagswahlen 1928 bis 1933, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Eröffnung des 5. Reichstags am 13. Oktober 1930. Ganz links die Abgeordneten der NSDAP in „Braunhemden“. (Bundesarchiv, Bild 102-10549) 1000 Mark vom 15. September 1922 mit antisemitischem Propaganda-Überdruck auf der Rückseite, wahrscheinlich NSDAP in den Wahlkämpfen 1928 bis 1933. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. 2 x 1000 Mark vom 15. September 1922 mit antisemitischen Propaganda-Überdrucken auf den Rückseiten, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Eigentlich hätte die Nutzung von Inflationsgeld als Propagandamittel mit der sog. "Machtübernahme" der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 enden können. Bereits im Parteiprogramm der NSDAP von 1920, dem sog. „25-Punkte-Programm“, war die Verdrängung der deutschen Juden aus dem Wirtschaftsleben beschlossen worden und ab 1925 folgten immer mehr Gewalttaten der SA gegen Juden und deren Geschäfte, Einrichtungen, Büros und Wohnungen. 1929 rief die „National-Zeitung“ von Gauleiter Terboven in Essen sogar zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. SA-Aufmarsch zum „Judenboykott“ am 1. April 1933 in Berlin mit Plakaten: „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!“ (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Nach der „Machtergreifung“ kam es Ende Februar und nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 erneut zu Überfällen von SA-Trupps auf jüdische Geschäfte sowie zu Misshandlungen und sogar zur Ermordung einiger jüdischer Geschäftsinhaber. Im Ausland wurde diese Entwicklung sehr aufmerksam und besorgt verfolgt. Am 13. März 1933 erklärte ein Führungsmitglied des American Jewish Congress im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise, die auf Deutschland besonders schwere Auswirkungen hatte: „Ein bellum judaicum (Jüdischer Krieg) bedeutet für Deutschland Boykott, Untergang und Verderben, bedeutet das Ende der deutschen Hilfsquellen und das Ende aller Hoffnungen auf den Wiederaufstieg Deutschlands.“ Nur fünf Tage später beschlossen die US-amerikanischen jüdischen Kriegsveteranen (Jewish War Veterans), deutsche Waren und Dienstleistungen zu boykottieren, deren Beispiel andere Organisationen aus den USA und Großbritannien folgten. Am 24. März 1933 berichtete der britische „Daily Express“ unter der Überschrift „Judea declares war on Germany“ (Judäa erklärt Deutschland den Krieg) über eine Beratung Londoner Kaufleute zu einem möglichen Boykott deutscher Waren. Dies nahm die NS-Propaganda als „Jüdische Kriegserklärung“ zum Anlass für den Boykott jüdischer Geschäfte in Deutschland, der schon seit Mitte März vorbereitet wurde. Hier könnten ein letztes Mal Propagandascheine zum Einsatz gekommen sein, sie könnten aber auch noch aus dem Wahlkampf der „Weimarer Republik“ stammen. Die Botschaft war die gleiche. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte auf der Rückseite, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Propaganda-Überdrucke wurden zwar meist von rechten Parteien verwendet, aber nicht nur. Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Propagandaüberdruck, wahrscheinlich der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), zur Reichstagswahl vom Mai 1928. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit kommunistischer Propaganda auf der Rückseite, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Dass der Reichsbank-Tausender von 1922 als Träger von Propaganda-Botschaften noch längst nicht ausgedient hat, beweist ein aktueller Überdruck aus dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Ganz offensichtlich dient der Schein ukrainischen Interessen, stellt Putin als Sowjet-Imperialist dar und der Schriftzug kann als "KRIEGS – VERBRECHER" übersetzt werden. Es wäre sehr interessant zu klären, aus welcher Quelle dieser Schein stammt. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit modernem Propaganda-Aufdruck gegen den russischen Präsidenten Putin auf der Rückseite. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen … Leseprobe

  • Aus privaten Sammlungen: 3 Pesos des Estado Soberano de Panamá von 1868

    Objekttyp: Schatzschein Sammlung: Josef Gerber Historischer Kontext: Anfang des 16. Jahrhunderts begann für Panama die Zeit der spanischen Kolonialherrschaft. Im Gegensatz zu seinen Nachbarstaaten konnte das Land 1821 ohne Blutvergießen die Unabhängigkeit von der spanischen Krone erklären und trat dem Vizekönigreich Neugranada bei, das in der Republik Kolumbien – heute auch Großkolumbien genannt – aufging. Aber auch in Großkolumbien selbst wurde bald die Forderung nach Nationalstaaten immer lauter: Am 26. September 1830 erklärte die Provinz Panama ihre Unabhängigkeit vom Rest Großkolumbiens. In den Wirren kam es jedoch zu einem weiteren Gegenputsch in Panama, und nach dem Tod Simón Bolívars im Dezember 1830 löste sich Großkolumbien in die Nachfolgestaaten Venezuela, Ecuador und Neugranada auf. Panama wurde Teil der neu gegründeten Republik Neugranada. Am 18. November 1840 erfolgte ein erneuter Anlauf zur Unabhängigkeit: Im Zuge eines Bürgerkriegs in der Republik Neugranada, der auch separatistische Aufstände nach sich zog, wurde der Estado Libre del Istmo ("Freistaat von Isthmus") ausgerufen. 13 Monate hatte dieser Staat Bestand; auch eine eigene Verfassung wurde unter dem ersten Präsidenten Tomás de Herrera im März 1841 verabschiedet, bevor Panama am 31. Dezember 1841 mit Neugranada wiedervereint wurde. Aus der Republik Neugranada entstand 1858 die Granada-Konföderation und 1863 wiederum die Vereinigten Staaten von Kolumbien. Die endgültige Unabhängigkeit konnte Panama erst mit militärischer Hilfe der USA im Jahr 1903 erlangen, was jedoch den US-Amerikanern die Hoheitsrechte über den späteren Panamakanal – bis heute die wichtigste Einnahmequelle Panamas – sicherstellte. Diese Rechte wurden erst 1999 von den USA an Panama übertragen. Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 34

    Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Abstrakt und Modern, Vorschlag M 854 Patricia Vouez Geboren 1952 in Uccle, Belgien. Studierte Kunst, Humanistik und Illustration in Brüssel. Banknotendesignerin und -graveurin seit 1981 bei der belgischen Zentralbank. Sie entwarf auch Briefmarken und Lotteriescheine. Monique Golaire Geboren 1958 in Brüssel. Studierte Architektur und Innenausstattung in Brüssel und spezialisierte sich auf Typografie im Grafikdesign. Seit 1985 Grafikerin bei der belgischen Zentralbank. 5 Euro, TECHNISCHE UND WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG. Vorderseite: Erstes Kepler'sches Gesetz zur Planetenbewegung, Sterne und Eichenlaub; Rückseite: Sonnenringe, Rad und Astrolabium. 10 Euro, Vorderseite: Fresnel-Gleichungen zur Reflexion und Lichtbrechung, Marienkäfer und zerknülltes Papier; Rückseite: Astrolabium, Spirale und astronomisches Kompendium. 20 Euro, Vorderseite: Fische, Fraktale und Kondensation; Rückseite: Sanduhr und Hebel. 50 Euro, Vorderseite: Bienentanz und Honigwaben; Rückseite: Sonnenuhr, Flaschenzug und Sterntafel mit Mondphasen. 100 Euro, Vorderseite: Tauben, Vogelnest und chemische Reaktion; Rückseite: astronomisches Messgerät und Zahnräder. 200 Euro, Vorderseite: Katzen, Wirbel und Baumrinde; Rückseite: Taschenuhr, Magnetismus und moderne Armbanduhr. 500 Euro, Vorderseite: Fossilien und der Mensch sowie Reaktion in einer Blasenkammer; Rückseite: Radioteleskop, Kernreaktion und Schaltbilddetail. Fortsetzung folgt … Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)

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