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Bons der Camps de Prisonniers in Algerien und Tunesien

Aktualisiert: 15. Sept. 2022


Ein Angehöriger des deutschen Afrikakorps gibt einem verbündeten italienischen Soldaten Feuer.

Foto: Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München.


Am 12. Mai 1943 kapitulierten die Reste der deutschen 5. Panzerarmee und einen Tag später auch die 1. italienische Armee in Nordafrika. 160.000 deutsche und 90.000 italienische Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft, unter ihnen der Oberbefehlshaber Feldmarschall Giovanni Messe, wie auch General von Arnim. Ein relativ kleines Kontingent verblieb in Nordafrika in französischer Hand, während der Großteil der Gefangenen entweder in die USA oder in die britischen Kolonien Australien sowie Kanada verschifft wurde.

General Juin unterzeichnete am 30. Mai 1943 ein Dekret, durch das die französischen Kriegsgefangenenlager in Nordafrika geschaffen wurden. Alphonse Juin (* 16. Dezember 1888 in Bône, heute Annaba, Algerien; † 27. Januar 1967 in Paris) war 1941 aus deutscher Kriegsgefangenschaft entlassen und von der Vichy-Regierung nach Nordafrika entsandt worden, um dort das Kommando über die Vichy-Truppen zu übernehmen. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika 1942 wechselte er die Seite und ging zu den freifranzösischen Truppen.


Zu den wichtigsten Gefangenenlagern in Nordafrika gehörten in Algerien Djelfa und Constanine und in Tunesien Zaghouan sowie Merja in der Sahara. In den französischen Lagern Nordafrikas wurden Bons zu 5, 10, 50 und 100 Francs im Zahlungsverkehr benutzt.


Am 19. Juni 1943 erhielt die Druckerei Miert in Algier den Auftrag,

  • 50.000 Scheine zu 100 Francs,

  • 50.000 Scheine zu 50 Francs,

  • 125.000 Scheine zu 10 Francs und

  • 250.000 Scheine zu 5 Francs

herzustellen. Alle Geldscheine sind undatiert und auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt.


Der Bon zu 5 Francs hat die Maße 123 x 74 mm und ist mehrfarbig. Die dominierenden Farben sind rot für den Text und hellgrün für die Zeichnungen. Auf der Vorderseite werden zwei Arkaden im maurischen Stil abgebildet. Unterhalb der linken Arkade befindet sich der Kopf eines Mauren mit Turban und rechts die zweizeilige Inschrift „CAMPS DE / PRISONNIERS“, darunter in einem Kreis fünfzeilig „TOUT / FALSIFICATEUR / EST PASSIBLE / DE LA COUR / MARTIALE“ (Jeder Fälscher wird vor das Kriegsgericht gestellt). Im Hintergrund der Arkaden wird eine Berglandschaft abgebildet; unter der Darstellung und dem Text zweizeilig „BON POUR / CINQ FRANCS“ (gut für fünf Francs), flankiert von der Ziffer 5. Darunter „CES BONS NE SONT VALABLES OU’A L’INTÉRIEUR DES CAMPS DE PRISONNIERS“ (Diese Gutscheine sind nur innerhalb der Gefangenenlager gültig), am oberen Rand „REPUBLIQUE FRANÇAISE“.


Auf der Rückseite in den oberen Ecken links der Nennwert und rechts „CAMPS DE / PRISONNIERS“; in der Mitte des Scheins die Wertangabe in Worten und darüber die Nummerierung: No und sechs Ziffern. Unter der Wertangabe nochmals der Hinweis, dass der Schein nur im Gefangenenlager gültig ist. Im Unterdruck stilisierte Blumen. Auf der rechten Seite schräg aufgedruckt „Le Trésorier Gal Agent Comptable“ und Unterschrift. Der Entwurf stammt von J. Favrolles.


Abb. 1: Camps de Prisonniers, o.D., 5 Francs, Vorder- und Rückseite. Quelle: http://worldandmilitarynotes.com/pow/north-africa-pow-camp-vichy-5-francs/ (20.09.2021).


Die Note zu 10 Francs ist 131 x 77 mm groß und wie der Wert zu 5 Francs gestaltet. Nun ist der Text in blauer Farbe und die Abbildung in roter Farbe ausgeführt. Beide Scheine kommen sowohl mit fettem als auch mit dünnem „No“ vor.


Abb. 2.1: Camps de Prisonniers, o.D., 10 Francs, Vorder- und Rückseite.


Die Scheine zu 50 und 100 Francs unterscheiden sich deutlich von den zuvor beschriebenen Werten. Sie haben die Maße 129 x 79 mm. Der Wert zu 50 Francs wurde auf grau-beiges Papier gedruckt. Der Schein zeigt auf der Vorderseite in der Mitte die Wertangabe in Ziffern in einem Kreis, links davon in Schreibschrift „Ces bons ne sont valables ou’a l’intérieur des Camps de Prisonniers“ und rechts die Strafandrohung „Toute falsification est passible de la Loi Martiale“. Über der Wertangabe in Ziffern links die Wertangabe als Wort und unter der Wertangabe in Ziffern rechts FRANCS. Am oberen Rand „REPUBLIQUE FRANÇAISE“ und am unteren Rand „CAMPS DE PRISONNIERS“. Auf der Rückseite in der Mitte die Wertangabe, darunter die Kennziffer, am oberen Rand wieder „REPUBLIQUE FRANÇAISE“ und am unteren „CAMPS DE PRISONNIERS“. Verziert sind die Scheine mit Blattwerk. Der Entwurf der Vorderseite stammt von Vrillo und die der Rückseite von A. Petit.


Abb. 3.1: Camps de Prisonniers, o.D., 50 Francs, Vorder- und Rückseite. Quelle: http://worldandmilitarynotes.com/pow/north-africa-pow-camp-vichy-50-francs/ (20.09.2021).


Der 100-Francs-Bon wurde auf beige-rosa Papier gedruckt und die dominierende Farbe ist Rotbraun.


Abb. 4.1: Camps de Prisonniers, o. D., 100 Francs, Vorder- und Rückseite. Quelle: http://worldandmilitarynotes.com/pow/north-africa-pow-camp-vichy-100-francs/ (20.09.2021).


Uwe Bronnert


Literatur:

Maurice Muszynski und Maurice Kolsky, Les Billets du Maghreb et du Levant, Volume 11, Collection Histoire du Papier monnaie Français. Monaco 2002.

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