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- Leserpost: Geldscheine mit der Kontrollnummer 1, Teil 11
Sehr geehrtes Geldscheine-online Team, als passionierter Sachsen-Sammler möchte ich ihnen gleich drei Stücke sächsischen Notgeldes mit der KN 1 vorstellen. Zum einen ist es einer meiner Lieblingsstücke, 10 Goldpfennig vom 29. Oktober 1923 der Sächsischen Staatsbank in Dresden (Bühn 0014.13.c). Zum anderen (gerade festgestellt) ein noch nicht katalogisierter Kundenscheck von Theodor Hofmann aus Thum im Erzgebirge auf die Commerz- und Privat-Bank AG, Zweigstelle in Ehrenfriedersdorf , über 2 Mio. Mark vom 6.September 1923. (Bühn 1372.AE.0) Ein weiterer KN 1-Schein kommt aus Limbach über 50 Pf, ausgegeben von der Stadt (Bühn 4720.2.a). Das Besondere für mich hier ist noch, dass ich auch den letzten Schein des 10-Pfennig- Wertes (Bühn 4720.1.a) mit der KN 050000 in meiner Sammlung habe. Mit freundlichen Sammlergrüßen aus Freiberg Jan Krutak Wer ebenfalls über Geldscheine mit der Kontrollnummer 1 verfügt und diese gern hier vorstellen möchte, schickt uns einfach Scans per E-Mail an info@geldscheine-online.com. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Hans-Ludwig Grabowski
- 100 RM von 1944: Entwurf eines sowjetischen Militärscheins
Auf den ersten Blick ähnelt der vorliegende Schein dem sowjetischen Besatzungsgeld mit dem Datum 1944 für Ungarn und Rumänien. Auf den zweiten Blick bestätigt sich die Vermutung, dass er gestalterisch und textlich diesen Übergangsscheinen gleicht. Abb. 1: Farbiger Entwurf, Vorderseite, zu einem für den Druck vorgesehenen 100-Reichsmark-Schein 1944. Was sind die Verdachtsgründe? Neben dem deutlich grafischen Gesamteindruck im Vergleich zu den Pengö- und Lei-Ausgaben sind es der Wortlaut und die Formulierungen. Die Entwürfe für Geldscheine im besetzten Deutschland entstammen dem selben Atelier: Goznak. Wie auf den Besatzungsscheinen für die ungarischen und rumänischen Feindstaaten liest man auch auf der Vorderseite des für Deutschland vorgesehenen Scheins „Oberkommando der Roten Armee“. 100 Pengö 1944: „A VÖRÖSHADSEREG PARANCSNOKSÁGA“ und 100 Lei 1944: „COMANDAMENTUL ARMATEI ROŞII“ (beidemal = Kommandantur der Roten Armee). Das wiederholte sich textlich auch auf den sowjetischen Besatzungsscheinen für die Mandschurei, 100 Yuan 1945 „Kommando der sowjetischen Roten Armee“ und den sowjetischen Scheinen für Korea, 100 Won 1945 „Kommando der Roten Armee“. Abb. 2: Chinesisch = „SŪLIÁN HÓNGJŪN SĪLÌNG BÙ“. Abb. 3: 100 Yuan 1945, Ausschnitt der Vorderseite (Goznak). Abb. 4: Koreanisch = „BULG-EUN GUNDAE SALYEONGBU“. Abb. 5: 100 Won 1945, Ausschnitt der Vorderseite (Goznak). Selbst die kleingedruckten Straftexte und die Hinweise auf den Annahmezwang der drei 1944er Typen sind inhaltlich wieder ähnlich. 100 Reichsmark 1944: „UNBEDINGTE ANNAHME IN JEDEM ZAHLUNGSVERKEHR (...) / IST OBLIGATORISCH / FÄLSCHUNG WIRD NACH DEN KRIEGSGESETZEN STRAF- /RECHTLICH FERVOLGT“ (sic!). Abb. 6: 100 Reichsmark 1944, Ausschnitt der Vorderseite mit retuschiertem Passus „DER REICHSBANK“ und peinlichem Fehler (beide mit weißen Linien unterstrichen). 100 Pengö 1944: „ELFOGADÁSA MINDEN FIZETÉSNÉL KÖTELEZÖ“ (= für alle Zahlungen gilt Annahmepflicht) und „HAMISÍTÁSA HADITÖRVÉNYEK / SZERINT BÜNTETTETIK“ (= Fälschung ist nach Kriegsrecht strafbar); 100 Lei 1944: „PRIMIRE IN TOATE PLĂŢILE ESTE OBLIGATOARE“ (= Annahme bei allen Zahlungen ist zwingend erforderlich) und „FALSIFICATORII ACESTOR / BILETE VOR FI PEDEPSIŢI CONFORM LEGILOR / IN VIGOARE PE TIMP DE RĂZBOIU“ (= Fälschungen dieser Scheine werden gemäß den in Kriegszeiten geltenden Gesetzen bestraft). Abb. 7: 100 Pengö. 1944, Vorderseite (Goznak). Abb. 8: 100 Lei 1944, Vorderseite (Goznak). Einen Unterschied gibt es jedoch bei den Rückseiten. Zeigen die ungarischen und rumänischen Scheine die Wiederholung „A VÖRÖSHADSEREG PARANCSNOKSÁGA“ und „COMANDAMENTUL ARMATEI ROŞII“, so zeichnete man auf der „deutschen“ Rückseite die russische Entsprechung „КОМАНДОВАНИЕ КРАСНОЙ АРМИИ“ (= Kommando der Roten Armee) und das Kleingedruckte wieder in Kyrillisch „ОБЯЗАТЕЛЬНЫ К ПРИЕМУ ВО ВСЕ ПЛАТЕЖИ“ (= obligatorisch für alle Zahlungen) und „ПОДДЕЛКА ПРЕСЛЕДУЕТСЯ ПО ЗАКОНАМ ВОЕННОГО ВРЕМЕНИ“ (= Fälschungsverfolgung nach Kriegsrecht) und in Großbuchstaben „СТО РЕЙХСМАРОК“ (= Hundert Reichsmark). Bei Goznak kannte man noch nicht die schon genehmigten Besatzungsscheine, die nur auf „Mark“ lauteten. Die Reichsmark war 1944 immerhin noch die gesetzliche Währung. Abb. 9: farbiger Entwurf, Rückseite, zum Goznak-Projekt. Abb. 10: auch hier wurden nicht zu entziffernde Korrekturen im Kleingedruckten vorgenommen und nachher mit Ornamenten überzeichnet (rote Linien). Auch die Abmessungen aller Schein sind gleich, etwa 185 mm × 98 mm. Und für den Unterdruck wurden die versetzten 100er-Ziffern von der Pengö-Rückseite wiederverwendet. Abb. 11: 100 Pengö 1944, Ausschnitt Rückseite mit 100er-Unterdruck. Unstrittig stammt der Entwurf aus dem Haus Goznak – das sagt auch der Kopierschutz auf den Zeichnungen aus, der schräg und fortlaufend den Schriftzug „Из собрания Гознака“ (= aus der Sammlung von Goznak) zeigt. Außerdem erkennt man die Handschrift des Moskauer Grafikers Dubasow und die beiden Kontrollnummern weisen auf eine zeitliche Zuordnung seiner Arbeiten hin: ИД 211243 steht für Iwan I. Dubasow 21. Dezember 1943. Abb. 12: 100 RM, Ausschnitt Vorderseite mit Namenskürzel ИД und Kontroll-Nr. als Datum. Abb. 13: Goznak-Chefgrafiker Иван И. Дубасов, seit 1945 Träger des Lenin-Ordens (bis 1991 die höchste Auszeichnung in der UdSSR). Am 24. August 1922 begann Iwan Dubasow (1897–1988) seine Karriere in der russischen Staatsdruckerei. Alexander Suchich hatte ihn anfangs in der 2. Moskauer Schilderfabrik bei Goznak angestellt. Viele Jahre und bis zu seiner Pensionierung 1971 galt Dubasow als Chefdesigner bei Goznak. Er war gestalterisch auch für die 1944er Scheine für die Narodni Bank Polska und für die Republika Československà sowie für die 1945er Lewa-Ausgaben der Bulgarischen National-Bank verantwortlich. Was waren die Hintergründe für die Farbentwürfe zu 100 Reichsmark 1944 durch die Sowjets? Während der bekannten Querelen zwischen den US-amerikanischen und sowjetischen Ministerien aus der Zeit ab 1943 war für die Moskauer Führung die Vorbereitung einer eigenständigen "Kriegsmark" als Okkupationswährung zwingend. Seit dem 30. März 1943 plante man in den USA Besatzungsgeld für die feindlichen und zu befreienden Länder in Europa. Anfangs sollten der Aufdruck „United States Military Authority“ (= Militärbehörde der USA) lauten. Es wurden auch sowjetische Vorschläge diskutiert, die statt der Bezeichnung „Alliierte Militärbehörde“ die genauere „Militärbehörden der alliierten Armeen“ forderten; die Sowjets wollten nicht den Eindruck erwecken, die vier Armeen ständen unter einem gemeinsamen Oberkommando. Die Briten waren mit einem zusätzlichen Aufdruck „Военные Власти Союзных Армий“ durchaus einverstanden. Aber die Vorbereitungen zum Druck waren weit fortgeschritten und die USA sollten ihn allein vornehmen ... und die sowjetischen Verbündeten forderten im Februar 1944 die Übergabe gleicher Druckplatten. Die beauftragte US-Lohndruckerei Forbes lehnte jedoch solch eine Überlassung ab. Aus Moskau drohte man im März 1944 mit der Ausgabe eigener Besatzungsscheine (die Entwürfe waren ja schon vorhanden!). Nach der Beendigung der Konferenz von Teheran am 1. Dezember 1943 hatte man umgehend reagiert und noch im selben Monat den Auftrag zu den Entwürfen an Goznak erteilt. In Boston startete der Druck der alliierten Militärmark-Scheine im Februar 1944. Die US-Amerikaner knickten schließlich ein, ließen Duplikatplatten, Papier, Farbe usw. über Alaska in die Sowjetunion fliegen. In Krasnokamsk/Ural begann Goznak am 8. September 1944 mit dem Druck sowjetischer Militärmark-Scheine in identischer Ausführung. Die Entwurfsarbeiten von „Reichsmark des Oberkommandos der Roten Armee“ wurden gestoppt und ein möglicher Druck war passé. Leider liegt noch keine Antwort vom Goznak-Museum vor, das um Auskünfte zum hier vorgestellten Entwurf und zu möglicherweise anderen Wertstufen gebeten wurde. Michael H. Schöne Quellen: https://vk.com/museum_goznak https://www.facebook.com/hashtag/музейгознака Vielen Dank an Oliver Herzberg für den wertvollen Hinweis zum 100-RM-Entwurf, der in einem russischen Forum am 4. Februar 2022 in einem Beitrag von Goznak (Artefakt) und bei Facebook gezeigt wurde (Неосуществленный эскизный проект денежного знака Командования Красной Армии, предназначенного для обращения на территории Германии, номиналом 100 рейхсмарок. Художник И. И. Дубасов. 1943 год. = Ein nicht realisierter Vorentwurf der für den Umlauf in Deutschland bestimmten Banknote des Kommandos der Roten Armee mit einem Nennwert von 100 Reichsmark. Künstler I. I. Dubasov. 1943).
- Leserpost: Ich habe da mal eine Frage!
Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe einen echten 50-€-Schein 2017 mit Unterschrift Christine Lagarde, sehr selten, Fehlprägung, und sie hat einen Top-Zustand, wie neu. Ich möchte meinen 50-€-Schein verkaufen und wissen, was ist der Endwert dieser Banknote? Vielen Dank im Voraus für ihre Antwort. Fotos als Anhang! Mit freundlichen Grüßen M. Bayfiel Antwort der Redaktion Vielen Dank für die Abbildungen. Natürlich handelt es sich nicht um eine Fehlprägung (Wenn schon, dann Fehldruck? Münzen werden geprägt, Scheine werden gedruckt!), sondern es ist ganz normal, dass neu gedruckte Euro-Scheine auch die Unterschrift der neuen EZB-Präsidentin tragen. Nach und nach werden immer mehr Werte mit ihrer Unterschrift in Umlauf kommen. Die ersten Euro-Scheine trugen noch die Unterschrift Duisenberg, dann folgte die von Trichet, dann Draghi und nun eben Lagarde. 5- und 10-Euro-Scheine mit Unterschrift Lagarde waren schon letztes Jahr in Umlauf, nun folgen nach und nach die anderen Werte. Man kann also den Wert Ihres 50-Euro-Scheins mit exakt 50 Euro angeben! Mit was auch sonst? Ausgehend von der Serie UB (Länder und Druckereicode) handelt es sich bei dem Fünziger mit Unterschrift Lagarde um einen Druck der Banque de France. Hans-Ludwig Grabowski
- Nachbericht zur 147. Teutoburger Münzauktion
Die 147. Auktion vom 27. Mai 2022 umfasste einen Sonderkatalog für Briefmarken und Banknoten. Hier waren neben interessanten Einzellosen riesige urbelassene Sammlungen vertreten. Der NACHVERKAUF läuft noch bis 24. Juni 2022! Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den Ergebnissen: Los 4176 Ausruf: 2.500 Euro / Zuschlag: 4.600 Euro 500 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Zeughaus und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. Los 4214 Ausruf: 750 Euro / Zuschlag: 1.100 Euro 500 Deutsche Mark 2.1.1980. Serie V/U. Los 4218 Ausruf: 1.500 Euro / Zuschlag: 1.700 Euro Musterschein 500 Deutsche Mark 1.8.1991. KN 0000000, Serie AA/A. Vs. roter Überdruck diagonal "MUSTER" und zweizeilig MUSTER und Nr. 0212. Rs. roter Überdruck diagonal "SPECIMEN". Los 4221 Ausruf: 2.500 Euro / Zuschlag: 2.700 Euro Musterschein zu 1000 Deutsche Mark 1.8.1991. KN 0000000, Serie AA/A. Vs. roter Überdruck diagonal "MUSTER" und zweizeilig MUSTER und Nr. 0212. Rs. roter Überdruck diagonal "SPECIMEN". Teutoburger Münzauktion GmbH Brinkstraße 9 33829 Borgholzhausen Tel.: 05425/930050 E-Mail: info@teutoburger-muenzauktion.de www.teutoburger-muenzauktion.de
- "Führergeschenk", "Beschaffungsgeld" und "Goebbels-Spende"
Viele Geldscheinsammler sammeln neben Banknoten und Notgeldscheinen auch weitere Belege aus Papier, wie z.B. Schecks, Wechsel, Wertpapiere, Lotterielose, Spendenquittungen, Bezugscheine und Rationierungsbelege. Gerade Belege zur Rationierung aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sind historisch wertvolle Zeitdokumente, die eine Geldscheinsammlung sinnvoll ergänzen können. Bereits am 28. August 1939, also noch vor dem eigentlichen Beginn des "Polenfeldzugs", begann mit der ersten Zuteilungsperiode (ZP 1) die Bewirtschaftung von Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern im Großdeutschen Reich. Wie bereits im Ersten Weltkrieg, wurden sog. "Lebensmittelkarten" für die Bevölkerung eingeführt. Angehörige der Wehrmacht – konkret, die dem Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres unterstellten Einheiten im „Heimatkriegsgebiet“ – sowie Reservelazarette, Schutzgliederungen außerhalb der Wehrmacht (z.B. SS, RAD) sowie Gefangene in Strafanstalten und Internierte und Häftlinge in Lagern erhielten ihre Zuteilungen an Lebensmitteln nach den jeweils geltenden Verpflegungssätzen ohne Kartengrundlage. Verpflegungspause. (Abb. "Der Zweite Weltkrieg in Bildern", Sammlung Reinhard Selzle, München). Konzentrationslager Buchenwald, Blick in den Speisesaal der 3. SS-Totenkopf-Standarte Thüringen 1939. (Foto: Archiv der Gedenkstätte Buchenwald) Kantinenkarte der deutschen Wehrmacht aus einer Kaserne im „Heimatkriegsgebiet“ für einen Gefreiten. Solche Karten waren jeweils für einen Monat gültig. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) In den Kasernen erhielten Angehörige der Wehrmacht Essen- oder Kantinenkarten, die jeweils einen Monat gültig und bei der Essenausgabe vorzulegen waren. Spezielle „Reichskarten für Urlauber“ erhielten nach Erlass vom 29. Mai 1941 solche Personen, die über keine eigenen Lebensmittelkarten verfügten, weil sie Gemeinschaftsverpflegung erhielten. Also ebenfalls Angehörige der Wehrmacht, des Reichsarbeitsdienstes (RAD) oder anderer Schutzgliederungen außerhalb der Wehrmacht, wie der SS. Reichskarte für Urlauber (für Angehörige der Wehrmacht, der SS oder des RAD) mit Gültigkeit für sieben Tage bis November 1943. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Die „Reichskarten für Urlauber“ waren jeweils für eine Woche gültig und sind deshalb von den gewährten Rationen direkt mit Wochenkarten für „ausländische Zivilarbeiter“ vergleichbar. Für die Woche vom 30. August bis 5. September 1943 konnte ein Fremdarbeiter auf seine AZ-Karte u.a. beziehen: 1.850 g Brot und zusätzlich 500 g Brot oder wahlweise 375 g Mehl, 150 g Nährmittel, 125 g Butter, 80 g Margarine, 250 g Fleisch oder Fleischwaren, 225 g Zucker, 175 g Marmelade, 62,5 g Kaffee-Ersatz, 62,5 g Quark, Kartoffeln und ein Ei. Ein Soldat auf Heimaturlaub erhielt im November 1943 für eine „Urlaubswoche“ 2.250 g Brot, 250 g Fleisch oder Fleischwaren, 140 g Butter, 70 g Margarine, 175 g Marmelade, 200 g Zucker, 150 g Nährmittel, 60 g Kaffee-Ersatz, 60 g Käse und ein Ei. „Führergeschenk für Fronturlauber“: Lebensmittelkarte mit Sonderzuteilung von Lebensmitteln für Soldaten auf Heimaturlaub. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Insbesondere nach dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad war Hitler als „Oberster Befehlshaber der Wehrmacht“ bemüht, die Moral der Truppe auch durch Sonderzuteilungen an Lebensmitteln während eines Heimaturlaubs zu heben. Als „Führergeschenk für Fronturlauber“ erhielten Soldaten eine zusätzliche Lebensmittelkarte, die im weiteren Verlauf des Kriegs in mehreren Auflagen ausgegeben wurde. Auf sie konnten über die Rationen der „Reichskarte für Urlauber“ hinaus 5.000 g Weizenmehl, 1.000 g Zucker, 2.000 g Nährmittel oder Hülsenfrüchte, 500 g Butter und 1.500 g Marmelade bezogen werden, was besonders für die Familien der Soldaten eine große Unterstützung darstellte und den Heimaturlaub verschönen sollte. Anschreiben des Reichskommissars für die Ukraine, Erich Koch, zur Übersendung des „Führerpakets für Osturlauber“ vom März 1943. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Karte zum „Führer-Paket für Ost-Urlauber“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) 10 Reichsmark „Beschaffungsgeld“ aus dem „Führer-Paket für Ost-Urlauber“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Kernstück einer Lebensmittelkarte aus dem „Führer-Paket für Ost-Urlauber“ nach Abschnitt aller Marken. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Im „Auftrag des Führers“ verschickte der Gauleiter von Ostpreußen und Reichskommissar für die Ukraine im Frühjahr 1943 sog. „Führerpakete für Osturlauber“ aus dem damals noch sicheren Königsberg. Sie enthielten neben einem pauschalen Anschreiben von Koch eine gedruckte Karte mit geprägtem oder golden gedrucktem Reichsadler und der Widmung: „Ein kleiner Dank des Führers an seine Soldaten“, eine Reichsbanknote über 10 Reichsmark sowie eine zusätzliche Lebensmittelkarte, die bis zum 31. Mai 1943 gültig war. Damit ein Soldat, der im Fronteinsatz sein Leben für nur 50 Reichspfennig Wehrsold am Tag einsetzen musste, sich auch die zusätzlichen Lebensmittel kaufen konnte, lagen dem „Führer-Paket“ die 10 Reichsmark als „Beschaffungsgeld“ bei. Ein Umschlag der Aktion Himmlers zur Kriegsweihnacht 1943 für die Soldaten der Waffen-SS. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Was Hitler „seinen Soldaten“ gönnte, veranlasste Himmler als Reichsführer SS zur Kriegs-weihnacht 1943 zu einer eigenen milden Gabe für „seine tapferen Soldaten der Waffen-SS“. NSDAP Gau Berlin, Gutschein über 250 g Zucker der „Dr. Goebbels-Spende“ vom Januar 1943. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Reichspropagandaminister Goebbels rief bereits im Januar 1943 die „Dr. Goebbels-Spende“ des Gauleiters von Berlin ins Leben. Wohl um ihr „das Leben zu versüßen“ erhielt die deutsche Jugend der Reichshauptstadt pro Kopf 250 g Zucker. Wie „alle Jahre wieder“, so gönnte der Führer beliebten deutschen Künstlern auch zu Weihnachten 1943 Geschenkpakete, deren Inhalt aus Sendungen stammten, die ihm „aus dem Ausland bzw. den besetzten Gebieten zur Verfügung gestellt wurden“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Zu Weihnachten schickte der Führer gern Geschenkpakete an bekannte deutsche Künstler, die ihn mit Darbietungen erfreut hatten. Der Inhalt bestand aus „Sendungen, die [ihm] aus dem Ausland bzw. den besetzten Gebieten zur Verfügung gestellt wurden.“ Warum werden solche Zeitdokumente hier überhaupt erwähnt und im Bild vorgestellt, wird sich der eine oder andere Leser fragen. Sie haben doch eigentlich nichts mit Geldscheinen oder Rationierungsbelegen im eigentlichen Sinn zu tun! Hat aber nicht in Wahrheit alles mit allem zu tun? Zur selben Zeit, da die Spitzen des Reichs bemüht waren, ihre Beliebtheit durch „milde Gaben“ und die „Kriegsmoral“ durch Lebensmittel-Geschenke für Soldaten und deren Familien zu erhalten, erfroren in Russland die Kameraden der „Ost-Urlauber“ und verhungerten Menschen, die freigiebig „Sendungen zur Verfügung gestellt“ hatten, in den besetzten Gebieten. Zur selben Zeit verhungerten Menschen in den Gettos des Ostens oder wurden in den Vernichtungslagern ermordet. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung Hans-Ludwig Grabowski/ Wolfgang Haney (Hrsg.): Kennzeichen "Jude" Antisemitismus, Entrechtung, Verfolgung, Vernichtung und die Rationierung von Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern für Juden in Großdeutschland und den besetzten Gebieten 1939 bis 1945 Dokumentation basieren auf Belegen der zeitgeschichtlichen Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Hardcover: 351 Seiten Format: 17 x 24 cm ISBN: 978-3-86646-558-9 Preis: 19,90 Euro Mit seinem Buch Kennzeichen »Jude« widmet sich der Autor erneut einer auch unter Historikern kaum erforschten Thematik des Dritten Reichs – nämlich der Rationierung von Nahrungs- und Verbrauchsgütern für die jüdische Bevölkerung im Großdeutschen Reich und in den besetzten Gebieten von 1939 bis 1945. Bereits zwei Wochen vor dem Überfall auf Polen wurden im Deutschen Reich Lebensmittelkarten eingeführt. Bald schon mussten alle Karten, die für jüdische Verbraucher bestimmt waren, besonders gekennzeichnet werden – mit dem Kennzeichen „J“, dem Wort „Jude“ oder mit einem David-Stern. Den Juden im Reich wurden sämtliche Sonderzuteilungen an Lebensmitteln und Kleiderkarten gestrichen, sie erhielten schließlich auch keine Eier und kein Fleisch mehr und viele Menschen in jüdischen Gettos und Konzentrationslagern verhungerten. Dank einer Fülle von Belegen der weltweit einzigartigen zeitgeschichtlichen Privatsammlung von Wolfgang Haney entstand darüber hinaus aber auch eine beeindruckende Dokumentation, die den Leser von den Anfängen des Antisemitismus in der Antike über wichtige Ereignisse der Zeitgeschichte, den Folgen des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten, über die Juden-Boykotte, die Nürnberger Rassegesetze und die Pogrome der sogenannten Reichskristallnacht sowie den Auswirkungen von Krieg und Judenverfolgung bis hin zum Holocaust führt.
- Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 21
Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum Einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Thema Zeitalter und Stile in Europa, Vorschlag T 859 Alain Guérault Studierte an der Ecole Nationale des Beaux-Arts sowie an der Ecole Supéreure d'Art Graphice/Atelier Met de Penninghen. Er entwarf zahlreiche Illustrationen und arbeitete in der Werbung. Seit 1994 entwarf er Banknotenserien und Sicherheitsmerkmale für Banknoten der französischen Zentralbank und für verschiedene afrikanische Länder. 5 Euro, Vorderseite: Porträt eines römischen Würdenträgers und Akanthusblätter; Rückseite: Villa Hadriana in Italien (Jahr 130 u.Z.). 10 Euro, Vorderseite: Porträt einer Adligen aus der Zeit des Mittelalters; Rückseite: Abtei Notre Dame in Bernay, Frankreich. 20 Euro, Vorderseite: Porträt eines Mannes in mittelalterlichem Gewand, Frankreich, 14. Jahrhundert; Rückseite: gotischer Fensterbogen, sowie Strebepfeiler im Mailänder Dom. 50 Euro, Vorderseite: Frau in Renaissance-Mode; Rückseite: Kirche San Michele in Murano, Venedig. 100 Euro, Vorderseite: Porträt eines Mannes aus der Zeit des flämischen Barocks; Rückseite: Säulen der Kirche St. Johann in Prag. 200 Euro, Vorderseite: Porträt einer Französin Ende des 19. Jahrhunderts; Rückseite: Konstruktion der botanischen Gärten, Frankreich. 500 Euro, Vorderseite: Männerporträt aus den 1930er Jahren; Rückseite: moderne Doppelhaushälften in Rotterdam und Schröder-Haus in Utrecht. Fortsetzung folgt … Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)
- Aus privaten Sammlungen: 10 Thaler des Königreichs Preußen von 1867
Objekttyp: Banknote Sammlung: Gerhard Reichert ✝︎ Historischer Kontext: Nach gescheiterten Gründungsversuchen einer Notenbank entstand unter König Friedrich II. schließlich die Königliche Giro- und Lehnbank als staatlich geführtes Unternehmen; 1766 erfolgte die Emission der ersten preußischen Banknoten. 1846 wurde die Königliche Giro- und Lehn-Bank reorganisiert: Als Preußische Haupt-Bank gab sie unter der Leitung des Haupt-Bank-Directoriums zunächst Noten über 25, 50, 100 und 500 Thaler in Umlauf; ab 1856 traten noch Scheine über 10 Thaler hinzu. 1868 wurden ein letztes Mal Banknoten in der alten Währung emittiert: Nach der Reichsgründung gab die Preußische Bank Noten über Markbeträge aus, die nach der Umwandlung der Bank in die Deutsche Reichsbank ab 1. Januar 1876 als Reichsbanknoten übernommen wurden. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Berlin Emittent: Preußische Haupt-Bank / Haupt-Bank-Directorium Nominal: 10 Thaler Datierung: 18. Juni 1867 Vorderseite: Links Preußisches Wappen über gedrucktem Rundstempel, rechts Büste der Borussia mit Helm nach links im Medaillon Rückseite: Sechs antithetisch angeordnete Büsten der Borussia im Medaillon Auflage: 10 Millionen Thaler Format: 143 mm x 94 mm Material: Papier Nummerierung: I. Lit. C.; No 011969 Authentizität: Original Zitate: GK-311 (Grabowski/Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten) A252 (Pick/Rixen: Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland) GER-S451 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Lexikon: Dritteldeckung
Im § 17 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 wurde die Dritteldeckung festgelegt: "Die Reichsbank ist verpflichtet, für den Betrag ihrer im Umlauf befindlichen Banknoten jederzeit mindestens ein Drittel in kursfähigem deutschen Gelde, Reichs-Kassenscheinen oder in Gold in Barren oder ausländischen Münzen, das Pfund fein zu 1392 Mark gerechnet, und den Rest in diskontierten Wechseln, welche eine Verfallzeit von höchstens drei Monaten haben, und aus welchen in der Regel drei, mindestens aber zwei als zahlungsfähig bekannte Verpflichtete haften, in ihren Kassen als Deckung bereit zu halten." Deutsches Reich, Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 100 Mark (DEU-1c) vom 1. Januar 1876, Vorder- und Rückseite. Der § 28 des Bankgesetzes vom 30. August 1924 wandelte die Dritteldeckung in eine 40%ige Deckung um, die aus Gold (3/4 der notwendigen Deckung) und Devisen bestehen musste. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Leserpost: Geldscheine mit der Kontrollnummer 1, Teil 10
Ich möchte Abbildungen zu gleich drei aktuellen 500-Rupien-Noten der Reserve Bank of India mit der Kontrollnummer 000001 zusenden. Ich habe unlängst bei den Indern in deren "Sammler-Netz" recherchiert und herausgefunden, dass die 1000-Rupees-Banknoten im Herbst 2016 quasi über Nacht als ungültig erklärt wurden. Das Umtauschen der Tausender ist nur noch auf der Zentralbank möglich, dann wohl aber mit Herkunftsnachweis! Die indische Regierung verfolgt das Ziel, alle größeren Geschäfte nur noch über den bargeldlosen Weg abzuhandeln – wegen Kontrolle der immensen Geldwäscherei. Die Ausgaben von 2019 und 2020 waren noch nicht in der letzten Ausgabe des SCWPM (Standard Catalog of World Paper Money) erfasst. Karlheinz Futterknecht Reserve Bank of India, 500 Rupees von 2017, Vorderseite mit Buchstabe L (IND-114h) und mit KN 1, Vorder- und Rückseite. Reserve Bank of India, 500 Rupees von 2019, Vorderseite ohne Buchstaben und mit KN 1, Vorder- und Rückseite. Reserve Bank of India, 500 Rupees von 2020, Vorderseite mit Buchstaben A und mit KN 1, Vorder- und Rückseite. Wer ebenfalls über Geldscheine mit der Kontrollnummer 1 verfügt und diese gern hier vorstellen möchte, schickt uns einfach Scans per E-Mail an info@geldscheine-online.com. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Hans-Ludwig Grabowski
- Dr. Arnold Keller – Ein Sammlerleben
Über den Altmeister des Papiergeldsammelns in Deutschland ist schon viel geschrieben worden, seine herausragenden Leistungen wurden dabei vielfältig gewürdigt. Durch seine langjährige fleißige Forschung leistete Arnold Keller Pionierarbeit und schuf so die Voraussetzung zur Anerkennung der Notaphilie als eigenständiger Zweig der numismatischen Wissenschaft. Sein umfangreiches Katalogwerk bildet auch heute noch eine wichtige Grundlage für Sammler und Forscher. So hat er mit seinen vielen Werken dauerhafte Spuren hinterlassen und Generationen von Sammlern mit grundlegendem Wissen ausgerüstet und geprägt. Kaum bekannt sind hingegen seine einzelnen Lebensstationen und das Werden und Wachsen seiner bedeutenden Sammlung. Mit der vorliegenden Arbeit wird deshalb der seit Langem vorbereitete und dennoch bescheidene Versuch unternommen, den Menschen und Sammler Arnold Keller und dessen Werk vorzustellen. Ermutigt wurde ich hierzu nicht zuletzt durch das Entgegenkommen seiner Erben, das mir 1999 die Übernahme des Restbestandes aus seinem Nachlass ermöglichte. Es handelt sich dabei um einige Fotos – die meisten davon bisher unbekannt –, welche hier teilweise gezeigt werden sollen, um Briefe, Dokumente, Bescheinigungen, Urkunden, Bücher, Kataloge, Verzeichnisse und den Vertrag über den Verkauf seiner Sammlung an die Bundesbank. Ernst Arnold Alexander Keller wurde am 31.1.1897 in der badischen Stadt Freiburg im Breisgau als Sohn von Ernst Keller, des Direktors einer Höheren Mädchen-Schule, geboren. Die alteingesessene Familie war in der Stadt bekannt und der Vater leistete Hervorragendes bei der Leitung des Gymnasiums. So war ihm bereits 1896 mit dem Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen durch Großherzog Friedrich von Baden eine der höchsten Auszeichnungen des Landes verliehen worden. Die Verleihungsurkunde mit dem fürstlichen Siegel hat Arnold Keller bis zu seinem Lebensende in Ehren gehalten und gut verwahrt, so dass auch diese noch in seinem Nachlass erhalten blieb. In Freiburg verbrachte er sorglose Kinderjahre in einem harmonischen Elternhaus. Bald jedoch zog die Familie durch Versetzung des Vaters nach Frankfurt a. Main, wo Arnold Keller das Goethe-Gymnasium besuchte und, da ihm das Lernen Freude bereitete, zu den Klassenbesten zählte. Ernst Keller wurde zum Professor ernannt und war bald als Oberlyzeal-Direktor und Geheimer Studienrat an einem Frankfurter Gymnasium tätig. 1906 verbrachte der 9-jährige Arnold Keller mit seinen Eltern einen Urlaub in der Schweiz. Hier machte er erste Bekanntschaft mit ausländischem Geld. Sofort war er von der Vielfalt der Münzen und Geldscheine fasziniert. Der Vater unterstützte den Sammeleifer des Sohnes und gab ihm auf der Heimreise noch ein paar Mark, die der Junge sofort am Wechselschalter des Züricher Bahnhofs in verschiedene ausländische Währungen eintauschte. Der bescheidene Grundstock für eine später sehr bedeutende Sammlung war gelegt! Die Begeisterung für die Numismatik hatte den Jungen gepackt und ließ ihn bis an sein Lebensende nie wieder los. Sorgfältig notierte er schon jetzt alle Zugänge für seine Sammlung in einem kleinen Heft. Die erste Zeit kam jedoch seine Münzen-Sammlung kaum über das Niveau einer kleinen Wechselkasse hinaus, es fehlten ihm weitere Anreize und Verbindungen. Schließlich kam ihm ein glücklicher Umstand zu Gute, der ihn in numismatischer Hinsicht entscheidend prägen sollte. Auf seinem Frankfurter Gymnasium hatte er mit Herrn Hahn, dem Bruder des später weltbekannten Physikers und Nobelpreisträgers Otto Hahn, einen Klassenlehrer bekommen, der selbst ein erfahrener Münzsammler war. Herr Hahn gab dem Jungen viele wertvolle Tipps zum Sammeln und weckte in ihm das Verständnis für numismatische Zusammenhänge, wofür ihm Arnold Keller noch später dankbar war. Einen Rat des Lehrers befolgend, gab der Junge bald die planlose Allgemeinsammlung auf und beschränkte sich vorerst auf die numismatischen Belege seiner Heimatregion Baden. In diesen Jahren erwachte auch sein besonderes Interesse für Papiergeld, dem er sich nun verstärkt zuwandte. So begann Arnold Keller bereits 1912, also im Alter von 15 Jahren, mit dem Aufbau seiner ersten kleinen Papiergeld-Sammlung. Schon damals entwickelte er Eigenschaften, die sich in seinem späteren Sammlerleben noch weiter festigen sollten: So führte er bereits zu dieser Zeit ein genaues Zugangsverzeichnis mit Zugangsnummer, Ausgabestelle, Nennwert, Wasserzeichen, Herkunft und Preis für jeden Schein, den er in seine kleine Sammlung aufnehmen konnte. Seine Freizeit widmete der angehende Abiturient ganz seinem Hobby. Keine Mühe war ihm zu viel, jede freie Minute wurde genutzt, um mehr über Papiergeld zu erfahren und die Sammlung zu vergrößern. Als im Jahr 1914 der Krieg ausbrach, dauerte es nicht lange, bis die ersten Notgeld-Ausgaben in den Verkehr kamen. Der junge Keller erkannte sofort scharfsinnig die Zeichen der Zeit und bemühte sich, die Ausgaben seiner engeren Heimat zu sammeln. Mit nie erlahmendem Eifer bat er Verwandte und Bekannte aus dem Grenzgebiet zum Elsass um erste Scheine. Schließlich schrieb er die Ausgabestellen selbst an und bekam so u.a. Notgeldscheine aus Gebweiler, Colmar und Mülhausen i. Elsass. Die Basis für seine bedeutende und wohl kaum zu übertreffende Sammlung des 1914er Notgelds war gelegt, welche im Laufe der Jahrzehnte auf zusammen 5599 Scheine anwuchs. Mit dieser überragenden Sammlerleistung, die uns heute noch Respekt abverlangt, trug er annähernd 98 % aller ausgegebenen Notgeldscheine des Jahres 1914 zusammen. Doch zurück zu dem angehenden Abiturienten Arnold Keller. Als die Zeit der Reifeprüfung nahte, bereitete er sich gewissenhaft vor, so dass er diese am 3. März 1915 mit ausgezeichneten Leistungen ablegen konnte. Schon zuvor hatte er sich Gedanken darüber gemacht, wie sein Leben nach dem Abitur weiter verlaufen sollte. Für ihn stand fest, dass er Philosophie studieren würde, wofür nur München in Frage kam. So zog er bereits Ende April 1915 in die bayerische Hauptstadt und nahm am 6. Mai 1915 das Studium der Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität auf. Schnell lebte er sich in den Studienbetrieb ein, nutzte seine Freizeit für weitere Studien zur Numismatik und speziell zum Papiergeld und fand in München Kontakt zu dortigen Münzsammlern, die sich wöchentlich im Hotel Wagner trafen. So erweiterte sich rasch sein Bekanntenkreis, seine Kontakte zu anderen Sammlern und seine Sammlung selbst. Aus Dankbarkeit schickte Arnold Keller seinem früheren Lehrer Hahn einen Rollschinken, worauf ihm dieser einige Notgeldscheine des Jahres 1914 von Markirch schenkte. Arnold Keller freute sich riesig, es handelte sich sogar um die Erstausgabe mit der Unterschrift des am 6. August 1914 von den Franzosen verschleppten Bürgermeisters Götel, die sich später als sehr selten herausstellen sollte. Seine kleine Sammlung zum 1914er Notgeld umfasste zwischenzeitlich 40 Scheine. Voller Stolz zeigte er diese bei einer Zusammenkunft der Sammler. Wie mag es aber geschmerzt haben, als der Nürnberger Sammler Gebert ihm sagte, dass er zehnmal so viel habe. Doch Arnold Keller ließ sich nicht entmutigen und der Erfolg blieb nicht aus und bot ihm weiteren Ansporn. Schließlich kam er mit dem Sammler und Bremer Generalkonsul Rotmann in Kontakt, der dem jungen Mann den damals schon seltenen Satz der Stadt Merzig mit verlockenden Tauschangeboten abluchsen wollte. Als Keller immer noch unschlüssig war, legte Rotmann noch 50 Mark drauf und das Geschäft war perfekt. Von diesen 50 Mark konnte sich Keller noch manch andere schöne Stücke kaufen. Nachdem er mit dem ostpreußischen Sammler Max Braunschweig in Verbindung getreten war, konnte er seine Sammlung nun auch um viele Notgeldscheine aus dem östlichsten Teil Deutschlands erweitern. Bis tief in die Nächte hinein schrieb er weiter an Ausgabestellen. Leider immer öfter mit der Rückinformation, dass alles Notgeld bereits an Sammler abgegeben worden sei. Inzwischen hatte sich ein reger Tauschverkehr mit Notgeldscheinen entwickelt. Die zwei Semester in München gingen so für den eifrigen Studenten und Sammler erfolgreich zu Ende. Wie damals üblich, wechselte Keller die Universität. Am 1. Mai 1916 ließ er sich als Philosophie-Student an der Leipziger Universität immatrikulieren. Auch hier lebte er sich schnell in den Studienbetrieb ein, blieb für zwei Semester und baute seine Sammlung weiter aus. Schon Anfang 1916 umfasste so seine Sammlung 400 Scheine. Er hatte nun so viel vom 1914er Notgeld gesammelt, dass er einen guten Überblick über das Sammelgebiet besaß. Auf Drängen des Generalkonsuls Rotmann sowie anderer Freunde und Sammler schrieb er schließlich eine erste kleine Broschüre hierzu, die noch im Jahre 1916 im Selbstverlag in Leipzig erschien. Es war ohne Zweifel eine bemerkenswerte Leistung, die der junge Mann damit neben seinem anstrengenden Studium erbrachte. Das Geld zur Begleichung der Druckkosten streckte Rotmann vor. Arnold Keller stand unbewusst am Anfang seiner bedeutenden publizistischen Tätigkeit und der erste Schritt war geschafft. Die kleine Broschüre machte seinen Namen unter Sammlern bekannt und dank der zahlreich eingehenden Bestellungen konnte er das für den Druck geliehene Geld bald zurückzahlen. Große Einnahmen oder gar Gewinne konnte Keller jedoch mit diesem ersten Werk nicht erzielen. Mit der Zeit geriet nun auch das Notgeld des Auslands in den Blickpunkt seines Interesses. Ein Tausch mit dem Wiener Münzkabinett bereicherte seine Sammlung um Notgeldscheine der Donaumonarchie. Daneben brachte ihm der neu angebahnte Kontakt zu der großen Amsterdamer Münzhandlung Schulman manch erfolgreichen Tausch und schöne Überraschung. Seine Forschungsarbeit betrieb er planmäßig weiter. So bearbeitete er Ort für Ort im Elsass nach der Generalstabskarte. Dabei gelang es ihm sogar in einigen Fällen, die kompletten Restbestände verschiedener Orte (z.B. Alt Pfirt, Roppenzweiler, Fislis) zu erwerben. Diese Erfolge stärkten seine Tauschposition, so dass er viele neue Scheine erwerben konnte. Schnell hatte Arnold Keller gemerkt, dass die Ausgabestellen sehr unterschiedlich auf Anfragen reagierten. Was einem Generalkonsul, Geheimrat oder Bankdirektor ohne Mühe gelang, wurde bei einem Studenten oft abschlägig beschieden. Doch was diese Herren mit Titeln erreichten, gelang Arnold Keller durch Fleiß und Ausdauer. So konnte er bereits im November 1916 mit Genugtuung feststellen, dass seine Sammlung in diesem Jahre 1916 von anfänglich 400 auf nunmehr 2000 Scheine angewachsen war. In seinen Briefen an die Ausgabestellen wies er nun darauf hin, dass er ein kleines „Werk“ zur Notgeldproblematik veröffentlicht habe, was ihm viele Gratis-Zusendungen von Scheinen einbrachte. Finanziell konnte er sich als Student keine großen Ausgaben leisten, weshalb für ihn der Tausch im Mittelpunkt stand. Ab Oktober 1916 waren die ersten Kriegsgeldscheine in den Zahlungsverkehr gelangt. Anfang 1917 unterbreiteten Generalkonsul Rotmann und Herr Heym aus Hamburg den Vorschlag an Arnold Keller, sich zu einem „Dreibund“ zusammenzuschließen. Rotmann wollte als „Aushängeschild“ alles heranholen, Heym und Keller sollten als Gegenleistung alles melden, was sie zu Notgeldausgaben in Erfahrung bringen konnten. Dadurch kamen viele Seltenheiten, wie Notgeldscheine von Nakel, Unruhstadt und Straßburg, in Kellers Sammlung, die für die Studentenkasse allerdings auch eine deutliche Belastung darstellten. Keller nutzte dennoch immer wieder die Gunst der Stunde und verwies gern auf den treffenden und heute noch geläufigen Satz: „Was du versäumst im Augenblick, bringt keine Ewigkeit zurück!“ Jeder langjährige Sammler wird dies sicher aus eigener Erfahrung bestätigen können. Im April 1917 stellte Arnold Keller erstmals seine Sammlung auf der Kriegsausstellung in Metz einem größeren Publikum vor und schrieb dazu Aufsätze in den dortigen Tageszeitungen, was seinen Bekanntheitsgrad weiter anwachsen ließ. Seine Leipziger Studienzeit ging zu Ende. Reich an neuen Erkenntnissen aus Studium und an Sammelerfolgen nahm er noch einmal einen Hochschulwechsel vor. Am 5. Oktober 1917 schrieb er sich erneut an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität als Student der Philosophie ein. Während seines Studiums belegte er hier in Vorlesungen die Spezialgebiete Orientalistik und Numismatik. Seine Studentenwohnung befand sich zu dieser Zeit im 3. Stock des Hauses Amalienstraße 16 in München. Am 20. Oktober 1917 wurde ihm vom Königlich-Preußischen Regierungspräsidenten in Wiesbaden, ausgehend von seinem Frankfurter Elternhaus, die Staatsangehörigkeit im Königreich Preußen bestätigt. Er behielt dennoch die Eigenschaft, Badener zu sein, wie ihm am 2. November 1917 das Großherzoglich Badische Bezirksamt in Freiburg mitteilte. Ende des Jahres 1917 glückte Arnold Keller erstmals der Ankauf einer ganzen Sammlung von 1914er Notgeldscheinen. Wie Andeutungen in seinen „Erinnerungen“ belegen, muss Arnold Keller noch im Jahre 1918 kurzzeitig zum Militärdienst eingezogen worden sein. Dokumente sind hierzu nicht vorhanden, er war wohl jedoch nur bei den rückwärtigen Diensten eingesetzt. Interessant ist jedoch eine kleine Anekdote, die er während dieser Zeit erlebte. Eine an ihn gerichtete Sendung von Schulman aus Amsterdam wurde zurückgehalten. Immerhin waren die Niederlande neutral und Keller Soldat seiner Majestät des deutschen Kaisers. Zu einem Major befohlen, wurden ihm peinliche Vorhaltungen gemacht. Schulman hatte außerdem eine Rechnung beigelegt, obwohl es sich nur um einen Tausch handeln sollte, was Arnold Keller nur mit Mühe nachweisen konnte. Schließlich wurde ihm die Sendung widerwillig ausgehändigt. Allerdings konnte der Major beim besten Willen nicht verstehen, dass man „solches Zeug“ sammle. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs waren Mitte November 1918 die elsässischen Studierenden der Münchner Universität zur Rückkehr aufgefordert worden. Auch Arnold Keller kehrte zu seinen Studien zurück und baute seine Sammlung weiter aus. Das Sammeln des älteren deutschen Papiergelds, der sog. altdeutschen Scheine, lag Keller sehr am Herzen. Folglich nahm er bald Kontakt mit dem bedeutenden Sammler Georg Pflümer aus Hameln auf, der viele prächtige Raritäten besaß und von dem Keller einen schönen Doubletten-Bestand erwerben konnte. Die Freude war groß und die Verbindung zwischen beiden Sammlern bestand noch über Jahre. Als Georg Pflümer 1922 im Alter von 77 Jahren starb, war es Arnold Keller, der durch Beibringung eines zahlungskräftigen Käufers dafür sorgte, dass die großartige Prachtsammlung ungeteilt erhalten blieb. 1977 wurde ein Teil dieser Sammlung, die zuvor in England war, in Düsseldorf versteigert, so dass die Scheine wieder nach Deutschland kamen. Im Laufe seines langen Sammlerlebens konnte Arnold Keller 262 altdeutsche Scheine (also Geldscheine etwa vor 1880) in seiner Sammlung verzeichnen. Eine großartige Leistung, die heute wohl kein Sammler, auch nicht bei einem großen Geldbeutel, mehr erbringen kann, da diese Raritäten kaum noch zu bekommen sind. Der heutige Wert seiner 262 altdeutschen Scheine würde uns denn auch in Erstaunen versetzen und sprachlos machen. In dieser Zeit tauschte Arnold Keller auch viele Stücke mit Adolf Rosenblatt aus Frankfurt a. M., der eine ausgezeichnete Papiergeld-Sammlung besaß. Großen Wert legte er auf Scheine mit niedriger Kontrollzahl, möglichst mit der Nr. 1. Diese Scheine übten eine ganz besondere Anziehungskraft auf ihn aus, etwa 50 Stück davon konnte er zusammentragen. Als Ende 1918 die ersten Großgeldscheine im Zahlungsverkehr auftauchten, kam Keller eine großartige Idee. Er schrieb eine Eingabe an das bayerische Ministerium des Innern und bat darum, ihm ein Schriftstück auszufertigen, welches alle Ausgabestellen ersuchen würde ihm einen entwerteten Satz des neuen Notgelds für Forschungszwecke zuzusenden. Nachdem er dieses Schriftstück erhalten hatte, sandte er es mit großem Erfolg nacheinander an bayerische Orte. Wo vorher nur Ablehnungen eingegangen wären, wirkte des amtliche Schreiben wahre Wunder und er erhielt sogar ganze Notgeldsätze gratis. Ähnliches hatte ja 1889 schon der bekannte österreichische Sammler Dr. Adolf Ehrenfeld in Wien vorbereitet. Damals schaffte es Ehrenfeld, das Ministerium des Äußeren davon zu überzeugen, dass alle im Amtsbereich befindlichen Notenbanken ersucht wurden, Ausgaben älterer Scheine direkt an ihn zu senden. Natürlich wurden damals auch schon Reichsbanknoten gesucht und die niederen Werte aus dem Verkehr gesammelt. Der 50-Mark-Schein von 1918 war aber noch zu teuer. Im Sommer 1919 schickte Arnold Keller seine Fragebogen an 2000 Orte, um so weiteres Material für die Abfassung seines geplanten Großgeldbuches zu erhalten. Das nächste Ziel in seinem Leben war jedoch die Promotion. Gewissenhaft bereitete er sich vor. Er wollte seine Studien mit einer Dissertation abschließen, die etwas mit seinem Lieblingsgebiet, der Numismatik, zu tun hatte, und so lautete denn sein Thema: „Der Kurrheinisch-Hessische Münzvertrag von 1572“. Bald war ein Doktorvater gefunden, Bücher und Akten wurden gewälzt und bis tief in die Nacht hinein gearbeitet. Am 14. August 1919 promovierte Arnold Keller „summa cum laude“ (mit höchstem Lob) an der Münchner Universität zum Doktor der Philosophie. Die in Latein abgefasste Promotionsurkunde fand sich ebenfalls noch in seinem Nachlass. Auch nach Abschluss seines Studiums blieb das Lernen ein Lebens-Elexier für Arnold Keller. Schon am 1. Oktober 1919 ließ er sich, nun schon als Dr. phil., zur Abrundung seiner Studien an der Frankfurter Universität immatrikulieren, die er bis April 1920 besuchte. Jetzt galt es, einen Broterwerb zu finden. Bereits Ende 1919 erschien bei Adolf E. Cahn in Frankfurt sein erstes Büchlein über Kleingeldscheine. Es umfasste ganze 59 Seiten und zählte bereits 1082 Ausgabestellen auf. Als nach Kriegsende die Soldaten in die Heimat zurückgekehrt waren und mit einsetzender Inflation immer mehr Notgeldscheine kursierten, brachte das einen großen Aufschwung für die Sammlerbewegung. Viele neue Interessenten suchten Anschluss an Sammler, den Anfängern fehlte es an grundlegenden Informationen, praktischen Hinweisen und Orientierungshilfen. Dieser Aufgabe konnte sich nur eine Fachzeitschrift stellen. Zwar war schon im Juli 1919 des erste Heft der Zeitschrift „Das Notgeld – Zeitschrift für Notgeldkunde sowie sonstigen Kriegs- und Revolutions-Sammelsport“, wie der vollständige Titel lautete, unter Schriftleitung von Max Braunschweig in München erschienen, doch hatte die Ausgabe keinen guten Start und wurde mit Heft 4/6 im Dezember 1919 mangels Leser bereits wieder eingestellt. Arnold Keller, der bereits in den frühen Ausgaben Beiträge veröffentlichte, hatte so eine enge Verbindung zum Verlag aufbauen können. Nach Einstellung der Zeitschrift sah er die Notwendigkeit der Weiterarbeit. Inzwischen hatten sich genügend ehemalige und neue Bezieher und Interessenten gemeldet, sodass bereits nach viermonatiger Unterbrechung ab April 1920 „Das Notgeld“, jetzt unter Schriftleitung von Dr. Arnold Keller, wieder erscheinen konnte. Keller selbst war inzwischen in seine badische Heimat zurückgekehrt und hatte eine Wohnung in der Wilhelmstraße 24 a in Freiburg i. Br. bezogen. Der Verlag befand sich in der Münchner Clemensstraße 8. Von Freiburg aus hielt Keller fest die Fäden in seiner Hand. Die Arbeit lastete ihn völlig aus und nicht zuletzt auch dank seiner eigenen Artikel und dem begehrten Anzeigenteil der Zeitschrift, bei dem der Sammler von heute zwar ein Schmunzeln kaum unterdrücken kann, der aber trotzdem immer noch sehr interessant ist, erlebte das Blatt einen Aufschwung und stand bald an der Spitze im Vergleich mit konkurrierenden Zeitschriften. Am 1.12.1920 wurde der Münchner Verlag von Rudolf Kürzl, einem Bruder des ersten Besitzers, übernommen und hatte sein Domizil in der Nymphenburgerstraße 93. Arnold Keller war wieder nach Frankfurt a. Main gezogen und wohnte hier in der Vogtstraße 33. Im Juli 1921 lautete seine neue Frankfurter Anschrift Fürstenberger Straße 177. Im Laufe des Jahres 1921 hatte der Umfang seiner Sammlung weiter zugenommen. Keller tauschte, kaufte und verkaufte ganze Sammlungen, womit sich seine weitere Zukunft bereits abzeichnete. In ihm war der Wunsch gereift, als selbständiger Kaufmann zu arbeiten, und schon bald traf er dazu alle notwendigen Vorbereitungen. Anfang Januar 1922 war es endlich so weit, er eröffnete sein erstes Ladengeschäft für Papiergeld und Münzen in Berlin SW 68, Zimmerstraße 22, ganz in der Nähe der bekannten Friedrichstraße. Ein Foto dieses Geschäftes aus jener Zeit ist bis heute erhalten geblieben. Hier sehen wir Arnold Keller im Eingang, und sogar schon eine Verkäuferin konnte sich das junge Unternehmen leisten. Bald danach firmierte das Geschäft als „Dr. Arnold Keller u. Co. G.m.b.H“. Angeboten wurden Münzen und Medaillen aller Zeiten und Länder, Notgeld jeder Art und numismatische Bücher, daneben erfolgte der Ankauf ganzer Sammlungen sowie die Übernahme von Sammlungen und Einzelstücken zur hauseigenen Auktion. Von hier aus führte Keller nun auch die Schriftleitung für „Das Notgeld“ weiter. Er hat diesen Schritt zur Geschäftsgründung nie bereut, flossen ihm doch als Händler nun noch mehr Scheine zu. Im Mai 1922 schrieb er an seine Tante in Freiburg: „Das Geschäft geht gut, macht aber wirklich viel Arbeit. Keinen Tag hat man Ruhe.“ 1922 konnte Arnold Keller durch glückliche Umstände den Restbestand der Scheine der Swakopmunder Buchhandlung aus dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika erwerben. Besonders freute ihn, dass das vermittelnde Büro im Hause seines Berliner Konkurrenten Robert Ball in der Berliner Wilhelmstraße 46 ansässig war und dass Ball selbst bei diesem bedeutenden Geschäft leer ausging. Durch Bekanntschaft mit einem Beamten der Deutsch-Ostafrikanischen Bank war es ihm außerdem möglich, bald eine fast vollständige Sammlung der Kolonialausgaben aufzubauen, worüber er auch in „Das Notgeld“ schrieb und später ein Buch veröffentlichte. Mitte 1922 stand der Ankauf der großen Sammlung eines verstorbenen Münchner Professors an, die er bereits früher bewundert hatte. Das Vorhaben war jedoch für ihn allein zu groß. Arnold Keller tat sich deshalb mit seinem Freund Carl Volkmann, auch ein bedeutender Sammler, Händler und Verleger aus Berlin, zum Zwecke des gemeinsamen Erwerbs zusammen. Nach dem Ankauf wurde die Sammlung in Volkmanns Wohnung gebracht, wo die (schwierige!) Teilung begann. In die erste Gruppe kam alles, was Volkmann nicht hatte. Die zweite Gruppe bestand aus Scheinen, die Arnold Keller noch fehlten. In die dritte Gruppe wurden die Scheine aufgenommen, die beiden fehlten. Verständlicherweise fiel denn auch die Aufteilung der letzten Gruppe besonders schwer. Nach vielem Hin und Her wurden sich beide jedoch einig. „Mir brachte das einen Zuwachs von über 500 Scheinen“, erinnerte sich später Keller. Ende Oktober 1922 gelang ihm mit der Sammlung des Geheimrats Winkel wieder eine großartige Erwerbung. Winkel, dem durch seine Stellung bei der Königsberger Regierungsbehörde fast alles zugeflossen war, was man erreichen konnte, hatte jedoch leider alle Scheine mit Leim in sein Album geklebt. Es erforderte viel Geschicklichkeit und Arbeit, um die Scheine unversehrt abzulösen. 1923 erschien bereits die 4. Auflage von Kellers Kleingeldbuch, wofür er 2 Millionen Mark forderte, die am 1.7. und am 1.8.1923 fällig waren. Er schreibt dazu: „Mit der ersten Million (damals etwa 7 Dollar!) fuhr ich ein paar Wochen nach Schliersee; die zweite konnte ich erst am 4. August erheben, und da war es nicht mehr ganz ein Dollar. Ich kaufte mir dafür 10 Scheine für meine Sammlung.“ Wegen der Fülle der Notgeldthemen erschien „Das Notgeld“ 1921/22 sogar 14-tägig. Von Anfang an machte das Blatt Front gegen Nepp-Ausgaben. Besonders interessant sind für heutige Sammler die Anzeigen aus der Zeit der Hochinflation 1923, so wurde z.B. im August 1923 der Notgeldsatz der Stadt Schwetz über 2, 20 und 50 Mark von 1918 für 60.000 Mark angeboten. Auch Arnold Keller inserierte fleißig für sein Geschäft mit verlockenden Angeboten, die das Sammlerherz von heute höher schlagen lassen, so z.B.: 5, 10 und 50 Mark der Landesbank Westfalen (unentwertet) für 150.000 Mark, was damals nur etwa 0,1 Dollar entsprach. „Papiermark zum Kurs des Zahlungstages“, lautet meist die letzte Zeile in seinen Angeboten. Außerdem verschickte er viele Angebotslisten an Sammler. Die Hefte von „Das Notgeld“ sind heute eine wahre Fundgrube und ein Spiegel der Geschichte des Notgeldsammelns wie auch des gesamten Papiergelds. Ein Tollhaus der Proportionen war diese schlimme Zeit der Inflation! Als Arnold Keller während der Inflationszeit kein Wechselgeld mehr in seinem Geschäft hatte, ließ er für sich selbst in einer Druckerei 200 Notgeldscheine zu 50.000 Mark und 100.000 Mark fertigen. Da jedoch bald zusätzliche Reichsbanknoten in Verkehr kamen, brauchte er die Scheine nicht auszugeben. Um sich nicht nachsagen zu lassen, er habe an Spekulations-Ausgaben mitgewirkt, verbrannte er fast alle Scheine und behielt nur einige für sich selbst und seine Freunde zurück. In seinem Katalog des 1923er Notgelds wird deshalb seine eigene Ausgabe auch nicht von ihm erwähnt. Wo werden sich diese Raritäten wohl heute befinden? Mit der Einführung der Rentenmark im November 1923 trat langsam wieder Ruhe ein. Die zurückliegenden Inflationsausgaben des Jahres 1923 hatten die Anzahl der Sammler, aber auch die der Händler noch weiter vergrößert. Kellers Sammlung war im Laufe der Jahre beträchtlich angewachsen. Zählte seine Sammlung 1919 noch 7000 Scheine, so waren es 1920 schon 13.500, 1921 23.000, Ende 1922 schon 31.000 und 1924 sogar 48.000 Stück. Als Schriftleiter von „Das Notgeld“ bekam er oft Belegexemplare der Ausgabeorte kostenlos zugesandt. Am 1. April 1925 übernahm Arnold Keller seine Firma in der Berliner Zimmerstraße nun wieder als alleiniger Inhaber. Bei Neuerwerbungen hatte er meist etwas Glück, so konnte er 1925 gleich drei große Zugänge verzeichnen, womit seine Sammlung am Ende dieses Jahres schon 55.000 Scheine umfasste. Zunächst erwarb er nach hartnäckigen und zähen Verhandlungen einen großen Posten ausländischer Scheine von der Reichskriegskasse, die diese aus bürokratischen Bedenken zurückgehalten hatte. Es handelte sich vor allem um französische Gefangenenlagerscheine. Mit einem weiteren Ankauf konnte er seine Russland-Sammlung bedeutend erweitern. Schließlich gelang es ihm noch, eine bedeutende deutsche Universalsammlung von über 6000 Scheinen zu erwerben, welche vor allem eine Vielzahl seltener Großgeldscheine von 1923 enthielt. Das half ihm, den Sammlern reichhaltige und verlockende Angebote unterbreiten zu können. Sein Geschäft lief so gut, dass er sich bereits 1925 eine solide finanzielle Basis geschaffen hatte, die ihm die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches ermöglichte. Arnold Keller wollte sich ein eigenes Haus bauen, und ein geeignetes Grundstück war bald in Berlin-Wittenau gefunden. Die große Ausdehnung des Anwesens sollte ihm später noch von Nutzen sein. Der Hausbau ging schnell voran. Schon vorher hatte er einen lieben Menschen gefunden, mit dem er durchs Leben gehen wollte. Im Mai 1925 war es dann endlich so weit. Arnold Keller konnte mit seiner zukünftigen Frau in die Hälfte eines schönen Doppelhauses in der Triftstraße 64 einziehen. Gleichzeitig gab er das Ladengeschäft in der Zimmerstraße 22 auf. Ab 1. Juli 1925 betrieb er sein Geschäft nur noch als reinen Versandhandel von seiner neuen Adresse in Berlin-Wittenau aus. In einer Anzeige in „Das Notgeld“ gab er die Adressänderung bekannt und bat seine Berliner Ladenkundschaft, sich durch den etwas weiteren Weg nicht abschrecken zu lassen, denn die Mühe lohne sich. Es entwickelte sich eine enge Korrespondenz mit Sammlern und Händlern. Daneben war er weiter als Schriftleiter der Zeitschrift „Das Notgeld“ tätig und arbeitete an neuen Katalogen, sodass sein Tag reichlich Arbeit bot. Das Jahr 1926 brachte einen weiteren Höhepunkt in seinem Leben. Am 22. Mai heiratete er standesamtlich die Kontoristin Margarete Luise Ida Haserich, mit der er dann bis zu seinem Tod vereint blieb. Beide führten eine vorbildliche und harmonische Ehe, die jedoch kinderlos blieb. Dass seine Frau perfekt mit der Schreibmaschine schreiben konnte, sollte sich später noch als sehr hilfreich erweisen. Ab 1927/28 begann Arnold Keller, systematisch an der Herausgabe von Katalogen zu arbeiten. 1929 ging das Geschäft nicht so gut, die Weltwirtschaftskrise warf ihre Schatten voraus und die Sammler hielten sich mit Ankäufen zurück. Viele Händler gaben ihr Geschäft auf oder mussten große Zugeständnisse bei ihren Angeboten machen. Die Anzeigen der Händler überboten sich bald gegenseitig. Schlagzeilen wie „Billig, bestens!“ oder „Große Raritäten zu günstigen Preisen!“ waren an der Tagesordnung. So bot z.B. der Notgeldhändler Werner Seliger aus Dresden zu Weihnachten 1929 die Großgeldscheine von 1922/23 sogar nach Gewicht an, 10 kg für nur 17,50 RM! Von anderer Stelle lag ein schriftliches Angebot für den unentwerteten 10-Mark-Schein der Reichsbank aus dem Jahre 1876 für 40 RM vor. Dieser Schein wurde 1999 bei einer deutschen Auktion inkl. Aufgeld für über 40.000 DM verkauft. 1930 breitete sich die Misere noch weiter aus und so mancher Papiergeldhändler musste sein Geschäft aufgeben. Arnold Keller war auf der Suche nach einem Ausweg, der den Lebensunterhalt sichern könnte. Neben seiner numismatischen Arbeit und seinem Geschäft, wandte er sich deshalb nunmehr zuerst der Geflügel- und dann der Pelztierzucht zu. Er spezialisierte sich auf die Zucht von Nerzen. Dank seines Fleißes und seiner Gründlichkeit wurde er auch auf diesem Gebiet bald zum anerkannten Fachmann, was vielen heutigen Papiergeldsammlern unbekannt ist. Jetzt kam ihm sein großes Grundstück zugute, auf dem er eine Nerzfarm errichtete. Aus kleinsten Anfängen heraus gedieh seine Zucht und konnte so genug für den Lebensunterhalt einbringen. Wieder griff Arnold Keller zur Feder und 1937 erschien sein Buch „Die Nerzzucht“ beim Mayer-Verlag in München, welches später noch mehrmals aufgelegt und dabei immer umfangreicher wurde. Akribisch genau, wie es seinem Wesen eigen war, beschrieb er in Text und Bild die Aufzucht von Nerzen bis in alle Einzelheiten. Sein Arbeitsexemplar zu diesem Buch ist ein Musterbeispiel wissenschaftlicher Gründlichkeit. Bereits 1932, nicht wie bisher angenommen 1937, beendete er seine Tätigkeit als Hauptschriftleiter der Zeitschrift „Das Notgeld“, blieb ihr aber weiterhin verbunden und schrieb gelegentlich auch noch Artikel, die ihn als Experten auf allen Gebieten der Notaphilie ausweisen. Den Kriegsbeginn 1939 mit all seinen Einschränkungen und Belastungen auch für den Händler, Sammler, Wissenschaftler und Menschen Arnold Keller, nahm er angewidert zur Kenntnis. Als zwischenzeitlich bekannter Fachmann wurde er Mitarbeiter und Berater der Deutschen Reichsbank in Berlin. Er baute die Geldscheinsammlung der Reichsbank auf und erhielt als Honorar dafür deren Doubletten sowie die in angekauften Sammlungen vorhandenen ausländischen Scheine, für die die Reichsbank kein Interesse zeigte. Als die Bombenangriffe der Alliierten immer heftiger wurden und der Krieg immer näher an die Reichshauptstadt herankam, machte er sich ernste Gedanken um die Sicherheit seiner eigenen Sammlung. Die nun alltäglichen Bombenalarme zwangen zu schnellem Handeln. Große Teile seiner Sammlung lagerte er in sichere Gebiete aus, keine leichte Aufgabe in Anbetracht des Sammlungsumfangs. Seine Entscheidung sollte sich bald als richtig herausstellen, denn sein Haus wurde bei einem Angriff schwer beschädigt. Während die Papiergeldsammlung der Reichsbank im Flammeninferno alliierter Bomben unterging, konnte Arnold Keller seine Sammlung retten. Im Juni 1944 war er, bereits 47-jährig, noch kurzzeitig zur Wehrmacht eingezogen worden. Er war jedoch wohl nur bei rückwärtigen Diensten und nicht an der Front eingesetzt. Ein Foto aus dieser Zeit zeigt ihn als einfachen Soldaten ohne jede Rangabzeichen und Orden. Im Juni 1944 war er, bereits 47-jährig, noch kurzzeitig zur Wehrmacht eingezogen worden. Er war jedoch wohl nur bei rückwärtigen Diensten und nicht an der Front eingesetzt. Ein Foto aus dieser Zeit zeigt ihn als einfachen Soldaten ohne jede Rangabzeichen und Orden. Nach Kriegsende wagte Arnold Keller einen Neuanfang, auch wenn die ersten Schritte schwer fielen. Viele Sammlerverbindungen waren abgebrochen und die Menschen hatten in dieser harten Zeit andere Sorgen. In den Jahren 1952 bis 1962 entstanden die meisten seiner Kataloge, zum Teil als erweiterte Neuauflagen. Viele Exemplare stellte er selbst mittels Spiritus-Vervielfältigungsverfahren her und beklagte sich zu dieser Zeit, dass er nur wenig Abnehmer fand und deshalb mit seinen Katalogen nichts verdienen konnte. So schrieb Keller im Vorwort eines seiner Kataloge zum Notgeld von 1923: „Eine Gefahr für das weitere Erscheinen dieser Arbeit liegt, außer in meinem nicht mehr guten Gesundheitszustand, in der geringen Abnehmerzahl für dieses Werk. Während sie für andere meiner Kataloge zwischen 60 und 100 liegt und einige stärker begehrte Werke sogar erheblich über 100 bis an die technische Grenze des Spiritus-Vervielfältigungs-verfahrens kamen, liegt sie hier bisher nur bei etwa 30 Beziehern. Dabei stecken in jedem Band 300 oder mehr Arbeitsstunden, von den erheblichen Materialkosten zu schweigen. Ich bringe also mit der Herausgabe dieses Werkes ein erhebliches Opfer, zu dem mich nur das Gefühl der moralischen Verpflichtung drängt als des Besitzers der größten derartigen Sammlung.“ Der Vollständigkeit halber werden am Ende noch einmal seine Papiergeldkataloge aufgelistet. Das gewaltige Arbeitspensum hatte ihn wohl auch gesundheitlich stark gefordert und zudem stellten sich immer mehr körperliche Beschwerden ein. Ein Augenleiden nahm ihm nach und nach immer mehr die Freude am Schreiben. Ein schwerer Schlag für ihn, den er wohl nie überwand. Hinzu kam, dass sein Geschäft nicht gut ging. In den Bewertungen der Scheine schon immer sehr zurückhaltend und kulant, gewährte er nun trotzdem noch Preisabschläge von 20 bis 30 %. Häufig glaubte er sich sogar für seine Preise entschuldigen zu müssen, da sie ihm selbst zu hoch erschienen, und so mancher Sammler zahlte nur nach mehrmaliger Aufforderung seine Rechnung. Obwohl er mit seiner Sammlung einen gewaltigen Schatz im Hause hatte, deren damalige und heutige Bewertung ich nicht anzugeben wage, hatte sich seine finanzielle Lage sehr verschlechtert. In einem Brief vom November 1952 schrieb er: „Ich bin krank und kann nicht einmal zum Arzt gehen, weil mir dieses Geld fehlt.“. In dieser Zeit war er auch als Berater und Mitarbeiter des Geldmuseums der Bundesbank tätig, deren Bestände er ordnete. Sein Augenleiden verschlimmerte sich unterdessen zusehends. Das gab ihm wohl auch den Anlass, sich 1957 mit dem Gedanken des Verkaufs seiner großen Sammlung zu befassen. Nur wer selbst einmal vor einer so schweren Entscheidung stand, kann ermessen, welche Kraft und schlaflosen Nächte es kostet, sich zur Aufgabe der eigenen Sammlung zu entschließen. Gern wollte er sein Lebenswerk nur geschlossen abgeben, damit die Sammlung in ihrer Gesamtheit erhalten und weiter ausgebaut werden konnte. So kam es nach langwierigen Verhandlungen am 18. Januar 1958 zum Abschluss des Verkaufsvertrags. Dr. Keller verkaufte der Bundesbank 195.000 Geldscheine, dazu Kataloge, Karteien, Notizen und Zeitungsausschnitte sowie seine große Fachbibliothek mit weit über 400 Büchern, Broschüren und Fotokopien, darunter auch viele ausländische Werke. Wenn man bedenkt, dass sich in seiner Sammlung 59.497 Großgeldscheine von 1923 befanden, so kann der versierte Sammler verstehen, welche großartige Sammler- leistung Dr. Keller erbracht hatte. Der Verkauf der Sammlung war jedoch nicht das Ende seiner Tätigkeit. Sofort gingen vorerst nur drei Kästen zum Notgeld 1914 an die Bundesbank. Alle Notgeldscheine waren sauber mit Klebeecken auf großen Kartonbögen befestigt. Der Rest seiner Sammlung wurde später nach und nach der Bundesbank übergeben, um ihm die Möglichkeit zur weiteren wissenschaftlichen Arbeit zu geben, jedoch wurde er verpflichtet, alle Kästen unverzüglich mit der deutlich lesbaren Beschriftung: „Eigentum der Bundesbank“ zu versehen. Wie es sich Dr. Keller im Vertrag hatte zusichern lassen, arbeitete er unermüdlich weiter mit der Sammlung und sandte der Bundesbank erst wieder einen Teil zu, wenn er diesen vollständig wissenschaftlich abgearbeitet hatte, was sich über Jahre hinzog. Es sind sogar noch genaue Aufstellungen und eigenhändige Skizzen Kellers erhalten geblieben, die Standort und Inhalt jeder Kiste in seinem Haus dokumentieren. An dieser Stelle ist der Verfasser versucht, noch mehr Einzelheiten über den Verkaufsvertrag zu berichten, was aber aus mehreren Gründen unterbleiben soll. Wir wollen uns mit dem Erfahrenen bescheiden, wohl wissend, dass noch manches Interessante nachzutragen wäre. Die gesundheitlichen Probleme nahmen immer mehr zu. Sein Augenleiden verschlimmerte sich immer mehr, so dass er seiner Frau Margarete alles Notwendige diktieren musste, die es mit Maschine schrieb. Ohne die aufopferungsvolle Hilfe seiner Frau wäre vieles noch schwerer für ihn zu ertragen gewesen. Sie stand ihm zur Seite und half, wo sie nur konnte. Ende 1971 bat er den verehrten Albert Pick (selbst Verfasser vieler Kataloge und erfolgreicher Sammler, der seine eigene Sammlung 1964 an die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank abgab und weiter betreute), die Erledigung seiner Fachkorrespondenz zu übernehmen, da er wegen seiner Krankheit nicht mehr selbst dazu in der Lage war. Albert Pick, der Arnold Keller seit fast 20 Jahren freundschaftlich verbunden war, übernahm gern diese Aufgabe. Ende November bis Anfang Dezember 1972 hatte sich der Gesundheitszustand so sehr verschlechtert, dass eine Aufnahme in ein Krankenhaus unumgänglich wurde. Dort verbrachte er noch zwei Wochen, die letzten sechs Tage davon ohne Besinnung, seine Frau an seiner Seite. Am 13. Dezember 1972 ist Dr. Arnold Keller im 76. Lebensjahr friedlich eingeschlafen, ein großes Sammler- und Forscherleben fand seinen Abschluss. Die Trauerfeier, zu der ein großer Teilnehmerkreis anwesend war, fand am 22.12.1972 auf dem Städtischem Friedhof in Berlin, Thiloweg 2, statt. Zum Schluss möchte ich den damaligen Mitarbeiter des Geldmuseums der Deutschen Bundesbank, Herrn Dr. Joachim Weschke, zitieren, der 1973 in einem Nachruf auf den Tod Arnold Kellers im „Numismatischen Nachrichtenblatt“ schrieb: „Arnold Keller war ein typischer Privatgelehrter, der selbst gestellten Aufgabe ganz hingegeben, dabei von einem immensen Fleiß, der ihn auch an Sonn- und Feiertagen am Schreibtisch finden ließ, und schließlich von einer heute seltenen Bescheidenheit und Bedürfnislosigkeit lebt er als Gelehrter in seinen Werken weiter, so als Mensch in der Erinnerung aller, die ihn kannten." Aufstellung zu den Werken Dr. Arnold Kellers: Das Papiergeld des Deutschen Reiches 1874-1945 Die Geldscheine der deutschen Ländernotenbanken, der Reichsbahn, Reichspost und der übrigen Reichs- und Länderbehörden Notgeld besonderer Art – Scheine und Münzen ungewöhnlicher Art hinsichtlich des Materials, der Ausstattung oder des Inhalts Das Papiergeld der deutschen Kolonien Das Papiergeld der altdeutschen Staaten (Taler- und Guldenscheine) vom 17. Jahrhundert bis zum Jahre 1914 Deutsche Kleingeldscheine: Serienscheine Das Papiergeld des Zweiten Weltkriegs Das Papiergeld der Gefangenenlager im Deutschen Reich sowie in Österreich und Ungarn 1914 – 1918 Das Notgeld in Österreich und Ungarn 1848 – 186 Das wertbeständige Notgeld (Großnotgeld) 1923/24 Das Notgeld der Inflation 1922 Deutsche Kleingeldscheine 1916 – 1922 – Verkehrsgeld (3 Bände) zusammen mit Kurt Lehre, Die Wasserzeichen des deutschen Notgeldes 1914 – 1918 (Deutsche Wertpapierwasserzeichen) Die deutschen Großgeldscheine von 1918 – 1921 Das deutsche Notgeld von 1914 (2 Bände) Das Papiergeld der deutschen Währungsreform 1947/48 Das Papiergeld des 1. Weltkriegs (2 Bände) Das Notgeld der Inflation von 1923 (8 Bände) Die Abstempelung der österreichisch-ungarischen Banknoten 1919/20 Das österreichische und ungarische Notgeld von 1914 – 1916 und zusammen mit Wladimir Ouchkoff: Le Papier-Monnaie Belge de Necessite de la Guerre 1914 – 1918 (Katalog zum belgischen Notgeld während des 1. Weltkrieges) Verwendete Literatur: Keller, Dr. Arnold: „Erinnerungen“ in der Zeitschrift „Das Notgeld“, Jahrgang 1925/26 Persijn, Dr. Alexander: „Arnold Keller - ein Pionier des Papiergeldsammelns“ in „Geldgeschichtliche Nachrichten“ Nr. 53, 1976 Persijn, Dr. Alexander: „Gruß und Dank an Arnold Keller (1897 – 1972)“ in „Der Geldscheinsammler“, Erstausgabe November 1986 Weschke, Dr. Joachim: „Zum Tode Arnold Kellers“ in „Numismatisches Nachrichtenblatt“, Heft 2, 1973, S. 53 f. Zeitschrift „Das Notgeld“, Jahrgänge 1919 – 1936 Abbildungsnachweis: Fotos und Dokumente aus dem Nachlass von Dr. Arnold Keller im Besitz des Verfassers Dank: Mein besonderer Dank gilt Dr. Arnold Kellers Erben für Ihr Entgegenkommen und Verständnis für mein Anliegen sowie für die erteilten Auskünfte. Weiterhin danken möchte ich für ihre hilfreichen Hinweise und Anregungen den Herren Albert Pick (Garmisch-Partenkirchen), Dr. Alexander Persijn (Germersheim), Manfred Mehl (Hamburg), Hanns Heike Munckel (Amorbach) und Hans-Ludwig Grabowski im Gietl Verlag. Walter Linke Erschienen in "Der Geldscheinsammler", Ausgaben 3+4/2000
- Sierra Leone: Neue Banknoten angekündigt
2021 hatte die Bank of Sierra Leone einen Währungsschnitt bekanntgegeben: Aufgrund der hohen Inflationsrate sollen Leones drei Nullen gestrichen werden. Erfolgte diese Ankündigung im vergangenen Jahr noch ohne Angabe des Zeitpunkts zur Durchführung der Währungsumstellung, so begann nun die Bank, die Öffentlichkeit über die Scheine der neuen Währung zu informieren. Die Gestaltung ist weitestgehend mit den derzeit umlaufenden Noten der korrespondierenden Nominale identisch; zu den vorgenommenen Änderungen im Detail zählen ertastbare Linien an den kurzen Seiten, um Menschen mit Sehbehinderung das Erkennen des Nominals zu erleichtern. Das geplante Ausgabedatum ist nicht bekannt, jedoch wird eine Inumlaufsetzung der erneuerten Banknoten noch im Jahr 2022 erwartet. Die neuen Scheine sollen zunächst mit den aktuellen Noten der alten Währung kursieren, bis letztere aufgrund von Abnutzung aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Aus privaten Sammlungen: 50 Mark des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin von 1918
Objekttyp: Staatspapiergeld Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Bis 1870 gab das Großherzoglich Mecklenburgische Finanz-Ministerium in Schwerin Renterei-Kassenscheine aus, welche jedoch kein Staatspapiergeld im eigentlichen Sinne darstellten. Bereits 1850 war die Rostocker Bank konzessionierte Notenbank geworden. Die von der Privatbank ausgegebenen Banknoten kursierten in allen Teilen Mecklenburgs, aber auch Vorpommerns. Den starken Beschränkungen des Gesetzes von 1875 wollte sich die Bank nicht beugen. Nachdem jedoch die Annahme ihrer Noten sogar von der Regierung Mecklenburg-Schwerins an allen öffentlichen Kassen verweigert wurde, war ihr Notenrecht praktisch wertlos. Am Ende des Ersten Weltkriegs gab die Großherzogliche Kommission zur Verwaltung des Domanial-Kapital-Fonds in Schwerin eigenes staatliches Großnotgeld in Beträgen zu 5, 20 und 50 Mark aus. Die Entwertung erfolgte handschriftlich mit Ort, Datum und Unterschrift sowie mit Rund- und Zeilenstempel der Hauptstaatskasse auf der Rückseite. Es gibt auch handschriftliche Entwertungen ohne Stempel. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin Emittent: Großherzogliche Kommission zur Verwaltung des Domanial-Kapital- Fonds in Schwerin Nominal: 50 Mark Datierung: 16. Oktober 1918 Entwertung: 28. Oktober 1921, handschriftlich und mit Stempeln Vorderseite: Schwarz und Braun auf Grau, Mitte Wappen im Unterdruck Rückseite: Unbedruckt, handschriftliche Entwertung: "Ungültig. / Schwerin, den 28. October 1921 / Unterschrift", Zeilen- und Rundstempel Format: 145 mm x 100 mm Material: Papier Wasserzeichen: Kreuzmäander Nummerierung: 171633 Authentizität: Original Zitate: MSW-4E (Grabowski: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871 – 1948) 353.03E (Geiger: Das deutsche Großnotgeld 1918 – 1921) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.












