Diese Website durchsuchen
3679 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Mini-Assegni: Not-Kleingeld in Italien
Abb. 1: Barscheck der Volksbank Bozen/Südtirol über 100 Lire vom 22. 11. 1976, Vs., 6 x 12 cm. Als bei uns die Euroscheine eingeführt werden sollten, machte man sich natürlich vorher auch über die Stückelung Gedanken und es gab durchaus laute Stimmen, die sich für die Schaffung einer 1-Euro-Note einsetzten – vor allem aus Italien. Die Italiener waren es seit den 1970er Jahren gewohnt gewesen, z.B. ihren Espresso mit einem kleinen Geldschein bezahlen zu können. Die damals vorherrschende Münzknappheit aufgrund mangelnder Prägekapazitäten führte in der Repubblica Italiana einerseits zur Hortung bestehender Münzvorräte für die notwendige Automatenbedienung und andererseits zur Ausgabe von Wechselgeld in Form von Bonbons, Heftpflastern etc., woran sich ehemalige Italien-Urlauber von damals sicherlich noch lebhaft erinnern können. Abb. 2: Geldschein über 500 Lire vom 20.12. 1983, ausgegeben vom italienischen Finanzministerium, Vs. mit dem Götterboten Merkur, 5,75 x 11,5 cm. Nach dem Zusammenbruch des internationalen Währungsverbundes von Bretton Woods (1944–1973) befanden sich viele Währungen im Fallen begriffen; wegen der Inflation vermehrten sich auf den Banknoten die Nullstellen. In Italien kam 1976 ein neuer Fünfhunderter heraus, allerdings als „Biglietto di Stato a corso legale“ und nicht von der Banca d`Italia wie der neue Marco-Polo-Tausender von 1982. Bei der offiziellen Buchgeldumstellung auf die gemeinsame Eurowährung 1999 entsprachen übrigens 1.936,27 Lire einem Euro. Die Banken im Stiefel halfen sich selbst und schufen mit kleinen Barschecks (assegni circolare) von 50 bis 200 Lire mit Indossaments und sammler-affiner Gestaltung eine Art Notgeld, das die chronische Unterversorgung mit Kleingeld effektiv bekämpfte, denn Schecks ersetzen Bargeld – im Gegensatz zum Wechsel. Den ausgebenden Banken als Bezogenen und den eingedruckten Ausstellern der Schecks verschafften sie einen gewissen Eigenwerbe-Effekt. Die verausgabten Miniassegni in Südtirol waren zudem sogar zweisprachig. Abb. 3: Rs. des Barschecks über 100 Lire der Volksbank Bozen (s. Abb. 1) mit Indossament des Landesverbandes der Handels- Fremdenverkehrsbetriebe Bozen. Abb. 4: Barscheck der Landwirtschaftskreditbank Ferrara über 50 Lire vom 12.07. 1977, Vs., 6,3 x 12,4 cm. Abb. 5: Barscheck über 150 Lire des Credito Italiano, Mailand vom 08.03. 1976, Vs., 6,3 x 10,6 cm. Durch die verkleinerte Form in ähnlicher Größe wie die Scheine zu 500 und 1000 Lire konnten sie nicht mit regulären Bank- oder Barschecks verwechselt werden, und da die Banken den Nominalwert hinterlegen mussten, fand auch gar keine Geldschöpfung statt. Im Gegenteil: Viele Assegni wurden den Banken nicht wieder präsentiert, sondern verschwanden als putzige Souvenirs im Gepäck der Touristen oder in den Alben von Sammlern. Abb. 6: Rs. eines Barschecks über 200 Lire der Banca di Trento e Bolzano vom 20.09. 1977 mit links dem Schloss Bounconsiglio in Trient und rechts dem Dom Maria Himmelfahrt in Bozen. 6,4 x 11,5 cm. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch im Lexikonbeitrag von Albert Pick Assegni Circolare (Mini – Assegni) vom 23.10.2019. Christian Merker
- Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 22
Fortsetzungsreihe, Teil 38 Die Herstellungstechniken falscher Banknoten, Teil 10 Das Papier der Fälschungen Soviel in einem groben Überblick zu den einst und heute gängigen Druck- und Herstellungsverfahren aus der Fälscherszene. Das Papier der ehemaligen DM-Noten wie auch dasjenige für die aktuellen Euro-Scheine ist kurzfaserig und besteht aus reiner Baumwolle. Nach dem Trocknungsprozess erhält es noch eine Oberflächenleimung und erhält so seine spezielle Haptik und seine ganz eigenen Klangeigenschaften, die es von herkömmlichen Papieren unterscheidet. Das für Falsifikate verwendete Papier entstammt in fast allen Fällen dem freien Handel, wobei sich die Fälscher natürlich dasjenige aussuchen, das dem Originalpapier der zu kopierenden Banknote ihrer Meinung nach am nächsten kommt. In der Regel sind es herkömmliche, langfaserige Zellulosepapiere, die oftmals mit Aufhellern versehen oder die mittels Chlorbleiche gebleicht worden sind. Sie leuchten unter der UV-Lampe hell, meist hellblau, auf. Die überwiegende Mehrzahl der Papiere wird heute aber hergestellt, indem man aus Umweltschutzgründen auf die Bleiche verzichtet, sodass die auf ihnen gedruckten Fälschungen wie die echten Banknoten dunkel reagieren und unter UV-Licht eine mehr oder minder große Ähnlichkeit mit echtem Notenpapier aufweisen. An echtes Notenpapier kommen illegale Nachahmer so gut wie nie, es sei denn durch Bleichen von Noten niedrigen Nennwertes, um dann darauf höherwertige Noten zu drucken. Dieses Verfahren wurde und wird bei Fälschungen des amerikanischen Dollars ab und zu angewendet, eine jener unerwünschten Nebenwirkungen der Tatsache, dass alle Dollarnoten vom 1er bis zum 10.000er die gleiche Größe besitzen. Es sind jedoch zu vernachlässigende Einzelfälle, da aufgrund des relativ großen Aufwands nur Einzelgänger mit kleinen Auflagen von diesem Verfahren Gebrauch machen und die damit nicht ins Gewicht fallen. Bei den Ausgaben vor 1996 kam erschwerend noch hinzu, dass das Papier durch kein stückelungsspezifisches Wasserzeichen geschützt ist. Eher die Ausnahme ist die Herstellung eines mit dem Original beinahe identischen Papiers, wie es bei den Pfundnoten-Fälschungen der Nationalsozialisten oder den sog. „Superdollars“ der Fall war bzw. ist. Diese Methode ist aber für den Durchschnittsfälscher und selbst für die Nachahmer aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität viel zu aufwendig und in Ermangelung geeigneter Maschinen und des technischen Know-hows nicht praktikabel. Verfälschung einer 100-Reichsmark-Banknote in eine 1000-Reichsmark-Banknote. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlags Österreich der Print Media Austria AG, Wien Echte 1000-Reichsmark-Banknote. Dennoch haben es Ganoven ab und an geschafft, an echtes Notenpapier zu kommen. Ein Fälscher mit Namen James Griffith hatte 1864 umgerechnet rund 10.000 Taler investiert, um das Papier der Noten der Bank von England in eigener Produktion nachzuahmen. Zahllose Noten hatte er eingestampft und analysiert. Als dies nichts fruchtete, gelang es ihm, einen Angestellten des Papierherstellers Portals zu bestechen, der ihm echten Papierbrei übergab und ihm auch Details der Herstellung verriet. Doch die Polizei erwischte die beiden, noch bevor sie eine größere Menge produzieren konnten. Cleverer angestellt hatten es dagegen 2008 die bis dato unbekannten Mitglieder einer organisierten Bande in einem südeuropäischen Land (welches Land es war, verschweigen wir aus Gründen der Diskretion). Ihnen war es – wie auch immer – gelungen, eine ganze Lkw-Ladung mit Papier für 20-Euro-Noten zu stehlen. Seit wenigen Monaten tauchen nun die ersten auf diesem Papier im Offsetverfahren gedruckten falschen Scheine in erstklassiger Qualität auf. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Lexikon: Caisse Centrale de la France d'Outre-Mer
Die Zentralkasse für Übersee-Frankreich gab während des Zweiten Weltkriegs zunächst Noten aus, die in England gedruckt waren, und zwar ohne Aufdruck für Französisch-Äquatorialafrika (die heutigen Staaten Gabun, Republik Kongo, Tschad und Zentralafrikanische Republik) sowie Réunion, mit einem Aufdruck des jeweiligen Landesnamens für Französisch-Guayana, Guadeloupe und Martinique. Caisse Centrale de la France d'Outre-Mer: 5 Francs (Gesetz vom 2.2.1944) ohne Aufdruck, Vorder- und Rückseite (Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de). Caisse Centrale de la France d'Outre-Mer: 100 Francs (Gesetz vom 2.2.1944) ohne Aufdruck, Musterschein mit Null-Nummer, Überdruck "SPECIMEN" und Lochung, Vorder- und Rückseite (Abb. CGB, www.cgb.fr ). Caisse Centrale de la France d'Outre-Mer: 10 Francs (Gesetz vom 2.2.1944) mit Aufdruck "GUADELOUPE", Vorder- und Rückseite (Abb. CGB, www.cgb.fr ). Die nach dem Krieg von ihr ausgegebenen Scheine galten ohne Aufdruck in Französisch-Äquatorialafrika und mit dem Aufdruck des jeweiligen Landesnamens in Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Réunion und Saint-Pierre et Miquelon. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski
- Ungewöhnliche Zahlungsmittel der Festung Kreta 1944/45
Ende August 1944 fand im Führerhauptquartier, der „Wolfsschanze“ in der Nähe von Rastenburg (Ostpreußen), eine Südost-Besprechung statt. Versammelt hatten sich neben Adolf Hitler, Reichsaußenminister Joachim von Rippentrop, Reichsführer SS und Reichsinnenminister Heinrich Himmler, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (Chef des Oberkommandos der Wehrmacht), Generaloberst Alfred Jodel (Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht), General Walter Warlimont (Stellvertreter von Generaloberst Alfred Jodl im Wehrmachtführungsstab), Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer, Sonderbevollmächtigter des Auswärtigen Amts für den Südosten Hermann Neubacher, Generalfeldmarschall Freiherr Maximilian von Weichs (Oberbefehlshaber der Heeresgruppe F) und Generaloberst Alexander Löhr (Oberbefehlshaber Südost und zugleich Oberbefehlshaber der Heeresgruppe E). „Die Räumung Griechenlands lag in der Luft, Hitler griff die Formel auf: ‚Die Inseln haben ihre Aufgabe erfüllt!‘ und befahl die Räumung der ägäischen Inseln und Kretas. Einen Tag später erfolgte der Umsturz in Bukarest, Bulgarien folgte nach, und aus der Räumung der Inseln wurde die Räumung des Balkans.“[1] Die Heeresgruppe E begann mit der Rückführung ihrer Verbände von den zahlreichen griechischen Inseln. Wegen der alliierten Überlegenheit wurde der Seetransport unmöglich und die Truppen mussten unter Zurücklassung des schweren Gerätes per Lufttransport evakuiert werden. Am 15. September 1944 wurde die Rückführung aufgrund der gegnerischen Luftüberlegenheit eingestellt. Für zahlreiche Wehrmacht-Einheiten bedeutete dies, dass sie bis zum Kriegsende auf griechischen Inseln ausharren mussten. Mit der Räumung der Peloponnes begann die Wehrmacht am 6. September. Am 12. Oktober verließ das deutsche Militär Athen und am 31. Oktober Thessaloniki. Ohne nennenswerte Feindberührung überschritt die Nachhut in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1944 die griechisch-mazedonische Grenze. Die verbliebenen 20.000 deutschen Soldaten auf Kreta bildeten den „Festen Platz Kreta“. Im September 1944 zogen sie sich in die „Kernfestung“ um Chania zurück. Da von der Bank von Griechenland keine Geldlieferungen mehr erfolgten, aber weiterhin Einkäufe bei der einheimischen Bevölkerung zu bezahlen waren, schuf die Wehrmachtsverwaltung in Chania ihre eigenen Zahlungsmittel: Anweisungen, die auf eine bestimmte Menge von Okades Olivenöl lauteten[2], wobei eine Oka 1,280 kg entspricht. Bereits im März 1942 hatte der damalige Festungskommandant General Alexander Andrae[3] angesichts der zunehmenden griechischen Inflation und der unzureichenden Zahlungsmittelversorgung durch die Bank von Griechenland vorgeschlagen, für Kreta eine besondere Währung zu schaffen. Sie sollte durch Olivenöl und andere Landesprodukte gedeckt sein. Dieser Vorschlag, der praktisch auf eine Parallelwährung hinauslief, übersah die politischen Auswirkungen und technischen Schwierigkeiten. Daher untersagte der Wehrmachtsbefehlshaber Südost (AOK12) dem General, die Währungsidee der „Öl-Drachme“ weiter zu verfolgen. Auch der Bevollmächtigte des Reichs für Griechenland stand dem Ansinnen ablehnend gegenüber, da die Öl-Drachme Kreta wirtschaftlich von Rest-Griechenland abschnüren würde und die Maßnahme auch im Widerspruch zu den deutsch-italienischen Vereinbarungen stünde.[4] Im Herbst 1944 hatten Bedenken dieser Art jedoch keine Bedeutung mehr. Die „Deckung“ der Anweisungen bestand, wie bereits bei den Plänen des Jahres 1942, in Olivenöl. Dazu legte die Wehrmachtsverwaltung in Chania einen Öl-Vorrat bei der ETEL-Fabrik (Ölproduktion Griechenland) an. Dieser stammte sowohl aus beschlagnahmtem Öl wie auch aus Ankäufen, die durch die Abgabe von nicht benötigten Wehrmachtsgütern (Benzin, Reis, Stiefelsohlen, Schuhe, Räder, Ersatzteile für Autos usw.) bezahlt wurden. Wenn nun die Wehrmachtsverwaltung von der Bevölkerung Chanias Gemüse, Obst, Fleisch und andere Waren kaufte, erhielt der Verkäufer Anweisungen, die auf Okades Öl lauteten. Gegen diese Anweisung erhielt er von der ETEL die geschuldete Menge Olivenöl, wobei das Öl einen Säuregehalt von 2–4 % hatte. Obwohl die Anweisungen jeweils auf eine bestimmte Person ausgestellt waren, wurden sie als Zahlungsmittel von der Bevölkerung weitergegeben. Sie liefen so lange um, bis der letzte Inhaber sie bei der ETEL einlöste. Abb.: Anweisung vom 14. Dez. 1944 an die Firma ETEL, an den Griechen Koulisakis 164 Okades Öl auszuliefern. Die Anweisungsformulare wurden im Umdruckverfahren auf einfachem Papier hergestellt und anschließend handschriftlich vervollständigt und mit der Unterschrift des Oberzahlmeisters und dem Siegel der Feldkommandantur versehen. Mit der Anweisung wurde ETEL entweder beauftragt, A eine bestimmte Menge Öl auszuhändigen bzw. von B eine bestimmte Menge Öl als Zahlung anzunehmen, damit dieser ein Gut bei der Wehrmachtsstelle erhalten konnte. Die jeweils nicht zutreffende Verwendung wurde auf der Anweisung durchgestrichen. Mit diesen Gutscheinen glichen die Deutschen in den sieben Monaten zwischen Oktober 1944 und Mai 1945 den Mangel an Banknoten aus und erleichterten den Warenaustausch auf dem lokalen Markt. Der Endbestand an Öl betrug am 15. Mai 1945 bei ETEL noch 2731,5 Okades. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 9. Mai 1945 blieb zunächst alles wie gehabt. Erst nach und nach gaben die deutschen Soldaten ihre Waffen ab und gingen in britische Gefangenschaft. Der letzte Befehlshaber der Besatzung Kretas, Generalmajor Hans-Georg Benthack[5], kam am 19. Juni in ein Kriegsgefangenenlager nach Ägypten, dann nach Island Farm in England und wurde im Mai 1948 entlassen. Uwe Bronnert Abb.: Antonis Linardakis, German oil vouchers in Chania, Crete, 1944–1945, S. 127. [1] Hermann Neubacher, Sonderauftrag Südost 1940–1945, Bericht eines fliegenden Diplomaten, 2., durchgesehene Auflage, Göttingen/Berlin/Frankfurt 1957, S. 90. [2] Die folgende Darstellung orientiert sich an: Antonis Linardakis, "German oil vouchers in Chania, Crete, 1944–1945", A periodical publikcation of the Hellenic Numismatic Society, Bd. 28 (2010), S. 125–130. [3] Festungskommandant vom 21. Juli 1941–30. August 1942, Befehlshaber der deutschen Truppen ab 9. Juni 1941. [4] Bundesarchiv Berlin, R29/196, Schreiben vom 20. April 1942 des Deutschen Kommissars bei der Bank von Griechenland an das Reichsbankdirektorium in Berlin sowie ein Aktenvermerk bei der Reichskreditkassenverwaltung, Tgb.Nr. 7795/42. [5] Festungskommandant vom 22. September 1944–10. Mai 1945. „Benthack wurde 1953 zusammen mit anderen ehemaligen Wehrmachtssoldaten, darunter einem Divisionsrichter, vor dem Landgericht Hamburg angeklagt, bei Kriegsende auf Kreta die Erschießung von renitenten Soldaten angeordnet zu haben. Fünf Soldaten wurden am 11. und 12. Mai 1945, also zwei Tage nach der Kapitulation der Wehrmacht, ohne Verfahren hingerichtet. Das Gericht folgte im Urteil der Argumentation der Verteidigung, dass diese Erschießungen notwendig gewesen seien, um die Disziplin der Truppe aufrecht zu halten, da die Truppe andernfalls schutzloses Opfer der Übergriffe der griechischen Partisanen geworden wäre. Das Gericht gestand Benthack Verbotsirrtum zu und sprach ihn frei. Auch die sechs anderen Beschuldigten wurden freigesprochen. Der Antrag der hamburgischen Staatsanwaltschaft auf Revision beim Bundesgerichtshof wurde gegenstandslos, als das Landgericht Hamburg das Verfahren am 6. Dezember 1954 gemäß § 6 des Straffreiheitsgesetzes einstellte“. (18.07.2021).
- Schöne: Die Militärmark-Scheine der Alliierten von 1944 bis 1948 in Deutschland
Michael H. Schöne Die Militärmark-Scheine der Alliierten von 1944 bis 1948 in Deutschland Operation "Wild Dog" Sämtliche Ausgaben der Alliierten Militärbehörde (einschließlich Münzgeld und Nachkriegs-Briefmarken) 364 Seiten, durchgehend farbig, Format 14,8 cm x 21 cm, Broschur, Pirna 2021, Eigenverlag. ISBN: ohne. Preis: 44,94 Euro. Drei Jahrzehnte lang hat der von vielen sehr gut recherchierten Fachartikeln und Spezialkatalogen bekannte Autor akribisch geforscht, Unterlagen aus unterschiedlichen Archiven gesichtet und eine riesige Menge an Informationen zusammengetragen. Immer wieder hatte er in der Vergangenheit auch über das Geld der Alliierten Militärbehörde berichtet und auch andere Autoren haben sich diesem wichtigen Thema in Fachartikeln gewidmet. Der eigentliche Grund für das neue Buch besteht darin, alle Informationen wie ein großes Puzzle zusammenzufügen und als populär-wissenschaftliche Abhandlung nicht nur Sammlern, sondern auch der Öffentlichkeit vorzustellen. Hierzu hat er alle ihm zugänglichen bisherigen Veröffentlichungen und Dokumente gesichtet und ausgewertet. Entstanden ist viel mehr als ein Katalog, entstanden ist eine beispielhafte Dokumentation, die einen weiten Bogen von der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs bis hin zu einem gesonderten Bewertungsteil spannt. Kaum ein Aspekt des für die Besetzung Deutschlands gedruckten Alliiertengelds bleibt unbeachtet. In einzelnen Kapiteln wird auf alle relevanten Themen eingegangen, so z.B. auf die Druckvorbereitungen, die Herstellung in den USA und der Sowjetunion, Druckvarianten, die Gültigkeitsbereiche, die Nummerierung und schließlich auch – was für Sammler von besonderem Interesse ist – auf Standardscheine, Specimen, Muster, Austauschnoten, Fehldrucke und Fälschungen. Die Dokumentation wird durch die umfangreiche Verwendung von Statistiken, Karten, Gesetzen, Dokumenten, Angaben zu Druckmengen, Liefer- und Vernichtungslisten, Abbildungen von Graffitis sowie Angaben zu Verlusten, Geltungsgebieten und -zeiträumen sowie zur verwendeten Literatur und Quellen ergänzt. Neben den Scheinen der Alliierten Militärbehörde wird auch auf die Münzen und Briefmarken sowie Randgebiete, wie etwa das Kantinengeld der Alliierten, eingegangen. Alles in allem, eine sehr gelungene und einzigartige Dokumentation zur Zeit der alliierten Besatzung in Deutschland und zu deren monetären Zeugnissen. Interessenten wenden sich bitte direkt an den Autor: Michael H. Schöne, michael@schoene-pirna.de Der Versand erfolgt portofrei! Hans-Ludwig Grabowski
- Peru: Neue 10- und 100-Soles-Noten eingeführt
Am 22. Juli 2021 gab der Banco Central de Reserva del Perú neue Noten zu 10 und 100 Soles in Umlauf. Die neuen 10-Soles-Noten zeigen auf der Vorderseite das Porträt der unter dem Namen Chabuca Granda bekannten peruanischen Sängerin und Komponistin María Isabel Granda Larco (3.9.1920–8.3.1983). Auf dem Hunderter ist der in Peru als Pionier der Raumfahrt gefeierte Erfinder Pedro Paulet abgebildet. Die Rückseiten der von De La Rue gedruckten Scheine illustrieren die facettenreiche Flora und Fauna Perus. Zu den Sicherheitsmerkmalen zählen u.a. ein Sicherheitsfaden mit einem optisch variablen Farbverlauf und magnetischen Teilen sowie OVI-Elemente. Auch sind die Scheine mit ertastbaren Schräglinien am Rand ausgestattet, um die Erkennung des Nominals für Menschen mit Sehbehinderung zu erleichtern. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Auktionsvorschau 138. und 139. Teutoburger Münzauktion, 13.–17. September 2021
Auch im September kommen bei den Ostwestfalen wieder gleich zwei Auktionskataloge zur Versteigerung, auch diesmal coronabedingt wieder komplett LIVE ONLINE. Am Montag, 13.9., wird die 138. Auktion gestartet, beginnend mit einer wieder sehr umfangreichen Spezialserie China & Südostasien (333 Lose), gefolgt von den Goldmünzen, Goldmedaillen, Uhren und Schmuck. Im Goldbereich finden sich zahlreiche große Raritäten, u.a. drei sächsische 10-Taler-Stücke, ein Mannheimer Rheingold-Dukat, Braunschweiger Dukaten des Ludwig Rudolph, viel Reichsgold, usw. Der deutlich gewachsene Antiken-Bereich enthält neben guten Kelten, Griechen (auch im Goldteil) und Römern eine Sammlung der Prägungen des Isenburger Hofraths Karl Wilhelm Becker. Im Auslandsteil sind Münzen und Medaillen aus aller Welt vertreten, hier besonders hervorzuheben die Sammlungen Russland und Kirchenstaat/Vatikan. Es folgen die habsburgischen und österreichischen Münzen und Medaillen mit vielen Talern und Teilstücken, einer Reihe Mittelalter-Münzen aus Böhmen, Talern aus Salzburg, etc. Die Abteilung Altdeutschland beinhaltet u.a. Taler und Gulden von Bayern, viele Braunschweiger Münzen mit vor allem div. Palmbaumgulden, Brandenburg-Preussen, Sachsen mit Nebenlinien (besonders Altenburg und Coburg-Gotha), usw. Nach wenigen Waagen und Gewichten kommen die thematischen Medaillen zur Versteigerung, bei denen mit Abstand am stärksten Drittes Reich und Karl Goetz vertreten sind. Die deutschen Münzen ab 1871 nach Jaeger vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik und zur DDR bilden eine riesige Auswahl. Besonders beim Reichssilber sind zahlreiche Stücke in besonders hübschen Erhaltungen dabei. Den Abschluss des Münzbereichs runden wie immer Lots, Posten und teils urbelassene Sammlungen, die zum Stöbern einladen, ab – hierzu bitte dringend Besichtigungszeit einplanen und frühzeitig Termine reservieren. Der letzte Abschnitt der 138. Auktion am 16.9. sind Orden und Ehrenzeichen, Militaria (mit zahlreichen Blankwaffen) und andere Antiquitäten von der Taschenuhr und historischen Wertpapieren über Silber bis zum Möbelstück. Hier ist eine riesige Feuerwehrsammlung im Angebot, vor allem Helme und Ausrüstungsgegenstände. Die 139. Auktion am 16. und 17. September ist wieder ein Sonderkatalog für Briefmarken und Banknoten (hier u.a. große Serie KZ- und Lagergeld mit vielen Seltenheiten, die 10-Dollars-Umlaufnote 1907 von Kiautschou usw.). Los 4864: Ausruf 2.000,00 Euro Französisch Indien Pick 7 S SPECIMEN des 50 Rupees o.D. (1936), mit Perforation SPECIMEN und ohne KN. I, von größter Seltenheit Los 4919: Ausruf 2.000,00 Euro Oldenburg (Oldenburg) Pick zu S377 und 378 Grabowski/Kranz 235 P1 und P2, 236 P1 und P2 4 einseitige Probedrucke der 5- und 10-Thalerscheine vom 1.1.1869 je Vorder- und Rückseite. Die Scheine waren zur Vorlage beim Großherzog auf Karton befestigt, daher befinden sich auf den Rs. leichte Verfärbungen durch das Ablösen, die Probedrucke der Rs. sind auch vorderseitig etwas fleckig. II, von größter Seltenheit Los 4951: Ausruf 2.500,00 Euro Deutsche Kolonien und Nebengebiete Grabowski DAN-60, Rosenberg/Grabowski 836 500 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Zeughaus und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. I, selten Los 4952: Ausruf 2.500,00 Euro Deutsche Kolonien und Nebengebiete Grabowski DAN-61, Rosenberg/Grabowski 837 1000 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Langer Markt, Rathaus und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. I, selten Los 4977: Ausruf 1.500,00 Euro Wehrmachts- und Besatzungsausgaben 2. Weltkrieg, 1939-1945 Grabowski ZWK-48, 49, Rosenberg/Grabowski 592,593 Ukraine: 2 und 5 Karbowanez 10.3.1942. Junge mit Pelzmütze, Serie 6 und Mädchen mit Kopftuch Serie 31. II-III, kl. Einriss, sehr selten und I- Los 5108: Ausruf 15.000,00 Euro China/Kiautschou Grabowski DAB-4b, 49, Rosenberg/Grabowski 102b, Pick 3b Zehn Dollar 1.3.1907. Original kursierter Schein mit 2 Originalunterschriften und Wz. GD-Kreuzsternmuster (laut PMG fälschlicherweise 8 Cornered Crossflower). PMG Grading: Very Fine 25. äußerst selten Los 5324: Ausruf 1.000,00 Euro Kaiserswerth (heute zu Düsseldorf gehörig) Grabowski. 250 Nr. 756.12 2 Billionen Mark 1.12.1923 Leinen. Serie A No. 013. I-, von größter Seltenheit Zur Auktion: https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/
- Leserpost: Poststempel auf Interimsnote von Deutsch-Ostafrika
Ich habe mal wieder eine Anfrage, um deren Beantwortung ich Sie bitten möchte: In der Anlage sehen sie eine Banknote vom 1. Februar 1916, vermutlich ihre Katalognummer DOA-31a (Serie T3). Hier sind Überstempelungen mit "Bismarckburg" zu sehen. Hat es so was damals gegeben oder ist das ein später nachgestempeltes Stück? Der Schein wurde mir 2011 mit Armeekorps- und Kriegsgefangenenlagergeld überlassen. Ich bedanke mich für ihre Rückmeldung und verbleibe mit freundlichem Gruß R. Podszun Antwort Das ist wieder ein typischer Fall von unseren Freunden den "Stempelschnitzern". Scheine mit diesem Stempel sind bekannt, alle mit dem Datum "22/2 1915". Einige Stücke tauchten vor ca. zehn Jahren bei e-Bay auf und wurden auch verkauft. Das Interessante ist, dass kurz vorher auch der dazu passende Stempel verkauft wurde! Siehe beiliegendes Bild! Schaut man sich den Stempel an, fällt auch auf, warum alle Stempelabschläge das Datum 22.2.1915 tragen. Der Stempel hat keine beweglichen Lettern! Damit ist klar, das nicht nur die Abschläge aus neuerer Zeit sind, sondern auch der Stempel selber ist eine Komplettfälschung. Darüber hinaus sind mir keine (unzweifelhaft echten) Ortsstempel auf DOA-Banknoten bekannt, das würde auch keinen Sinn machen. Jörg Zborowska
- Varianten: Juli 2021
Bangladesch 10 Taka Wie BGD-54h (Linzmayer B349k), aber mit Jahresangabe "2021" und aus Baumwollpapier. Bhutan 10 Ngultrum Wie BTN-29 (Linzmayer B218b), aber mit Unterschrift "Dasho Penjore" und Jahresangabe "2019". 100 Ngultrum Wie BTN-32 (B221c), aber mit Unterschrift "Dasho Penjore" und Jahresangabe "2020". Demokratische Republik Kongo 1000 Francs Wie COD-101b (Linzmayer B323b), aber mit Datumsangabe "30.06.2020". 5000 Francs Wie COD-102b (Linzmayer B324b), aber mit Datumsangabe "30.06.2020". Gibraltar 10 Pounds Sterling Wie GIB-36 (Linzmayer B131a), aber mit Unterschrift "Albert Mena" und Datumsangabe "1st AUGUST 2016". Indien 20 Rupees Wie Linzmayer B299b (fehlt im SCWPM), aber mit Jahresangabe "2021". 500 Rupees Wie IND-114 (Linzmayer B303e), aber mit Jahresangabe "2021". Macau: Banco da China 500 Patacas Wie MAC-117 (Linzmayer B217a), aber mit Datumsangabe "1 DE JULHO DE 2013". 1000 Patacas Wie MAC-113 (Linzmayer B218a), aber mit Datumsangabe "1 DE JULHO DE 2013". 1000 Patacas Wie MAC-113 (Linzmayer B218b), aber mit Datumsangabe "6 DE NOVEMBRO DE 2017". Macau: Banco Nacional Ultramarino 1000 Patacas Wie MAC-84c (B073c), aber mit Unterschriften "DG4/A77" und Datumsangabe "6 DE NOVEMBRO DE 2017". Philippinen 1000 Piso Wie Linzmayer B1089f (fehlt im SCWPM), aber mit Jahresangabe "2021". 5000 Piso (Gedenknote) Wie Linzmayer B1095a (fehlt im SCWPM), aber mit Jahresangabe "2021 A". Vietnam 500.000 Dong Wie VNM-124 (Linzmayer B348p), aber mit Jahresangabe "(20)21". Westafrikanische Staaten – Benin 500 Francs Wie BEN-219B (Linzmayer B120Bi), aber mit Unterschriften "Sani Yaya/Tiémoko Meyliet Koné" und Datumsangabe "2021". 2000 Francs Wie BEN-216 (Linzmayer B122Bt), aber mit Unterschriften "Sani Yaya/Tiémoko Meyliet Koné" und Datumsangabe "2021". Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 21
Fortsetzungsreihe, Teil 37 Die Herstellungstechniken falscher Banknoten, Teil 9 Farbkopien und Ink-Jet-Fälschungen Während in früheren Zeiten handkolorierte Schwarz/Weiß-Fotokopien oder –Fotografien vorherrschten, sogenannte reprographische Fälschungen, wurden den Fälschern ab den späten 1980er Jahren mit der beginnenden Verbreitung von Farbfotokopiergeräten völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Seitdem sind Farbkopiefälschungen ein Thema. Zum Teil wurden die Farbkopien mit Offsetdruck kombiniert, also quasi „veredelt“. So kam 1997 die Fälschung einer 100-DM-Note aus Polen. Die Bildteile des Untergrundes waren kopiert, der Hauptdruck sowie die Imitation des Wasserzeichens waren im Offsetdruckverfahren hergestellt worden. Beim Kopieren genügen das Aussuchen eines halbwegs dem Original entsprechenden Papiers sowie das maximal ein bis zwei Stunden dauernde Einjustieren des Kopiergerätes, um passable Falsifikate zu schaffen. Die Passgenauigkeit von Vorder- und Rückseite sowie eventueller Sicherheitsmerkmale wie des Durchsichtsregisters wird durch den Einsatz eines entsprechenden Passepartouts erreicht. Hauptsächlich sehr viele der sogenannten Eindrucksfälschungen wurden und werden so hergestellt, Falsifikate also, die bei flüchtigem Hinsehen keinen Argwohn erwecken und problemlos abzusetzen sind. Beispiel für die Verfälschung einer 5-Dollar-Note (Federal-Reserve-Bank von Philadelphia, Serie 1914) in eine 100-Dollar-Note. Oben: in eine 100-Dollar-Note verfälschte 5-Dollar-Note. Mitte: originale 5-Dollar-Note mit dem Porträt von Abraham Lincoln. Unten: originale 100-Dollar-Note mit dem Porträt von Benjamin Franklin. Wenngleich die Farbkopiergeräte der neueren Generation mit Sicherungen gegen das Kopieren von Wertdrucken ausgestattet sind, sind immer noch genügend ältere Geräte auf dem Markt. Außerdem stellt für einen Profi die Überlistung der genannten Sicherungen kein allzu großes Problem dar. Als Sicherungen gegen das Farbkopieren von Geldscheinen verwendet man heute neben Mikroschrift und speziellen, durch Kopierer mit ihren vier Grundfarben Rot, Blau, Gelb und Schwarz nur schwer nachzustellenden Farben beispielsweise mit hohem Magenta-Anteil, auch engliegende Linienmuster. Beim Kopierversuch ergeben diese ein Störmuster, ein sogenanntes Moiré. Als weiteren Kopierschutz kamen bei den ab 1990 ausgegebenen neuen Bundesbanknoten das sogenannte Latent Image (verstecktes Bild), das aus im Winkel von 90° gegeneinander versetzt gedruckten Strichzeichnungen bestand und das Kinegram® zum Einsatz. Diese silbrige Spezialfolie sowie der an einigen Stellen an der Oberfläche liegende, aluminiumbedampfte und mit dem Notenwert beschriftete Sicherheitsfaden konnten durch einen Farbkopierer nicht reproduziert werden, sie erscheinen lediglich Schwarz. Von der Funktionsweise eines Kopierers her unterscheidet man bei der Bilderfassung die digitale und die analoge Arbeitsweise, wobei heutige Geräte ausschließlich digital arbeiten. Die Vorlage wird hier von einem mit Farbfiltern ausgestatteten Scanner abgetastet und in digitale Signale umgesetzt. Die Farben und Bildmotive des zu kopierenden Originals werden in einem Rechner gespeichert, die entstandenen Daten werden dann an die Wiedergabeeinheit, also den Drucker, übermittelt. Bei der analogen Erfassung werden die von der Vorlage reflektierten Lichtstrahlen über Spiegel und Linsen, mechanische Vorrichtungen also, auf den Fotoleiter (Bildtrommel usw.) gelenkt und verursachen dort eine Änderung des Ladungszustandes. Bei der Wiedergabe gibt es unterschiedliche Systeme, im Wesentlichen sind dies das elektrofotografische Verfahren, der elektrostatische Laserdruck, der Ink-Jet-Druck und der Thermo-Transferdruck. Es sind die gleichen Verfahren, die auch bei PC-Druckern verwendet werden, so dass meist nicht erkennbar ist, ob die Fälschung nun aus einem Farbkopierer oder aus einem PC-Drucker stammt. Daher unterschied die Deutsche Bundesbank damals bei der Vergabe der Fälschungsklassen auch nicht nach Farbkopie- oder PC-Fälschung, sondern sie wurden beide unter „FK“ registriert. Die Wiedergabe bei der analogen Elektrofotografie erfolgte in der Weise, dass die Trommel, die die durch das optische System übertragenen Bilder trägt, durch Elektrostatik (Änderung des Ladungszustandes, s.o.) Farbpigmente aufnimmt und an das zu bedruckende Papier abgibt. Das elektrostatische Verfahren beruht auf der veränderbaren elektrischen Leitfähigkeit bestimmter Elemente, häufig verwendete man bei modernen Kopiergeräten Selen. Eine lichtempfindliche Trommel wird mittels eines Laserstrahls mit dem aus unterschiedlich elektrisch geladenen Flächen bestehenden Bild belichtet. Durch den ebenfalls elektrisch geladenen Toner wird das Bild auf der Trommel sichtbar und kann nun auf das Papier übertragen werden. Die Farbigkeit entsteht durch die Überlagerung der Farben Rot, Blau, Gelb und Schwarz. Das so entstandene Bild wird durch Druck und Hitze fixiert. Der Laserstrahl überträgt das Originalbild in Streifen auf die Trommel, Fälschungen sind dann an den nur in eine bestimmte Richtung laufenden Linien erkennbar, wenngleich die Farbkopierer der neuesten Generation einen extrem dünnen Laserstrahl und feinsten Toner verwenden, so dass selbst unter dem Fadenzähler die Linien kaum noch zu sehen sind. Diese Maschinen liefern qualitativ sehr hochwertige Erzeugnisse, die aber meist unnatürlich stark glänzen. Beim insbesondere auch bei PC-Druckern verbreiteten Ink-Jet-Verfahren werden durch einen mit einer Vielzahl von Düsen ausgestatteten Druckkopf feinste Farbtröpfchen auf das Papier gesprüht. Der Querschnitt einer dieser Düsen entspricht in etwa dem eines menschlichen Haares. Der Farbeindruck entsteht hier ebenfalls durch die Überlagerung der Farben Rot, Blau und Gelb, wobei die Farbmenge die Frequenz und die Größe der Tropfen exakt gesteuert werden. Ink-Jet-Kopien sind an den charakteristischen Strukturen der auf dem Papier stehenden Pünktchen sowie an den matten Farben erkennbar. Diese sehr einfach mittels Scanner und Farbdrucker am heimischen PC hergestellten Falsifikate waren bis gegen Ende der 1990er Jahre ein großes Problem. Viele Jugendliche erlagen dem Reiz der einfach zu bewerkstelligenden Aufbesserung des Taschengeldes, ohne dabei recht zu wissen, dass sie hier nicht nur ein Kavaliersdelikt oder eine einfache Ordnungswidrigkeit begingen, sondern eine handfeste, mit zunächst mindestens zwei Jahren Freiheitsstrafe zu ahndende Straftat! Viele 10- und 20-DM-Fälschungen kamen seinerzeit vor, die meist ohne Imitation des Sicherheitsfadens oder des Wasserzeichens hergestellt und an jeder Ladenkasse kritiklos angenommen worden waren. Fälscher aus der bandenmäßig organisierten Kriminalität stellten diese Desktop-Fälschungen sehr viel professioneller her. Sie scannten den Originalschein ein und bearbeiteten ihn dann am Bildschirm solange (Stichwort: PhotoShop), bis sie mit der Qualität zufrieden waren. PC, Flachbettscanner und Farbdrucker sind heute Standardausrüstung nicht nur in vielen Haushalten. Die Qualität, die die von Jahr zu Jahr preiswerteren und technisch ausgefeilteren Geräte liefern, lässt kaum noch Wünsche offen. Selbst ein nur halbwegs versierter PC-Nutzer kann so mittels entsprechender Programme in kürzester Zeit brauchbare Fälschungen herstellen. Diese Fälschungsmethode war vor etwa 10, 15 Jahren drauf und dran, den Farbkopien endgültig den Rang abzulaufen, zumindest im Bereich der Einzel- und Gelegenheitstäter. Vielfach waren es, siehe oben, experimentierfreudige Jugendliche, die es ganz einfach gereizt hatte, mit ihrer PC-Ausrüstung bis an die Grenze des technisch Machbaren zu gehen. Dass sie dabei auch an die Grenze der Legalität gingen und oft darüber hinaus, war auch einer Gruppe Jugendlicher aus dem oberbayerischen Dachau nicht bewusst. Sie hatten 1998 zwei Monate lang mit am PC selbstgebastelten 20-Mark-Scheinen eingekauft, ohne aufzufallen. Ein 14-jähriger Schüler hatte mittels Scanner und Farbdrucker 50 Stück davon hergestellt, alle in relativ bescheidener Qualität, ohne Wasserzeichen-Imitation und ohne Sicherheitsfaden. Erst ein Tankwart wurde misstrauisch, verweigerte die Annahme, als einer der Jugendlichen sein Mofa volltanken wollte und verständigte stattdessen die Polizei. Schon seinerzeit bat man die Industrie, auch bei Farbdruckern ein beim Ausdruck automatisch integriertes Merkmal zu realisieren, anhand dessen der Typ des Druckers zweifelsfrei erkannt und bis zum jeweiligen Käufer zurückverfolgt werden konnte. Für die Wiedergabeverfahren der auf dem Markt befindlichen PC-Farbdrucker gilt das bei den Farbkopiefälschungen Gesagte. Im Gegensatz zu den Ink-Jet-Fälschungen glänzen in Thermo-Transfertechnik hergestellte Fälschungen, wie auch die Toner-Fälschungen, stark und weisen ein meist fühlbares Relief auf. Erhitzte Elektroden schmelzen einen gefärbten, wachsähnlichen Stoff, der sich auf einer Trägerfolie befindet und drücken ihn direkt auf das Papier. Solche Falsifikate kann man manchmal an ihrem ganz eigenartigen Geruch erkennen. In einem ähnlichen Verfahren wurde übrigens das Kinegram® auf die mit den Untergrundmustern bedruckten Bogen der ehemaligen DM-Noten aufgebracht, wie auch heute die Folienstreifen bzw. –elemente der Euro-Noten in einem ganz ähnlichen Heißprägeverfahren aufgebracht werden. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- K 13 513 – Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines
Wie kann man halbwegs sicher sein, dass die Werbebotschaft vom Umworbenen auch bemerkt wird? Indem man sie im Gewand eines Geldscheins verpackt. Dies dachten sich die Betreiber der „Deutschen und Kammer-Lichtspiele“, als sie für den Film K 13 513 – Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines warben. Als Vorlage für die Vorderseite des Werbescheins diente ein Rentenbankschein zu 10 Rentenmark mit Ausgabedatum vom 3. Juli 1925. Anders als das Original ist der Werbeschein einfarbig schwarz gedruckt. Um einen eventuellen Missbrauch zu verhindern, ist zusätzlich ein roter Balken schräg in der Mitte sowie auf dem rechten Schaurand ein roter Kreis mit den Buchstaben FOX angebracht. Wie man der Rückseite entnehmen kann, wurde der Film vom 21. bis 24. Januar 1927 im genannten Kino aufgeführt. Die Drucke waren rechts oben mit einer fünfstelligen Nummer versehen. Der Kinobesucher, der einen Schein mit den Endnummern 100, 200, 300 usw. bei der Kasse vorlegte, erhielt zum gelösten Platz eine Freikarte. Abb. 1: Werbeschein zu „K 13 513 – Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines“, Vorder- und Rückseite. 150 x 87 mm, gedruckt auf dünnem, weißem Papier. Abb. 2: DEU-208. Deutsche Rentenbank, 3. Juli 1925, 10 Rentenmark, Vorder- und Rückseite. 145 x 78 mm, gedruckt auf rechts grün eingefärbtem Papier mit Wilcox-Fasereinlagen und Wasserzeichen Eichenlaubstreifen. Im Berliner Spätsommer 1926 drehte der Regisseur Berthold Viertel (geb. 28. Juni 1885 in Wien; gest. 24. September 1953 ebenda) den einstündigen Stummfilm K 13513. Die Abenteuer eines Zehnmarkscheins, der von der Deutschen Vereins-Film AG (Defa) und Fox Europa Film Produktion (Berlin) herausgebracht wurde und am 28. Oktober 1926 in einem Filmtheater am Kurfürstendamm in Berlin Premiere hatte. Das Drehbuch zum Film schrieb der Deutsch-Ungar Béla Balázs (geb. als Herbert Bauer am 4. August 1884 in Szeged, Österreich-Ungarn; gest. 17. Mai 1949 in Budapest). Hierzu wurde er durch Leo Tolstois Erzählung Die falsche Note inspiriert. Die Filmkritiker lobten den Spielfilm überschwänglich. So schrieb die Rheinische Zeitung am 16. Oktober 1926 (zit. nach Film-Kurier, Nr. 253, 28.10.1926): „Der Gedanke ist herrlich, ist filmisch. Berthold Viertels Regie schafft ihn zum Erlebnis. Ein kleines Mädel bekommt K 13513 als erstverdientes Geld, der Freund zeichnet ihn mit einem Kreuz. Nun rankt sich ihr Schicksal und das vieler um diesen kleinen flattrigen Schein, bis er wieder zu ihnen zurückkommt in dem Moment, da sie sich für immer finden. Sie wissen nicht, daß Mord und Blut, Wollust und Geschäft, Müll und Leihhaus an ihm hängen. In einer fliegenden Stunde nehmen wir Teil an diesem fliegenden Schein, sehen ihn gehen und reisen von Hand zu Hand, sehen in den Erlebnissen des Zehnmarkscheins das Schicksal der Großstadt oben und unten. Ein Sohn mordet um 10 Mark, die verzweifelte Mutter dreht den Gashahn auf, die Tochter wird um des Bruders Schuld aus der Arbeitsstelle entlassen, sie findet einen älteren ‚Beschützer‘, der sein Verlangen nach ihr hinter Mildtätigkeit verbirgt; das ist der Schlußakkord. Berthold Viertel schafft eine Welt des Alltags um uns, ihre Echtheit ist verblüffend, tut weh und ist ein notwendiges Spiegelbild. ‚Seht, so seid ihr‘ sagt der Film vom Zehnmarkschein! Wer hört darauf? Klarste Bildeinheit zwischen Aufnahme und Darstellung, am stärksten der Russe Sokoloff vom Tairofftheater, der um 10 Mark zum Mörder wird. Die sogenannten Fortbildungsschulen, Gymnasiasten und halbwüchsige Mädels müßten auf Anordnung ihrer Autoritäten diesen Film sehen. Lebendige Anschauung unserer Zeit ist die beste Lehre für bessere Zukunft. Berthold Viertel sei Dank für diesen Film lichtloser Gegenwart.“[1] Berthold Viertel drehte mit diesem Streifen einen der ersten „Querschnitt-Filme“[2] auf dem Übergang vom Nachkriegs-Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit. Er „zeigt großstädtische Lebens-Skizzen als Montage: In der Hauptrolle eine Banknote auf ihrem – Biographien ruinierenden – Weg durch die Milieus“[3]. Derzeit ist keine Filmkopie mehr nachweisbar. Der Film gilt als verschollen. Eines der wenigen Überbleibsel, die an ihn erinnern, ist dieser unscheinbare Werbeschein. Uwe Bronnert [1] (13.07.2021). [2] „Der Begriff Querschnittfilm (später meist: Querschnittsfilm) entstand in den 1920er Jahren in Deutschland, um dokumentarische Filme zu beschreiben, die das tägliche Leben darstellten. Explizit spricht Béla Balázs seinen Film 'Die Abenteuer eines Zehnmarkscheins' (1926) als 'Querschnittsfilm' an; sein erklärtes Ziel ist es, einen Film ohne Helden zu machen, der stattdessen 'einen Querschnitt, eine breitere Front des Lebens' zeigen sollte. […] Doch schon bald wurde der Begriff eingesetzt, um jegliche Art von Montagefilm zu bezeichnen, der aus Ausschnitten anderer Filme zusammenmontiert wurde.“ (Filmkurier, Nr. 36, 1929). (13.07.2021). [3] (13.07.2021).
- Leserpost: "Notgeld oder nicht?" – Ergänzung
Hallo Herr Grabowski, zur aktuellen Leserpost "6 Rpf. bezahlt" – es handelt sich um Behelfspostkarten der britischen Zone. Es gibt aufgrund des Behelfscharakters (teils nur lokale Verwendungen) verschiedene Ausprägungen, teils auch mit englischem Zusatz "Postage Prepaid". Die Stücke sind im MICHEL-Ganzsachenkatalog aufgeführt, ab Nr. P670. Das gezeigte Stück dürfte ein Fragment der P671 oder P672 sein, vor allem erste ist noch häufig zu finden, da sie weit verbreitet war – als Beispiel bei Ebay: https://www.ebay.de/itm/114872272136. Beste Grüße R. Staudt












