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  • Die Regiefranken der Régie des Chemins de Fer des Territoires Occupés 1923/24

    Am 11. Januar 1923 marschierte französisches und belgisches Militär in das Ruhrgebiet ein, um Kohle und Koks zu „pfänden“. Als Vorwand dienten geringe Lieferrückstände bei den Reparationsleistungen. Die Reichsregierung antwortete hierauf, indem sie die Bevölkerung des Ruhrgebiets zum passiven Widerstand aufrief. Alle Bediensteten der Reichsbahn erhielten am 19. Januar die Anweisung, keine Transporte von Reparationskohle nach Frankreich und Belgien abzufertigen. Am 30. Januar wurde das Verbot auch auf die altbesetzten Gebiete ausgeweitet. Dadurch kam der Eisenbahnverkehr im Laufe des Februars auch in den linksrheinischen Teilen der Rheinprovinz und Anfang März schließlich auch in der Pfalz nahezu völlig zum Erliegen. Auch die Reichsbahndirektionen in den besetzten Gebieten wurden ins unbesetzte Gebiet verlegt: Ludwigshafen nach Mannheim, Mainz nach Darmstadt, Trier nach Gießen und Essen nach Hamm in Westfalen. „Unter diesen Umständen bereiteten die französischen und belgischen Feldeisenbahner ab dem 1. März 1923 die Aufnahme eines provisorischen Eisenbahnverkehrs auf den wichtigsten Strecken der besetzten Gebiete vor. … Am 10. März 1923 wurden der Unterdirektor der französischen Staatseisenbahn, Breaud, zum Direktor sowie der leitende Ingenieur der belgischen Staatseisenbahn, Berger, sowie der Vizedirektor der Betriebswirtschaftsabteilung der französischen Staatseisenbahn, Frant, zu beigeordneten Direktoren einer Regie der Eisenbahnen in den besetzten Gebieten (Régie des chemins de fer des territoires occupés) ernannt.“[1] Der Sitz der Regieverwaltung war ab 19. März 1923 zunächst in Düsseldorf und ab 8. April in Mainz. Im Regie-Gebiet wurden sechs Eisenbahndirektionen eingerichtet: Ludwigshafen, Mainz, Trier, Aachen, Düsseldorf und Essen. Wegen der Arbeitsverweigerung der meisten deutschen Eisenbahner wurden etwa 13.000 französische sowie 2.600 belgische Eisenbahner rekrutiert. Hinzu kamen ca. 3000 französische und belgische Hilfskräfte und rund 7000 deutsche Kollaborateure. Die von der Regiebahn requirierten Strecken variierten je nach Bedarf der Pfänder-Verwaltung und betrugen Ende September 1923 bei den Hauptbahnen knapp 2800 km und bei den Nebenbahnen 1200 km. 1300 Gleis-Kilometer lagen still. Diese 5300 km entsprachen etwa einem Zehntel des reichsweiten Streckennetzes. Wurde die Regiebahn von der deutschen Bevölkerung zunächst gemieden, so änderte sich dies, je länger der passive Widerstand dauerte. Die Zahl der Reisenden betrug Ende April 1923 nur 581.000, stieg aber im August 1923 auf 3,2 Mio. an. Die katastrophale wirtschaftliche Situation zwang die deutsche Regierung unter Gustav Stresemann dazu, einzulenken und den Ruhrkampf am 26. September 1923 abzubrechen. Angesichts der galoppierenden deutschen Inflation stand die französische Militärverwaltung im besetzten Gebiet vor einem ähnlichen Währungsproblem wie die Reichsregierung im übrigen Reich. „Durch Verordnung vom 19. Oktober 1923 wurde die französische Regieverwaltung der besetzten Eisenbahn ermächtigt, sogenannte Beförderungsgutscheine auszugeben, die auf französische Franken lauteten.“[2] Am 20. Oktober veröffentlichte die französische Nachrichtenagentur Havas eine Ordonnanz der Internationalen Rheinlandkommission, die in der Berliner Börsen-Zeitung Nr. 490 vom 21. Oktober 1923 in einer Übersetzung veröffentlicht wurde: Abb.1: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 490 vom 21. Oktober 1923, Morgenausgabe Zur Ausgabe gelangten zehn undatierte Geldscheine: 0,05; 0,10; 0,25; 0,50; 1; 5; 10; 20; 50 und 100 Francs. Abgesehen von Größe und farblicher Gestaltung ist ihre Gestaltung gleich. Nur das Papier der Scheine zu 50 und 100 Francs weist die Abkürzung „RCFTO“ für Régie des Chemins de Fer des Territoires Occupés als Wasserzeichen auf. Die Vorderseite der Transportbons wird von einem Rahmen aus Weintraubendolden und Weinblättern begrenzt; in den Ecken „T“ bzw. „O“, im oberen Rahmen mittig die Darstellung einer Dampflokomotive; darunter innerhalb des eingerahmten Feldes in einem Schriftband zweizeilig „RÉGIE DES CHEMINS DE FER / DES TERRITOIRES OCCUPÉS“, darunter „BON POUR“ und die Wertangabe. Rechts von der Wertangabe eingerahmt ist der sechszeilige Text „GÜLTIG / ZUR ZAHLUNG / ALLER AN DIE / EISENBAHNEN / GESCHULDETEN / BETRAGE“ zu lesen, entsprechend links in französischer Sprache. Im unteren Feld befinden sich die beiden Unterschriften, rechts die des Direktors Bréaud und links die des Leiters der Buchhaltung; unter dem Rahmen in der Mitte der Hinweis auf die Druckerei: „Imp. PAUL DUPONT. Paris“. In der Mitte des Scheines zeigt der Unterdruck in einem Kreis die Burg Sooneck: Sie steht auf dem nordöstlichen Steilhang des Binger Walds unweit von Niederheimbach zwischen Bingen und Bacharach am Rhein. Serienbuchstabe und -ziffer(n) befinden sich links unterhalb des oberen Rahmens sowie rechts eine sechsstellige Kennziffer, die in der Mitte durch ein Komma geteilt ist. Beide in schwarzem Druck. Die Rückseite wird ebenfalls durch den entsprechenden Rahmen eingefasst. Allerdings fehlen hier die vier Buchstaben in den Ecken. Innerhalb des Rahmens liegt in der rechten unteren Ecke mit aufrechtem Oberkörper und einem Füllhorn in der Hand „Vater Rhein“. In einem Kreis in der linken oberen Ecke wird die Wertangabe angegeben. Rechts davon befindet sich jeweils vierzeilig die Strafandrohung in französischer und deutscher Sprache: „WER GUTSCHEINE NACHMACHT ODER NACHGEMACHTE IN VERKEHR BRINGT / WIRD MIT DER VON DER HOHEN INTERALLIIERTEN RHEINLANDKOMMISSION / VERHANGTEN STRAFE BELEGT“. Auf dem unteren Rand unterhalb des Rahmens befindet sich links die Angabe des Entwerfers („R. VERGNOT DEL.“) und rechts der Name des Graveurs der Druckplatte („E. De Ruaz sculp.“). Die gesamte Rückseite zeigt im Unterdruck eine Ansicht der Stadt Mainz vom Rhein betrachtet. Abb. 2.1 und 2.2: 0,05 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 2.3: Musternote mit B.21, 0,05 fr., Vorderseite Abb. 3.1 und 3.2: 0,10 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 4.1 und 4.2: 0,25 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 5.1 und 5.2: 0,50 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 6.1 und 6.2: 1 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 7.1 und 7.2: 5 frs., Vorder- und Rückseite Abb. 8.1 und 8.2: 10 frs., Vorder- und Rückseite Abb. 9.1 und 9.2: 20 frs., Vorder- und Rückseite Abb. 10.1 und 10.2: 50 frs., Vorder- und Rückseite Quelle: URL:http://multicollec.net/3-bi-h2/3h230 (11.05.2020) Abb. 11.1 und 11.2: 100 frs., Vorder- und Rückseite Quelle: URL:http://multicollec.net/3-bi-h2/3h230 (11.05.2020) Am 24. Oktober 1923 verhandelte die Bezirksleitung Essen des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes mit General Degoutte über Fragen der Arbeitsaufnahme, Besteuerung der Industrieprodukte, Wirtschaftsausschüsse und Ausweisungen. Unter Punkt V. kam man auch auf die Einführung der Frankenwährung bei der Regiebahn zu sprechen.[3] Die Gewerkschaftsvertreter bemängelten, dass „lt. Verfügung der Besatzungsbehörde .. ab 24. d. Ms. nur französisches Geld an den Bahnhöfen in Zahlung genommen [würde]. Die Reisenden, besonders auch die Arbeiter, die Arbeiterzüge benutzen, sind nun gezwungen, sich erst Franken zu beschaffen, die sie mangels genügender Wechselstuben bei den vor den Bahnhöfen stehenden Schiebern einkaufen können. Das ist ein großer Mißstand, daß zur Zeit der Not auch noch diese Gesellschaft die Massen auswuchert.“ Der General teilte die Ansichten der Gewerkschaftsvertreter, und dass sich hier etwas ändern müsse. Er erklärte: „Die Regie hat auch bereits ein Notgeld vorgesehen, das in den nächsten Tagen zur Ausgabe gelangt, ist also ein wertbeständiges Zahlungsmittel, daß die Regie jederzeit in Zahlung nimmt.“ Die Transportbons gelangten ab 11. November 1923 in Umlauf.[4] Sie konnten mit französischen oder anderen Devisen erworben werden und zunächst nur zu einem beschränkten Teil durch Papiermark. „Diese Einschränkung ist nach der Stabilisierung der Papiermark trotz gelegentlich anderslautenden Pressemitteilungen in den ersten Dezembertagen wieder aufgehoben worden, da die Papiermark seitdem keine Kursverluste mehr erlitt.“[5] Schacht bemerkt, dass „der Verkehr … die Regiefranken in derselben Weise auf[nahm] wie die französischen Franken, und sie bürgerten sich in den Zahlungsumlauf des kleinen Verkehrs ein in weit höherem Umfange, als die eigentliche Verwendbarkeit in ihrer Beschränkung als Eisenbahnzahlungsmittel gestattet hätte.“[6] Nach Unterzeichnung des Londoner Abkommens vom August 1924 und dem Inkrafttreten des Dawes-Plans am 1. September 1924 entfiel der Grund für den Regiebetrieb und am 15. November 1924 wurden die Eisenbahnen wieder an die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft übergeben. Damit verloren auch die Transportbons ihre Existenzberechtigung. Nach einem Abkommen zwischen der Deutschen Reichsbahn und der französischen Régie wurden die Bons im Wert von bis zu 5 Francs in der Zeit vom 24. November bis 15. Dezember 1924 von den Kassen der Reichsbahn sowie die höheren Werte vom Abwicklungsdienst der Régie selbst eingelöst, und zwar zu dem von der Interalliierten Rheinlandkommission festgesetzten Kurs von 4,4488 Francs für eine Reichsmark.[7] Eigentlich wäre ich hier am Ende meiner Betrachtungen über die Regiefranken, wenn nicht am 9. Mai 1924 die badische Polizei in Ludwigshafen einen Dienstmann verhaftet hätte, der gefälschte Regiefranken umzutauschen versuchte.[8] Die Beamten konnten nicht ahnen, dass sie mit ihrer Festnahme in ein Wespennest stachen und die sogenannte „Regiefrankenaffäre“ auslösten. Es war klar, dass dieser einfache Arbeiter nicht der Urheber der Fälschungen war. Zu professionell war ihre Ausführung, als dass sie dem normalen Publikum aufgefallen wären. Erst bei genauerer Betrachtung fallen die kleinen Unterschiede auf. Die Farben sind bei der Fälschung weniger leuchtend, die Schrift ein wenig verschwommen. Bei der Dampflokomotive fehlt die Rauchfahne und Vater Rhein blickt grimmiger. Das Papier hat einen leicht anderen Farbton. Abb. 12.1 und 12.2: Fälschung, 20 frs., Vorder- und Rückseite Bei den Ermittlungen stieß man auf den Zahnarzt Dr. Hermann Eberlein. Gleichzeitig gelangte die „Pfalzzentrale“ in den Fokus der Untersuchungen. Sie unterstützte nicht nur den passiven Widerstand gegen die französische Besatzung, sondern schmuggelte wiederholt Waffen, Munition und Sprengstoff in die Pfalz, mit denen Sabotageakte durchgeführt und im Kampf gegen die Separatisten eingesetzt wurden. Leiter der Organisation war der Vater des Zahnarztes, Hauptmann d. R. Dr. August Ritter von Eberlein (1877 – 1949), ehemals Direktor der höheren Mädchenschule Pirmasens. Die Organisation ging aus der „Bayerischen Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten“ hervor. Ihr Gründer war der am 31. Mai 1919 wegen seines Widerstands gegen die französische Pfalzpolitik ausgewiesene Speyerer Regierungspräsident Theodor von Winterstein (1861 – 1945). Die Zentralstelle hatte ihren Sitz in Mannheim und verfügte als Propaganda-, Nachrichten- und Auskunftsdienst über ein dichtes Netz von Informanten in den pfälzischen Behörden sowie über einen geheimen Kurierdienst in der Pfalz. Die Arbeit der Zentralstelle wurde parteiübergreifend durch einen Aktionsausschuss aus Vertretern der SPD, BVP, DVP und DDP sowie Repräsentanten der pfälzischen Wirtschaft unterstützt. Die notwendigen finanziellen Mittel stellten das Reich und die bayerische Staatsregierung zur Verfügung. Der Sitz wurde im März 1921 nach Heidelberg verlegt und der Name in „Zentralfürsorgestelle für das besetzte Gebiet“ umbenannt. Auf Betreiben der Alliierten wurde die Organisation am 1. Oktober 1921 offiziell aufgelöst. Insgeheim bestand sie jedoch in der Firma „August Müller Nachf., Kommissionshandlung für Lebensmittel, insbesondere Kartoffeln“ in Mannheim weiter und arbeitete später als „Haupthilfsstelle für die Pfalz“ – kurz „Pfalzzentrale“ genannt – in Heidelberg.[9] Nach der Aufdeckung ihrer fragwürdigen Aktivitäten und der Verwicklung in die Falschgeldaffäre schloss der badische Innenminister Adam Remmele (1877 – 1951), gestützt auf einen Kabinettsbeschluss, in den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1924 die Pfalzzentrale. Dr. Hermann Eberlein, der in Reutlingen als Assistenzarzt tätig war, fand milde Richter. Ein Heidelberger Schöffengericht verurteilte ihn wegen Urkundenfälschung und Gebrauchs gefälschter Urkunden lediglich zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Christoph Steegmans, Die finanziellen Folgen der Rheinland- und Ruhrbesetzung 1918 – 1930, Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Nr. 89, hrsg. v. Jürgen Schneider, Markus A. Denzel, Rainer Gömmel, Ulrich Kluge, John Komlos, Stuttgart 1999, S. 265 f. [2] Hjalmar Schacht, Die Stabilisierung der Mark, Berlin und Leipzig 1927, S. 98. [3] Nr. 176, Verhandlungen der Bezirksleitung Essen des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes mit General Degoutte im Stahlhof zu Düsseldorf am 24. Oktober 1923, 18.30 Uhr, URL: https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/str/str2p/kap1_1/para2_63.html (11.05.2020). [4] Rudolf Wilhelmy, Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/24, Diss. Freie Universität Berlin 1962, S. 129. Auf der französischen Internetseite URL: (11.05.2020) wird als erster Ausgabetag der 1. November 1923 genannt. [5] Rudolf Wilhelmy, S. 129. [6] Hjalmar Schacht, S. 98. [7] S. Rudolf Wilhelmy, S. 130. [8] Helmut Gembries, Regiefranken, 1923/24, publiziert am 16.04.2007; in: Historische Lexikon Bayerns. URL:  (11.05.2020). [9] S. Helmut Gembries, Bayerische Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten, 1919-1924, publiziert am 03.07.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: (12.05.2020).

  • Leserpost: Unbekannte Herkunft der Banknote

    Guten Tag. Entschuldigen Sie die Störung! Mein Name ist Alexej! Ich sammle Banknoten des Dritten Reiches. Ich habe eine Banknote in der Sammlung, über die ich keine Informationen finden kann. Kannst du es mir bitte sagen? A. Radschneko Antwort der Redaktion Bei Ihrem Schein handelt es sich um keine Banknote, sondern um Lagergeld aus dem Konzentrationslager Buchenwald, Außenkommando Rottleberode über 50 Reichspfennig ohne Datum (1944). Ausgegeben wurden die Wertmarken auf der Grundlage der Prämienvorschrift der SS vom 15. Mai 1943 sowie dem Nachtrag vom 14.2.1944 zur Gewährung von Prämien und Vergünstigungen für Häftlinge im Arbeitseinsatz. Sie finden eine umfassende Beschreibung zum Geld in Konzentrationslagern und Gettos in meinem Buch „Das Geld des Terrors“ und Ihren Schein dort unter Bu 17b katalogisiert. https://www.battenberg-gietl.de/sammeln/buch/das-geld-des-terrors Die Scheine des Außenkommandos Rottleberode kommen heute noch vergleichsweise häufig vor. Hans-Ludwig Grabowski

  • Der "Mann mit Kind" macht Karriere ohne Kind

    Der vielbeschäftigte Schweizer Grafikdesigner Hermann Eidenbenz (1902–1993) entwarf in Deutschland und der Schweiz eine Reihe von bekannten Werbeplakaten, Briefmarken und Banknoten, darunter auch den braunen 50-DM-Schein mit dem bekannten Männerporträt mit Pelzbarett, erstveröffentlicht am 18. Juni 1962 mit der „Gemäldeserie“ (BBk I – I a). Diese Serie wurde erst 1989 durch die sog. „Persönlichkeitsserie“ (BBk III) abgelöst. Zwischenzeitliche Änderungen ergaben sich z.B. durch die wechselnden Unterschriften der Bundesbankpräsidenten und ihrer Vize von Blessing bis Schlesinger sowie die Änderung der Strafandrohung für Fälscher von Zuchthaus zu Freiheitsstrafe 1970 und die Einführung eines Copyrights auf der Rückseite 1980. Bild 1: „Mann mit Kind“, Ausschnitt Frankfurt/Main Städelmuseum, vermutlich Hans Urmiller mit Sohn, porträtiert ca. 1525 von Barthel Beham aus Nürnberg. Bild 2: BRD-9a, Ro/Gra-265a/ GFR-21, Vorderseite. Im Jahre 1958 waren ein halbes Dutzend renommierter Grafiker, dazu noch die Bundesdruckerei sowie Giesecke & Devrient, damit beschäftigt, Vorentwürfe für sieben neue Nominalwerte anzufertigen. Man hatte sich nämlich seitens der Bundesbank, welche 1957 aus der Bank Deutscher Länder hervorgegangen war (vgl. BGBl. v. 30. Juli 1957) für die neuen Banknoten der durch die alliierte Ratifizierung der Pariser Verträge 1955 endlich souveränen Bundesrepublik Deutschland auf die traditionelle Stückelung 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 geeinigt. Auch die Farbgebung sollte vertrauten Vorbildern folgen. Bis auf die vorgegebenen Kopfbilder blieben die Künstler frei in ihrem Schaffen, insbesondere auch in der Gestaltung des Rectos, also der Rückseite. Der Deutschen Bundesbank lagen 1959 dann 140 Vorentwürfe für die Vorder- und Rückseiten vor, die der damalige Bundespräsident Theodor Heuss (1884–1963) alle persönlich begutachtete. Er war mit der Entscheidung für die Entwürfe von Hermann Eidenbenz einverstanden, regte aber einige Änderungen bei den Rückseiten an. So kam das Lübecker Holstentor auf die Rückseite des Fünfzigers. In der Bundesdruckerei wurde der Entwurf von Eidenbenz von den Stechern Egon Falz (1932–2010) und Hans-Joachim Fuchs in ein Stahloriginal zur Herstellung einer Druckplatte umgesetzt. Bild 3: DEU-88, Ro/Gra-77/ GER-78, 5000 Mark vom 19.11.1922, Vorderseite. Bild 4: DEU-98, Ro/Gra-86/ GER-87, 5000 Mark vom 15.3.1923, nicht ausgegeben, Vorderseite. Bild 5: DEU-146b, Ro/Gra-121b/ GER-124, Vorderseite mit Üderdruck zu 500 Milliarden Mark. Mit dem gespiegelten Kopfbild hielten die Deutschen dann 1962 zum vierten Male eine Banknote mit dem Kopf des Mannes in Braun in Händen, wobei die Reichsbanknote über 5000 Mark ohne Überdruck vom 15. März 1923 nur durch wenige Hände ging, da sie nicht zur Ausgabe kam (DEU-98) und dementsprechend gesucht bei Sammlern ist. Leichter erhältlich dagegen ist der große 5000-Mark-Geldschein aus der Reichsdruckerei vom 19. November 1922 (DEU-88) und das Überdruckprovisorium über 500 Milliarden Mark als Firmen – und Reichsdruck auf dem vorgenannten Schein vom 15.3.1923. Über diesen speziellen Schein schrieb Hans-Ludwig Grabowski einen ausführlichen Artikel im Projekt „Zeugnisse der Geschichte“, siehe: https://www.geldscheine-online.com/post/zeugnisse-der-geschichte-%C3%BCberdruckprovisorium-zu-500-milliarden-auf-5000-mark-vom-15-m%C3%A4rz-1923. Christian Merker Abb. Gemälde: Städelmuseum, Frankfurt am Main. Geldscheine: Battenberg Gietl Verlag

  • Wer war Táng Shíyì?

    In den letzten Jahren ist es gleich mehrfach vorgekommen, dass man mir einen Scan des hier abgebildeten Scheins (Abb.1) zugesandt und gefragt hat: „Was für ein Geldschein ist das und wo ist er katalogisiert?“ Gerade erreichte mich wieder eine solche Anfrage aus der Ukraine, und zwar von Buchautor M. Istomin. Er hat das Buch „Russian Related Currency Notes in China“ geschrieben. Abb.1: Ortsangabe Hongkong Nun, der Schein sieht zwar wie ein Geldschein aus, ist aber gar keiner! Denn in der Mitte stehen drei senkrecht angeordnete Zeichen: 验真券, das kann wörtlich mit „Authentifizierungsschein“ übersetzt werden, oder mit Echtheitsnachweis. Wie der Titel der „Note“ zeigt, wurde der Schein von einer pharmazeutischen Fabrik namens 唐拾義藥廠 ausgegeben. Die drei ersten Zeichen 唐拾義 (Táng Shíyì) geben den Namen des Gründers dieser Forma an. Das Porträt auf dem Schein stellt ihn auch dar. Als Ortsangabe findet sich Hongkong. Táng Shíyì wurde 1874 in Sānshuǐ (三水) geboren und starb 1939 in Shànghǎi. Er studierte westliche Medizin am Bójì Hospital in Guangzhou (廣州博濟醫院). 1919 ging er nach Shànghǎi, um hier ein Krankenhaus zu errichten. Er gründete die nach ihm benannte pharmazeutische Fabrik, zunächst in Shànghǎi und Guǎngzhōu (Canton). Später gab es Niederlassungen in Tiānjīn, Hànkǒu und Hongkong. Entsprechend gab es den oben gezeigten Schein auch mit der Ortsangabe Shànghǎi (Abb.2). Abb.2: Ortsangabe Shànghǎi Die Pharmafabrik stellte westliche Patentmedizin her. Táng Shíyì entwickelte die sog. „Táng Shíyì Faleng Pille“, ein sehr wirksames Medikament gegen Malaria, das in ganz Südostasien verkauft wurde. Er erfand Hustentabletten und Mittel zur Schmerzlinderung. Schließlich stellte er die erste medizinische Zahnpasta (二友牙膏) in China her. Táng öffnete in vielen Großstädten eigene Apotheken, die hauptsächlich von ihm hergestellte Medikamente verkauften. Abb. 3 zeigt seine Apotheke in Shanghai. Oben findet man in riesigen Zeichen seinen Namen: 唐拾義. Abb3: Tángs Apotheke in Shanghai / Abb.4: Tángs Logo Táng legte großen Wert auf Werbung. In allen Zeitungen und auf Plakaten warb er für seine Medizin. Er entwarf auch ein Logo für seine Produkte. Hier nennt er sich – nach Art der kantonesischen Aussprache – Tong Shap Yee. Auch die beiden oben abgebildeten Scheine dienten der Werbung! Immer, wenn jemand etwas von Tángs Firma kaufte, erhielt er einen solchen Schein. Wenn man eine bestimmte Anzahl davon hatte, konnte man sie vorlegen und erhielt ein Geschenk. Táng Shíyì trat auch als Mäzen auf. So gründete er eine Art Gymnasium, dessen Schüler brauchten bei Bedürftigkeit keine Schulgebühren zu zahlen und wurden, wenn geeignet, nach der Abschlussprüfung auf die Universität geschickt. Seine Unternehmungen machten Táng zu einem sehr reichen Mann. Er kaufte zahlreiche Immobilien und investierte in Restaurants und Hotels. Er hatte drei Söhne, die (teils in Frankreich) Medizin bzw. Pharmazie studierten. Erwin Beyer Abbildungsnachweis: Abb.1: Mikhael Istomin Abb.2: ehemalige Sammlung Beyer Abb.3 und 4: chinesisches Wikipedia (lizenzfrei)

  • Die Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht" geht weiter

    Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte mich auf diesem Weg nochmals herzlich bei allen Menschen bedanken, die so großzügig mit einer Sachspende unterstützt haben. Nicht in allen Fällen ist es gelungen, im Nachhinein nochmal persönlich Kontakt aufzunehmen. Daher an dieser Stelle ein DANKE!!!!. Langsam spricht es sich herum und die Kollegen gewinnen zunehmend Interesse an der Aktion. Leider bremst uns Corona mit den Folgen wie Wechselunterricht und hohem Nachholbedarf in den Hauptfächern noch immer aus. Ich bin zuversichtlich, dass ich Ihnen im kommenden Schuljahr mehr Feedback von der Aktion liefern kann, wenn alles wieder in „normalen“ Bahnen läuft. Trotzdem möchte ich Ihnen kleinere Fortschritte nicht vorenthalten. Mit einer neu gebildeten Arbeitsgruppe machte ich mich in der vergangenen Woche daran, Spenden zu sortieren und für den Einsatz an verschiedenen Schulen vorzubereiten. Es bereitete den Schülern sichtlich Spaß, sich mit den Banknoten zu beschäftigen. Einige Bilder habe ich Ihnen hier beigefügt. Wir planen nun eine kleine Wanderausstellung, die von Schule zu Schule gereicht, einen Eindruck von der Rolle von Zahlungsmitteln in der Geschichte vermitteln kann. Ohne mich jetzt zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, kann ich verkünden, dass bereits zwei Nachwuchssammler gefunden wurden, die ihre neu angelegten Alben nun mit Banknoten von mir und Fundstücken aus dem Familienkreis zu füllen beginnen. Allein dafür (ich bleibe am Ball um die Zahl zu steigern) hat sich alles gelohnt! Außerdem kann ich berichten, dass es zwei weitere Schule gibt, die jetzt auch Banknoten im Unterricht einsetzen. Das ist die Edith-Stein-Schule in Darmstadt und die staatliche Regelschule in Treffurt. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen, einschränkungsarmen Sommer und freue mich darauf, Ihnen bald wieder Neuigkeiten mitteilen zu dürfen. Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Timo Kiel Hier geht es zur Info-Seite zur Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht"! Hier finden Sie alle Blogbeiträge zum Thema!

  • Usbekistan: Neue 2.000- und 20.000-So'm-Noten

    Am 14. Juni 2021 wird die Nationalbank der Republik Usbekistan neue Noten zu 2.000 und 20.000 So'm in Umlauf bringen. Der Zweitausender zeigt auf der Vorderseite den Ark von Buxoro und die Umrisskarte von Usbekistan sowie die Ruine der antiken sogdischen Oase Wrachscha und Keramikartefakte auf der Rückseite. Die Motive der 20.000-So'm-Scheine sind das Jonbox-qal'a-Monument und Keramiken. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Wanderndes Klischee beim "Tirolerschein" II

    Der vielbeschäftigte Liechtensteiner Grafiker Josef Seger (1908 – 1998) entwarf eine Reihe von bekannten Briefmarken und Banknoten, darunter auch den sog. „Tirolerschein“ mit seiner wechselvollen Geschichte. Die Österreicherin mit Edelweiß und die Rückseite mit dem Gosausee des nicht verausgabten 100-Schilling-Scheins von 1936 tauchen auf der erst 1945 zur Ausgabe gekommenen 20-Reichsmark-Banknote vom 16. Juni 1939 auf. Das Kriegsende sollte nicht das Ende der Banknote werden und auch nicht die Währungsreform 1948. Bild 1 a/b (SBZ-7): Kuponausgabe des "Tirolerscheins" von 1948, Vorder- und Rückseite. Als Reaktion auf die in einem Überraschungscoup in der "Trizone" (Us-amerikanische, britische und französische Besatzungszone) durchgeführte westliche Währungsreform wurden in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die vorhandenen Reichsbanknoten auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit schon vorbereiteten Spezialkoupons beklebt und so gelangte der "Tirolerschein" als Kuponausgabe vom 24. Juni bis zum 26. Juli 1948 noch einmal für vier Wochen in den Zahlungsverkehr. Doch vergleichen wir einmal die Rückseite des österreichischen von 1936 mit dem deutschen Schein von 1939. Bild 2a/b (AUT-101, KK-191, Ri-238): 100 Schilling von 1936 (nicht ausgegeben), Vorder- und Rückseite. Sofort fällt auf, dass mutmaßlich aus ideologischen Gründen bei der Schaffung einer seit dem 15. Mai 1938 gemeinsamen Währung auf der Rückseite zwei männliche Alpenbewohner mit ihren Arbeitsgerätschaften und traditionell behütet beigefügt wurden. Um zusätzlich den üblichen freien Rand bei Reichsbanknoten zu schaffen, wurde das Dachstein-Panorama links und rechts beschnitten. Zudem fiel dadurch auch die Künstlersignatur "Seger" links in der unteren Ecke weg. Bild 3a/b (AUT-124, KK-232, Ri-277): 100 Schilling vom 2.1.1947, Vorder- und Rückseite Der II. Weltkrieg ist vorbei, in Österreich gibt es wieder den Schilling und auch Banknoten über Hundert Schilling – und die Rückseite von 1936 ist in Originalgröße 1947 wieder dabei, nur die Signatur Segers fehlt weiterhin, obwohl er die Vorderseite für die Zweite Republik neu gestaltete (geändertes Frauen-Porträt ohne Edelweiß). Der Schein mit der Frau im Trachtenkleid wurde am 28. Januar 1948 ausgegeben und war bis 1954 im Umlauf. Josef Seger selbst war 1945 bis 1948 in Liechtenstein ansässig, wo er durch seinen Vater, einen fürstlich-liechtensteinischen Forstdirektor Heimatrecht hatte und u.a. viele Briefmarken entwarf. Bild 4a/b (Mi-Li 282, Mi-Li 310): Briefmarken zu 40 Rappen von 1949 und mit Überdruck zu 1,20 Franken von 1952 Doch auch von diesen hatte eine Marke ein zweites Schicksal. Die von ihm entworfene 40-Rappen-Marke mit der Pfarrkirche Bendern vom 15. November 1949 wurde als Provisorium am 25. September 1952 auf 1,20 Franken überdruckt nochmals ausgegeben. Christian Merker Abb. Battenberg-Gietl Verlag (Briefmarken: colnect.com)

  • El Salvador: Bitcoin soll Landeswährung werden

    Zum 1. Januar 2001 hatte El Salvador seine eigene Colones-Währung abgeschafft und durch den US-Dollar ersetzt. Jetzt will sich das Land unabhängiger von der US-amerikanischen Notenbank Fed machen und will neben den Bahamas das erste Land werden, das per Gesetz eine Digitalwährung, nämlich den Bitcoin, als Zahlungsmittel akzeptiert. Eine entsprechende Gesetzesinitiative zur Nutzung der Kryptowährung wurde durch die Regierung bereits eingebracht und die Zustimmung des Finanzausschusses liegt vor. Der Bitcoin hat seit Anfang Mai 20021 (am 9. Mai lag der Kurs bei etwa 47.832 Euro) deutlich an Wert verloren und war am 8. Juni 2021 "nur" noch rund 27.450 Euro wert. Gestartet ist die umstrittene und derzeit marktstärkste Kryptowährung am 3. Januar 2009. Am 9. Oktober 2010 betrug ihr Kurswert gerade einmal 0,1 US-Dollar. Die 60.000-Dollars-Marke wurde dann am 13. März 2021 geknackt. Umstritten ist der Bitcoin nicht nur wegen des enormen Energieverbrauchs des Bitcoin-Rechner-Netzwerks, der höher liegt als der ganzer Staaten wie Italien (allein in China verbaucht das Bitcoin-Netzwerk mehr Strom als Belgien und Neuseeland zusammen) – nicht gerade ein Pluspunkt wenn es Klimaneutralität geht, sondern auch wegen der Zahlungsabwicklung für kriminelle Aktivitäten, vom Drogenhandel über Pornografie bis hin zum Auftragsmord, im sog. Darknet. Ob die Gesetzesinitiative für El Salvador eine gute Entscheidung war, wird die Zukunft zeigen. Den auch in Deutschland und der EU aktiven notorischen Geldabschaffungs-Strategen wird es jedenfalls zusätzlich Öl auf die Mühlen sein. Hans-Ludwig Grabowski

  • Lexikon: Briefkopfnoten

    Als "Briefkopfnoten" werden solche sog. "Buschnoten" bezeichnet, die im Auftrag von General Lettow-Vorbeck im damaligen Deutsch-Ostafrika auf dem Rückzug der deutschen Schutztruppe 1917 mittels Gummitypen einer Spielzeugdruckerei aus Papiermangel auf verschiedenen Briefbogen von Kanzleipapier hergestellt wurden. Auf den Rückseiten dieser Scheine befinden sich somit Briefköpfe verschiedener kaiserlicher Dienststellen. Kanzleibögen sind nur für 1-Rupien-Noten verwendet worden. Bekannt sind Briefköpfe folgender Dienststellen (auch in verschiedenen Schriftarten der gleichen Dienststelle): Briefköpfe verschiedener Dienststellen: DOA-B1a: "Der Distriktskommissar" DOA-B1b: "Der Kaiserliche Distriktskommissar" DOA-B1c: "Kaiserliches Bezirksamt" DOA-B1d: "Kaiserliche Bezirksnebenstelle" DOA-B1e: "Kaiserliches Hauptzollamt" DOA-B1f: "Kaiserliches Zollamt" DOA-B1g: "Kommune Lindi" DOA-B1h: "Landwirtsch. Versuchsstation" Alle Briefkopfnoten sind heute sehr selten! Katalogisiert und bewertet sind die Briefkopfnoten und deren Varianten sowie auch alle anderen Ausgaben von Deutsch-Ostafrika im Standard-Katalog zum deutschen Papiergeld: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 22. Auflage 2020/2021 durchgehend farbige Abbildungen Hardcover: 928 Seiten Format: 14,8 x 21 cm Preis: 39,90 Euro Zum Shop! Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski

  • Nordmazedonien: Scheine mit neuem Banknamen

    Die Umbenennung der Nationalbank von Mazedonien in die Nationalbank der Republik Nordmazedonien entsprechend der Namensänderung der Republik lässt sich nun auch auf den Banknoten nachvollziehen: Die Scheine weisen nun die Bankbezeichnung "Народна банка на Република Северна Македонија" auf; die Gestaltung bleibt die bisherige. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 16

    Fortsetzungsreihe, Teil 32 Die Herstellungstechniken falscher Banknoten, Teil 4 50-Dollar-Note, Serie 1934: Ein Beispiel für eine Offsetdruckfälschung. Der Punkt­­raster ist in der Ver­größerung deutlich zu erkennen. Offsetdruck Das heutzutage wohl am meisten verwendete Flachdruckverfahren ist der Offsetdruck, und zwar sowohl bei kommerziellen Druckereibetrieben als auch in der Gilde der Fälscher. Es ist ein indirektes Druckverfahren, das heißt, von der Platte wird zunächst auf ein Gummituch gedruckt und erst von diesem auf das Papier. Der Offsetdruck wurde 1905 erfunden. Das zu druckende Motiv wird fotografisch seitenrichtig auf eine dünne, speziell beschichtete Aluminiumplatte übertragen. Durch eine Entwicklerlösung wird die nichtdruckende Fläche so präpariert, dass sie mittels spezieller Walzen, das sogenannte Feuchtwerk, während des Druckvorgangs Wasser führt und keine Druckfarbe annimmt. Die druckenden Teile dagegen lassen sich mit der öl- oder fetthaltigen Druckfarbe einfärben und geben diese an das Gummituch ab, das sie auf das Papier überträgt. Die Erkennungsmerkmale des Offsetdrucks bei Fälschungen sind gleichmäßig eingefärbte Farbflächen, saubere, nicht ausgefranste oder gequetschte Ränder, Tonwertabstufung durch Aufrasterung (unter der Lupe oder dem Fadenzähler meist deutlich zu erkennen) und unterschiedlich große Rasterpunkte mit gleicher Farbintensität. Offsetdruckmaschinen sind heute weit verbreitet und auch gebraucht meist billig zu erwerben; das gilt für die einfarbig druckende Kleinoffsetmaschine ebenso wie für die moderne Vierfarbenmaschine. Der Linientiefdruck echter Banknoten lässt sich zwar mit dem Offsetverfahren nicht nachahmen, doch gelingen den Spezialisten der Banden aus der Organisierten Kriminalität mit ihren ausgefeilten Offsetdruck-Methoden ganz ausgezeichnete Fälschungen, wobei es an die Fälscher keine hohen technischen Anforderungen stellt. Früher fertigte man mit Hilfe von Spezialkameras Farbauszüge, heute benutzt man dazu Scanner, in dem man die Bildteile der Banknote in Rasterpunkte umwandelt, wobei die Hell/Dunkel-Abstufungen wie gehabt durch unterschiedlich große Rasterpunkte gebildet werden. Diese Rasterpunkte können dabei so fein ausfallen, dass sie unter der Lupe kaum als solche zu erkennen sind und wie gedeckte Farbflächen wirken. Der fehlende Reliefeffekt des originalen Stichtiefdrucks wird ab und an durch feine Papierprägungen zu imitieren versucht. Bei den Euro-Noten trifft dies bei neueren Fälschungen oftmals auf den als Isard-Code bezeichneten Farbbalken der Vorderseite zu. Auch die Fälscher beobachten sehr genau, welche Sicherheitsmerkmale im Publikum am häufigsten geprüft werden und stellen diese dann in guter Qualität entsprechend nach. Beim modernen Offsetdruck wird seit einigen Jahren zur Auflösung der Bildelemente mit dem sogenannten Kornraster, auch frequenzmodulierter Raster genannt, gearbeitet, insbesondere dann, wenn feinste Modulation, also die Wiedergabe feinster Halbtöne in Fotoqualität benötigt wird. Dies ist eine elektronische Rasterung mittels Computer und von der Qualität her vergleichbar mit der Halbtonwiedergabe, wie sie bislang nur beim Rastertiefdruck zu erreichen war. Dieses neue Verfahren hat unter den Namen Diamond-Screening oder Velvet-Screen Eingang in die Praxis des Drucks gefunden, selbstredend auch in die der Falschgeldproduzenten. Bildbearbeitungsprogramme, wie Adobe Photoshop, erleichtern den Falschgeldproduzenten die Arbeit zudem. Mit solchen Programmen können Farben angepasst, Fehler in der Bildwiedergabe korrigiert und unterschiedliche Notennummern gezaubert werden. Auch ein nur halbwegs versierter PC-Nutzer kann damit hervorragende Druckvorlagen fertigen. Eine gute Fälschung der 100-Euro-Note der Klasse EU/P3. Sie kommt seit etwa 2005 aus Bulgarien, wurde im Offsetdruck hergestellt und wird immer noch verbreitet. Das Hologramm-Patch wurde mit Hilfe beugungsoptischer Strukturen täuschend ähnlich, wenn auch nicht dem Original entsprechend, nachgeahmt. Falsche Folienelemente, denen die beugungsoptischen Strukturen und damit der Hologrammeffekt fehlen, die Darstellungen sind nur statisch. Falsifikate, die echten Banknoten in der Qualität des Druckbildes und in der Farbwiedergabe am ehesten entsprechen, sind nur im Druckverfahren herzustellen. Wenngleich die Qualität echter Geldscheine nie erreicht werden kann, verwenden die Fälscher den Offsetdruck aus mehreren Gründen: Neben den geringen Anforderungen an das Können und an die Technik sind Offsetdruckmaschinen risikolos und relativ billig zu erwerben. Ein gewichtiger Grund ist neben der guten Qualität, die diese Maschinen liefern, durchaus auch die wirtschaftliche Überlegung: wie bereits erwähnt ist der Offsetdruck ganz einfach billiger und erhöht die Gewinnspanne! Während die „Normalfälscher“, das heißt die kleinen Ganovengruppen, ihre Drucke mehrmals durch die Maschine laufen lassen und dabei penibel auf Passgenauigkeit achten müssen, können sich die Falschgeldhersteller aus der Organisierten Kriminalität die teureren Maschinen leisten, die mehrere Farben in einem Druckgang aufbringen. Dann und wann haben Fälscher auch versucht, Klischees sozusagen im freien Handel zu erwerben, wenn sie sich in Ermangelung entsprechender Kenntnisse nicht in der Lage gesehen hatten, Druckplatten selbst herzustellen. So bestellten am 15. September 1958 zwei Angehörige einer Werbefirma bei einer Klischeeanstalt in Traunstein Offsetdruck-Platten mit dem Bild der damaligen belgischen 1000-Francs-Note, angeblich um Werbeprospekte herzustellen. Das Verlangen der beiden, Vorder- und Rückseite der Banknote abzubilden, war dem Besitzer der Klischeeanstalt insofern noch plausibel gewesen, als bei belgischen Banknoten die eine Seite in französischer, die andere in holländischer Sprache beschriftet war. Misstrauisch wurde er aber dann, als die beiden Auftraggeber neben dem Wunsch der absolut maßstabgetreuen Reproduktion auch noch verlangten, dass die Abbildungen keine Notennummern tragen dürften. Der Klischee-Fachmann verständigte die Polizei, die die beiden Werbeleute zunächst unauffällig überwachte. Zur Verhaftung wenige Wochen später führte dann die Tatsache, dass sie einen anderen Druckereibesitzer gefunden hatten, der sich nicht nur bereit erklärte, die Druckplatten zu fertigen, sondern, nach entsprechendem Angebot der beiden Fälscher, sogar noch aktiv in die Produktion und das Verteilgeschäft mit eingestiegen war. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Felzmann: Jubiläumsangebot mit Madagaskar-Spezial

    Am 29. und 30. Juni 2021 findet die nächste Felzmann-Auktion als Online-Live-Auktion statt. Der neue Katalog im Rahmen des Jubiläums „45 Jahre Felzmann Auktionen“ präsentiert ein umfassendes und spannendes numismatisches Angebot. Ein Highlight ist die Versteigerung der Spezialsammlung „Madagaskar“, welche in einem Sonderkatalog präsentiert wird. Am 29. Juni, ab 10 Uhr gelangen über 400 Exponate aus Madagaskar und Nebengebieten in einer Spezialauktion zum Ausruf, viele davon mehrere hundert Jahre alt, ein Großteil davon fokussiert auf Madagaskars wechselvolle Währungsgeschichte, geprägt von den Goldstücken arabischer Gewürz- und Sklavenhändler, Silbercobs der legendären Piraten-Republik Libertalia über Hacksilber der madagassischen Könige, äußerst seltenen Versuchsprägungen der letzten Königin bis hin zu modernsten Banknoten heutiger Zeit. Zur Abrundung finden sich auch Hieb- und Stichwaffen, Krokodilschädel, Ton-Waren, Matten und andere Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs, Aktienzertifikate des frühen 20. Jahrhunderts, Orden, Regimentsabzeichen der frz. Kolonialtruppen, historische Postkarten bis hin zu Casino-Token. Man darf davon ausgehen, dass es eine der vollständigsten Sammlungen in Privathand zu diesem Thema ist, weshalb ihr auch ein eigener Spezialkatalog gewidmet wurde. Ursprünglich sollte diese Sammlung in einem Museum in Tuléar/Toliara (Madagaskar) der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, jedoch entschied man sich aufgrund der prekären Sicherheitslage vor Ort dagegen. Der heimliche Wunsch des Sammlers war es immer, dass diese Sammlung eines Tages in ihre Heimat zurückkehrt, wo sie im Grunde genommen hingehört. Die Provenienz so gut wie aller Stücke ist lückenlos nachweisbar, keines der angebotenen Exponate stammt also aus Diebstählen im Umfeld des Rova-Brandes von 1996. Der Katalog ist online als E-Paper zu finden: https://www.felzmann.de/epaper-katalog-und-downloads.aspx Weiter in der Auktion findet sich Gold in reichlicher Vielfalt von antiken Kostbarkeiten über Pretiosen der frühen Neuzeit bis zu etlichen modernen 5-Unzen Münzen in kleinsten Auflagen. Aber auch die Silberfraktion wartet mit Top-Numismatik auf: Der halbe Reichstaler von Rudolf II. aus Prag 1607 ist sicher von großem Interesse (Los 1008, Ausruf: 3.000 €) - ebenso wie die Reihe späterer Habsburg-Gepräge. Speziell die sammlerfreundlich detaillierte Strecke Maria-Theresien-Taler 1780 hat es in sich. Auch bei den „unrunden“ Stücken können Liebhaber fündig werden. Kaum einmal am Markt in dieser Qualität angeboten: Der 20 Tael- Schein der Deutsch-Asiatischen Bank Shanghai (Los 1629, Ausruf: 15.000 €), ein weiterer 2 Karbowanez-Schein (Los 1628, Ausruf: 2.000 €) oder ein Weißgoldarmband mit sage und schreibe 882 Diamanten besetzt (Los 1795, Ausruf: 10.000 €). In der Sammlungsabteilung am 30. Juni ist der Aufmacher ein großer unberührter Händlernachlass aus Mitteldeutschland (Los 2001, Ausruf: 50.000 Euro) gefolgt von zahlreichen, oft undurchsuchten Positionen bis zum Gebotslos. Fazit: Jede und jeder kann hier „nach seiner Façon selig werden“; sei es der Großkunde oder eben auch der kleine Sammler. Der gesamte Online-Katalog ist auf https://auktionen.felzmann.de abrufbar. Gebote können ab sofort schriftlich oder über den Online-Katalog abgegeben werden. Die Versteigerung findet am 29. und 30. Juni 2021 statt. Gestartet wird jeweils um 10 Uhr. Im Anschluss an die Münzauktion findet die Briefmarkenauktion vom 1. bis 3. Juli 2021 statt. Für das LiveBidding während der Auktion ist eine einmalige Registrierung notwendig. Weitere Informationen sowie aktuelle Hinweise zur Auktion sind auf www.felzmann.de zu finden. Michael Lang

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