top of page

K 13 513 – Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines

Wie kann man halbwegs sicher sein, dass die Werbebotschaft vom Umworbenen auch bemerkt wird? Indem man sie im Gewand eines Geldscheins verpackt. Dies dachten sich die Betreiber der „Deutschen und Kammer-Lichtspiele“, als sie für den Film K 13 513 – Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines warben. Als Vorlage für die Vorderseite des Werbescheins diente ein Rentenbankschein zu 10 Rentenmark mit Ausgabedatum vom 3. Juli 1925. Anders als das Original ist der Werbeschein einfarbig schwarz gedruckt. Um einen eventuellen Missbrauch zu verhindern, ist zusätzlich ein roter Balken schräg in der Mitte sowie auf dem rechten Schaurand ein roter Kreis mit den Buchstaben FOX angebracht. Wie man der Rückseite entnehmen kann, wurde der Film vom 21. bis 24. Januar 1927 im genannten Kino aufgeführt. Die Drucke waren rechts oben mit einer fünfstelligen Nummer versehen.

Der Kinobesucher, der einen Schein mit den Endnummern 100, 200, 300 usw. bei der Kasse vorlegte, erhielt zum gelösten Platz eine Freikarte.


Abb. 1: Werbeschein zu „K 13 513 – Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines“, Vorder- und Rückseite. 150 x 87 mm, gedruckt auf dünnem, weißem Papier.


Abb. 2: DEU-208. Deutsche Rentenbank, 3. Juli 1925, 10 Rentenmark, Vorder- und Rückseite. 145 x 78 mm, gedruckt auf rechts grün eingefärbtem Papier mit Wilcox-Fasereinlagen und Wasserzeichen Eichenlaubstreifen.


Im Berliner Spätsommer 1926 drehte der Regisseur Berthold Viertel (geb. 28. Juni 1885 in Wien; gest. 24. September 1953 ebenda) den einstündigen Stummfilm K 13513. Die Abenteuer eines Zehnmarkscheins, der von der Deutschen Vereins-Film AG (Defa) und Fox Europa Film Produktion (Berlin) herausgebracht wurde und am 28. Oktober 1926 in einem Filmtheater am Kurfürstendamm in Berlin Premiere hatte. Das Drehbuch zum Film schrieb der Deutsch-Ungar Béla Balázs (geb. als Herbert Bauer am 4. August 1884 in Szeged, Österreich-Ungarn; gest. 17. Mai 1949 in Budapest). Hierzu wurde er durch Leo Tolstois Erzählung Die falsche Note inspiriert.


Die Filmkritiker lobten den Spielfilm überschwänglich. So schrieb die Rheinische Zeitung am 16. Oktober 1926 (zit. nach Film-Kurier, Nr. 253, 28.10.1926):

„Der Gedanke ist herrlich, ist filmisch. Berthold Viertels Regie schafft ihn zum Erlebnis. Ein kleines Mädel bekommt K 13513 als erstverdientes Geld, der Freund zeichnet ihn mit einem Kreuz. Nun rankt sich ihr Schicksal und das vieler um diesen kleinen flattrigen Schein, bis er wieder zu ihnen zurückkommt in dem Moment, da sie sich für immer finden. Sie wissen nicht, daß Mord und Blut, Wollust und Geschäft, Müll und Leihhaus an ihm hängen. In einer fliegenden Stunde nehmen wir Teil an diesem fliegenden Schein, sehen ihn gehen und reisen von Hand zu Hand, sehen in den Erlebnissen des Zehnmarkscheins das Schicksal der Großstadt oben und unten. Ein Sohn mordet um 10 Mark, die verzweifelte Mutter dreht den Gashahn auf, die Tochter wird um des Bruders Schuld aus der Arbeitsstelle entlassen, sie findet einen älteren ‚Beschützer‘, der sein Verlangen nach ihr hinter Mildtätigkeit verbirgt; das ist der Schlußakkord. Berthold Viertel schafft eine Welt des Alltags um uns, ihre Echtheit ist verblüffend, tut weh und ist ein notwendiges Spiegelbild. ‚Seht, so seid ihr‘ sagt der Film vom Zehnmarkschein! Wer hört darauf? Klarste Bildeinheit zwischen Aufnahme und Darstellung, am stärksten der Russe Sokoloff vom Tairofftheater, der um 10 Mark zum Mörder wird. Die sogenannten Fortbildungsschulen, Gymnasiasten und halbwüchsige Mädels müßten auf Anordnung ihrer Autoritäten diesen Film sehen. Lebendige Anschauung unserer Zeit ist die beste Lehre für bessere Zukunft. Berthold Viertel sei Dank für diesen Film lichtloser Gegenwart.“[1]

Berthold Viertel drehte mit diesem Streifen einen der ersten „Querschnitt-Filme“[2] auf dem Übergang vom Nachkriegs-Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit. Er „zeigt großstädtische Lebens-Skizzen als Montage: In der Hauptrolle eine Banknote auf ihrem – Biographien ruinierenden – Weg durch die Milieus[3].


Derzeit ist keine Filmkopie mehr nachweisbar. Der Film gilt als verschollen. Eines der wenigen Überbleibsel, die an ihn erinnern, ist dieser unscheinbare Werbeschein.


Uwe Bronnert

[1] <https://www.filmportal.de/node/12781/material/669705> (13.07.2021). [2] „Der Begriff Querschnittfilm (später meist: Querschnittsfilm) entstand in den 1920er Jahren in Deutschland, um dokumentarische Filme zu beschreiben, die das tägliche Leben darstellten. Explizit spricht Béla Balázs seinen Film 'Die Abenteuer eines Zehnmarkscheins' (1926) als 'Querschnittsfilm' an; sein erklärtes Ziel ist es, einen Film ohne Helden zu machen, der stattdessen 'einen Querschnitt, eine breitere Front des Lebens' zeigen sollte. […] Doch schon bald wurde der Begriff eingesetzt, um jegliche Art von Montagefilm zu bezeichnen, der aus Ausschnitten anderer Filme zusammenmontiert wurde.“ (Filmkurier, Nr. 36, 1929). <https://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/q:querschnittsfilm-798> (13.07.2021). [3] <http://www.stiftungmendelssohn.de/mendelssohns/biografien/francesco-von-mendelssohn> (13.07.2021).

Comments


bottom of page