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- Teutoburger Münzauktion: Auktionen 136 und 137 vom 31. Mai bis 4. Juni 2021
Die Frühjahrsauktionen der Teutoburger Münzauktion GmbH finden dieses Mal etwas später statt, als gewohnt. Die 136. Auktion mit Münzen, Medaillen, Orden, Militaria und diesmal einer großen Zahl an qualitätvollen Antiquitäten (Bücher, Antiken, Porzellan, Kupferstiche, Landkarten, usw.) wird vom Montag 31. Mai bis Mittwoch 2. Juni 2021 stattfinden. Aller Voraussicht nach wird wohl wieder keine Saalbeteiligung vor Ort möglich sein, in jedem Fall aber werden Vorgebote schriftlich und online angenommen und wieder Live-Online-Bieten für die gesamte Auktion angeboten. Das Gleiche gilt für die 137. Auktion am Freitag, 4. Juni 2021, einem Sonderkatalog für Briefmarken und Banknoten (am 3. Juni 2021 ist Fronleichnam, in NRW ein Feiertag, und daher keine Auktion.) Bei den Banknoten der 137. Auktion sind die altdeutschen Staaten, aber besonders die Raritäten aus Oldenburg hervorzuheben, ergänzt werden diese durch ein reichhaltiges Angebot deutscher Banknoten nach Rosenberg und deutscher Notgeldscheine. DEUTSCHES REICH. 100 Billionen Mark 15.2.1924. Serie A. Rosenberg 137. Grabowski DEU-170. III+, Sehr selten. Taxe: 6000,– Euro OLDENBURG. 10 Thaler des Großherzoglich Oldenburgischen Staatsministeriums, Oldenburg 1.1.1869. Lit. B. Pick S378. Grabowski/Kranz 236. I-II, minimale Verfärbung. Sehr selten, besonders in dieser Erhaltung. Taxe: 5000,– Euro OLDENBURG. 100 Mark der Oldenburgischen Landesbank, Oldenburg 1.4.1975. (Gedruckt in der Reichsdruckerei Berlin). Pick S381. Grabowski/Kranz 237. Nur wenige Exemplare bekannt. I-, von größter Seltenheit, besonders in dieser Erhaltung. Taxe: 15 000,– Euro Teutoburger Münzauktion www.teutoburger-muenzauktion.de Tel.: 05425/930050 E-Mail: info@teutoburger-muenzauktion.de
- Unbekannter Entwurfssatz einer Noten-Serie der Bank Deutscher Länder entdeckt!
Unter Los-Nr. 1645 der 174. Auktion bei Dr. Reinhard Fischer versteckte sich eine kleine Sensation. Bis dahin unbekannte Entwürfe für eine Ausgabe der Bank Deutscher Länder wurden unter dieser Los-Nummer versteigert. Das Angebot bestand aus fünf einseitigen Entwürfe der Nominale 2, 5, 10, 20 und 50 Deutsche Mark. Entwurf zu 2 DM, Format 125 mm x 55 mm, Druckfarbe Rot, ohne KN, Vs. links Hermeskopf, auf der rechten Seite ein Freifeld für ein Wasserzeichen, welches auf dem Vorlagekarton auch so beschriftet ist. Entwurf zu 5 DM, Format 130 mm x 55 mm, Druckfarbe Braun, Serie und KN "0•1234567", ähnlich dem Numerator der Reichsdruckerei, wie bei 5 Rentenmark von 1926 (DEU-209, Ros./Gra. 164) oder 5 RM von 1942 (DEU-220, Ros./Gra. 179). Vs. Links zwei Frauen, die Industrie (mit Hammer) und die Landwirtschaft (mit Ährenbündel und Sichel) darstellend. Entwurf zu 10 DM, Format 140 mm x 70 mm, Druckfarbe Blau, Serie A und 7-stellige KN "0108669". Numerator wie bei Reichsbanknoten, Vs. Links teils unbekleidetete junge Frau, stilistisch ähnlich der Darstellung der Europa auf dem Stier (5 DM von 1948, BRD-1, Ros./Gra. 252). Fasereinlagen angedeutet, Vs. rechts Freifeld für ein Wasserzeichen. Die Guillochen unter den Wertzahlen haben bereits große Änhnlichkeit mit den Guillochen der Bundesbank-Ausgabe BBk I. Das Format ist fast identisch mit dem Zehner der Bank Deutscher Länder von 1948, der 140 mm x 67 mm groß ist. Die Entwürfe stammen von Alfred Goldammer, der sie auch signiert hat und sie befanden sich in Kartonvorlagen. Sie sind teils gedruckt, partiell zusammengestellt wie eine Collage und teils handgezeichnet. Als Ausgabeort ist Berlin angegeben, wobei ein Ausgabejahr fehlt. Auf den Kartons wurde zwar handschriftlich "1946" vermerkt, das passt aber nicht zur Angabe der Bank Deutscher Länder, die erst 1948 gegründet wurde. Entwurf zu 20 DM mit weiblicher Allegorie auf Kartonvorlage. Entwurf zu 50 DM mit Hermes auf Kartonvorlage. Wahrscheinlich sind die Entwürfe 1949 für die Folgeausgabe des Kopfgeldes von 1948 entstanden, das ohne Bank- und Jahresangabe emittiert wurde. Auffallend ist auch die identische Farbgebung der Nominale mit der 1948 ausgegebenen "Kopfgeld-Serie". Alfred Goldammer ist vor allem für Briefmarken bekannt und hat solche sowohl für die Reichspost als auch später für die Deutsche Bundespost entworfen. Hier als Beispiel die Sondermarke von 1956 "100 Jahre Verein Deutscher Ingenieure (VDI)". Zudem hat Alfred Goldammer auch Entwürfe für die Bundesbank-Serie BBk I vorgelegt, welche aber nicht zum Druck kamen. Siehe „Die D-Mark-Banknoten der Währungsreform in Westdeutschland und Westberlin1948“ von Michael H. Schöne, Seite 69, Entwurf zu 10-DM-Banknoten von Alfred Goldammer, Bundesdruckerei. Jens Dobokay/Gerhard Stelzl
- Zeugnisse der Geschichte – Die Aktion geht weiter!
Die sehr erfolgreich gestartete Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht" gab Veranlassung für den Beginn einer neuen Serie von Fachbeiträgen zu Geldscheinen als "Zeugnissen der Geschichte" inkl. Ideen zu deren möglicher Verwendung in Schulen. Im Laufe der Zeit soll damit eine ganze Sammlung von Beispielen aus verschiedenen Epochen, zu verschiedenen historischen Ereignissen und zu den verschiedenen Arten von Geldscheinen – von Banknoten und Staatspapiergeld über Kolonial- und Besatzungsausgaben, bis hin zu Not- und Lagergeld – entstehen, mit deren Hilfe Geschichte "begreifbar" gemacht werden kann. Eine Reihe, die aber nicht nur für Lehrer und Schüler von Interesse sein dürfte, sondern auch für alle Sammler, die mehr über Geldscheine in ihren historischen Zusammenhängen erfahren wollen. Alle Beiträge entstehen in Zusammenarbeit zwischen unserer Redaktion und Herrn Tilo Kiel, der als Geschichtslehrer den Einsatz von Geldscheinen im Geschichtsunterricht angeregt hat. Das ist sicher keine neue Idee – Volkmar Gaitzsch gibt uns einen sehr interessanten Erfahrungsbericht über die Einbeziehung der Numismatik in die Ausbildung auf einer Leipziger Berufsschule in der damaligen DDR – und früher hatten viele Schulen auch kleine Münzsammlungen, doch leben wir heute und können jetzt einen notwendigen Beitrag zur besseren Vermittlung von Geschichte an die junge Generation leisten und damit auch zur Nachwuchsförderung im Bereich Numismatik. Der erste Teil beschäftigt sich mit der deutschen Inflation und dem Überdruckprovisorium zu 500 Milliarden auf 5000 Mark vom 15. März 1923. Zusätzlich können alle Blogbeiträge zum Thema über das Schlagwort (Tag) "Geschichtsunterricht" aufgerufen werden. Kostenloses Informationsmaterial Zusätzlich wurde erstes Informations- und Arbeitsmaterial für Lehrer in unseren Mitgliederbereich eingestellt, das dort kostenlos heruntergeladen werden kann. Darunter findet man u.a. ein Arbeitsblatt für Schüler zur Inflation, eine historische Übersicht zur Entwicklung der Lebensmittelpreise von 1914 bis 1923, ein Blatt mit Abbildungen einer Inflations-Banknote und eine PDF "Millionär über Nacht". Wir hoffen, dass wir damit Lehrern eine Hilfestellung zum Thema Inflation in ihrem Geschichtsunterricht bieten können. Weitere Themen werden folgen! Natürlich sind diese Dateien auch für alle anderen Mitglieder unseres Online-Magazins kostenlos zugänglich. Hans-Ludwig Grabowski
- DGW-Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler 2021-1
DGW (verschiedene Autoren): Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2021-1 41 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, Format 21 cm x 29,7 cm, Rückstichbroschur, Berlin 2021. Preis: 9,80 Euro (für Vereinsmitglieder kostenlos). Jährlich gibt der Verein Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler (DGW) zwei Informationshefte heraus. Diese sind für Vereinsmitglieder kostenlos, können aber darüber hinaus auch von Sammlern und Interessenten bezogen werden. Das aktuelle Heft enthält wieder eine Reihe vielfältiger Beiträge. Schwerpunktthema ist: Hans-Volkmar Gaitzsch: Zur Hyper-Inflation in Ungarn von 1945 bis 1946 Weitere interessante Themen sind u.a.: Klaus-Dieter Grebhahn: Was man alles so findet – eine "zeitgenössische Fälschung" der Hyperinflation Hans-Georg Glasemann: Sachwertanleihen und wertbeständiges Notgeld 1923, Teil 1 Rainer Geike: Der Mann am Rad Siegfried Seipold: DDR-Banknoten-Fälschungen Thomas Krause: DDR-Schecks. Beispiel Schwedt/Oder Eckhard Titz: Ergänzungen zum 1914er Notgeld aus Czerwionka in Oberschlesien DGW-Mitglieder haben das neue Heft sofort nach Erscheinen kostenfrei erhalten. Alle Nichtmitglieder können es über folgenden Kontakt bestellen: Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler e.V., c/o Jürgen Morgenstern, 12685 Berlin, Pöhlbergstraße 30, Tel. 0173/2332393, Internet: www.dgwev.de, E-Mail: info@dgwev.de. #Literatur #DGW
- Die Aachen-Show wird verschoben!
Die ursprünglich für den 19.–21. März 2021 geplante erste "Internationale Banknoten Messe – aachen-show" war schon einmal wegen der Corona-Pandamie auf den 12.– 13. Juni 2021 verschoben worden und musste nun aus gleichem Anlass erneut verschoben werden. Als neuer Termin wurde nun der 25./26. September 2021 angesetzt. Mehr Informationen: https://aachen-show.de/ Hans-Ludwig Grabowski
- Leserpost: Geldscheine im Geschichtsunterricht
Nachdem uns ein Lehrer aus Darmstadt um Unterstützung gebeten hat, weil er gerne Geldscheine im Geschichtsunterricht einsetzen möchte, starteten wir einen Aufruf an Sammler und Händler, denn Nachwuchsgewinnung geht uns alle an. Lesen Sie hier den Beitrag mit dem Brief des Lehrers und die Antwort der Redaktion: https://www.geldscheine-online.com/post/geldscheine-im-geschichtsunterricht Der Aufruf Wir möchten Sie, liebe Leser – egal ob Sammler oder Händler – dazu aufrufen, diese hervorragende und viel versprechende Idee zu unterstützen. Bitte schauen Sie nach, ob Sie Material haben und abgeben können, das dem Ziel zweckdienlich sein kann. Die Erhaltung und der Sammlerwert spielen keine Rolle! Bitte unterstützen Sie die Verbesserung der Vermittlung von Geschichte durch den Einsatz geldgeschichtlicher Zeugnisse und schicken Sie uns, was Sie nicht mehr benötigen und entbehren können. Ziel ist es auch, Schülern alte Geldscheine oder Münzen zu schenken und sie so nicht nur für Geschichte, sondern auch für die Numismatik zu begeistern. Herr Kiel bestätigt, dass er sich auf jede Unterstützung freut und sich persönlich dafür einsetzen wird, das mit Ihrer Hilfe mögliche Modell auch an anderen Schulen zu etablieren. Ich selbst werde auch meine Bestände sichten und erkläre mich bereit, entsprechende fachliche Unterstützung zu bieten. Als erstes stellen wir Herrn Kiel Fachliteratur zur Verfügung und ein persönliches Treffen ist in Vorbereitung. Unser Aufruf geht nicht nur an Sammler und Händler, sondern auch an die Vereine und Verbände. Wir freuen uns über jede Spende, sei sie auch noch so klein! Bitte schicken Sie Ihre Sendung an den Battenberg Gietl Verlag GmbH Redaktion "Geldscheine-Online" Kennwort "Nachwuchsförderung" Pfälzer Straße 11 93128 Regenstauf Herzlichen Dank für Ihre Hilfe, noch viel Freude beim Hobby und bleiben Sie gesund! Die erste Sendung nach unserem Aufruf ist bei uns eingetroffen! Bereits wenige Tage später erhielten wir in der Redaktion die erste Zusendung einer Spende für die Aktion "Nachwuchsförderung" und damit für die Unterstützung des Einsatzes historischer Geldscheine im Geschichtsunterricht. Historische Banknoten für den Geschichtsunterricht von Herrn Kiel Sehr geehrte Damen und Herren, seit einigen Jahren besuche ich regelmäßig Ihre Website, um mich über neu erscheinende Banknoten und Besonderheiten historischer Banknoten zu informieren. Heute Morgen laß ich mit großem Interesse von der Initiative von Herrn Kiel, seinen Schülern anhand historischer Banknoten die Geschichte näherzubringen und Nachwuchs für unser Hobby zu finden. Da ich selbst seit meiner Kindheit mit Begeisterung Banknoten sammle und mit meinen 21 Jahren auch zum "Nachwuchs" zähle, würde ich mich freuen, mit der bescheidenen Menge an von mir zugesandten historischen deutschen Banknoten einen Beitrag dazu leisten zu können, weitere junge Menschen von unserem Hobby begeistern zu können. Abschließend möchte ich Ihnen noch Frohe Ostern wünschen und bleiben Sie gesund! Mit freundlichen Grüßen Johannes Meussen Antwort der Redaktion Lieber Herr Meussen, ich möchte mich in meinem und im Namen von Herrn Kiel ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Sie sind der erste Leser, der unserem Aufruf gefolgt ist und uns einige alte Geldscheine zur Verwendung im Geschichtsunterricht zugesandt hat. Besonders freut mich dies, da Sie selbst noch ein sehr junger Sammler sind, der anderen mit Beispiel vorangeht. Herr Kiel hat in der Zwischenzeit auch mit Kollegen an anderen Schulen gesprochen. Die meisten hatten den Einsatz historischer Geldscheine für die bessere Vermittlung von Geschichte bislang noch nicht in Betracht gezogen, ja nicht einmal daran gedacht. Nun ist auch bei diesen Lehrern die Begeisterung geweckt. In der nächsten Ausgabe der Zeitschrift "Münzen & Sammeln" wird der Aufruf auch noch deren Abonnenten erreichen. Ich selbst werde natürlich auch einen Beitrag zur Unterstützung dieser Initiative leisten und kann nur hoffen, dass sich weitere Sammler und auch der Handel an der Aktion beteiligt, denn vom Sammlernachwuchs profitieren wir schließlich alle. Auch Ihnen ein frohes Osterfest sowie Gesundheit und noch viel Freude beim Hobby Hans-Ludwig Grabowski
- Geldscheine im Geschichtsunterricht
Viele Numismatiker in Deutschland und anderen Ländern machen sich Sorgen um die Zukunft des Sammelns. Vielen ist klar, dass es um Nachwuchsgewinnung geht und dass die in Zeiten von Digitalisierung und Internet kaum die Vereine allein bewältigen können. Angesprochen werden muss schon die Jugend, denn nur mit der gibt es auch eine Zukunft. Der Brief des Lehrers Am 23. März 2021 erreichte uns die Zuschrift eines engagierten Geschichtslehrers aus Darmstadt. Mein Name ist Timo Kiel und ich bin Geschichtslehrer an einer Gesamtschule in der Nähe von Darmstadt. Hierher hat es mich als gebürtigen Thüringer nach meinem Studium in Erfurt verschlagen. Ich versuche, meinen Geschichtsunterricht etwas aufzupolieren und für die Schüler interessanter zu gestalten. Dazu habe ich jetzt die Banknoten als gutes Mittel ins Auge gefasst. Ab 1871 bis zur deutschen Wiedervereinigung kann man praktisch ständig Anschauungsobjekte einfließen lassen. Ich habe mir kürzlich Ihre neueste Ausgabe des Kataloges „Die Deutschen Banknoten ab 1871“ zugelegt und bin begeistert von der Vielfalt, aber auch von der Art, wie Sie es aufbereitet haben. Ich habe ein Anliegen und vielleicht können Sie mir helfen. Ich suche Banknoten, die nicht einem sammelwürdigen Zustand entsprechen müssen. Ich habe zu diesem Zweck einige Händler angeschrieben, in der Hoffnung, es gäbe günstige Noten in diesem Zustand (ich werde es aus eigenen Mitteln bestreiten, da für solche Pläne im Schuletat kein Geld übrig ist). Leider war die Resonanz auf meine Anfrage nicht sehr groß. Haben Sie vielleicht eine Idee, wo ich solche Banknoten beziehen könnte (nicht sammelwürdig, und daher noch authentischer für den Unterricht)? Vielleicht können Sie mir ja aus Ihren umfangreichen Kontakten in der Sammlerszene jemanden empfehlen, der mir helfen könnte. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Bleiben Sie gesund. Mit freundlichen Grüßen Timo Kiel Die Antwort der Redaktion Hallo Herr Kiel, es freut mich, dass Sie die geldgeschichtlichen Zeugnisse der deutschen Geschichte als mögliches Unterrichtsmittel entdeckt haben und einsetzen möchten. Richtig so! Kaum ein anderes Zeitdokument macht Geschichte so nachvollziehbar, wie das Geld. Leider haben das bislang längst nicht alle Lehrer und Historiker erkannt. Ich versuche in meinen Büchern auch immer den historischen Kontext mit einzubeziehen. In einem Katalog von mittlerweile über 900 Seiten, muss man sich da allerdings einschränken. Ihr Anliegen würde ich gern unterstützen. Wir haben erst gestern zu diesem Thema auf Anregung eines Lesers unter den Redakteuren gemailt. Da ging es allerdings um geldgeschichtliche Vorträge an Volkshochschulen, wenn das mal wieder möglich ist. Gut wären Belege aus verschiedenen Epochen und zu verschiedenen historischen Ereignissen. Also z.B. nicht nur Kaiserreich, sondern dann dazu auch was aus dem Ersten Weltkrieg und den Kolonien. Ganz wichtig dann aber auch das Notgeld, das Krieg und Inflation hervorgebracht hat. Das Notgeld fehlt ja in dem von Ihnen erwähnten Katalog größtenteils, weil es sich dabei meist um regionale Ausgaben handelt. Außerdem gibt es natürlich auch noch Geld der Kriegsgefangenenlager im Ersten Weltkrieg und Militärgeld sowie Ausgaben unter deutscher Besatzung. Auch ganz wichtig ist das judenfeindliche Propagandageld aus der Zeit der „Weimarer Republik" sowie das Geld der Konzentrationslager und der jüdischen Ghettos im sog. „Dritten Reich“ als Belege zum Thema Antisemitismus und Holocaust. Hierzu habe ich separate Bücher geschrieben. https://www.battenberg-gietl.de/sammeln/buch/das-geld-des-terrors https://www.battenberg-gietl.de/sammeln/buch/der-jude-nahm-uns-silber-gold-und-speck Ich könnte mir vorstellen, dass ich einige Sammler und Händler motivieren kann, für diesen Zweck unentgeltlich Belegstücke zur Verfügung zu stellen. Es ist immer schon etwas anderes, wenn ein Schüler ein Original aus der Zeit (z.B. über Milliarden-Beträge aus der Inflationszeit) in den Händen halten kann, als nur dem „trockenen“ Lehrstoff zu folgen. Auch für die Numismatik und die Nachwuchsgewinnung von Sammlern ist das nur zu begrüßen, weil so doch auch Interesse geweckt werden kann, aus dem vielleicht sogar einmal ein Hobby wird. Alle Sammler hatten schließlich irgendwann einmal ihren „Urknall“. Unter Umständen können wir in Absprache mit dem Berufsverband des deutschen Münzenfachhandels einen Aufruf an den Handel starten, um entsprechendes Material zu sammeln. Da können dann natürlich auch Münzen dabei sein. Könnten Sie sich evtl. vorstellen, die Idee auch für andere Schulen publik zu machen? Wir suchen da praktisch einen Verbündeten! Ein sehr positives Vorbild könnten die Niederlande sein, wo sich ein Verein um den Einsatz geldgeschichtlicher Belege im Schulunterricht bemüht und auch die Geldgeschichte selbst als wichtigen Teil der Geschichte zum Gegenstand des Unterrichts macht. Da werden dann auch Rätselaufgaben eingesetzt, bei denen die Schüler einen alten Schein oder eine Münze gewinnen können. Ich hatte mit den Herrschaften vor zwei Jahren in Maastricht gesprochen, sehr interessant! Außerdem gibt es in Deutschland eine Gesellschaft zur Förderung der Numismatik und die Deutsche Numismatische Gesellschaft, zu denen wir sehr gute Beziehungen haben. Für diese ist die Nachwuchsförderung ein wichtiges Thema. Ich werde verschieden Personen kontaktieren und mich dann hoffentlich bald wieder bei Ihnen melden können. Bis dahin verbleibe ich mit den besten Grüßen und bleiben Sie gesund Hans-Ludwig Grabowski Der Kontakt Wir haben noch am gleichen und folgenden Tag telefoniert. Herr Kiel schrieb "Vielen herzlichen Dank für das nette Telefonat. Ich freue mich, dass Sie sich um mein Anliegen kümmern wollen. Es tut gut, gehört zu werden!!!" Herr Kiel möchte sich nicht nur an seiner, sondern auch an anderen Schule für die Idee des Einsatzes von Geldscheinen im Geschichtsunterricht einsetzen. In einer Pandemie-Zeit, in der die Ämter kaum über genügend Mittel verfügen, um ihre Schüler mit Laptops auszustatten (wie traurig für Deutschland), braucht ein Lehrer überhaupt nicht erst nach Mitteln für die Anschaffung geldgeschichtlicher Belege zu fragen. Der Aufruf Wir möchten Sie, liebe Leser – egal ob Sammler oder Händler – dazu aufrufen, diese hervorragende und viel versprechende Idee zu unterstützen. Bitte schauen Sie nach, ob Sie Material haben und abgeben können, das dem Ziel zweckdienlich sein kann. Die Erhaltung und der Sammlerwert spielen keine Rolle! Bitte unterstützen Sie die Verbesserung der Vermittlung von Geschichte durch den Einsatz geldgeschichtlicher Zeugnisse und schicken Sie uns, was Sie nicht mehr benötigen und entbehren können. Ziel ist es auch, Schülern alte Geldscheine oder Münzen zu schenken und sie so nicht nur für Geschichte, sondern auch für die Numismatik zu begeistern. Herr Kiel bestätigt, dass er sich auf jede Unterstützung freut und sich persönlich dafür einsetzen wird, das mit Ihrer Hilfe mögliche Modell auch an anderen Schulen zu etablieren. Ich selbst werde auch meine Bestände sichten und erkläre mich bereit, entsprechende fachliche Unterstützung zu bieten. Als erstes stellen wir Herrn Kiel Fachliteratur zur Verfügung und ein persönliches Treffen ist in Vorbereitung. Unser Aufruf geht nicht nur an Sammler und Händler, sondern auch an die Vereine und Verbände. Wir freuen uns über jede Spende, sei sie auch noch so klein! Bitte schicken Sie Ihre Sendung an den Battenberg Gietl Verlag GmbH Redaktion "Geldscheine-Online" Kennwort "Nachwuchsförderung" Pfälzer Straße 11 93128 Regenstauf Herzlichen Dank für Ihre Hilfe, noch viel Freude beim Hobby und bleiben Sie gesund! Literaturempfehlung Übrigens, wen das Thema interessiert, dem sei das beim Wochenschau-Verlag in der Reihe "Geschichte unterrichten" erschienene aktuelle Buch "Geldscheine im Geschichtsunterricht" empfohlen. Frank Britsche Geldscheine im Geschichtsunterricht Historisches Lernen mit Sachquellen 1. Auflage 2020 ISBN: 978-3-7344-1091-8 Preis: 19,90 Euro https://wochenschau-verlag.de/geldscheine-im-geschichtsunterricht-3611.html Beschreibung: Geldscheine sind mehr als nur Zahlungsmittel, geben als Quellengattung Aufschluss über das zeittypische Gegenwarts- und Geschichtsverständnis. Die Abbildungen auf Banknoten repräsentieren den geschichtspolitischen Anspruch eines Staates und verdichten ikonografisch Wert- und Identitätsvorstellungen der jeweiligen Epoche. Als historisches Sachzeugnis lassen sich Geldscheine im Geschichtsunterricht methodisch vielfältig einsetzen. Sie bieten ein reichhaltiges Bildprogramm, das dekonstruiert werden kann, um politische und ideologische Botschaften zu erschließen – sowohl an die eigene Bevölkerung als auch gegenüber anderen Staaten. Dieser Band erschließt die Quellengattung im bewährten und kopierfreundlichen Doppelseitenprinzip. Ausführliche Beschreibungen wesentlicher Gestaltungselemente, historische Einordnungen, Interpretationsvorschläge sowie praktische Anregungen erleichtern den Einsatz im Unterricht. Hans-Ludwig Grabowski
- Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht"
Unsere Aktion zur Unterstützung des Einsatzes von historischen Geldscheinen im Geschichtsunterricht und damit auch zur Nachwuchsgewinnung ist angelaufen. Sehr gerne unterstützen wir Herrn Kiel aus Darmstadt, der als Lehrer mit seinem Brief an die Redaktion den Anstoß hierfür gab. Unserem Aufruf folgend, haben sich bereits einige Leser beteiligt und der Redaktion Geldscheine für die Unterstützung der Aktion zugesandt. Wir sagen an dieser Stelle herzlichen Dank! Um dauerhaft über die Aktion zu berichten und allen Unterstützern Dank sagen zu können, haben wir eine extra Seite eingerichtet, die Sie über den Menüpunkt "AKTION" im Hauptmenü erreichen können. Wir hoffen, dass sich noch mehr Unterstützer finden. An dieser Stelle sind hier ganz besonders auch der Fachhandel, Verbände und Vereine angesprochen, die damit zielgerichtet die Sammler von Morgen fördern können. Lesen Sie mehr auf unserer Seite "AKTION"! Vielen Dank! Hans-Ludwig Grabowski
- Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht"
Kaum war der Aufruf auch in der Ausgabe 05/2021 der Zeitschrift "Münzen & Sammeln" erschienen, schickte uns Herr Müller eine umfangreiche Sendung von Reichsbanknoten, Reichs- und Darlehnskassenscheinen der Kaiserzeit und "Weimarer Republik", von Notgeldscheinen der Inflation, Reichsbanknoten des "Dritten Reichs" sowie einem Fünfziger der Alliierten Militärbehörde und Münzen. Herzlichen Dank! Über den Hauptmenü-Punkt "AKTION" berichten wir Sie über alle Sachspenden zu Unterstützung des Einsatzes von historischen Geldscheinen für den Geschichtsunterricht an Schulen und damit auch für die Nachwuchsförderung. https://www.geldscheine-online.com/aktion Hans-Ludwig Grabowski
- Geldscheine im Geschichtsunterricht: Zum Stand der Aktion
Liebe Freunde des gedruckten Zahlungsmittels, ich möchte mich heute persönlich bei Ihnen melden, um ein paar Gedanken zu teilen. Vor etwa einem Monat kam mir die Idee, dass Geldscheine im Geschichtsunterricht eine wirklich gute Möglichkeit wären, die Vergangenheit „begreifbar“ zu machen. Ich schrieb eine Mail an Herrn Grabowski mit der Bitte, mir doch eine Bezugsquelle für günstige Banknoten zu nennen. Keine 30 Minuten später hatte ich eine Antwort in meinem Postfach, mit der ich nicht rechnete. In einem persönlichen Telefonat entstand schnell die Idee, eine Aktion „Geldscheine im Geschichtsunterricht“ auch in andere Schulen zu tragen. Ich war sofort begeistert und begann, Kontakte zu knüpfen. Mittlerweile konnte ich drei weitere Kollegen für die tolle Sache gewinnen, sodass die Aktion bisher in drei hessischen und einer bayerischen Schule anlaufen konnte. Möglich ist dies alles nur dank Ihrer Unterstützung! Deshalb möchte ich an dieser Stelle unbedingt meinen Dank ausdrücken! Ich danke den Spendern von Banknoten, die es durch ihren Einsatz erst ermöglicht haben, den Unterricht auf diese besondere Art und Weise anschaulich zu machen. Außerdem danke ich dem Verlag Battenberg Gietl, der durch die Bereitstellung von Literatur und der Seite „Geldscheine-online“ die Grundlage für eine solche Idee und deren Umsetzung geschaffen hat. Ein ganz besonderer Dank geht an Herrn Grabowski, der sofort mit Feuereifer für die Sache einstand und mit persönlichen Spenden, fachlichem Rat und technischer Unterstützung der Grundpfeiler der Aktion ist! Es sind mittlerweile weitere Ideen entstanden, über deren Entwicklung Sie hier auf dem Laufenden gehalten werden. Sie dürfen gespannt sein. Einen ersten Einsatz haben die Banknoten schon erfahren. Ich habe dazu ein Foto angefügt. Leider im Zuge der Pandemie noch vor leeren Rängen und nur digital, aber trotzdem mit Begeisterung der Schüler zuhause. Ich habe Ihnen versprochen, dass wir bald in Präsenz auch die Originale genau unter die Lupe nehmen werden. Die (bisher) vier Schulen werden Sie, liebe Leser mit weiteren Bildern und Berichten an der Entwicklung teilhaben lassen. Beste Grüße aus Südhessen Timo Kiel Anmerkung der Redaktion Zwischenzeitlich sind weitere Spenden eingegangen, wofür wir uns herzlich bedanken. Den Aufruf zur Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht" mit Danksagung an jeden einzelnen Spender finden Sie unter dem Hauptmenüpunkt "AKTION".
- Von Aphrodite bis Zeus – Götter der Antike auf Banknoten
Mythologie spielte eine große Rolle im Alltagsleben der Menschen in der Antike. Die Welt der Götter war in allen Lebensbereichen präsent. Dabei waren sie den Menschen sehr ähnlich: sie liebten, stritten, betrogen und töteten. Die vielen Geschichten rund um die antiken Götter erklärten den Ursprung der Welt und der Menschheit sowie viele Naturphänomene. Zugleich erzählten sie von Menschen in Extremsituationen. Zum allgemeinen Bildungskanon gehörte die Kenntnis der Götter mit ihren Attributen, die nicht nur ihre Eigenschaften symbolisierten, sondern auch als Erkennungsmerkmale dienten. Das kollektive Wissen um die Götter wurde auf Gegenständen des Alltags weitergegeben, so z.B. auf Abbildungen der Vasenmalerei, Kleinkunst-Skulpturen und nicht zuletzt Münzen. Im öffentlichen Raum waren die Tempel und Kultstätten der sichtbarste Ausdruck der Präsenz der Götterwelt im Leben der Menschen. Seit Einführung des Papiergelds gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich diese antike Tradition fort. Mit der Entstehung eines Bildprogramms auf Banknoten wurde die Darstellung antiker Götter und Mythen ein fester Bestandteil der Ikonographie. Die Figuren der griechischen und römischen Mythologie wurden als Symbol und Sinnbild für die Wirtschaft verwendet. Da die klassische Bildung im 18. und 19. Jahrhundert die Kenntnis der antiken Mythologie umfasste, waren die Götter und ihre Attribute den Menschen präsent. Für die Gestaltung der Banknoten konnten die Notenbanken auf Vorlagen zurückgreifen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts waren Druckwerke entstanden, die alle Stilformen der Antike abbildeten. Diese wurden von den Künstlern gerne mit modernen Elementen kombiniert. So finden sich viele der ursprünglich den Göttern zugehörigen Attribute bei Personifikationen von Städten. Zunächst dienten die Darstellungen antiker Götter auf Banknoten also vor allem als Allegorien. Die Vorlagen basierten auf fiktiven Entwürfen, gefertigt von Graveuren und Stechern. Dies änderte sich gegen Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Götter repräsentierten nun das kulturelle Erbe einer Nation. So fanden jetzt auch berühmte Kunstwerke der Antike als Motive auf Banknoten Verwendung. Im Folgenden wird anhand von Beispielen die Darstellung der antiken Götter auf Banknoten erläutert. Abb. 1: Zypern, Central Bank of Cyprus, 20 Pfund, 1.4.2004, Vorder- und Rückseite. Aphrodite, die griechische Göttin der Schönheit und Liebe, ist auf einer 20-Pfund-Note der Republik Zypern von 2004 (Abb. 1) abgebildet. Hier wurde der Torso der „Aphrodite von Soloi“ aus dem 1. Jahrhundert v.u.Z. als Vorlage ausgewählt. Zypern war in der Antike eines der Hauptzentren der Verehrung der Aphrodite. Der Sage nach ist sie nach ihrer Geburt aus dem Meeresschaum dort an Land gegangen. Im Hintergrund auf der Rückseite ist wahrscheinlich eben diese Bucht im Süden Zyperns dargestellt. Zudem ist das Schiff von Kyrenia zu sehen. Dabei handelt es sich um ein antikes Handelsschiff, das vermutlich 300 v.u.Z. gesunken ist. Das Wrack wurde 1965 im Norden Zyperns entdeckt und ist heute im Schiffswrack-Museum in Kyrenia ausgestellt. Auf der Banknote werden also Kulturdenkmäler aus der seit 1974 in die Republik Zypern im Süden und die Türkische Republik Nordzypern geteilten Insel gezeigt. Athene, bzw. ihr römisches Pendant Minerva, gehört zu den am häufigsten abgebildeten Gottheiten auf Banknoten. Sie ist die Göttin der Weisheit, der Klugheit und der Künste, sowie des Krieges und des Handwerks. Außerdem ist sie die Stadtgottheit Athens. Schon bei ihrer Geburt erschien sie vollbewaffnet mit Helm, Schild und Lanze. Weitere Attribute sind die Eule als Symbol für Weisheit und der Ölbaum, ein Geschenk an die Bürger Athens. Auf Banknoten wurde Athene vor allem als Symbol für Weisheit und Vertrauen eingesetzt. Abb. 2: Paraguay, República del Paraguay, 50 Centavos, 28.1.1916, Vorderseite. Am Beispiel Athene zeigt sich, dass verschiedene Druckereien, so z.B. die American Banknote Company, Klischees für mehrere Auftraggeber verwendeten. So verwundert es zunächst, Athene auf einem Geldschein von Paraguay aus dem Jahr 1916 (Abb. 2) zu sehen. Eine mögliche Erklärung liefert ein Blick auf die Entstehung der Banknote. Die American Banknote Company hatte für eine griechische Note des Jahres 1905 das gleiche Motiv verwendet. Abb. 3: Hongkong, The Hongkong & Shanghai Banking Corporation, 1 Dollar, 1.6.1935, Vorderseite. Ein weiteres Beispiel für ein wanderndes Klischee ist eine Banknote aus Hong Kong von 1935 (Abb. 3). Nach der ausgebenden Bank, der Hongkong & Shanghai Banking Corporation (HSBC), soll es sich um Britannia, die Personifikation Großbritanniens, handeln. Britannia wurde schon in der Antike auf Münzen abgebildet und weist ähnliche Merkmale wie Athene auf. So trägt auch sie den korinthischen Helm, allerdings nicht, wie auf der Banknote zu sehen, mit Sphinx und Pegasus. Abb. 4: Griechenland, Bank of Greece, 5 Drachmen, 10.11.1897, Rückseite. Vermutlich wurde hier ein vorhandenes Klischee falsch zugeordnet. Denn dieses Bildnis der Athene findet sich auch auf einer griechischen Banknote (Abb. 4). Beide Noten wurden von der englischen Druckerei Bradbury, Wilkinson & Co hergestellt. Griechenland definiert sich wie kaum ein anderes Land bis heute über seine antike Vergangenheit. Dementsprechend wurde die Ikonographie der Banknoten von Beginn an stark durch Motive der Antike geprägt. Einen großen Stellenwert nahmen hierbei die griechischen Götter ein. Abb. 5: Griechenland, National Bank of Greece, 500 Drachmen, 1.10.1932, Vorderseite. Das erste Beispiel von 1932 (Abb. 5) zeigt Athene, basierend auf der Skulptur „Athene von Varvakeion“. Abb. 6: Griechenland, Bank of Greece, 5.000 Drachmen, 19.7.1943, Vorderseite. Eine spätere Banknote aus dem Jahr 1943 (Abb. 6) nimmt die Skulptur „Athena Velletri“ zur Vorlage. Abb. 7: Griechenland, Bank of Greece, 100 Drachmen, 8.12.1978, Vorderseite. Schließlich verbindet sich Antike mit Moderne: die Banknote von 1978 (Abb. 7) zeigt die Göttin der Weisheit nach der Statue „Athene von Piräus“ zusammen mit der Universität von Athen. Die Druckprobe eines geplanten 500-Mark-Scheins von 1876 zeigt Minerva. Die römische Schutzgöttin des Handwerks und Gewerbes wurde im Laufe der Zeit Athene gleichgesetzt. Abb. 8: Hessen, Kurhessische Leih- und Commerzbank, 10 Taler, 1.5.1855, Vorderseite. Eine der am häufigsten dargestellten Figuren ist der griechische Gott Hermes bzw. sein römisches Pendant Merkur. Der Gott des Handels und der Reisenden, aber auch der Diebe und Betrüger zählte schon in der Antike zu den beliebtesten Göttern. So setzten sich die Herrscher der Antike gerne mit ihm gleich, wie z.B. Alexander der Große. Hermes verkündete die Botschaften der Götter und begleitete die Verstorbenen in die Unterwelt. Zu seinen Attributen zählen der Petasos, eine geflügelte Kappe, geflügelte Schuhe sowie der Hermesstab, lateinisch Caduceus. Der Hermesstab wird von zwei Schlangen umwunden und an seinem oberen Ende befinden sich zwei Flügel. Er symbolisiert vor allem den Handel, ähnlich wie der Geldbeutel, den Merkur oft in seinen Händen hält. Besonders die Notenbanken der altdeutschen Staaten verwendeten häufig Hermes als Ausdruck ihrer Tätigkeit. So ist er auf der 10-Taler-Note der Kurhessischen Leih- und Commerzbank von 1855 (Abb. 8) als Knabe links zu sehen, erkennbar an den Attributen geflügelter Helm und Hermesstab. Ihm gegenüber ist eine Personifikation der Industrie abgebildet. Die Kurhessische Leih- und Commerzbank, 1721 gegründet, etablierte sich als verläßliches Kredit- und Handelsinstitut und genoß ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Allerdings verstrickte sich die Bank seit Mitte der 1820er Jahre in Spekulationsgeschäfte, die zu hohen Verlusten führten. Zur Deckung ihres Geldbedarfs gab sie seit 1850 eigene Banknoten aus. Erst als die Bank 1859 ihre Noten nicht mehr einlösen konnte, wurden die Ausmaße der zwielichtigen Geschäfte öffentlich bekannt. Abb. 9: Danzig, Danziger Privat-Actien-Bank, 10 Taler, 1.7.1857, Rückseite. Das nächste Beispiel verdeutlicht die Verbindung antiker Figuren mit zeitgenössischen Elementen. Auf der Rückseite der 10-Taler-Note der Danziger Privat-Actien-Bank von 1857 (Abb. 9) verbirgt sich hinter der Personifikation der Stadt Danzig (Bildmitte) etwas verschüchtert ein Hermes-Knabe. Neben der Stadtgöttin befinden sich die Personifikationen der Weichsel (links) und der Ostsee (rechts). Am unteren Bildrand sind weitere Symbole des Handels und der Wirtschaft zu sehen: Hermesstab, Münzen und ein Anker. Mit dieser Darstellung betonte die Bank ihre Bedeutung für die Wirtschaft und den Handel der Stadt Danzig. Abb. 10: Lübeck, Commerz-Bank in Lübeck, 20 Taler, 1.7.1865, Vorderseite. Als Ausdruck des Selbstverständnisses und der Tätigkeitsfelder der ausgebenden Banken findet Hermes auf zahlreichen weiteren Banknoten Verwendung. So erscheint Hermes zusammen mit einer Personifikation der Schifffahrt auf den Noten der Commerz-Bank in Lübeck (Abb. 10). Auf der linken Seite ist Hermes, erkennbar an der geflügelten Kappe und dem Hermesstab, auf der rechten Seite ein junger Mann mit Ruderblatt und Anker abgebildet. Mit diesen Motiven verweist die Commerz-Bank auf ihre Hauptgeschäftsfelder: die Vergabe von Krediten und Versicherungen für Handel und Schifffahrt. Abb. 11: Bayern, Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, 10 Gulden, 1.7.1865, Vorderseite. Auch die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank bediente sich des Hermes zum Ausdruck ihrer Tätigkeit. Der 10-Gulden-Schein von 1865 (Abb. 11) zeigt Hermes als Knaben, der am Rockzipfel einer Frau, der Personifikation der Bank, hängt. Gegenüber ist eine Personifikation der Landwirtschaft zu sehen. Damit betont die Bank ihren Gründungszweck: die Förderung der Landwirtschaft durch Vergabe von Krediten und Hypotheken. Abb. 12: Sachsen, Sächsische Bank zu Dresden, 10 Taler, 15.1.1866, Vorderseite. Ein recht verschmitzter Hermes mit Geldbündel in der Hand ist auf der 10-Taler-Note der Sächsischen Bank von 1866 (Abb. 12) zu sehen. Auf der linken Seite ist eine Personifikation der Bank abgebildet. Dieses Motiv wurde auf den folgenden Ausgaben der Sächsischen Bank im Kaiserreich fortgeführt, die zusammen mit drei anderen Notenbanken noch bis 1935 neben der Reichsbank Noten ausgeben durfte. Abb. 13: Deutsches Reich, Reichsbank, 50 Reichsmark, 30.3.1933, Rückseite. Auf den Noten der Reichsbank selbst wurde in der Regel auf antike Figuren verzichtet. Ausnahmen bilden z.B. ein 1000-Mark-Schein von 1876, der auf der Rückseite einen Hermes-Knaben mit Füllhorn zeigt sowie ein 50-Reichsmark-Schein von 1933 (Abb. 13) mit Brustbild des Hermes auf der Rückseite. Abb. 14: Argentinien, El Banco de la Provincia de Buenos Ayres, 10 Centesimos Fuertes, 1.1.1869, Vorderseite. Darstellungen von Hermes finden sich nicht nur auf den Banknoten altdeutscher Staaten. So ist er auf einer argentinischen Banknote von 1869 (Abb. 14) zu sehen. Ob Hermes und seine Eigenschaften der Bevölkerung bekannt waren, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Eine mögliche Erklärung für die Auswahl des Motivs liegt bei der herstellenden Druckerei, der American Banknote Company. In den Vereinigten Staaten erfolgte seit dem 18. Jahrhundert eine vielseitige Rezeption der Antike. Diese schlug sich vor allem in Politik und Architektur nieder, aber auch auf Banknoten erscheinen vereinzelt antike Figuren. Das selbe Motiv findet sich auf einer griechischen Banknote von 1889, ebenfalls gedruckt von der American Banknote Company. So fand Hermes als wanderndes Klischee Verwendung auf Banknoten dieser Druckerei. Abb. 15: Bolivien, El Banco de la Nacion Boliviana, 1 Boliviano, 11.5.1911, Vorderseite. Bolivien bietet ein besonderes Beispiel für die Verbindung der Antike mit der Moderne. Auf der Banknote aus dem Jahr 1911 (Abb. 15) sitzt ein nackter Hermes auf einem Elektro-Motorblock. Erkennbar ist Hermes an seinen Attributen, der geflügelten Kappe, den geflügelten Schuhen sowie dem Hermesstab. Die Bedeutung dieser allegorischen Darstellung lässt sich aus der Geschichte Boliviens ableiten. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1825 befand sich der junge Staat in einer permanenten politischen Krisen-Situation. Erst seit den 1880er Jahren begann eine Phase der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der Zinnabbau, in den folgenden Jahrzehnten wurde der Rohstoff zum wichtigsten Exportgut Boliviens. In diesem Zusammenhang erklärt sich die Wahl des Motivs: Hermes als Schutzgott des Handels sichert den erfolgreichen Export des Zinns. Der Elektromotor kann dabei als Symbol für den Aufbruch in die Industrialisierung gedeutet werden. Die Wasserfälle im Hintergrund verweisen auf die enorme Bedeutung der Wasserversorgung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Abb. 16: China, The Mercantile Bank of India Limited, 1 Dollar, 1.7.1924, Rückseite. Auch im asiatischen Raum finden sich vereinzelt Geldscheine, die Hermes zeigen. So ist er auf der Rückseite einer 1-Dollar-Note von 1924 (Abb. 16) zu sehen. Diese Note wurde von der Mercantile Bank of India in Shanghai ausgegeben. Als Auslandsbank hatte die Mercantile Bank of India das Recht, Banknoten in bestimmten Gebieten auszugeben. Die Ausgabe der Noten diente vor allem der Finanzierung des Handels zwischen Asien, Europa und Amerika. Somit erklärt sich die Wahl des Motivs mit Hermes als Schutzgott des Handels. Abb. 17: Curaçao, 1 Gulden, 1942, Vorderseite. Das letzte Beispiel für den Gott Hermes führt nach Curaçao, ins Jahr 1942 (Abb. 17). Hermes wird als athletischer junger Mann dargestellt, der ausgestattet mit geflügelter Kappe, Flügelschuhen und Hermesstab vor einem Frachthafen posiert. Die Wahl dieses Motivs erklärt sich mit der Geschichte der ehemals niederländischen Kolonie Curaçao. Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich auf Aruba und Curaçao die weltweit größten Erdölraffinerien. Um die Versorgung der Alliierten zu stören, griffen italienische und deutsche U-Boote im Frühjahr 1942 Aruba und Curaçao an. Bei dem Angriff wurden sechs Öltanker zerstört. Zum Schutz vor weiteren Angriffen entsandte die US-Regierung Militär auf die Karibikinseln. Eben zu dieser Zeit wurde der beschriebene Geldschein von der niederländischen Regierung ausgegeben, gedruckt von der American Banknote Company. Somit könnte Hermes hier als Personifikation der Vereinigten Staaten gedeutet werden, die als starker Partner die Erdölversorgung sichern. Abb. 18: Griechenland, Bank of Greece, 1000 Drachmen, 1.11.1970, Vorderseite. Zahlreiche weitere Vertreter des Olymps finden sich auf griechischen Banknoten. Der oberste Herrscher der griechischen Götterwelt, Zeus, ist auf einer 1000-Drachmen-Note von 1970 (Abb. 18) abgebildet. Daneben in der Bildmitte ist das Theater von Epidauros in Griechenland zu sehen. Die Darstellung basiert auf der Statue „Poseidon oder Zeus vom Kap Artemision“. Ob es sich bei der griechischen Bronzestatue aus dem 5. Jahrhundert v.u.Z. wirklich um Zeus handelt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Da das Wurfgerät fehlt, kann die Figur entweder Zeus (Blitz) oder Poseidon (Dreizack) darstellen. Der Göttervater Zeus ist neben dem Blitz an seinen Attributen Zepter und Adler erkennbar. Abb. 19: Syrien, Central Bank of Syria, 500 Syrische Pfund, 1992, Vorderseite. Neben der klassischen griechisch-römischen Götterwelt zeigen Banknoten auch Figuren der altsyrischen Mythologie. Auf einer syrischen 500-Pfund-Note von 1992 (Abb. 19) ist in der Mitte die Göttin Anat abgebildet. An ihrer Brust trinken zwei Jünglinge. Rechts ist die Büste eines Prinzen zu sehen. Die Darstellung der Göttin beruht auf einem Elfenbeinpaneel, das zu einem im Königspalast von Ugarit gefundenen Bett gehört. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert v.u.Z. Anat ist die Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe, des Krieges und Herrin der wilden Tiere. Mit der Liebe schafft sie neues Leben, durch den Krieg vernichtet sie es wieder. Damit werden in ihrer Göttergestalt Leben, Liebe und Tod vereint. Sie gehört zu den wichtigsten Göttergestalten der altsyrischen Mythologie. Ihre Attribute sind Hörner, Flügel und Sonnenscheibe, ähnlich der ägyptischen Gottheit Hathor. Abb. 20: Syrien, Central Bank of Syria, 50 Syrische Pfund, 1991, Vorderseite. Das letzte Beispiel (Abb. 20) zeigt eine weitere gelungene Verbindung von Antike mit Moderne. Neben dem Staudamm ist eine wassersprudelnde Gottheit aus Mari abgebildet. Die Skulptur der Gottheit stammt aus dem 18. Jahrhundert v.u.Z. Mari war ein mesopotamischer Stadtstaat und bedeutendes kulturelles Zentrum Vorderasiens. Die über 1 ½ Meter große Skulptur verfügt im Innern über eine Bohrung, durch die Wasser geleitet werden kann. Das Wasser sprudelt dann aus dem Gefäß hervor, welches die Göttin in der Hand trägt. Mit dieser Banknote wird die Bedeutung des Wassers für die Entwicklung einer Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart betont. Götter der Antike auf Banknoten – dies ist und bleibt ein spannendes Thema. Es beleuchtet nicht nur die Welt der antiken Mythologie, sondern wirft einen spannenden Blick auf den Zeitgeist im 19. und 20. Jahrhundert. Zugleich führt es den Betrachter zu den Wurzeln einer Nation. Geschichte und Kultur eines Landes werden auf den Banknoten wieder lebendig. Spannend bleibt die Frage, wie in Zukunft das Erbe der Antike auf Banknoten präsentiert werden wird. Katharina Depner Abbildungsnachweis: Abb. 1–20: HVB Stiftung Geldscheinsammlung München Abb. 1, 5, 10, 18: Fotos: Nicolai Kästner, Staatliche Münzsammlung München
- Zeugnisse der Geschichte: Überdruckprovisorium zu 500 Milliarden auf 5000 Mark vom 15. März 1923
Land / Epoche: Deutsches Reich / "Weimarer Republik" Emittent: Deutsche Reichsbank Katalogisierung: Gra. DEU-146b / SCWPM GER-124 Nennwert / Währung: 500 Milliarden Mark Datierung / Gültigkeit: 15. März 1923 / Oktober 1923 bis 5. Juli 1925 Nicht ausgegebene Reichsbanknote zu 5000 Mark vom 15. März 1923, hergestellt in der Reichsdruckerei in Berlin, Vorder- und Rückseite. Ikonografie: Überdruckprovisorium auf einer nicht ausgegebenen Reichsbanknote zu 5000 Mark vom 15. März 1923. Vorderseite: Männliches Porträt nach dem Gemälde "Mann mit Kind" von Barthel Beham aus dem Jahr 1527. Zwei schwarze Reichsbanksiegel. Im Schaufeld links Ornament mit "RBD" für Reichsbankdirektorium und Wertangabe. Rückseite: Guilloche mit Wertzahl und Straftext im Oval, darüber und darunter "Reichsbanknote / Fünftausend Mark". Wertzahlen in den vier Ecken des Unterdruckmusters. Herstellung: Druck: Firmenzeichen G = Carl Flemming & C. T. Wiskott AG, Glogau (Schlesien) Papier: Links blau eingefärbt, mit Wilcox-Fasereinlagen Format: 145 mm x 90 mm Wasserzeichen: Wertzahl "5000" im senkrechten Spiralband Historischer Kontext: Bereits am Ende des Ersten Weltkriegs hatte die Mark die Hälfte ihrer Kaufkraft verloren gehabt. Mit dem Versailler Friedensvertrag hatten die Alliierten Deutschland und seinen Verbündeten die Alleinschuld am Ausbruch des Weltkriegs zugewiesen, was ihnen als Grundlage für immense Reparationsforderungen diente. Zwar wurde 1919 noch keine konkrete Summe genannt, doch bis zum 30. April 1921 war ein erster Abschlag in Höhe von 20 Milliarden Goldmark in bar und in Waren zu zahlen. Am 29. Januar 1921 legte schließlich der Oberste Rat der Alliierten im „Pariser Beschluss“ die Gesamthöhe der Wiedergutmachung auf 226 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten fest. Darüber hinaus hatte Deutschland noch 12% des Wertes seiner sämtlichen Ausfuhren an die Alliierten zu leisten. Die letzten Raten zahlte die Bundesrepublik Deutschland übrigens im Oktober 2010. Der Regierung der jungen "Weimarer Republik" blieb aufgrund dramatischen Devisenmangels nichts anderes übrig als der Versuch, die Reparationsforderungen durch Verhandlungen abzuschwächen, was sich direkt auf den Devisenkurs auswirkte. Bereits im Juni 1922 hatte Reichskanzler Wirth die Geldzahlungen an die Reparations-kommission mit dem Hinweis auf den Kursverlust der Mark und den inflationären Anstieg der Inlandspreise ausgesetzt. Auch die neue Regierung Cuno blieb bei diesem Kurs und konnte Sachreparationen aufgrund der enormen Belastungen für die deutsche Wirtschaft nur verzögert oder in geringeren Mengen leisten. Die Alliierten des Ersten Weltkriegs, allen voran Frankreich, wollten jedoch keinesfalls auf die geforderten Reparationsleistungen verzichten, zumal damit auch die französischen Kriegsschulden bei den Vereinigten Staaten von Amerika bezahlt werden sollten. Als am 11. Januar 1923 der französische Ministerpräsident seine Drohung wahr machte und eine französisch-belgische Armee in das Ruhrgebiet einmarschierte, um „produktive Pfänder“ zu nehmen, brach Panikstimmung aus und die deutsche Währung stürzte ab. Der Dollar-Kurs, der am 2. Januar 1923 noch bei 7260 Mark stand, erreichte noch am Tag der Besetzung den Wert von 10.450 Mark und kletterte bis zum 31. Januar auf 49.000 Mark. Weil die Herstellung und Ausgabe regulärer Reichsbanknoten eine lange Vorlaufzeit in Anspruch nahm, wären die mit Datum vom 15. März 1923 von der Reichsdruckerei hergestellten Noten zu 5000 Mark schon am Tag ihrer Ausgabe praktisch wertlos gewesen. Die Reichsbank verzichtete deshalb auf ihre Ausgabe und lagerte die Bestände ein. Überdruckprovisorium vom Oktober 1923 zu 500 Milliarden Mark, im Auftrag der Reichsbank hergestellter Firmendruck mit Überdruck des neuen Nennwertes, Vorder- und Rückseite. Mitte April 1923 gelang es der Reichsbank zwar durch den Einsatz des Goldes, das für die Reparationsleistungen vorgesehen war, den Dollar-Kurs stabil bei 21.000 bis 22.000 Mark zu halten, als der Dollar-Kurs am 14. Juni 1923 aber die 100.000-Mark-Marke überschritten hatte, gab die Reichsbank nach einem letzten Akt der Verzweiflung schließlich Ende Juni 1923 jeden Widerstand auf. Am 30. Juli 1923 wurde der US-Dollar schon mit 1,1 Millionen Mark gehandelt. Nur eine Woche später stand der Wechselkurs am 7. August bei 3,3 Millionen Mark. Die Reichsbank war trotz der Ausgabe immer höherer Werte von Reichsbanknoten nicht mehr in der Lage, mit der Inflation Schritt zu halten. Am 9. Oktober 1923 lag der Dollar-Kurs schon bei 1,12 Milliarden Mark und die deutsche Währung befand sich im freien Fall. Jetzt ließ die Reichsbank die nicht ausgegebenen 5000-Mark-Scheine provisorisch mit einem neuen Nennwert zu 500 Milliarden Mark überdrucken. Außerdem beauftragte sie die private Druckerei Flemming & Wiskott im schlesischen Glogau mit dem Nachdruck von 5000-Mark-Scheinen mittels angelieferter Original-Druckplatten und mit dem anschließenden Überdruck zu 500 Milliarden Mark, um die Auflage erhöhen zu können. Nur fünf Wochen später kostete der US-Dollar am 14. November 1923 aber schon 1,26 Billionen Mark! Da die Reichsbank bei dem rasanten Wertverfall der Papiermark nicht mehr in der Lage war, den Bedarf an Zahlungsmitteln zu decken, obwohl in der Hochinflation 1923 insgesamt 133 Druckereien und 30 Papierfabriken in ihrem Auftrag arbeiteten, die zusammen über 10,1 Milliarden Reichsbanknoten im Gesamtwert von 3877 Trillionen Mark herstellten – das entsprach einer Ladung von 1700 Eisenbahnwaggons, gab es in dieser Zeit auch eine wahre Flut von amtlichem und privatem Notgeld. Ende 1923 versuchte man, die Inflation durch sog. wertbeständiges Notgeld zu bremsen, und mit Einführung der Rentenmark, die auf einem Kurs von 1 Dollar / Rentenmark / Goldmark = 4,2 Billionen Mark basierte, kam schließlich das Ende der Inflation. Interpretation: Die von Frankreich an Deutschland zu leistenden Kriegsreparationen nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 beliefen sich auf 5 Milliarden Goldmark. Dieses Geld trug nach der Reichsgründung von 1871 nicht unwesentlich zum Aufschwung der deutschen Wirtschaft bei. Die unvergleichlich höheren Forderungen der Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg, die auf Verhandlungen basierten, bei denen Deutschland kein Mitspracherecht hatte, und auf einem Vertrag, der nur unter Androhung von Strafmaßnahmen wie der vollständigen Besetzung Deutschlands und der Einbehaltung aller deutschen Kriegsgefangenen und unter Protest der deutschen Seite zum Abschluss kam und deshalb auch von den meisten Deutschen als Diktat und Schmach empfunden wurde, beliefen sich am Ende auf 226 Milliarden Goldmark zuzüglich enormer Warenlieferungen und territoriale Verluste. Als Deutschland mit der Lieferung von Kohlen in Verzug kam, besetzten französische und belgische Truppen schließlich das Rheinland und das Ruhrgebiet. Unter der Last der Reparationen brach die deutsche Währung zusammen und der ungerechte "Frieden" von Versailles ebnete mit all seinen Folgen den Weg für radikale Strömungen von Links und Rechts und damit auch für die sog. "Machtergreifung" der Nationalsozialisten. In den Wahlkämpfen der "Weimarer Republik" hatten diese sogar das wertlos gewordene Papiergeld der deutschen Inflation genutzt, um es mit Propaganda-Aufdrucken und antisemitischen Parolen zu versehen, mit denen Juden als Gewinner von Krieg und Inflation diffamiert wurden. Ideen für den Unterricht: An dieser Stelle wollen wir einige Anregungen und Ideen für die Thematik im Unterricht anbieten. Diese können gern erprobt werden. Das Thema Inflation ist eingebettet in die Themenkomplex „Gefahren für die Weimarer Republik“. In den vorhergehenden Stunden sollte das Ende des Ersten Weltkriegs und der Versailler Vertrag abgeschlossen worden sein und der Begriff „Reparationen“ bekannt sein. Um den Schülern die Geschichte „begreifbar“ zu machen, bietet sich der Einsatz von originalen Banknoten der Inflation an. Mäßig erhaltene Stücke bekommt man schon für Cent-Beträge bei Antiquitäten- oder Münzhändlern sowie auf Flohmärkten. Im Mittelpunkt der Stunde sollte stehen, ein Gefühl für die Menschen der damaligen Zeit zu entwickeln. Welche Sorgen und Probleme waren an der Tagesordnung? Wie stand es um die Versorgung der Menschen? Welche Folgen hatte die Inflation für das Lebensgefühl und die politische Orientierung der Deutschen zu dieser Zeit? Die Stunde zur Inflation bietet eine gute Möglichkeit, die spätere Politikverdrossenheit der Bevölkerung und die Hinwendung zu Kunst, Kultur und Musik zu verdeutlichen, die als die „Goldenen Zwanziger“ zu einem eigenen Epochenbegriff wurde. Man könnte die Stunde mit der unkommentierten Präsentation der originalen und überdruckten Banknote zu 5000 Mark beginnen. Lassen Sie die Schüler Vermutungen äußern. In Geschichtsbüchern und im Internet findet sich eine Vielzahl von Fotos aus dem Jahr 1923, die Personen mit großen Mengen Geld zeigen. Nutzen Sie hier die Nähe der jungen Menschen zum Medium „Comic“. Die Schüler können die Abbildungen mit Sprechblasen ausstatten und so einen Perspektiv-Wechsel erleben. Ähnliche Ergebnisse lassen sich in einem kurzen szenischen Spiel erreichen. Vorstellbar ist hier ein Gespräch zweier Bürger, die in einer Warteschlange versuchen, ihren Tageslohn in Sachwerte umzusetzen. Fasziniert sind Schüler immer wieder, wenn sie echte Inflationsnoten anfassen dürfen. Lassen Sie diese Geldscheine auf die Schüler wirken und diese Fragen äußern. Ihnen wird auffallen, dass das Papier häufig recht dünn und oft nur einseitig bedruckt ist. Lassen Sie Ihre Schüler spekulieren. Sie werden sicher selbst darauf kommen, dass bei dem rasanten Wertverfall oft nicht genug Zeit bestand, aufwendig beidseitig zu drucken. Ab einem bestimmten Zeitpunkt der Inflation überstieg auch der Wert der benutzten Farbe den eigentlichen Nennwert der Banknote. Sofern das möglich ist, bietet sich zur Inflation ein fächerübergreifender Exkurs zur Mathematik an. Lassen Sie ihre Schüler mit den hohen Zahlen jonglieren. Wie viele Nullen hat der Tagesverdienst eines einfachen Arbeiters? Wieviel Geld blieb nach der Währungsreform von einem lebenslang geführten Sparkonto übrig? Weiterführend kann eine selbstständige Internet-Recherche der Schüler eingebaut werden. Es gibt eine Vielzahl von Zeitzeugen-Berichten und Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahr 1923, die sehr schön die Stimmung der Zeit verdeutlichen. Ein Plakat mit Zeitstrahl des Jahres, kombiniert mit Fotos und Preistabellen der Zeit könnte hier als ein mögliches Ergebnis entstehen. In diesen Stunden wird ein wichtiger Grundstein für das Verständnis des Scheiterns der ersten deutschen Demokratie 1933 gelegt. Arbeitsmaterial Hier finden Sie mehr Arbeitsmaterialien zum Thema (Abbildungen, Arbeitsblatt, PDF) Hans-Ludwig Grabowski / Timo Kiel Anmerkung der Redaktion: Die sehr erfolgreich gestartete Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht" gab Veranlassung für den Start einer neuen Serie von Fachbeiträgen zu Geldscheinen als "Zeugnissen der Geschichte" inkl. Ideen zu deren möglicher Verwendung in Schulen. Im Laufe der Zeit soll damit eine ganze Sammlung von Beispielen aus verschiedenen Epochen, zu verschiedenen historischen Ereignissen und zu den verschiedenen Arten von Geldscheinen – von Banknoten und Staatspapiergeld über Kolonial- und Besatzungsausgaben, bis hin zu Not- und Lagergeld – entstehen, mit deren Hilfe Geschichte "begreifbar" gemacht werden kann. Eine Reihe, die aber nicht nur für Lehrer und Schüler von Interesse sein dürfte, sondern auch für alle Sammler, die mehr über Geldscheine in ihren historischen Zusammenhängen erfahren wollen. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Format: 17 x 24 cm 928 Seiten, komplett farbig bebildert Hardcover, 22. Auflage 2020/21 ISBN: 978-3-86646-183-3 Preis: 39,90 EUR











