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- Lexikon: Auksinas
Die von der Darlehnskasse Ost im litauischen Kowno (Kauen) während des Ersten Weltkriegs (mit Datum vom 4. April 1918) ausgegebenen Mark-Scheine (1/2, 1, 2, 5, 20, 50, 100 und 1000 Mark), zirkulierten in den von der deutschen Armee besetzten Westgebieten Russlands (Gebiet des Oberbefehlshabers Ost, auch Oberost). Nach Kriegsende blieben diese Scheine Zahlungsmittel der selbständig gewordenen baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. In Litauen nannte man die Mark-Scheine Auksinas, die Pfennig-Scheine (1/2 Mark) Skatikas (Auksinas waren litauische Goldmünzen des 16. Jahrhunderts und Skatinas litauische Silbermünzen des 14. Jahrhunderts). Albert Pick (Überarbeitung: Hans-Ludwig Grabowski) Abb. Hans-Ludwig Grabowski #Lexikon #Notgeld #Europa #Russland #Litauen #Lettland #Estland #Mark #Pick
- Lexikon: Assegni Circolare (Mini-Assegni)
(Einzahl: Assegno Circolare), Eigenschecks italienischer Banken mit einer eingedruckten (vereinzelt auch gestempelten oder handschriftlichen) Wertangabe, die als Ersatz für fehlende Zahlungsmittel 1944/1945, 1966 und 1975 bis 1978 in Umlauf gebracht wurden und als Notgeld angesehen werden können. Ähnlich auch die Assegni Bancari und wechselähnliche Bankscheine, die alle unter der Bezeichnung Mini-Assegni bekannt wurden. Unter Mini-Assegni versteht man kleinformatige italienische Assegni Circolare, die ab Ende 1975 wegen der in Italien bestehenden Münzknappheit von den Banken (hauptsächlich in den Werten 50, 100, 150 und 200 Lire) bereitgestellt wurden und als Notgeld längere Zeit in Umlauf waren. Albert Pick (Überarbeitung: Hans-Ludwig Grabowski) Abb. Hans-Ludwig Grabowski #Lexikon #Notgeld #Europa #Italien #Lire #Pick
- Lexikon: Anticipations-Scheine
Österreichisches Papiergeld von 1813. Durch die in großen Mengen ausgegebenen Bancozettel des Wiener Stadt-Banco kam es 1811 zum Staatsbankrott. Die Einlösungs-Scheine lösten die Bancozettel ab. Da der Staat sich verpflichtet hatte, die Einlösungs-Scheine nicht zu vermehren, für die Kriegsfortführung jedoch weitere Geldsummen benötigt wurden, gab man 1813 die sogenannten Anticipations-Scheine (Vorwegnahme-Scheine; gemeint war die Vorwegnahme künftiger Steuern) aus. Die Scheine, die von der Privilegierten vereinigten Einlösungs- und Tilgungs-Deputation ausgegeben wurden, zirkulierten in den Werten 2, 5, 10 und 20 Gulden und waren einseitig auf weißem Papier gedruckt. Bei den auf blauem Papier vorkommenden Drucken handelt es sich um sog. Formulare. Albert Pick (Überarbeitung: Hans-Ludwig Grabowski) Abb. Hans-Ludwig Grabowski, KPM #Lexikon #Weltbanknoten #Europa #Österreich #Gulden #Pick
- Lexikon: Dr. Robert Havenstein (1857–1923)
Dr. Rudolf Havenstein (geb. 10. März 1857 in Meseritz/Pr. Posen, gest. 20. November 1923 in Berlin) war von 1900 bis 1908 Präsident der Seehandlung (Preußische Staatsbank) und von 1908 bis 1923 Präsident der Deutschen Reichsbank. Seine Unterschrift findet man deshalb auf den deutschen Reichsbanknoten von 1908 bis 1923. In seiner Amtszeit führte er zu Beginn des Ersten Weltkriegs die Darlehnskassenscheine ein und er war maßgeblich an der Ausgabe von Kriegsanleihen beteiligt. Er starb auf dem Höhepunkt der Hyper-Inflation. Albert Pick (Überarbeitung: Hans-Ludwig Grabowski) Abbildung: Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv #Lexikon #Personen #Europa #Deutschland #Grabowski
- Lexikon: Georg Pflümer (1845–1927)
Bekannter Papiergeldsammler, lebte in Hameln, wo er zunächst Briefmarken, Münzen, Bücher und Landkarten sammelte. Durch seine zahlreichen Geschäftsreisen angeregt, begann er mit dem Sammeln von Papiergeld. Seine Sammlung an Scheinen der altdeutschen Staaten war die umfangreichste, die je aufgebaut wurde (423 Scheine und 166 Proben, Entwürfe usw.). Es existiert ein Verzeichnis seiner Sammlung (über 10.000 Scheine), das nach einem Manuskript von ihm später von dritter Seite angefertigt wurde und daher zahlreiche Fehler enthält. Pflümer wollte sich in seinem Ruhestand ganz seiner Sammlung widmen, doch ein Augenleiden hinderte ihn daran. Er versuchte lange Zeit vergeblich, seine Sammlung an ein deutsches Museum zu verkaufen. 1926 fand er einen Käufer in England, den Marquess of Bute, der die Sammlung weiter ausbaute. Nach dem Tode des neuen Besitzers kaufte die Sammlung Spink & Son, London. Die altdeutschen Scheine wurden 1977 in Düsseldorf versteigert, so dass der größte Teil dieser einmaligen Spezialsammlung in den Besitz deutscher Museen und Sammler gelangte. Albert Pick (Überarbeitung: Hans-Ludwig Grabowski) Abbildung: Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv #Lexikon #Personen #Europa #Deutschland #Pick
- Lexikon: Bluebacks
Bezeichnung für die während des Amerikanischen Bürgerkriegs (auch Sezessionskrieg, 1861 – 1865) ausgegebenen Geldscheine der Konföderierten Staaten von Amerika (Südstaaten) wegen ihrer blauen statt der in den USA üblichen grünen (Greenbacks) Rückseiten. Konföderierte Staaten von Amerika, CSA-61b: 20 Dollars vom 6. April 1863 der 6. Ausgabe mit blauer Rückseite (Blueback), Vorder- und Rückseite. Es hatten jedoch nicht alle Geldscheine der Konföderation blaue Rückseiten, es gab auch solche mit grünen Rückseiten und auch einseitige Drucke. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski Abb. www.colnect.com
- Leserpost: Serienscheine oder Verkehrsausgaben?
Sehr geehrter Herr Grabowski, bei einer Durchsicht meiner Geldschein-Sammlung fielen mir die Scheine der Stadt Bad Nauheim auf. Diese werden in Ihrem Katalog zu den deutschen Serienscheinen (unter der Nr. 925.1 + 2) und auch im Serienschein-Katalog von Herrn Kai Lindman (Werner Kieselbach (unter der Nr. 900) als Serienscheine aufgeführt. Bad Nauheim, Stadt (Gra. 925.1a4): Gutschein über 50 Pfennig vom 1. Juni 1917 (1920), Vorder- und Rückseite. Im Katalog der Verkehrsausgaben von Herrn Tieste werden aber genau diese Scheine unter der Katalog-Nr. 4765.05.01 + 05 als Kleingeld/Verkehrsausgaben aufgeführt und beschrieben. Wer hat denn nun Recht? Handelt es sich bei dieser Ausgabe um Serienscheine oder um Kleingeld/Verkehrsausgaben? Für eine kurze Rückäußerung wäre ich Ihnen dankbar. Hans-Werner Donath Antwort der Redaktion: Es ist bekannt, dass es Überschneidungen zwischen Verkehrsausgaben und Serienscheinen gibt. Die Trennlinie ist nicht immer klar zu ziehen. Es gibt also tatsächlich auch Serienscheine, die als Zahlungsmittel genutzt wurden, was im Umlauf gebrauchte und stark gebrauchte Stücke belegen. Ausgehend vom Datum 1. Juni 1917 der Bad Nauheimer Ausgaben sowie von deren zeittypischer Gestaltung (C. Naumann's Druckerei, Frankfurt a. Main) handelt es sich um Verkehrsausgaben. Die Scheine wurden aber nicht 1917, sondern erst 1920 ausgegeben. Sie waren also nicht zum ursprünglich vorgesehenen Zweck in Umlauf, sondern wurden erst drei Jahre später an Sammler abgegeben, was sie dann schon wieder zu „Serienscheinen“ macht. Also haben beide recht, man kann sie von der Datierung her zu den Verkehrsausgaben rechnen, aber auch von ihrer Verwendung her zu den Serienscheinen. Hans-Ludwig Grabowski #Leserpost #Notgeld #Serienscheine #Europa #Deutschland #Mark #Grabowski
- Bangladesch: Neue Gedenkbanknoten
Am 26. März 2021 gab die Bangladesh Bank zum Goldenen Jubiläum der Unabhängigkeit Bangladeschs zwei neue 50-Taka-Gedenkbanknoten sowie Silber-Gedenkmünzen zum selben Nominal aus. Die beiden Gedenkbanknoten unterscheiden sich unter anderem in der Farbgebung: Während die erste Note dieselben Farben wie die Umlaufnoten hat, weicht die zweite vom bekannten Farbschema ab und wurde auch in einem Folder zum Verkauf angeboten. Die Vorderseiten beider Gedenkbanknoten entsprechen der Gestaltung der im Umlauf befindlichen 50-Taka-Banknoten mit dem Porträt des ersten Premierministers der Volksrepublik Bangladesch Mujibur Rahman, sind jedoch um ein Logo des Ausgabeanlasses mit dem Nationalen Märtyrerdenkmal in Sabhar erweitert. Auch die Rückseite der ersten Gedenkbanknote ist wie die Umlaufnote gestaltet. Bei der zweiten, farblich abweichenden Gedenknote, sind auf der Rückseite Unabhängkeitskämpfer dargestellt und die Legende weist auf das Jubiläum hin; auch ist dieser Schein als "commemorative note" tituliert. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Neue Funktionen im Blog!
Liebe Leser, wir haben die vergangenen Wochen genutzt, um den Blog umfangreich zu modernisieren. So erhielt Geldscheine-Online nicht nur eine grafische Überarbeitung, sondern auch mehr Funktionalität, die Ihnen hilft schnell und gezielt Beiträge zu finden, die Sie interessieren. START Auf der Startseite finden Sie die sechs neuesten Blogbeiträge sowie sechs empfohlene Fachartikel, Werbung und Links. Zum gesamten Geldschein-Blog gelangen Sie entweder über den Hauptmenüpunkt "BLOG" oder über den Button "ALLE BEITRÄGE" über den ausgewählten Beiträgen. BLOG Das Blogmenü wurde auf feste Kategorien reduziert, die wie Zeitschriften-Rubriken angelegt sind. Hier finden Sie NACHRICHTEN (Aktuelle Nachrichten zu Weltbanknoten und deren Varianten) ARTIKEL (Fachartikel zu deutschen und Weltbanknoten, zu Notgeld und vielem mehr) HANDEL (Beiträge zum Fachhandel und zu Auktionen) VERANSTALTUNGEN (Meldungen und Berichte zu Börsen, Messen usw.) LITERATUR (Buchvorstellungen für Geldscheinsammler) LEXIKON (neue bearbeitet und illustrierte Begriffe aus dem Papiergeld-Lexikon) SAMMLUNGEN (hier werden Scheine aus verschiedenen Sammlungen vorgestellt) LESERPOST (Leserfragen und Anmerkungen sowie Antworten der Online-Redaktion) ALLGEMEIN (allgemeine Posts zum Blog) Über das Lupen-Symbol ganz rechts im Blog-Menü kann man übrigens den gesamten Blog in Volltextsuche nach Begriffen durchforsten. Schlagwörter Mit großem Aufwand wurden alle bereits erschienenen Blogbeiträge nachträglich verschlagwortet. Über die Schlagwörter kann man schnell alle Beiträge zu einem Begriff aufrufen. Die Schlagwort-Auswahl findet man hier: https://www.geldscheine-online.com/tags Klicken Sie einfach auf den Button "SCHLAGWÖRTER" rechts über dem Blog-Menü. Auf der Schlagwort-Auswahlseite finden Sie eine Übersicht aller vergebenen Schlagwörter (Tags) mit der Anzahl der dazugehörigen Artikel. Es wurden Schlagwörter zu folgenden Kategorien vergeben: Geografische Angaben (Erdteile und betreffende Länder) Währungsangaben (Währungsbezeichnungen) Geldarten (Banknoten, Besatzungsausgaben, Notgeld, Lagergeld usw.) Rund ums Geld (Wertpapiere, Schecks, Spendenbelege usw.) Herstellung (Entwürfe, Muster, Druckproben, Fehldrucke usw.) Motive (Porträts, Bauwerke, Landschaften, Tierwelt usw.) Autoren (Namen der Autoren) Geschichtliche Angaben (Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg usw.) Ein Klick auf ein Schlagwort führt Sie zur Blog-Anzeige aller Beiträge, die mit diesem Schlagwort versehen wurden. Am Ende jedes Blogbeitrags finden Sie jetzt übrigen auch noch einmal eine Aufstellung der vergebenen Schlagwörter in Form von Buttons, über die Sie direkt zu verwandten Themen gelangen können. Blogarchiv Rechts neben der Schlagwort-Wolke finden Sie außerdem ein nach Erscheinungsmonaten gegliedertes Blog-Archiv. TEAM Damit Sie wissen, wer für Sie jede Woche neue Beiträge schreibt finden Sie über den neuen Hauptmenüpunkt "TEAM" eine Übersicht zu den Mitgliedern der Online-Redaktion sowie zu den wichtigsten Autoren des Blogs. https://www.geldscheine-online.com/team Über die Button „Fachartikel“ unter den Bildern kann man alle Fachbeiträge des/der jeweiligen Autors/Autorin aufrufen. Angezeigt werden alle Post der Kategorien ARTIKEL SAMMLUNGEN ARCHIV Über den Hauptmenüpunkt "ARCHIV" gelangen Sie in unser neues Newsletter-Archiv. Hier sind alle bisher erschienenen Geldschein-Newsletter mit Themen aufgeführt und natürlich auswählbar. Sie können also auch alle älteren Newsletter lesen, sollten Sie sich erst später angemeldet haben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit den neuen Möglichkeiten unseres Geldschein-Blogs, in dem Sie nun noch viel schneller alle Themen finden können, für die Sie sich interessieren- Hans-Ludwig Grabowski
- Die International Banking Corporation in China
1901 taten sich Marcellus Hartley, ein Geschäftsmann und Inverstor in Connecticut, Thomas H. Hubbard, ein Anwalt und Geschäftsmann sowie einige weitere Unternehmer zusammen und bereiteten die Organisation der „International Banking Corporation“ vor. Diese Interessen-gruppe hatte es sich zum Ziel gesetzt, den Handel mit Ostasien zu fördern. 1882 war der Spanisch-Amerikanische Krieg zugunsten der USA ausgegangen, die Philippinen waren in den Besitz der USA gelangt. Man wollte die neu erworbenen Gebiete als Basis für die Märkte in Ostasien nutzen. Die International Banking Corporation (im Folgenden IBC genannt) war eine Manifestation dieser Ziele. 1902 wurde die IBC mit einem Schutzbrief („charter“) des Bundesstaates Connecticut offiziell gegründet. Hubbard wurde Vorstandsvorsitzender (chairman), Hartley wurde Bankdirektor (president). Hartley starb allerdings schon bald und Hubbard übernahm seinen Posten. Im April 1902 wurde die erste Filiale in London eröffnet, aber schon im Mai folgte Shanghai, im Juli 1902 eröffneten Filialen in Singapur, Yokohama und Manila, im Oktober dann eine Zweigstelle in Hongkong. 1914 gab es schon 16 Filialen in Ostasien. Vor dem Ersten Weltkrieg war die IBC zwar nicht die einzige US-Bank in Ostasien, aber sicherlich die größte und erfolgreichste. Die IBC war auch der offizielle Vertreter der US-Regierung in Ostasien. So beauftragte 1902 die US-Regierung die IBC, die Wiedergutmachungszahlungen der durch den Boxeraufstand den USA entstandenen Schäden abzuwickeln. Im chinesischen Volksmund war die Shanghaier Filiale der US-Bank überall bekannt als 花旗銀行, also Huāqí-Bank. “Huāqí” bedeutet “bunte Flagge”, das bezieht sich auf die rot-weiß-blaue US-Flagge, die auf dem Gebäude der Shanghaier Filiale wehte. So entschloss Bankdirektor Hubbart sich, das Finanzinstitut auf Chinesisch 美商花旗銀行 zu nennen, was Huāqí-Bank für US-Handel bedeutet. In Hongkong dagegen war die Bank unter dem Namen 萬國寶通銀行 = Wànguó-Bǎotōng Bank bekannt. Der Name ist leider nicht bis ins Letzte deutbar, Wànguó heißt wörtlich „10.000 Länder“ und steht für „international“, aber „Bǎotōng“ ist auch für heutige Chinesen (ich habe mehrere gefragt) unverständlich. Da Canton in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hongkong liegt, benutzte die dortige Filiale dann auch diesen Namen, wie auf den von ihr ausgegebenen Banknoten zu sehen ist (siehe Abb.4). Die IBC hatte das Recht, Banknoten zu emittieren. Sechs Filialen machten von diesem Recht Gebrauch, wobei mir die Noten von Hā'ěrbīn (Harbin) nur als Specimen bekannt geworden sind, ob sie jemals ausgegeben wurden, ist ungewiss. Es existieren zahlreiche Signatur-Varianten. Manche der Unterschriften kann man bestimmten Bankangestellten zuordnen, andere aber noch nicht. Běijīng / PEKING (北京): - gegründet 1909 Hā'ěrbīn / HARBIN (哈爾濱) Hànkǒu / HANKOW (漢口) Shāmiàn (Guǎngdōng) (沙面) – gegründet 1904 Shànghǎi / SHANGHAI (上海) – gegründet 1902 Tiānjīn / TIENTSIN (天津) - gegründet 1916 Die Noten, von ABNCo. gedruckt, zeigen alle dasselbe Motiv: Adler auf einer Säule, beiderseits eine Weltkugel (links: Neue Welt, rechts Alte Welt). 1915 erwarb die National City Bank of New York die Aktienmehrheit der IBC. Die Bank wurde reorganisiert, wobei die Struktur der Filialen in Ostasien fast unberührt blieb. Für Sammler chinesischer Noten sind manche Scheine der IBC nicht schwierig zu erwerben. Aber aufgepasst: im Internet werden oft Scheine angeboten, die aus zwei Hälften zusammengeklebt sind! Vor vielen Jahren tauchten derartige Scheine plötzlich auf. Man hatte nämlich in den Safes der Pekinger Filiale Unmengen von unzirkulierten oberen Hälften aller Wertstufen von 1 bis 100 Yuan gefunden. Als diese Scheine ungültig wurden, wollte man sichergehen, dass die noch nicht ausgegebenen, aber schon unterschriebenen Scheine nicht gestohlen und zur Einlösung vorgelegt wurden. Man schnitt die Noten in zwei gleich große Teile und vernichtete die untere Hälfte mit den handschriftlichen Signaturen. Die obere Hälfte verwahrte man, um zu beweisen, dass diese Scheine wirklich ungültig gemacht worden waren. Als man dann viele Jahrzehnte später die oberen Hälften in den Banksafes entdeckte, wollte man sie zunächst wegwerfen. Doch kam jemand auf den Gedanken, man könne doch die beiden oberen Hälften wieder zusammenfügen und eine Geschichte erfinden, es handle sich um eine offizielle Notausgabe dieser Noten. Über Hongkong und Taiwan gelangten dann die Noten auf Verkaufsplattformen wie ebay oder Delcampe. Erwin Beyer Abbildungsnachweis: Abb.1, 5 und 6 Yangming Auctions (Erlaubnis durch Cai Xiaojun) Abb.2, 3 und 4: Peter Mösselberger Abb.7 chinazhibi.com (Erlaubnis durch Wang Jie)
- Das Geld der Zukunft!
Beschlagnahmen – Einziehen – Verbieten Im Frühjahr 1932 häuften sich bei der Reichsbank in Berlin Meldungen, Berichte und Anfragen bezüglich eines „Geldscheines“, der mit „Deutsches Freigeld“ überschrieben war und stets die rote Kontrollnummer „E-33019311.“ trug. Er war 178 mm x 78 mm groß und das Papier wies weder Wasserzeichen noch Fasern auf, ansonsten aber hatte er auf den ersten Blick das Aussehen einer Banknote. Der Druck dieses Papiers war dunkelbraun mit gelbbräunlicher Schraffierung auf der linken Seite. Unter der großen zweizeiligen Wertangabe „Hundert / Mark“ folgt ein ungewöhnlicher Text: „Dieser HUNDERTMARKSCHEIN ist an den bezeichneten Tagen / vom jeweiligen Besitzer mit einer 10-Pfg.-Freigeldmarke / zu bekleben. Dieser vollgeklebte Hundertmarkschein / wird Januar 1934 gegen einen neuen umgetauscht“. Dann groß zweizeilig: „BERLIN, den 1. Januar 1933 / Das Reichswährungsamt“, es folgen die stilisierten Unterschriften von Silvio Gesell, Dr. Christen, Ernst Frankfurth und Georg Blumenthal.[1] Links neben dem Unterschriftenblock ein rundes Sigel mit der Umschrift „Reichswährungsamt Berlin“ und in der Mitte „FFF“[2]. Rechts von der Mitte das Kopfbildnis von Silvio Gesell in einem Zierrahmen. Auf dem rechten Schaurand schräg in rot „Das Geld der Zukunft“. Das Geld der Zukunft war also als Schwundgeld konzipiert, d.h., dass der Wert am Ende eines bestimmten Zeitraums um einen bestimmten Betrag abnahm. In unserem Fall sollte der Schein jede Woche 10 Pfennig an Wert verlieren. In einem Jahr also 5,2 % des Ausgangs-wertes. Der Wertverlust sollte durch Aufkleben von Freigeldmarken vom jeweiligen letzten Besitzer des Scheins ausgeglichen werden. Weil niemand dieser letzte Besitzer sein wollte, würde das Geld möglichst schnell ausgegeben und damit die Wirtschaft angekurbelt. So zumindest die Theorie. Die Rückseite ist demnach in vier Feldern aufgeteilt, die jeweils Platz für 13 aufzuklebende Marken bieten. Die ersten drei roten 10-Pfennig-Freigeldmarken sind bereits aufgedruckt. Die anderen Felder sollten nach Ablauf des auf dem Feld angegeben Datums aufgeklebt werden. In der Mitte des Scheins in einem schraffierten Feld die „100 Mark“. Quer über dem Schein der große rote Aufdruck „Das Geld der Zukunft“. Dieser Schein sollte nicht nur die Wuppertaler Polizei beschäftigten, sondern auch die Reichsbankstelle Wuppertal-Elberfeld, das Reichsbank-Direktorium in Berlin, den Reichsminister für Finanzen, den Preußischen Minister des Inneren sowie den Preußischen Minister für Handel und Gewerbe.[3] Begonnen hatte alles im Mai 1932 mit einer Anfrage des Vorsitzenden des Freiwirtschafts-bundes in Wuppertal-Ronsdorf beim Polizeipräsidenten in Wuppertal, ob gegen die Verteilung des Scheins zu Werbezwecken Bedenken bestünden. Der Polizeipräsident wandte sich mit der Frage seinerseits an die Reichsbankstelle Wuppertal-Elberfeld, die jedoch nicht in der Lage war, eine entscheidende Antwort zu geben. Da von einer nennenswerten Verbreitung der Scheine nicht ausgegangen werden konnte, wurde auch kein Verbot ausgesprochen. Der Polizeipräsident bemerkte dazu, dass der Freiwirtschaftsbund (F.F.F.) in seinem Bezirk nur im Bergischen Land (Wuppertal, Remscheid und Solingen) einigen Anhang habe. Sonst sei er nicht in Erscheinung getreten. „Bei der letzten Reichstagswahl hat die Bewegung 3314 Stimmen von 2.316.146 … abgegebenen gültigen Stimmen erhalten.“ Dennoch beschlagnahmte die Wuppertaler Polizei einen Schein und übergab ihn an die Reichsbankstelle Wuppertal-Elberfeld, die am 10. Juni 1932 „gehorsamst das Muster eines Deutschen Freigeldscheins zu 100 Mark“ an das Reichsbank-Direktorium in Berlin weiterleitete. Die Polizei begründete ihr Vorgehen damit, dass es sich bei diesem Schein um Propaganda zur Förderung von Notgeldausgaben handele und wünschte nun die Bestätigung, dass man richtig gehandelt habe. Das Reichsbank-Direktorium wollte oder konnte hierzu keine abschließende Stellung nehmen und wandte sich daher an den Reichsjustizminister und den Preußischen Innenminister. Am 24. Juli 1932 kam die Antwort aus dem Justizministerium im typischen Juristendeutsch: „Ein Einschreiten auf Grund der Verordnung über Notgeld vom 30. Oktober 1931 halte ich nicht für möglich. Die Scheine stellen Notgeld nicht dar; auch liegt eine Propaganda für Notgeld im Sinne von §2 Ziff. 3 a. a. O. nicht vor. Notgeld kommt nicht in Betracht, da die Scheine, wie schon der Aufdruck ‚Das Geld der Zukunft‘ besagt, nicht in den Verkehr gebracht werden sollen. Nach dem Bericht der Reichsbankstelle in Wuppertal-Elberfeld vom 10. Juni 1932 werden die Scheine von dem Freiwirtschaftsbund zur Propaganda für den Anschluß an diesen Verein verteilt. Richtig mag sein, daß die Verteilung der Scheine für deren spätere Verwendung den Boden bereiten soll. Eine Aufforderung, Notgeld zu erwerben, wird hierin indes nicht erblickt werden können. Das von dem Polizeipräsidium in Wuppertal-Elberfeld ausgesprochene Verbot der Verteilung der Scheine halte ich gleichwohl für gerechtfertigt. Ich bin der Meinung, daß es sich bei den Scheinen um Drucksachen handelt, die in der Form dem Papiergeld ähnlich sind und deren Anfertigung und Verbreitung nach § 360 Ziffer 6 R.Str.G.B. unter Strafe gestellt ist. Danach besteht gegen ein Verbot der Verteilung dieser Scheine kein Bedenken (§§ 14 Abs. 1 Pol.Vers.Ges.). Ich erkläre mich im Einvernehmen mit dem Herr Reichsjustizminister ergebenst damit Einverstanden, daß die Reichsbankstelle in Wuppertal-Elberfeld den Herrn Polizeipräsidenten im vorstehenden Sinne unterrichtet. Den übersandten Schein gebe ich in der Anlage zurück. Auch bitte ich, die Angelegenheit im Auge zu behalten und zu diesem Zweck die Reichsbankstellen in Westdeutschland auf sie aufmerksam zu machen.“ Nur zu gerne hätte man gewusst, wer diese Scheine herstellte. Daher wandte man sich an Herrn Eichelhardt aus Remscheid, von dem man wusste, dass er ein Anhänger des Freiwirtschaftsbundes war. Dieser weigerte sich jedoch die Bezugsquelle preiszugeben. Eichelhart war aufgefallen, da sein Unternehmen, Eichelhardt & Comp., Remscheid-Hasten, einen Schein an ein Unternehmen in Leipzig geschickt hatte, mit dem es in irgendeiner geschäftlichen Beziehung stand. Die Vereinigte Extraktfabrik Scholtze & Winkler, kurz Vex, erhielt das folgende Schreiben, das vom 18. April 1932 datierte: „Ihrem Wunsche gemäß laut Schreiben vom 25. Sep. teile ich Ihnen mit, dass das Reichswährungsamt sich in Anbetragt (sic!) der heutigen Notlage an umlaufenden Zirkulationsmittel entschlossen hatt (sic!) die erste Serie von Noten in den Verkehr zu bringen. Anbei sende ich Ihnen ein Hundert Mark zur gefälligen Ansicht, und hoffe, dass Sie in einiger Zeit sich mit dem Gelde der Zukunft auch vertraut machen müssen. Beachten Sie bitte den Umlaufzwang oder den Motor auf der Rückseite, welcher dem Gelde eingebaut ist. Der Motor treibt das Geld in die Wirtschaft, so, dass es tauschen muss, und wir bekommen in kürze eine gesunde natürliche Wirtschaftsordnung. Da Sie zur Zeit ja zu ängstlich waren, mir etwas Waren zu senden, weil kein Zirkulationsmittel vorhanden waren, deshalb habe auch ich Ihre Ware nicht an den Verbraucher schaffen können, und dadurch ist Arbeitslosigkeit entstanden. Also richten Sie sich für die zukünftige Konjunktur ein. Inzwischen zeichnet hochachtungsvoll.“ Wie es scheint, war die Geschäftsleitung verunsichert und wandte sich mit dem beigefügten „Geldschein“ an die Dresdner Bank, die verständlicherweise nichts dazu sagen konnten und Vex an die Reichsbank verwies. Die Angelegenheit gelangte schließlich zum Preußischen Minister für Handel und Gewerbe. Das Ministerium vermutete als Urheber der Scheine die Wära-Tauschgesellschaft, die eine Geschäftsstelle in Berlin, Lausitzerstr. 32, unterhielt. Aber genaueres wurde wohl nicht ermittelt. Die Reichsbankstelle Wuppertal-Elberfeld informierte am 6. August 1932 den Polizeipräsidenten, über den Erlass des Reichsministers der Finanzen vom 24.7.32 – F 4603-184 I C –, der die Behörden anwies, die Verbreitung von Freigeldscheinen in Zukunft zu unterbinden. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Johann Silvio Gesell (* 17. März 1862 in Sankt Vith, Rheinprovinz; † 11. März 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg) war ein deutsch-argentinischer Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre. Georg Blumenthal (eigentlich George Heinrich Blumenthal; * 29. Oktober 1872 in Hermsdorf, Kreis Heiligenbeil in Ostpreußen; † 27. Juni 1929 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Herausgeber mehrerer Zeitschriften, Mitbegründer der deutschen Physiokratischen Bewegung und Mitarbeiter Silvio Gesells. Theophil Friedrich Christen (* 1. April 1873 in Basel; † 6. Mai 1920 im Genfersee) war ein Schweizer Arzt, Mathematiker und Physiker. Er betätigte sich auch als Volkswirtschaftler im Rahmen der von Silvio Gesell entwickelten Freiwirtschaftslehre, war engagierter Esperantist und Lebensreformer. Alle Angaben nach Wikipedia (24.03.2021) Georg Blumenthal gehörte ebenfalls zur führenden Gruppe, die die Freiwirtschaftslehre propagierten. [2] FFF ist das Logo der Freiwirtschaftsbewegung in den 1920er Jahren und steht für Freigeld, Freiland und Freihandel. [3] Alle weiteren Angaben und Zitate beziehen sich auf den Aktenbestand R/14663 im Bundesarchiv Berlin.
- Venezuela: Neue Höchstnominale eingeführt
Am 8. März 2021 gab der Banco Central de Venezuela neue Banknoten zu 200.000, 500.000 und 1.000.000 Bolívares aus, die die umlaufenden Scheine zu 10.000, 20.000 und 50.000 Bolívares ergänzen sollen. Der Grund für die Einführung dieser neuen Wertstufen liegt in der anhaltenden Inflation: Im Januar 2021 betrug die Inflationsrate nach offiziellen venezolanischen Quellen 2665 %. Das neue Höchstnominal zu 1 Mio. Bolívares entspricht jedoch auch nur 0,52 USD – in der venezolanischen Bevölkerung kommt bereits seit Jahren der US-Dollar im alltäglichen Zahlungsverkehr zum Einsatz. Auf den Vorderseiten ist der Nationalheld Simón Bolívar abgebildet, während die Rückseiten dessen nach Plänen von Hugo Chávez errichtetes Mausoleum in Caracas (200.000 und 500.000 Bolívares) sowie eine Szene aus der Schlacht von Carabobo zeigen, dem entscheidenden Kampf im Unabhängigkeitskrieg Venezuelas, der sich am 24. Juni 2021 zum 200. Mal jährt. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com) #Nachrichten #Weltbanknoten #Amerika #Venezuela #Bolívar #Totsuka












