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500 Jahre Deutscher Bauernkrieg – Aufstand der Entrechteten

1525: Eine Welt im Umbruch. Kirchen, Klöster und Burgen gingen in Flammen auf. Von Tirol bis an die Ostsee zitterten Adel und Klerus. Hunderttausende Bauern verließen ihre Höfe und bewaffneten sich – es war die größte Massenbewegung in Europa vor der französischen Revolution. Sie zogen aus, um dem feudalen System mit Leibeigenschaft, Abgaben und Frondiensten ein Ende zu setzen. Die Aufstände breiteten sich aus wie ein Feuer.

Sie brachen spontan aus und organisierten sich selbstständig. Doch wie kam es zu dieser gewaltigen Rebellion?


Abb. 1: Sammelbild aus der Reihe "Deutsche Kulturbilder", Bild 45 "Bauernkrieg":

Schon im 15. Jahrhundert kam es in Deutschland zu Bauernaufständen, da Adel und Geistlichkeit oft maßlos hohe Abgaben und Frondienste verlangten. In den Fahnen führten die Bauern die Symbole ihrer Armut oder ihres Standes. Der "Bundschuh", der flache Lederschuh, ward zum Wahrzeichen jedes Bauernaufstandes. Auch Ritter wie Götz von Berlichingen und Florian Geyer kämpften für sie. Abb. auch "Deutsche Kulturbilder, Deutsches Leben in 5 Jahrhunderten 1400 – 1900" vom Cigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld, Werk 9, herausgegeben 1936.


Die erste Erhebung fand 1524 bei Stühlingen im Schwarzwald statt. Einer Legende nach mussten die Bauern dort die Ernte unterbrechen, um Schneckenhäuser und Beeren für die verschwenderische Fürstin zu sammeln. Die Bauern ließen sich das nicht gefallen.

Die Proteste weiteten sich weiter von Oberschwaben bis nach Thüringen aus. In Memmingen wurden von Vertretern der Bauernhaufen die „Zwölf Artikel“ verfasst, die zum Manifest der Bauernaufstände wurden. Sie wurden als Flugschriften in sehr hoher Stückzahl verbreitet und gelten als erstes menschenrechtliches Dokument in Deutschland. Die darin geforderte Abschaffung der Leibeigenschaft wurde religiös begründet. Weil nur Gott der Herr ist, darf kein Mensch Herr eines anderen sein. Der Einfluss der Reformation auf die Bewegung war klar erkennbar. Seit Luthers Thesenanschlag 1517 hatte die Reformation langsam Fahrt aufgenommen. Wenige Jahre später veröffentlichte Luther die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Der Wittenberger Reformator meinte die innere, geistige Freiheit.

Der Ton war jedoch gesetzt: Freiheit und Gleichheit vor Gott – das ließ sich nur schwer mit der starren Ständeordnung vereinbaren. Luther selbst forderte Gehorsam und verwehrte sich gegen eine Vereinnahmung für umstürzlerische Zwecke. Längst jedoch wurde seine Botschaft in radikaler Weise weitergedacht, unter anderem von Thomas Müntzer.

Der Allstedter Prediger verband apokalyptische Mystik mit den reformatorischen Ideen zu einer Theologie der Revolution. Bald rief Müntzer offen zum Umsturz auf. Damit traf er auf offene Ohren. Die Bauern und Handwerker waren unzufrieden. 1525 lag die Lebenserwartung nur bei etwa 35 Jahren, etwa ein Viertel der Kinder starb bereits im Kleinkind-Alter. Die sog. "kleine Eiszeit" verursachte Kälteeinbrüche und Missernten.


Abb. 2: Deutsche Demokratische Republik, 20-Mark-Gedenkmünze zum 500. Geburtstag von Thomas Müntzer, Silber, ausgegeben am 12.1.1989.


Abb. 3: Gegossene Bronzemedaille 1989 (v. W. Günzel) auf den 500. Geburtstag von Thomas Müntzer. Vorderseite: Brustbild mit Barett. Rückseite: „500. Geburtstag. Eine gantze Gemayn soll Gewalt des Schwertz haben. Das Volck wirdt frey werden und Got will allayn der Herr daruber sein. Thomas Müntzer 1989."


Abb. 4: Güttler-Medaille "450 Jahre Bauernkrieg" von 1975, Stahl, geätzt,

Durchmesser 60 mm.



Pestwellen rollten über das Land. Der „gemeine Mann“ hatte durch ausufernde Abgaben an Adel und Klerus eine immense Belastung zu tragen, aber so gut wie keine sozialen oder politischen Rechte. Besonders brisant war die Lage in Thüringen, wo sich verschiedene Faktoren zu einer explosiven Mischung verbanden. Die Region war politisch zersplittert –

ein Flickenteppich aus kleinen Territorien, dessen Herren besonders gierig nach Einnahmen waren. In dieses Feuer goss Thomas Müntzer mit bissigen Predigten Öl. In seiner berühmten „Fürstenpredigt“ versuchte Müntzer noch, den Kurfürsten Friedrich und seinen Bruder Herzog Johann für sich zu gewinnen. Die Fürsten aber blieben unbeeindruckt.


Im Frühjahr 1525 explodierte die Lage in Thüringen dann endgültig. Müntzer musste Allstedt kurzzeitig verlassen und floh nach Mühlhausen, wo er Prediger in der Marienkirche wurde und gemeinsam mit dem protestantischen Prediger Heinrich Pfeiffer eine Art Revolutionsregierung einrichtete. Pfeiffer hatte in Mühlhausen bereits eine beachtliche Menge an Bauern und Handwerkern um sich gesammelt. Gemeinsam ließen sie den „Ewigen Rat“ wählen, der die Klöster der Stadt auflöste und deren Besitz in die Nutzung der Gemeinde verfügte.


Abb. 5.1: Notgeld der Stadt Allstedt (Serienschein), 10 Pfennig, 1. Oktober 1921,

Druck: Kunstanstalt Alfred Eisenach in Bürgel.

Vorderseite: Thomas Müntzer aus Stolberg, Pastor von Allstedt, ‚Erzfanatiker‘ und Anführer des Bauernaufstandes, im Hintergrund die Hinrichtung Müntzers.


Abb. 5.2: Rückseite: Thomas Müntzer zerstört mit den aufgewiegelten Bauern die Malterbacher Kapelle, unten Künstlersignatur Arno Grimm.


Abb. 6.1: Notgeld der Stadt Mühlhausen in Thüringen, Serienscheine 6 x 50 Pfennig

vom 1. Oktober 1921. Druck: Paul Fischer, Mühlhausen, einheitliche Vorderseite: wütender Bauer mit Spieß. Dieses Motiv wurde auch für Notgeldscheine in der Zeit der Inflation verwendet, darunter für 1-Mio-Mark vom 15. August 1923.


Abb. 6.2: Rückseite: Heinrich Pfeiffer predigt zum Volk.

Text: Heinrich Pfeiffer leitete den Bauernkrieg in Mitteldeutschland ein. Er trat 1523 auf den Bierruferstein vor der Marienkirche zu Mühlhausen und rief "Höret zu, ich will euch ein ander Bier verkündigen."


Abb. 6.3: Rückseite: Übernahme der Regierung der Reichsstadt Mühlhausen.

Text: Nach Unruhen, Aufläufen u. Plünderungen zwangen die "Acht Mann" den Bürgermeister Rodemann, das Regiment der Stadt in ihre Hände zu legen.


Abb. 6.4: Rückseite: Zug von Thomas Müntzer von Mühlhausen nach Frankenhausen.

Text: Thomas Münzer kam nach Mühlhausen, predigte u. hatte großen Zulauf. Aber nur 300 Mann folgten ihm nach Frankenhausen, wo das Bauernheer von den Fürsten gestellt wurde.


Abb. 6.5: Rückseite: Letzte Predigt Müntzers vor der Schlacht von Frankenhausen.

Text: Vor der Schlacht hielt Münzer eine lange Rede an die verzagten Bauern und sagte, er wolle alle kugeln mit seinen Ärmeln auffangen. Doch seine Worte konnten das furchtbare Schicksal der Bauern nicht aufhalten. Ihrer wurden mehr denn 5000 erschlagen.


Abb. 6.6: Rückseite: Fürsten und vergeblich flehende Frauen.

Text: Die Sieger nahmen Rache an dem wehrlosen Mühlhausen. Zwar zogen 2000 Mühlhäuser Frauen u. Jungfrauen in das Lager der Fürsten, taten einen Fußfall und baten um Gnade. Aber es war vergebens.


Abb. 6.7: Rückseite: Aufgespießte Köpfe Pfeiffers und Müntzers vor den Toren der Stadt Mühlhausen.

Text: Münzer u. Pfeiffer wurden neben vielen anderen mit dem Schwerte gerichtet, ihre Köpfe auf Spieße gesteckt und öffentlich ausgestellt.


Besonders erfolgreich waren die Aufständischen beim Angriff auf Klöster und Adelssitze.

Das Kloster Volkenroda wurde geplündert und zahlreiche Burgen erobert. Zeitweilig schien es, als könnten die Bauern tatsächlich die gesamte Region unter ihre Kontrolle bringen.

Doch der Schein war trügerisch. Den Aufständischen fehlte es an militärischer Erfahrung und einheitlicher Führung. Ihre Erfolge beruhten hauptsächlich auf dem Überraschungseffekt und der anfänglichen Ratlosigkeit ihrer Gegner. Als sich die Fürsten zu sammeln begannen, änderte sich das Kräfteverhältnis schnell. Es gelang nicht, die Bauernhaufen zu ordnen und zu sammeln. Müntzer folgten nur 300 Mann aus Mühlhausen nach Frankenhausen, wo es zur Entscheidungsschlacht kam. Das lag nicht zuletzt daran, dass Martin Luther sich vehement gegen die Aufständischen aussprach. Wenige Tage vor der Schlacht in Frankenhausen veröffentlichte er die Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“. Er forderte darin die Fürsten direkt auf, die Aufständischen zu töten. Dies sei Gottes Wille. Luther dachte wohl, dass die Bauernhaufen ‚seine‘ Reformation gefährden, weil sie sich auf seine Schriften beriefen. Er fürchtete, dass er dadurch den Rückhalt der Fürsten verlieren könnte.



Abb. 7.1: Notgeld der Stadt Frankenhausen, Serienschein zu 50 Pfennig, September 1921.

Serie mit Scherenschnitt-Motiven zur Schlacht bei Frankenhausen (6 x 50 Pfennig), einheitliche Vorderseite.


Abb. 7.2: Rückseite mit einer Szene aus der Schlacht bei Frankenhausen.


Abb. 8: Die abgebildete Lanze aus dem Bauernkrieg war über Jahrhunderte auf einem Bauernhof in einem Dorf in der Nähe von Frankenhausen versteckt, weil nach der Schlacht Jagd auf bewaffnete Bauern gemacht wurde. Sie wurde erstmals 1975 in einer Ausstellung "450 Jahre Bauernkrieg" in Thüringen gezeigt.


Die Bauern in Frankenhausen wurden von den fürstlichen Truppen völlig unvorbereitet getroffen. Die Schlacht wurde zum Blutbad, fast 6000 Aufständische fanden den Tod. Müntzer und Pfeiffer wurden gefangengenommen, gefoltert und hingerichtet.

Auch die anderen Bauernhaufen in Oberschwaben, im Schwarzwald und in Tirol wurden blutig zerschlagen.


Abb. 9: Staatsbank der DDR, Banknote zu 5 Mark von 1975, Musterschein mit Perforation "MUSTER", Vorderseite mit Porträt von Thomas Müntzer.


Abb. 10: Deutsche Post der DDR, Briefmarke der Serie "Deutsche Patrioten" zum Bauernkrieg 1525 mit Darstellung von Thomas Müntzer und Bauern mit der "Bundschuhfahne" zu 12 Pfennig aus dem Jahr 1953.


Abb. 11: Deutsche Post der DDR, Briefmarkenblock zum 450. Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges von 1975 mit Werten zu 5, 10, 20, 25, 35 und 50 Pfennig.



Abb. 12: Deutsche Post der DDR, Kleinbogen zur "Thoms-Müntzer-Ehrung der DDR 1989"

mit Gedenkmarken zu 4 x 20 Pfennig. Szene aus dem Monumentalgemälde von Werner Tübke im Bauernkriegspanorama Frankenhausen mit Thomas Müntzer in der Schlacht bei Frankenhausen.


Abb. 13: Denkmal für Thomas Müntzer in seiner Geburtsstadt Stolberg (Harz).


Das historische Interesse an den Bauernkriegen war lange erloschen. Insbesondere im Geschichtsbild der DDR fand Thomas Müntzer jedoch einen besonderen Platz, nicht zuletzt weil Friedrich Engels die Aufstände als „großartigsten Revolutionsversuch des deutschen Volkes“ bezeichnet hatte. Müntzer wurde auf Briefmarken, Gedenkmünzen und Medaillen abgebildet. Das 450-jährige Jubiläum der „frühbürgerlichen Revolution“ wurde für ausgiebige Festlichkeiten genutzt. Sogar auf der ab 1979 gültigen 5-Mark-Banknote (Datierung von 1975) war Müntzer zu sehen. 1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer, wurde noch eine 20-Mark-Gedenkmünze auf den 500. Geburtstag von Müntzer ausgegeben.


Elias Heindl


Abbildungsnachweis:

Abb. 1, 5-12: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte

Abb. 2, 3, 4: Bildarchiv Battenberg Bayerland Verlag

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