Aus alten Zeitungen: Banknoten-Krieg in Zaire
- Uwe Bronnert

- 16. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. März
Gefunden in: "Der Spiegel" Nr. 5 vom 31. Januar 1993



Banknoten-Krieg in Zaire
Eine neue Banknote mit dem Kopf des Präsidenten Mobutu löste in Zaires Hauptstadt Kinshasa blutige Unruhen aus. Armee-Einheiten begannen zu rauben und zu plündern, nachdem ihnen ihr Sold in den neuen Fünf-Millionen-Zaire-Scheinen (Wert etwa zwei US-Dollar) ausgezahlt worden war. Denn die Geschäftsleute des mittelafrikanischen Staates weigerten sich, die Banknoten anzuerkennen. Hintergrund: Die machtlose Interimsregierung unter Premierminister Etienne Tshisekedi hatte das neue Papiergeld für ungültig erklärt, weil der Diktator Mobutu die Noten unberechtigt in Umlauf gebracht habe. Mobutu beherrscht Zaire (37 Millionen Einwohner) seit 1965. Unter einheimischem und internationalem Druck mußte er ein Übergangsparlament zulassen, kontrolliert jedoch weiterhin die Wirtschaft, besonders die Zentralbank, und die Streitkräfte. Auch ein Massenstreik konnte den Diktator nicht stürzen. Am vergangenen Freitag landeten französische Spezialeinheiten im Nachbarland Kongo-Brazzaville und setzten nach Kinshasa über, um französische Staatsbürger in Sicherheit zu bringen. Beim Amoklauf der Zaire-Truppe war Frankreichs Botschafter Philippe Bernard getötet worden. Belgische Truppen wurden am Samstag in Kinshasa erwartet.
Die 164 x 80 mm große Banknote wurde von Harrison & Sons, Wycombe, UK, gedruckt.
Die Vorderseite bildet den von 1965 bis 1997 diktatorisch regierenden Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo (von 1971 bis 1997 Zaire) ab. Mobutu Sese Seko Kuku Ngbendu wa Zabanga wurde am 14. Oktober 1930 in Lisala, Provinz Mongala, Belgisch-Kongo als Joseph-Désiré Mobutu geboren und starb am 7. September 1997 im Exi in Rabat, Marokko. Sein Name bedeutet „der Krieger, der von Eroberung zu Eroberung schreitet, ohne Angst zu haben“.
Uwe Bronnert
Anmerkung der Redaktion
Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen.
Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!


Um die Unruhen 1993 in Zaire richtig einordnen zu können, muss man sich folgende Ereignisse vor Augen halten:
1. Zaire befand sich Anfang der 1990er Jahre in einer Hyperinflation. Die Bevölkerung hegte Misstrauen gegenüber den immer höheren Nominalwerten.
2. 1992/93 befand sich Zaire in einer Art politischen Doppelherrschaft: Mobutu kontrollierte weiterhin Armee und Zentralbank, während der Oppositionsführer Etienne Tshisekedi Premierminister einer Interimsregierung ohne reale Machtmittel war. Beide Seiten versuchten, die Kontrolle über die Geldpolitik zu erlangen. Mobutu ließ ohne Zustimmung der Übergangsregierung eigene Banknoten (hier: 5.000.000-Zaire-Note) drucken, die die Übergangsregierung für ungültig erklärte.
3. Die Armee erhielt nun ihren Sold in diesen Banknoten, deren Annahme die Händler verweigerten, weil sie diese nach der Erklärung der Übergangsregierung für ungültig hielten. Es…
Stimmt denn diese Geschichte überhaupt? Banknoten mit dem Abbild Mobutus wurden bereits mehrere Jahre zuvor, und auch noch Jahre nach dieser Banknote (bis Ende 1996) ausgegeben. Wieso sollte also diese eine Banknote wegen dem Abbild Mobutus zu Unruhen führen?
Banknotenliteratur (z.B. The Banknote Book) schreiben zu dieser Note, dass es in der Bevölkerung Zweifel an der Authentizität der Note gab, denn der Wert ist als "Cinq Millions Zaïres" ausgeschrieben, richtig wäre "Cinq Millions de Zaïres".