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Aus alten Zeitungen: Falsche Geldscheine – made in Moskau?

Gefunden in: "Rundschau" vom 29. Dezember 1952


Moskauer 100-Dollars-Fälschung.
Moskauer 100-Dollars-Fälschung.


Falsche Geldscheine – made in Moskau?

Nahezu vergessene Affäre könnte wieder aktuell werden
Der amerikanische Geheimdienst ist angewiesen worden, in Zusammenhang mit den Banken ein besonderes Augenmerk auf falsche Noten zu richten, weil es für möglich gehalten wird, daß man in Moskau erneut zu Geldfälschungen großen Stils übergehen könnte. Welches Aufsehen solche Affären erregen, beweisen die rund 10 Millionen gefälschter Dollarnoten, die Ende der 20iger Jahre von Moskau aus abgesetzt wurden.
Als die Sowjetunion ihren ersten Fünfjahresplan 1928 begann, stellte sich bald heraus, daß die Devisendecke zu knapp war, um die Einfuhren für den sich steigernden Verbrauch von Maschinen und Rohstoffen zu decken. Es soll ein alter bewährter lettischer Kommunist Alfred Tilden gewesen sein, der Stalin den Vorschlag gemacht hat, falsche Dollars herstellen zu lassen und vor allem in China an den Mann zu bringen, dessen Märkte und Hafenplätze sicher nicht sehr scharf in banktechnischer Hinsicht überwacht würden. Stalin persönlich erteilte 1929 die entsprechenden Befehle. Präzisionsmaschinen wurden unauffällig gekauft und durch Beziehungen oder Bestechungen größere Mengen des üblichen Spezialpapiers erworben. Obschon auch in Südost- und Mitteleuropa, ja in den USA selbst Noten verteilt und als gefälscht erkannt wurden, blieb es 1930 dem Berliner Kriminalkommissar von Liebermann vorbehalten, diese größte Fälschung des Jahrhunderts, die im Frieden ein Staat aus betrügerischen Gründen betrieb, zum Weltskandal zu machen, auch wenn er nicht in der Lage war, schlüssig den Urheber festzustellen. Das vermochte erst der 1939 geflüchtete Chef der sowjetischen Militärspionage für Europa, Kriwitzky, für dessen Äußerungen sich damals freilich niemand interessierte.
Man wählte eine raffinierte Tarnung, wie sie ähnlich auch heute wieder im geheimen Ost/West-Handel üblich ist. Im Herbst 1929 kaufte nämlich eine Gruppe amerikanischer Finanziers, die mit kanadischen Minenaktien handelte, die 1846 gegründete angesehene Privatbank "Sass und Martini". Von ihr erwarb sie nach kurzer Zeit ein nicht ganz seriöser Herr Simons und der veräußerte sie nach weiterer kürzerer Wartezeit an den früheren Berliner kommunistischen Staatsverordneten Franz Roth, von dem man wußte, daß er in der Sowjetbotschaft gern gesehen war. Nun trat als Hauptkunde ein früherer Angestellter der Sowjetischen Handelsgesellschaft auf, Franz Fischer, ein alter Kommunist, und zahlte 19.000 Dollar in 100er Noten ein, die ganz harmlos bei der Deutschen  Bank von "Sass und Martini" deponiert wurden. Ebenfalls bankmäßig üblich wurden aber von hier aus Teile dieser Scheine an die National City Bank in Neuyork weitergegeben und landeten von dort aus ganz normal bei der Federal Reserve Bank. Und hier wurde man stutzig, weil es sich um altmodische Scheine handelte, die in Amerika selbst gar nicht mehr ausgegeben wurden und nun vom Ausland her in solchen Mengen auftauchten … man erkannte die ganz hervorragend gemachte Fälschung. Der Skandal war da. Franz Fischer erfuhr bald Moskaus Dank, er wurde als Werkmeister nach Ostsibirien verbannt.
Die Welt war aufmerksam geworden. Der sowjetische militärische Nachrichtendienst hatte schon mehrfach gegen die ungeschickte und auffällige Devisenhonorierung seiner Agenten protestiert (große Summen in 1-Dollar-Scheinen mit Zählbändern der Moskauer Staatsbank). Jetzt noch durch Fälschungen doppelt gefährdet zu werden, das alarmierte ihn. Die Ausgabe wurde eingestellt. Aber 1932, nach zwei Jahren, versuchte der KP- und Spionage-Chef für die USA, Nick Dozenberg, das Spiel noch einmal; er wurde später liquidiert. Der bekannte Strafverteidiger Dr. Sack (der im Reichstagsbrandprozeß verteidigte) erklärte offen, die Vermutungen amerikanischer Zeitungen stimmten, Moskau selbst habe die Fälschungen veranlaßt. Aber man wußte es noch nicht genau. In den USA waren sogar Gangsterbanden für den Vertrieb eingesetzt worden, jedoch der Verteilungschef, der Neuyorker Arzt Dr. Valentin Gregory Burtan (dessen Verteidigung die sowjetische Botschaft bezahlte) schwieg und ging 1934 für 15 Jahre ins Zuchthaus.
An all das erinnert man sich. Interessant ist aber, daß die SU inzwischen in der Goldförderung auf einer Stufe mit Südafrika steht und nach fachmännischer Annahme über eine Goldreserve von mindestens einer Milliarde Dollar verfügen könnte. Barren mit Hammer und Sichel tauchen auch des öfteren im Handel auf. Auch damit könnten theoretisch Währungsschwierigkeiten durchgeführt werden, sogar echte. 										–thk–

 

Unter dem Titel Dollars make the world go round – Greenbacks für den Moskauer Fünfjahresplan veröffentlichte Karlheinz Walz einen Beitrag zu den sowjetischen Dollarfälschungen hier im Blog: https://www.geldscheine-online.com/post/f%C3%A4lscher-falschgeld-teil-50


Hans-Ludwig Besler (Grabowski)

Anmerkung der Redaktion

Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen.


Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!


 
 
 

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