Aus privaten Sammlungen: Fehldruck einer Reichsbanknote zu 1 Milliarde Mark von 1923
- Hans-Ludwig Besler (Grabowski)

- vor 10 Stunden
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Bereits ab 1918 war die Reichsbank mit der stetig steigenden Menge an Papiergeld dazu gezwungen, neben der Reichsdruckerei auch private Druckereien mit in den Druck von Reichsbanknoten einzubeziehen, um den wachsenden Bedarf an Banknoten termingerecht decken zu können.
Während der Inflation nahm die Anzahl der am Druck von Reichsbanknoten beteiligten privaten Druckfirmen ständig zu, da die Kapazitäten der Reichsdruckerei längst nicht mehr ausreichten. Für den massenhaften Druck der sog. Hilfsbanknoten der Reichsbank mussten außerdem private Papierfabriken mit der Herstellung von Banknotenpapier beauftragt werden.
1923 arbeiteten 85 Druckereien mit 1060 Druckmaschinen unmittelbar für die Deutsche Reichsbank. Hinzu kamen weitere 48 private Druckereien mit 723 Druckmaschinen,
die mittelbar für die Reichsdruckerei arbeiteten. An der Herstellung der Reichsbanknoten
in der Zeit der Hochinflation Ende 1923 waren also insgesamt 133 Druckereien mit 1.783 Druckmaschinen sowie zusätzlich 30 Papierfabriken voll im Betrieb. Aus 17,3 Millionen Kilogramm Papier, das die Papierfabriken verließ und einer Ladung von 1.700 Eisenbahnwaggons entsprach, wurden 10,1 Milliarden Reichsbanknoten in einem Gesamtwert von 3.877 Trillionen Mark gedruckt.
Bei der Vielzahl, der am Druck von Reichsbanknoten beteiligten Firmen und in Anbetracht des zwangsläufig gesunkenen Niveaus der Ausführung des Drucks, kam es nicht selten zu Druckvarianten und sogar zu Fehldrucken.
Die Hilfsbanknote der Deutschen Reichsbank zu 1 Milliarde Mark vom 20. Oktober 1923 (DEU-144, Ros./Grab. 119, Pick 122) wurde ausschließlich von privaten Druckereien auf dünnem Papier mit Wasserzeichen Kreuzblüten hergestellt. Verwendet wurden die Firmenzeichen AJ, AK, AN, AO, AP, AR, AS, AT und X. Die Zuordnung der meisten dieser Firmenzeichen zu Druckfirmen ist leider bislang ungeklärt. Das Firmenzeichen AJ steht wahrscheinlich für die Germania Druckerei oder Ullstein in Berlin und das Firmenzeichen
AK wahrscheinlich für die Firma Holten in Berlin.

Es kommen zwei verschiedenen Fehldrucke der einseitig bedruckten Banknoten vor. Da der Druck aus nur zwei Druckvorgängen besteht, kommen Fehldrucke der Vorderseite entweder nur mit dem hellblauen Unterdruck ohne Überdruck oder aber nur mit dem schwarzen Überdruck ohne den Unterdruck vor. Bei den Fehldrucken ohne den schwarzen Überdruck kann man freilich keine Zuordnung zu einem Firmenzeichen vornehmen, weil dieses fehlt.
Fehldrucke ohne den Unterdruck gibt es mit den Firmenzeichen AJ und AR. Es ist durchaus denkbar, dass auch die Fehldrucke ohne den Überdruck diesen Firmenzeichen zugewiesen werden können.


Objekttyp:
Reichsbanknote (Fehldruck)
Sammlung:
Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Besler (Grabowski)
Authentizität:
Original
Land/Region/Ort:
Deutsches Reich ("Weimarer Republik")
Emittent:
Deutsche Reichsbank, Berlin
Nominal:
1 Milliarde Mark
Datierung:
20. Oktober 1923
Umlauf:
in Umlauf ab Oktober 1923, gesetzlich ungültig ab 5. Juli 1925
Vorderseite:
Fehldruck: Nur hellblauer Unterdruck mit Ornamenten und Wertangabe. Ohne den schwarzen Überdruck (Text, Unterschriften und Siegel).
Rückseite:
Unbedruckt
Material:
Papier mit Wasserzeichen Kreuzblüten
Format:
127 mm x 61 mm
Nummerierung:
Ohne
Druck:
Privater Druck ohne Angaben eines Firmenzeichens (wahrscheinlich AJ oder AR)
Zitate:
DEU-144F2 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871, Regenstauf 2023)
Hans-Ludwig Besler (Grabowski)
Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
Literaturempfehlung:
Hans-Ludwig Grabowski
Die deutschen Banknoten ab 1871
Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine
ISBN: 978-3-86646-224-3
Auflage: 23. Auflage 2023/2024
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Abbildungen: durchgehend farbig
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