Aus privaten Sammlungen: Kantinenscheine im US-amerikanischen Sektor Westberlins 1945/46
- Michael H. Schöne

- 9. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Fast zwei Monate nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa informierte die
„New York Times“ am 4. Juli 1945 ihre Leser mit der Schlagzeile „Western Allies Take Over Occupation Zones in Berlin“ von der Besetzung des Westteils Berlins durch die westlichen Siegermächte. Die Besetzung Deutschlands und die Aufteilung in Besatzungszonen bzw. -sektoren beschlossen die Regierungs- bzw. Staatschefs Franklin D. Roosevelt, Winston L. Churchill und Josef W. Stalin als Ergebnis ihrer im Februar 1945 abgehaltenen Konferenz von Jalta auf der Halbinsel Krim.
Ende April 1945 hatten sowjetische Streitkräfte Berlin erreicht und anschließend die ganze Stadt besetzt. Am 1./2. Juli 1945 trafen erste Vorausabteilung der US-Amerikaner, Briten und Franzosen in die bis dahin sowjetisch kontrollierte Stadt ein. Die US-Truppen quartierten sich in den südwestlichen Berliner Stadtbezirken Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg, Steglitz und Tempelhof ein und errichteten ihr Hauptquartier in der damaligen Kronprinzenallee im Ortsteil Dahlem (seit 1. Juni 1949 Clay-Allee).
Wie in anderen Garnisonen im US-Besatzungsgebiet wurden auch in NCO-Kantinen, Bars, Klubs und ähnlichen Einrichtungen der US Army in Westberlin Kleingeldscheine in den Wertstufen ½, 1 und 2 Mark verwendet. Entsprechend des ab September 1944 geltenden Militär-Wechselkurses von 10 Reichsmark für 1 US-Dollar kursierten auch im US-Sektor Berlins solche Wertscheine.
Die drei Wertmarken über ½, 1 und 2 Mark zeigen den Aufdruck „BERLIN DISTRICT“. Entsprechend sind die Kleingeldscheine in den Zeitraum 1945/46 einzuordnen.
Die Bezeichnungen für die US-Truppen in Westberlin änderten sich bis 1993:
4. Juli 1945 bis 30. Oktober 1946: Berlin Military District (Berlin District),
1. November 1946 bis 30. April 1948: Berlin Command,
1. Mai 1948 bis 4. Dezember 1952: Berlin Military Post,
5. Dezember 1952 bis 30. November 1961: wiederum Berlin Command und vom
1. Dezember 1961 bis zum März 1993: Berlin Brigade.
Die Wertmarken waren in sog. Booklets eingeheftet, aus denen man die perforierten Scheine heraustrennen konnte. Diese Hefte hatten einen Wert von 40 Reichsmark. Enthalten waren
1 Blatt mit 10 Wertmarken zu 2 Mark, 1 Blatt mit 10 Wertmarken zu 1 Mark und 2 Blätter mit 20 Wertmarken zu ½ Mark, zusammen also 40 RM = 4 US-Dollar.
Der einheitliche Unterdruck in Rot „BERLIN DISTRICT / ... MARK / Good in all U. S. Army Sponsered / Installations in Berlin.“ enthielt einen Satzfehler – falsch: »Sponsered« – richtig wäre gewesen »Sponsored«. Das war wohl der Herstellung in einer deutschen Druckerei geschuldet. Der selbe Fehler befindet sich auch auf dem Coupon Book. Der Wertaufdruck erfolgte in Blau, wobei den Wertziffern, wahrscheinlich als Fälschungsschutz,
die griechischen Kleinbuchstaben Eta, Psi und Phi auf der rechten Seite beigefügt wurden.
Das Deckblatt zeigt, dass es auf einen Angehörigen der 16. HQ-Polizeistaffel am 29. August 1946 ausgestellt wurde und für ein Jahr gültig war. Diese Scheine wurden in der Kreuzberger Druckerei von Erich Blaschker im US-amerikanischen Sektor hergestellt – wahrscheinlich wurden dort auch die OMGUS-Tauschscheine und Kantinenscheine für die Gaststätte im Alliierten Kontrollrats-Gebäude gedruckt.





Objekttyp:
Kantinengeld.
Sammlung:
Michael H. Schöne.
Authentizität:
Originale.
Land/Region/Ort:
Deutschland, US-Sektor Westberlin.
Emittent:
U.S. HQ, Berlin District.
Nominale:
½ Mark, 1 Mark und 2 Mark.
Datierung:
1946.
Vorderseite:
4-zeiliger Text „BERLIN DISTRICT / ... MARK / Good in all U.S. Army Sponsered / Installations in Berlin.“, Druck Rot, Wertzahlen und Kleinbuchstaben in Blau.
Rückseite:
Unbedruckt.
Material:
Halbkarton.
Druck:
Druckerei Erich Blaschker, Berlin-Kreuzberg.
Format:
ca. 50 mm × 23 mm.
Nummerierung:
Ohne.
Zitate:
M. H. Schöne: "Militär-, Kantinen- und Lagergeld der Alliierten seit 1944 in Deutschland", 2013,
KN # 2326 (½ und 1 Mark wurden dort vermutet).
Michael H. Schöne
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