Bürgersohn und Arbeiterführer – Vor 125 Jahren starb Friedrich Engels

Am 5. August 1895 starb Friedrich Engels in seiner Londoner Wohnung an Kehlkopfkrebs. Engels war Vieles: Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalist, kommunistischer Revolutionär und darüber hinaus auch ein erfolgreicher Unternehmer in der Textilindustrie. Gemeinsam mit Karl Marx entwickelte er die heute als Marxismus bezeichnete Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie.


Geboren wurde er am 28. November 1820 als Sohn des Textilfabrikanten Friedrich Engels und dessen Ehefrau Elisabeth (geb. van Haar) in Barmen, einem heutigen Stadtteil von Wuppertal. Als ältestes von neun Kindern wuchs er in einem pietistischen Haushalt auf. Auf Wunsch seines Vaters verließ er ein Jahr vor dem Abitur die Schule und begann 1838 eine kaufmännische Ausbildung im väterlichen Betrieb. In dieser Zeit unterhielt er Verbindungen zum „Jungen Deutschland“ um Karl Gutzkow und Heinrich Heine. Unter dem Pseudonym Friedrich Oswald veröffentlicht er erste sozialkritische Schriften. 1842–1844 setzt er seine Ausbildung in der väterlichen Baumwollspinnerei in Manchester fort. Die Auswüchse der Industrialisierung und die Situation der Arbeiter in England veranlassten ihn zur Veröffentlichung der theoretischen Schrift „Kritik der Nationalökonomie“ (1844) sowie „Lage der arbeitenden Klasse in England“ (1845).

Im Februar 1848 veröffentlichte er in London zusammen mit Karl Marx – mit dem ihn seit seinem Besuch in Paris 1844 eine lebenslange Freundschaft verband – das „Manifest der kommunistischen Partei“.


Zurück in Deutschland arbeitet Engels während der Märzrevolution 1848/49 als Redakteur für die „Neue Rheinische Zeitung“ in Köln. In dieser Zeit lernte er Ferdinand Lassalle und Wilhelm Liebknecht kennen. Wegen seiner aktiven Beteiligung an der Revolution, wurde Engels in Deutschland steckbrieflich gesucht, sodass er nach England zurückkehrte. Als Prokurist und ab 1864 als Teilhaber arbeitete er hier wieder im väterlichen Unternehmen.


„In Manchester führte Engels ein Doppelleben: Tagsüber im Kontor – den ‚Commerce‘ verfluchte er immer wieder –, abends besuchte er Arbeiterversammlungen. Er hatte zwei Wohnungen: eine offizielle für den Geschäftsmann, der auf die Jagd ging, ein Pferd hatte, guten Wein und Hummer schätzte. In der zweiten Wohnung lebte er ohne Trauschein mit seiner irischen Freundin, einer politisierenden Arbeiterin, die kaum lesen und schreiben konnte, und deren Schwester.“[1]

Nur wenige Stunden vor ihrem Tod heiratete Engels seine langjährige Geliebte Lizzie Burns (1878).


1869 verkaufte Engels seinen Firmenanteil und ließ sich als wohlhabender Mann nur wenige Gehminuten von Marx entfernt in London nieder. Seine Einkünfte und sein Vermögen ermöglichten es Engels, seinen Freund Marx großzügig zu unterstützen.

Als 1867 „Das Kapital“ erschien, schaltete Engels anonym in großen Tageszeitungen Anzeigen, um die Aufmerksamkeit auf das Buch zu lenken. Nach dem Tod von Karl Marx 1884 sichtete Engels die unveröffentlichten Manuskripte seines Freundes und gab sie in den folgenden Jahren heraus.


Eine Grabstelle von Engels sucht man vergeblich. Auf eigenen Wunsch hin wurde seine Asche einige Meilen vor der englischen Küste nahe der Stadt Eastbourne im offenen Meer verstreut.


Nicht nur eine Statue von Friedrich Engels in der Nähe seines Geburtshauses hält die Erinnerung an ihn wach, sondern auch einige Geldzeichen. Für die Sozialdemokratische Werbewoche vom 4. – 11. Dezember 1921 emittierte der Ortsverband in Emden vier „Notgeldscheine“, die mit 9. November 1921 datiert sind. Der Wert zu 10 Pfennig zeigt in einem Oval das Brustbild von Engels. Der Wert zu 25 Pfennig ist Wilhelm Liebknecht, der zu 50 Pfennig August Bebel und der zu einer Mark Karl Marx gewidmet.


Abb. 1.1/2: Sozialdemokratische Partei, Emden, 9. November 1921, 10 Pfennig, Vorder- und Rückseite.


Vierzig Jahre später ehrte die Deutsche Notenbank auf einer offiziellen Banknote Engels. Der Ministerrat der DDR schuf mit der „Verordnung über die Erneuerung der Banknoten der Deutschen Notenbank“ vom 30. Juli 1964 die gesetzliche Grundlage für den Umtausch des kursierenden Papiergeldes gegen neue Banknoten. Die neuen Geldscheine trugen „neben dem Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik die ab 1. August 1964 verbindliche Währungsbezeichnung ‚Mark der Deutschen Notenbank‘ (MDN)“ sowie auf den Vorderseiten die Brustbilder „bedeutender Persönlichkeit der deutschen Geschichte und auf den Rückseiten Darstellungen aus dem Leben der Republik.“[2] Die Banknote zu 50 MDN bildet auf dem rechten Viertel der Vorderseite sowie auf dem linken Schaurand als Wasserzeichen das Brustbild von Friedrich Engels ab. Die Rückseite zeigt einen Mähdrescher bei der Ernte auf einem Getreidefeld. Der Schein war vom 1. August 1964 bis 31. Dezember 1982 gesetzliches Zahlungsmittel und konnte noch bis zum 31. Dezember 1983 umgetauscht werden.


Abb. 2.1: DDR-19 a), Deutsche Notenbank, 1964, 50 MDN, Vorderseite.


Abb. 2.2: DDR-19 a), Deutsche Notenbank, 1964, 50 MDN, Rückseite.


Am 1. Dezember 1967 beschloss die Volkskammer der DDR das „Gesetz über die Staatsbank der Deutschen Demokratischen Republik“. Danach lautete die Währungsbezeichnung ab 1. Januar 1968 „Mark der Deutschen Demokratischen Republik“, kurz Mark.

„Mit Wirkung vom 1. Juni 1973 wurde auf Grund der ‚Anordnung Nr. 1 über die Ausgabe neuer Banknoten zu 50 Mark der Deutschen Demokratischen Republik‘ vom 2. Mai 1973 als erster Wert der neuen Serie der 50-Mark-Schein ausgegeben.“[3]

Auch diese Banknote zeigt auf dem Schein und im Wasserzeichen des Schaurandes Friedrich Engels. Die Rückseite bildet diesmal eine Industrieanlage ab. Ab Januar 1986 kam eine zweite Auflage dieser Note in den Verkehr. Sie unterscheidet sich von der vorherigen nur durch die veränderte Form der Kontrollnummern. Statt des Typensatzes wird nun ein Computersatz verwendet. Beide Noten blieben bis zur Währungsunion mit der Bundesrepublik 1990 im Umlauf.


Abb.3.1: DDR-22 a), Staatsbank der DDR, 1971, 50 Mark der Deutschen Demokratischen Republik, 1. Auflage, Vorderseite.


Abb.3.2: DDR-22 c), Staatsbank der DDR, 1971, 50 Mark der Deutschen Demokratischen Republik, 2. Auflage, Vorderseite.


Abb. 3.3: DDR-22 c), Staatsbank der DDR, 1971, 50 Mark der Deutschen Demokratischen Republik, 2. Auflage, Rückseite.


Bleibt noch anzumerken, dass die DDR 1970 anlässlich des 150. Geburtstages von Friedrich Engels eine Sondermünze zu 20 Mark in Silber herausgab.


Uwe Bronnert

#Weltbanknoten #Notgeld #Europa #Deutschland #DDR #Mark #Bronnert

Anmerkungen: [1] Ulrike Hofsähs, Bürgersohn und Arbeiterführer, Der „Champagner-Kommunist“ Friedrich Engels starb vor 125 Jahren / Freund und Unterstützer von Karl Marx, in: Siegener Zeitung vom 5. August 2020, S. 17.

[2] Günter Graichen, Die Geldzeichen der DDR, 2. bearbeitete und erweiterte Auflage, Berlin (Ost) 1982, S. 27.

[3] Ebenda, S. 30.