Banknoten des Altai-Gebiets

Bis 1919 war das so genannte Altai-Gebiet direkt der Regierung in Peking (Beijing) unterstellt. Um die laufenden Kosten für Verwaltung und Militär zu decken, wurde jeden Monat eine bestimmte Summe, nämlich 20.000 Yuan, in das Gebiet geschickt, und zwar in Banknoten der „Bank of China“ und der „Bank of Communications“. Doch weil die Entfernung von Peking so groß und der Transportweg beschwerlich war, trafen die Banknoten oft nicht pünktlich ein, so dass die Bediensteten der Verwaltung und die Soldaten der in Altai stationierten Truppen nicht immer rechtzeitig bezahlt werden konnten. Das führte mehrfach zu starken Protesten. Also entschloss sich der Chef der Altai-Lokalregierung, ein gewisser Zhāng Qìngtǒng (張慶桶 ) spezielle Geldscheine auszugeben, um alle pünktlich bezahlen zu können. Diese Ersatzscheine sollten dann jeweils in „echte“ Geldscheine umgetauscht werden, sobald diese aus Peking einträfen. Die Noten erhielten die amtliche Bezeichnung 阿爾泰通用銀券 = „in Altai umlaufende Silbernote“, diese Bezeichnung steht auch als Titel auf den Scheinen, nach damaliger Sitte von rechts nach links zu lesen.


CHN-S2490J: Altai District, Current Silver Note über 1 Yuan von 1918, Vorderseite.

CHN-S2490J: Altai District, Current Silver Note über 1 Yuan von 1918, Rückseite.

Anfangs schien der Plan aufzugehen, jedoch kam es zu Unregelmäßigkeiten bei der Auszahlung der Scheine. Kommissar Zhāng Qìngtǒng hatte schlicht eine große Summe dieses Geldes unterschlagen. Das führte zu einem größeren Aufstand, der als „Ashan Meuterei“ (阿山兵變) in die Geschichte Chinas einging. Zahlreiche Personen wurden getötet, darunter auch der Leiter der Finanzabteilung. Zhāng Qìngtǒng selbst wurde in Gewahrsam genommen und hätte beinahe auch sein Leben verloren. Doch gelang es einem gewissen Zhōu Wùxué (週務學), den Aufstand niederzuschlagen. Der Rebellen-führer wurde hingerichtet. Die in den Aufstand verwickelten Soldaten wurden entlassen. Zhāng Qìngtǒng wurde nach Peking geschickt, wo er sich verantworten musste.

Er wurde für sechs Jahre von allen Ämtern suspendiert. Danach hat man nie mehr etwas von ihm gehört.

Die Notenausgabe umfasste drei Nennwerte, 1, 5 und 10 Yuan. Im SCWPM sind sie als S2490J, SJ2490K und S2490L gelistet. Sie sind im Prinzip alle gleich gestaltet, zeigen aber verschiedene Farben. Unten links findet sich ein kleines rechteckiges Siegel mit den Zeichen 財政局印 = „Siegel des Finanzbüros“. Oben in der Mitte sieht man – oft sehr undeutlich- einen großen ovalen Stempel in orangeroter Farbe: 阿爾泰行政公 = „Finanzbüro des Altai-Verwaltungsamtes“. Als Datumszeile ist „gedruckt im Jahr 7 der Chinesischen Republik“ angegeben, das entspricht 1918.

Die Scheine wurden in Peking gedruckt, im Altai-Distrikt selbst gab es damals keine Druckerei, die diese anspruchsvolle Aufgabe hätte übernehmen können. Als Maßnahme gegen Fälschungen trugen die Noten am oberen Rand einen Kontrollabschnitt, der bei Ausgabe der Noten abgeschnitten wurde und beim Finanzbüro verblieb. Auf der Rückseite schrieb man genau entlang der Schnittlinie von Hand mit schwarzer Tusche die individuelle Nummer des Scheins in chinesischen Schriftzeichen. Bei einem eventuellen Zweifel, ob der Schein echt sei, konnte man Note und Kontrollabschnitt aneinander legen und sehen, ob die beiden Teile zueinander passten. Auf der beigefügten Abbildung der Notenrückseite kann man am oberen Rand die durch den Schnitt „halbierten“ Schriftzeichen deutlich erkennen. Eine Note mit noch anhängendem Kontrollabschnitt ist bisher in Sammlerkreisen ebenso wenig aufgetaucht, wie ein isolierter Kontrollabschnitt.

Auf der Vorderseite unten rechts erkennen wir ganz schwach den violetten Stempel einer Unterschrift; diese ist mit kyrillischen Buchstaben geschrieben und leider noch nicht deutbar. Auf der Rückseite sehen wir links die Wertstufe auf Uighurisch (mit arabischen Buchstaben) und rechts auf Mongolisch.

Im Juni 1919, nach Ende des Aufstands, wurde der Altai-Distrikt in die Provinz Xīnjiāng (früher meist „Sinkiang“ genannt) eingegliedert. Zhōu Wùxué, der den Aufstand erfolgreich niedergeschlagen und für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte, wurde am 13.6.1919 zum Verwalter des Altaibezirks ernannt, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod im Mai 1920 innehatte.

Die provisorischen Noten wurden eingezogen und im Verhältnis 10:7 gegen die in der Provinz umlaufenden Noten umgetauscht.


Text und Abb. Erwin Beyer

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