Das Berliner „Fahrschein“-Geld vom 1. März 1922

Es ist sicher kein Zufall, dass die Notgeldscheine des Berliner Magistrats vom 1. März 1922 nicht als Stadtkassenscheine bezeichnet wurden, waren sie doch für Zahlungen des Fahrpreises bei der Städtischen Straßenbahn bestimmt.

Die Geldentwertung, die bereits im Ersten Weltkrieg begonnen hatte, nahm 1922 immer stärker zu, sodass in Berlin der Fahrpreis auf der Stadt- und Ringbahn am 1. Februar 1922 verdoppelt wurde. Er betrug nun in der 3. Wagenklasse 2 Mark. Um dem Kleingeldmangel vorzubeugen ließ der Magistrat daher für die Städtische Straßenbahn Notgeldscheine anfertigen, die genau dem Fahrpreis entsprachen. Die hübschen Scheinchen sorgten aber schon bald für Ärger. Bereits am 1. Juli 1922 stieg der Fahrpreis auf 3 Mark, sodass der Fahrgast zwei Scheine abliefern musste, aber wegen des Kleingeldmangels meist nichts zurück bekam.

Wieder entwarf der Berliner Grafiker Ernst Böhm die Notgeldserie, die diesmal aus zehn Scheinen zu 2 Mark bestand. Am oberen Rand der einheitlich gestalteten Vorderseiten steht „GILT BIS AUF WIEDERRUF DURCH BE/“ und am unteren Rand „KANNTMACHUNG IM GEMEINDEBLATT.“, links „2 MARK“ und ein Wappenschild mit dem Berliner Bären, rechts vierzeilig „GUT / FÜR / ZWEI / MARK“, darunter im ausgespartem Feld ein Trockenstempelabdruck mit dem bekrönten Stadtwappen und der Überschrift „MAGISTRAT ZU BERLIN“. Im mittleren Feld auf orangefarbigen Unterdruck mit dem sich ständig wiederholenden versetzten winzigen Text „STÄDTISCHESTRASSENBAHN-MAGSTRATBERLIN …“ sechszeilig „Bei Benutzung / der / Städtischen Straßenbahn / BERLIN / 1. MÄRZ 1922 / DER MAGISTRAT“ und zwei gedruckte Unterschriften.


2 Mark vom 1. März 1922 für die Benutzung der Städtischen Straßenbahn, Vorderseite.

Die Rückseiten zeigen, wie schon bei den Stadtkassenscheinen vom 9. September 1921, in biedermeierischer Manier Bilder, nun nicht aus den verschiedenen Stadtbezirken, sondern aus der Verkehrsgeschichte der Stadt. Am Rand auf einem farbigen Ornament nach außen gekehrt links „2 MARK“ und rechts „Nr.“ und sechsstelliger schwarzer Kennnummer, die in zwei Größen vorkommt: 3,5 bzw. 4,5 mm. Dazwischen die Abbildung mit entsprechenden Angaben:


Berliner Mietdroschke / um 1830.

Der Potsdamer Bahnhof / im Jahr 1838.

Berliner Personenpost / im Jahr 1861.

Berliner Pferdeeisenbahn / aus den Jahren 1865/1902.

Erste elektr. Eisenbahn / Gewerbeausstellung Berlin 1869.

Berliner Straßenlokomotive / um 1877.

Erste elektr. Straßenbahn / in Charlottenburg 1882.

Erste Benzindroschke / in Berlin 1899.

Hochbahn über den Landwehrkanal / Erbaut um 1900.

Verkehr am Hallischen Tor / um 1918.

Die Scheine haben die Größe 85 mm x 60 mm und wurden auf gelblich-bräunlichem Papier mit dem Wasserzeichen „Achteckblumen“ gedruckt. Man findet sie im Katalog Grabowski/Mehl: "Deutsches Notgeld, Bände 1 und 2: Deutsche Serienscheine 1918–1922" unter Nr. 92.3.


Text und Abb. Uwe Bronnert

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