König Edward VIII. – Zwei Druckproben, aber keine Banknoten!
- Michael H. Schöne

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Zwei verschiedene Druckproben von 1936, aber keine Banknoten-Serie mit dem Bildnis von König Edward VIII.
God save the King! Gott schützte ihn jedoch nicht: Edward VIII. war für nur 325 Tage König von Großbritannien und Nordirland sowie Kaiser von Indien. Er wurde am 23. Juni 1894 in London geboren und war der älteste Sohn von König George V. – er folgte ihm nach dessen Tod am 20. Januar 1936 auf den britischen Thron.

Abb.1: Vignette aus der Sammlung der Canadian Bank Note Co. Ltd. (Graveur Robert Savage) – Edward VIII. wurde als Edward Albert Christian George Andrew Patrick David von Sachsen-Coburg und Gotha geboren (das britische Königshaus Saxe-Coburg and Gotha wurde 1917 in Windsor umbenannt). Seit 1931 kannte der Prince of Wales die US-Amerikanerin Wallis Simpson und während ihres Sommerurlaubs 1936 auf der kroatischen Insel Rab beschlossen der König und Simpson zu heiraten; gegen die Ratschläge seiner Berater hielt Edward VIII. an seinem Vorhaben fest, die im Oktober 1936 zum zweiten Mal geschiedene Frau zu heiraten und löste somit eine Verfassungskrise in Großbritannien aus – da die anglikanische Kirche eine Heirat des Königs mit einer geschiedenen Frau nicht zulassen würde und auf Druck der konservativen Regierung dankte Edward VIII. am 10. Dezember 1936 ab ... sein Bruder Prinz Albert folgte ihm als König George VI. auf dem Thron.
König George V. äußerte sich schon 1934 besorgt über seinen ältesten Sohn und Nachfolger: „After I am dead, the boy will ruin himself within 12 months“ (= nach meinem Tod wird sich der Junge innerhalb von 12 Monaten selbst ruinieren.)
Die Bank of England musste sich nach der Thronbesteigung von Edward VIII. keine Gedanken über die Gestaltung neuer Banknoten machen ... dort ließ man seit jeher die üblichen einseitigen Geldscheine bei der englischen Wertpapierdruckerei Thomas de la Rue herstellen … auch im Jahr 1936. Die Abbildung britischer Könige oder Königinnen auf Banknoten der Bank von England begann erst bei der Ausgabe der Pfund-Noten von 1960. Lediglich die 1-£-Schatznoten des britischen Finanzministeriums (His Majesty‘s Treasury) zeigen von 1917 bis 1928 einen Monarchen: König George V. – die 10-Schilling-Scheine kamen erst 1919 in Umlauf.

Anders in den früheren Besitzungen Großbritanniens Kanada und Australien: dort liefen Vorbereitungen zur Gestaltung und zum Druck von Banknoten mit dem Bildnis des neuen Königs sehr spät an. In Australien liefen bis dahin die von der Commonwealth Bank in Auftrag gegebenen und bei T. S. Harrison Banknote Printer im Melbourner Stadtteil Fitzroy gedruckten Banknoten mit dem Bildnis von König George V. um. In Kanada dauerte es ebenfalls bis in den Spätsommer 1936, die Neugestaltung von Banknoten in Angriff zu nehmen. Die Bank of Canada/Banque du Canada beauftragte die Canadian Bank Note Co.
in der Richmond Road in Ottawa, Entwürfe für den Druck von Banknoten mit dem Bildnis von König Edward VIII. anzufertigen. Das Finanzministerium des Dominion of Canada hatte schon 1923 Banknoten mit dem Bildnis vom Prince of Wales (der spätere König Edward VIII.) ausgegeben und auch die Bank of Canada, die im März 1935 ihren Geschäftsbetrieb aufnahm, gab Banknoten von 1935 mit dem Bildnis des Prinzen aus.


Die Ergebnisse der Druckereien in Kanada und in Australien lagen fast zeitgleich vor ... wenige Tage vor der Abdankung des Königs! Im Oktober 1936 erhielten sowohl die Canadian Bank Note Co. als auch die American Bank Note Co. in New York von der Bank of Canada den Auftrag, neue Banknoten zu entwerfen.



In den übrigen britischen Gebieten in der Südsee, in der Karibik oder in Afrika hat es keine Maßnahmen zum Neudruck von Banknoten mit dem Konterfei des Königs gegeben – auch nicht in Neuseeland, in Südamerika oder in Gibraltar.
Anders verhielt es sich bei den Münzprägungen für einige Gebiete und für Großbritannien. Wurden bspw. für Britisch-West- und Britisch-Ost-Afrika, die Fidschi-Inseln und Neu-Guinea Umlaufmünzen geprägt und ausgegeben, fertigte die Royal Mint in London den kompletten Satz der 13 Wertstufen von 1 Farthing bis 5 Pounds mit der Jahreszahl 1937 an – aber lediglich als Probemünzen. Sie erreichten auf Auktionen mindestens 6-stellige Pfund- bzw. US-Dollar-Beträge.


Die wenigen Probemünzen, die nicht zusammen mit den über 200 Prägestempeln vernichtet wurden, befinden sich zum Großteil seit 1970 im Royal Mint Museum, im British Museum und in der Royal Collection. Zwischen 30 und 40 Probemünzen sollen sich in Privatbesitz befinden. Tim Wilkes, Leiter der Münzabteilung bei Noonans, erklärte: „Edward VIII dankte 1936 ab, bevor Münzen mit seinem Namen in Großbritannien in Umlauf gebracht wurden. Entwürfe für jede Nominalzahl waren zwar angefertigt worden (alle datiert 1937), hatten aber zum Zeitpunkt der Abdankung noch nicht die königliche Genehmigung erhalten. Nach der Abdankung wurden die wenigen geprägten Münzen unter Verschluss genommen, und die Arbeiten an den Münzen des neuen Königs, Georg VI., begannen. Es ist nicht bekannt, wie die Münzen aus Privatbesitz in den öffentlichen Besitz gelangten“.


Anmerkungen zum Gesetz:
(1) Sobald die königliche Zustimmung zu diesem Gesetz erteilt ist, tritt die von Seiner Majestät am zehnten Dezember 1936 unterzeichnete Abdankungsurkunde, die im Anhang zu diesem Gesetz aufgeführt ist, in Kraft, und Seine Majestät verliert mit der Zeit seine Herrschaft als König, die Krone erlischt, und dementsprechend tritt das nächste Mitglied der königlichen Familie in der Thronfolge auf den Thron und alle damit verbundenen Rechte, Privilegien und Würden gehen auf ihn über.
(2) Seine Majestät, seine Nachkommen, falls vorhanden, und die Nachkommen dieser Nachkommen haben nach der Abdankung Seiner Majestät kein Recht, keinen Anspruch und kein Interesse an der Thronfolge.“ König Edward VIII. wurde nie gekrönt.

Darüber hinaus gibt es viele moderne Pseudomünzen mit dem Bild von König Edward VIII., gekrönt und ungekrönt, z. B. aus der umfangreiche Serie der Londoner Handelsfirma Coincraft.
Michael H. Schöne
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