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Der letzte Parteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands 1946 in Berlin und ein interessantes Zeitdokument

Um 10.25 Uhr eröffnete Wilhelm Pieck den ersten Nachkriegsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) im Deutschen Theater in Berlin. Seit der Gründung der Partei

am 30. Dezember 1918 hatten in Deutschland zwölf Parteitage stattgefunden. Das Verbot der Partei während der Zeit der Hitler-Diktatur zwang dazu, die Parteitage im Ausland abzuhalten: im Oktober 1935 in Brüssel und im Januar 1939 in Bern.


Wilhelm Pieck bei der Eröffnungsrede des 15. Parteitags der KPD am 19. April 1946 im Deutschen Theater in Berlin, Foto: Abraham Pisarek (1901-1983), Deutsche Fotothek, Wikimedia Commons.
Wilhelm Pieck bei der Eröffnungsrede des 15. Parteitags der KPD am 19. April 1946 im Deutschen Theater in Berlin, Foto: Abraham Pisarek (1901-1983), Deutsche Fotothek, Wikimedia Commons.

„Historisch bedeutsam an diesem 15. Parteitag war …, daß er zugleich der letzte Parteitag der Kommunistischen Partei Deutschland war. Er zog die wichtigste Lehre aus der Vergangenheit und beendete in einem großen Teil Deutschlands die Spaltung der Arbeiterklasse durch den Beschluß zur Vereinigung der beiden Arbeiterparteien.“[1]


Der historische Parteitag hat sowohl in der Philatelie als auch in der Notaphilie Spuren hinterlassen. Bereits im Juni 1945 gab in der sowjetischen Besatzungszone der Magistrat von Groß-Berlin Freimarken über 5, 6, 8, 10, 12, 20 und 30 Pfennig aus.[2] Die ersten sechs Marken zeigen den Berliner Bären als Wappentier in verschiedenen Darstellungen, während der Wert zu 30 Pfennig eine Eiche mit den Kriegsruinen am Belle-Alliance-Platz abbildet. Diese Briefmarken wurden auf einen kleinen Papierbogen im Format 179 mm x 114 mm geklebt, der mit „Berliner Ausgabe cpl.“ überschrieben ist. Die Briefmarken erhielten anlässlich des Parteitags einen runden Sonderstempel: Am oberen Rand „BERLIN NW 7“, darunter 19.4.1946 gefolgt von dem dreizeiligen Text „15. Parteitag der / Kommunistischen Partei / Deutschlands“ und schließlich am unteren Rand „19./20. April 1946“.


Abb. 1.1: Papierbogen mit sieben Briefmarken und Sonderstempel zum 15. Parteitag der KPD, Vorderseite.
Abb. 1.1: Papierbogen mit sieben Briefmarken und Sonderstempel zum 15. Parteitag der KPD, Vorderseite.
Abb. 1.2: Unbedruckte Seite mit Fasereinlage und sichtbarem Wasserzeichen.
Abb. 1.2: Unbedruckte Seite mit Fasereinlage und sichtbarem Wasserzeichen.
Abb. 1.3: Wasserzeichen: Frauenkopf im Oval.
Abb. 1.3: Wasserzeichen: Frauenkopf im Oval.

Das besondere an diesem Erinnerungsstück ist das verwendete Papier des Bogens. Betrachtet man die freie Rückseite fallen sofort die eingestreuten farbigen Fasern auf der linken Seite auf. Hält man nun das Papier gegen eine Lichtquelle, wird ein Wasserzeichen sichtbar: ein Frauenkopf in einem Oval. Hier wurde also das gleiche Papier verwendet wie bei der 20-Mark-Reichsbanknote vom 16. Juni 1939, dem sog. "Tiroler-Schein". Über die Herkunft des Papiers ist nichts bekannt. Möglicherweise befanden sich Bestände in der Reichsdruckerei oder bei der Papierfabrik Spechthausen A. G.


Abb. 2.1: Reichsbanknote (DEU-215), 20 Reichsmark, 16. Juni 1939, Vorderseite.
Abb. 2.1: Reichsbanknote (DEU-215), 20 Reichsmark, 16. Juni 1939, Vorderseite.
Abb. 2.2: Reichsbanknote (DEU-215), 20 Reichsmark, 16. Juni 1939, Rückseite.
Abb. 2.2: Reichsbanknote (DEU-215), 20 Reichsmark, 16. Juni 1939, Rückseite.

Bleibt noch anzumerken, dass am 21. und 22. April 1946 im Berliner Admiralspalast der Gründungsparteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) stattfand.

Ab Herbst 1945 verfolgte die KPD mit Unterstützung der Sowjetunion den Zusammenschluss mit der SPD zu einer vereinigten Arbeiterpartei. Allerdings gab es bei den SPD-Mitgliedern in den Westzonen und West-Berlin entscheidende Vorbehalte. Im sowjetischen Sektor Berlins übte der sowjetische Kommandant einen erheblichen Druck auf die Sozialdemokraten aus, um sie zur Zustimmung für eine sozialistische Einheitspartei zu bewegen, sodass hier die SPD-Führung letztlich in den Zusammenschluss (Zwangsvereinigung) mit der KPD einwilligte[3] Mit einem symbolträchtigen Händedruck besiegelten der Sozialdemokrat Otto Grotewohl und der Kommunist Wilhelm Pieck die Vereinigung beider Arbeiterparteien für die Sowjetische Besatzungszone. Dieser auch im Emblem der SED abgebildete Händedruck sollte Ausdruck für das Ende des „Bruderkampfes“ und der historischen Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung sein.


Uwe Bronnert


Anmerkungen

  1. https://www.gvoon.de/art/dokumente/1946/bericht-verhandlungen-15-parteitag-kpd-deutschland-sbz-1946/pdf/bericht-verhandlungen-15-parteitag-kpd-deutschland-sbz-1946-seite_011.pdf

  2. „Am 19. Mai 1945 ging auf Anordnung des sowjetischen Militärkommandos die Zuständigkeit für das Postwesen in Groß-Berlin auf den neu eingesetzten Magistrat der Stadt über. An dieser städtischen Zuständigkeit änderte sich auch nichts, als am 11. Juli 1945 die Verwaltung Groß-Berlins von der neu geschaffenen Alliierten Kommandantur für die Stadt Berlin (als gemeinschaftliches Organ aller vier Besatzungsmächte) übernommen wurde. So wurde auch der Magistratsbeschluß vom 20. Mai, für Groß-Berlin eigene Marken herauszugeben, die zunächst nur für den Postverkehr innerhalb Berlins gelten sollten, anerkannt.“ Michel Deutschland-Katalog 2000/2001, München 2000, S. 268.

  3. Innerhalb Berlins einigten sich die vier Besatzungsmächte im Mai 1946 darauf, sowohl die SED als auch die SPD als Parteien zuzulassen. Die SPD blieb somit als eigenständige Partei in Ost-Berlin bis zum Mauerbau 1961 bestehen.


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