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Die ersten Bankautomaten und ihre Testnoten

Der ein oder andere Leser wird sich vielleicht noch daran erinnern wie es war, wenn man früher Bargeld brauchte. Der Weg führte in eine Bankfiliale, von denen es reichliche gab.

Auf einen Auszahlungsbeleg oder Scheck trug man einen Betrag ein, ging zum Auszahlungsschalter und bekam vom Kassierer den gewünschten Betrag in bar abgezählt ausgezahlt. Damals lag das Bargeld teils sichtbar in großer Stückzahl in Fächern hinter dem Schalter. Bisweilen kannten sich der Kassierer und der Kunde und beide hatten so nebenher auch noch etwas Gesprächsstoff.


Ab ca. Anfang der 1980er Jahre wurde dieser Service langsam automatisiert. Die Ära der Geldautomaten begann. Zuerst hinter dem Auszahlungsschalter – der Kassierer gab den Betrag ein und der Automat stellte die Summe bereit. Später standen die Geldautomaten dann im Kundenraum, so wie man es heute noch kennt. Zwischendurch wurden diese immer moderner und heute kann man viele Dinge am Automaten erledigen. Bankmitarbeiter werden dadurch eingespart.


Bankautomaten zur Bargeldbearbeitung wie sortieren und zählen gab es bereits schon länger. Beispielsweise wurde 1899 die NGZ (Neue Geldzählmaschinen-Gesellschaft) in Berlin gegründet, diese stellte bereits damals Geldzähl- und Geldverpackungsmaschinen her.[1]


Abb. 1: Werbung der Neuen Geldzählmaschinen-Gesellschaft mbH (NGZ) für die automatische Geldzähl- und Geldroll-Maschine "Batdorf".
Abb. 1: Werbung der Neuen Geldzählmaschinen-Gesellschaft mbH (NGZ) für die automatische Geldzähl- und Geldroll-Maschine "Batdorf".

Abb 2: Automaten-Testnote der Firma NGZ, Vorderseite.
Abb 2: Automaten-Testnote der Firma NGZ, Vorderseite.
Abb 2: Automaten-Testnote der Firma NGZ, Rückseite.
Abb 2: Automaten-Testnote der Firma NGZ, Rückseite.

Zahlreiche Unternehmen entwickelten frühzeitig Geldbearbeitungssysteme und Bargeldauszahlungsautomaten. Eines dieser Unternehmen war beispielsweise die Firma Kleindienst GmbH & Co. KG aus Augsburg. Zwischen 1982 und 1984 wurden dort durch ein kleines Team von fünf Mitarbeitern sogenannte Geldausgabeautomaten entwickelt und zeitnah bei der Postbank in Berlin und bei der Deutschen Verkehrs-Kredit Bank (DVKB)

in Köln erfolgreich in Betrieb genommen.


Um die jeweiligen Automaten für Ein- und Auszahlungsvorgänge zu kalibrieren, wurden Banknoten benötigt. Echte Banknoten schlossen sich aus. Für diesen Zweck wurden daher eigene Testnoten hergestellt. Jedes Unternehmen verwendetet seine eigenen Automaten-Testnoten, die auch als ATM-Test Notes (Automatic Teller Machine test notes) bezeichnet werden.


Abb. 4: Automaten-Testnote der Firma Kleindienst Datentechnik, Vorderseite.
Abb. 4: Automaten-Testnote der Firma Kleindienst Datentechnik, Vorderseite.
Abb. 5: Automaten-Testnote der Firma Kleindienst Datentechnik, Rückseite.
Abb. 5: Automaten-Testnote der Firma Kleindienst Datentechnik, Rückseite.

Die Testnoten für die Firma Kleindienst fertigte das Unternehmen TRÜB AG mit Sitz in Aarau in der Schweiz. Trübdruck wurde 1859 in Aarau als Druckerei gegründet. Heute ist es ein führendes Schweizer Unternehmen für Identifikations- und Sicherheitsdruck, dass sich auf Technologien für digitale Identität und Datenschutz spezialisiert hat. Durch die Trüb AG u. a. wurde im Jahr 1996 der Schweizer Grächendollar gedruckt. Hierzu findet sich auf Geldscheine-Online ein lesenswerter Artikel.[2]


Unternehmen aus den Bereichen Datentechnik, Geldbearbeitung und verwandte Anwendungsbereiche entwickelten entsprechende Automaten. So unter anderem Siemens Nixdorf, Nixdorf Computer, Diebold, Pohlschröder Dortmund, NGZ, Giesecke & Devrient, Inter Innovation GmbH aus Düsseldorf und viele weitere.


Abb. 6: Automaten-Testnote der Firma Nixdorf Computer, Vorderseite.
Abb. 6: Automaten-Testnote der Firma Nixdorf Computer, Vorderseite.
Abb. 7: Automaten-Testnote der Firma Nixdorf Computer, Rückseite.
Abb. 7: Automaten-Testnote der Firma Nixdorf Computer, Rückseite.
Abb. 8: Automaten-Testnote der Firma Siemens Nixdorf, Vorderseite.
Abb. 8: Automaten-Testnote der Firma Siemens Nixdorf, Vorderseite.
Abb. 9: Automaten-Testnote der Firma Elektronische Bank Systeme (EBS), Vorderseite.
Abb. 9: Automaten-Testnote der Firma Elektronische Bank Systeme (EBS), Vorderseite.
Abb. 10: Automaten-Testnote der Firma Elektronische Bank Systeme (EBS), Rückseite.
Abb. 10: Automaten-Testnote der Firma Elektronische Bank Systeme (EBS), Rückseite.

Inter Innovation war ein Unternehmen, das in den 1980er Jahren im Bereich Bankentechnologie (Geldausgabegeräte) tätig war. Das Unternehmen stammte ursprünglich aus Schweden (Inter Innovation AB, Stockholm) und verlegte in Deutschland seinen Sitz teilweise nach Düsseldorf. Ein Beispiel für die Inter Innovation-Testnoten aus den 1980er Jahren:


Abb. 11: Automaten-Testnote der Firma Inter Innovation aus den 1980er Jahren, Vorderseite.
Abb. 11: Automaten-Testnote der Firma Inter Innovation aus den 1980er Jahren, Vorderseite.
Abb. 12: Automaten-Testnote der Firma Inter Innovation aus den 1980er Jahren, Rückseite.
Abb. 12: Automaten-Testnote der Firma Inter Innovation aus den 1980er Jahren, Rückseite.

Das Design veränderte sich im Laufe der Zeit. Hier ein Beispiel einer Inter Innovation-Testnoten aus den 1990er Jahren:


Abb. 13: Automaten-Testnote der Firma Inter Innovation aus den 1990er Jahren, Vorderseite.
Abb. 13: Automaten-Testnote der Firma Inter Innovation aus den 1990er Jahren, Vorderseite.

In der Moneypedia findet sich eine ausführlich bebilderte und seriöse Aufstellung von sehr vielen der bislang bekannt gewordenen ATM-Testnoten, insbesondere aus deren früher Phase.[3] Insgesamt sind dort Testnoten von rund 160 nationalen und internationalen Unternehmen dargestellt. Schauen sie mal rein, es lohnt sich. Daneben gibt es auch einen englischsprachigen Katalog mit vielen Abbildungen: The Catalog of ATM Test Notes von Roland Rollins.


ATM-Testnoten finden sich nicht nur in Deutschland, sondern ebenfalls im Ausland wie Frankreich, Österreich, Niederlande, Großbritannien, USA usw.


Auf keinen Fall sind diese ATM-Testnoten mit sogenannten Fantasiescheinen gleich zu setzen. Fantasienoten tragen ebenfalls teilweise den Aufdruck Testnote, dienen aber einem ganz anderen Zweck. Auf Geldscheine-Online finden sich einige Artikel zu dem Thema der Fantasiescheine.[4]


Innerhalb diverser Online-Verkaufsplattformen lassen sich immer wieder entsprechende Exemplare an ATM-Testnoten finden und preiswert erwerben. Sie sind jedenfalls ein Stück Zeitgeschichte und eine Bereicherung für die eigene Geldscheinsammlung. Mein Artikel soll ein wenig Neugier an diesen Testnoten wecken und ist natürlich keine abschließende Beschreibung oder Aufzählung. Mit ein wenig Geduld und Sammlerglück lässt sich eine kleine regionale Sammlung dieser Testnoten aufbauen.


Thomas van Eck


Anmerkungen


Abbildungen

  • Bild 1 – mit freundlicher Genehmigung der Firma NGZ cash group

  • alle übrigen Abbildungen aus der Sammlung van Eck

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