Die fast vergessenen Banknoten: 1 und 2 D-Mark 1948

Die heute siebzigjährigen und noch älteren Altbundesdeutschen werden sich kaum noch an die kleinen blau- und lilafarbenen Geldscheine erinnern – wahrscheinlich sind sie nur den Papiergeldsammlern gegenwärtig: die 1- und 2-D-Mark-Scheine von 1948.


Abb. 1/2: 1 D-Mark 1948, Vorder- und Rückseite.

Abb. 3/4: 1 D-Mark 1948, Vorder- und Rückseite.

Diese damals fremd aussehenden Banknoten wurden zur Währungsreform 1948 als sog. Kopfgeld in Umlauf gegeben. Seit dem 21. Juni 1948 waren sie in den Westzonen Deutschlands (und ab 25. Juni 1948 auch in Westberlin) gültige Zahlungsmittel.

Am 10. Januar 1957 wurden sie zum Umtausch bis zum 28. Februar 1957 aufgerufen. Ungültig wurden beide Noten am 1. März 1957 – sie konnten aber bis zum 1. April 1957 eingelöst werden und sind auch heute noch in Euro umtauschbar. Das war die Zeit, als man im Umtausch für einen US-Dollar noch 4,20 D-Mark bezahlen musste.

Vor dem Umlauf in den Berliner Westsektoren wurden alle Werte der neuen D-Mark mit einem Rundstempel „B“ versehen und ab dem 14. August 1948 auch mit einem perforierten „B“; sog. Zwitterkennzeichnungen mit Stempel und Perforation sind vorgekommen. Solche Scheine wurden ab dem 23. Dezember 1953 wieder aus dem Umlauf genommen.


Abb. 5: „B“-Perforation und Abb. 6: Zwitterkennzeichnung.

Zu den anfangs 245,0 Millionen gedruckten 1-DM-Banknoten (verpackt in 6.125 Kisten zu je 40.000 Stück) kamen 1949 in einer Nachauflage nochmals 50,0 Millionen Scheine hinzu. Die Erstausstattung von 73,36 Millionen gedruckten 2-DM-Banknoten (verpackt in 1.834 Kisten, ebenfalls zu je 40.000 Stück) wurde 1949 mit zwei weiteren Lieferungen in Höhe von je 25,0 Millionen Scheinen ergänzt.

Ende 1957 waren von den 1-DM-Banknoten 3,58 Millionen Stück noch nicht eingetauscht – und von den 2-DM-Banknoten 1,305 Millionen Stück. Bis Oktober 1956 hatte die Bank deutscher Länder von der ausgegebenen Menge bereits 224,44 Millionen 1-DM-Scheine und 67,24 Millionen 2-DM-Scheine vernichten lassen.


Abb. 7: Abstemplung von DM-Banknoten in Westberlin (Bild aus dem Dokumentarfilm „Operation Luftbrücke“).

Abb. 8: Die BdL- Banknoten wurden meist durch Verbrennen vernichtet, aber auch das Schreddern der Geldscheine war gängige Praxis.

Begonnen hatte alles 1945/46, als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor über 75 Jahren eine Neuordnung des Geldwesens notwendig wurde. Die Siegermächte konnten sich nicht auf eine neue Währung für ganz Deutschland einigen. Von deutschen Finanz- und Wirtschaftsexperten wurden etwa 380 Vorschläge zu einer neuen Währung vorgelegt – lediglich knapp 100 waren diskussionswürdig. Aber: Im Auftrag der US-Regierung setzte sich schon Anfang 1946 eine Expertengruppe zusammen, die einen „Plan für die Liquidation der Kriegsfinanzierung und der finanziellen Rehabilitation Deutschlands“ ausarbeitete. Darin waren Grundsätze einer künftigen und einer wirtschaftlich notwendigen Währungsreform enthalten. Das von den deutschstämmigen Wirtschaftswissenschaftlern Gerhard Colm und Raymond W. Goldsmith sowie von Finanzberater Joseph M. Dodge ausgearbeitete Papier wurde am 26. Juni 1946 vom US State Department gebilligt. Es folgte die Einigung der Briten und US-Amerikaner über die Grundzüge eines bizonalen Bankensystems und der Schaffung einer neuen Währung (mit oder ohne Einbeziehung der Sowjets) im September 1947. Nachgewiesen ist, dass im November 1947 der Druck erster Serien neuer Banknoten für (West-)Deutschland beendet war.

Schon im September 1947 vergab die US-amerikanische Bundesdruckerei, das Bureau of Engraving and Printing (BEP), im Auftrag der US-Finanz- und Verteidigungsministerien Lohnaufträge an private Druckereien in Massachusetts: Mit dem Decknamen „Operation Bird Dog“ wurde das neue Geld unter Aufsicht von Beamten des Secret Service in den Druckereien Forbes Lithograph Manufacturing Co. in Chelsea und Tudor Press, Inc., in Boston hergestellt. Das BEP in Washington lieferte dann im November 1947 die neuen Geldscheine an die US Army in den New Yorker Hafen. Mit der Bezeichnung „CLAY W OCF OFD 279“ (später auch „CLAY E SX 1 SP 201“) und der Spezifizierung „BIRD DOG 2-40“ für die 1-DM-Banknoten und „BIRD DOG 3-40“ für die 2-DM-Banknoten verschiffte man ab 25. November 1947 die vorerst 4.800 der insgesamt 22.895 Holzkisten auf der S/S „American Farmer“ nach Bremerhaven.


Abb. 9: Original-Holzkiste mit der Bezeichnung „BIRD DOG 2-40“, in der 40.000 Banknoten zu 1 D-Mark zum Versand kamen.

Abb. 10: Kontrolle einer geöffneten Kiste mit 1-DM-Banknoten (Bild aus dem Dokumentarfilm „Das D-Mark-Wunder“).

Abb. 11: Lieferschein (Ausschnitt) der Druckerei Forbes vom 13. November 1947 über die ersten 200.000 Einmark-Scheine.

Abb. 12: Lieferschein (Ausschnitt) der US-Staatsdruckerei BEP über die letzten 200.000 Zweimark-Scheine.


Man weiß bis heute nicht, wer die 1948er Banknoten entworfen hat. Das Bureau of Engraving and Printing vergab den Druck der Banknoten nach Massachusetts, gestaltet wurden sie jedoch beim BEP in Washington. Einer oder mehrere dort angestellten Grafiker sollten die Arbeiten erledigt haben: Alvin R. Meissner (Chef-Designer von 1937 bis 1949), William K. Schrage, Victor S. McCloskey, Jr. und William A. Roach.

Erst vor einigen Monaten wurden Arbeitsandrucke bekannt, die die einzelnen Druckstufen der 1- und 2-DM-Banknoten zeigen:

Abb. 13: 1 D-Mark 1948, einseitige Vorderseite Unterdruck 1 einfarbig (hellgrün).

Abb. 14: 1 D-Mark 1948, einseitige Vorderseite Unterdruck 2 einfarbig (lila).

Abb. 15: 1 D-Mark 1948, einseitige Vorderseite Hauptdruck (blau).

Abb. 16: 1 D-Mark 1948, einseitige RückseiteHauptdruck (braun).

Abb. 17: 2 D-Mark 1948, zweiseitige Vorderseite Unterdruck 1 (hellgrün) und Unterdruck 2 (orange).

Abb. 18: 2 D-Mark 1948, zweiseitige Vorderseite Hauptdruck (lila).

Abb. 19: 2 D-Mark 1948, zweiseitige Rückseite Hauptdruck (grün) ohne Unterdruck (rosa).

Abb. 20: 2 D-Mark 1948, sog. Austauschnote mit G...G-SbBst., für auszusondernde Banknoten.


Auf dem Sammlermarkt kommen die von der Bank deutscher Länder unterschiedlich gekennzeichneten Musterscheine hin und wieder vor: mit Aufdruck „MUSTER“ oder Perforation „SPECIMEN“ und bei den 2-DM-Banknoten meist mit durchbalkter Kontrollnummer.

Sehr selten sind Fehldrucke aller 1948er Banknoten. Häufiger sind hingegen zeitgenössische Fälschungen aller Fälschungsklassen in unterschiedlicher Qualität sowie Verfälschungen („B“-Stempel auf Vorder- oder Rückseiten).


Abb. 21: 1 D-Mark 1948, mit Perforation „SPECIMEN“ (auch mit Aufdruck „MUSTER“ bekannt).

Abb. 22: 2 D-Mark 1948, mit Perforation „SPECIMEN“ und Aufdruck „MUSTER“.


Abb. 23: 2 D-Mark 1948,

versetzter Fehlschnitt

(Rückseite korrekt gedruckt).







Abb. 24: 2 D-Mark 1948, einseitiger Fehldruck (KN der Vs. A 23185520 B).

Abb. 25: 1 D-Mark 1948, am 7. Januar 1950 von der Südwestbank Karlsruhe angehaltene Fälschung.

Abb. 26: 1 D-Mark 1948, am 3. Dezember 1948 in Westberlin angehaltene Fälschung,

mit „B“-Stempel!

Abb. 27: 2 D-Mark 1948, durch Lochung und Stempel „Falsch“ entwertete Fälschung.

Abb. 28: 2 D-Mark 1948, einseitige Fälschung (unfertiger Druck).


Michael H. Schöne

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