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Die Fälschung der 20-Lei-Banknoten der Banca Generala Româna

Obwohl die Banknoten der Rumänischen Generalbank (Banca Generala Româna - BGR)

nur für eine relativ kurze Zeit im Umlauf waren – beginnend im Jahr 1917 bis nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – fehlte es nicht an Versuchen, sie zu fälschen. Informationen über diese Fälschungen sind jedoch spärlich.


Der erste  bekannte Fall von Falschgeld-Herstellung ereignete sich im August 1918, noch während der deutschen Besatzung, als, trotz des Kriegsrechts und der im Kriegszustand geltenden harten Strafen, eine Bande versuchte, die Banknoten der Rumänischen Generalbank zu fälschen[1]. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der vorübergehenden Zulassung des Umlaufs der Banknoten der Rumänischen Generalbank durch die rumänischen Behörden, nahm die Zahl der Fälschungsversuche sowohl in Rumänien als auch im Ausland zu. Bevorzugte Ziele waren die Banknoten zu 20 Lei (Bukarest im November 1918 und Juni 1919), zu 100 Lei (Ort und Zeit unbekannt) sowie zu 1.000 Lei (Wien im September 1920).


Abb. 1.1: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 20 Lei ohne Datum, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
Abb. 1.1: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 20 Lei ohne Datum, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
Abb. 1.2: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 20 Lei ohne Datum, Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
Abb. 1.2: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 20 Lei ohne Datum, Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.

Obwohl es nicht der einzige Fall der Fälschung von Banknoten der Rumänischen Generalbank war, ist der unten dargestellte Vorgang, aufgrund der Menge und der Qualität der produzierten Falsifikate, der bedeutendste aller bekannten Versuche und zugleich der bisher am besten dokumentierte[2].


Die Entdeckung dieses Falls erfolgte in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1919, nach einer Anzeige über die Existenz einer Bande, die 20-Lei-Banknoten fälschte.  Die Allgemeine Sicherheit (Siguranța Generală) in Bukarest, die zuständige Ermittlungsbehörde für Banknotenfälschungen, leitete eine Untersuchung ein, die zur Festnahme aller Bandenmitglieder führte. 


Die Initiatoren der Fälschung waren Edmond Breitner, ein junger Kaufmann aus guter Familie und Eigentümer des Geschäfts Parfumeria Elitei auf der Calea Victoriei, der Hauptstraße Bukarests, sowie David Rotman, Verkäufer in derselben Parfümerie. Sie schlugen Matei Pentelescu, Chemiker und Angestellter des Instituts für Grafische Künste Minerva, vor, gemeinsam 20-Lei-Banknoten zu fälschen, wobei Edmond Breitner die notwendige Finanzierung bereitstellte. Matei Pentelescu wandte sich an einige Freunde, mit denen er im Institut für Grafische Künste Minerva zusammen gearbeitet hatte, einer der bedeutendsten Einrichtungen dieser Art in Bukarest: Garulo Garuli, ein 25jähriger Italiener und Zeichner, Emanoil Bocaciuc, Foto-Zinkograf, und Ștefan Dobrescu, Zinkograf. Diese bereiteten gemeinsam drei Klischees vor (zwei für die Vorderseite und eines für die Rückseite) und kauften eine Boston-Druckmaschine sowie die für die Herstellung einer großen Menge von Banknoten erforderlichen Materialien. Da sie nicht in der Lage waren, das richtige Wasserzeichenpapier mit dem Motiv Kreuz Ringel-Muster herzustellen, wandte sich Matei Pentelescu an Mihail “Mișu” Christescu, Graveur und Drucker, der das lithografische Modell dieses Wasserzeichens anfertigte und mithilfe von Vaseline auf gewöhnliches Papier übertrug.


Abb. 2: Parfumeria Elitei, Anzeige aus der Presse jener Zeit.
Abb. 2: Parfumeria Elitei, Anzeige aus der Presse jener Zeit.

Für die Nummerierung der Banknoten fertigte Pierino Garuli, der 20-jährige Bruder von Garulo, einen Gummistempel an, der eine Kontrollnummer reproduzierte.  Da im Jahr 1919 die Banknoten der Banca Generală in Rumänien nur dann legal umlaufen durften, wenn sie von zentralen oder lokalen rumänischen Behörden abgestempelt (nostrifiziert) worden waren, stellte Pierino Garuli außerdem einen Stempel mit dem Namen der Finanzverwaltung der Stadt Mizil her, der als amtliches Zeichen erscheinen sollte – und der auf die Falschnoten aufgebracht wurde, um den Eindruck zu erwecken, sie seien nostrifiziert worden. 

Mit der Verbreitung der Banknoten wurden unter anderem Pierino Garuli und David Rotman beauftragt.


Zunächst wurde eine Fälscherwerkstatt in der Wohnung von Matei Pentelescu in der Silvestru Straße in Bukarest eingerichtet, wo die ersten 20-Lei-Banknoten hergestellt wurden. Edmond Breitner hielt diese jedoch im Druckbild für zu hell, weshalb eine zweite Auflage in dunkleren Farben und mit verfeinerten Details angefertigt wurde.  Aus Vorsicht wurde die Werkstatt in die Calea Moșilor verlegt, wo die Produktion der verbesserten 20-Lei-Banknoten nach den Anweisungen von Edmond Breitner fortgesetzt wurde.  Ein Teil der fertigen Fälschungen wurde Pierino Garuli anvertraut, damit er sie in Umlauf bringen konnte.  Dieser jedoch, unvorsichtig und alkoholisiert, erregte unnötige Aufmerksamkeit, indem er dem Händler Aftalion sechs 20-Lei-Scheine im Tausch gegen eine 100-Lei-Banknote der Nationalbank Rumäniens anbot.  Die Anwesenheit eines Polizei-Sergeanten genau im Moment des Geschäfts führte am 1. Juli 1919 zur sofortigen Festnahme von Garuli.


Abb. 3: Die Banknotenfälscher-Bande der 20-Lei-Scheine der Rumänischen Generalbank und die von ihr verwendeten Werkzeuge.
Abb. 3: Die Banknotenfälscher-Bande der 20-Lei-Scheine der Rumänischen Generalbank und die von ihr verwendeten Werkzeuge.

Den Fälschern war unbekannt, dass die Ermittlungen der Allgemeinen Sicherheit (Siguranța Generală), die drei Tage zuvor von Inspektor M. Buzescu und Kommissar Jean Ionescu eingeleitet worden waren, bereits dazu geführt hatten, Matei Pentelescu als Fälscher ausfindig zu machen. Zufällig fanden in dem Moment, als Pierino Garuli verhaftet wurde, Durchsuchungen in den Wohnungen aller an der Fälschung Beteiligten statt, die aufgrund der gefundenen Beweise sofort festgenommen wurden [3].


Aus den Aussagen der Verhafteten ging hervor, dass ungefähr 500 falsche 20-Lei-Banknoten hergestellt worden waren, von denen ein Teil in Umlauf gebracht, ein Teil im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmt und ein Teil verbrannt wurde.  Die Untersuchung ergab außerdem, dass Edmond Breitner auch die Fälschung der von der Rumänischen Generalbank ausgegebenen 1.000-Lei-Banknote eingeleitet hatte. Die Klischees dafür wurden von Garulo Garuli, Emanoil Bocaciuc, Ștefan Dobrescu und dem Drucker Iulius Reitner angefertigt, während das Wasserzeichen-Modell erneut von Mihail „Mișu” Christescu stammte. 

Dennoch waren zum Zeitpunkt der Verhaftungen keine der betreffenden Scheine fertiggestellt; die Ermittler fanden lediglich Klischees und unvollendete Probedrucke ohne Nummerierung in der Wohnung der Brüder Garuli in der Straße Prelungirea Popa Nan, wo bereits mit den Arbeiten zur Fälschung der 1.000-Lei-Scheine begonnen worden war.


Die im Sommer 1919 von Edmond Breitner, Mihai Pentelescu, den Brüdern Garulo und ihren übrigen Komplizen gefälschten 20-Lei-Banknoten zeigen einige einzigartige Merkmale, die sie von Originalen und anderen Fälschungen unterscheiden. Laut den in der Zeitschrift der Polizei (Revista Poliției) veröffentlichten Angaben sind ihre Farben heller als die des Originals, wobei das Papier – ohne Wasserzeichen – gröber und weniger satiniert ist.  Die Kontrollnummer, die mit einem einzigen Gummistempel angebracht wurde, ist einheitlich und fehlerhaft:

Im Gegensatz zu den Originalbanknoten, die entweder die Serienbuchstaben C für die Kontrollnummern 0000001–9999999 oder L für die Nummern 0000001–5000000 tragen (beide mit sieben Ziffern), tragen die Fälschungen den Buchstaben D und acht Ziffern.

Laut Polizeibericht lautet die Nummerierung D 87341256; vergleicht man jedoch diese Angabe mit der Abbildung einer Fälschung, im selben Bericht nachgebildet, erkennt man, dass die aufgedruckte Nummerierung D 81234567 lautet, was auf einen möglichen Druckfehler im veröffentlichten Text hindeutet. Letztendlich tragen alle Fälschungen einen gefälschten Stempel mit dem Namen der Finanzverwaltung der Stadt Mizil.


Abb. 4.1: Ein gefälschtes Exemplar der 20-Lei-Banknote aus der zeitgenössischen Presse, Vorderseite.
Abb. 4.1: Ein gefälschtes Exemplar der 20-Lei-Banknote aus der zeitgenössischen Presse, Vorderseite.
Abb. 4.2: Ein gefälschtes Exemplar der 20-Lei-Banknote aus der zeitgenössischen Presse, Rückseite.
Abb. 4.2: Ein gefälschtes Exemplar der 20-Lei-Banknote aus der zeitgenössischen Presse, Rückseite.

Die gefälschten 1.000-Lei-Banknoten waren sämtlich unvollendet und trugen keine Nummerierung. Nach den Angaben der Polizei und den im Jahr 1919 veröffentlichten Abbildungen zeigten sie ähnliche Merkmale wie die 20-Lei-Fälschungen und ihre Qualität war insgesamt gut.


Abb. 5.1: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 1000 Lei ohne Datum, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
Abb. 5.1: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 1000 Lei ohne Datum, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
Abb. 5.2: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 1000 Lei ohne Datum, Rückseite mit rumänischem Behördenstempel. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
Abb. 5.2: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 1000 Lei ohne Datum, Rückseite mit rumänischem Behördenstempel. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
Abb. 6: Unvollendeter Druck der Vorderseite einer gefälschten 1.000-Lei-Banknote.
Abb. 6: Unvollendeter Druck der Vorderseite einer gefälschten 1.000-Lei-Banknote.

Leider sind die zeitgenössischen Abbildungen nicht ausreichend klar, und da bislang kein Exemplar der Fälschung von 1919 identifiziert werden konnte, können keine genauen Angaben zu den Besonderheiten der Gravur dieses Typs gemacht werden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass eines der etwa 500 hergestellten Falsifikate irgendwann in einer Sammlung oder im Handel auftaucht.


Aufgrund der hergestellten Menge und der Qualität der gefälschten Banknoten galt der Fall, der sich im Juni 1919 in Bukarest ereignete und dessen Hauptakteure Edmond Breitner, Matei Pentelescu, die Brüder Garuli und ihre Komplizen waren, bereits in der damaligen Zeit als die bedeutendste Fälschung von Banknoten der Banca Generala Româna.


Ştefan Vasiliţă


Anmerkungen

[1] G. D. Creangă, Raport asupra activității Băncii Generale Române, Bukarest, Indepenența Druckverlag, 1919, S. 92.

[2] Frumoasa și interesanta captură a falsificatorilor biletelor Băncii Generale Române de către Siguranța Capitalei, in Revista Poliției (Bukarest), I, 20. Juli 1919, 7, S. 5-9; Afacerea bancnotelor false, in Revista Poliției (Bukarest), I, 3. August 1919, 7, S. 6-7.

[3] Über den Fall wurde, wenn auch mit einigen Fehlern, in der Presse jener Zeit berichtet.

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