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Die geheimen Banknotenserien der skandinavischen Länder im "Kalten Krieg"

Aktualisiert: 11. Okt. 2022

Die skandinavischen Länder sind stolz auf ihre lange Tradition der Unabhängigkeit und Neutralität. Zuletzt hatten die Schweden im großen Stil auf Seiten der Protestanten in den "Dreißigjährigen Krieg" eingegriffen und Dänemark und Norwegen standen im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung, während Schweden immer wieder in humanitären Fragen vermittelte. Erst der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine veranlasste Schweden wie auch Finnland, um Beitritt zur NATO zu ersuchen.


Unvereinbare politische Gegensätze und die Ausdehnung der sowjetischen Interessensphäre auf ganz Ost- und Teile Mitteleuropas spalteten schon bald nach dem gemeinsamen Sieg über Hitler-Deutschland die einstigen Alliierten und führten zum sog. "Kalten Krieg", in dem sich beide Seiten auf den militärischen Ernstfall vorbereiteten und in dem das geteilte Deutschland zum Hauptschlachtfeld geworden wäre.

Auch die skandinavischen Länder fühlten sich durch den Sowjet-Imperialismus bedroht, dem immer mehr Völker zum Opfer gefallen waren. So gehörten Dänemark und Norwegen bereits 1949 zu den Gründungsmitgliedern des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses (NATO).

Zu den unmittelbaren Vorbereitungen auf eine mögliche Kriegsgefahr gehörten für die Skandinavier, was bis heute kaum bekannt ist, auch eigene Ersatzwährungen, die strenger Geheimhaltung unterlagen. Auch die Deutsche Bundesbank hatte bekanntermaßen in den 1960er Jahren geheime Ersatzserien für Westdeutschland (1960) und Westberlin (1963) sowie sog. Bundeskassenscheine (1967) drucken lassen.



Die geheimen Banknoten Norwegens

Bereits mit der Jahresangabe 1950 wurden im Auftrag der Norges Bank Entwurfszeichnungen für geheime Ersatzbanknoten geschaffen. Bekannt wurden Zeichnungen für Werte zu 5 und 10 Kronen. Mit Angabe des Jahres 1952 folgten dann auch Entwürfe für 100-Kronen-Scheine.


5 Kronen

Original-Entwurfszeichnung zu 5 Kronen mit Jahr 1950, einseitig, Rückseite mit Kleberesten.

(Sammlung Kjell William Riibe)

Probedruck zu 5 Kronen ohne Datum (1950–1952) der Rückseite mit Aufdruck "Probedruck ohne Wert" und Kleberesten, Vorder- und Rückseite. (Sammlung Kjell William Riibe)


Probedruck zu 5 Kronen 1952 der Vorderseite, Rückseite mit wiederholter Angabe "Probedruck ohne Wert" , Vorder- und Rückseite. (Sammlung Kjell William Riibe)

 

10 Kronen

Original-Entwurfszeichnung zu 10 Kronen mit Jahr 1950, einseitig, Rückseite mit Kleberesten.

(Sammlung Kjell William Riibe)


Original-Entwurfszeichnung zu 10 Kronen mit Jahr 1950 in veränderter Zeichnung, einseitig, Rückseite mit Kleberesten. (Sammlung Kjell William Riibe)


Probedruck zu 10 Kronen ohne Datum (1950–1952) der Vorderseite mit Aufdruck "Probedruck ohne Wert", Vorder- und Rückseite. (Sammlung Kjell William Riibe)


Probedruck zu 10 Kronen ohne Datum (1950–1952) der Rückseite mit Aufdruck "Probedruck ohne Wert" und Kleberesten, Vorder- und Rückseite. (Sammlung Kjell William Riibe)

 

100 Kronen

Original-Entwurfszeichnung zu 100 Kronen mit Jahr 1952, einseitig.

(Sammlung Kjell William Riibe)


Original-Entwurfszeichnung zu 100 Kronen mit Jahr 1952, einseitig. Rückseite mit Kleberesten, (Sammlung Kjell William Riibe)


Geheime Reservebanknote zu 100 Kronen ohne Datum (1980–1990),

Vorder- und Rückseite, (Sammlung Kjell William Riibe)

 

1000 Kronen

Geheime Reservebanknote zu 1000 Kronen ohne Datum (1980–1990),

Vorder- und Rückseite, (Sammlung Kjell William Riibe)

 

Die geheimen Banknoten Dänemarks

Auch die Dänen haben sich im "Kalten Krieg" auf die Einführung einer geheim gehaltenen Reservewährung vorbereitet. Gezeigt werden hier Noten der Dänischen Nationalbank zu 1, 10 und 100 Kronen, die wahrscheinlich aus den 1950er Jahren stammen.


Danmarks Nationalbank, Reservebanknote zu 1 Krone ohne Datum (Gesetz vom 7. April 1936), Vorder- und Rückseite.


Danmarks Nationalbank, Reservebanknote zu 10 Kronen mit Jahr 19XX, Vorder- und Rückseite.


Danmarks Nationalbank, Reservebanknote zu 100 Kronen mit Jahr 19XX, Vorder- und Rückseite.

 


Die geheimen Banknoten Schwedens

Wie die schwedische Zeitschrift "MILITÄR HISTORIA" bereits im Februar 2012 berichtet hat, legte die Schwedische Reichsbank im "Kalten Krieg" eine geheime Kriegskasse im Wert von mehreren Milliarden Kronen als sog. "Kriegsvaluta" an. Im Königlichen Münzkabinett sind einige dieser Scheine zu sehen. Berühmte Schweden wie Esaias Tegnér, Axel Oxenstierna und Carl von Linné sind auf den geheimen Geldscheinen abgebildet.


In den frühen 1950er Jahren ergriff die Schwedische Reichsbank besondere Maßnahmen, um die Geldversorgung des Landes in Zeiten von Unruhen und Krieg sicherzustellen. Es wurden sogenannte "Notgeldscheine" im Wert von schätzungsweise 4,3 Mrd. SEK hergestellt, was 2012 etwa 55 Mrd. SEK entsprach.


Die Banknoten wurden heimlich bei Thomas De La Rue in London gedruckt und dann in schwedischen Tresoren gelagert, für den Fall, dass der "Kalte Krieg" auf Schweden übergreifen würde.




Sveriges Riksbank: Geheime Reservebanknoten zu 5, 10 und 100 Kronen, Vorder- und Rückseiten.


Rein zufällig wurde in der Reichsbank ein kleiner Stoffbeutel gefunden, der 3.000 Notgeldscheine enthielt: 1.000 Stück 5-Kronen-Banknoten, 1.000 Stück 10-Kronen-Banknoten und 1.000 Stück 100-Kronen-Banknoten. Erst 1982 war beschlossen worden, die Scheine zu vernichten.


Sveriges Riksbank: Geschredderte Reservebanknoten.


Es versteht sich von selbst, dass derartige Reservebanknoten des "Kalten Kriegs", egal ob es Dänemark, Norwegen oder Schweden betrifft, selten und für Sammler und Historiker ganz besondere Belege der Geld- und Zeitgeschichte sind.


Hans-Ludwig Grabowski


Herzlichen Dank für die Abbildungen aus der Sammlung von Kjell William Riibe und für die bereitgestellten Abbildungen durch Manfred Dietl.


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