Dr. Adolf Ehrenfeld und seine Papiergeldsammlung


Heute ist das Papiergeldsammeln zu einem schönen Hobby geworden, das neben Stunden der Erbauung viel zu unserer Bildung beiträgt, unseren Horizont erweitert, die gesellschaft-lichen Zusammenhänge vergangener Zeiten aufzeigt und die Ursachen bloßlegt, die die monetären Erscheinungen auslösten. So wird das Hobby schließlich zu einer ernsthaften Beschäftigung mit unserer geschichtlichen Vergangenheit.











Da liegt es nahe, auch einmal Rückschau zu halten und zu fragen, wie sich das Papiergeldsammeln entwickelt hat. Wer waren denn die ersten Sammler, die systematisch Papiergeld zusammentrugen? Warum traten diese wenigen Pioniere doch erst verhältnismäßig spät auf den Plan, wenn man einen Vergleich mit den Münzsammlern zieht?


Das hat mehrere Gründe:

Münzen werden schon seit vielen Jahrhunderten gesammelt. Heute gibt es viele Münzsammlungen in aller Welt. Dagegen blieb das Sammeln von Papiergeld bis zum Ersten Weltkrieg eine Ausnahme, weil es schwer war, altes Papiergeld zu beschaffen. Heute kann man alte Münzen mit genügend Geld erwerben. Beim älteren Papiergeld bedarf es schon vieler Jahre fleißiger Arbeit. Zum anderen traten ja auch die Geldscheine relativ spät auf. Geldscheine brachte man schon wegen ihres höheren Wertes zur Einlösung, wenn diese außer Kurs gesetzt wurden. Und nur wenige konnten es sich leisten, einen solchen Schein zurückzuhalten. Auch war ein Geldschein nach dem Einzug völlig wertlos, im Gegensatz zur Münze, die doch ihren Metallwert behielt.

So ist auch erklärlich, dass am Endes des 19. Jahrhunderts nur wenige ältere Papiergeldsammlungen auf der Welt existierten, die wirklich Bedeutung erlangten.

Zum anderen muss man auch beachten, dass das Sammeln in dieser Zeit nur den gehobenen Ständen möglich war, ganz im Gegensatz zu heute.

Schließlich ist zu berücksichtigen, dass es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fast keine Fachhändler für Papiergeld gab. Eine Ausnahme machte die Münz- und Papiergeldhandlung Zschiesche und Köder in Leipzig, die schon um 1895 seltene Scheine anbot, wo – wie aus einem alten Angebot hervorgeht – man z.B. 10 Taler Hessen von 1855 für 6 Mark erwerben konnte. Aber auch das war für den einfachen Mann der Straße schon nicht mehr erschwinglich. Alle diese Fakten wären also für den verspäteten Beginn des Papiergeldsammelns zu nennen.


Zu den Pionieren des Papiergeldsammelns zählen wir Dr. Adolf Ehrenfeld aus Wien. Über seine Lebensdaten war bisher kaum etwas bekannt. Erst intensive Nachforschungen im Wiener Stadt- und Landesarchiv ergaben, dass Dr. Adolf Ehrenfeld am 28. Oktober 1836 in Lèva (Ungarn) geboren wurde. Das Wiener Adressenverzeichnis von 1880 gibt einen Hinweis. Dort erscheint er als JDr. (Dr. jur.) fürstlich Esterhazyscher ­Majorats-Consulent, wohnhaft Wien I., Schellin­gasse 7. Ab 1897 war seine Adresse auf Wien XIII., Anhofstraße 15, geändert. Er wurde jetzt als Privatier bezeichnet. Inzwischen war er Ritter des schwedischen Wasa-Ordens geworden.

Seit 1876 war Dr. Adolf Ehrenfeld Mitglied der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft. Er war bekannt als Sammler von Papiergeld. Im Mitgliederverzeichnis von 1897 wird er dann aber nicht mehr aufgeführt.

Inwieweit die Firma Ehrenfeld u. Co., Kommissionshandlung mit Börseneffekten und Wertpapieren, Wien I., Hohenstaufengasse 2, mit unserem Dr. Ehrenfeld zu tun hatte, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Vermutlich war er dort als Bankier tätig.

Albert Pick gibt ihn in seinem Papiergeld-Lexikon auch als solchen an. Er war also schon von Haus aus prädestiniert, Papiergeld-Raritäten zu seiner Zeit bewusst zusammenzutragen und hatte auch die nötige finanzielle Basis dafür.

Ehrenfeld hat schon in den 1870er und 1880er Jahren mit viel Überlegung und Fleiß zielgerichtet seine Sammlung aufgebaut und wertvolle Stücke der Nachwelt erhalten, von denen heutige Sammler nur zu träumen wagen. Er hat keinen Aufwand gescheut, um fehlende Stücke aus fernen Ländern heranzuziehen. Zu diesem Zweck hat er sogar weite Reisen unternommen. Er nutzte auch auf Geschäftsreisen jede Möglichkeit, um an interessante Scheine heranzukommen, so dass er nach einiger Zeit schon eine schöne Sammlung aufgebaut hatte. Und schließlich kam ihm auch noch ein staatliches Ereignis zugute. Die Wiener Jubiläumsausstellung der Numismatischen Gesellschaft zum 40-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs von 1888 stand vor der Tür.

Hier wollte man zu Ehren des Monarchen auch sämtliche in Österreich erschienenen Papiergeldscheine ausstellen. Was lag näher, als sich an den schon bekannten Bankier Dr. Adolf Ehrenfeld mit der Bitte zu wenden, seine Exponate dafür zur Verfügung zu stellen. Dr. Ehrenfeld nahm diese Gelegenheit wahr und konnte dem Publikum auch andere Papiergeld-Raritäten präsentieren. Die Presse war des Lobes voll und zollte hohe Anerkennung. Das wiederum hatte zur Folge, dass auch offizielle Stellen der k.-u.-k.-Monarchie darauf aufmerksam wurden und seine Sammeltätigkeit sogar unterstützten.

In diesem Zusammenhang ist eine Zirkularnote vom 30.6.1889 von Bedeutung, die das k.-u.-k.-Ministerium des Äußeren für alle ihre Konsularämter herausgab, in der angewiesen wurde, ihre im Amtsbereich liegenden Notenbanken zu ersuchen, Scheine ihrer älteren und neueren Ausgaben direkt an Dr. Adolf Ehrenfeld zu übersenden.

Diese große Unterstützung von Seiten des Staates brachte in kurzer Zeit einen beachtlichen Zustrom von Noten, so dass die Ehrenfeldsche Sammlung schon bald einen Bestand von über 5000 Stück hatte, zumal die Museen zur damaligen Zeit den Wert einer solchen Papiergeldsammlung noch nicht erkannten. So hat Dr. Adolf Ehrenfeld viel für die Geschichte des Papiergeldsammelns getan, das spätere Generationen erst richtig zu würdigen wussten.

Die Sammlung muss ein reines Raritätenkabinett gewesen sein. Heutige Sammler können sich kaum eine Vorstellung davon machen, weil es diese Stücke in so einer Anhäufung in einer Hand jetzt nicht mehr gibt.

Grafiker und Kunsthistoriker fanden in der Sammlung neue Anregungen. Da wären die auf gewöhnlichem Papier in Buchdruck hergestellten Noten zu nennen und das reichte weiter bis zu den auf Büttenpapier und in Holzschnitt-Technik hergestellten Scheinen. Schließlich waren noch die auf Stein- und Kupferdruck hergestellten Noten der damaligen Zeit zu finden.


Um sich wenigstens ein ungefähres Bild vom Ausmaß der Kostbarkeiten zu machen, sei hier eine Übersicht angeführt, ehe wir danach einige ausgefallene Raritäten betrachten.

In der berühmten Ehrenfeldschen Papiergeldsammlung waren u.a. Scheine aus den in der Tabelle aufgeführten Ländern enthalten.

In der Sammlung befanden sich insgesamt mehr als 5500 Stücke. 

Wenn wir das Ergebnis mit dem Umfang mancher Sammlungen aus heutiger Zeit vergleichen, so mag das wenig erscheinen, nachdem es jetzt Sammlungen mit Zehntausenden von Scheinen gibt. Aber es handelte sich damals eben um alte historische Geldscheine. Und das muss uns dann doch in Staunen versetzen!

Wenn man nur die 158 Stück aus den Altdeutschen Staaten von 1772 – 1884 betrachtet, so ist das schon ein derartiger Umfang an Raritäten, den auch der eifrigs­te Sammler heute kaum mehr zusammentragen kann.

Wir müssen uns mit einigen wenigen Exemplaren davon begnügen.




Nun zu einigen besonderen Stücken, die in der Sammlung enthalten waren. Da fand man auch das älteste erhaltene Papiergeld der Welt des chinesischen Kaisers Tai-Tsu der Ming-Dynastie (1368 – 1398) in Form einer nur noch in wenigen Exemplaren existierenden 1000-Käsch-Note. Das bläuliche Papier dieser Note wurde aus den ­Fasern des Maulbeerbaums hergestellt (225 mm x 340 mm).

Besonders selten auch das älteste noch erhaltene europäische Papiergeld: Es ist eine während der Belagerung Leydens 1574 herausgegebene Pappmünze zu 28 Stüber.

Die Sammlung präsentierte auch die von der Stockholmer Bank 1653 herausgegebenen Credityf-Zedel. Schließlich waren auch die ältesten englischen Noten, die Exchequer-Bill vorhanden. Diese waren 1697 vorübergehend zu Staatsnoten erklärt worden und auf den Überbringer ausgestellt. Auch von Frankreich finden wir eine Note der Law’schen Banque Royale von 1720. Von den Noten der Oesterreichischen Nationalbank konnte man besonders die Scheine des berühmten Notenfälschers Peter von Boor bewundern. Die Sammlung enthielt auch große Mengen Notgelder von 1848/1849 aus Böhmen und Italien, die außerordentlich selten sind.

Eine besondere Kuriosität stellte eine 100-Francs-Note dar. Diesen Schein ließ der französische General Beileisle zur Zeit der Belagerung von Prag 1742 als Notgeld drucken. Hierbei musste nämlich noch der Stempel des 1740 verstorbenen Kaisers Karl VI. benutzt werden, weil der Stempel Karls VII. nicht vorhanden war. Zu finden waren auch sämtliche Belagerungsnoten: Lyon (1793), Mainz (1793), Mantua (1796), Colberg (1807), Erfurt (1813). Aber auch die damals neuesten Noten fehlten nicht. Hier wären z.B. die von Gordon Pascha 1883 in Khartum herausgegebenen Scheine zu nennen, die anlässlich seiner Einschließung durch den Mahdi in Umlauf kamen. Besonders reichhaltig waren Noten der Vereinigten Staaten von Amerika vertreten. Die Aufstellung nennt ca. 1600 Stück aus der Zeit von 1775 – 1884.

Beachtung verdienen auch die noch auf Pfund und Schilling lautenden Kolonialnoten. Hier müssen noch zwei bei Benjamin Franklin gedruckte 20-Schilling-Scheine von Delaware 1758/59 genannt werden. Wir finden die ersten Staatsnoten von 1777 ebenso wie die Ausgaben der konföderierten Staaten und der Nationalbanken. Wir wollen es mit diesen Andeutungen bei den Besonderheiten bewenden lassen, wohl wissend, dass noch manches schöne Stück genannt werden müsste.

Heute stellt sich aber besonders die Frage, was aus der berühmten Ehrenfeld- Sammlung im Laufe der Jahre geworden ist. Die Museen hatten ja inzwischen den Wert dieser Sammlung erkannt. So war es besonders das Wiener Münzkabinett, das diese Sammlung gern erworben hätte. Trotz größtem Interesse gelang es damals nicht, von öffentlicher oder privater Seite, die Mittel für den Erwerb aufzubringen. Auch der Ungarischen Nationalbank wurde die Sammlung angeboten. Leider konnte die damalige Direktion die Bedeutung der wertvollen Sammlung nicht ermessen.

Bei der weiteren Entwicklung der Sammlung sind wir heute zum großen Teil auf Vermutungen angewiesen. Fest steht nur, dass 1927 in Wien ein umfassender Katalog der Sammlung herausgegeben wurde, der in Auszügen auch für die Ausarbeitung dieser Studie mit verwendet wurde. Dieser Katalog (ohne Verfasser!) weist die Ehrenfeldsche Sammlung als eine der komplettesten und umfangreichsten der Welt aus. Hier finden wir eine fast vollständige Aufstellung aller ausgegebenen alten Papiernoten. 1927 war wohl auch das Jahr, in dem die Sammlung zum letzten Mal genannt wurde. Heute vermuten wir, dass damals diese herrliche Sammlung in Wien oder im Ausland durch Versteigerung aufgelöst und dadurch in alle Winde zerstreut wurde.

Diese Vermutungen werden noch durch folgende in Erfahrung gebrachte Fakten gestützt: Dr. Adolf Ehrenfeld starb am 9. April 1903 in Wien und wohnte zuletzt im 13. Bezirk, Anhofstraße 15. Leider ist im Archiv der Stadt Wien keine Verlassen-schaftsabhandlung vorgefunden worden. Erbe unseres Dr. Adolf Ehrenfeld war Ministerialrat Dr. Richard Ehrenfeld-Popp, Wien III., Ungargasse 50, gewesen.

Die Prachtsammlung hat also über 20 Jahre bei ihm gelegen. Dieser Herr stand dann 1926 in Verhandlungen mit dem Bundesdenkmalamt wegen Ausfuhr einer Papiergeldsammlung. Deshalb setzte er sich mit Dr. Loehr, dem damaligen Direktor des Wiener Münzkabinetts, in Verbindung. Dieser hatte als Konsulent des Bundesdenkmalamtes ein Urteil abzugeben. Dabei wurde die gesamte Sammlung auf 20.000 österreichische Schilling geschätzt. Das entspricht nach damaliger Umrechnung einem Wert von etwa 12.000 RM und gibt zum Nachdenken Anlass. Eine Bewertung aus heutiger Sicht würde uns in Erstaunen versetzten. Es wird dann noch festgestellt, dass der Eigentümer der Sammlung – also der Erbe – 108 Stück dem Wiener Münzkabinett gewidmet hat und dass einer Ausfuhrbewilligung für die anderen Objekte nichts entgegenstehe. Was nun tatsächlich mit der Sammlung geschehen ist, ist nicht geklärt.


Für die vielen Anregungen und Hinweise zu dieser Studie gilt der besonderer Dank dem früheren Direktor des Wiener Münzkabinetts, Herrn Hofrat Dr. Bernhard Koch und Frau OR Dr. Eva Obermayer-Marnach von der Redaktion des Österreichischen Biografischen Lexikons der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, die mir alle in mühevoller Kleinarbeit halfen, die bisher weitgehend unbekannten und unbelegten Fakten zusammenzutragen und die Forschungen zu dem ganzen Themenkreis voranzubringen.

Dank auch dem ehemaligen Direktor des Berliner Münzkabinetts , Herrn Dr. Heinz Fengler, der für die Nachforschungen wertvolle Hinweise gab.

Ich bin mir bewusst, dass das Lebensbild dieses großen Papiergeldsammlers nicht vollständig ist und noch weitere Überlegungen angestellt werden müssen.


Walter Linke


Literatur:

  1. Pick, Albert: Papiergeldlexikon, München 1978

  2. „Katalog der Papiergeldsammlung Weiland Dr. Adolf Ehrenfeld“, Wien 1927

  3. Kupa, M.: Die Dr. Adolf Ehrenfeldsche Papiergeldsammlung, in „Der Geldschein“ 1/1976

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