Ein Gang durch den Bundesbankbunker in Cochem an der Mosel
- Uwe Bronnert

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Der Bundesbankbunker in Cochem-Cond gehört zu den geheimsten und zugleich faszinierendsten Relikten des "Kalten Krieges" in der Bundesrepublik Deutschland.

Zwischen 1964 und 1988 lagerte die Deutsche Bundesbank dort bis zu 15 Milliarden D‑Mark einer streng geheimen Ersatzwährung, der sogenannten BBk‑II‑Serie, die im Kriegs- oder Krisenfall die wirtschaftliche Stabilität der Bundesrepublik sichern sollte.

In den 1960er Jahren war die Bundesrepublik Deutschland aufgrund ihrer geografischen Lage besonders exponiert: Als NATO-Mitglied und Grenzstaat zum Warschauer Pakt galt sie als potenzielles Hauptziel politischer und wirtschaftlicher Sabotage. Zu den befürchteten Szenarien gehörte insbesondere die massenhafte Einschleusung von Falschgeld durch den Ostblock, die das Vertrauen in die D‑Mark zerstört hätte.
Um diesem Risiko zu begegnen, ließ die Bundesbank eine geheime Ersatzwährung drucken, die im Ernstfall sofort ausgegeben werden sollte. Parallel entstanden Schutzbauten wie der Regierungsbunker in Ahrweiler, sowie ein eigener Bunker für die Lagerung der Ersatzwährung.
Der Bunker wurde zwischen 1962 und 1964 errichtet, rund 30 Meter unter der Erdoberfläche. Der Standort war strategisch günstig gewählt; nicht weit von der Metropole Frankfurt am Main, dem Sitz der Deutschen Bundesbank, dennoch sicher hinter dem natürlichen „Bollwerk“ Rhein. Darüber hinaus meinte man, dass die geologische Beschaffenheit des Tals – Schiefergestein und die natürliche Abschirmung durch die umliegenden Höhenzüge – ideale Voraussetzungen für einen Schutzbau bieten würde, der selbst Druckwellen eines nuklearen Angriffs widerstehen könnte.
Über dem unterirdischen Komplex standen zwei unscheinbare Wohnhäuser, die als Schulungszentrum der Bundesbank dienten. Tatsächlich verbargen sie die Zugänge zu einer 1.500 Quadratmeter großen Bunkeranlage mit Tresorräumen und Versorgungseinrichtungen.
In den zwölf Tresorboxen lagerten in Geldsäcken und Geldkisten bis zu 15 Milliarden D‑Mark der geheimen Ersatzwährung, die zum Glück nie in Umlauf gesetzt werden musste.
Nur wenige Prüfer der Bundesbank durften den Bunker betreten; sie kontrollierten den Bestand regelmäßig stichprobenartig.
Mit dem Ende des "Kalten Kriegs" verlor die Notstandswährung ihre Bedeutung. 1988 wurde sie vernichtet, der Bunker stand zunächst leer. 1994 ging die Anlage an die Volksbank Cochem über, die Teile des Tresors für eine Schließfachanlage nutzte. Der Großteil des Bunkers blieb jedoch unangetastet.
2014 wurde der gesamte Komplex an einen Unternehmer aus Treis‑Karden verkauft und anschließend restauriert. Seit 2016 ist er als Dokumentationsstätte öffentlich zugänglich. Besucher gewinnen bei den Führungen einen einzigartigen Einblick in die Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik. Die Häuser des Schulungszentrums wurden zu einem Hotel umgebaut.

Der Besuchereingang zum Bunker befindet sich in der umgebauten ehemaligen Garagen-Einfahrt. Hier wurden die angelieferten Banknoten mit einem Lastenaufzug zur Tresoranlage gebracht. Die Besucher begeben sich allerdings auf einer Treppe hinab in die Bunkeranlage, deren Wände aus bis zu 1,20 Meter starkem Stahlbeton besteht, der gegen Explosionen, Strahlung und mechanische Angriffe ausgelegt war. Ein langer Gang – durch verschiedene Bunkertüren in verschiedene Schleusen unterteilt – führt zum Tresorraum. Die kleinen Räume rechts des Ganges mit Duschen usw. dienten dazu, Personen, die mit atomaren oder mit biologisch verseuchten Stoffen in Berührung gekommen waren, zu dekontaminieren.



Der Tresor wird durch eine massive, tonnenschwere Stahltür gesichert. Sie verfügt über mechanische Zahlenschlösser, elektrische Sperren sowie Zeitverzögerungsmechanismen. Zusätzlich sind drei Schlüssel zum Öffnen nötig. Da diese verschiedenen Personen anvertraut waren, konnten sie nur gemeinsam die Tür öffnen. Die Anlage war so konzipiert, dass selbst bei gewaltsamem Eindringen die inneren Tresorräume nicht ohne weiteres geöffnet werden konnten. Links und rechts des langen Tresors befinden sich „Drahtkäfige“ (Tresorboxen). Hier lagerten die Milliarden D-Mark in Säcken, Kisten und Kartons.





Am Ende führte eine Treppe in den darüber liegenden Bunkerbereich. Hier waren die Arbeitsräume der 26 Bankmitarbeiter, die am Tag X die Scheine der BBk-I-Serie gegen Noten der BBk-II-Serie austauschen sollten. Ferner waren auf dieser Ebene die Schlafräume, der Aufenthaltsraum und die Küche untergebracht. Bleibt noch anzumerken, dass sich auf dieser Ebene auch ein Notausstieg befindet.




Der Bunker war für einen autarken Betrieb von mindestens 14 Tagen ausgelegt.
Dazu gehörten: ein Diesel-Notstromaggregat, ein eigener Kraftstoffvorrat und redundante Stromkreise. Das Aggregat konnte die gesamte Anlage inklusive Lüftung, Beleuchtung und Sicherheitstechnik versorgen. Die Lüftungsanlage war ein technisches Kernstück: mehrstufige Filter (Staub, Aktivkohle, Feinstaub), Schutz gegen chemische und biologische Kampfstoffe und Überdrucksystem zur Verhinderung des Eindringens kontaminierter Luft.
Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit mussten stabil gehalten werden, um die Banknoten der BBk‑II‑Serie langfristig zu schützen.
Das Kommunikationssystem des Bunkers verfügte über interne Telefonleitungen, eine gesicherte Verbindung zur Bundesbankzentrale und Notfallfunkgeräte. Die Systeme waren gegen äußere Störungen abgeschirmt und konnten auch bei Ausfall des öffentlichen Netzes betrieben werden.

Am Ende des Rundgangs kommt man noch an dem Tresorraum vorbei, in dem die Volksbank ca. 500 Schließfächer anbringen ließ.
Sollten Sie nach Cochem kommen, dann gehört ein Besuch der Bunkeranlage zum Pflichtprogramm. Täglich finden mehrere Führungen statt. Da die Anlage in einer Sackgasse liegt und dort keine Parkplätze zur Verfügung stehen, ist es ratsam entweder dorthin zu laufen oder den Bus zu nehmen, der alle 20 Minuten fährt.
Nähere Informationen unter https://www.bundesbank-bunker.de/
Uwe Bronnert




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