Ein nicht ausgeführter Geldschein-Entwurf der Stadt Laufen

Die Stadt Laufen im Landkreis Berchtesgadener Land an der Salzach gelegen, emittierte unter dem Datum „20. Oktober 1920“ sog. Verkehrsnotgeldscheine zu 25 und 50Pfennig. Beide Vorderseiten sind einheitlich gestaltet. Im oberen Teil links das Stadtwappen und rechts das bayerische Wappen (Laufen wurde erst 1816 endgültig Bayern zugeschlagen); im unteren Teil links die Wertangabe und rechts eine Abbildung der St. Michaelskapelle. Im mittleren Teil achtzeilig: „Der Gutschein / verliert seine / Giltigkeit / einen Monat / nach öfften= / licher Bekannt= / gabe. / Laufen, 20. X. 1920 / Stadtrat“, darunter die Unterschrift „Fuchs“, links davon „H“ und rechts „S“. Über den drei Feldern Wert in Ziffern – Stadt Laufen – Wert in Ziffern. Das Ganze eingefasst in einen Schmuckrahmen, außerhalb am unteren Rand die Angabe „Druck: A. Schwarz, Lichtenberg/Allgäu“.


Abb. 1.1/2: Laufen, Stadt, 20.X.1920, 25 Pfennig, Vorder- und Rückseite.


Die Rückseite des 25-Pfennig-Wertes bildet in einem rechteckigen Rahmen eine Stadtansicht mit Salzach ab, daneben jeweils eine Vase mit einem üppigen Blumenstrauß. In beiden oberen Ecken „25“ und in den unteren Ecken „PFG.“, dazwischen oben als Überschrift „Stadt Laufen“ und unten zweizeilig „Kein Pfennig sei zu gering, / er schafft viel gut Ding.“ In den unteren Ecken des Bildes wieder „H“ und „S“ sowie die rote Kontrollummer.


Abb. 2.1/2: Laufen, Stadt, 20.X.1920, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite.


Beim 50-Pfennig-Nominal wird die Stadtansicht in einem ovalen Rahmen eingefasst, links und rechts jeweils ein Füllhorn mit Blumen, darüber „50 Pfennig Pfennig 50“. Unter dem Oval „Stadt Laufen“ sowie in den unteren Ecken „H“ und „S“.


Abb. 3: Laufen, Stadt, 20.X.1920, 20 Pfennig, Druckprobe der Vorder- und Rückseite auf einem Bogen.


Neben diesen beiden ausgegebenen Werten gibt es Druckproben eines Wertes zu 20 Pfennig, dessen Vorder- und Rückseite auf einem Bogen gedruckt sind. Das Aussehen der Probe entspricht dem Schein zu 25 Pfennig. Der einseitige weiße Druckbogen hat die Maße 175 x 127 mm.


Die Entwürfe der Notgeldscheine der Stadt Laufen stammen von Prof. Hermann Selzer, der seine Arbeiten mit den Initialen „H. S.“ kennzeichnete. Er wurde am 30. April 1878 in Deggendorf geboren. Hier war sein Vater Oberamtsrichter. Nach dessen Versetzung an das Amtsgericht in Altötting verbrachte Hermann hier von 1883 bis 1893 seine Kinder- und Jugendjahre. Von 1888 bis 1897 besuchte er das humanistische Gymnasium in Burghausen. Danach studierte er an der Technischen Hochschule (TH) in München und wurde Professor am dortigen Gewerbelehrerinstitut, später wohl auch Professor für Wasserbau an der TH München. Selzer war auch als Oberbaurat und Architekt tätig.

Von ihm stammt z. B. die kleine protestantische Jugendstil-Kirche in Kochel, die 1913/14 entstand. Nebenbei beschäftigte er sich mit Malerei. Ende des Ersten Weltkriegs und Anfang der 1920er beschäftigte er sich auch mit Entwürfen von Notgeldscheinen, so z.B. auch für Altötting und Burghausen. Selzer starb am 23. April 1941 in München. Sein Grab befindet sich in der Familiengruft im Friedhof in Altötting.


Da auch der überaus kreative Künstler Heinz Schiestl die selben Initiale wie Hermann Selzer verwendete, kommt es manchmal zu Verwechselungen bei der Zuordnung der Urheberschaft, zumal ihre Entwürfe fast ausschließlich von derselben Druckerei umgesetzt wurden. J. Adolf Schwarz gründete 1899 eine Buch- und Kunstdruckerei in Lindenberg/Allgäu. In den Jahren 1917 bis 1923 machte sich die Druckerei wegen ihrer künstlerisch und drucktechnisch herausragenden Notgeldscheine in ganz Deutschland einen Namen. Dies lag nicht zuletzt an der Zusammenarbeit mit dem Würzburger Künstler Heinz Schiestl. Im Dezember 2000 war dann in den Zeitungen zu lesen, dass die Druckerei einen Insolvenzantrag gestellt habe. Im April 2001 dann für die Mitarbeiter die erlösende Nachricht, dass das Traditionsunternehmen vom Druckhaus Frankenbach GmbH übernommen würde.


Uwe Bronnert

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