top of page

Aus dem Archiv: Falsche Fünfziger

Autorenbild: Archiv
Archiv
vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Meisterfälscher Kurt Peglow verriet vor der Filmkamera die Geheimnisse seines genialen Könnens


Gefunden in "Der Stern", veröffentlicht in seiner Ausgabe am 10. April 1955.



Als sich die Fesseln um die Hände des Graphikers Kurt Peglow schlossen, konnte die Kripo befreit aufatmen. Denn dieser Mann, der in seinem Hinterhausatelier in der Bäckerstraße von Hameln beim Frühstück verhaftet wurde, ist ein Fälschergenie, dessen Leistungen seit einem halben Jahrhundert ohne Parallele sind. Vier Jahre lang stellte er 10- und 20-DM-Noten her, die den echten so verteufelt glichen, daß nur Fachleute mit Lupen und Chemikalien die "Blüten" erkannten. Die Krönung seiner "Meisterwerke" sollten jetzt falsche Fünfziger sein. Aber da kam endlich die Polizei dazwischen. Und Peglow kehrte zurück ins Gefängnis, in dem er schon ein Jahrzehnt seines Lebens verbracht hatte. Das erstemal wurde er in den zwanziger Jahren bei der Herstellung von Dollarnoten in Berlin erwischt. Dann arbeitete er beim Film und kopierte im regulären Auftrag die Gemälde alter Meister. Nebenbei machte er Lebensmittelkarten. Ergebnis: drei Jahre Zuchthaus. Nach dem Kriege waren es wieder Fleisch- und Fettmarken, die ihn ins Zuchthaus brachten. Den guten Vorsatz zur Besserung durchkreuzte die Bekanntschaft mit seinem Zellengenossen Jürgens, der ihm nach der Haft eine komplette Werkstatt für 15 000 DM einrichtete. Und Peglow fabrizierte DM am laufenden Band. Er arbeitete so genial, daß die Kripo ihn in Hannover vor die Filmkamera stellte, um seine raffinierte Arbeitsmethode festzuhalten. Der Film liegt jetzt im Polizeitresor – als Unterrichtsstoff für Kriminalanwärter.

Meisterfälscher Kurt Peglow: Falschgeld, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.
Meisterfälscher Kurt Peglow: Falschgeld, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.

Das sind die Meisterwerke des Fälschers Peglow. Im Vordergrund ein falscher Fünfziger nach dem ersten Arbeitsgang. Die Kripo in Hannover bekannte: "Selbst die besten Fachleute mit den modernsten chemiegraphischen Geräten könnten die Druckplatten nicht besser herstellen." Seine Falsifikate sind die besten, die bisher in der Bundesrepublik in Verkehr gekommen sind. Peglow war der letzte der großen Fälscher, behauptete die Polizei, die übrigen seien nur noch Stümper.
Meisterfälscher Kurt Peglow: Selbst gebaute Repro-Kamera, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.
Meisterfälscher Kurt Peglow: Selbst gebaute Repro-Kamera, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.

Diese Repro-Kamera bastelte sich Peglow selbst. Er fotografierte damit einen echten Schein und vergrößerte das Bild dann auf ein Meter mal ein Meter, um auch die letzten Feinheiten des Drucks für seine Fälschungen erkennen zu können. Innerhalb von vier Jahren hatte er 6000 Zehn- und Zwanzigmarkscheine hergestellt, die er mit Hilfe seines ehemaligen Zuchthauskumpanen Hermann Jürgens vertrieb. Aber der Gewinn war gering. Die Druckkosten, die Beschaffung des Notenpapiers und der echten Farben verschlangen große Summen. 
Mit der Herstellung von falschen Fünfzigern wollte er jetzt seinen großen Coup starten. Aber die Polizei war ihm inzwischen auf die Spur gekommen. Am Morgen nach der ersten Drucknacht wurde er verhaftet.
Meisterfälscher Kurt Peglow: An der Handdruckpresse, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.
Meisterfälscher Kurt Peglow: An der Handdruckpresse, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.

Vor dem Auge der Filmkamera demonstrierte der Meisterfälscher Kurt Peglow an der Handdruckpresse seine Arbeitsmethode. Die Polizei hatte sein Atelier wieder aufgebaut, um einen Film zu drehen, der als Unterrichtsstoff für Kriminalanwärter dienen soll. Peglow fühlte sich mit Recht als Star, denn seine Fälschungen waren so genial, daß selbst Fachleute sie mitunter nicht erkennten.
Meisterfälscher Kurt Peglow: Hermann Jürgens und Anni Peglow, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.
Meisterfälscher Kurt Peglow: Hermann Jürgens und Anni Peglow, Abb. "Der Stern" vom 10. April 1955.

Der "Finanzier" des Fälschers war Peglows ehemaliger Zellengenosse Hermann Jürgens, der als biederer Oberingenieur in seinem kleinen Laden an der Bundesstraße 3 Radios und Lampen verkaufte.

Anni Peglow war noch die Frau seines Wärters im Zuchthaus, als Peglow sie kennenlernte. Hinter Gittern entspann sich die Liebe. Jetzt sitzt Anni selbter, weil sie als Mitwisserin schwieg.

Aus "Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitte über Geldfälschungen 1951 – 1956" aus dem ehemaligen Archiv von Albert Pick.

Die Abbildungen wurden unter Verwendung von Künstlicher Intelligenz restauriert.

Kommentare


www.geldscheine-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page