Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 5

Aktualisiert: März 26

Fortsetzungsreihe, Teil 21


Gegen Ende der 1990er Jahre ging der Anfall von Fälschungen der gängigen Wertstufen insgesamt gesehen wieder zurück. Speziell das 1997 bzw. 1998 bei den Banknoten zu 50, 100 und 200 DM eingeführte Kinegram® erwies sich als Hemmschwelle bei den Geldfälschern, sodass diese nun vermehrt auf die Wertstufen ohne diese Sicherungen auswichen. Die steigende Anzahl der sichergestellten 10- und 20-DM-Fälschungen bewies dies, wobei hier fast ausschließlich Farbfotokopien und Scanner-Fälschungen, aber nur sehr wenige Druckfälschungen aufgetaucht waren. Das Kinegram® (im damaligen Fachjargon wurde es „Beugungsoptische Spezialfolie“ genannt und war eine Entwicklung der Schweizer Firma Landis & Gyr Communications AG), das je nach Betrachtungswinkel verschiedene Motive in den Spektralfarben zeigte, sowie weitere verbesserte Sicherungen wurden bei den am häufigsten gefälschten Werten eingeführt, weil die im Zahlungsverkehr angehaltenen Falsifikate dieser Stückelungen zum einen ein Besorgnis erregendes Ausmaß angenommen hatten, zum anderen qualitativ immer besser geworden waren. So wurde unter anderem auch die Ausgestaltung des Latent Image im Hinblick auf die einfachere Erkennbarkeit verbessert, ein Perlglanzdruck (der sogenannte Iriodinstreifen) sowie schwerer kopierbare Farbtönungen integriert. Gleichfalls wurde der fühlbare Stichtiefdruck des Blindenerkennungszeichens sowie der Schriftzüge „DEUTSCHE BUNDESBANK“ und „...DEUTSCHE MARK“ entscheidend verbessert und war nun noch deutlicher fühlbar. Hierzu musste der Stichtiefdruck der Vorderseite der Banknoten verstärkt werden. Dies hatte zur Folge, dass die Herstellung der Rückseite nur noch im indirekten Hochdruck erfolgen konnte, da deren bisherige Stichtiefdruck-Elemente den Druck der Vorderseite massiv gestört hätten. Als durchaus gewünschter Nebeneffekt war durch die einfachere Druckart der Rückseite eine Kostenersparnis eingetreten, die die Ausgaben für die verbesserten Sicherungselemente zum Teil wieder auffing.


Ein Merkblatt der Deutschen Bundesbank von 1983 über die Erkennung falscher DM-Banknoten und –Münzen.


Allerdings war es den Fälschern schon damals gelungen, verschiedene Sicherheitsmerkmale täuschend ähnlich zu reproduzieren, so dass sie einer oberflächlichen Prüfung auf jeden Fall standhielten! Schauen wir uns einige Beispiele in Bezug auf die DM-Banknoten, die längst Geschichte sind, an. Die Imitation des Sicherheitsfadens erfolgte in einigen Fällen in der Weise, dass eine transparente Folie auf die Rückseite des Falschstücks aufgeklebt wurde, die handschriftlich mit der Wertbezeichnung versehen oder bei der diese aufkopiert worden war. Der Faden war zwar in der Durchsicht erheblich schlechter zu erkennen als der echte, was aber trotzdem in den meisten Fällen bei der Annahme der Banknoten kein Grund zur Beanstandung gewesen war. Schon 1994 waren Fälschungen aufgetaucht, die aus zwei dünnen Blättern bestanden und bei denen das Wasserzeichen in hellgrauer Farbe auf der Innenseite eines Blattes aufgedruckt worden war. Der silberfarbenbeschichtete Kunststoffstreifen war fototechnisch, das heißt in Negativschrift mit der Wertbezeichnung 100 DM versehen und in das Einzelblatt der Vorderseite regelrecht eingefädelt worden. Hierzu hatte man das Papier mit Einschnitten versehen. Der Faden war damit so wie beim Original partiell in „Fenstern“ und im Durchlicht als Ganzes zu sehen, was eine äußerst täuschende Nachahmung darstellte. Durch den hohen Aufwand, den die Fälscher hier betrieben hatten, konnte man davon ausgehen, dass dies keine Fälschung aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität gewesen war, sondern das Werk eines Einzelgängers oder einer kleineren Bande, die keine allzu großen „Auflagen“ herstellte. 1995 kamen 200 DM Offsetdruckfälschungen auf den Markt, bei denen der verstärkte Stichtiefdruck der Schriftzüge „DEUTSCHE BUNDESBANK“ und „ZWEIHUNDERT DEUTSCHE MARK“ sowie des Blindenerkennungszeichens dergestalt nachgestellt worden war, dass die Fälscher diese Sicherung mittels einer Blindprägung zu imitieren versucht hatten. Während bei Druckfälschungen die Passgenauigkeit des Durchsichtsregisters schon zu diesem Zeitpunkt erreicht worden war (was noch wenige Jahre zuvor als unübersteigbare Schwelle für den Fälscher gegolten hatte), waren Farbkopien oder mittels Ink-Jet-Druckern hergestellte Falsifikate selten mit dieser Sicherung in originalgetreuer Ausführung versehen. Und auch die Nachahmung der Fluoreszenz war für Falschgeldhersteller ab etwa dem Jahr 2000 kein Problem mehr. Wie heute bei den Euro-Noten wurden die Notennummern, die bunten Fasern im Papier und selbst die Fluoreszenz der Teile des Druckbildes in nahezu originalgetreuem Farbton und in einer der echten Banknote vergleichbaren Platzierung reproduziert.


Fortsetzung folgt …




Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3.


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