„Frölich-Scheine“ aus Trikala von 1944

Aktualisiert: Mai 25

Im Sommer 1944 rückte die Rote Armee über Rumänien und Bulgarien in Richtung Ägäis und Adria vor. Dadurch wurde die militärische Lage der 300.000 deutschen Soldaten der Heeresgruppe E in Griechenland zunehmend bedrohlicher. Zudem kontrollierte die kommunistische Volksbefreiungsarmee ELAS (Ellinikos Laikos Apeleftherotikos Stratos) weite Landstriche in Nordgriechenland (Makedonien, Pindos-Gebirge, Thessalien).

Seit August 1944 begann die Wehrmacht mit dem Rückzug ihrer Soldaten aus Griechenland. Am 12. Oktober räumte sie Athen und am 31. Oktober Saloniki. Ohne nennenswerten Feinddruck überschritt die Nachhut in der Nacht vom 1. auf den 2. November die griechisch-mazedonische Grenze. Da man nicht alle Wehrmachtsangehörige rechtzeitig von den ägäischen Inseln Inseln (z.B. Kreta und Rhodos) hatte evakuieren können, verblieben diese Garnisonen bis zum Kriegsende hier.


In der Endphase der deutschen Besatzung emittierte man in Trikala, einer Stadt in der fruchtbaren thessalischen Ebene, eigenes Geld. Aufgrund der galoppierenden Inflation und der wohl auch unterbrochenen Verbindung zur Bank von Griechenland brach hier die Geldversorgung zusammen. Der Präfekt der Region, Chrysostomos Pipiliangas, ersuchte am 29. September 1944 den Kommandanten der Kreiskommandantur 805 in Trikala, Frölich, um die Erlaubnis zur Herausgabe von Notgeld. Wertlos gewordene 5000-Drachmen-Noten der Bank von Griechenland mit Ausgabedatum 12. Juli 1943 wertete man durch einen Überdruck auf. Auf der rückseitigen Darstellung mit dem Parthenon-Fries wurde ein schwarzer Überdruck angebracht: Oben der Nennwert (200.000.000), darunter die Ausgabeberechtigung vom 29. September 1944, das Ausgabedatum 1. Oktober 1944, unten links die Faksimile-Unterschrift des deutschen Kommandanten und rechts die des Präfekten und zwischen den beiden Unterschriften der rote deutsche Siegelabdruck (Reichsadler). Am oberen linken Rand erhielten die Scheine eine neue Kontrollnummer. Die ehemalige Vorderseite blieb unverändert und zeigt in der Mitte den Kopf der Göttin Athene.

Abb. 1: Trikala, 1. Oktober 1944, 200 Mio. Drachmen, Vorderseite.
Abb. 2: Trikala, 1. Oktober 1944, 200 Mio. Drachmen, Rückseite.

Die 50.000 überdruckten Banknoten zirkulierten nur wenige Tage vom 7. – 18. Oktober 1944, dem Tag, an dem sich die deutschen Besatzungstruppen aus Trikala zurückzogen. Die Scheine kommen nur in gebrauchter Erhaltung vor. Das ist auch verständlich, wurden bei ihrer Herstellung doch auch nur gebrauchte Noten verwendet.


Abb. 3: Fälschung.

Von den seltenen Scheinen werden leider auch immer wieder Fälschungen angeboten, die jedoch in der Regel leicht am Fehler in Frölich – ein oder beide Punkte über dem „o“ fehlen – zu erkennen sind. Scheine mit dem Überdruck „100.000.000“ sind moderne Fantasie-Produkte.


Ursprünglich waren auch Scheine zu 10 und 25 Millionen Drachmen geplant.

Der Scheine zu 10 Millionen Drachmen, auf der Rückseite der Banknote zu 1000 Drachmen vom 21. August 1942 gedruckt, wurde nur in geringer Stückzahl hergestellt, da eine Ausgabe wegen der schnell fortschreitenden Geldentwertung nicht mehr opportun erschien. Sie sind als Musterstücke anzusehen.


Uwe Bronnert

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