Frankreichs zweiter Anlauf

Aktualisiert: 30. Aug 2018


Abb. 1: Frankreich, sog. "Königsassignat" über 1000 Livres vom 19.12.1789 der ersten Ausgabe, welche noch unter dem König ausgegeben wurde und heute als Papiergeldrarität gilt.

Ende des 18. Jahrhunderts brauchten die Franzosen eine zweite Lektion in Sachen Papiergeld, als ob man nichts aus dem Desaster von John Law gelernt hatte. Wieder einmal waren die öffentlichen Kassen leer und die revolutionäre Nationalversammlung beschloss den Verkauf staatlicher Domänen und des Kirchenbesitzes.

Auf Vorschuss für zu erwartende Erträge wurden von 1789 – 1796 die berüchtigten „Assignate“ ausgegeben, dies waren Anweisungen auf die französischen Nationalgüter. Anfänglich wurden noch die sog. „Königsassignaten“ in Umlauf gebracht (1789 – 1792), die auch nach Absetzung und Hinrichtung des Königs im Jahre 1793 gültig blieben.

Die neu gegründete Republik brachte jedoch verstärkt eigene Assignate heraus und auch die Einführung der Franc-Währung im Jahre 1795 konnte die rasante Inflation nicht stoppen. Schließlich lag am Ende der Wert des Papiers der Assignaten höher als der darauf angegebene Geldwert, und die Scheine waren so wertlos geworden, dass man ganze Bögen davon zum Tapezieren von Wänden benutzte.


Abb. 2: Frankreich, Republik, Assignat über 50 Livres vom 14.12.1792

Was in dieser Zeit geschah, erinnert peinlich an heutige Versuche zur Sanierung staatlicher oder kommunaler Finanzen: Die Verkaufserlöse entsprachen keinesfalls den Erwartungen, die ganze Sache wurde ein riesiger Flop. Die Kosten überstiegen die Einnahmen, und trotzdem arbeiteten die Notenpressen weiter. Im Februar 1796 wurden schließlich die Druckplatten zerstört und die völlig wertlosen Scheine gingen in Flammen auf. Nicht wenige dieser „Assignaten“ hingegen überstanden, zur Freude der Geldscheinsammler, bis heute. Man kann sie oft schon für recht wenig Geld bekommen. Zugleich nehmen diese Scheine in ihrer Ausführung schon die Form von Banknoten an, mit Zierleisten, allegorischen Darstellungen und Siegeln.


Die Moral von der Geschichte

Es gibt noch verschiedene andere, interessante Beispiele zu Papiergeldexperimenten in der Geschichte. Es sollte keineswegs bei Rückschlägen in Schweden, Norwegen und Frankreich bleiben. Über noch viel gigantischere Geldvernichtung und Inflation wird noch zu berichten sein, ebenso über positive Erfahrungen mit Papiergeld, die es zweifellos auch schon im 18. und 19. Jahrhundert gab. Doch es war ein langer Weg, bis sich das Papiergeld schrittweise durchsetzte und schließlich zum eigentlichen Geld wurde.

Bei den aufgeführten Beispielen zur frühen europäischen Papiergeldgeschichte wurden grundlegende ökonomische Gesetze verletzt. Geld als Zahlungsmittel und allgemein anerkanntes Äquivalent darf nicht in unbegrenzter Menge ausgegeben werden.

Beim Metallgeld, so bei Gold, ist die Geldsumme stets durch die verfügbare Menge an Metall begrenzt. Die Bindung des gesamten Wirtschaftskreislaufs an die Metallmenge ist allerdings nicht unproblematisch. Beispielsweise hätte um 1900 eine gesamte Ernte im Deutschen Reich, die nun einmal naturgemäß im Herbst anfällt, gar nicht mit den verfügbaren Goldmünzen bezahlt werden können. Große Investitionen verlangten zunehmend Geldsummen, die in Gold gar nicht mehr zu beschaffen waren. Kreditschöpfung mit Augenmaß ist für jede Wirtschaft notwendig.

Es gibt bis heute nur sehr wenige Staaten, die nicht „auf Pump“ leben und mehr oder minder hoch verschuldet sind. Man gibt Geld in Erwartung zukünftiger Steuereinnahmen aus. Kommen diese dann nicht, erhöht sich die Staatsverschuldung. Darf der Staat selbst Geld nach Belieben drucken, kommt es zwangsläufig zur Geldentwertung in mehr oder minder großem Umfang. Selbst Staatsbankrotte kennt die Geschichte zur Genüge.


Hans-Ludwig Grabowski

Abb. 1 Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

Abb. 2 Hans-Ludwig Grabowski

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