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Geldscheinporträts: Immanuel Kant – "Der große Zerstörer im Reiche der Gedanken"

Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen.

​Geburtsname:

Immanuel Kant

Zur Person:

Philosoph

​Nationalität:

Deutsch

​Lebensdaten:

22. April 1724 – 12. Februar 1804

​Geburtsort:

Königsberg i. Pr.

​Sterbeort:

Königsberg i. Pr.

Immanuel Kant, Porträt um 1790, möglicherweise von Elisabeth von Staegemann (1761–1835).
Immanuel Kant, Porträt um 1790, möglicherweise von Elisabeth von Staegemann (1761–1835).

Immanuel Kant revolutionierte die Philosophie. Was er in seinen Schriften niederlegte, bildete eine Zäsur, von der sich das Denken bis heute nicht erholt hat – im besten Sinne. Noch heute wird die deutsche Philosophie in eine Phase vor und nach Kant eingeteilt. Heinrich Heine adelte ihn als „großen Zerstörer im Reiche der Gedanken“. Sein Leben hingegen hatte wenig von dem eines Revolutionärs.

Er hat seine Geburtsstadt Königsberg in Ostpreußen nie verlassen. Während sein Denken die Welt erschütterte, war sein Alltag von einer fast pedantischen Regelmäßigkeit geprägt.




Die Bürger Königsbergs sollen ihre Uhren nach seinen täglichen Spaziergängen gestellt haben, so pünktlich war der Professor in seinen Gewohnheiten. Seine bedeutendste Errungenschaft war wohl die sogenannte „kopernikanische Wende“ in der Erkenntnistheorie. Fast zehn Jahre widmete sich Kant seinem Monumentalwerk „Kritik der reinen Vernunft“.

1781 war es fertiggestellt. Das Resultat bezeichnete Kant selbst als „Revolution der Denkungsart“. Er stellte darin die bis dahin gängige Auffassung völlig auf den Kopf:

Wir erkennen die Welt nicht, wie sie an sich ist, sondern wie sie uns durch die Strukturen unseres Verstandes erscheint. Er bricht damit mit dem Rationalismus und erwachte, wie er in seinem Vorwort schrieb, durch die Lektüre von Werken David Humes aus dem „dogmatischen Schlummer“. Nachdem er sich durch Rezensenten missverstanden fühlte, verfasste er ein erläuterndes und einleitendes Werk zur „Kritik der reinen Vernunft“, die „Prolegomena“. 1787 veröffentlichte er eine zweite und überarbeitete Auflage seiner Kritik. Ebenso bedeutsam war seine Moralphilosophie, die er vor allem in seiner zweiten Kritik, der „Kritik der praktischen Vernunft“ von 1788, dargelegt hat. Der kategorische Imperativ – „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ – gehört bis heute zu den unverzichtbaren Grundlagen ethischen Denkens. Kant befreite die Moral von äußeren Autoritäten und gründete sie auf die Vernunft selbst.


Königsberg i. Pr., Ostpreußen, Notgeldschein, 100 Mark vom 30.09.1922. Vorderseite: Ansicht Königsbergs mit Blick über den Schlossteich zum Königsberger Schloss, das 1944/45 schwer beschädigt wurde, nach dem Krieg verfiel und 1968 auf Anweisung Leonid Breschnews restlos abgetragen wurde.
Königsberg i. Pr., Ostpreußen, Notgeldschein, 100 Mark vom 30.09.1922. Vorderseite: Ansicht Königsbergs mit Blick über den Schlossteich zum Königsberger Schloss, das 1944/45 schwer beschädigt wurde, nach dem Krieg verfiel und 1968 auf Anweisung Leonid Breschnews restlos abgetragen wurde.
Königsberg i. Pr., Ostpreußen, Notgeldschein, 100 Mark vom 30.09.1922. Rückseite: Büste Immanuel Kants mit Früchtekranz, links und rechts Engelfiguren mit brennenden Kerzen.
Königsberg i. Pr., Ostpreußen, Notgeldschein, 100 Mark vom 30.09.1922. Rückseite: Büste Immanuel Kants mit Früchtekranz, links und rechts Engelfiguren mit brennenden Kerzen.

Auch politisch war Kant alles andere als zurückhaltend. Die Französische Revolution begrüßte er ausdrücklich als Fortschritt der Menschheit. Diese Haltung behielt er bei, auch als nach 1786 Friedrich Wilhelm II. die Regierung übernahm und Kant mit Sanktionen rechnen musste. Trotz zunehmender Zensur veröffentlichte Kant in dieser Zeit seine religionsphilosophischen Schriften. Nach ihnen lässt Gott sich nicht logisch beweisen, da Gott kein Gegenstand möglicher Erfahrung ist. Doch konsequentes moralisches Handeln ist nicht möglich ohne den Glauben an Gott. Daher ist die Moral das Ursprüngliche und die Religion erklärt die moralischen Pflichten als göttliche Gebote.

Kant hat nie geheiratet, keine Kinder, keine weiten Reisen unternommen. Sein Leben spielte sich in einem Radius von wenigen Kilometern ab. Und doch reicht sein Einfluss bis in die entferntesten Winkel der modernen Welt. Keine ethische Debatte, keine erkenntnistheoretische Diskussion in der Philosophie kommt an ihm vorbei. Der Mann, der Königsberg nie verließ, hat die Grenzen des menschlichen Denkens neu vermessen.


Elias Heindl


Literatur/Quellen:

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